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Oberhessische Leitung

Zweites Blattz

Nr. 229 '

Lonnabend, 29. September 1923

6ie AM its nkilWk« Staats« Ministeriums z« AiIlOMi.

1 Berlin, 28. Sept. Das preußische StaatSmlni- ßcrlum erläßt, wie der Amrllche Preußische Pressdienst mittcllt, folgenden Ausruf:Hilfe für hungernde Wolksgenossen".

Mlibiirgerl Weite Kreise unseres Volkes darben und entbehren unter den furchtbaren Nachwehen des Weltkrieges und der Ruhrbesetzung. Der WLhrungS- versall und die Teuerung lasten schwer auf unS. Die immer schneller zunehmend« Verschlechterung des Er- «Shrungszustandes unseres Volkes erfordert außer­gewöhnliche Maßnahmen. Zu den bisheri« gen staatlichen Vorgehen auf dem Gebiete der Ernäv- rnngswirtschast mutz setzt zu Beginn der kalten Jah­reszeit im gesamten Staatsbereich eine großzügige VolkSspeisungsaktion htnzutreten. Oberster Grundsatz mutz sein, unter allen Umständen jeden wirklich darbenden Bedürftigen, den ärmsten des Volkes und den Angehörigen des zu Grunde gebenden Mittelstandes rum mindesten täglich eine warme Mahlzeit zuzuführen. Zur Ergänzung der öffentlichen Mittel werden große Spenden der leistungsfähigen Kreise der Bevölkerung in Stadt und Land an Geld und Lebensmitteln ge- b.aucht, ft»er, dessen Herd noch wann, dessen Vorrats- fammer noch gefüllt ist, jeder, der sich noch täglich sät- ilgcn kann, sollte dankbar sich dieser Bevorzugung be­wußt sein und die zwingende Pflicht anerkennen, an die abzugeben, deren Gesundheit und Arbeitskraft von Hunger untergraben wird. Er ermöglicht es, insbe­sondere Kinder, Greise und werdende Mütter vor der Entkräftung und Zermürbung zu schützen.

Wir rufen die Bevölkerung Preußens in Stadt und Land auf, die freiwillige Volksspetsungsabgabe auf sich zu nehmen, gebt schnell, gebt retchltchl Rur wer den Hungernden sein Brot brich», hat auch das Recht im warmen Zimmer am gedeckten Tische sich »u sättigen. Das preußische Volk, in Opferwilligkeit «nd brüderlicher Solidarität von ieber bewährt, wird, das sind wir sicher, willig unserem Ruf folgen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mttteilt, siegt die Leitung der Volkssprisungsak su in den Hän­den des preußischen Sandwirtschaftsmint- p e r r als Staatskommiflar für die VolkSernäbrung. Geldspenden können sofort an den staatlichen Kassen auf Konto V ol ks spei s nng eingezahlt werden. Die Gemeinden wurden ersucht, bei ihren Kaisen ein gleiches Konto -inzurichten. Ferner nimmt die Preußische Staatsbank in Berlin (Konto Volks- kpeisnng) Spenden an. Außerdent werden die meisten deutschen Tageszeilungen SammlungLn eröfftten und darül'er öftentlich gutttiercn. Die zur Annahme von Lebensmfttelspenden berechtigten Steven werden in jedem Regierungsbezirk sosort von den Regierungs­präsidenten öffentlich bekanntgegeben.

GttMiKKhdn«6IM

vom 28. September

_ Nach kurzen Mitteilungen, welche die Aufwendung;« ! für Bramtengehäfter betrafen, genehmigte man endgültig 'das Ortsüatttt für das Verfahren zur Abänderung der Sätze städtischer Abgaben, wie es in der Sitzung vom 7. d. Mts. beschlossen wurde. Das Ortsssatut ist am 11. September veröffentlicht, Einsprüche sind nicht ein- ! gegangen

! Weiter erfolgte die Geuehmiguug bei Vertrags zwischen ! Kreis und Stadt wegen Nebernahme der Wandere.cheits- städte in städtische Räume und der Erwerb mehrerer Gelände irr ei'en am Ortenberg. Es soll verhindert werden daß die dlllebänme dort nicht verschandelt werden.

Tie Kartoffelbes chasfung.

