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Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhefstfchej Oberhessen

St. 235

Die ^Ob-rheMlch« Aettung" erfdietxt letbim«! wöchentlich. — L«znz,prei» 1.—6. Ott. 20 000 COO Mart einschließlich Zuftellungrgedühr. Für ausiaüenbe Hummer* i»f. Streiks 20.element.Ereignisle feie Lria?. — Ltg.vonDr. T. hitzerotd. — Druck bet Univ.-Luchdruckerei ooe Jod. 81«. Kock», Markt 21.28. — ^erujprecher 55, Post- toe<ftMtte: Nr. 5015 Suit (rrontiurt a. Marn.

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58. Mi.

1923

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lebet große Koalition.

Nach den Mitteilungen, aus Berlin stehen wir 8pt der Rückkehr zur großen Koalition. Innerhalb (ter Parteien find gestern schwerwiegende Verhand- !lvngen geführt worden, um die Krise mit den alten 'Kitteln wieder zu lösen. Die Demokraten hatten ^-«schlossen, den Kanzler aufzufordern, die Bildung der großen Koalition nochmals zu versuchen; für 'das vorn Kanzler beabsichtigte Kabinett würden sie ^te i n^ Vertrauensvotum abgeben. Bei den Ver- handlungen soll die Sozialdemokratie auf Hilferding ^Verzichtet und den sozialpolitischen Maßnahmen zu- ßestimmt haben. Cie haben für sich allein einen Zweiten Staatssekretär im Arbeitsministerium ver­klangt, der die Arbeltszeit regeln soll. Der Kanzler will bereits heute mittag 12 Ahr di« neue Mit­gliederliste betanntgeben, doch soll sich nach dem „Tag" eine neue Meinungsverschiedenheit ergeben "Hal eit, indem die Sozialdemokraten nicht den sozial­politischen Forderungen zustimmen wollen, sondern die Arbeitszeit nach einem besonderen Gesetz regeln wollen nach einem demokratischen Vermittelungs- »w schlag.

Von Ministerkandidaten wird noch genannt Di­rektor Schacht von der Darmstädter Nationalbank für das Finanzministerium und Kommerzienrat Nalethge für das Wirtschaftsministerium.

Zu dieser Lösung schreibt der „Tag", daß sie im Reichstag nur mit Vorsicht beurteilt werde Bei den ganzen Verhandlungen sei die außen­politische Frage, besonders die Rhein- und Ruhr­frage, nicht berührt worden. Das müßte aber schon bald geschehen, wenn sich nämlich das Gerücht be­wahrheiten sollte, daß Poincarä die Absen- dnng einer Entwaffnungsnote beab­sichtige. Außerdem erhalte die bayerische Frage ein neues «Besicht, sobald in München die Wiederherstel­lung der Großen Koalition bekannt wird.

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Von volksparteilicher Seite wird uns geschrieben:

Als der sozialdemokratische Abgeordnete Her­mann Müller kurz nach 1 Uhr bei dem Reichskanzler erschien, war die Hauptschwierigkeit, an der am Mittwoch abend die große Koalition scheiterte, wohl schon aus dem Wege geräumt. Die Sozialdemo­kraten hatten inzwischen eingesehsn, daß ihr Wider­stand gegen das Ermächtigungsgesetz einzig und allein zum Schaden ihrer Partei ausschlagen mußte and deshalb, politisch gesehen, eine große Torheit »ar. Die Lage hatte sich damit von Grund auf ge­ändert. Demokraten und Zentrum hatten die Auf- lösurg der großen Koalition mit äußerstem Wider­streben hingenommen und noch am Mittwoch alles getan, um sie zu verhüten. Sie setzten am Don­nerstag ihre Bemühungen sehr eifrig fort, und es scheint, daß ihre Vorstellungen auf die ihnen benach­barte sozialdemokratische Fraktion nicht ganz ohne Eindruck geblieben find. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei brauchte nichts anderes zu tun, ats den nunmehr gegebenen Tatbestand anzuerkennen. Sie hatte am Mittwoch einen Beschluß gefaßt, nach dem fie sich auf den Boden der Regierungserklärung stellte und ihre Zustimmung zu dem Ermächtigungs­gesetz von einer Neubesetzung de» Finanzministe­riums abhängig machte. Nachdem die sozialdemo­kratische Partei sich ebenfalls zur Zustimmung ent­schlossen hatte und nachdem die Neubesetzung des Finanzministeriums durch einen anderen Mann als Hilferding durch den Rücktritt des Gesamtkabinetts möglich geworden war, ließ die Lage nicht» mehr an Klarheit zu wünschen übrig. Das Zusammengehen der Koalitionsparteien war nun wieder möglich ge­worden, und man konnte mit Sicherheit annehmen, daß die Wiederherstellung der Koalition in der Wiederkehr des alten Kabinetts ihren Ausdruck fin: den würde. Dabei gilt als selbstverständliche Vor­aussetzung, daß das Reichswirtschaftsministerium vnd das Reichsfinanzministerium neu besetzt werden.

