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MOM Jätung

Amlliches VerAndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

Di«Odechesstsctze Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis 8.-13 Okt. 27 OVO 000 A ark einschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern inf. Streitsao.element.Ereignisse kein Ersatz. Blg.vonTr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankiurt a. Main.

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Donnerstag, ben 11. MM

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58. ÄbkS.

1923

Die MmAllWen bet SrvbiOWrielle».

Mau schreibt uns aus Berlin:

Um die Mitte der vorigen Woche waren die Rhein- und Niibrfragen ein brennendes Problem. Dieses Problem muhte unverzüglich angefaßt werden, da nach der Auf­gabe des passiven Widerstandes möglichst bald klare Ver- -ältnisse geschaffen werden müssen und jeder Tag, der dabei verloren geht, nicht nur ein moralischer, sondern Auch ein in die Billionen «ehender in serieller Verlust ist. Die Vertreter der Rhein- und Ruhrindustrie weilten da­mals in Berlin, um von der Regierung Instruktionen für ihre Verhandlungen mit Degoutte zu erbitten. Dir Re- »ierung war bereit, die Besprechungen sofort auszunebnien und an die Beamten im besetzten Gebiet Anweisungen ergehen zu lassen, wie sie ihr Verhalten einrichten soll­ten. Mitten in diese dringend notwendige Arbeit traf be Krisis, die die Geschäfte fast um eine volle Woche ziirück- ^ebracht hat. Es macht wirklich den Eindruck, als ob man im Reichstag und in den Partei'» den Ernst unserer Lage aarnicht durchschaute.

Der Pause, die durch die S'nft>3 erzwungen warten ist, ist es allein zuzuschreib.m, wenn jetzt über die Ver­handlungen zwischen ö.n Industriellen und Degoutte eine neue Parteifehde entstanden ist, durch die die Geiste« wieder einmal unnötig erhitzt und verwirrt werden. Die Industriellen haben sich durchaus loyal verhalten. Tie haben sofort nach Beendigung der Regierungskrisis mit hem Kabinett wicder Fühlung genommen Sie konnten sich ihrerseits die Panse nicht leisten, die der Reichstag durch die Herbeiführung der Krisis gerade in einem Moment größter Not eingeschoben hat. Sw' mußten sehen, hilf das Wirtschaftsleben und di? Produktion wieder in Gang kam. Und sie mußten rechtzeitig Sorge tragen da die Kredithilfe des Reiches und tue Lohnsicherung in »n paar Tagen zu End: sind. Unter diesen Umständen bleibt der Industrie nur die Wahl, möglichst rasch wieder inr Produktion überzuoichen. Und daß sie dazu mit den Gewalthabern an Rhein und Ruhr verhandeln müsse, liegt klar genug auf der Hand. Es ist töricht und ge­hässig, ihnen deshalb Landesverrat zum Vorwurf zu machen. Ein solches Verschulden liegt eher bei denen, die die Denkschrift der Ruhrindustriellen der Oefsentlich- keit verraten und damit auch den Franzosen Einblick in die Absichten der Industrie gewährt haben. Tieft Denkschrift' war durchaus vertraulich und sie war von den Arbeitgebern auf Wunsch des-Kabinetts ausg arbeite! worden. Ueber alle diese Dinge wäre vermutlich kein Wirrwarr entstanden, wenn der Reichstag sich die Re- tziernngskrisis erspart hätie.

