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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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St. 237

Die ^Oderhessiitde Zeiturp" eticbtinf jedjemol wöchrntUL. — kezugsvrei; 8.-13. Okt. 27 0tiOCOQ L ark ernschUehlich Zustellungsgedühr. Für ausiaHenbe Nummern ins. Streiksoo.elemenl.irreizmiie kein Eriatz. — Btx.nonDr. T.Hiserotl». —Druck der Uuiv^BuLdruckerei von Job. Äug. Koch. Markt 21 23. — Fernsprecher 56, Soft« . scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Dienstes, hen 9. Sltober

«ilbhardt

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58. Ml.

1923 '

Das neue Kabinett vor dem Reichstage. - Die Aussprache.

Wenn Gms Westarp verlangt, wir sollten den

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Reich nicht zu einer juristischen machen, 'm der Ernährtmg, Sohlenversorgunq reit Dingen Vom Reich adbängig ist.

•e R ei chsr-gt eru n« benutzen, dein unb ermeidkichc» Ikon­en 'D-m Ennäcbttgingsgesetz konnten 6*i Voraussetzung zusttmmen, das; Ber-

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Sitzung vom S. Ott, mittags 12 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht die Besprechung 9»egierungserklSrung. Damit verbunden stnd

griffen. Auch hervorragende Mitglieder der deut,4- nationaken Fraktion haben früher zugegeben, daß mar- nicht an der Masse der sozialistischen Arbeiterschaft Voc- .übergehen kann, wenn man das deutsche Volk zur ein­heitlichen Nation zusammenfassen will. Bei den natio­nalen Abstimmungskämpsen um deutsches Land und bei dem Rubrkampf fjiben die Sozialisten ihre nationale Pflicht nicht weniger getan, als allc anderen Parteien. Ein Ermächtigungsgesetz hätte doch eine rein bürg-rliche Koalition nicht gegen den Widerspruch der Sozialisten durchsetzen können. (Abg. Graf Westarp: Dann muß der Reichstag aufgelöst werden.) In dieser kritischen Zeit können wir unmöglich dar Volk der Belastungs­probe von Reichstagswahlen aussetzen. Der passive Wider­stand "konnte nur geführt werden mit einem einheitlichen nationalen Idealismus und nicht mit einem Rechts- oder Linksblock. Für diesen nationalen Idealismus auch d>e größten fraktionellen Opfer zu bringen, ist wirklich natio­nal. (Beifall.) Ich muß mein größtes Bedauern aus­drücken darüber, daß der Abgeordnete Graf Westarp über die ZurüÄveisung deS deutschen PapiergeDes hier Worte ausgesprochen hat, die geradezu katastrophal sind. (Zustiminung bei der Mehrheit, Widerspruch bei den Sozialisten.) Wir müssen vom ganzen deutschen Volk verlangen, daß es sich in Papiergeld bezahlen läßt, sonst haben wir daS Ehaos. Auch die deutschen Arbeiter, Be­amten und Kleinhändler lassen sich mit Papiergeld be­zahlen, und die Landwirtschaft hat nicht das Recht, sic Parole von der Zurückweisung des Papiergeldes hinaus- zuschsiudern. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit. Widerspruch bei den Deutschnationalen.) In der Wäh- vunasfrage hat die Regierung mit größtem Eifer ge­arbeitet, aber eS war vielleicht ein Fehler, bei diesen Maß -ahmen 4« viele Sachverständige zu hören, die sich nicht einig waren. Der Abbruch deS passiven Widerstan­des hat dir einmütige Zustimmung aller Ministerpräsi­denten gefunden, und der bayerische Ministerpräsident hat wohl eine Stelle mißverstanden, wenn er..sich gegen die sofortige Verhandftingsbereitschast wandte, wovon in dem Aufruf an das deutsche Volk gar nicht gesprochen

freier unfercc Partei in bet Regierung seine Durchführung »verwache« können. Im Ruvrgbiei haben die Bergbauunternebuler jetzt eine offenkundige Gesetzesverletzung begangen, ludem ste auf eigene Faust beit Achtstundentag btttd) Anschlag ansheben wollten. Wir verlangen ein Einschreiten ter Regierung gegen biefe G-setzeSverächtcr. Die letzte Shife ist zum Schaden der Ratio» angeschnitten wor­den von einem früheren preußischen Minister, der es wieder werden möchte (Rufe bet den Sozialtslen: Siegerloald!). und von einem anderen aus Privat- 'nteresse^ (-stufe: Stiunes». Die Sozialdemokrateu finb nach schweren inneren Kämpfen wieder in die Re­gierung eingetreten. Wir boffen, daß dieses Experi­ment nicht scheitern wird. Wir bringen daS Opfer, vorübergehend unpopulär zu sei», weil wir der Arbei­terschaft und der Republik diene» wollen. (Lrvh. Bei­satz bei den Sozialisten.)

