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Kr. 231

Frankreich macht Schwierigkeiten.

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Berlin, 28. Sept. Der Reichsminister für den Wiederaufbau hat am 28. September die Be­kanntmachung vom 13. Januar über di« Einstellung

58. Äoiri

1923

Die .Lderhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. $eaigs»teie 2. Hälft Sept. 50U0006 3J?. fteibleibend und Zustellungsgebühr. Für ausfallendeNummern ini. Streite oe. ei«ment.6teignifi« lein Ersatz. Big. von Dr. L. Hitzerotd. Druck der Univ^Luchdruckerei von Job. Sag. Hoch. Markt 2123. Kermprecher 55, Soft» fcheckkonto: St. 5015 Amt Frankfurt tu Main.

dcn auf die alliierte Regie vereidigt. 2. Es werde* nur solche Beamte eingestellt, die am Ort ihrer Tao igkeit geboren sind. 3. Aeltere Leute find von bef Wiebereinstellung überhaupt ausgenommen; es lotn* men nur jüngere Leute in Frage. 4. Die ausgewie« enen Beamten werden nicht wieder eingestellt; die ' luswsisungen werden aufrechterhalten. 5. Insge» amt darf nur ein Drittel des bisherigen deutschen sZeamtenstabes wieder eingestellt werden. 8. Alle Leute haben unter alliierter Leitung zu arbeiten. Wie es in dem Telegramm weiter heißt, find die Be» amten des Ruhrgebiets meistens ältere Leute. Es ist also kaum anzunehmen, daß überhaupt die Be­amten, die den französisch-belgischen Bedingungen^ entsprechen auch nur das in Punkt 5 zur Bedingung1 gestellte Drittel ausmachen. Trotzdem die Verhand» . ungen fortgesetzt werden, ist die Stimmung in Etsenbahnerkreisen nahezu verzweifelt. : I

Sie unter litt Stolt.

Paris, 30. Sept. Havas meldet aus Koblenz: Ein Vertreter der deutschen Eisenbahngewerkschaf­ten sprach gestern bet der Rheinlandkommission vor und legte ihr einen Brief der allgemeinen Eisen- hahnergewerkschasten (Sitz Berlin) vor, um Ver­handlungen einzuleiten. Die Rheinlandkommisston brachte ihm zur Kenntnis, daß sie nicht die Organi­sationen in Beziehungen treten könne, deren Sitz sich im unbesetzten Deutschland befinde.

Berlin, 30. Sept. Wie aus dem Ruhrgebiet mitgeteilt wird, meldeten sich in Esten auf die Auf­forderung der französischen Eisenbahnregte 180 Eisenbahner. Ihnen wurde eröffnet, daß sie sich der Regie unterzuordnen und einen Revers -zu unter­schreiben hätten, daß sie für die Regie arbeiten und die Rheinische Republik anerkennen wollten. Da­raufhin haben die Eisenbahner die Wiederaufnahme der Arbeit verweigert.

P a r i s, 29. Sept. Havas berichtet aus Mainz, die französisch-belgische Regie habe im Hinblick au die Wiederaufnahme der Arbeit durch die deutschen Becnnten und Eiienbahner alle notwendigen Vor­kehrungen getroffen, um 30 000 Eisenbahner anzu­werben. Seit heute seien die Einstellungsbüros in Tätigkeit. Alle Eisenbahner, die eingestellt werden, müßten einen Eid ablegen, den alliierten Zivil- und Militärbehörden Gehorsam zu leisten.

Kray, 29. Sept. Hier wurde« die Eisenbah­ner von der französischen Besatzung aufgefordert, die Arbeit aufzunehme«, andernfalls sie in sechs Ta­gen ausgewiefe« werden würden. Die Eisenbahner lehnten daß Anfinnen mit dem Hinweis ab, daß sie die Parole ihrer Gewerkschaft abzuwarten hätte«. Dasselbe Ansinnen wurde auch den Eisenbahnern in Fintrop gestellt, mit de« gleichen Erfolg.

Die Bedingungen der Regie.

