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.Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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Di« .überijeiftjdie 3eitungN erlLelnt iedremal wöchentlich. Lezngrvreis 15.-20. Okt. 165 01)0000 D ark einschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nunrniern in:. Streiksoo.element.Ereigniste kein Ersatz. Big. von Dr. T. Hitzerotb. Druck der llniv.-B«chdruS«rei von 2oh. Lug. «och, Markt 2123. ^ernjprecher 55, Post­scheckkonto: Rr. 5015 Smt Frankfurt a. Main.

Marburg

SienM Den 18. Sktsber

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58. grtri 1923

Der Lnzeigenvrei» beträgt fit »en Ogefp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. Amtliche u. auswärt. Anzeigen 50. Bei Ichwierigem Sa« 50 °/, Aufschlag. Sammelanzeigen 100/« Aufschlag. :> ellamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen nach Rechnungsdatum, sonst nach der Schlüsselzahl de» Zahlungs­tage,. Lei Scheck» aufusw. Platz« muffen wir die Eingang»- u. Lerzugsspesen In An­rechnung dringen. - Schlüsselzahl de» v. d. Ztgs.»L. um 14.20.,10. 600000.

3ir MIetmisilchm ler Meli.

Paris, 15. Okt. Der Sonderberichterstatter des Pet:t Journal" meldet, daß die Frage der Wkderauf- »ahmc der Sachlieferungen nach seiner Ansicht weder für die deutsche Regierung noch für die Franzosen und Belgier reif sei, und daß diese Frag« erst dann ver- handelt werden könne, wenn das Ruhrgebiet seine nor- male wirtschaftliche Tätigkeit wiedergcfundrn hat. Er habe gestern erfahren, daß von einer neuen Demarche des deutschen Geschäftsträgers, Botschaftsrat von Hoesch, bei Poinncarö die Rede sei, die wahrscheinlich sich auf die Sachlieserungen beziehen weich«. Man dürfe fragen, ob diese Unterredung nicht verfrüht sei. Die Lage im Ruhr- gebite sei noch nicht geklärt, und man sehe nicht, was Etresemann Frankreich Positives und Genaues anzu­bieten habe, bevor er sich mit den deutschen Industriellen geeinigt habe.

London,"15. Okt. Der Pariser Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt: Wenn das, was berichtet tzoerde, den Tatsachen entspreche, so beschränke sich ber Mangel an Interesse an der Entscheidung, die belgischen Borschläge vom letzten Mai der Reparation! bontmtfston unterbreiten zu lassen, nicht nur auf die Pariser Presse, sondern werde auch in Verantwortlichen Kreise» geteilt. ES scheine bezweifelt zu werden, daß die belgischen Vor­schläge viel Hoffnung bieten, Grundlagen für eine Lösung |u enthalten, insbesondere angesichts der verändertrn Verhältnisse in Deutschlaich.

Nochmals die Berhandluugen der Industriellen.

Zu dem Briefwechsel zwischen Stinnes und dem Kanzler tragen wir den Anfang des Briefes von Stinnes »och nach, weil er zeigt, daß er die-Anwürse, Stinnes habe «us eigene Faust mit den Franzosen verhandelt, widerlegt Es beißt da:

Ich nehme Bezug auf die Besprechung mit Ihnen und Herrn von Maltzahn über die im Westen zu ergreifenden Maßnahmen. Die Vertreter der rheinisch-westfälischen Koblenindustri« bitten, am Dienstag Nachmittag d,e grnnndsätzliche Entscheidung der deutschen Regierung dar- ftfrcr zu erhalten, ob die Regierung bei den mit Franke, ich zu führend«» Verhandlungen selbst etwa durch sofortige Aufnahme der Verhandlungen mit der Reparations- kommission die notwendigen Vereinbarungen für di« west- üchen Gebiete mit Frankreich treffen will ober ob sie es den Vertretern der westlichen ßHkle, insbesondere denan der rheinisch-westfälischen Kohlcnindustrie überlassen will, einen Modus vivendi mit den Besatzungsmächtcn zu tref­fen, um die Ernährung der Bevölkerung and den Bestand der Merke nach Möglichkeit zu sichern.

Die Eisenbahn im besetzten Gebiet.