Der Reichskanzler hatte für den andern Fall zwei Möglichkeiten in Aussicht genommen: Ent­weder sollten die Minister, die nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten nach übrig blieben, zu einem verkleinerten Kabinett zusammengefaßt, oder aber das verkleinerte Kabinett sollte durch Fachminister erweitert werden. Die Besprechungen, die am Mitt­woch stattgefunden haben, bewegten sich in der letzt­genannten Richtung. Zn beiden Fällen wäre aber die Lage des neuen Kabinetts außerordentlich schwierig gewesen, da man mit einer Annahme des Ermächtigungsgesetzes bei dem voraussichtlichen Wi­derstand der Sozialdemokraten und der Deutsch- »ationalen nicht rechnen konnte. Tritt die große Koalition neu geeint auf den Plan, so «acht die

parlamentarische Erledigung keine Schwierigkeiten mehr und die Regierung hat freie Bahn.

Die Haltung der Deutschen Volkspartei.

Wie die „Zeit" erfährt, ist die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Anschluß an die Bespre­chung zwischen dem Reichskanzler und dem Abgeord­neten Hermann Müller zu einer Sitzung zusammen- getreten. Sie kam nach kurzer Debatte zu der Auf- fafiung, daß nunmehr die Voraussetzun­gen erfüllt seien, an die sie ihre Entschließung vom Mittwoch geknüpft hat. Es besteht also nun­mehr zwischen den bisherigen Koalitionsparteien Einigkeit über die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz. Die Vorbedingungen einer Rückkehr zur großen Koalition scheinen damit gegeben zu sein.

Aus dem Reichstag wird uns weiter geschrieben:

Der Verlauf der jetzigen Krise gestaltete sich außer ordentlich schwierig und in seinen Einzelheiten geradezu nicbetbrütfenb. Nachdem die große Koalition zerschlagen war, muhte fürs- erste jeder Gedanke, sie wieder ins Leben zu bringen, für jeden Außenstehenden absurd erscheinen. Nnd doch sahen sich die Dinge in der Näbe ganz anders an. Jedenfalls ist in demselben Augen­blick, in welchem die große Koalition zerbrochen war, auch schon der Versuch zu ihrer Witderbelebung unternommen worden. Wenn er nicht rasch zum Ziele führte^ so lag das bar an, daß bi? Sozialdemokraten sehr verärgert über die Vorkommnisse wart«, in denen sie einen beabsichtigte» Borstoß "mit dem Zwecke ihrer HtnauSdrängunH aus der Koalition erblickten.

Inzwischen kam man davauf, daß alles das nur Mißverständnisse waren! Einmal zeigte sich Die Volkspartei sehr überrascht über die Wirkung des Vor­gehens ihres Führers Scholz, man sagte, daß seine An­regungen der personellen Aenderungen int Kabinett unter Hinzuziehung der Deutschnationaken nur persönlicher Na­tur waren, während in den übrigen Parteien angenommen werden mußte, daß es sich um eine offiziell« Attiin der Deutschen Volkspartei als solcher handelte. Sodann stellte es sich bei den näheren Erörterungen zwischen den Sozialdemokraten und den bürgerlichen Parteien über die sachlichen Streitpunkte, namentlich über die Fra»' des Arbeitszeitgesetzes heraus, daß die Formulierunaen mißverstanden wurden, ja die Sozialdemokraten erklär­ten, daß sie über die Dinge stlber gar nicht im Bilde seien. So kam es zu langen Auseinandersetzungen, bei* denen man immer wieder das Gefühl haben mußte, vaß mau aneinander vorbei redete.