3u welchem Ausgang die Verhandlungen mit Degoutte führen werden und wie sich die Regierung dazu stellen wird, wird skch jetzt in aller Kürze entscheiden. Der Aus- vang selbst hängt von dem Erfolg oder Mißerfolg des diplomatischen Schrittes ab, den die deutsche Regierung in Brüssel und Paris unternommen hrt. Sie hat von neuem versucht, die französische und belgische Regierung davon zu überzeugen, daß die Mitwirkung der deutschen Regierung bei den Wlederherstelknngsarbeiten an Rh in Und Ruhr notwendig ist. Es besteht aber wohl kein Zweifel, daß die Antwort ablehnend lauten wird und daß man unter irgend einem Vorwande di« deutsche Regierung von Rhein und Ruhr ausschließt, um dort den Herrn im fremden Hause zu spielen. Ist diese Si-Na­tion geklärt, dann wird sich auch die Frage entscheiden, wie wir uns nun Belgien und'Frankreich gegenüber ver­halten müssen und erst dann wird auch das letzte Wort über die Verhandlungen der Ruhrindustriellen mit De- goulte zu sprechen sein.

Zu derIndiskretion" erfährt TU. noch:

Die Verhandlungen sind in Fühlungnahme mit der amtlich ermächtigten Kommission geführt wor­den, wie auch die Regierung über alle Ein­zelheiten auf das genaueste, unter­richt e t war. Auf Wunsch des Reichskanzlers ist ihm in einem persönlichen Schreiben eine Dar­legung der Punkte übermittelt worden, über welche die Verhandlungsführer zur Festlegung der Per­handlungsgrenzen bei der Fortsetzung der Verhand­lungen Instruktionen der Regierung zu besitzen wünschten. Dieses Schreiben enthält keinerlei ultimative Forderungen; es ist, wie vereinbart, am vergangenen Sonntag der Reichskanzlei zugegangen, damit das Kabinett bis zum Dienstag dazu Stellung nehmen konnte. Ab­schrift desselben kann nach Lage der Sache nur aus der Reichskanzlei in unberufene Hande gelangt sein. Die Veröffentlichung in der Ullstein- presse (Bossische Zeitung" Rr. 477) stellt eine böswillige Verdrehung des Briefinhaltes dar, die eine Kenntnis des wirklichen Brieftextes zur un­bedingte« Voraussetzung haben mutz, wie die Oeffentlichkeit »ach Kenntnisnahme des Original­textes ohne weiteres festftellen wird. Die Fol­ge« dieses Landesverrats können in ,'hrer Tragweite noch nicht übersehen werde«. Die Entscheidung über die Veröffentlichung des Briefes mutz der Reichsregierung bei der Bedeu­tung der Angelegenheit vorbehalten bleiben, zumal der Brief auf Wunsch und nach Rücksprache mit der Regierung abgefatzt worden ist. Der ganze Sach­

verhalt ergibt die zwingende Notwendigkeit, ge­gen die verantwortlichen Urheber der Veröffentlichung wichtiger Staats- geheirnnissenmgeheud das Verfahren wegen Landesverrates zu eröffnen.

W. T. B. erklärt dazu, datz die Reichskanzlei dabei völlig unbeteiligt sei.. Es ist nun einmal so, datz es in keinem anderen Lande soviel Verräter in der Politik gibt wie bei uns.

Berlin, 10. Okt. Eine Erklärung in der Spitze derDeutschen Allgemeinen Zeitung" besagt: Gegen­über aufgeregten Berichtest über die Düsseldorfer Verhandlungen ist festznstlllen, daß «Ife bis­heriger. Darstellungen falsch sind und zum großen T'il ans Berichten der f indischen Auslandspresse 6c- rnhrn Seit Sonntag befindet sich das gesamte Mate­rial, d. h alle Berichte und die Verhanduugspcoto- kclie, in bei Händen d r R ge ung.

Berlin, 10. Okt. Ten Blättern zufolge treten am Fr:iiag das Präsidium und der Hauptausschuß des Reichsverba ndes der deutschen In­dustrie zur Erörterung der politischen Lage, im B.sonderen des Vorgehens der Ruhrindustriellen, zu eine: gemeinsamen Sitzung zusammen.