DemLokalanz." wird aus dem Ruhrgebiet ge­meldet: Am Freitag, Samstag und Sonntag fanden unter dem Vorsitz des Regieleiters zwischen den Svitzenorganisationen der Eisenbahngewerkschaften und der alliierten Eisenbahnregie Verhandlungen über die Frage der Wiederaufnahme des Verkehrs im besetzten Gebiet statt. Von deutscher Seite durf­ten nur Fragen gestellt werdem Die Regie will die deutschen Eisenbahner nut unter folgenden Be­dingungen zulasten: 1. Die deutschen Beamten Wer­

der Reparationsleistung«« im fr«ie« Verkehr an Frankreich und Belgien aufgehob««.

B « r l i n, 29. Sept. Reichspoft- und Reichsver- kehrsminifter nehme« ihr« Erlast«, die mit dem passive« Widerstand zusammenhinge«, zurück.

Berlin, 29. Sept Zu der Havasmeldung, die es für ungenügend erklärt, daß die 'Reichsregierung lediglich fünf Verordnungen zur Organisierung des passiven Widerstandes außer Kraft gesetzt hat, wäh­rend über hundert erlasten wurden, ist festzustellen, daß tatsächlich nur fünf Verordnun­gen mit Gesetzeskraft im Reichsgesetz­blatt veröffentlicht worden waren. Diese sind nunmehr ebenfalls im Reichsgefetzblatt als aufgehoben er­klärt worden. Uebrigens bestanden ausschließ­lich Verwaltungsanweisungen ohne Gesetzeskraft, die niemals im Reichsgesetzblatt verkündet worden waren, deren Aufhebung demgemäß jetzt auch nicht im Reichsgesetzblatt erfolgen kann. Sie wurden auf dem gleichen Wege, auf dem sie erlassen wurden, nämlich durch direkte Erlasse an die zu- ständigen Stellen zurückgenommen. Diese Tatsache wurde gestern in einem Aufruf des Ministers für die besetzten Gebiete zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Di« alte« Phrase«. «

Paris, 30. Sept. Poincatä hielt anläßlich der Enthüllung eines KnegeckenkmalS im Wrlde von Ailly eine Rede. Er erklärte, Frankreich werde nicht -mfhören, seine Reparationsforderungen zu wiederholen und die Völ­ker anzurufcn bis zu dem Tage, an dem es verstanden worden sei. Die deutsche Regierung hat mit ein wenig Lärm der Welt angekündigt, daß sie dem passiven W«der- siänbe im Ruhrgebiet ein Ende bereiten werbe. Sie konnte nicht anders bandeln Sie wußte, daß sie nicht mehr imstande ist, den Widerstand zu finanzieren, aber dir verdrießliche Erklärung de- unvermeidlichen Wassenstillftandes bedeutet nichts, von der Ausfüh­rung hängt alles ab. Wir beurteilen Deutsch­land nach seinen Taten. Es hat darauf verzichtet, Be- dingnnn^n zu stellen. Das ist gut, aber es muß uns jetzt zeigen, daß es wirllich geneigt ist, in den besetzten Gebieten die Ausbeutung der beschlagnahmten Pfänder zu erleichtern. Die Arbeit von morgen ist viel schwieriger, als ine Arbeit, die wir vollbracht haben. Frankreich hat noch nicht den Sieg, den ihm die Verträge garantiert haben, aber wir werden ihn erlangen; wir haben es ge­schworen; wir werden unseren Schwur halten.

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Paris, 30 Sept. Wie die Havasagentnr ans Kob­lenz meldet, »erbot bit Rheinlandkommission bett Be­amten der verschiedenen Verwaltungen im besetzten Gebiet, mit militärischen oder anderen Behörden im nichtbesetzte»! Deutschland, namentlich in Bayern, die Machtbefugnisse während des Ausnahmezustandes ausübten, in Berbinduntz zu treten oder von ihnen Instruktionen in Empfang zy nehmen. >' 1 i. J \