WTB. meldet: Die Bedrängnis des befehlen K- »ieres hat den Relchsverkehrsmlnlster veranlaßt, an vas Personal eine Aufforderung zu richten nach der gegen die Ableistung des geforderten Dienst­eides nichts mehr einuweudea ist, »achdetii der Let­ter der Regie öffentlich erklärt hat, baß dte eidlichen Verpflichtungen, die die Regte von de» deutschen Eisenbahnern bei der Wiedsrausnahme der Arbeit ver­langt, einen rein beruflichen Charakter faibeit. Der geforderte Eid habe somit fctne politische Bedeutung.

Dazu meldet WTB. zu dem Austuf:

Zu allererst muß der Eisenbahnverkehr in Gang und möglichst auf die Höhe gebracht werden da ohne die Möglichkeit geregelter Zufuhr von Rohstoffen, un- beblnderier Abfuhr der geförderten Kohlen und des freien Austausches der erzeugten Produkte jeder Ver­such, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, sich bereits in seinen Anfängen totlaufen müßte. Daran dürste nach der neunmonatigen Abschnürung von Rhein und Ruhr teilt Zweifel mehr möglich sein. Der einzige Weg, dieses Ziel glatt und schnell zu erreichen, wäre die sofortige Rückkehr» des otls- ,nd sachk'undi gen Ve r ke brs p er so na ls. Em solches Verfainen lehnt jedoch Frankreich ab, ob­wohl es auf deutscher Seite weder bei dem Arbeit­geber noch bei dem Arbeitnehmer an gutem Willen fehlt, und sucht nach Einstellung des passiven Wider­standes auf deutscher Seite die französisch-belgische Ei-enbahnregie erst richtig in ben Sattel zu Heven, vor der Aufgabe des passiven Widerstands könnte dte Regle den Zweck haben als ein Polittsch-mllltärlfches Kampfmittel: heute ist für sie in dlefer Form kein Grund mehr vorhanden. Sie dient nur noch dem Zweck der politifchen Abschnürung und der Bildung eines ftlbständtgen Rhein- und Ruhretsenbahnnetzes unter ausschlaggebendem französischem Einfluß. Da­rüber hat der französische Vorstdende der Rheinland- konimisston. Tirard, seinen Aussagen gegenüber kein Lebl gemacht. Die jetzigen Hemmungen der Arbetts- ufnabme und der Wiederherstellung des Wirtschasts- kebcns sind in erster Linie auf solche französischen Ab­sichten, Bedingungen und Maßnahmen zurückzufüdren. veranlaßt durch die Bedrängnis des besetzten Gebietes hat der Neichsverkehrsmintster das Personal zur Auf­nahme des Dienstes bei den Dienststellen der Regie aufgefordert. Auch barten noch Tausende der Ansge- ivicfenen auf Rückkehr: noch schmachten wackere Eisen­bahner in Gefängnissen, ohne daß die Regie deren Rückkehr erlaubt. Die beutfibe Regierung wird kein Mittel unversucht lallen, nm diese ffret Arbeit und der Freiheit wiederzugeben.

Berlin. 16. Olk Aus dem Ruhrgbet wirb uns « a. mitgeteilt: D-r Aufruf des Reichsverkehrsminist.-rS an die Eisenbahner in den besetzt-n Gebete» zeigt, daß. von deutscher Seite alles getan w'w, um eine Entspan­nung bet Lage herbeizuführrn. Wie aus Kreisen der Eisenbahnergewerkschaften verlautet, werde» auch dies- ilr.-n ganzen Einfluß aufbieten, damit dir aUgem.t.'e Arbeitsaufnahme sich möglichst schnell und reibungslos Vollzieht, Eine grundlegende Aendmlvg der ist

Die Rentenmark.

Berlin, 16. Okt. Auf Grund deS Ermächtigungs- gcfetzcs hat die Reichsregierung di« Errichtung einer deutfchen Rentenbank befchlossen. Die Papiermark bleibt das gesetzliche Zah­lungsmittel. Neben der Papiermark ist in oer von der deutfchen Rentenbank auszugebenden Renten- mark ein wertbeständiges Umlaufs mit­tel gefchaffen, das von allen öffentlichen Kaffen in Zahlung genommen werden wird. Die Rentenmart ist gefichert durch auf Golomark lautende erststelllge Grundfchulden auf de» getarnte» deutfchen Grundbesitz und erstgradige Goldoblt- gationen der Industrie, deS Handels und der Banken. Sie ist jederzeit einlösbar gegen verzinsliche Goldrentenbriefe. ES darf mit Zuversicht erwartet werden, datz dieses neue Zahlungsmittel, das nach seiner Eigenschaft das Höchstmaß an Sicherheit bietet, im Verkehr mit un- eingeschränktem Vertrauen ausgenommen wird.

