Oberhessische Jtitumj
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Wie schon öfter, bringt auch jetzt wieder aus Amerika Ittne Art von Wutschrei über die Schädigung des Publi- fctmä, die e8 durch den Sturz der Mark erlitten bot. L4 werden in dieser Kundgebung an deutsche Bankkreise Behauptungen aufgestellt und Vorwürfe gemacht, bte in dieser Form durchaus unberechtigt sind. Es sind auch Nebertrekbungen darin enthalten, die uns den Beweis Du liefern scheinen, daß man mit diesem Vorgehen uns picht ins Gewissen zu reben beabsichtigt, sondern iw Gegenteil unS auch noch im Ansehen der Welt werter herabsepen will.
Darin wird uns vorgeworfen, daß der Markveriall Deutschlands größte SLande sei. Eine unheilbare Schätzung unsere- Handelsprestiges werde verursacht durch 'verbrecherische- vorsätzliche? Sptelcu mit der Mark, durch die Nichterfüllung unserer Versprechungen einer Währungsreform nnb durch vollkommenen Mangel an Vaterlandsliebe in dnrtfchen Finanzkreisen. Wenn in Amsterdam, London und Newyork für Berliner Rechnung Mark ^verkauft würden, könne man zu den neiterdings angckün- digten Plänen kein Vertrauen haben. Außerdem sei Amerika bereits um viele hundert Mülioneu Dollars an Marknoten unb deutschen Anleihen betrogen worden, und «un besiegele das Deutschlank) mit staatlichem Begräbnis der Mark.
Wenn dieser Anwurf aus einem ehrlichen Gemüt kommt, zeugt er von einer Oberflächlichkeit im Urteil, wie tznau fie außer Amerika höchstens noch in Frankreich lennt. Wahrscheinlich ist der böse Wille in den entsprechenden Kreisen beider Lärwer gegen Deutschland gleich groß. Wir wollen durchaus nicht abstreiten, sondern im Gegen- irit zugeben, daß tatsächlich in den Vereinigten Staaten tzewaltige Summen, viele Millionen Dollars, in deutschen Kriegsanleihen und in Markkänsen angelegt nnb verloren worden sind, auch in Staats-, Provinz- und Gemeindeanleihen. Dabei hat mal zunächst zwei Kate- tonen scharf voneinander" zu trennen. In die erste gehören diejenigen Amerikaner, die im Anfang des Krieges, solange Amerika noch angeblich neutral war, deutiche Kriegsanleihen zeichneten, also in der Hauptsache Dentsch- tmeritoner und aufrichtige Freunde der deutschen Sache, Ferner gehören dahin diejenigen, die unmittelbar nach frenf Kriege in dem ehrlichen Bestreben, Deutschland zu helfen und in dem ehrlichen Glauben an Deutschlands ungebrochene wirtschaftliche und sittliche Kraft gleichfalls putsche Mark und deutsche Anleihe'» lausten Sie sind in Wahrheit ebenso schwer geschädigt durch der. Niedergang der Mark bis zum staatlichen Begräbnis wie das ganze deutsche Volk selbst. Denn darüber dürfte» sich auch unsere deutsch-amerikanischen Freunde nicht hurch die Hetzer und Verleumder jener Art irreführen lassen, daß in der Tat wir mit ihnen gleiches Leid zu tragen haben, abgesehen von allem anderen, was über uns in den letzten Jahren hereingebrochen ist.
