Einzelbild herunterladen
 

58. Mr«.

1828

Marburg

MM, den 23. Mb» «Ubhardt

Der Anzeigenvrei, beträgt für den ggefp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. Amtlich« u. auswärt. Anzeigen 50. Bei schwierigem Satz 50°/, Aufschlag. Sammelanzeigen 100 •/, Aufschlag. Jietlamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werde« berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen nach Rechnungsdatum, sonst nach der Schlüsselzahl de» Zahluiw». tage«. Bei Schecks auf ausw. Plätze müßen wir di« Eingangs- u.Berzugsspes«« in An- rechnung bringen. - Schlüsselzahl de» v. d. Ztg,.-V. »am 20.—L6.10, 2000000.

^ie „OberhessischeZeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis 22.-27. Okt. 750 0u0000 Mark einschließlich Zustellungsgedühr. Für ausfallende Nummern inf. 240 btreilsoo.el«ment.Ereignisse lein Ersatz. — Big.vonDr. T. Hicheroth. — Druck der *’*' Univ.-Buchdruckerei von 2od. Aug. Koch, Markt 21,23. — Fernsprecher 55, Post­

scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Marn.

Amtliches VerÄndigungsblatt des Kreises Niarburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

Str SWMtnvM im Mmlsnil.

Was schon längs befürchtet wurde, ist nun cin- getreten: die Sonderbündler haben zu einem ent­scheidenden Schlage ausgeholt. Zn der Nacht zum Sonntag proklamierten sie in der Zentrale der bel­gischen Besatzungszone, in Aachen, „die rheinische Republik". Charakteristisch ist, daß alle bisher im Vordergrund der rheinischen separatistischen Bewe­gung stehenden Persönlichkeiten, wie Dorten, Smeets, Krämer und andere nicht an erster Stelle der jetzigen Putschbewegung stehen, sondern daß der frühere allerdings mit Dorten zusammen- »rbeitende Aachener Fabrikant Decker an der Spitze steht. In einer Erklärung, die er dem „Petit Parisien" machte, habe die Bewegung den Zweck, „ein freies unb neutrales Rheinland zu schaffen, etwa in der Form Belgiens im Kriege, oder Luxemburgs von heute". Die ganze Aktion geht darauf ^aus, die Freundschaft der Bölker des Westens zu erwerben, nämlich Frankreichs, Bel­giens und Hollands. Als Hauptstadt des Rhein­londes steht Decker Koblenz an. Die rheinische Re- xublik werde den Versailler Vertrag anerkennen und sei bereit, ihren Anteil an den Reparationen ju zahlen.

Das aktive Vorgehen der Putschisten ist zunächst örtlicher Natur. Trotzdem soll man sich über die Schwere des Ereignisses nirgendwo einer Täuschung hingeben. Die rheinische Bevölkerung ist fürchter­lich zermürbt, und die Tinge find fast noch schlim­mer geworden, seitdem der passive Widerstand ein­gestellt wurde. Die moralische Widerstandskraft weitester Kreise ist geschwächt, und das ist kein Vor­wurf, wenn man sich vor Augen hält, was diese Bevölkerung jetzt in fast 5 Jahren körperlich und seelisch durchgemacht hat. Dah die Bewegung ge­rade in Aachen ihren Ausgangspunkt nahm, hat feine besonderen Gründe.^ Die Sonderbündler neh­men an, dah sie mit der deutsch-belgischen Grenze eine Rückendeckung hätten, die es ihnen erlaubt, nun auch in die französische und englische Zone vor- zustohen.

Die Bewegung ist nicht abgeschlossen. Es ist auch nicht daran zu denken, dah der übrige Teil der Bevölkerung diese Dinger widerstandslos hin- nimmt. Wir stehen daher im Rheinland vor einer Wnz neuen Situation, bei der die rheinische Be­völkerung selber ihr Schicksal entscheiden muh.

Paris, 22. Okt. Ueber den Handstreich der Sonderbündler in Aachen liegen bis zum späten Nachmittag in Paris auher der ersten Meldung keine weiteren Nachrichten vor. Nach Berichten, die offenbar am Quai d'Orsay eingetroffen sind, steht en der Spitze der Bewegung der Kaufmann Beckers aus Aachen. Er habe der Gruppe Dorten und nachher der Gruppe Smeets angehört. Bon der elfteren sich'getrennt, aus der letztereir ^ei- et ausgeschlossen worden. Man wisse nicht, ob er mit Matthes zusammenwirke oder allein vorgehe.