Di« deutsche Rentenbank wird von Vertretern der Landwirtschaft, der Industrie, des Gewerbes, deS Handels und der Banke» errichtet werden. Die Mit­glieder des Verwaltungsrates sind aus führenven Kreisen der gesamten deutschen Wirtschaft bereits ge­wählt. Der Auftrag zu: Anfertigung der Rentenbank- fcheine, bk die Unterschrift tiefer Persönlichkeiten tra­gen werden, ist erteilt worden. Die deutsche Renten­bank wird dem Reiche Zahlungsmittel im Betrage von 1,2 Milliarden Reuten- war,k zur Verfügung stell«». Gleichzeitig mit der Ausgabe der Rentenbank wird dl« Reichs - bank die Diskontierung von Schatzai«- weifungen des Reiches einst eilen. Da­durch wird dte Inflationsguelle der Pa- Vlermnrl gefchlosfen, und für die Reichs­bank di« Bahn zur Wiedetgewinnung ihrer Eigenfchaft als einer wahren, Goldnoienbank frei gemacht. Die Remr»- bank wird in einigen Wochen im Verkehr erscheinen. Um baldmöglichst wieder wertbeständige Zahlungs­mittel in ben Verkehr zu bringen, hat die Reichsregie­rung außetbcm die Ausgabe von kleinen Stücken der Gold anleihe (15 und 5 Dollart bis $ um Betrage von 200 Millionen Goldmark beschlossen. Damit nicht aus die Dauer zu viel verschiedenartige Zahlungsmittel im Verkehr bleiben, ist das Reich bereit, im Saufe des Januar des nächste» Jahres die kleinen Goldanleihe-' fcheine auf Wunsch in SHentenmart umzutaus chcn. Wer die Goldanleihe als Anlagepapier behalten will, wird hieran selbstverftsiudllch nicht gehindert werden. Dieser von der RechSregierung gestern beschloffcnen Maßnahmen sind eine Zwischenstufe zur endgültigen Lösung der Wahrungsirage, die nur - in der Rück­kehr zur Goldwährung bestehen kann. Vor­aussetzung jeder enbgiltigen Regelung unserer Ver­hältnisse ist neben der Klärung der ausländischen Lage die Wiederherstellung der finanziellen und wirtschaft­lichen Ordnung im Innern. Dafür fallen das Er­mächtigungsgesetz itnb das Atbeits- zeitgesetz den Grund legen. Auf dem Bo­

den deS Ermächtigungsgesetzes sind bereits die Um­stellung der Stenern auf Goldrechnung erfolgt, di« Demobilisierungsverordnung zweSs Befreiung der deutschen Wirtschaftsrkrast von Hemmungen geändert und die Grundzüge für durchgreifende Einfchtänrun- rat der Ausgaben geschaffen. Aus dieser Bahn wird dte ReichSrrgierung sortschreiten.

DerLokalanzeiger" will bereit fogenbe Einzel­heiten des Währung-Projektes wissen: Das neue Geld, das ben NamenRentenmark" führe» wirb, soll in Scheinen von 1, 2, 3,5, 10, 50, 100 und 1000 Ren­tenmark ou?gtge5«n werden. Kleinere Stücke in Pfen­nigen sollen geprägt werben und zwgr in einer Mi­schung von Alluminium und Messing. Sowohl der Druck der Schein^ als auch die Prägung der Schri- bcmünzen ist bereits im Gange. Voraussichtlich wird das neue Geld in der ersten oder zweiten Oktoberwoche in Umlauf gebracht werden. Die neue Rentenban? wird als Leiter einen Präsidenten haben, der bis zur Stunde jedoch noch nicht ernannt ist. Der Vertval- tuvdsrat wird aus vierzehn Mitgliedern bestehen und sich' aus führenden Angehörigen der Landwirtschaft, di r Industrie, bet Großbanken -und des Groß- unb Kleinhandels zusammensetzen. Außer diesem Verwal- lungsrat sol! ein Aufsichtsrat von 36 Mitgliedern ein­gesetzt werden. Die Errichtung der Rentenbank soll noch in dieser Woche erfolgen.