In die zweite Kategorie aber gehören diejenige'! Au:e- rikaner, die deutsche Mark lttid Anleihen lediglich gekauft haben, weil sie glaubten, damit ein gues Geschäft machen lu können. Es ist richtig, daß auch sie an die innere wirtschaftliche und sittliche Kraft des deutschen Volkes glaubten und darauf ihre Spekulation begründeten. Ihr Glaube' war auch berechtigt, ihre Spekulation aber entbehrte und entbehrt heute erst recht jeder sittlichen Bercchhiguag. Tic Amerikaner pochen stets so sehr auf ihre Eigenschaft Pute Geschäftsleute und gute Iportleute zu fein. Wenn ein wirklich guter Geschäftsmann cinsieht, daß er sich in feinen Annahmen getäuscht und sein Geld verloren hat, trägt er das Schicksal mit Würde und sucht den Verlust wieder einznbringeu, unb wenn ein guter Sportsmann teuf das falsche Pferd gewertet hat, dann fchirnpst er nichi Wut den schlechten Reiter. Beides tun aber jene Amerikaner nicht. Bor allen Dingen vergessen sic vollständig, teer wollen sie nicht wabrhaben, daß sie selbst am Sturz Ztnb Untergang der Mark ihr vollgerüttelt Maß von «chuld tragen. Die Annahme der Wilsouschrn 14 Punkte Aieß uns nicht nur die Möglichkeit, sondern die Gewißheit eines baldigen Wiederaufstiegs. Dadurch, daß Wiffon tend mit ihm die amerikanische Republlk am deutschen Volk wortbrüchig geworden sind, dadurch, daß sie jahre- tang in Gleichgültigkeit und Untättgkcit Frankreich freie
(Nachdruck verboten.)
Der Fall Dobinjew.
Detektivroman von Donald L). Fexer.
Einzig berechtigte Ueversetzung aus dem Schwedischen von E. von kkraatz.
35. Fortsetzung.
Jetzt hatte er das Haus erreicht und sah sich von 'Her obersten Stufe aus noch einmal um. Richtig, bekamen zwei Männergestalten gemächlich heran. Mit einem unterdrückten Fluche schleuderte Stoll seine Zigarette fort und verschwand in der Haustür.
Oben angekommen, fand er seine Wohnung- z-i seiner Bestürzung leer vor. Wo war Tatjana > Zum Teufel, er mutzte sie aufsuchen — mutzte sie unbedingt sprechen, bevor---
Ohne sich zu besinnen, lief er nach der Tür unt- stürmte die Treppen hinab. Doch als er sich dem Erdgeschoß näherte, gewahrte er an der Milck» scheibe der Haustür die Umrisse dreier Männer, die draußen auf den Stufen standen. Mit einem unterdrückten Fluch machte er Kehrt und rannte nach der Hintertür, um über den Hof zu entfliehen. Aber schon auf halbem Wege blieb er wie festgenagelt stehen. Am Ende des Ganges lehnte ein großer, stämmiger Mensch an der Wand und rauchte seelen» ruhig eine Zigarre.
„Also auch hier versperrt," murmelte Stoll, kehrte abermals um und ging langsam wieder nach oben.
Doch gerade als er die Hand auf die Türklinke legte, kam ihm eine plötzliche Eingebung. Ah, das Dach! Natürlich, da lag der Weg, der zur Freiheit ..führte und sicherlich nicht bewacht fein würde. Oh, 'es würde ihm doch noch gelingen, Tatjana zu erzreichen und ihr alles zu sagen, was sie wissen mußte!
Er eilte nach oben, der Bodentreppe entgegen. Doch als er vor der eisernen Tür stand, zauderte er, wie von einer unsichtbaren Macht zurückgehalten. Die Tür war nicht verschlossen, sonder« nur enge»
Hand in bet Zerrüttung unb Vernichtung des deutschen Wirtschaftslebens ließen, finb sie nächst diesem in erster Linie verantwortlich sür bk gewaltigen Verluste, bie wir selbst unb nach uns Amerika erlitten haben. Wenn diese amerikanischen Kreise uns jcht noch obendrein beschimpfen unb bcrteumben, so beweisen sie damit nur, daß sie damit ihr schlechtes Gewissen, soweit man bei ihnen vom Gewissen überhaupt sprechen kann, ü6ert3.icn wollen Den mit uns geschädigt-n Deutsch-Amettkaveru voll- Svmpatbir — den amerikanischen Spekulanten nicht' Günther Thomas.