Köln, 10. Okt. Wie dieRheinische Zeitung" von zuständiger Stelle erfährt, fanden am Dienstag mit den Beauftragten der Bergarbeiterorganisationen und der Verwaltung der von den Franzosen besetzten Grub: , Lba:" tm Braun -hl ng b e Verhandln«' en über die Wiederaufnahme der Arbeit statt. Dem Blatt zufolg' haben die Franzosen auf die formukier- ien Fragen der Organi sa tio-nen aner­kannt: 1 die tariflichen Abmachungen, 2. das Be- triebsrätrgesetz unter der Bedingung, daß von der zu­ständigen Menge von hundert Zentnern pro Jahr fede Woche §.uet Zentner abgehoben werden, 3. die sozialpolitischen Sicherungen der Arbeiterschaft im Allgemeinen. Aus dieser Grundlage wich die Arbeit auf der GrübeLiblar" wieder ausgenommen.

Paris, 10. Okt. Die französische Regierung hat den Text des ersten Abkommens über die Sach- liesorungen, das zwischen der Fngepieurkommission tm Ruhrgebiet und der Gruppe Wolff abgeschlossen wurde, gestern der Reparationskommission unter­breitet.

Paris, 10. Okt. Havas meldet aus Düsseldorf, das Konsortium der Harpener Bergbauvcrwaltung habe der französischen Zngenieurkommission mitge- teilt, datz es bereit sei, die Reparationslieferungen wieder zu beginnen und die Aufladung der vorhan­denen Läger durchzuführen.

Paris, 10. Okt. DieJournee Industrielle", die die Verhandlungen der deutschen Industriellen mit den Besatzungsbehörden bespricht, schreibt:Man hat die besten Grunde anzunehmen, daß Poincare dabei bleiben wird, das Problem der lokalen Ausbeutung des Pfandes und das ungeheuer weiter reichende Problem b* Repara­tionen voneinander zu trennt«. Wenn die beiden Prob­leme ineinander laufen, muß eine demnächsttge Inter­vention Englands erwartet werden, die die Tinge wesentlich komplizieren, würde. Die Schwierigkeit liegt darin zu verhindern, daß die Frage der den Arbeitern im Ruhrgebiet zu zahlenden Löhne und die dec Bezahlung der gelieferten Waren durch die deutsche Regierung, die mehr oder weniger von der finanziellen Sanierung des Deutschen Reiches abhängt, nicht zwischen den beiden Problemen vorzeitig eine Verbinduno herstcllt."

DieLiberiH" bespricht den Abschluß eines Ab­kommens mit der Wolfs-Gruppe und sagt: Wir dürfen uns nicht von der Methode abbringsst lasten, die wir angenommen haben. Eine provisorische Lö­sung würde die Ergebnisse, die wir suchen, in Frage stellen. Das ist übrigens auch die einzige Haltung, die die übrigen Gläubiger Deutschlands davon ab­halten kann, zu behaupten, wir wollten sie schädigen. Schon klagt uns ein Teil der englischen Presse an, datz wir das Ruhrgebiet in eine französische Zn- teresiensphäre durch das Abkommen mit den rheinisch-westfälischen Industriellen umwandeln wollen. Nachdem man uns dort Katastrophen vor­ausgesagt hat, wirst man uns jetzt vor, wir trium­phierten schon zu sehr. Aber wenn die Angelegen­heit, wie Frankreich und Belgien dies will, der Reparationskommission überwiesen wird, haben wir für alle Welt gesiegt. Aber die Befürchtungen, die r.uui hinsichtlich unserer Aktion im Ruhrgebiet ausspncht. sind uns, so wenig sie gerechtfertigt er­scheinen, angenehm. Es ist bester, beneidet als be­mitleidet zu weiden.

Der Brüsseler Berichterstatter desEcho de Paris" meldet, wenn der Vorschlag der deutschen Regierung günstig ausgenommen und die französisch­

belgisch-deutsche Kommission zur Schaffung der Grundlage für die Wiederaufnahme des Wirt­schaftslebens im Ruhrgebiet gebildet werde, so werd? Belgien in ihr vertreten sein durch die Dele­gierten Rollain, Barguennires und den Leiter der belgischen Mission Hannecart.