Zu der Bewilligung eines Vorschusses zum Kartoffel­einlauf lag folgende Begründung vor: Die Stadt Muß es «ls ihr? Aufgabe betrachten, über die Ärrtofselversergung der Bevölkerung mit der größten Sorgfalt zu wachen. Sie luill allerdings einen behördlichen Eingriff möglichst vermeiden, in der ans der Erfahrung früherer Jahre i gewonnenen Ueberzcugung, daß dadurch die Bersocrung eine reibungslosere sein wird. Es ist aber nicht ausge- schloss««, daß die Stadt als solche cingreifen muß s«t es durch i'.ntnittelbaren Einkauf, sei es durch Gewährung

von Kredit. Der Magistrat hat daher in Ueberemstint- nrung mit dem Finanz-Ausschuß beschlossen, einen vor­übergehenden Kredit von 50 Milliarden für die Kartossel- versorguna zur Verfügung zu stellen. Dieser Kredit kann vorübergehend aus der bereits beschlossenen Anleihe ge­nommen werden, da mehrer« in der Anleihe anfgeführte Projekte noch nicht begonnen sind. Stadtv. Wolf regte an, daß die Beschaffung der Kartoffeln wieder die Stadt übernehme, denn selbst denjenigen, die bezahlen könnten dürfte c3 schwer fallen, den Winterbedarf zu bekommen. Stadtv. Braun brachte den bekannten Fall Brühne zur Sprach« Dadurch sei ein« Beunruhigung unter die Landbevölkerung getragen, die behoben werven müsse Der Oberbürgermeister gab dann folgende Mit­teilung zur Kenntnis. ,

Der Polizeikommissar hat mir am 15. d. Mts. wir ge­meldet war, daß Herr Brühne für 20 Millionen den Zentner Kartoffeln aus der Ketzerbach verkaufe, im Rat­haus Mitteilung gemacht und dabei angeführt, daß der Richtpreis von der seitens der Polizei am Abend vorher »ugezogenen Kommission für die Marktpreise auf 6 Mil­lionen festgesetzt sei. Sein Beftagen. ob er in diesem Falke beschlagnahmen nnd für 6 Millionen verkaufen solle, bejahte ich auf Grund des Kom.-B«schlusses. Durch eine zweite Besprechung an demselben Vormittag wurde mir bekannt, daß der Preis von Block 12 Millionen ge­wesen sei. wodurch ich stutzig wurde hinftchtlich des Ber- kmtsSpreiseS. Herr Kommissar sagte, es sei nichts mehr daran zu machen, da schon verkauft sei ober werbe Nack deni ist nun durch Erkundigung ftstgestellt, daß von Mncher keine Rede sein könnte und daß andererseits die Schätzung der Richtpreise in diesem Falle als fthlsam be­trachtet werden mußte. Infolgedessen kam es zu folgen­dem Schreiben an die von Herrn Brühne bevollmäch­tigten Rechtsanwälte Herren Justizrat Auth und Tr. Eigner vom 24. 9.1923, welches die Zustimmung des Magistrats sand:Tie fragliche am 15. d. Mts. von der Poliz-' vorgenommene Beschlagnahme ist formell zu Recht erfolgt . Die Polizeiverwaltung ist der Festsetzung der von ihr berufenen Marttpreiskommission vom 14. Sep­tember abends gefolgt. Diese hatte den Kartoffelmarkt­preis aus 6 Millionen für den Zentner für den 15. Sep tember festgesetzt. Nach den inzwischen ersolaten Fest­stellungen betrug in Gießen an dem Tage der Kartrssel- preis 8,510 Millionen für den Zentner. Der von Ver Kommission festgesetzte Preis von 6 Millionen mnß. zumal nach den Darlegungen des Herrn Fürst, als sehlsam an­gesehen werden. Der Magistrat spricht Ihnen fern Be­dauern über diese fehlsame Festsetzung aus, di« er durch die katastrophalen Geldwertschwankungen zu erklären bittet. Wir bitter: ferner sich damit einverstanden zu erklären, daß wir vergleichsweise die entgangene Differenz zwischen Ihrem Verkaufspreis von 20 Millionen und dem städti­schen Preis von 6 Millionen von je 14 Millionen für rnnd 30 Zentner zahlen und damit den Fall als erledigt anzusehen." Aus dieser Grundlage hat sich dann der Magistrat mit Herrn Brühne geeinigt unfc der Fall ist damit erledigt.