Im zerstörten Tokio.
einem Vertreter bet .Times" ist es gelungen, seinem Blatt durch Kabel über eine Fahri zu berichten, die er am 7. September In den- zerstörten Tokio unternommen bat. Er bediente fidi dabei eines Automobils, ^betont aber, daß es ungeheuer schwer gewesen sei, mit dem Wagen vorwärts zr- tcmuuen, da überall die Trümmer den Weg versperren. Es droht auch jetzt noch den Strastenvassanteu Lebensgefahr, voit den noch aufrecht stehenden Trümmern der Häuser aus tote von den Masten der elekttischen Leitungen. Die Straßen von Tokio waren mit einem »rotzen System von Stratzenbahnltnten durchzogen. Die ganzen Leitungsmaste lind zusammcngesttirzt, und das Drahtgewirr bildet ein wüstes Durcheinander. Die Maste liegen meist quer über die Straße hinweg. Teile von ihnen stehen aber noch zum Teil halb aufrecht und droben jeden Augenblick umzu stürzen. Die Straße-- sind von Trümmern bedeckt, die aus einer wirren Masse heißer Ziegelsteine und au» Asche bestehen. In dem Rapsch, der von ihnen ausgeht, mischt sich der widerliche Geruch verbrannter Leichen, die unter de» Trümmern verkohlt sind. EL herrscht eine abnorme Hitze, die die Seucvengefabr und die Leiden der Bevölkerung noch vermehrt. Zudem verspürt man immer noch, wenn auch unbe- dentenpe Stöße, die bi* Bevölkerung fort gesetzt in Aufregung halten. Einen sonderbaren Anblick bietet das euemalige Geschäftsviertel. 'Mer sicher auf der Straße reihenweise schwere Staff er fcbränfe. die in dem allgemeinen Zusammensturz auf dl.- 3. trabe gelangt sind, dem Jener aber Widerstand geiMstet haben.. Die meisten Häuser In Tokio sind aus Hol; und sind infolgedessen schon beim ersten Zmmnmen- siotz zusammengebrochen. Sie boten dem Feuer gefährliche Nahrung. Eine Anzahl von massiven Gebäuden hielten den Erdstößen wohl stand, wurden dann aber ein Raub der Feuersbrunst. Ein massiver Neubau, an dem zahlreiche Maurer arbeiteten, sttirztr zusammen und ritz alle Arbeiter in das tödliche Verderben. Schrecklicher waren die Leiden von vielen anderen Javanern, nckmenttich Frauen und Kindern, die durch den Zusammensturz der Häuser von wer 'nitzenwelt abgesperri wurden unb, soweit sie cm Leben blieben, in der Feuersbrunst umkamen. E? ereigneten sich herzzerreißende Szei-em. bei benen Männer vergeblich versuchten, in die Häuser einzudringen, um die unter dem Zusammensturz begrabenen Frauen und Kinder zu retten.
Mnwurg und Umgegend.
Marburg, 22. September (Scheiding).
* Herbstanfang. Am Montag, morgens 3 Uhr, nimmt der der Herbst kalendermäßig seinen Anfang. Der Spätsommer brachte uns schöne sonnige Tage, Vie zuletzt Regenwetter Platz machten. Draußen sieht es deshalb schon recht herbstlich aus und das Stoppelfeld gibt der Natur sein Gepräge. Ein abgeerntetes Feld ist ein deutliches Zeichen vergangener Herrlichkeit unb Fülle. Die erste Leere starrt un sjetzt in ben Fluren entgegen. Dazu gesellt sich bie beginnende Färbung und Das Abfallen vereinzelter Blätter. Die Zugvögel sammeln sich zu Schwärmen und machen ihre Flugübungen im großen Stile, um sich und besonbers die Jungen zur großen Reise vorzubereiten. Auch der Mensch ist klug, der sich die ersten Mahnungen des Herbstes lehnt. Es schien jemand auf dem Boden zu sein. War es möglich, daß —? Ach was, er sah ja bei hellem Tage Gespenster!