Inzwischen hatte der mit der RrubiLung eines Mini­steriums beauftragte Reichskanzler Stresemann zahlreich' Versuche zur Kabinettsbildung unternommen. In erster Linie dachte er an ein Kabinett der Persönlichkeiten, das aber ebenso aufgezogen werden sollte, wie das Eunosche. nach ähnlichen Gesichtspunkten grdiidete Kabinett. Aber bei den angesragten Persönlichkeiten holte sich Stresemann einen Korb nach dem anderen. Der Generaldirektor der Deutschen Werke versagte ebenso, wie der Generaldirektor der StinnesÄSerke Minoux Stresemann, dec anfangs der Meinung war, innerhalb einiger Stunden em Katü- nett zusammenzubekommen, sah sich getäuscht, und #»' kehrte zu einer Kombination zurück, die nirgends 6tfn.-« digte. Sein Bestreben, ein möglichst kleines, ein söge- rannte? Konzentrationskabinett zu schassen und es von allem hinderndem parlamentarischem Balast zu befreien wurde allgemein gebilligt. Aber ein solches Kabinett hat mir dann Aussicht, sich bnrchzusetzeu, wenn die Pecsö-- lichkeiten, die ihm angehören, wirllich überragend find. Aber namentlich im Hinblick auf die zu meisternden sch»-" wiegenden Fragen politischer und wirtschaftlicher Natur bot die erste Ministerliste, die sich Stresemann zufmnme-- stellte, keine Garantie für die Erfüllung dieser Be­dingungen.

Inzwischen war auch in dem nicht geringen Teile der Deutschen Volkspartri, der das-Vorgehen von Scholz tat- tisch als nicht richtig empfanden, ■ Ott Bergung ge­wachsen, es doch noch neimal auf dem Boden der großen Koalition zu versuchen Nachdem zuvor die Bolksparrei sich darauf sestgelegt hatte, daß der Reichskanzler Streik mann in seinen Bemühungen ein Kabinett der Persöu. lichkeiten zu schassen, freie Hand habe AN diese SW- tnühuuge» Stresemanns aber sind gescheitert. Mmi konnte es wiederum auf parlamentarischer Basis ver­suchen.

Nachdem ztoei Tage hinter versch'osjenen Fraktion»- wren und in der Wandelhalle des Reichstages tausenberlei Kombinationen erörtert hatte, fand man sich wieder zu. dem Entschluß zusammen, die streitenden Teil' an einen Tisch zu bringen Erleichterr wurde das durch ben Be­schluß der Sozialdemokraten, wenigstens den Verhand­lung e n über biete Ding« sich nich-' zu entzicte-m Ber- wickelt war die Situation in ber Zwischenzeit dadurch ge­worden, daß die Frage der Reichstagsauflös­ung mehr und mehr in ben Vordergruich trat, und daß die Kommunisten einen offiziellen Antrag auf Reichs­tagsauslösung eingebracht batten Von Stresemann wußte man, daß er besondere Vollmachten bereits in der Tasche hatte, unter denen die Reichstagsauslösung sich befand Aber die Lage in den besetzten Gebieten ließ es doch

geboten erscheinen, mit diesem äußersten Mittel noch zurückzuhalten. i '

Berlin, 5. Oft. Die demoiratllche Fraktion hat einen Beschluß gefaßt, worin an den Reichspräsident, n und den Reichskanzler die dringende Aufforderung ge­richtet wird, nochmals ernstlich Versuche zur Wieder­herstellung der großen Koalition zu unter­nehmen. Werde ein solcher Versuch nicht unternommen, so seh» sich die Fvaftion nicht in ber Lage, einem sog. unpolitischen Kabinett bas Vertrauen auszusprechen.