DieAussprach«.

Bürgermeister Mueller bemerkte, baß der Kreis Marburg, wie die Kriegszeit gezeigt, wohl in der Lage sei, die Stadt zu beliefern. Es sei jedenfalls besser, wenn der freie Handel in der Kartofftlversorgung maßgebend mürbe. Es seien jetzt die Kartoffelscheine eingc-ührt und «6 sei hoffen, daß sich die Kartoffelversorgurrg ohne Zwang durchführen lasse. In einer in der nächsten Woche iiattsindenben Sitzung solle sestgestelll werden, ob die Kartoffelscheme untergebracht feien. Man möge Ruh? bewahren und dem Bauer Zeit lassen erst die Kartoffeln zu ernten. Stadtv. Bonn hielt den Kredit von 50 Milliarden für viel zu gering. Seiner Ansicht nach seien Z w e i d r i 11 e l der Stadtbewohner nicht im Stande, die Winterkartosfeln auf einmal zu bezahlen. Stadtv. Tro ell t k ch wünschte Nachprüfung der Preise, die bei den Händlern auf über 100 Millionen gestiegen Bürger­meister Mueller bemerkte hierzu, daß in diesem Jahre abnorme Verhältnisse geherrscht, die Zwischen- kortosfeln aus hiesiger Gegend seien ausgebliebe«. Bei der Beschaffung der Kartoffeln aus anderen Segenben spiele der Bankkredit und die Fracht eine Hauptrolle. Auch bk Preisfrage zog der Redner in den Kreis seiner Be­trachtungen und erwähnte dabei den Stundenlobn eines

, x (Nachdruck verboten.)

Die Nichte aus Florida.

Roman von E. v. Adlersfeld-Ballestrem.

2. Fortsetzung.

MGott bewahre der Junge ist vergnügt-und braungebrannt wie eine geröstete Kastanie!" Oben ««gelangt, gab Elbenborn seiner Schwester einen herzlichen Willkommenkuß. legte Hut und Ueber- zieher ab und folgte ihr ins Zimmer.

Gott sei Dank!" sagte Frau von Tüßnjtz er­leichtert. ,Zch dachte schon, Max hätte am Ende gar einen Rückfall gehabt, denn wenn du dich so unerwartet und unangemeldet auf die Strümpfe machst, mutz doch was los sein!"

Natürlich ist was los", gab Elbenborn ernst zu. Bor allem aber nochmals: Max ist wohlauf und erholt sich täglich merkbar den haben wir, wenn's so weitergeht, in ein paar Monaten wieder ganz auf der Höhe, dank unserer guten Luft, der liebe­vollen Fütterung der Zingst und der unermüdlichen Pflege, in die ich mich mit Ilse Zornau teile, die täglich herübergeritten kommt, um Max zu unter­halten. Was mich betrifft, liebe Ehrengard, so hat mich ein rasch gefaßter Entschluß hierher geführt, «m etwas sehr Wichtige» persönlich mit dir zu be­sprechen, denn brieflich gibts ja so rasch, wie's nötig ist, doch keine Klarheit. Ich habe einen Brief von Werner erhalten, der mir recht nahe gegangen ist."

Von Werner? Ist ihm etwas geschehen?" fragte Frau von Tütznitz erschrocken.

Noch nicht, aber ich fürchte. . ." Elbenborn V , hielt ein, zuckte bedeutungsvoll mit den Achseln, und ändern er seiner Schwester gegenüber Platz nahm, i #°fl er seine Brieftasche hervor und entnahm ihr ein Schriftstück, dessen überseeisches Papier eng mit gro­ßen, aber zitterigen Schrfftzügen bedeckt war.

Lieber Himmel so viel hat er ja in seinem vanzen Leben nicht an uns geschrieben!" murmelte Fra« von Tütznitz halb

Leider nein dafür wird's wohl auch das letzte Mal gewesen sein", meinte Elbenborn bewegt und las dann laut vor:

Lieber Herbert!