Berlin, 13. Okt. Die Streichung bet Mark im Ausland ist nun zur Tatsack? geworden Offiziell ge­strichen ist die Reichsmark schon seit einigen Tage» an dec Börse in Basel. Nun ist auch die Züricher Börse zu einer Streichung iibergegang?n. Zu zeitweiligen Streichungen der Marknotiz ist man an verschiedenen oberen aus­ländischen Börsen namentlich in Holland und in den ftan- dinavischen Ländern geschritten. An der Parifer Börse wird die deutsche Mark nur noch für je hundert Mil­lionen Papiermark als Einheit notiert.

Berlin, 15. Oft. lieber die Intervention s- tätig krit am Devisenmarkt berichtet bttVoss. Zeitung", daß für diesen Zweck dem Reichsfinanz- ministerium auch Devisen zur Verfügung stehen, die aufgrund der Verordnung vom 25. August au das Reich abzuliefern sind. Aus diese» Devisenab- Ikfrrungen, bie-man bisher auf etwa 100 Millionen Gold­in ar? schätzen dürft«, habe das Reich in Tagen der jüng­sten Intervention geschöpft. Wie das Blatt weiter be­merkt, ist mit einer durchaus genügenden Versorgung'der interbeniererben Stellen für Devisen zu rechnen, zumal sich der Devisenbegehr letzthin einem verhältnismäßig bescheidenen Rahme» bewegte.

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allerdings nur möglich, wen» der Güter- unb Personen- verkch: wieder auf ben Stand vom 11. Januar d. Js. ge­bracht wird. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Regle, eiustweileii nur den Verkehr auf ben großen Ost-West Strecken zu verstärke». Da dies nach Ansicht führender Wirtschcrftskreise nicht genügt, ist beantragt worden, daß mit größtmöglicher Beschleunigung all« stillgelegten Sto.- cken wieder in Verkehr genommen werden und daß die Anschlüsse nach dem unbesetzten Gebiet sichergestellt und dl-. Anschlußgleise der Zechen wieder freigegeben werden. Eine Besserung der Gesamtlage kann aber auch nur eintreten, wenn die militärisch'» Eingriffe in die Wirtschaft auf­hören. Die gestrige Besetzung der ZechenGraf Beust" unbHerkules" hat neue Erregung unter der Arbeiterschaft hervorgerufen, da eine solche Besetzung nach Aufgabe des passiven Mderstandes völlig sinnlos ist. Bei Krupp wur­den außerdem für die Eisenbahnregie 24 Güterzug- lokomotjven unb 172 Güterwagen reguiriert.

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Berlin, 13. Okt. Bei der Abstimmung übet das Ermächtigungsgesetz im Reichstag stimmten gegen das Gesotz: 17 Mitglieder der Barzeeisch?» Bolkspartei, der Deutschhannoveraner Alpers und die beiden Hospitanten des Zentrums Langwest und Sie-, Vers. Enthalten habe» sich sieben Abgeordnete und zwar von der Deutsche» Bolkspartei Töbrich, Hepp. Dr. Quetz, Stinnes, Dr.-Jng. Bögler, Zeschk unb bet Ho'pl- fttnt der kommunistische» Partei Reich.

Bayern und das Ermächtigungsgesetz.

München, 15. Ott. In bayerischen Regir- run.qskreisen ist man sich, wie derTag" schreibt, durchaus bewußt, daß im Ermächtigungsgesetz Kon­flikte zwischen Bayern und dem Reich verborgen sind. Man habe nicht das Zutrauen zur Reichs­regierung, daß man ikk Berlin solche Konflikte mei­den werde. Im übrigen wird hier ans der bis­herigen Politik Bayerns die Folgerung gezogen, daß es feinen Weg unbeirrt weiter gehen wird, wie es ihn unter dem jetzigen bayerischen Ausnahmezustand gegangen. Sollte es eine Verordnung von Berlin auf Grund des Ermächtigungsgesetzes darin hemmen wollen, jo wird sie, wie jetzt schon die Republikschutz­

gesetze, durch bayerische Verordnungen außer Kraft gesetzt werden.