Berlin, 5.Oft. Aus parlamentarischen Kreisen wird 'mitgeteilt: Die Parteisühreroesprrchung beim Reichs- kanzter hat zu dem Ergebnis gefühtt, daß auf Aftitrag der Demokratischen Partei noch am Abend die Führer und Sachverständigen der Parteien mit dem Arbeits- Minister zusammentreten werden, am über die Modali­täten des Arbeitszeitgesetzes zu verhandeln. Dir Demo­kraten sind der Meinung, daß sj: die Verantwortung vor dem Volke nkcht tragen könnten, wenn nicht auch ber letzte Versuch gemacht worden wäre, die Konflikte zu lösen. Um 9 Uhr traten die Parteisührer nnd je ein Mitglied des sozialen Ausschusses aus jeder Partei zusammen. Um 11 Uhr wird eine Besprechung ber Parteiführer beim Reichskanzler sein. Hinterher wird sestgesetzt werden, ob etwa morgen um 12 Uhr mittags eine Plenarsitzung stattfinden soll.

Berlin, 5.Oft. Mehrere Abendblätter behaupten, binS Projekt eines überparteilichen Kabinetts sei end­gültig zunichte geworden durch die Stellungnahme des Reichswehrministers Dr. Geßler, der in einer Unter» wdung, die er mit dem Reichskanzler gestern in später Abendstunde gehabt habe, ausdrücklich den Eintritt in eine nicht auf breiter parlamentarischer Basis beruhende Re­gierung abgelehnt habe. Der Reichswehrminister Dr. Geßler crtlärt, daß an dieser Unterstellung kein wahres Wort istolud daß er niemals sich in irgendeiner Weise in die Kabinettsbildung eingemischt habe.

Berlin, 5.Oft Nach dem „Vorwärts" wurde der Vorstand der sozialdemokratischen Reichllagsftaktion, bi? um Mittag zur Besprechung brr Lage zusammentrat, an­schließend an einen Bericht Herman» Müllers ermächtigt, in Anbetracht bet Zugeständnisse des Zentrums und der Demokraten Verhandlungen über ett Wiederher­stellung b e t großen Koalition mit bein Reichs­kanzler zu führen. Die „Germania" will wissen, das Zentrum werde j.ben Versuch unterstützen, ber geeignet sei, möglichst rasch eine aftionsfähige Regierung aus breiter parlamentarischer Grundlage herzustellcu. Ter „Zeit" zufolge kam die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, die anschlicßenv an die Besprechung zwischen dem Reichskanzler nnd Hermann Müller, zu einer Sitzung zilsammentrat, nach kurzer Debatte zu der Aussassung, daß nunmehr die Voraussetzungen erfüllt seien, an die sie ihre Entschließung vom Mittwoch geknüpft habe. Es bestehe also nunmehr, heißt es in der „Zeit", zwischen den bisherigen Koalltiousparteien Einigkeit über die Zu­stimmung zum Ermächtigungsgesetz. Die Vorbedingungen der Rückkehr zur großen Koalition scheinen damit ge­geben »n sein.

Berlin, 5.Okt. Wie aus parlamentarischen Krei­sen vetlauut, hat bei ben Verhandlungen über die Wieder­herstellung ber großen Koalition bie sozialdemokratische Fraktion erklärt, fie sei nach wie vor bereit, in der großen Koalition zu bleiben und dem Ermächti - gungsgesetz- zuzustimmen unter der Borausietz- ung, daß das Arbeitszeitgesetz beioubers geregelt werde, und sozialpolitstche Entscheidungen (Sozialver­sicherung, RenteuseUetzung usw.) nur mit Zustimmung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages ge­troffen werden könnten. Die Sozialdemoftatie wolle einer BÄmindernng der Zahl der sozialdemokt a- tif dien Minister im Kabinett nicht zu strmme n. Da­mit solle jedoch nicht die Möglichkeit ausgeschlossen lein, einen Wechsel in ben Ressorts eintreten zu lassen.

