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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

flr. 227

TieOberveisiiche Zeitung" erscheint iechrmol wöchentlich. Lezugsprei» 2. Hälft Sept. 5OoOCOO I'.freibleibend und ZusteNungsgebühr. Für ausfaUendeNuminern ini. Sireilroo.element.Ereigniife kein Ersatz. Vlo.vonDr. T. Hitzeroth. Truck der llniv^Buchdruckerei von Job. Tug. Koch, Markt 21,23. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Tort Frankiurt o. Main.

Marburg

DoMkstsg, Den 27. September

Scheid i«g

Ter Anreigenoreir beträgt für de« 9 gesp. Zeilenmillimeter Erundzahl: 40. Amtliche u. auswärt. Anzeigen 50. Bei schwierigem 6« 50/<, Aufschlag. Sammelanzeige« 100/ Aufschlag Aetlamen Erundzahl 150. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet, ebenso Buskunit durch die Eelckäftsttelle und Zusendung der Angebote. Rabluno innerhalb 5 Tagen nach Rechnungsdalum, sonst nach der Schlüsselzahl des Zahlungstages. - Schlüssalpthl >e» «. d.Ztga.-B. «mm 22.-M. Sept. 80000.

58.5M

1923

Lette MMkeite»!

Die Lage, in der sich die deutsche Politik gcgen.närtiß benotet, ist von einer tiefen Tragik. Ein ruhmvoller Aanipi endet mit einem völligen Fiasko. Diejenigen, die syr Hoffnung auf den Sieg des Rechtes trotz »Her bftte- «i! Erfahrungen der letzten Jahre noch nicht vollends aus- yn ben haben, sind auf das schmerzlichste getäuscht.

LSerden wir nun zu Verhandlungen mit Frankreich kommen? Das ist die Frag«, die für die Entscheidung der Politik der nächsten Zukunft im Vordergründe steh^ Wird England die letzte, wirklich die allerletzte Chane«, die fick, ihm jetzt noch bietet, seinen Einfluß gegenüber Frank­reich geltend zu machen, ausnutzen, die Stimmen, bl« vor ter französischen Politik warum, mehren sich 'n diesen Lagen beträchtlich; wird Belgien, das in letzter Zeit Permittlungsneigungen zeigte, einer solchen Aktion sich mischließen. Die deutsche Politik steht vor der Tatsache, bas; diese Möglichkeit der gemeinsamen Einwirkung Eng- kands und 'Belgiens noch gesucht werden muß. daß man jedenfalls auch hier hinwiederum trotz aller bishengea ent- täuschenden Erfahrungen der Gegenseite nicht den Vor- jpand zu dem Vorwurf geben dürfe, man hätte nicht Mgewartet und die Kräfte zur vollen Reife kommen lassen.

Die nächsten Tinge werden folgendermaßen beurteilr: Die deutsche Reichsregierung wird auf^diplomatuchem Lege der Gegenseite die Einstellung des passiven Würer- tzantes zur Kenntnis geben. Daß damit sofort die Bahn zu Verhandlungen frei wird, ist aber nicht anzuneh- Wen Wir müssen vor allen Illusionen vfl'chtgemär Warnen. Tie französische Taktik geht dahin, erst noch geraume Zett abzuwarten, ob tatsächlich die im Verfolg des Mufhebungsbeschlusses notwendigen Anordnungen der Reichsrrgierung erlassen und auch durchgeführt werden I3u müssen uns darauf gefaßt machen, daß erst, w-nn Ich ein gewisser lieberblick über die Wirkung dieser Maß­nahmen im besetzten Gebiet selber ergibt, der Frage der Perlandlungen nähergetreten wird. Aber auch was diese 'Perbandlungen selbst angcht, wird vor asten voreelrgeu Erwartungen nachdrücklichst zu warnen sein Durch den Triumph der Kanonen über Idee, Moral und Recht ro:r.? bk Strömung auf der Gegenseite, die uns in der Rev -i - rationsfrage erneut vor einem Diktat st el­fen will, nur noch gestärkt. Und in diesem Augenblick wird bann die letzte große Entscheidunz an Deutschland herantretcn. Tas sei mit Nachdruck festgr- frltt: Wir kennen aus den französischen amtlichen Ber- Nfentlichungen (Gelbbuch) und aus den letzten Meldungen «Ausländischer Zeitungen, daß Frankreich ein Annerions- nrd -AusbeutungSprogramm bereitliegen hat, das es jetzt 'verwirklichen will. Dieses Programm betrifft Lebens- fragen von Rhein und Rühr, so z. B. die Frage te-r inter­nationalen Eisenbahnverwaltung und des internationalen kriricbes von Ruhrbergwerken. Es betrifft damit auch zu- tnebes von Ruhrbergw.rken. Es betrifft damit auch zu- tzl-.ich Lebensfragen des deutschen Volkes. Und hi?" ist der Punkt, wo sich zeigen wird, daß die deutsche R-gft- fer-cg t:otz der Aufgabe des passive,, Widerstandes ent­schlossen ist, ihre deutsche Ehre und ihre deutschen Rechte nicht antasten zu lassen. Irgendwelche Verpslichtungen aber, die mit der Nation tlen Ehre des deutschen Volkes nicht vereinbar sind, werden um keinen Preis in der Wel, angenommen Es wird kein? Regierung sich finden.die rin zweites Versailles auf sich nimmt. Wird man uns solche Zumutungen stellen, bann werben Entschließungen fcon allergrößter innen- und außenpolitischer Trag.oelre zu Kessen sein. Entscheidungen, von denen das Rheinland and die rheinische Bevölkerung die hervorstechendste Rolle fielen werden.