Die ausländische Presse zum Ermächtigungsgesetz.

Der Pariser Berichterstatter derTimes" schreibt, Frankreich beobachte di« Gewährung der Vollmachten a» Sttesemann mit gemischten Gefühle». Werde er zum Thiers Deutschlands werden? Es bestehe di« ein­zige Befürchtung, daß der Reichskanzler der Ansicht sei, baß die Reparationen, ja sogar die Sachleistungen im gegenwärtigen Aug'nblick nicht wieder ausgenommen wer­ben können. Es müsse zugegeben werden, daß Frankreich keine großen Hoffnungen heg«, daß dieser Wechsel von Nutzen sein werd«.

London, 15. Okt. DieWestminster Gazette" schreibt, «s müsse angenommen werden, daß bi« Mehrzahl der gemäßigten Parteien einschließlich her Sozialdemo­kraten der Ansicht ist, baß das Ermächtigungsgesetz weuig- ftens besser )ei als der unerrech-nbare Konflikt bet zeittra- sugalen und auflösenden Kräfte, welche Deutschland be­drohen, und der fast ficher ausgebrochen wäre, wenn Streftmann gezwungen worden roärt, den Reichstag auf« zulösen

Reuter meldet aus Beplin, die Regierung Sttesemann könne jetzt mit einem weitreichenden Programm finanzieller unb wirtschaftlicher Reformen vorwärts fchrei- ten, in der Erkenntnis, daß sie die Unterstützung der Mehrheit der Vertreter des deutschen Volkes besitz«.

London, 15. Okt. Sogar RothermeresSundatz Pictorial" erklärt, Stresemann beabsichtige nichts unge­schehen zu lassen, um die Sraatsmaschinerie w eder in Betrieb zu bringen.

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Berlin, 15. Okt. DerMontag" oerösfentl'ckt eine längere Erklärung aus führenden Kreisen der beutsck- nationalen Bolkspartei über die Gründe dec politischen Haltung und über die weiteren Ziele der Partei. Tarin wird "ansgeführt, baß Demokratie und parlamenitri- fches System sich durch das EtmächtigungZg.yetz das Todesurteil gesprochen hätten. Ein Neues müffe kommen, wenn Deutschland iwch einmal erstehen soll Die Deutschuationalcn können in keine Regierung eintreten

und leine Regierung unterstützen, die sich nicht mit aller Schärfe gegen den äußeren Feind weichet. Die Erklärung betont zum Schluß, daß Deutschland ganz auf sich selbst g» stellt sei, nachdem alle Hoffnungen auf auswärtige Hilf« vergeblich gewesen seien. Aus dieser Erkenntnis werde bk Partei mutig und entschlossen die Folgerung ziehen. Es gelte in dieser Zeit eines zweiten Zusammenbruchs alle guten wahrhaft deutschen Kräfte zu sammeln $nt Rettung, zur sittlichen unb wirtschaftlichen Erneuerung und zur Verhinderung der Zerttllmmerung des Reiches durch Druck von außen.

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Das neue Arbeitszeitgesetz sieht folgende grund­sätzliche Bestimmungen vor: Der Grundsatz des Achtstundentages und der 48-Stunden-Woche wird beibehalten. Es soll aber zwecks Anpassung an die Konjunktur den Arbeitgebern die Möglichkeit ge­geben werden, an einer beschränkten Zahl von Tagen Mehrarbeit leisten zu lasten. Für den Fall erheblicher Arbeitsbereitschaft" ist auch eine län­gere als achtstündige Arbeitszeit vorgesehen. Förm­liche Ausnahmen vom achtstündigen Arbeitstag stnd vorgesehen durch Tarifvertrag und durch behördliche Anordnungen.