Es ist unrecht von mir, daß ich dir nicht längst schon schrieb, wie es mit mit steht. Aber der Mensch ist nun einmal so geschaffen, datz er immer wieder hofft, bis es zu spät ist. Kurz und gut: ich bin ein schwerkranker Mann, und meine Tage sind gezählt. Das ist keine Uebertreibung, denn mein Arzt hat mir's auf dringendes Befragen klipp und klar ge­sagt, daß jeder Tag für mich ein Geschenk ist. Was mir fehlt, darauf kommt es hier nicht an ein inneres Leiden ist's, das mich schon jahrelang plagt; nun aber hilft keine Willenskraft dem zerstörten Körper mehr. Es geht schnell zu Ende, und eine Erlösung wird es fein. Da möchte ich nun, datz Du eine große Sorge von mir nimmst: die Vormund­schaft und die Fürsorge um. die Zukunft meines ein­zigen Kindes, meiner lieben, reizenden Tochter Pilar. Da mich Deine Zustimmung farm mehr am Leden treffen wird, so habe ich alle Vorkehrungen getroffen, damit Pilar gleich zu Dir nach Europa abreisen kann, sobald alles vorüber ist, und ich hoffe von Deiner mir so oft, so unermüdlich bewiesenen brüderlichen Anhänglichkeit und Liebe, datz Du Dich des Kindes um des gemeinsainen Blutes willen väterlich annehmen wirft. Vielleicht hätte ich mich mit dieser Bitte an unsere Schwester Ehrengard wenden sollen, weil sie als Fran das bessere Ver­ständnis für ein so junges Mädchen haben dürste, aber sic hat ja selbst ein Kind, einen Sohn, für den sie zu sorgen hat, und da wollte ich ihr diese Last nicht auch noch aufbürden.

Es ist wohl überflüssig, Dich daran zu erinnern, datz Pilar die Erbin von Elbenborn ist, solange Du selbst keine Familie, keinen Sohn hast, und weil die Aussicht dazu nunmehr wohl geschwunden ist, da ich vergebens auf die Nachricht von Deiner Vermäh-

erstaunh, halb beunruhigt, lung gewartet habe, so bist Du e» wähl vor allen

beschäftigten Maurers, der jetzt, wie gesagt wurde, 28 Millionen bk Stunde betrage. Stadtv. Hildemann wünscht« Festlegung der Ärtbitfrage und Stadtv. Ilk pflichtete dem Stadtv. Bonn bei, was bett Preis an­belange, so habe er im Frieden immer 2 Mark für den Zentner bezahlt. Stadtv. Alt haus forderte auf, die Ruhe zu bewahren, der Beamtenverein habe mit zwei Händlern Verträge wegen Lieferung von 4000 Zentnern, geschlossen. Di« Karioffelrrnt« fei gut, nur die Anbau­fläche, in hiesiger (Segettb wenigstens, etwas kleiner. Die Bauern beginnen ja jetzt erst mit der Ernte. Stadtv. Wolf wünschte ebenfalls Krediterhöhung, der Stunden- lohn eines Maurers sei nicht maßgebend, weil eS viel« Leut« gebe, die ganz geringe Einnahmen hätten uttb alle unter dem Goldlohn ständen. Bürgermeister Muel­ler trat diesen Ausführungen entgegen. Stadtverordn. Jahrmärker mahnte auch zur Ruhe. Der Fall Brühne sei sehr zu bedauern, denn biefet Herr sei be­kannt dafür, daß er allez tue, um bte Stadt mit Milch und Lebensmitteln zu versorgen. Schwierig sei bk Sache für Leiste, die früher gewohnt gewesen seien, sich ihr Kar­toffelgelb zurückzulegen. StÄ>tv. Schimpfs führte die höher werbenden Preise darauf zurück, baß die Händler die Karwffeln so weit herholten. In der Sitzung kürzlich hätten die Vertreter der Landwirtschaft versichert, daß sie die Stadt versorgen würben. Diesen Leuten fei ooch Glauben zu schenken. Der Antrag des Magistrats wurde schließlich angenommen. '

Allerlei Beamtenfragen

Ein Antrag betreffend Ruhelohnbestimmungen für Angestellte der gewerblichen Betriebe wurde nach län­gerer Aussprache dem Finanzausschuß zurückgewieien.