* *

Bon den Bedingungen der Franzosen wird in den Blättern viel gesprochen, besonders von

einem industriellen und wirtschaftlichen. Waffen­öl ll stand an der Ruhr. Während dieser Zeit würde die Polizei ihre Tätigkeit unter der Kontrolle der Alliierten wieder aufnehmen. Die französifch- Aelgifche Eisenbahnregie würde fort- A>c stehen und die deutschen Eisenbah- rnci, d i e man brauchen könn»^ würden eingestellt werden. Einzelne Kohlenbergwerke sollen nur für Reparationskohl e arbeiten. Die Ausfuhr von Kohle nach dem Ausland enb dem unbesetzten Deutschland soll mit einer Steuer von 40 v. H. belegt

Morde »..

Nach demNew York Herald" soll weiter die Eisenbahnregie im Rheinland und im Ruhrgebiet nach Ablauf des Waffenstillstandes einem alliierten Trust übertragen werden. Hierbei fungiert ganz selbständig neben Frankreich, Belgien, Italien und England auch das Rheinland, ein Beweis boriir, wie man sich die Entwicklung in diesen Ge­bieten denkt. Es wird auch von einem drei» bis Vierjährigen Moratorium und von einer Finanz­kontrolle gesprochen.

- Paris, 26. Sept. Die gesamte Morgenpresfe beschäftigt sich mit der Entscheidung, die gestern Abend in Berlin getroffen wurde. Diese Entschei­dung wurde durch eine Havasmeldung bekannt ge- ehen.

Petit Paristen" schreibt, die Entscheidung sei ^totfo bedeutsamer, als der Vertreter Bayerns ent­sagen gewissen Voraussagen mit den anderen Maatsministern gestimmt habe. Danach, daß

An das deutsche Golk!

Berlin, 26. September.

Am 11. Januar haben französische und belgische Truppen wider Recht und Vertrag das deutsche Ruhrgebiet besetzt. Seit dieser Zeit hatten Ruhrgebiet und Rheinland schwerste Bedrängung zu erleiden, liebet ISO 000 deutsche Männer, Frauen, Greise und Kinder sind von Haus und Hof vertrieben worden, für Millionen Deutsche gibt es den Begriff der persönlichen Freiheit nicht mehr. Gewalttaten ohne Zahl haben den Weg der Okkupa­tion begleitet. Mehr als hundert Volksgenossen haben ihr Leben dahingeben müssen, Hunderte schmachten noch in Gefängnissen. Gegen die litt» rechtmätzigkeit des Einbruchs erhoben sich Rechtsge­fühl und vaterländische Gesinnung. Die Bevölke­rung weigerte sich, unter fremden Bajonetten zu arbeiten. Für diese, dem Deutschen Reiche in schwer­ster Zeit bewiesene Treue und Standhaf­tigkeit dankt das ganze deutsche Volk. Die Reichsregierung hatte es übernommen, nach ihren Kräften für die leidenden Volksgenossen zu sorgen. In immer steigendem Matze -sind die Mittel des Reichs dadurch in Anspruch genommen worden. In der abgelaufenen Woche erreichten die Unter st Ätzungen für Rhein und Ruhr die Summe von 3500 Billionen Mark. In bet lau­fenden Woche ist mindestens die Verdoppelung die­ser Summe zu erwarten. Die einstige Produktion des 'Rheinlandes und des Ruhrgebiets hat aufge­hört. Das Wirtschaftsleben im besetzten und unbe­setzten Deutschland ist zerrüttet. Mit furchtbarein Ernst droht die Gefahr, datz Lei Festhalten an dem bisherigen Verfahren die Schaffung einer geordne­ten Währung, die Aufrechterhaltung des Wirt- schaftslebeits und damit die Sicherung der nackten Existenz für unser Volk unmöglich wirb.