Berlin, 5.Oft. Wie aus parlamentarischen Stet« Fen verlautet, hat dir sozialdemokoatische Fraktion be­schlossen, sich zu einer Einigung über den Achtstunden­tag aus der Grundlage der Formel bereit zu erklären, welche in der Note des Kabinetts Witth vom 11.11. fr st ge­legt ist. Darin ist ein grundsätzliches Bekenntnis zum Achtstundentag enthalten, aber zugelasse», daß behusS einer Steigerung der Produktion durch tarifliche Vereinbarungen und behördliche Maßnahmen in bestimmten Betrieben Ausnahmen gemacht werden könne,».

Berlin. 5. Okt. Wie in parlamentarischen Kreilen verlautet, wird in der Fraktion der Deut­schen Volkspartei dis Meinung vertreten, daß bie Formel über den Achtstundentag aus der Wirrh- schen Rote vom 14. November 1922 für eine Eini­gung undiskutabel sei, da sich seitdem die wirtschaft­lichen Verhältnisse zu geändert haben, daß über diese Formel hinausgegangen werden und Ausnahmen vom Achtstundentag im Verordnungswege zugelafien werden mutzten.

Berlin, 6.Okt. Nachdem am späten Nachmittag die Führer der KoalitionSpart. ien unter dem Vorntze des Reichskanzlers in einer eingehenden Aussprache über bie bringenbe Frage bes Arbeitszeitgesetzes und bie damit zusammenhängende Frage ber Produklwnssteigerung zu einer weitgehenden Einigung g lommen r„v.ren, wurden in den späteren Beratungen bie Grundzüze des Arbeitszeit- gesetzes festgesetzt und-so bie Gewähr gegrbrn, baß bie auf gesetzlichem Wege erfolgende Vciabschtebung dieses Ge­setzes seitens bei Koalitionsparteien unter einheitlichem Gesichtspunkte erfolgen wird. Tie sozialdemokratische Fraktion wirb heute morgen um 10 Uhr lediglich dazu Stellung nehmen, ob sie den Erklärungen ihrer Führer beitritt, woran nach Lage der Tinge wohl kaum zu

zweifeln sein wird. Der Kanzler wird danach.bie Regie- rungsbilbung auf der Grundlage der Koalition allem vornehmen und die Erklärungen der Reichsregierung! zur außen« und innenpolitischen Lage in der heutigen Reichstagssitzung abgeben. Dir Sitzung beginnt u« 2 Uhr nachmittags.

Berlin, 5. Ott. Auf der Tagesordnung der für morgen Nachmittag 2 Uhr anbet a um ten Sitzung des Reichstage- steht die Entgegennahme einer Re­gierungserklärung in Verbindung mit den Anttägen ber Kommunisten bezw. der Deutfchnationalen auf Aufhebung des Ausnahmezustandes im Netcve und Bayern, das Ermächtigungsgesetz in erster und zwei, ter Beratung, der Gesetzentwurf, über die Errichtung einer Währungsbank in erster Beratung, die Gesetzent­würfe zur Aenderung deS Tabaksteuergefetz.-s, über die Steueraufwertung und über Vermögensstraien w. wie einige andere kleinere Vorlagen.

Son her Wen XriWerey.

London, 6. Okt. Premierminister Baldwin Lat bet Reichskonferenz dir Antwort des Königs auf bie bei bet Eröffnungssitzung an ihn gerichtete Hutdi- gungsadreste mitgeteilt. Darin wird der aufrichtigen Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Beratungen der Reilbskonserenz zu einer Lösung der zahlreichen und ernsten Probleme führen werden, deren Regelung für die zukünftige Wohlfahrt und das zukünftige Ge« teilten der Gemeinschaft der britischen Nation W wesentlich ist.

Lord Curzon zur Reparationsfrage.

London, 5. Ott. Lord Curzons mit größter Spannung erwartete Rede über die auswärtige Po­litik der Negierung vor der britischen Reicbskonferen» nahm 2% Stunden in Anspruch. In dem nach Schluß der Sitzung ausgegebenen Bettcht heißt es, daß dis Mitteilungen- des Staatssekretärs des Aeutzetn die auswärtige Luge in allen Tellen der Welt behandeln. Der größere Steil seiner Ausführungen sei notwendi­gerweise vertraulichen Eharatters gewesen, eS fei je­doch beschiossen worden, daß gewisse Teile feinet Rebe, bie sich ans Fragen dringenden Interesses und drin­gender Wichtigkeit beziehen, der Presse Wetter gegeben werden sollen. Stellen, die sich mit der Lage im Ruhr­gebiet und dem türkischen Vertrag besaflen, mürben demgemäß veröffentlicht werden, wie sie gehalten wur­den. Die Konferenz vertagte fich auf Montag barmte» tag 11 Uhr. Die Erörterung der auswärttgen B» Ziehungen wird dann fortgesetzt werben.

London, 6. Oft. In seiner Rede auf der Reichs« konserenz führte Lord Curzon aus, nach englisches Auffafsitng sei Deutschland nicht Imstande, sofortige große ZaAungen zu machen. Die Besetzung des Ruhrgebiets sei nicht der rtchiige Weg getoefen, Zah­lungen zu sichern, die auf bestimmte Zeit hinauSge- fchoben sei-n. Zunehmende Erbitterung und vielleicht innerer Zerfall in Deutschland Werben die Folge« sein. Nach Curzons Ausfajfung hätte Deutschland be«. reits vor 3 Monaten sich ergeben sollen: törichterweise habe es dies hinausgeschobcu. GroßbruamUen er­warte die nächsten Vorschläge von Frankreich unh lei bereit, sie in freundschaftlichem (Seifte zu erörtern. — AlleS die alten Auffassungen, aber keine Taten 1

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London, 5. Ott. Der frühere Schatzkanzler Si« Robert Home wie- in einer Rede in Glasgow auf die Notwendigkeit hin. daß Deutschland ein Wirksamer Fa-wr tm Welthandel bleibe. Obgleich Deutschland 1 der Konkurreut Großbritanniens fein würde, fei e- doch auch ein Kunde und ein welicreS Glied tm Han. del der Welt. Alle Vereinbarungen über Reparationen müßten tm Einvernehmen mit den Alliierten getroffen werde». Großbritannien dürfe nicht anfgefordert wer. den, zuviel Opfer zu bringen.

London, 6. Ott. Eine Konferenz von Vettreten» verschiedener Gemeinden Englands beschloß auf eines in London abgebalteuen Konferenz, die Regierung zu ersuchen, energische Maßnahmen gegen die Arbeit-« lostgkeii zu ergreifen. . ,,

London, 5. Ott. Dec „Tim-S" zufolge ist bie Kritik an der Haltung Englanbs im Lande selbst im Wachs«! begriffen. Sie gehe dahin, daß die britisch» Regierung gar keine Außenpolitik bekannftrtgeben habe, daß sie tatsächlich versuche, zwei unvereinbar» Stellungen aufrechtzuerhalten, daß die Hoff», nung auf freundschaftlichen Beziehungen zum französischen^ Ministerpräsidenten noch in keiner Weise eine Lösung der zwischen England und Frankreich bestehendm strei­tigen Punkte gefördert habe und daß man Europa immer tastet in das ChaoS fallen lasse, ohne daß Von England der geringste Versuch gemacht werde, durch seinen alten unabhängigen Einfluß diese Entwicklung aufzubaltm. „Daily Chronicle" meint, die zen­trale Regierung in Deutschland breche zusammen, die Re­publik kämpfe um ihren Bestand, hie Tage der parlamentarischen Regierung können gqählt fein. Die­ber Obre das gemeinsame Leben Europas. Die britischen Minister hätten bisher nichts tzesagt. Curzon werde, kvio es beiße, auf der Reichskonftrenz den Versuch machen, die Absichten der Regierung darzulegen, aber so tief sei jetzt der britische Einfluß gesunken, daß niemand in Europa biet Interesse daran habe, was bie britßchos Regierung sage. „Daily Chronielc" schließt: Großbritan­nien ist stumm, während sich die Tragödie Europas a b s p i e l t. i

3« teil MMm In Mltetl.

London, 5. Okt. Der Kölner Eonderbericht» erfiatter der'„Times" schreibt: Die Einwohner von Düsseldorf, die allen fälschen DarstelUingen egtgegei