Aachen, 22. Okt. Zu dem Putsch der Sonder­bündler in Aachen wird noch gemeldet: Gestern früh sahen die Bewohner auf dem Rathaus, dem Regierungsgebäude, der Post und der Reichsbank grün-weiß-rote Flaggen der sogenannten rheini­schen Republik wehen. Die Polizei,'die am Vor­mittag noch auf den Straßen zu sehen war, zog sich später zurück, und an ihrer Stelle standen zahl­reiche Leute mit Armbinden an den Hauptteilen der inneren Stadt, die den Zugang zur Regierung and Post verweigerten. Belgische Panzerautos sah man durch die Straßen fahren. Das Fernsprechamt arbeitet nicht mehr. Die Restaurants sind ge­schloffen. Auf dem Polizeipräsidium sieht man keine Flagge der Sonderbündler. Ueberall sind Plakate folgenden Inhalts angeschlagen. Rhein­länder, die rheinische Republik ist da. Jeder Wi­derstand wird unnachsichtig unterdrückt. Plünderer und Ruhestörer werden strengstens bestraft. Wir werden für Lebensmittel und Arbeit sorgen. Da­rum bewahrt Ruhe und Ordnung. — Don irgend­einer Wirkung auf die Oeffentlichkeit ist bisher nichts zu verspüren. Gerüchtweise verlautet, daß von Seiten der Arbeiter morgen der Generalstreik geplant ist.

Paris, 22. Okt. Rach einer Havas-Meldung aus Mainz verlautet aus Aachen, die Lage sei unverändert. Die Stadt sei ruhig. Belgische Patrouillen sicherten die Aufrechterhaltung der Ordnung. Eine Person, die separatistische An­schläge abrih, soll durch einen Schuß verletzt wor­den sein. ' ;

Aachen, 22. Okt. Die Sonderbündler haben von den hiesigen Zeitungen verlangt, daß sie sich unter ihre Zensur stellen oder ihr Erscheinen einstellen. Heute finden Verhand­lungen der Zeitungsverleger über dieses Ansinnen statt.

P a r i s, 22. Okt. Havas weist in einer Mainzer Meldung darauf hin, daß der A a ch e n e r Hand­streich der Separatisten das Werk der von der Partei Dorten unabhängigen Anhänger von Decker sei. Sorten habe auf die Bewegung kei­nerlei Einfluß. Er begnüge sich damit, die Tat­sache zu verzeichnen und verhalte sich abwartend.

Paris, 22. Okt Nach einer Havasmelbuyg aus Brüssel soll dem „Binglieme Siecle" zufolge der bel­gische Kriegsminister seinen Kabinettschef, General Gi- rou, zu Jnformalionszwecken nach Aachen geschickt haben.

Düren, 22. Cft. Den Dürener Zeitungen ist ein von Matthes und Klevinghaus über­reichter Aufruf zur Veröffentlichung übergeben worden, in dem es u. a. heißt: Versammlungen sind verboten. Zeitschriften und Druckschriften dürfen nut mit unserer Genehmigung erscheinen. Die unabhängige rheinische Republik ist erklärt. Die Vollzvgsgewalt liegt für das ganze Gebiet in - cn Händen der Exekutive, die Bezirks- und Orts- iommiffare als ihre Stellvertreter ernannt hat. Die ' Lebensmittelversorgung sei sichergestellt: Re- ouisttionen würden nur i-.t elleedrinK ndstem Um­fange vorgenommen.

Düsseldorf, 23. Okt. Tie von den Besät- n-'gsbehSrden angrordneke Berkehrssperve wurde auf iv? Zeit von 10.3ß Uhr abendsh bis 5 Uhr morgend beschrankt.

Der amtierende Tnsstldorser Regierungspräsident Grützner erklärt, dah mit einem Gelingen des S.'piru- tisienvmsches in größerem Umiange nicht $11 rechnen sei. In Düsseldorf selbst sind 2300 Separatisten außer Gefecht gesetzt worden. Im Stadtkreise Düsseldorf ebenso wie in Rheidt herrscht Ruhe.