Diese Gefahr mutz im Interesse der Zu­kunft Deutschlands ebenso wie im Interesse von Rhein und Ruhr abgewendet werben. Ilm das Leben von Volk und Staat zu erhalten, stehen wir heute vor i»er bitteren Notwendigkeit den Kampf abzubrechen. Wir wissen, datz wir damit von den Bewohnern der besetzten Gebiete noch größere seelische Opfer als bisher verlangen. Heroisch war ihr Kampf, beispiellos ihre Selbstbeherrschung. Wir werden niemals vergessen, was diejenigen erlitten, die im besetzten Gebiet duldeten. Wir werden niemals vergessen, was diejenigen aufgaben, die lieber die Heimat verliehen, als dem Vaterlande die Treue zu brechen.

Dafür zu sorgen, datz die Gefan­genen freigegeben werden, datz die Ver stützen en zurückkehren, bleibt die vornehmste Aufgabe der Reichsre­gierung. Vor allen wirtschaftlichen und mate­riellen Sorgen steht der Kampf für diese elemen­tarste Menschenrechte. Deutschland hat sich bereit erklärt, d ie schwersten materiellen Opfer für die Freiheit der deutschen Volksgenossen und deutscher

Bayern, das Land des Nationalismus, das Luden- dqrff seine Zuflucht gegeben habe, sein Einverständ­nis erklärt habe, sei der Umfang der Bewegung zu­gunsten der Wiederaufnahme harmonischer Be­ziehungen mit Frankreich und Belgien zu bemessen. Allerdings müsse man hinzufügen, datz die Einstel­lung des passiven Widerstandes nicht bedeute, datz das Einverständnis mit Frankreich und Belgien im Begriffe fei, sich zu vollziehen.

Matin" sagt, wenn die auf Veranlassung des bayerischen Ministerpräsidenten in das Commu- niquö eingefügte Ergänzung einen letzten Verband- lungsversuch darstelle, dann sei diese fehr un­geschickt, denn weder Poincar«- noch Theunis würden zulassen, datz man in der Reparationsfrage auch nur scheinbar eine Bedingung fallen lägt

Das ist die alte Henkerpolitik der Franzosen. In der französischen Presse kommt aber weiter zum Ausdruck, datz man einige Zeit verstreichen

Erde auf sich zu nehmen. Diese Freiheit ist aber keinObjekt fürVerHandlungen oder für Tauschgeschäfte. Reichspräsident und Reichsregierung versichern hierdurch feierlich vor dem deutschen Volk und vor der Welt, datz sie sich zu keiner Abmachung verstehen werden, die auch nur das kleinste Stück deutscher Erde vom Deutschen R e i ch e 1 o s l ö st. In der Hand der Einbruchs­mächte und ihrer Verbündeten liegt es, ob sie durch Anerkennung dieser Auffassung Deutschland den Frieden wiedergeben, oder mit der Verweigerung dieses Friedens alle die Folgen herbeiführen wol­len, die daraus für die Beziehungen der Völker ent­stehen müssen.

Das deutsche Volk fordern wir auf, in den bevor­stehenden Zeiten härtester seelischer Prüfung und materieller Not treu zusammenzustehen. Nur so werden wir alle Absichten auf Zertrümme­rung des Reiches zunichte machen, nur so werden wir der Nation Ehre und Leben «erhalten, nur so ihr die Freiheit wiedergewinnen, die u n s e r un -- veräutzerliches Recht ist.

Berlin, 26. September 1923.