Doch Vorsicht war immerhin geboten. So stieß er die Tür denn ganz vorsichtig auf und spähte nach oben. Im selben Augenblick zuckte er heftig zusammen und zog den vorgeschobenen Kopf blitzschnell zurück. Was er gesehen hatte, war nicht viel, aber es genügte. Ein gestreiftes Hosenbein auf den obersten Stufen der Bodentreppe und ein schwacher Zigarrenduft verriet, daß auch dieser Ausweg sorglich verstellt war.
Zwei Minuten später befand Stoll sich wieder in seiner Wohnung und machte sich int Schlafzimmer emsig zu tun. Erst trchelte er ein paar Worte auf ein Zigarettenpapier unb trat bann an ben Waschtisch heran.
Plötzlich klopfte es an bie äußere Tür.
„Einen Augenblick!" rief Stoll über die Schulter.
„Oefsnen Sie im Namen des Geetzec!" ertönte draußen eine rauhe Stimme.
„Sogleich!" erwiderte Stoll.
„Machen Sie keine Witze, Stoll!" mahnte Sterling "Wir sind fünf Mann unb alle bewaffnet. Das Spiel ist aus — Sie finb umringt —"
Stolls Antwort bestaub in einem lauten Hohngelächter.
. Doch jetzt schien er fertig zu sein. Nachbem er sich überzeugt hatte, baß alle Spuren seilk?s Tuns beseitigt waren, begab er sich ins anbere Zimmere, drehte den Schlüssel um unb öffnete bie Tür.
Vor ihm stauben brei Polizisten in Zivil, Ober- konstabler Fexer von ber Stockholmer Kriminal- abteilung und ein gewisser Herr Max Sterling, Rechtsanwalt und Amateurdeiektiv.
„Das Spiel ist verloren, Stoll," sagte Sterling barsch, indem er auf ihn zutrat. „Geben Sie das Radium her und lassen Sie uns gehen!"
„Radium?"
„Ja. Wo habe« Sie das Radium, das Sie dem
schon zu ernsten Vorbereitungen auf den strengen Winter dienen läßt.
* Eine neue Erhöhung der Postge- b L h r e n ist als Folge des Währungsverfalles zum 1. Oktober zu erwarten. Sie wird sehr erheblich sein müssen, dos Briefporto für einen Fernbrief wird voraussichtlich zwei Millionen betragen.
* Billige Fahrt zur Frankfurter Messe. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, baß für bie Sonberzüge zur Frankfurter Herbstmesse ber Multiplikator von 1,5 Millionen noch gilt, während im allgcmtt ntn Verkehr bereits 9 Millionen gerechnet werden. Die ,Fahrt mit den Sonberzügen kostet mithin zurze-I nur V« des gewöhnlichen Fahrpreises. Näheres durch Aushänge aus den Bahnhöfen.
* Wohnungsbauaufwände des Reiches. Nach Mitteilungen eines Regierungsvertreters hat bas Reich in biesein Jahre für Wohnungsbauten an Preisen gezahlt: Im März 31 Milliarden als Vorschuß auf die Wohnungsbauabgabe, im April 132 Milliarden als Landesdarlehen', ferner 6,1 Billionen als wertbeständig rückzahlbares Landesdarlehen, 6,3 Billionen als rückzahlbar verzinsliche Goldhypothek und abermals 9,5 Billionen unter denselben Bedingungen. Ferner wurde mitgiMeitt. daß bie Wohnungsbauabgabe für Preußen runb eine Billion eingebracht habe.
(!) Biedenkopf, 19. Sept. Der älteste Einwohnet nuferer Stadt, der frühere Schuhmachermeister Georg Jost Krämer, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Biedenkopf, 18. Sept. Wegen Wucher, Preistreiberei und Kettenhandel sind im hiesigen Kreise in den Monaten Juli unb August 1923 43 Personen zur Anzeige gekommen.