Abg. Bell (Ztr.): Tie Koalition wendet sich in dielet ernsten Stunde mit der Bitte um Mitarbeit an alle Schichten. Wir begrüßen die Zurückhaltung, bk* sich der Reichskanzler Bayern gegenüber anserlegt bat. Wir müssen auch tn kultureller Hinsicht ber berechtigten Eigenart Bayerns und der übrigen süddeutschen Län­der Rechnung ttagen. Durch das ErntächtignngSgcsetz tflri sich das Parlament durchaus nicht e r w a a « S s ch a l t e n. Die Ssttveränitä! der Polks- tzeitretung darf nicht in andere Hände übergeheil. DaS Ermächtigungsgesetz gilt für eine vorMerg-bende Zeit der Not und soll die Erledigung der notwendigen Maßnahmen beschleuniget. Am Aufblühen unserer Wirtschaft und unserer Großindustrie haben alle Volks- kr. ife ein Interesse. Die Ueberspannung der ftrtfe hat auch politisch sehr schädlich gewirtt. In der Wäbrnngs- frage richten wir an die Regierung die dringende Mahnung nicht ettna eine Zwischenlösung länger vin- ausznschieben, sondern vor allem auf eine endgültige Lösung deS WährungSproblemS hinzuwirken. An Frankreich müssen wir die Frage richten, waS Deutsch­land den» eigentlich noch ftttt soll, um seinen Verstün- dtgungwillen zu zeigen. Der Redner fichrte weiter aus: Wir wenden uns energisch gegen die Unkenrufe, man solle daS Rheinland seinem Schicksal überlasten. Wir wollen und werde« die Rheinlande nicht int Stiche lassen. Deutschland kann «übt gerettet werden durch daS Phantom des starken Mannes, sondern nur durch ein starkes Bork. Die RetchSeinhelt wird allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, wen» sie sich nicht selbst preiSgibt.

Versailler Vertrag für nichtig erklären, so Übersicht er, daß dieser Vertrag gegenüber der steigenden Gewalt- politik einen gewissen Schutz für Deutschland bildet. Wir müssen erst die Verhandlungen abwarten und nicht vor ihrem Beginn erklären, daß dabei doch nichts herauskom­men wird. Der Kampf um den Rhein geht werter, aber er kann nur von einem geeinten deutschen Volke geführt werden. (Lebhafter Beisirll und Händeklatschen im Saal ttnb auf den Tribünen; Präsident Loebe untersagt Kundgebungen auf den Tribünen.)

Slbg. Dr. Scholz (D. Vpt.): Der Legende von dem Dolchstoß der Deutschen Bolkspartei muß tut Ende gemacht werden. Wir haben lediglich in dieser ernsten Zeit alle Parteien zur Einigung aufgerufen und danken der Regierung für ihre Entschlossenheit und das Ver- antwortlichkeitsgesühl, mit dem sie die unhaltbaren Zu­stände vor dem völligen Zusammenbruch beendet Hai. Der Redner verteidigt die Verhängung des Ausnahmezustan­des, die Ordnung müsse unter allen Umständen rufrecht- erhalten werden. Meine Partei erwartet von der Re­gierung die Mederherstellung nicht nur der Ruhe und Ordnung im Reiche, sondern auch der Staatsautorität in Sachsen und Thüringen. (Großer Lärm links, Glocke d's Präsidenten.) Ein« Ordnung unserer Währung ist für uns untrennbar von einer Ordnung der Wirtschaft über­haupt. Wir verlangen Beseitigung der Demoollntach- ungsverordnungen und die Befreiung des Außenhandels von allen Fesseln. Das alleinseligmachende Dogma des Achtstundentages ist nicht ausrechtzuerhalten.