Trotzdem die Reichsregierung mit der Aufgabe oeS passiven Widerstandes und mit der Wiederiiigaugssetzung produktiven Tätigkeit nun das angebliche Hemmnis einer Einigung zwischen Frankreich und Deutschland in der Ruhr- pnd Revarationsfrage ans dem Wege geräumt hat, werden tzon Frankreich neue Steine herangewälzt. Gegen die Bestellung des Ministers für die besetzten Gebiete als Kommissar zur Wiederingangssetzung der gesamten wirt- schastlick»« Tätigkeit wird offenbar in offiziöser Beein­flussung durch denTcmps" Einspruch erhoben. Man spricht sogar von einem anmaßenden und uner­träglichen Einmischungsversuch. 'Die Aner­bieten der Gewerkschaften aller R'chtungcn mit der Ar biiterschaft die nötigen Vorkehrungen zur Rückkehr zur Produktion treffen, werden ebenfalls zurückgewiefen. Ans diese Weise werden alle, doch ganz offensichtlichen und vor aller Well deutlichen Berständigun^sbemühungea toi?»

Marburg

Montag, den 1. Sktober

»ilbharvt

glauben nicht mehr daran, was man in London anscheinend nicht genügend in Rechnung stellt Die ue- verbesserlichen Optimisten auf der Linken bei uns, sind zu oft enttäuscht worden, als daß sie, selbst toenn sie weiter blind fein wollten, im deutschen Volke Glauben fände«.

Zunächst geht wieder der Ballon der amerikanischen Stift hoch. Der Korrespondent der AgenturCentral News" in Washington teilt mit, daß Finanzsekretär Mellon erklärt habe, der Plan einer Anleihe zur Witt-er- aufnchtung Deutschlands werde in den Bereinigten Stau» ten Unterstützung finden. In Bavern nennt man solche Nachrichten:Sprüch'". Sodann prüfen nach betr Daily Telegraph" Finanz- unb andere Sachverständige Großbritanniens die geeignetsten Mittel für leine neue Einschätzung der deutschen Hilfsmittel in Uebereinstimmuno mit dem Versailler Vertrage und unter amerikanischer tö­tete alliierter Mitwirkung; 2. die baldige Mobilisierung wenigstens eines Teiles der Reparationen auf dem Lon­doner Markte und den internationalen Geldmärkten; 3. bk Gewährung finanzieller Pfandrechte und Garantien durch Deutschland, welche die Fortsetzung des direkten Betriebes örtlicher Pfänder durch die Alliierten wahrend eines län­geren Zeitraumes unnötig machen würde. Sehr schön! Die Herren sollen sich nur an Herrn Poincare wenden, und nicht an unsere Oeffentlichkeit um sie einzulullen!

Jetzt hat auch ein Fürsprecher Baldwins das Wort ergriffen. Schatzkanzler Neville Chamberlain er­klärte in einer Rede in Birmingham über den Besuch Baldwins in Paris: ES gebe keinen Unterschied zwischen dem Ziele Frankreichs und dem Englands; beide Länder wünschten Beazhlung der Reparationen zu erhalten, die Deutschland durch den Friedensvertrag auferlegt wurden; aber England sei anderer Ansicht gewesen' als die Fran­zosen und sei es noch mit Bezug auf die besten ".nd praktischsten Methoden, um diese Reparationen zu erhalten. Baldwin habe jenes persönliche Vertrauen zwischen den Leitern Englands und Frankreichs wieder hergestellt, das so lange gefehlt habe, was die Ursache so vieler Mißverständnisse und Uneinigkeiten gewesen sei. Wir nehmen aufrichti g (!) di« wiederholt von Seiten Frankreichs abgegebenen Erklärungen an, daß das Ziel, mit bem es indas Ruhrgebiet einmarschierte, nicht war. Deutschland zu vernichtenoderesinBruchstttckezuspalten, sondern die Bezahlung seiner gerechten Schuldforderungen sicherzustellen. Das ist angesichts der klaren Erkenntnis der englischen Oefsent- lichkeit von den Zielen PoincareS wirklich ein starkes Stück, zeigt aber, was wir von England zu erwarten