Sie

Berlin, 15 Oft. Wie bereits gestern berichtet wurde, hat die Reichsregierung besondere Maßnahmen getroffen, um bk schweren Folgen bet neuesten Mark­entwertung für bie besonders bedürftigen Bevölkerung-» .truppen, insbesondere auch für die Erwerbslosen derabzumindern. Dabei wurde für die Erwerbsloser» im besetzten Gebiet nach eingehender Erörterung mit den Vertretern der beteiligten Länder unb dem preußischen Renierungspräsidenten das Nachfolgend« angeoebnet:

In der Woche vom 15. bis 28. Oktober solle» di« Er- werbsloftt, des besetzten Gebietes neben etwaigen Schluß» Zahlungen, die po.t: für oie Periode vom 10 bis 16. Okto­ber zu leisten sind, Vorschüsse auf diejenigen Uuter» stützungssätze erhalte», die vom Reichsarbeitsministeriuu« am 18. Oktober für die Kalenderwoche vom 15 bis 20. Oktober festgesetzt' werde». Diese Vorschüsse dürfen bte folgenden Beträge maji übersteigen: das Dreifache bet Hauptunterstützuug unb das Doppelte bet Familienz»» schläge, wie sie in der Periode vom 10. bis 16. Oktober int unbesetzt?» Teil Deutschlands galten. Die Vorschüsse könne» in ihrem halben Betrage bereits in der erste» Hälfte di^Woch? ausgezahlt werden. Tie Schlußzahlun­gen fitr^ie Woche vom 15. bis 20 Oktober sind Mindestens am 23. Oktober zu leisten. Von da a» sind die Gmeeinden bis aus Widerruf ermächtigt, in der Mitte iebei Wocke einen Vorschuß auf bk Unterstützungssätze diese« Woche zu leich-n, der die Sätze bei vorhergehende» Woche nincht übersteige» darf D»e Schlnßzahlung ist dann jedesmal bis »um Dienstag der folg: iben Worb' zn entrichten. ,

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Wk bereits amtlich mitgeteilt worden, hat sich ins Kabinett in seiner letzten Sitzung unter anderem auch mit Richtlinkn über die künftige Wobnungspolckik der Re­gierung befaßt. Wie die Exp.-Korrespondenz erfährt, han­delt es sich bei dieser geplanten WohnungsPolitik um me völlige Umgestaltung des Woh­nungswesens. Die Regierung geht von bet Auf­fassung aus, daß bk Wohnungswirtschast sich auf eigene Füße zu stelle» hat unb baß die bisherig« Zü­sch u ß w ir ts ch a ft für bie Neubautätigk«it aufhören mußp Ein völliger Uebergang in bk freie Wirtschaft wird zurzeit noch nicht für möglich gehalten. Die Koste» bet Neubauten solle» künftig hauptsäch­lich aus ben Mieten ausgebracht werde». Zu biekm Zwecke wird für »notwendig gehalten, bie Mie­te» wieder dem Friedensstand zu näher» und zwar soll die Berechnung der Mieten nach dem LebenShaltIMgLinbex erfolgen Bon dem so den FricdrnsverhälsnM» angepaßten Mikts» aufkommen sollen 2030 Prozent für die Betriebs- und Instandsetzungskosten, 10 Prozent für ben Haus­besitzer (!) und der Rest für allgemeine Zwecke (För­derung bet Neubautätigkeit, Reparaturen, Währung usw.) jur Verweisung kommen. Die Mieterschutz- und bie Wohnungzmangel^Gefttzg.bung soll bestehen bleiben; b:e Wohnungsbauabzabe dagegen soll sorlfalft».

Der Apparat des Devisenkommiffars

Ter Reichstagsabgcorünete Tr. Hugo teilt uns mit:

Im Anschluß an meine Reichstagsrede, in welcher ich bie fehlerhafte Art der Devisenkontrolle streifte und bemerkte, daß bereits für diesen Zweck wieder 400 Per­sonen unproduktiv beschäftigt werde», tfl amtlich berichtigt worben, baß ber Devisenkommissar nicht 400 neu« Beamt« a»gestellt habe; vielmehr habe er nur entert Teil des schon früher mit bet Devisenkontrolle beschäftigten Per­sonals übernommen.

Ich stelle demgegenüber fest, daß ber Deviseukommissat tatsächlich ein Personal von rund 400 Köpfen für seine Zwecke beschäftigt. stelle ferner fest, daß diese Perlonen nicht aus dem Beamtenstab genommen, son­dern größtenteils in ben letzte» Woche» neu enga­gierte Privatange st eilte bei Tevisenbe- schaffungsstelle sind. Für meine Kritik ist es be­langlos. ob bet Devisenkommissar triefe Angestellten von der im Ausbau degrisseuen TevisenbeschassungsstellkLber«