:: Tamshausen, 20. Sept. Bei dem Aufftellen des Motors der Dreschmaschine sollte das Leitungskabel verlegt werden. Bei ber Gelegenheit bekamen die Leute einen heftigen Schlag, ein 15jähriger Jung: blieb laut „H. A." tot am Platze.
Handels- und Marktnachrichten,
Berlin, 21. Sept. Mitteilung der Reichsbank. Der für die Durchführung der D.'vifeuverordnungm atzgcvenbe amtliche Mittelgute des Dollars ist Hute, am 21. September, HO Millionen Mark.
Der Ausweis der Reichsbank.
Die" Verschlechterung der Lage dec Reichsv an l machte in ber ersten Septemberwache weitere Fortschritte. Wie der Bankausweis vom 7. 0. Ntts. zeigt, erhötz-e -ich die gesamte Kapitalanlage um 681,8 aus 1859 Billionen Mark. Von der Vermehrung entfielen 584,2 Billionen Mark auf Reichsschatzanweisungen, deren Bestand damit auf 1571,5 Billionen Mark wuchs uAb zwar wieder ausschließlich infolge gesteigerter- Ansprüche des Reiches.
Das Wechsel-Portefeuille hob sich um 113,8 auf 278,4 Billionen Mark. Der Uw'anf an Banknoten erfuhr eine Vermehrung um 518,8 auf 1182 Billtonen Mark. Ter Umlauf an Darlehnskaffenschrinen ging vor, 11 auf 10,6 Milliarden Mark zurück Der Goldbestand verminderte sich um 20,6 Millionen Goldmark, die im Interesse der Devisenbeschaffung üertvtnbJ worden finb. Der Betrag wurde Irem Goldkassenbestande der Mark entnommen, der auf 478,6 Millionen Mark z>> nickging Das Golddepot im Auslände änderte sich nicht. Der Bestand an Münzen aus unedlem Metall ermäßigte sich nm 1,2 auf 19,7 Milliarden Mark. Die T a r - lehnskassen des Reiches wurden mit 92,9 Billionen Mark neu in Anspruch genommen, ihre Ausleio mgen stiegen aus 107 Billionen Mark. Sie führten einen entsprechenden Betrag an Darlehnskasfenscheinen an dir Reichsoatlk ab, sodaß beten Bestände »n solchen Scheinen auf die gleiche Höhe, nämlich aus 107 Billionen Mark zunahmen.
Rückschläge am Berliner Lebensmittelmarkt.
Berlin, 21. Sept. Infolge des Devisenrückganges machten sich heute bei einzelnen ber von ber Notierungs-
I ——MB— Professor Dexelius heute mit Hilfe jener sinnreichen kleinen Einrichtung entwendet haben?"
Stoll brach in herzliches Lachen aus.
„Wie? Haben Sie wirklich eine so feiner Nase, Herr Holmes?" entgegnete er heiter. „(Das hätte ich Ihnen -gar nicht zugetraut. Na, bann wirb es Sie auch nicht rounbern, wenn ich nicht ausplaudere, wo der Schatz versteckt liegt. Er gehört mir unb soll mir zu gegebener Zeit ein angenehmes Leben bereiten ... Ich bin bereit, meine Herren! Wo haben Sie bie Manschetten?"
„Leg ihm Handschellen an unb laß ihn von deinen Leuten nach dem Polizeiamt bringen, Donald," sagte Sterling ruhig. .Frier brauchen wir niemand- mehr, um unsere Nachforschungen vorzunehmen."
16. Kapitel.
„Glaubst du, daß er das Radium hier versteckt hat?" fragte ich Sterling, als wir allein waren.