Abg. Koch (Dem): Meine Frattion begrüßt die Wiederkehr ber Koalition. Bezüglich des Ausnahmezustan­des muß bald eine Klärung »wischen Bayern und dem Reich eintretcn. Widersetz sich dann der bayen'sche Mini­sterpräsident, so würde er sich den Vorwurf der Reichs- rertrümnrerung machen. An eine Katastrophe des Deut­schen Reiches glaube ich nicht, wohl aber an einen zu­nehmenden Verfall, wenn nicht Abhilfe geschaffen Wirb.

Abg. Leicht (Bayr. Vpt.): Wir richten an alle Regierungen und Parteien die Mahnung, das Nebenein­ander bestehender Verordnungen und die sich daraus er­gebenen Konsliktsmöglichkeiten auf ein Minimum zu be­schränken. Dem Ermächtigungsgesetz können wir nicht zusiimmen, der Schluß deS Gesetzes ist eine Ungeheuerlich­keit in der Gesttzgebung. Mr wollen alles tun zur Er­haltung unseres allgemeinen großen Vaterlandes.

Bon den Regierungsparteien ist inzwischen folgendes Berttauensvotum eingegangen:

„Der Reichstag billigt die Erklärungen der ReichS- regierung und spricht ihr das Vertrauen aus."

Abg. Remmel« (Koninr^: Die Zentrale unb die Fraktion der K. P. D. richtet an bte nerktätige Bevölkerung einen Aufruf zur Abwehr der kapiiairflischcn-junker- lichen Militärdiktatur und Er-ichtung einer Regierung aller Werttätigen. (Beifall bei den Kommunisten.) Von den Kommunisten ist inzwischen namentliche Abstimmung 1.6er LtoS VertrauensvvftlM •fceßnlroji worden,

Bon den Sozialdemokraten ist folgender Antrag ein» gegangen:

«Der Reichstag bllligt die Rechts auffass ung der ReichS- regierung über die bayerische Ausnahmeverordnung und erwartet von der ReichSrogierung baldigst eine Klärung der Lage."

einer marxistischen Vorherrschaft nicht gesprochen wer­den kann, beweist am ü.st.n b'.e Gegnerschaft der Sozia­listen auf dem Brzirksparlcitag geaeu bte jetzige große Koalition. All- Parteien haben Sie große Beventung der Koalition m' seiner jetzigen ZLfammenfe'tznng be-

< Abg. Graf v. Westarp (Ttntl.): Wir können das neue Kabinett nur mit den Worten begrüßen. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten" (Sei-- ferkelt). Schwankende Gestalten, grotesk und komisch, haben die Verhandlungen geleitet. Draußen vor den Toren steht der Feind. Der Parlamentarismus Hot ° versagt. Des Reichskanzlers Antwort ans diese Fest­stellung ging au dem Kern der Sache vorbei. DK , jDttantl der Wirtschaft haben sich vttsagt,, diesem

deutschnattonale Anttage aus Aufhebung des Aus- «aymezustandeS tm Reiche unb bte kommunistischen Anträge auf Beseltigung der militärischen Nachrrch- tcnzensur, ber bayerischen Anttstret (Verordnung, bes Ausnahmezustandes ick Bayern und im Reiche sowie »er bayerischen Verordnung gegen die kommunistische Presse.