e •

<t

Stenn, 23 Okt. Der französische Oberdelegirrte hat am Sonntag d.r Stadtverwaltung Bonn mit­geteilt, daß die Polizei bis vier llhr nachniittags sämt­liche Schußtvasfen abzugeben habe. Auf den Protest der Stadtverwaltung hin erging schließlich die Mittei­lung, daß der Besehl zurückgezogen werde. Die Poli­zei könnte ihre Waffen behallcn. Gestern nachmittag 4 Uhr erhielt die Stadtverwaltung neuerdings vom französischen Oberdelegierten die Mitteilung, daß so- elen ein Armeebefehl ergangen sei, daß auf Sonder­bündler nicht geschossen werden dürfe. Tie franzö­sische Gendarmerie sei zur Beobachtung der Vorgänge in Bonn bereitgestellt, um iestzusi llen, wer bei et­waigen Zusammenstößen zuerst schießen würde. Von französischer Seite wpxdk dabei betont, daß die Son­derbündler unbewaffnet aufireten. Französisches Mi­litär liege zu sofortigem Eingreifen bereit. Nach sicheren Informationen beabsichtig.n die Sonderbünd­ler, die ihre Truppen sammeln und mit Karabinern

bewaffnen, sich Heu e nacht 2 Uhr gewaltsam aller öffentlichen Gebäude Bonns zu bemächtigen. Infoloe Les französischen Schfeßve.bors ist die deutsche Polizei fast m achtlos.

Anmerkung des W. T.-B.: Daraus ist zu ersehen, was von den Versicherungen der Franzosen, daß sie neutral bleiben werden, zu halten ist und ebenso, was die ganzen Erklärungen des französischen Minister­präsidenten, daß die Entwickelung in den Rheinlan­den eine rein innerpolitische deutsche Angelegenheit sei, zu der Frankreich keinerlei Stellung nehmen werde, wert sind. Tie Franzosen liefern also die durch jahre­lange Bedrückung mürbe gemachte Bevölkerrung den lar.desverräterischen Verbrechern, die zahlenmäßig einen verschwindenden Bruchleil der rheinischen Bevö.ketung darstellen, völlig wehrlos aus.

Trier, 22. Okt. Dis 4 Uhr nachmittags hat die Lage noch keine Aenderung erfahren. Die öffentlichen Gebäude sind nach wie vor verrammelt Von den Sonderbündlern ist bisher noch kein weiterer Versuch zur Besetzung des Rathauses, der Regirrungs- und an - deren Gebäude unternommen worden.

Köln, 22. Okt. In Jülich ist der Versuch der Separatisten, die rheinische Republik auszu­rufen, an dem Widerstand der Behörden geschei­tert. Die Sonderbündler sind unverrichteter Sache wieder abgezogen. In Stolberg ist die Ordnung bisher nicht gestört worden.

Koblenz, 22. Okt. Heute vormittag fand eine Ansammlung vgg Separatisten vor dem

sidium statt, etwa 100 Mann zogen von dort über den Kaiser Wilhelm-Ring vor das Rathaus. Tie sich ein, stellenden Neugierigen wurden von der Polizei und französischen Kavalleriepatrouillen verdrängt. Dabei wurden nach den bisherigen Feststellungen drei Per­sonen verwundet, die aber nicht zu den Separatisten gehören Einer der Separatisten, der auf einen Deut­schen geschossen hatte, wurde von der Menge verprü­gelt. Das Von der Polizei abgesperrte Rathaus ist in den Händen der deutschen Behörden.

Mainz/22.Okt. Heute früh zwischen 5 und 6 Uhr sammelte sich eine Anzahl Separatisten vor dem 5. Polizeirevier auf dem Gartenfeldplah an und ver­suchte, in das Polizeire vier einzudringen. Da­bei kam es zu Schießereien, worauf sich die Sonder- bündler in einem Garten versteckten und von hier aus ein»Feuer eröffneten, das von der anderen Seite eitoioert wurde. Zwei 'ireibeamte wurden dabei verletzt. Nachher räumten Separatisten das Feld und zogen in Lastautos auf das Land.

Havas berichtet darüber aus Mainz: Heute Nacht 4.30 Uhr sind die separatistischen Truppen in Mainz eivgezogen. Eine Abteilung besetzte das Rathaus. Nach der Havasmeldung sei auf die separatistischen Truppen geschossen und zwei von ihnen verletzt worden. Darauf sollen sich die Sonderbündler zurückgezogen und eine Versammlung abgehalten haben. Sie wollen ver­suchen, mit der Polizei zu verhandeln. Die Truppen aber hätten sich alsdann nach der Umgebung gewandt und warteten dort die Befehle ihrer Chefs ab, um den Versuch morgen oder übermorgen zu erneuern.

M.-Gladbach, 23. Okt Von M.-Eladbach zogen die Stoßtrupps der Sonderbündler nach Viersen weiter, wo nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr die rheinische Republik ausgerufen wurde. Von hier aus ging der Zug nach Krefeld.