„Das Radium selbst nicht," erwiderte er, „aber eine Mitteilung über das Versteck für feine Frau. Wir können von ber Voraussetzung ausgehen, baß er nur mit einer nicht allzu langen Gefängnisstrafe rechnet, ba ber an Dobinjew begangene Mord ihm seiner Ansicht nach nicht zur Last gelegt werben wirb. Den Zeitungen nach weiß die Polizei ja nichts weiter, als baß ber unbekannte Ermordete Dobinjew heißt, unb auch ber Beweggrunb ber Tat gilt als unbekannt, so baß es fast unmöglich scheint, ben Mörber aufzuspüren. Daraus baut Stoll natürlich unb hofft, baß er einstmals wieber frei werben wirb, um bie Früchte seines Diebstahls in Ruhe zu genießen. Zu bem Zwecke muß er sich aber mit Tatjana ins Einvernehmen fetzei, was nur durch irgendeine schriftliche Mitteilung möglich ist. Unb diese Mitteilung muß ich finden, wenn ich auch bas ganze Haus auf ben Kopf stellen muß," schloß Sterling, indem er Hut unb Mantel beiseite warf.
Ich folgte seinem Beispiel, unb nun begannen wir bie Zimmer eingehenb unb systematisch zu durch- suchen. Erft kam die Wohnstube an die Reihe, unb
Zweites Blatt
Nr. 223
< viinabenb, 22. September
1923
kommission des Berliner Lebensmittelgroßhandels feftge» fetzten Notierungen bereite erbe bliche Preisrückgänge bemerkbar. So wurde Schmalz, das gestern »och 37 Millionen kostet:, heut: mit 22 Millionen notiert« Reis sank von 7,5 auf 4,7 Millionen. Inlands^ waren find jedoch bei weitem nicht in dem gleichen Umfange wie die hauptsächlich von der Devisenlage abhängigen Importartikel zurückg gangen. An verschiedenen Stellen der Zentralmarkthalle kam es angesichts von Preissteigerungen der Jnlandszeugnisfeii zwischen dem Großhandel und den Abnehmern zu erregten Auseinandersetzungen. Die Blätter verlangten Auskunft darüber, was nie Wucherpolizei und bk Staatsanwaltschaft am heutigen Tage getan hätten, um den berechtigten Ansprüchen des Publikums Genüge zu verschaffen. — Im Kartosselgroß- bandel waren nämlich trotz Wnchnpolizei merkliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Auch Gemüse, Fleisch unb Fische notierten höher.
Berlin, 21 Sept. Die 6er Kommnsion des Reichs« kalirates beschloß, em? Ermäßigung der Kalipreise mit Wirkung vom 21. September um 39,56 Prozent mil Rücksicht auf den gesunkenen Tollarkurs.
Berlin, 21. Sept. Börsensttmmungsbtld.) Der Effektenmarkt wurde beherrscht von den Folgen, welche die gestrige volle Zuteilung ber Devise« am Geldmarkt herbeigefübtt bat. Am Vormittag allerdings schien es, als wenn sich der Fretverkehr in ausländischen Zahlungsmitteln befestigen würde. Man sprach auch von Anzeichen für eine Erleichterung be3 Geldmarktes. Im Zusammenhang hiermit machte sich bet Festsetzung der AnfangSnoiterungen eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen allzu erhebliche Rückgänge bemerkbar. Als sich sväterhtn bet der amiltchen Feststellung die Devisenkurse weiter abschwächten und wieder eine volle Zuteilung seitens der Reicltebank vor. genommen wurde, ermattete die Börse allgemein, zumal auch verlautete, datz Schwierigkeiten bet der Bezahlung der Devisen wegen der hohen Summen ent- stehen könnten. Die anfangs uneinheitliche Kursge. staltting machte einer allgem »inen Rückwärtsbewegung Platz.