Abg. Dr. Br eit scheid (Soz.): Wir billigen die Aufgabe des passiven Widerstandes, weil er finanziell nicht mehr zu ertragen war. Wir hörten mit Ent- fctzen, daß tn der letzten Woche bte Finanzierung des Widerstandes 7000 Billionen erforderte. Der schwerste Vorwurf trifft das verflossene Kabinett Euno. Die Regierung Cunos bat auf den lieben Gott und Eng-, tottb gehofft und die Hände fn den Schoß gelegt. Die Dtuischnaiionalen waren immer nur bereit, die Opfer der anderen zu bringen. Die Separattstenputfche, bte von französischen Kreisen unterstützt werden, ändern «ichs daran, daß bte Bevölkerung des RbeinlandeS niemals bte Trennung vom Reiche und bte Bildung eines selbständigen Kleinstaates will. Die Rhcin- fartbe find deutsches Land und müssen eS bleiben. fLcbh. Zustimmung.) Wir verlangen andelrersetts, baß die Regierung nichts unversucht läßt, zu einer direkten Verständigung mit Frantteich zu kommen. (Nnrube rechts.) Zu diesem Zeitpunkt, wo Sttnnes den Weg zu General Degoulte gesunden hat. Der Ernst unserer Zeit wird gekennzeichnet durch die Worte Bahent^und Küstrtn. Der Küstrtner Putsch ist ei"e Episode in einer groß,angelegten Beioegung, die zum Glück> nicht zum Ausbruch gekommen ist. In Bayern ist einstweilen der fchwarz-weiß.roie Teufel d-rch den weissbiauen Belz-bnb anSgelrieben wor­den. Hitler ist ein offener, Kahr ein minder offener, aber noch gesähriicherer Feind der deutschen Republik. Er hat mit seinem staatsrechtlich ganz Liimöglichen bayeri>ck»en Ausnahmezustand die Macht­mittel dcS Staates angewandt gegen die Arbeiterbe- w-gnng. Das ist ein fkandalösor Zustand, gegen den «rzukümpfen nicht nur Vie Kommunisten verpflichtet Pud, sondern alle bteienigcii, die es mit der Republik «md mit der Freiheit der Presse ernst meinen. Herr v. Kahr möchte die tatsächlich bestehende Trennung

I politischen Getriebe, diesem Parlamentarismus, die­ser großen Koalition und diesem Dr. Stresem ina, der mit den Sozialisten zusammen regieren w'll. Lanze wird dir Koal'tion nicht halten. Solche Stöße wie die letzten blieben nicht ohne tiefere Wirkung. Dr Strese- mann verkündet die Meinung, Deutschland könne nichj gegen die Sozialisten regiert werden. Wir ver­langen und fordern die Loslösung von den Soziali steen. Wir stehen ick klarer Oppo­sition. Wir sind mit diktatorischen Befugnissen einer Regierung einverstanden. Einer unter sozialistischer Boryerrschast siebenden Regierung darf eine dckta- torifche Befugnis in Fragen des Eigentum? nicht er­teilt rm-rbert. ’J'r. Breitscheid ist nach außen hin Pazifist, nach innen aber Gewaltpolitiker. Wir leh­nen die von ihm geforderte Gewaltpolitik gegen Bayern an. Zu Herrn Kahr haben wir volles Vertrauen. Tr Hilftrding bat als Finanzminister vollkommen ver- sagr. Er hat die Lösung deS Währungspeoblems verzöge, t. Jetzt besteht die Gefahr, daß das Bolk wegen dieser Mängel fein Brot bekommt. Tas jetzige Paviermld ist doch kein Zahlungsmittel. Dafür kann keiner etwas kriegen (Stürmische Rufe bei den Sozia­lsten: Das kriegen die Arbeiter und sie Ivollen ihnen dafür kein Brot geben). Dadurch, daß aus partei­politischen Gründen die Lösung des Währungsvrob- lenrs verbind worden ist, entsteht die Gefahr, daß' das deutsche Bo?, mit halfen Scheunen verhungert (Er­neute Unruhe und Rufe: Sie reizen die Ballern zur Hungerblockade an!). Der Reichskanzler hat Eingriffe tn bit Preispolitik ber Kartelle unb Konventionen an*- gekündigt. Was will er machen? Will er die ZivangS- wirtschaft mtt Höchstpreisen einsühren. Aus ber an« bi teu Seite ist bte dringend notwendige Aufhebung des gesetzlichen Achtstundentages aus dem Ermächtigungs­gesetz herausgerissen. Wir wollen den Abbruch des passiven Widerstandes nicht als Anlaß nehmen, Bor- nürfe gegen die cheinische Bevölkerung zu richten, bet iiir für ihr mutiges Ausharren größte Bewundentng zollen. Wenn Tr. Breitscheid verallgemeinernd von Kreiser, spricht, die mit der Ruhrhilfe Mißbrauch ge­trieben hätten, müsse man endlich Beweise verlangen. Sonst müsse man Breitscheids Angriffe als verlmm- dcr sch zinückwns n. Tie Scz'aliften haben wegen ihrer Klasser.kampsillussiouen die Einheitsfront an bet Ruhr zerstört (Widerspruch und Lärm bei den Sozialisten). Ter Abbruch des passiven Widerstandes war unver­meidlich, aber damit zugleich mußten alle Beziehungen zu Frankreich und Belgien abgebrochen, mußten die Leistungen eingestellt unb der Versailler Friedens ver­trag abgelehnt werden. Ter General Rollet hat jc^t neue Entwaffnungsfordcningen gestellt. Wird die große Koalition endlich mit dem Abbruch der Bezie­hungen zu Frankreich antworten? Wir verlangen den Abbruch der Beziehungen mit allen Konsequenzen (Ruse bei den Sozialisten: „Also den Krieg). Ja, leben wir dtnn jetzt im Frieden? Ist nicht ber Friedens- Vertrag von Versailles eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln? (Lebhafte Zustimmung rechts. Abg. Ledebour: Sie wollen den Einmarsch der Fran­zosen!). Mit der Möglichkeit eines Einmärsche» rech- Inen wir (Rufe links). Was wir dann zu tun haben, darüber will ich mich jetzt nicht äußern. Wer daraus verzichtet, der feinblidjen Gewalt Gewalt entgegenzu- setzen, der verzichtet auch <rtf Rhein und Ruhr. Wit lehnen es ab, die fnndliche Gewalt durch feißize Nn- tcrlchrift zu besiegeln (Beifall und Händekiatschen bei den. Tevtfchnationalenf Zischen und Schmährufe bei den Sozialisten und Kommunisten).