Ebert, Reichspräsident. Z

' Die Reichsregierung:

Dr. Stresemann, v. Raumer, Soll­mann, Schmidt, Dr. Radbruch,

Dr. Hilferding, Dr. Eetzler, Oeser, F u ch s, Dr. B r a u n s, Dr. L u t h e r, Dr. H ö f l e.

Ein Kommentar des W. T. B.

Berlin, 26. Sept. Zu der Proklamation der Reichsregierung über bk Einstellung des passiven Widerstandes bemerken die Blätter, daß die Proklamnlion ans der Ucterzengung der 'ReichSrrgierurg tervorgegangen ist, daß, selbst wenn Deutschland Aus­sicht hätte, in absehbarer Zeit, nach einigen Wochen oder vielleicht in ein bis zivei Monaten, durch die Fortsetzung des Widerstandes etwas Besseres zu erreichen, doch aus innerdeutschen Gründen die Ein­ste 51 ung des Widerstandes erfolgen mußte, ohne daß irgendwelche Bedingungen durch- geseht werden konnten Wenn rin rechtsstehendes Blatt die Frage aufwirft, warum man nicht neue Stenern ei »führe, um den Widerstand doch noch fortsetzen zu können, so steht dem entgegen, daß diese Tausende von Billionen nur durch ein« Vermögens- konfiskation aufzubringrn wären, wenn man selbst nur bis zum Jahresschluß den Kampf weiterführrn wollte. Aber schon gegen die noch vom Kabinett Cuno eingeführie» Steuern hat die bayerisch« Regierung in einer Note protestiert, worin sie diese Steuern als für die Wirtschaft unerträglich bezeichnet. Aber selbst eine Vermöge ns- konsiskakion hätte außenpolitisch nichts vermocht, nachdem Frankreich sich dermaßen festgelegt hat. Es ist ganz ausgeschlossen, daß der Ruhrwiderstand die Fran- zoftn aus dem Ruhrgebiet hinausgebracht hätte, überdies hätte eine Verlängerung des Zustandes vollständiger Arbei^losigkeil für Hunderttausend« von Menschen ihr« schweren Bedenken. Bon einer Kapitulation ober Nichtkapitulation kann bei dieser innerpMlscheu Maßnahme der Einstellung des Widerstandes garmcht gesprochen werden. Diese Frage wird an Deutschland erst 6erantreten, wenn die Verhandlungen mit den Alst-erten zu einem Ergebnis führen, über dessen Annahme oder Nichtannahme wir uns je nach seinem Inhalt tu ent­scheiden haben werden. Jetzt haben die Alliier­ten das Wort!

lassen müsse, damit man die Wirkung der Wieder­aufnahme der Arbeit sehen könne.

Paris, 26. Sept. Ministerpräsident PoincarS verhandelte heute vormittag mit dem belgischen Botschafter.

Paris, 26. Sept. Die nächste fällige Sonn­tagsrede des Ministerpräsidenten Poincare wirb im Bois d'Ailly im Maasdepartement gehalten wer­den.

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EliglNd nni die Soge in yenMnd.

London» 26. Sept. Reuter meldet, das Hauptthema, das auf der heutigen Sitzung des Ka­binetts zur Erörterung gelangt, wird die Lage in Deutschland sein. Baldwin werde eine Darlegung der Unterredungen mit Poincars geben.

In der Meldung heißt cs weiter: Die Lage wird erst im Lichte der Aufgabe des passiven Widerstcuc-

des erörtert. Es scheint gegenwärtig nicht sehr klar bekannt zu fein, welche Schritte die französische Re­gierung unternehmen wirb, wenn einmal der passive Widerstand endgültig zu Ende ist. Es wird jedoch angenommen, datz die französische Regierung ihre Reparationsforderungen in Höhe von 26 Milli­arden in A« und 8-Bonds abänbern oder ihr Be­stehen auf Empfang in eine 0-Bonds-Summe auf­geben wird. Zweifellos wird die französische Regie­rung fordern, datz die gesamte Reparationsfrage neuerdings unter, die Kontrolle der Reparations­kommission gestellt wird, die eingehend Deutschland- Zahlungsfähigkeit untersuchen und die Summe und den Zeitpunkt der Bezahlung festsetzen wird.

des Reparationsproblems beschließe.