Rom, 10. Okt.Mestagero",Eiornale d'Jta- lia" undTribuna" besprechen die wirtschaftlichen Unterredungen zwischen Stinnes und Degoutte so­wie die Unterhandlungen des Phönix-Konzerns im Sinne einer wirtschaftlichen Entspannung. Die .,Tribuna" glaubt jedoch, ^ah solche Unterhand­lungen eine Wirkung auf poiltischem Gebiet haben werden und ist der Ansicht, datz Poincar^ offenbar be'ginne, einer milderen Tendenz zu folgen.

Die Wirtschaftskrise im Nuhrrevier.

Nock, däm Nbruch des paftiven Widerstandes und der Einschränkung der finanziellen Hilfe tritt, wie der . Bötf -Eour." meldet, erst jetzt inE rheinisch-westfälischer, Jndustriebezirk die Wirtschaftskrtsis sehr stark in Erscheinung. Die Metallindustrie hat auf Grund einer Vereinbarung mit dem' Reichsarbeitsmini­sterium die Einschränkung der Arbeitszeit von 8 aus 6 Stunden Geschloffen.

Die Kruppschen Werke in Essen beschästigen ihre aefamte Arbeiterschaft nur noch 6Stunden täglich. Die Sonntagsschicht fällt ganz aus.

In den letzten Verhandlungen mit den Angestellten­gewerkschaften erklärte« die Unternehmer der Metall­industrie, daß ihre Mittel nur noch in ganz beschränktem Maße dazu ausreichen, tue Löhne und Gehälter zu zahlen.

Auch bei den A n g e st e l l t e n soll die A r b e >' t s; e i t eingeschränkt werden. Die Leistung der Werke soll '.'»mit in Einklang gebracht werden, weil die Gehälter nicht mehr vollauf bezahlt werden können.

Ak i)Hll|6je WMlmi i. IM bei Mmt.

Paris, 10. Okt. Ministerpräsident Pomcorä hat beute vormittag 11 Uhr den deutschen Geschäftsträger Botp schastsral v. H o e s ch empfangen, der gleiche Demarche wie vorgestern der deutsche Geschäftsträger in Brüssel bei der dortigen Regierung unternommen hat. Tie Unter­redung dauerte etwa eine Stunde.

Paris, 10. Okt. Zu der Demarche, die heute vor­mittag der deutsch: Geschäftsträger, Botschaftsrat von Hoesch. am Quai d'Orsay unternommen bat, schreibt der Temps": Der Ministerpräsident hat geantwortet, daß die Einstellung des passiven Widerstandes ciniach zu lokaleft Abkommen zwischen den alliierten Behörden und den Bewohnern der besetzten Gebiete führen müsse. 'Es sei nicht angebracht, diese Abkommen mit Verhandlungen mit der Regierung zu vermengen. An Ort und Stelle werde man fne, Einstellung des Widerstandes feststellen. Diese Antwort behind"re keineswegs die Verhandlungen, die später zwischen sämtlichen Alliierten und Deutschland eröffnet ioerben könnten, wenn der Widerstand aufgehört unixb« deutsche Regierung einen Zahlungsvvxschlag ge­macht Hobe.

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Paris, 10. Okt. Der Brüsseler Berichterstatter desJournal des Debats" meldet, in offiziellen poli­tischen Kreisen hoffe man, daß die Verhandlungen zwi­schen Paris unö Brüssel über die auf die gestrige Demarche des deutschen Geschäftsträgers zu erteilende Antwort heute nachmittag beendet sind, sodaß bk Minister Theunis und Jaspar ihre Haltung durch *> n Ministerrat billigen lassen könnten, der heuie nachmittag unter dem Vorsitz des Königs zu- samme »tritt. Der Berichterstatter zweifelt nicht daran, daß die deutsch: Forderung abgelehnt wer­den wird. - Berlin müsse anerkennen, daß sich jetzt auch Eisenbahner in Mais-rn (?) bei der französisch-belgischen Regie meldeten, um wieder eingestellt zu werden. Aus diesem Grunde brmiche man mit der deutschen Regierung keine Verhandlungen anzuknüpfen. Sr werde an die Reparationskommission verwiesen werden

Französische Arbeiter für den Frieden.