M. -E l a d b a ch, 22. Okt. Um 7y2 Uhr mor­gens sind bewaffnete Stoßtrups bei den M.-Glad- bacher Zeitungen erschienen und haben das Er­scheinen der Zeitungen für „heute" ver­bot e'n. Die Sonderbündler waren mit Aus­weisen vom „Rheinischen Unabhängigkeitsbund" versehen. Darauf marschierten sie zum Rathaus, wo di. ganze Polizei versammelt ist. Man weiß noch nicht, wie sich die Polizei verhalten wird. — Von anderer Seite wird gemeldet, daß gestern abend eine große Zahl von Sonderbündlern in das Bahnhofsgebäude eindrang und es besetzte. In den Wartesälen wurde eine Rote Kreuz-Station ein­gerichtet, die Polizei wurde auf das Rat­haus zurückgezogen. Gegen 1 Uhr nachts schlugen die Sonderbündler in der Stadt die glei­chen Plakate an wie in Hachen. Vis gegen Morgen hatreo sich die S-ndccbundler noch nicht aus dem Bahnhof hinausgewagt. Die Ruhe in der Stadt ist bisher noch nicht g s st ö r t wordcn.

Eschweiler, 22. Okt. Gestern nachmittag erschienen einige Abgesandte der sogen, rheinischen Republik bei der Stadtverwaltung und dem ge- schäftsführenden Beigeordneten der Stadt, um mit ihnen über die Errichtung der Rheini­schen Republik zu verhandeln. Sowohl die Poli,,eiverwaltung als auch die städtische Verwal­tung befinden sich noch fest in der Hand der bisherigen Gewalten. An der Polizei­wache steht allerdings ein sondert, ündlerischer Poften.

Mayen, 23. Okt. In den Strafen- fanden Ansammlungen statt, an denen sich aber meist nur Arbeitslose beteiligten. Die Menge zog vor das Haus des Mayener Führers, der darauf in einem Wagen die rheinische Republik proklamierte, wobei er betonte, Laß für Leöcnsmirtel ausgiebig gesorgt sei und man mit den bestehenden Behörden zu- fammenzuarbeilen gedenke. Den öffentlichen Ee- bäubrit wurden Sonderbündler zur Aufsicht boi- gegeben.

Stolberg, 22. Okt. In Büsbach bei Stolberg sind Polizei und Bürgermeisteramt von den Sondtr bürileri: in Verwaltung genommen werden.

Erke lenz, 22 Olt Heute morgen wurde auf dem hiesigen Landrcttsamt, sowie dem Bürgormoister- amt die Fahne der sogenannten rheinischen Repu­blik durch eine etwa 15—20 Mann starke bewaffnet' soi'derbündlelischr Gruppe gehißt. Be de Berwal.nngen stehen unter sondecbündlerischer Bewachung. In N.u' ist alles ruhig, ebenso in Engelskirchen.

Euskirchen, 22. Okt. Gest.rn r.achminag fand hier eine Versammlung der Sonderbündler statt, in der Dr. Kremers sprach. Tie Versammlung war

ist entgegen den Meloungen aus französischer Quelle dort alles ruhig.

London, 22. Okt. Der diplomatisch« Berichter* statter des „Daily Telegraph" schreibt, die britischen Bchörden wollten weder politische noch administrasive Unruhen innerhalb ihrer Besetzungszone. Sollten die rheinischen Trupf^n auf dem Eindringen in die bri­tische Zone bestehen, so würde sich General Godley und die britische Regierung veranlaßt sehen, eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen. Alle politischen und sozialen Unruhen, die im besetzten Gebiet außerhalb der britischen Zone ausbrechen, könnten nur die Ent­schlossenheit der britischen Behörden stärken, ihre eigen« Autorität aufrecht zu erhalten und diese Autorität nicht dadurch zu schwächen, daß man sie teilt, auf jeden Fall nicht, bis ein ^allgemeine Regelung erzielt sei.

Rom, 23. Okt. Die „Tribuna" hält die aus französischer Quelle stammenden Nachrichten aus Aachen und Mainz über die rheinische Republik für übertrieben und mißt ihnen geringe politische Tragweite bei. Die „Epoca" erklärt die Bewegung für französische Mache. Die „Sßece Republicana" fordert das Eingrei­fen Italiens, weil Deutschlands Zerfall aucb die italienische Einheit gefährde.

---♦---

Die glimm m Mein nnh Mr.