Von besonderem Interesse ist, auch wenn man direkte politische Austeirkungen für uns nicht erwartet, die Hal- htug Englands in der ganzen Frage. Zunächst scheint England wie von einem Alp befreit, daß die in Deutsch­land erwartet« Revolution nicht eingetreten ist, ia tton läßt sich auS Köln die glatte Aufnahme des Ab­druckes des Kampfes triumphierend berichten. Die Blät­ter drücken die Ansicht auS, daß die deutsche Regierung die Lage gut in der Hand zu haben scheine. Der Sonder­berichterstatter desDaily Erpreß" in Berlin glaubt, daß es dem Reichskanzler Stresemann gelingen wird, das Land aus der schlimmsten Krisis, in der es feit dem Waf­fenstillstand stehe, durch alle Schwierigkeiten hindurch­zubringen. (!)Daily Chronicle" schreibt, die Bedingung für den Abschluß des neuen Ucbereinkommens, das Deutsch­land ein Interesse haben werde zu erffitfen, sei, daß di« Berliner Regierung ihre Macht über die Nation be­hält und die Einheit bildet, mit der zu verbandeln möglich sei. (!) Er seien Anzeichen vorhanden, daß gewisse Ele- mente der französischen öffentlichen Meinung, die wirkliche Reparationen wollen unb nicht nur darauf aus sino. Deutschland zu zerstückeln, dies «insehen. (??)Daily Chronicft" hebt hervor, daß die deutsche Eigenschaft, die Disziplin, die Deutschen noch »sicht ganz verließe, denn e» scheine jetzt klar, daß die Inhaber der Macht b Berlin und München nicht Geaner oder Rivalen sino, sondern harttwnisch an demselben Strick ziehen werden.

Man fühlt ordentlich, wie man in England be­freit aufatmet, denn nun kau« man ungestört weiter franzosenfreundlkche Politik in London ma­ch««.

i Inzwischen gehen die üblichen halben Versprechungen gnb ,Httglichkeiten", um wir sie von London actvühnt v6*b, ruhig todta, Nar« wir in Deutschland

haben. *

Di« gättje Politik Englands, pendelt ;. Zt. zwischen den beLen Polen:-Furcht' vor dem Wiedererstarken der deut­schen Industrie und Furcht vor der französischen Militäv- macht . Pomcarö ist es offenbar gelungen, Baldwin von der größeren Dringlichkeit der ersten Gefahr zu über­zeugen. Darum soll Deuffchland versteht sich unter dem üblichen scheinheiligen echt englischen bedauernden Augenauffchlag erst wirtschaftlich vernichtet werden. Aber etwas soll bleiben, damit mit dieftm Rest später für England die Kastanien aus dem französischen Feuer geholt werden'können. Und so meint es Asquith, wenn er sagt, andere Leute hielten keinen Winterschlaf, z.B. Poineare. Die englische Polisik müsse sehr wachsam sein, damit sie Deutschland und Frankreich überlist. Tie Verständigen in Deutschland fallen nicht mehr darauf hinein.

Paris, 30. Sept. DerPetit Parisien" schreibt, die Zurückziehung der Verordnungen über die freien Sach- lieseruugen, die nicht die allgemeinen Sachlieferungen be­treffen, sondern einzig und allein die Lieferungen aufgntnb des Wiesbadener Abkommens und der Zusatzabkommen BemelmanS und Gillet, könne den Standpunkt der ftan­zösischen Regierung in keiner Weise beeinflussen. Frank­reich werd« Mit Berlin erst dann verhandeln, wenn die deutsche Regierung die gesamten Re­parationslieferungen wieder aufgenom- men habe. Inzwischen aber, so erklärt das Blatt weiter, könne man bestätigen, daß di- Industriellen des Ruhrge­bietes in mehr als einer Richtung Dispositionen träfen, um di« Kohlenlicferungen für Frankreich und Belgien wieder aufzunehmen.

Paris, 30. Sept. Der sozialistischePopulaire" wendet sich wiederum scharf gegen die halbamtlichen fron- zöslfchen Stelle i, die täglich neue Bedingungen stellen hin­sichtlich der Wiederherstellung normaler Beziehungen zwi­schen Franfteich und Deutschland. Zuerst sagte man in Paris: Solange der passive Widers and nicht aufgehört hat, ist keine Verhandlung möglich! Au« sei der vafsive Widerstand eingestellt. Aber nun finde der Quai d'Orsay einen neuen Trick. Er lasse durch denTem?s" erklären, jede Diskussion mit Berlin sei augenblicklich überflüssig; man müsse abivarten. DerPopulaire" erklärt, die ftanzösische Regierung mache sich mit btu Methoden über Deutschland lustig, namentlich aber auch über die öffent­liche Meinung in Frankreich und über die gesamte Welt.