Parts, 10. Okt. Der Nationalrat dos Allge­meinen Arbeiterverbandes (C. G.T.) bat gesteni be­schlossen, am 11. November eine nationale Arbeiier- kundgcbung für den Frieden zu veranstalten. Die Kundgebung soll slattstnden tn Parts, Lille, Reims, Bordeaux und Straßburg, vielleicht noch tn einer wehsten Stadt.

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Aus den WM AMen.

Berlin, 10. Okt. Am 28. September besetzten belgische Truppen die Reich sbankneben- st e l l e M ö r s und bemächtigten sich der auf den Kaffentischen befindlichen Beträge in Höhe von runb einer halbenBillionMark. Außerdem ver­langten sie die Herausgabe der Tresorbeständs, die sich auf etwa 15 Billionen Mark beliefen. Da die Deffnung der Tresors verweigert wurde, wurden der schlüffelführende Beamte, ein Geldzähler und zwei Angestellte verhaftet. Das im Kaffenraum an­wesende Publikum wurde gewaltsam gezwungen, die

Geldbeträge die es mit sich führte, herauszugeben. Erst nachdem am 1. Oktober der belgischen $e» satzungsbehörde die Summe von 1 Billion Mark ge­zahlt war, verstanden sich die Belgier dazu, das Ge­bäude zu räumen und die Gefangenen, die während der Zeit ihrer Gefangenschaft weder effen noch schla- fen durften wieder freizugeben. Am 4. Oktober wurden von dem Kommiffar der belgischen Be- satzungsbeyörde auf der R s i ch s b a n k st e l l e Krefeld 599 910 845 000 M fortgenommen.> Am 5. Oktober wurden auf der R e i ch s b a n t» stelle Düsseldorf von den Franzosen auf De» fehl des kommandierenden Generals 3,800 Milliar­den Mark fortgenommen.

Düren, 10. Okt. Hier wurden 500 Milliarden Mark auf dem Transport von der Reichsbank nach der Deutsche« Bank von der Besatzungsbehörde soctgenommcn.

Bonn, 10. Okt. Die Sekretnärin der Zentrums­partei, Frau Bitter, ist ausgewiesen worden.

Essen, 10. Okt Vor dem Krttasgericht wurden zwei Interessante Prozesse verhandelt, die zu ven söge» nannten reservierten Sachen gehören, d. h. Sachen, bet denen das Generalkommando tn Düsseldorf selbst die Entscheidung über die Eröffnung des Haupwer- sahrens ausspricht. Beide Sachen waren vom General Degoutte an das Kriegsgericht Werden verwiesen wor­den. Der erste Prozeß betrifft das Gußstahlwerk Wit­ten, dec andere das Mannesmanuwcrk tn Witte». I« dem ersten Prozeß waren Ne Generaldirektor Hacklän- ber des Gußstahlwerks Witten, den die Ladung nicht mehr rechtzeitig erreichen sonnte, und der durch seinen Verteidiger Rechtsanwalt Grimm vertreten war, sowie Direktor Friedmann von der Glashütte und endlich eine Anzahl von Arbeitern des Gußstahlwerks und der Glashütte angeNagt. Die Arbeiter waren Wege Verstoßes gegen die Verordnung Nr. 31 (Koblenlrans Port ohne Geleltschein) angeNagt. Die Direktoren Hackländer und Friedmann wurden wegen Beihilfe zu diesem Vergehen angeklagt. Generaldirektor Hacklän- länder wurde in Abwesenheit freigesprochen. Von den Arbeitern wurden diejenigen sreigesprochen, die lediglich geholfen hatten, die Kohlen für ihre Kame­raden abzutransvortiercit. Die zwei Arbeiter, Welche die Kohlen erhalten hatten, ivurde» jedoch wegen Ver­stoßes gegen die Verordnung Rr. 31 zu einer Geld­strafe verurteilt,' obwohl einer von ihnen bestritt, daß der für ihn bestimmte Wagen Sohlen enthalten habe. Direktor Friedemann von der Glashütte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. In dem zweiten Fall hal­ten sich der Büroch-s Horst H:.:tte und der. Ober- Ingenieur Wellmann von den Mannesmannröbrenwer- ken in Witten wegen Behinderung der Aufgaben der .Iirgenieurlommission zu verantiv orten. Wellmann, der erschien war, wurde sreigesprochen. Der nicht er­schienene Horst.Hemke wurde zu 8 Tagen Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 10 000 Goldman verux- trilt.