Weiter genehmigte man bk Einstellung einer Hilfs­kraft bei der Sparkasse und die Anstellung eines Beamten im Rechnungsamt.

Dringliche Sachen. Diese beträfen die Erhöhung des Schulgeldes der Fachschule, eitle Anfrage wegen Anstellung eines Gewerbelehrers, die Er­höhung der Zinssätze der Sparkasse, die genehmigt wurde und eine Abänderung des Vertrages toeoen Verstaatlichung de? Lyzeums. Auch bkfe Frage wurde lange befpro.'hen. Damit hatte die Sitzung ihr Ende erreicht.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Cassel, 26. Sept. Der preußische Innenminister mit bezug auf das Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel mit Einschluß aller Umzüge der vom Kur­hessischen Kriegerbund für den 30. b. Mts. geplante« Denkmalseinweihung in der Karlsaue die Geuehmtzun» versagt. Soweit es sich um Veranstaltungen :n ge­schlossenen Räumen handelt, können sie stattfinden. Des­gleichen hat der Minister die von ber sozialistischen Arbei­terjugend vom 25. b. Mts. ab auf die Dauer von einet Woche auf öffentlichen Plätzen in Cassel geplante Wrrb-- woche verboten. Die im Rahmen des Programms beak- fichtigtcn reinen sportlichen Veranstaltungen können da­gegen abgehalten werben. Wie weiter mitgeteilt wird, findet die Einweihung und Uebergabe ber kurhesfitche.i Gedenkstätte für die im Weltkriege Gefallenen nicht statt. Ebenso fallen alle übrigen im Anschluß hieran ge­planten Veranstaltungen, wie GotteÄienst, Konzert, Thea­ter aus. *

Dillenburg, 27. Sept. In bet Zeit vom ver­stossenen Freitag abenb bis diesen Montag nvttag wür­ben in ber Haas'schen TabakfaLnk, hier, drei Ledec-Treib- riemen gestohlen, unb zwar im großen Lagerhaus au der Hinbcnburgstraße. Zwei Treibriemen waren 45 Meter lang unb 15 Zentimeter breit, noch neu, einer wir 810 Meter lang unb 10 Zentimeter breit, gebraucht? Der Wert beträgt minbeftend 10 Milliarden. Drei Ofen­diebe tourbe«. heute früh um 3 Uhr vom Polizeiwacht- rueister Ruppeuthal in der Hindenburgstraße überrascht, als fk einen großen schwerbeladenen Handkarren bi# Straße auswärts fuhren. Beim Erscheinen bes Beamten gaben fk Fersengeld unter Hinterlassung des Wagens. Auf diesem befanden sich, in Kisten fest verpackt, zwei komplett« emaillierteDnnkräfen" und Deren Kopf­stücke, letztere in Rucksäcken. Die Defen entstammen der Adolfshütte und haben einen Wert von etwa 45 Mil-

arteten, an den ich mich wenden mutz. Es ist nun auch an der Zeit, datz Pilar mit europäischen Be­griffen und Verhältnisse bekannt gemacht und in un­sere Kreise eingesuhrt wird, in die sie ihrem Namen und Range nach gehört. Dazu kommt noch, daß ich sie als verhältnismäßig armes Mädchen zurücklaffen muß und es mit schrecklich traurig wäre, sie in ihrer zarten Jugend den: Kampf ums Dasein ausgesetzt zu wissen Durch ungünstige Geschäfte und neuer­dings durch eine verfehlte Unternehmung habe ich leider so ziemlich alles verloren, was ich mir durch jahrelange, ehrliche Arbeit erworben, was mich zu einem vermögenden, ja reichen Manne gemacht hatte. Der Kummer darüber hat mein Ende auch beschleunigt nun, es hat so sollen sein.