Paris, 29. Sept. Ministerpräsident Poincarst hat gestern mit dem französischen Delegierten in der Reparationskommission Barthou verhandelt.

»eiter Sonntag iel iee Sonkrttoleti in MRelhotl.

Düsselborf, 30. Sept. Der Rheinische Tag, bet von bcn Sonderbündlern am heutigen Tage ver­anstaltet worden ist, hat ein dramatisches Ende gt» unden. Die Bürgerschaft von Düsselborf hatt« nahezu restlos die Parole bet Gewerkschaften unb Parteien befolgt, indem sie einen sogenannten toten; Sontttag veranstaltete. Von 1 Uhr nachmittags war bas Straßenbilb wenig belebt. Sämtliche Gast». wirtschaften, Kaffees, Kinos unb Theater waren geschloffen. Die Straßen waren von vormittag« 9 Uhr ab still. Der Auto- unb Droschkenverkehr ruhte vollständig. Die Straßen der Innenstadt wa­ren bis in die frühen Nachmittagsstunden wie aus­gestorben. Die kommunistische Parole, die im letz­ten Augenblick ausgegeben worden war und dahin lautete, eine Gegendemonstration auf bem fjinben« l-urgwall zu veranstalten, fanb sehr wenig Beach­tung. i

Von mittags ab 618 gegen 2% Uhr liefen verschl« bene RegtezügeMtt beit Sonderbündler« aus Achen, Mttncken^Sladbach, Köln usw. ein. Zuerst trafen bt«t sonderbündlerischen Stoßtrupps ein, bte sich Haupt«, sächlich auS Syndikalisten aus dem Mülheimer und Hamvorner Bezirk zusammensetzten, und bene« man an sah, daß sie zu allem fähig sind. Am Bahnhof lege te« diese Trupps eben sogenannten Treueid ad. Pa einer Ansprache des Weinhändlers Oehnen zöge« bk Stoßtrupps zum Babnhof zurück und Bolten bte tw< : zwischen angekommenen übrige« Sonderbündler ad« Darauf begab sich der Zug durch die Graf Adolfe Sttatz« und die Königsallee zum Hindenburgwall« wobei nicht zu ersehen war, gegen wen, da kein Mensch daran dachte, die Sonderbündler irgendwie zu stören. Sie hielten vollkommen militärische Ordnung ein und waren mit schwere« Pistolen mW Gummi­knüppeln bewaffnet. Insgesamt war der Zug etwa 10000 Köpfe stark. Am Ende des Hindenburgwalls haiten sich auch die Kommunisten gesammelt, mit benen es zu Reibereien kam. In bet Königs alle« waten bereits bei bem Anmarsch bet Sonderbündler! schon 6 Beamte bet blauen Polizei von bett separae t'sitschen Stoßtrupps entwaffnet worben.

Auf dem Hindenburgwall wurden dann weiterhin mehrere Beamte der blauen Polizei entwaffnet und' mißhandelt. Ein Säbel, der einem der Polizetbeamtett abgenommen worden war, ttrntbe dem Sonderbündler- zug gezeigt, der jubelnd Beifall schrie. Ein am Bis­marckdenkmal stehender Polizeiposten wurde von den Sonderbündlern beschossen. Zum Entsatz der überall stark bedrängten Polizeibeamten rückte Schutzpolizei an und griff ein. Sofort zogen sich die Stoßtrupps der Sonderbündler am Eingang der Mühlenstraße zuv Abwehr zusammen und zogen ihre Pistolen. Ci ent­spann sich ein Feuergefecht, wobei die Schutzpolizei Ver­tu sie zu verzeichnen hatte. Auch auf Snten der Son­derbündler scheint «s eine Anzahl von Opfern gegeben zu haben. Es gelang der Schutzpolizei schließlich, trotz der Uebermacht die sonderbündlerischen StoßtrupvS auseinanderzutreiben. ' Die ganze Versammlung stob darauf in wilder Flucht in den Hofgatten und in die zum Bahnhof führenden Straßen, worauf die Schutz­polizei nach Säuberung der Sttaßen sich in ihre Quar­tiere znrückbegeben wollte. In diesem Augenblick schrit­ten ans bisher unbekannter Ursache die Franzosen mit Kavallerie und Panze autos ein, umzingelten an mey rereu Stellen kleinere Trupps von Schutzpolizei in8< entwaffneten sie. ,