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Sie Wort.

Die Reichsregierung wird nun unverzüglich daran geben, die ihr durch) das Ermächtigungsgesetz vev- licbenen Vollmachten in die Tat umzüsetzen. Die ent­setzliche neue Zerrüttung der Mark stellt die Reichs- rcgicrnng vor die Ausgabe, mit allen Kräften und unverzüglich tu den Fragen der Wirtschaftspolitik aktiv in werben. Ein Dollarsta.id von über 3 Milliarde» Mark kennzeichnet die furchtbare Situation, und wenn mcht raschestens und etwas Durchgreifende? geschieht, dann wir mit Verdoppelungen und Verdreifachungen dieses Kursstandes unbedingt zu rechnen haben. Das aber bedeutet eine in ihren politischen Folgen noch nicht abzusehende neue soziale Unruhe im Lande, die umfoeftärfer sich auswirken muß, K größeipdte Hunger­en fahr durch das vollständige Versagen der Mark als Wert und Tauschmtttel wird.

Um die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen ist die Rcichsregiening mit der Landwirtschast in Verbindung getreten, um größere Mengen von Ge­treide gegen Bszahluttg in Tollarschatzanweisungen frei zu befommett. Auch andere landwirtschaftliche Massengüter sollen aus diese Weise mobil gemacht' werden.

Die dringendste Ausgabe nach innen ist die der Stabilisierung der Mark.

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lieber die amerikanisch- Beteiligungen an der Währungsbauk schreibt die .Zeit": In der letzten Zett sind verschiedene Berichte über Verhandlungen mit am-rikanlfchen Regierungsstellen' und auch Finanz- kretsen über eine -Beteiligung an der Deutschen Währungsbank in der Prelle erschienen. Es besiebi wohl teilt Zwetiek darüber, daß das offizielle Amerika nach wie vor aus keiner Reserve nicht herastrelc» wi'd. Tatsache ist dagegen, daß amerikanische Bank­gruppen Interesse für die Deutsche Währungsbank ge­zeigt haben, und daß große Aussicht besteht, die Ver- Handlungen über eine Beteiligung dieser Gruppen zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Ebenso schweben Verhandlungen rnii anderen ausländischen Finanzkreisen, die zum Ziele haben, große Waren- (rebtte, ähnlich dem seinerzeit mit Holland abge­schlossenen, zu erreichen. Auch hierbei besteht große Aussicht auf Erfolg.

Die europäischeGeistesverfassung".

London, 10. Okt. Neuser meldet aus Was- hington, Präsident Coolidge sei der Ansicht, daß bei dec gegenwärtig in Europa herrschenden Geistesverfissu-iz treT.ig ober -nichts durch die Veranstaltung einer Welt- nirtschaftskonfcrenz gewonnen würde. Di« amerika­nische Regierung habe den europäischen Nationen de» Vorschlag unterbreitet, dgß eine internationale Kviii»