Reichskanzler Strrsemann: Ich bedauere, daß in der Zeit bes außenpvlittfchen Druckes der Vorredner eine Rede mit so starkem partripolitisch-m Einschlag gehalten hat. Statt die Regierungskrise zu vermeiden, haben die Deutschnationalen in das Feuer hineingeblasen. (Unruhe rechts. Beitall bei ber Mehrheit.) Es ist sehr bedenk­lich, wenn Gras Westarp die Hofsnung auf einen Verfall der jetzigen Koalitionsregierung ausfpricht. Ein natic* naler Mann müßte hoffen, daß wir in ernster Zell endlich zur Ruhe kommen. Sie sind in Opposition getreten gegen dieselben Stenern, die sie selbst bewilligt haben. S« haben dir Steuern im Kabinett Cuno dem Kabinett be­willigt, aber nicht dem deuttch-.n Vaterlande. Wir soll­ten endllch daran gehen, die Staarsvertreler als SStrtreMi des Vertrauens anzusehen und sollwn nicht die jeweilige Regierungskoalition in ihnen < rbttcken (Beifall. Unruhe bet den Deutschnanotmlen.) Das deutsche Volk wird jetzt von fincm Schlagwort zum andrer getrieben. Jetzt heißt es wieder: „Los vom Manismus!" Bweuken wir einmal was wir darunter zu turstehru haben. (Ruse bet den Dechschnationalln: „Aushebung des privaten Eigentums!" Gelächter bei der Mehrheit.) i Daß von

Aba. v. Graefe.(D.-Bölk.): Wir haben von vorn­herein erttärt. daß ein nur passiver Widerstand erfolglos bleiben mußte, wenn er nicht untersiützt wurde durch einen starken nationalen Willen, wie er in den Sabotage- atten zum Ausdruck kam. Ich «ebne auf eine nationale Erbebun<r unb hin bereit, die Kvnseounenzen zu ttagtn- bi-i, diese nationale Erhebung mit sich bringt.

Reichsministrr des Innern S 0 l l m a n n weist die Be­hauptung des Vorredners zurück, dqß der preußische Innenminister Severino die Beamten bei Ruhraebietl »ur Unterwerfung unter die Befehle ber Rbeinlandkom- mission angewies-m habe. Diese Behauptung Kamme aus trüber Quelle und sei durchaus unwahr Der Mini­ster wendet sich bann gegen die jüngste Rede Poincaröß und weist erregt einen Zuruf des Abg. Helfserich zurück, lvobei er betont, daß an demselben Tage, an dem vor dem Dom in Köln Hunderttausend« friedlich ein Bekennt­nis zum deutschen Vaterrlande ablegten, 10000 durchs französische Freikarten geköderte zweifelhafte Gestalte» in Düsseldorf eine Kundgebung für die Rheinisch« R«M- blik veranstalten dursten. Der stanzösischr Minifterpräfi- dent hat in seiner letzten Rede diese Hochverräter in Schutz genommen und die deutschen Polizeibeamten einer grau# tönten Gemetzels beschuldigt. Namens der Reichsregierung lege ich gegen diese ganz unberechtigte Anklage gegen die deutsche Beamtenschaft Verwahrung ein. (Leoh. Beif.)