Berlin, 23. Okt. Aus gut unterrichteten Seiten des Ruhrgebiets wird uns mitgeteilt: Tie Entwicklung der Verhältniffe in Bayern und der Aachener Hand­streich haben die ohnehin kritische Situation im Ruhr­gebiet bis zum äußersten verschärft. In allen politisch führenden Kreisen wird mit großer Eindeutigkeit be- ■ tont, daß das Zusammentreffen der Ereignisse in Mün­chen und Aychen der schwerste Schlag war, der "aal bcsetzte Gebiet in diesen entscheidungsschweren Stunde« hac treffen können. Tie Auffassung weitester Kreise g f>t dahin, daß die maßgebenden französischen Kreis« die weitere Entwickelung der inneren deutschen Ver­hältnisse abwarten wollen. Ter Aachener Handstreich wiederum wird mit der Zuspitzung der Lage im Reich in direkte Verbindung gebracht. Darüber darf lein Zweifln bestehen, daß die Auswirkungen der Lage bal Ruhrgebiet am schwersten belasten.

Wenn arrch die separasistische Propaganda im uhr- grbiei in den letzten Wochen sich gesteigert hat, so be­stehe doch zu besonderen Befürchtungen von dieser Seit« her fein Anlaß. Dagegen darf nicht verhehlt werden, daß die politischen Kreise des Auslandes, die hinter den Sonderbündlern stehen, jetzt mit allen Mitteln dahin arbeiten werden, um auch di- Abtrennung btil Ruhrgebiets politisch durchzuführen. Ter Ausgang der laufenden Verhandlungen wird erweisen, wie stark die Kreist sind, die vorläufig auf indirektem Wege die politische Abtrennung des Ruhrgebiets durchzusühren versuchen. Wie mitgetcilt wird, haben die großen Werke Hoesch uird Union Feierschichten für die ganze Woche eingelegt

---♦---

Die Amlm des

Aus Antrag Württembergs und Badens bat der Reichskanzler eine Sitzung des Reichsrates etnbentfeu, die sich mit ven Disserenten zwischen Bayern und Reichsregierung befassen, und wahrscheinlich am Don­nerstag zittammentreten soll.

Auch die bayrische Regierung hat sich bereit erklärt, bte strittigen Fragen vor dem Rcichsrat zur Erörte­rung und zum Austrag zu bringen. In München so­wohl wi» in BerUn sind die vermittelnden Besttebun- (un bestimmter führender Kreise in der Richtung bte» scs Entschlusses geltend gemacht ivorbeit, und die Be­mühungen haben nun tatsächlich zu einer Entspannung der Lage geführt. In München bat bei den leitenden Kreisen der Reichsarbeitsminister Dr. Bramts die VermtttluntzStättgkelt besonders aufgenommen, und In Berlin hat der Bayerische Gesandte von Preger der Reichsregierung erklärt, bah Bayern nicht baran denke, die Reicbscinbeit irg-ndwie in Gefahr dringen zu wol- lcn. Eine derartige Erklärung ist auch von der bayri­schen S'.aatsreg ung erlassen ivorben, die sich bei ihren Maßnahmen aus den Artikel 48, Absatz 4 bet RclchSverfassung berief, ber folgenden Wortlaut hat: „Bei Gefahr im Verzüge kann die Landesregierung für für Ce'.n.n einstweilige Maßnahmen der im Ab- "c.h 2 bezeichne 'n An lAunerkraftsctznng von Grund­rechten und Einschreiten mit .<?ilfe der bewaffneten Macho treffe». Die Nlatznahw.cn sind aus Verlangen des Reicvspräüdenien ober des Reichsiages außer »-rast zu fetzen. Das Rädere bestimmt ein Relchsge- setz." Bei dieser Sachlage kann man davon sprechen, dah Mitzterständnisse hüben und drüben 3» einer frei- itch gefahrdrohenden Zuspitzung geführt haben. El» Ncichsgesetz, das bi» näheren Rechte der Lanbesreglck rungen seniegi, besteht bis beut» noch nicht. Andrer- ictts haben bis fetzt weder der Reichspräsident noch .der Reichstag mit den bayrischen Maßnahmen sich be- Za,äsligt oder ihre Aufhebung verlangt Bei dieser Sachlage war es das Ges,mene, die günze Frage vor den Rcichsrat zu bringen, zumal die bayrische Regie­rung erklärt bat, daß sie die Verpflichtung der bayeri­schen Reichswebetruppcn nicht in Form einer besonde­ren Lcreidtgung auf die Landesregierung beabsichtige.

nur von etwa 40 Personen besucht.

Berlin, 24. Oki. Rach einer Meldung der .Soff. 3tg.“ soll gestern in Wiesbaden hie wstsrrnfchs

Republik ausgerufen werden fein. Das Rathaus und das Negierungsgrbände feie« durch Sonder-

I bündler besetzt

Frankfurt a. M., 22. Okt. Wie um 12.20 Uhr mittags aus CroH-Geran mitgeteUt wird,