London, 26. Sept. Der Führer der englischen Arleiterpartei, Ramsey Macdonald, der sich nach dem Nah-n Osten zur Untersuchung der dortigen Lage begibt, erklärte, es werde gesagt, die franzö­sische Ruhrpolitik stelle eine großen Erfolg dar, weil sich Deutschland ergeben habe; dabei bedeute die« nichts anderes, als daß ein gut bewaffne­tes und machtiges Land ein Land, das ge­brochen und entwaffnet wurde, würgte und zwang zuzugeben, daß es geschlagen worden sei. Der Erfolg Frankreichs bedeute, datz die Mittel zur Erzielung von Reparationen großenteils zerstört wurden. Frankreich sabotierte den Handel. Mac­donald sagte weiter, unter der Regierung Baldwin sei der Ruf (Englanbs derartig, daß niemand sich um England fümmere. Keine Macht in Europa schenke den englischen Wünsche« irgendwelche Beachtung.

Friedfertigkeit bestehe nicht in Nichtstun. Der einzige Pazifismus, der Erfolg haben könne, fei der des moralischen Rechtes, der ebenso viel Mut erfor­dere, wie militärische Macht. England müsse eine eigene Verantwortlichkeit bezüglich einer neuen Fassung Europas auf sich nehmen, es müsse darauf bestehen, daß es als Mitarbeiter von den anderen Nationen wieder angenommen werde.

London, 26. Sept. Der Daily Chronicle" schreibt: Alle Welt weiß, daß der wirtschaftlich« Ruin in Deutschland ein tödlicher Schlag sowohl für den britischen Handel als für den britischen Wieder­aufbau ist; aber die britischen Interessen wurden ignoriert. Großbritannien allein hatte den Zu» san mcnl-ruch verhindern können. Lange Zeit ha­ben die neutralen Staaten ebenso wie Deutschland auf Sonar Lato und Baldwin geblickt. Aber Lord Curzon schreibt nur Noten, die unberücksichtigt blei­ben. Baldwin ging nach Aix-les-Bains. Jeder­mann beginnt zu fragen: Was tut die britische Re­gierung? Gibt es überhaupt eine britische Regie­rung? Es ist ein loser Tag für England und das englische Prestige.

DieTimes" schreibt: Da die deutsche Zahlungs­fähigkeit durch die französische und belgische Be­setzung vermindert worden sei, müsse man den Sieg Poincaräs als einen Pyrrhus­sieg betrachten. Der Zusammenkunft zwischen Baldwin und Poincarä müßte bald eine Versamm­lung aller Alliierten folgen. Es sei von größter Be­deutung. datz diese bald einen Plan zur Regelung

Mailand, 26 Sept.Corriere della Sera schreibt zur Aufhebung des passiven Widerstandes, Stresemann sei seinem Vaterlande nicht weniger treu, als einer vernünftigen Wirtschaftspolitik, ohne welche et einen Ausstieg Deutschlands für unmög­lich hält. Der Reichskanzler gibt nach, um Deutsch­land im Innern zu festigen und es dem Ausland gegenüber ins Recht zu scheu. Der Fortbestand des Deutschen Reiches als Großmacht innerhalb der durch den Friedensvertrag festgesetzten Grenzen kann verwirklicht werden. Wenn Katastrophen in Deutschland vermieden werden, würde das Ende des passiven Widerstandes den Anfang eines wahren Friedens bedeuten.

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Berlin, 28 Sept. Im Auswärtigen AuSsch ch des Reichstages erklärte heute der Reichskanzler, b;e Reichs« regierung werte zwecks Ausgabe des passiven Widerston- tes die Verordnungen zurückziehen, die sich auf feine Durchführung beziehen. Nach den Angaben der berufend, ihm Vertreter aus dem besetzten Gebiet hätte ter passiv« Widerstand nur noch eine gewisse Zeit ausrcchte-halten werden können, ohne sich der Gefahr eines Zusammen­bruchs in sich selbst auszusetzen. Der Reichskanzler legte das Verhältnis ter Ruhrabgaben zu der Finanz<axs tes Reiches dar, das in Baloe den schwersten finanziellen, in seinen Folg n nicht za übersehenden Zusammenbruch ui bringen drohie. Er wandte sich dabei gegen diejenigen, di« heute die schälssten Steuermaßnahmen zur Fort­führung des passiven Wid.rstautes fordern, während sie, »och sociten sich gegen die allzugrohe Belastung durch btt