Was meine Tochter betrifft, so wird sie Dir ge­wiß bald eine angenehme Gefährtin werden, dessen bin ich sicher. Empfehlen möchte ich Dir indes, Sorge zu tragen, daß ihre Verbindungen mit ihren floridanischen Freunden allmählich einschlafen, denn durch den Umstand, daß ich mich meines Leidens wegen wenig um das mutterlose Mädchen beküm­mern konnte, sind Elemente in ihren Kreis ein- gedrungen, die mir gar nicht wünschenswert er­scheinen wollen, und Pilar ist noch viel zu jung, um darüber ein Urteil zu haben. Die Verwandten meiner geliebten seligen Frau sind ja alle unanfecht­bar und auch vortreffliche Menschen, aber sie sind leider nicht hier, sondern in Spanien; so sicher Pilar in ihrer Obhut auch wäre, so gehört sie doch zum Blute ihres Vaters .nach Deutschland. Hier, in Tallahassee, habe ich wohl gute, liebe und treue Freunde, zu denen ich in erster Reihe den Bankier Don Esteban Zora mit seiner Frau rechne, und ber mir auch versprochen hat, sich meines Kindes anzu­nehmen, wenn meine Augen geschlossen sind, und Pilar selbst auf das Schiff zu bringen, das sie nach Europa führen wird. Diese Freunde soll sie nie vergessen alle anderen aber wünsche ich fallen z» lassen. Es find genug? Ich kann nicht mehr schreiben, die Kräfte sind ganz am Versagen. Grütze

Karben Papiermark. Die weiter in den Rucksäcken Kegen« den Butterbrote von gutem Bauernbrot und fnscher But­ter lassen entsprechende Schlußsolgerungen zu.

Weilburg, 86. Sept. Gestern morgen las eine Frau in ihrem Garten an ber Hindenburgstraße dreißig Alummium-oOGMarkstücke auf, die in der Oachr j-manb m den Garten hineingeworfen batte.

Handels- und Marktnachrichten.

Ber lin, 27. Sept. Infolge der gespannten poli- tischen Lage bat die Nachfrage am Devisenmarkt wieder etwas zugenommen. Die Reichsbank gab ihre bisherige feit einigen Tage» geübte Gepflogenheit ber vollen Zu­teilung auf unb Befriedigte den Begehr für bk führende« Plätze ungefähr nur zur Hälfte. Sonbon wurde jedoch noch voll zugeteilt. Am GeS»markt bat sich die Lage weiter entspannt. Tagesgeld wurde mit 2 Prozent und darunter pro Tag reichlich zur Berfügung gestellt

Berlin, 27. Sept. Vom 29. Sept, bis 2. Oktober beträgt das Goldzollaufgeld 3189999900 Pro­zent (eine GoLzollmark gleich 31 900 000 Papiermari.ß

Frankfurter Getreidebörse vom 27. ©e»L Weizen. Wetterauer, 560 bis 600 Millionen, Rogge« 460 bis 480 Millionen, Sommergerste für Brauzweäx. 510 bis 540 Millionen, Hafer, inländischer, 460 bis 520 Millionen, Weizenmehl, südd. Spezial 0, 1000 bis 1200 Millionen, Roggenmehl 700 bis 750 Millionen, Weizen- und Roggenlleie 200 bis 220 Millionen. Preis je 100 Kilogr Tendenz: stetig.

Berliner Produktenmarkt,

Station.

«ort hu bett SS. Sept.923.

Prelle In Tausend Mark für 10o Pfd. ab

Wetzen

285300,106

sfuttererbsen

Roggen

245255000

Ackerbohnen

Sommergerste

280-290000

Linien

Wintergerste

Wicken

Hafer Mals

245 - 255000

Oupln blaue

gelte

Weizenmehl

456525000

SetobeOa alte

ssoggenmehk

400-462500

nette

Roggen klebe Ravs

159160000

Iro<feni*nl6tl

125135000

375-400006

Rapskuchen

210220000

Rübsen

Runkelrüben

Leinsaat

Wöhren, rott

Ret,

Mohn

EN»

Brass ltan. Bollrel,

Torsmelasse

-

Kartoffeln (frühe)

40-43

Wlesenheu, lose

2000021000

Snelleerbien. tOftorU«

Kleeheu

-

erdsen

575-856000

Streb drahtgepr.

26000 -26000

Spelseerbf.kl.

aebtinbelt

2200024000

Berliner Devisenkurse.

Amsterdam Kopenhagen Stockholm Italien London Jiemnott Part» Eit wetz Oesterr. Budapest

l Kr.