Reichswehrminister Dr. Geßler bezeichnet die Vor­gänge von Küstrin als eine Komödie und spricht der Reichswehr seinen Dank ans. Er werde die ihm au# vertraute Macht rücksichtslos einsehen. (Hört! .Hört!),' Die.gegen die Presse -erlassene Zensur Verordnung werde in aller Kürze aufgehoben werden.

Abg Ledebour (Unabh.) und Bartb (Jtomnt! Janen der Reaieruna Kamps an.

Hierauf wird das Bertrauensvoinm für die SRtgieruttg in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Deutsch# nationalen, der Bäuerischen Bolkspartei und der Komi- ntunijtett angenommen. Die namentlichen Anträge auf Beseitigung ber Ausnahmezustände im Reich und t» Bayern werden abgelehnt. Der sozialdemottal'sche An­trag, in dem die Recktsauffasiung der Reichscegieruazj über die bayerische Ausnahmeverordnung gebilligt wich« wird angrnomnvn.

Dienstag, nachm. 2 Uhr: Ermächttgungsgesch. Wih-' rungsbank und tteinere Vorlagen.

Schluß 121/, Uhr nachts. . •

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$15 KrMAuWM in Sritsrot inoHmtn.

Berlin, 8. Okt. Der Reichsrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Ermächtigungsgesetz 6d Stimmenthaltung Thüringens zugestimmt Dagegen stimmten außer einigen preußischen Provinzen Bayern und Mecklenburg-Strelitz. Der Gesetzentwurf ist also vonf Reichstag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit an­genommen. Das Ermächtigungsgesetz, das von der heuti­gen Tagesordrmng des Reichstages Vorläufig abgesetzt worden ist, hat folgenden Wortlaut:

§ 1. Die Reichsregierung wird ermächtigt, btt Maß­nahmen zu treffen, welche sie auf finanziellen^ wirtschaftlichem und sozialem Gebiet für er­forderlich und dringend erachiÄl. Dabei kann von btw Grundrechten der Reichsversasiuug abgewichen werben. Die Ermächtigung erstreckt sich nicht auf Regelung d« Arbeitszeit und auf Einschränkungen bet Unter­stützungen der Versicherten und Rentenempfänger der So- zialverficherung sowie der Kleinrentner. Die erlassenes Verordnungen sind dem Reichstag und dem Reichs roß unverzüglich zur Kenntnis zu bringen. Sie sind auf Ver­langen des Reichstags sofort aufzuheben. ■

§2. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Berkündi# gung in Kraft. Es tritt mit dem Wechsel der derzeitiges Reichsregierung oder ihrer parteipolitischen Zusammen­setzung, spätesten- aber am 31. März 1924, außer Kräfte,

MiWMjmMtt St. LMn übel feine Wollen.

Köln, 8.Okt. Reickssinanzminister Dr. Luther führte in einer Unterredung mit dem Berliner Ver­treter der „Kölnischen Zeitung" übet di« von ihm z» lösenden Aufgaben sirlgeudeS auS:

„Schon bte Tatsache, daß Sie mich frage«, ob ich glaube, daß bte finanziellen Verhältnisse des Reiches überhaupt in Ordnung gebracht werden können, zeigt, wie ungeheuer schwer die Aufgabe ist, dir vor mir steht. Tabei wird das deutsche Volk, nachdem der Reichstag entschloss n ist, dnr.h. das Ermächtigungsgesetz auch gerade auf sinanzsiltem Gebiete der Regierung größte Vollmachten zu geben, mit Recht erwarten, daß nunmehr die Zeit des Redens vorbei ist und gehandelt wird. Tie Regierung rechnet i« ihrem Bestreben, das Wohl des gesamten Volkes über alle Sonderinteressen zu stellen, auf dir Unterstützung aller Sachverständigen Kreise. Die Tätigkeit deS Reich»- sinanzminiAerS kann aber nur eine technisch« Grundlage

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