Frankfurt a. M., 2t. Sept. (Getreidebörse.) Getreide, HMsensrücht<e und BierKeber vhne Sack- Weizenmehl, Roggenmebl und Kleie mit Sack. Preis je 100 Kgr. Weizen. Wetterauer 525—600 Millionen, Roggen 375—400 Mill.. Sommergerste 475—500 Mill, Hafer, Inland., 525—425 .Mll., Weizenmehl, südv« Spezial 0 850-900 Mill.. Roqgenmehl 650—700 Mill* Kleie 180—200 Mill. Tendenz: schwach.
Berliner Devisenkurse.
20. September
21. September
Geld
Stier
Geld
Brief
Amsterdam
1
Fr.
7122150'.
71578509
43092000
43308'100
Kopenhagen
1
Kr.
329175'0
3308250'1
19859250
11940750
Stockholm
1
Kr.
4807050>
4 320.0:
20127000
29273000
Italien
1
Lir
8071'750
812'1259
4887770
4913250
London
1
W.
82293750a
827002500
498750:H)U
501250000
Nkwyotk
1
T>n
181545090
1824550.10
109725000
110275000
Varis
1
Fr
10773000
10827000
0463830
6496200
Schweiz
1 Fr.
32119500
322805'10
1935150'1
19488500
Denen.
1
Kr.
249375
250625
154612
155388
Budapest
l Kr.
9576
9624
5785. -
5815.—
Berliner Produttenmarkt.
Berlin, den 21. Sept. 92«.
Prell« in Tausend Mark für 100 Psd. ad Station.
Weizen Aoggen Sommergerste Wintergerste Hafer
225-240309 ISO-20000-1 225—?400'.)0 220 - 225000 180-12,5000
Futtererbien eickerbohnen Linsen
Mais
Weizenmehl
325 - 400000
'iozzenmehl
250-325000
Aoggenklet«
120-125000
Aaps
350 -350000
ttübsen
—
Velniaat
500 600000
oieis —
Braftlian. Bollrei« —
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Möhren, tot« —
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Mohn —
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Wi««nh«, lose 15001—1Ü606 Aletqe« —
Stroh drahtgepr. 14000-15000 gebünbeti 11000—13000
Für oie SdjttfHeilung verantwort!.: Dr. 6. £> i fce r •* t».
Für den örtlichen uno prooraz. teil: Wild.im Wtt ß n - r.
diese enthielt glücklicherweise keine Polstermöbel, was unsere Aufgabe wesentlich erleichterte. Zwei Stunden lang wurde jeder Quadratzoll der Wände, des Fußbodens und der Decke in diesem Raum aus» sorgfältigste durchforscht. Vergebens! Nicht ba» geringste Anzeichen ließ irgendwo auf eine versteckte Aufbewahrungsstelle schließen. Wir drehten die Teppiche um, wühlten in den Fußbodenritzen, nahmen alle Bilder herunter und gingen sogar so weit, eine schmutzige alte Bibel, die in einer Ecke lag, Seite für Seite durchzublattern. Aber wir entdeckten keine Spur von Mitteilung irgendeiner Art.
Sterling verlor jedoch nicht den Mut. Nach einer kurzen Pause gingen wir zum Schlafzimmer über. Hier wurde unsere Arbeit dadurch erschwert, daß die Betten untersucht werden mußten. Nachdem jedes Stück ausgebreitet und geprüft und auch sonst alles eingehend durchforscht Worten war, blieb uns nichts mehr zu tun übrig, zumal es bereits zu dunkeln begann.
Ohne ein Wort zu sagen, zog Sterling seins« Mantel an. setzte de «Hut auf und ging auf bie Tur zu. . '
„Du willst gehen?" fragte ich, indem ich feinem Beispiel folgte.
„Ja, die Nacht über hierzubleiben, bin ich nicht gesonnen," erwiderte er mißmutig.
»Mein, aber —"
„Was denn?"
„Sm!"
Mein Freund war offenbar so tief verstimmt, daß ich es für geraten hielt, nichts weiter zu sagen, sondern mich ihm einfach anzuschließen.
(Fortsetzung folgt.)
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