27. September I 28. September Geld I Brief | Selb I »rief

558650001 501400001 624135001 6275S50Ö 25536000 25664600 28329000 28471000

379'1.5000

6183750 648375000 142044000

38095090

6516250 651625000 14756960

42290000 42506000

7281750 7318250

72318750a 726812500

159601)900' 160401000

8678250

25336500

199500

7581.-

8721750

25463500 200500 761J.

9775500 #824500

28329000 28470000

2244371 25563

7980: 8020

Deutsche Wirtschaftszahlen.

29. Sev tember.

Ein Dollar (mittel)' 166 000 000 Mk.

Eoldankauftlprei» für 1 Kg. fein: 640 Dollar.

1 Goldmark = 35 625 060 ©., 35803571 B. Papiermark. Silberankaurrpreis für 1 Einmarkstück: 10000 000 Mk. Eolbz-llautgel»: 26.28. Sept. 3479 999900 Prozent. Retchrbankbiskont: 90 Prozent.

Grohhandelrindex (vom 25.Sept.): 36 200000. Reickslebenshaltungsindex (24. Sept.): 28000 000. Reickshahnmultiplikator iiirPerfonentarife: ab2.10.30000000. Reichsbahnmuttiplikator für Gütertarife: 36 000600.

Schlüsselzahl de» Buchhandels: 35000 000. ,

Anzeigenschlüssel d. D Z.-L-V. vom 22.-28. Septemoer 50 000.

Schlüsselzahl de,Deutschen Buckdruckerveretn»: ab 29.9.2700008. Aerztl. Berufsverein: Index 35 060 000:

Schlüsselzahl für bte deutsche Arzneitaxe: ab 2». Septt. 310 000.

Für oie Schriftleitung verantwort!.: Dr. C. Hitzerrth. Für den örtlichen und Provinz. Teil: Wilhelm Wißner.

Sprechzeit der Schriftleilnng bis 1 /»11 Ubr vormittags

Ehrengard von mir unb vergeßt nicht ben, ber Euch niemals vergessen hat, Euern Bruder Werner."

Nachdem Elbenborn geendet, war es lange still in dem kleinen Zimmer, und die Geschwister saßen Hand in Hand mit überströmenden Augen da, bis endlich^Elbenborn aufstand, ans. Fenster trat unb sich dann zu seiner Schwester zurückwendete:Ich habe sofort nach Tallahassee gekabelt, daß der Bries angekommen unb Pilar mir willkommen ist", sagt« er mit erkünstelter Eeschäftsmaßigkeit.Es ist gar keine Frage, baß bas Mädchen zu mir kommt> Platz genug ist ja ba, und es ist auch ganz richtig, baß bte Erbin von Elbenborn dort unb nirgenb anderswo hingehört. Ich wollte nur, Werner hätte Namen genannt man ist ja ganz im Dunkeln darüber, wer die Leute find, die er beanstandet. Freilich, wenn man die Schrift, rkitmentlich am Ende des Briefes, liest, wie sie so zittrig ist unb fast unentzifferbar durcheinanderläuft nun, hof­fentlich hat mein Telegramm ihn noch lebenb et», e reicht. Ja, unb was ich mit dir besprechen wollte, Ehrengard . . ."

Kann's mir schon denken", fiel Frau von Tsitz- nitz ein.Gewiß, unsere Nichte gehört nach Elben« ssorn und nicht zu mir. Eie mutz von vornherein auf den Platz gestellt werden, der ihr zukommt, den« schließlich sind wir ja alle sterblich, unb bann muß das arme Ding nicht erst um seinen Platz kämpfen Weil Pilar aber doch nun kein Kind mehr, sondern eine junge Dame ist sie muß ja nun fast neunzehn Jahr alt sein, wenn nicht darüber, so brauchst du eine sogenannte Ehrendame für sie unb bist ge­kommen, mir den ehrenvollen Auftrag zu erteilen, dir dazu behilflich zu sein."

(Fortsetzung folgt)

Die Dauerhaftigkeit

van Schuhen uub sonstigen Ledersachen wird bedeutend erhöh« wenn si mit §eih*en«'e Renaeator gefärbt werben.

Reeaviere Loder «ar mit brittnexn'» Weneeeter.