Die zersprengten sonderbündlerischen Stoßtrupps schloff sen sich sofort den französischen Truppenabtcilungen ach überfiele« die entwaffneten Schutzpoliz«-leimten, tntS», handelten sie fürchterlich und schlugen einige- von ihnen nieder. Die im Polizeigebäude noch vorhandenen Smutz« polizeibeamtcn wurden dann von den Franzosen ebenfalls^

ier einmo' "vi vornherein sabotiert. Geteilte Kreise ft- ' '-'ich wollen eben keine wirtschaftliche verstau - ßre Ziele liegen aus einem ganz anderen Gebiet. .. . rg bt sich auch aus Antßerungen des Leiters der franzüsfich-belgischen Eisenbabnregi« im besetzten Ge­biet, dcr erklärt, daß die Wiederbesetzung der Posten durch die aus gewiesenen Deutsche« nur so weit in Frage käme, als sie nicht schon von Belgiern und Franrosen besetzt feien. Außerdem würden diejenigen, die sich schon bisher fteiwillig zur Verfügung gestellt hätten, bevorzugt, außer­dem müßten die übrigen, nachdem man sie einer besonderen Prüfung auf ihre technisch«« und politischen Aeußernngen. unterworfen habe, eine LoY a li t ätserklär u ng unterzeichnen. Ueber diese Ungeheuerlichkeit hatten dn'k ja schon berichtet. Sie zeigt deutlicher als alles widere, daß eS Frankreich nur auf die Zertrümmerung Dein'chlaichs ankommt.

Inzwischen hat die französische Regierung die bisher mir zur Kenntnis entgegengenommenen neuen Regie- mngsvorsckläge der Regierungen Cuno nnd Stresemann der Reparationskommission zur »-eiteren Be­handlung zugeleitet. Auch bi« englische Regierung hat die Reparationskommission als die einzig« zuständig« Stell? für di« Behandlung dieser Dinge bezeichnet, und Deutsch­land wissen lassen, daß England nickt für ein-' besonderes internationales Sachvcrständigen-Konsortium oder derglei­chen zu haben wäre, solange Frankreich widerspricht. Da- mit dürfte die deutsche Anregung aus Prüfung der

Zahlungsfähigkeit, und das deutsche Anerbieten der Enlfck iining im internationalen Sachver- st ä n d i g, - K o n s o r t i u m über den deutsche« Schuld- deftag bis auf weiteres erledigt sein.

Auch die Regierung sieht, wie wir hören, der weiteren , »nßevpolitiscken Entwickelung mit Pessimismus und ohne jede trügerische Hoffnung entgegen. Das Gebahren der Franzose« am Rhein und in Paris schließt jede Möglick- fcit einer gegenseitigen Verständigung so gut wie aus. Auch die Haltung Englands und Italiens läßt kein« Hoffnung aus außenpolitische Entspannung zu. Weder in Rom noch in London besteht die geringste Neigung, uns zu unterstützen, toenn wir uns in den Fragen von Rhein ind Ruhr gegen Frankreich durch^usetzen haben. Deshalb I tzeht die aus^npolitifcke Entscheidung auf des Messers Schneide. Da Frankreich unerbittlich ist und die deutsch« Regierung von ihren Forderungen nicht ablasse« wird, |o kann man den Augenblick mit Sicherheit ko.amen sehen, fei dem auch die letzte Möglichkeit auf Verständigung ganz »sieuficktlich schwindet und die Regierung daraus di« Kvn- lrouenzen ziehe« muß. Für diese sicher kommend« Stunde her Entscheidung sind alle Kräfte zu sammeln nnd nicht f jetzt durch Parteizank zu zersplittern.

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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen