MerhcMe Mung
Zweite^ Blatt
Nr. 235
L onnabend, 6. Oktober
1923
Sotomw ini MmIImle.
Italien, dis Land des „Sacro egoismo" (bet „geheiligt tat Selbstsucht und rücksichtslosen Raubgier") hrt beu Aufschwung zum sogenannten „Faschismus" gegeben »nd ihn mit wilder, echt südländischer Begeisterung durch- geführt. Der Begriff „Faschismus" ist nicht mit einem Dort ins Deutsche zu übertragen. Man versteht unter Ihm die ldöchstspaunung der Nationalbewußtseins. Im Innern des Landes wird jede gegen- nationale Regung, wie Sozialismus, Kommunismus, Pazifismus, Internationalismus als Vaterlands- und staatsfeindlich bekämpft und mit Gewalt ausgerottet. So wurden z. B. in Italien die linksradikalen Abgeordeneten ohne weiteres aus der Volksvertretung beseitigt, die ge> tun gen dieser Richtung ein für allemal verboten, die nichtnationalen Beamten und Angestellten des Staates «nd der Gemeinden abgesetzt. Es ist klar, daß dieser Be- nu-gung ein gesunder nationaler Gedanke zugrunde liegt, der mit unerbittlicher Strenge alles niederwirst, was segennational ist. Andererseits vertritt er die Gewalt «nd geht ohne Bedenken über Geketz, Verfassung, Recht hinweg. Die Volksmassen wurden in Italien dadurch für die Diktatur des Faschismus gewonnen, daß — ab- tzesehen von dem heißblütigen italienischen National- wesen überhaupt — die öffentlichen Mißstände bekämvst wurden, wie Schiebertum, Auswucherung. Preistreiberei Daß hiermit das Volk dem Faschismus gewonnen wird ist klar. Man darf dabei nicht vergessen, daß Italien, von Mailand und Turin abgesehen, kein Industriestaat ist, als.» eine marxistisch geleitete Arbeiterbewegung kaum kennt, so daß eine totekfam« Abwehr des Faschismus von dieser Seite nicht vorhanden ist.
Nach außen hin geht der Faschismus auf der Bahn unbedingten nationalen Aasbreitung vor. Der Streit huit Griechenland zeigte den entschlossenen Willen 'Mussolinis die Ansprüche Italien? selbst aus die Gefahr eines sofortigen Krieges dnrchzufetzen. Gegen Str- |bien führt Italien in der Frage über Fiume eine «ehr scharfe Sprache — kurzum der italienische Faschismus ist rücksichtslos national und scheut vor gwber Gewalttat nicht zurück, wie es leider setzt unsere hort unterdrückten deutschen Stammesbrüder in Tirol unter schweren Drang- fiieit erdulden müsse»
Der Faschismus hat offenbar Schule gemacht. Durch -anz Südeuropa geht eine ähnliche, geistesverwandte Strömung. Die %>?ififärtrff.&un;! in Spanien richtete sich gegen innere Mißstände aller Art, aber vor allem -egen die Schwäche der liberalen Regierung im Kolonial- kompf um Marokk", letzten Endes aber gegen den Kommunismus nnd Jnternotion.!lismuS, welcher die Volks- kräste verzehrt und lahm legt. Aebnliche Regungen -einten sich soeben in Rumänien nnd Bulgarien, fieltitet von der Neberzeugung, daß nur bfe Zusammenfassung der nationalen Einheit die gesunde Entwicklung deS Staates nnd Voltes im Jnnnern. ihre Machtential- hing nach außen möglich sein werde In Frankreich steüt der bis zur Siedehitze gesteigerte Machtgedanke des durch alle feine Schichten nationalistisch gesinnten Volkes an der Stelle des Faschismus. In England herrsch! der kattherzige Anfchae.ungskr-iS daß >'!ema.'s die Partti, sondern das Staa ts interesse für die innere und äußere Politik maßgebend sein könne. Amerika er- kennt nur das „Geschäft" im nationalen Geiste als den leitenden Gedanken legluler innerer und äußerer Poli'ik an.
Der schroffe Gegensatz zum Faschismus ist die I n l e r - «atio na le. Sie leitet sich auf die Lehre von Karl Marx, also den Marxismus, zurück, der dm Begrisi des Inte rnationalismus als die Hauvtwrfsr im Klassenkampf der Arbeiter festgelegt hat: „Arbeiter aller Sättber vereinigt Euch, dann wirb die Macht euer sein!" Atlnn die Lehren des Marxismus, die zunächst westemo- »pöischen Gedankengängen entspruneo waren, ionnreu sich gegenüber dem starken Staats- und Nationalgefüh! der Franzosen und Engländer nicht durchsetzen und mußten sich sehr bald dem durch die Jahrhunderte kbnl'.eser- ten nationalen Volksbegriff einfügen. .Leider haben b i »ms in Deutschland die internationalen Wahn- und Traumgebiide in den Massen den allzu spät -»usblühenden reinen Baterlandsg danken überwuchert und erstick». Nationale Arbeiterpolitik hat sich bei uns ats unmöglich erwiesen. Das war und ist der furchtbare Fluh m^rer Geschichte. „So hat sich", wie Dietrich Schäfer )eSr richtig sagt, „die Internationale, die erwuchs, bei allen anderen Völkern ein nationales Gewand angelegt, allein bei vcn
(Nachdruck verboten.)
Die Richte aus Florida.
Roman von E. v. Ablersfeld-Ballestrem.
7. Fortsetzung.
Frau von Tüßnitz fand demnach ganz geglättete Wogen vor, als sie einige Tage später gleichzeitig B<ii ihrem Möbelwagen in Schloß Elbenborn ihren Einzug hielt und mit gewohnter Umsicht und Entschlossenheit sofort daranging, sich häuslich einzurich- len« DaS dauerte nun mit den schon bereiten, hilfreichen Händen nicht lange; Fräulein Zingst hatte in dielen, zeitraubenden Dingen schon vorgesorgt, und «ach Verlauf von ztvei Tagen war alles in schönster Ordnung, und Frau von Tüßnitz konnte die Erklärung äbgebeu, daß sie sich in ihrem neuen Wohnsitz bereits ganz behaglich und heimisch fühle. Dieser angenehme Zustand hatte sich auch inn nicht- zrt früh eingestellt, denn «ine Stunde, nachdem die „Bizekönigin von El- henborn", wie Max seine Mutter nannte, diese Er- klärnng abgegeben hatte, kam ein Telegramm «nr? Hamburg, in welchem Pilar ihre eben erfolgte An- kunst meldete und um Anweisungen wegen ihrer Abreise in die neu« Heimat bat. Demnach mußte ihr Vater kurze Zeit nach der Absendung seines Brieses an feine« Bruder gestorben sein, und des Letzteren Kobel. Nachricht hatte ihn lebend nicht mehr erreicht, wäk- »end seine Waise sich schon ans der Reise nach Europa befand.
Elbenborn telegraphiert« unter der Adresse des Großen Gasthauses, das seine Nichts als An;e.ithalts- »rt angegeben, zurück, daß er persönlich kommen würde, sie abzuholen und reist« mit bem nächsten Zuge nach Hamburg.
■ Neben der natürlichen Teilnahme für die junge Menoandte und den Vorstellungen über ihr Ans-
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Deutschen ist sie innternational geblieben. Unser Volk war als Einheitsvolk viel zu jung, als daß seine Masten von nationalen Anschauungen und Empfindungen hätten durchdrungen fein können." Das klingt vernichtend, ist aber nur allzu wahr. So wurde das Klassenb-wußtseis der Arbeiter z»m Klassengesetz im verderblichen Smn des vaterlandsfeindlichen Marxismus, ja als der Inhalt des politischen Lebens überbaupt angesehen. Eine Entfremdung vom Staat trat bei der überwiegend'» Ar- beitermasse ein. Der Weltkrieg, das Ringen um Sem oder Nichtsein, wurde bei uns zur inneren Klassen- un*> Wirt- schaftsfrag«, daher Revolution Zusammenbruch, Elend unb Schmach, die heute auf uns lasten.
Wir brauchen in beutscken Landen einen deutschen Faschismus in Gestalt einer tatenfrohen Abkehr vom Internationalismus, eines Kampfes gegen Futterkrippen- w'rtkchast und Wllchertum, gegen Lotterei und Entirding, zugleich gegen den Außenfeind volle Geschlossenheit und aktive Abwehr. Wenn der Faschismus darin gipfelt, daß er das Voterlandsgefübl anfpeitscht und die regten Mäurer her Tat an die rechte Stelle zum Handeln bringt, dann ist er eine gute Sache. F. I
Marburg und Umgegend.
Marburg, 6. Oktober (Gilbhardt).
♦ N achverkteu eritng von Getränken. Bis zum 8. Oktober d. Js. sind von den Händlern, Wirten, Konsumvereinen, Kasinos, Logen und Bereinigungen usw. die am 1. Oktober d. IS. in ihrem Besitz befindlich gewesenen wetnhaMgen Getränken, Weln, weinähnlichen und weinhaltigen Getränken, Schaumwein, Fruchtschanmwetn, fcbanmweinähnitchrn Getränken, Bier, nnvcrscbntttenen Arrak, Rl'M und anderen Trinkbranntweinen Selm Stadtsteueramt schriftlich oder mündlich zur Nachversteuerung anzu- meldeu. Gleichzeitig tit bi- Nachsteuer zu entrichten. Auch die Brivatversonen, welche Weln, weinhaltige und lveinähnltche Getränke, mit Ausnahme von seibst- bergestellten Obdw-inen. die nur dem eigenen Bevor dienen, Sckmumwein und (chaumwetnähnltche Getränke am 1. Oktober in ihrem Besitz baffen, müssen dieie Getränke ebenfasss zur Nmhverlfeuerimg 618 zum 8. d. M. anmelden und die Steuer entrichten. Wird die Steuer nicht bis zu dem Fälligkeitstermin de- -nhlt, so ist für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen halben Monat ein Verzugszuschlag von 400 Prozent des Rückstandes zu zahlen. Unterlassung der Anmeldung zieht Strafe nach sich. Bei Steuerhinterziehung trete« die gesetzlichen Strafen ei». Eine örtliche Nachprüfung durch die Steuerbeamte« ist zu erwarte«.
* Verbot des Verfütterns von Brotge- treibe. Jirfolge der Devisenknappheit besteht eine fast völlige Unmöglichkeit bet Einfuhr von Brotgetreide aus dem Auslande. Die gesamte Versorgung Deutschlands mit Brot muß fast ganz aus die Jnlandsernte abgestellt werden, »nd es darf Brotgetreide mehr noch als in früheren Jahren nicht Zwecken dienen, die nicht der unmittelbaren Ernährung der Bevölkerung zugute kommen. Ein« Haupt- gesahr bildet die Verfütterung. Das Verbot der §§44, 49 des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 vom 4. Juli 1922, wonach bk Verfütterung von Brotgetreibe und daraus hergestelltem Mehl unter Strafe gestellt ist, gilt noch bis zum 31. Dezember 1923. Aus vielen Teilen des Reiches kommen jedoch Mitteilungen, daß die Verfütterung in großem Umfange erfolgt; auch ist eine starke Verfrachtung von Brotgetreide nach den Haupt- modukrioi.Sgebieten der Viehzucht wahrnehmbw. Es scheint, so schreibt der „Amtliche Preußisch« Pressedienst", als ob die ergiebige Brotgetreideernte dieses Jahres bei der produzierenden Landbevölkerung die Auffassung erweckt hat, daß ein Sparen mit unseren Vorräten in diesem Indre nicht so erforvrrlich wäre nnd daß das Versü:-- trrungsvrrbot mit einer gewissen Nachsicht gehandhabt werden könnte. Diese Ansfcht ist durchaus irrig; ek ist. im Gegenteil gerade in jetziger schwerer Zeit unseres Bater- landrs für jeden Volksgenossen oberste Pflicht, eine Brr- ih'itbung Kes Brvfgctreches zu vermeiden. Eine Verlängerung des BerfüttrrungsverbotZ für das Wirtschaftsjahr 1923/24 ist vorgesehen. Die bei der derzeitigen Preisenf- loickl-ung, insbesondere für Roggen, verstärkte Gefttür, daß dieser der verbotswidrigen Verfütterung zugeführl v!rd, zwingt daneben zu einer besonderen Verschärfung der Strafvorfchristrn für die Fälle, in denen Verfütterung nicht beim Landwirt aus seiner eigenen Ernte, sondern von
sehen und ihre Charaktereigenschaften wollte sich in dem guten Herbert Elbenborn unterwegs doch hin und wieder etwas wie ein kleines Unbehagen regen, als er der Ihm so gänzlich Fremden — auch Bilder der Seinigen hatte Werner nie geschickt — entgegenfuhr. Seine Schwester hatte ihn darauf ausmerksam gemacht, daß Pilar jedenfalls eine von den europäischen Begriffen sehr verschiedene Erziehung genossen haben dürfte, und daß ihre Anpassung an andere Verhältnisse vermutlich auf einige Schwierigkeiten stoße« würde. Weder Frau von Tüßnitz noch ihr Bruder gehörten zu den Fremdenanbetern, die alles das, was von jenfeit der Landesgrenze, besonders aber überseeisch war, bedingungslos bewundern und sich danach richten. Ohne von jener Beschränktheit wie die Engländer zu sein, di« nicht auf ihrer Insel Geborene und Erzogene überhaupt nur für halbe Mensche halten, hatten :e doch ein viel zu starkes, deutsches Rückgrat, um sich unter allen Umständen vor bem Ausland zu bücken, und hegten die sehr vernünftige Ansicht, daß man sich als Fremder der Landesfitte zu fügen habe, roenu man nicht besonderen Wert darauf legt, unangenehm auffallen zu wollen. Ta war es nun schon ganz gut möglich, daß Pilar einige Ueberraschungen und Schwierigkeiten bereiten konnte, ohne daß sie darum ein unfügsames Wesen zu haben brauchte. 21 bei auch damit mußte gerechnet werden, da man ja außer den wenigen Worten ihres vielleicht blind- liebcnben Vaters gar nichts über jie wußte, die ja übrigens jung genug war, um durch liebevolle, Festigkeit geleitet zu werden. Eine solch« schon von vornherein, in der ersten Stunde, zu zeigen, hatte Frau von Tüßnitz ihrem Bruder dringend ans Herz gelegt — falls sich die Gelegenheit dazu bot —, und er kannte seiner Schwester mit diesem Rat nur recht geben. Immerhin war es doch aber eine eigene
anderen, z.B. den Schweinemästern mittelst erworbenen Getreides, wie dies allgemein übllch ist, erfolgt. Der Preußische Staatskommissar für Volksernährung. Landwirtschaftsminister Dr. Wenborff, hat die Ober- und Regierungspräsidenten angewiesen, auch schon vo. bem Jr-lrasttreten biejer neuen Gesetzesbestrm- mintgrn angesichts bek- großen Ernstes der Lage alles zu tun, dem bestehenden Berfütterungsverbot unbedingte Geltung zu verschaffen.
* Strafkammer. Gestern beschäftigte sich das Gericht zunächst mit einem Hammelbiebstahl, der sich in der Frankenberger Gegend ereignet hatte. Die Sache spielt schon längere Zeit vor Gericht und schon einmal wurde der deshalb Angeklagte zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Im Wteberanchabmeverfahren fällte das Gericht den gleichen Spruch. — Eine Anklage wegen Urkundenfälschung endete mit der Berutteilung des Angeklagten zu 2 Wochen Gefängnis. Es wurde jedoch Bewährungsfrist zugebilligt. — Ferner wurde u. a. die Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts weg«« Führung eines nicht zustehenden Titels zu Ungunsten des Angeklagten verworfen.
:: Haddamshausen, 4 Okt. Zwei Damen aus der Stadt, die einen „Ausflug" durch das Allna- tälchen machten, nahmen sich zum Andenken hier in einem Hanse, in Abwesenheit der Bewohner etwa IV, Pfund Butter mit. Sie kamen indessen mit ihrer fettigen Beute nicht weit, denn in Allna holte sie ein Landjäger ein und nahm sie ihnen wieder ab.
***' Nordeck, 4. Okt. Die gemeldete Denkmalsein- weihung kann wegen de? Ausnahmezustandes nicht stati- finden. Ein späterer Einweihungstermin wird bekanntgegeben.
R auschenberg, 4. Okt. Herr ffparkaffen-Ren, baut Karl Bolland von hier hatte am 1. Oktober ein« 25 jährige Dienstzeit bei hiesiger Stadt cmszuweisen. Weithin bekannt und Allseitig geliebt und geehrt, ist auch ihm bei rastloser Arbeit und Hingabe für die Interessen der Stadt, der heutige Aufschwung und das Blühen unserer Sparkasse zu danken.
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Hellen-Nassau und Nachbargebiete.
Butzbach, 2. Okt. Die dauernde Verschlechterung der Lebenshaltung und die steigende Arbeitslosigkeit hat in unserer Gegend wie auch anderwärts ein Ariswanderfieber ausgelöst. Manche Familien haben alles Hab und Gut zu Geld gemacht, um die Mittel für die Leberfahrt nach Amerika in die Hände zu bekommen. Hoffentlich «erden die Auswanderer dort nicht bitter enttäuscht.
Ulfa, 5. Okt. Dem „Gießener Anzeiger" wird geschrieben: Tie Familie Schenk zu Schweinsberg stammt bekanntlich in ihrer ältesten GeschlechtSfolgc von den freien Herren von Ulfa ad. 1329 tritt ein EckehmduS de Hol-se, 1183 ein Guntram de Olfo auf. Diese alte Faw'lie erlosch im ManneSstomm um 1290 und ihr Erbe kam an die Familie der freien Herren von Schweinsberg, die sich nach der Burg Sckwriiisberg im Ohmtal, unweit von Amöneburg (erbaut 1215) benannten. Diese Familie zerfiel in die älteste (Schweinöberger ßinte, in die mittlere (Her- mannstriner) Linie, welcher auch die Vögte vo« Fron- hausen angehörten, und in die jüngste Linie, die 1549 erloschen ist. Ter nicht un&ebeutenbe Grundbesitz der Freiherren Schenk zu Schweinsberg in Ulfa ging km Lauf ber Jahrhunderte verloren, und um die Mitt« deS vorigen Jahrhunderts war nicht? mehr hiervon übrig geblieben, als bas Recht ber Präsentation beS Pfarrers, ber durch die Gesamtfamilie, vertreten durch den Senior^ den sog. Erbschenken, bem Großherzog als oberster Bischof vorgeschlagen wurde. Ein Kilometer von unser« Dorfe in der Richtung nach Ober- schmitten liegt eine Anhöhe, die „Altenburg" genannt. In ihr haben wir jedenfockls die alte Burg der Herceo von Holese zu erkennen. (Die andere Altenburg auf Wege von hier nach Nidda, nur 3 Kilometer von uns entfernt, gehörte, wie allgemein angenommen wird, den alten Graseil von Nidda). Auf jener Altenburg unweit unseres Torfes hat die Freiherr« f Familie
Sache damit, die Elbenborn ein leichtes Unbehagen bereitete, denn mit einem fremden Neffen hatte er sich schon zugetraut, fertig zu werden, aber, zum Kuckuck, ein Mädchen muß man doch schließlich ganz anders anfasien, und darin hatte der Majoratsherr eben gar keine Erfahrung. Ferner wäre es, rein menschlich betrachtet, wirklich zu viel verlangt gewesen, wenn Elbenborn, der Junggeselle, nicht mit einem leisen Bedauern der schönen und beschaulichen Ruhe gedacht hätte, die er durch den Eintritt einer jungen und vermuttich auch sehr lebenslustigen Richte aufzuopfern hatte. Er war der beste und gutmütigste Mensch von der Welt, aber ei« solches Männerideal war er denn doch nicht, daß er sich — bildlich gemeint — vor jedem platt hingeworfen und ausgetufen hätte: Hier bin ich, trampelt auf mir so viel herum, wie ihr wollt! (Er war sogar ein großer Gegner de« Getrampeltwerdens, und wer das veracht hätte, würde schon eine Enttäuschung erlebt und sich durch einen höchst kräftigen Gegenstoß auf einen Platz zurückversetzt gefühlt haben. Indes tnd solche Leute bem körperlich Schwächeren gegenüber gerade ost ganz hilflos, und das ist eine alte Erfahrung und Wahrheit, die Frau von Trüßnitz vrranlaßte, ihren Bruder vor allzu großer Nachgiebigkeit zu warnen, um so mehr, als er immer unter dem Überempfindsamen Eindruck gelebt hatte, daß er, wenn auch ungewollt, seinen Bruder Werner aus dem Seimgen verdrängt habe und bet Meinung war, es an feiner Waise wieder gutmachen zu muffen.
„Der Sebanfe macht dir Ehre und wird ja auch dadurch umgeroettet, indem du Pilar eine Heimat. gibst, ihr ein williges und liebreiches Herz entgegen» rringst", hatte sie zu Ihm gesagt. „Aber dem Mädchen vorweg einzureden, daß sie als deine deretnstig« Erbt« all« Recht« hat und schon setzt di« Herrin spie»
Schenk zu Schweinsberg nun Ausgrabungen machen lassen und es ist gelungen, das Profil des BurggrabenD festzustellen, ©ie hat die Absicht, demnächst' den ganzen Umfang der Beringung bloßzulegen.
Eifa, 4. Ost. Den Bemühungen unseres deutsch« nationalen Landtagsabgeordntten Sonnenschein-Marburg Ist «S zu danken, daß seit 1. September an unserer Station wieder täglich zwei Züge in jeder Richk tutrg halten. ’
Anraff, 4. Ost. Hier fand der Verkauf der dech Genreinde gehörenden Zwetschen statt. Da btt Gemeind« wegen ihres Reichtums an ZwetschenbäumeX vo« jeher rühmlichst bekannt ist, so hatten sich viel« Kauflustige, besonders ans dem benachbarte» Wil- bungfn, zum Teil auch aus dem llplande. eingrfirm den. Die Früchte wurden an den Bäumen verkauf^ sodaß die Käufer mehr oder weniger Glück bobei hatten« Da es an anderem Obst durchweg mangelt, so wurde mit Todesverachtung geboten. Unter 100 Millionen für den Zentner war nichts zu haben. Viefach hatten die Früchte noch nicht die nötige Reis«; was auch in Kauf genommen werden muß, trotzdem solche sog, Feldzwetschen weder gutes Mus noch gutes Dörrobß geben können.
ObertoSbach, 4. Ost. Pros. Helmke-Meßen, der die in unserer Obersörfterei gelegene Eapersbnrg, rin römisches Kastell ber Limes-Linie am TaunuS, ausgegraben hat, restauriert z. Zt. Hefe römische Befestigungsanlage; gegenwärtig wird «in Turm tote» ber aufgebaut.
Handels- und Marktnachrichten, c Frankfurter Getreibebörse vom 5. Ost. Preis je 100 Kilogr. Weizen, Wetterauer, 1900 bis 2000 Millionen, Roggen 1600 bis 1700 Millionen, Sommergerste 1550 bis 1600 Millionen, Hafer, inländischer, 1200 bis 1400 Millionen, Weizenmehl, fübb. Spezial 0, 3800 bis 4200 Millionen, Roggenmehl 2900 bis 3200 Millionen, Wetzen- und Roggenkleie 700 bis 730 MM Tendenz: Im Einklang mit der Devisensteigerung fest.
Berliner Produktenmarkt.
Serif*. be* 6. Oktober 1923.
Prelle In Tausend Marl fite 100 Pfd. ab Station
810—830(100
760-770000 760—770000
700-720000
185O-16C0000
1250—15'10000 370-380000
Brasilia». Bollrel« —
Kartoffeln (frühe) 110-130000
Speijeetblen, tilttorfa.
erbten 2000-2400
Spesieerbs.kl. 1800 -2000
Welzen Reg««« Sommergerste SBlntergerm Safer
Mal» Weizenmehl Aoggenmehl Roggenkleie Rap»
Futtererbfe» —
Ackerbohnen —
Linien —
Wicken —
Lupf» blaue —
„ gelbe Serobefla alte —
„ neue —
frockenicknttzel —
Rapskuchen —
Runkelrüben —
Möhren, rote —
Mohn ■
Torfmelaffe — .
Wiefenhe«, lose 89000-4000» Stlcebeu —
Stroh drahtgepr. 47000- 4800» nebünbelt 25000—2700»
Berliner Devisenkurs
4. L ktooer
5. Oktober
Selb
| Brief
Seid
Brief
Amsterdam
1 fZr.
215460900
216540000
235110000
2365900(4
Äopenhaaen 1 Kr.
8638351«
86816500
105375000
10626500»
Stockholm
1 ftr.
11563500 >
1643:500i)
158602500
15939750»
Italien
1 Vir
24438750
24651250
26733'4)0
2686700»
London
1 Pf.
249375U 00
2506250000
272317'Oot
273682500®
Rewyork
1 Dll
5t8625000i
551375090
598500000
61150000®
Part»
1 Fr
31920900
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1 fc
97954500
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T A. Die Mitteilungen über die Steuerzahlungen im Oktober sind bereits in der Nummer vom letzten Dienstag enthalten
Für die Schristleitung verantwortl.: Dr. C. Hitze rot h. Für den örtlichen und vrovinz Teil: Wilhelm Wißne«, Sprechzeit ber Schriftleitung bis '/,!! Ubr vormittag»
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(Fortsetzung folgt)
len bart bas wäre nicht nur grunbfaljch, sondern auch unverantwortlich gegen dich selbst gehandelt, der du ja doch kein Besitz- und Machttäuber, sonder« mit Fug und Recht, verbrieft und besiegelt Allein« Herrscher in deinem Reiche bist. Ums Himmels willen, sage ihr nicht etwa, daß du an ihr etwas für ihren Vater „gutzumachen hast" — das müßte ihr :a gleich Oberwasser geben, in dem du rettungslos ersaufen würdest. Ich bin überzeugt, daß Werner ihr nicht» Derartiges eingeredet hat. Behandle sie wie deine Tochter, aber nicht wie deine Erbin —« das ist in zehn Worten der langen Rede kurzer Sinn, und wenn du dir's überlegst, wirst du mir recht geben."
Und Elbenborn gab ihr recht — nicht nur, weil’» ihm seine Schwester sagte, auf deren Urteil er sehr viel gab, sondern weil's im tiefsten Schreine seines Herzens seine eigene Meinung war. lieber da» Opfer seiner Ruhe zu jammern, war, nachdem der Entschluß einmal gefaßt war, weder seine noch seiner Schwester Art; dennoch war es ihm aber nicht übel- zuuehmen, wenn der Gedanke daran ihm gelegentlich einen kleinen Seufzer entlockte.
In Hamburg angekommen, begab er sich sofort 1« da» ihm bezeichnete Hotel am Alsterbassin und er- ühr dort, daß seine Nichte daheim sei. Er ließ sich ein Zimmer geben, entledigte sich des Reisestaubes» und ohne sich anmelden zu lassen, begab er sich bann auf den Weg nach der ihm angegebenen Zimmer» uummer. !
Weltberühmt
find die echte» $•«*»»*'• Serbe*, Marke Fuchotops iw »ter*, ,»« Selbstfärben von Kleidern. Bluse*. (Sorbiten uftK tWt*e**n'» gerbe spart de* girbee.