Einzelbild herunterladen
 

Ur. 222

Das Echo der Pariser Zusammenkunft

Di« jDberiienW Zeitung" «rlcheint iechimal e5d)«ntH». Btgugepiei» monatlich 50UOOOO freibleibend mit ZusteNung^ebühr. Für ausiallendeRummer» im. Streiks oo.elementarer Ereignisf« kein Etta^ - Verlag oon Dr. T. Hitzerotb. Druck der Univ^Buchdruckerei von 3o6. »Ojt. «°L. Markt 21,28. ^ernivrecher 55, Post, iibeflonte: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

58. Ml. 1928

ESBB

Der Lnreigenprei, beträgt für de» O gesp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. klmtliche u. aurwärt. Ln,ei,en 50. Bei Ichwiertgem Satz 50/, Aufschlag. Sammelan,eigen 100 °/0 Aufschlag. Reklamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Belege werden berechne^ ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zadluna innerhalb 5 Tagen nach Rechnungrdatcktn, sonst nach der Schlüsselzahl des Zahlungstazes. Schlüsselzahl de» 9. d. Ztgs.-B. »em 15.-21. Sept. 12000,

Marburg

Mill, im 21. Emieote

Scheiern-

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhesfen

Berlin, 21. Sept. Die aus Paris in Berlin «kngelaufenen Nachrichten über den Verlauf der Lnterredung zwischen den Ministerpräsidenten Eng­lands und Frankreichs lassen noch keinen ab- i schließenden Eesamteindruck zu. Rach »je vor erstrebt Deutschland eine Basis für endgil- Me Reparationsverhandlungen. Der praktische Er- plg aller Schritte, die Deutschland in dieser Rich­tung tun kann, ist jedoch bedingt durch das, was die Alliierten ihrerseits tun werden. Eine Befriedung tzes Ruhrgebiets und die Wiederaufnahme normaler wirtschaftlicher Funktionen ist auch nur für die Lauer eines Provisorium» undenkbar, wenn sicht die von den Franzosen Verurteilten amnestiert i Werden, die Ausgewiesenen zurückkehreu können und salange nicht die Verwaltung des Einbruchsgebiets snd des alten besetzten Gebiets wieder in die Hände her deutschen Beamten gelegt ist. Sind jene Vor- Dussetzungen erfüllt, dann könnte durch effektive - Deutsche Zahlungen eine Lösung des Ruhrkonflikts «reicht werden, die die Räumung des Ruhrgebiets h sich schließt. * *

. Optimismus i» Paris.

Das offiziöse Kommunique, da» über die Be­sprechungen der Ministerpräsidenten in Paris aus­gegeben wurde, besagt, daß man erstens nicht sr- sarten könne, daß im Laufe einer einzigen Unter­redung endgültige Lösungen festgelegt werden i könnten und zweitens, daß in keiner einzigen Frage eine verschiedene Auffassung über die Ziele be­standen habe. Also ein höchst diplomatisch ab- gefaßter Bericht, der zwischen den Zeilen mehr ent­hält al» in ihnen j$u lesen ist.

Havas ergänzt den Bericht durch eine Mit­teilung, in der es heißt, die Zusammenkunft sei trotz 1 der Kürze ein diplomatisches Ereignis von g r ö ß - s ter Bedeutung. Das darüber ausgegebene KommuniquS sei in dieser Hinsicht besonders be­zeichnend, obwohl es diskret gehakten fei. Der Be­such den der englische Premierminister vor seiner Rückkehr nach London dem Präsidenten der Republik und seinem französischen Kollegen ab­stattete, habe den Wiederbeginn vertrau­ensvoller Zusammenarbeit zwischen den Heiden Regierungen ankündigen sollen. Havas Will darin das Zeichen einer Meinung?- stnderung des englischen Kabinetts hinsichtlich her Methoden gegenüber Deutschland erkennen. Für die Alliierten Frankreichs, ob sie politisch, finanziell oder handelspolitisch interessiert seien, 'mache sich die Ruhroperation mit be­zahlt. Es sei übrigens im Augenblick möglich, die Legalität der von den Ministerien in- Paris und Brüssel getroffenen Zwangsmaßnahmen zu erörtern, ha sie int Begriff seien, den erwarteten Erfolg zu bringen. Sicher fei auch, daß die deutsche Bevölke­rung im besetzten (fieltet des systematischen Wider- fhrtbes gegen Mr alliierten Behörden über­drüssig fei, der ihr von Berlin aufgezwungen werde. Das Kabinett Strssemann selbst gebe sich über den Ausgang des eingeleiteten Kampfes keiner Täuschung mehr hin. Unter diesen Umständen sei Poincard bereit, die Verhandlungen mit k dem Reiche wieder aufzunehmen, vor­ausgesetzt, daß die Verordnungen über den passiven Widerstand zurückgenommen wurden. P o i n c a t e Haltesichimmernochandieseunerläß- kiche Bedingung. Es sei nicht überraschend, so führt die halbamtliche französische Agentur weiter Nus, daß sich Baldwin der Logik, der Begründung and der Stärke der Ueberzeugung seines franzö­sischen Kollegen angeschlossen hat. In keiner Frage bestehe eine Meinungsverschiedenheit über h a s Z i e l der beiden Regierungen, und man hoffe, daß das in Berlin verstanden werde.

Paris, 20. Sept. Die Morgenpresse ist auf den ton der halbamtlichen Erklärung abgestimmt, die von Havas über die gestrige Unterredung zivttchen den beiden Ministerpräsidenten Balow in und Poincars der- breitet wurde. »Petit Par'sten" schreibt, Baldwin Mach« kein Hehl aus seiner Awnht, daß durch die Rubc- bcsetzung kein Geld aus Deutschland herausgezogen werden könne und daß diese Besetzung so rasch wir Möglich ihren militärischen Charakter ver­lieren Müsse. Sein Wunich sei sogar, daß dr? Besetzung, ob sie nun mituärisch oder zivil f.t, ihr En)e klnden möge, denn er befürchte ihren Etnsluß auf das innere Gleichgewicht Deutschlands. Poincare fei aber !üicht bet Mann, der wicberholt ausgesprochene Er­klärungen zurücknehme. Man könne infolgedessen bami! rechnen, daß er Baldwin zu verstehen gegkben habe, öcf; kch Frankreich nicht mit Deutschland verständig.'» werde.

solange der passive Widerstand andauere. Diese beiden sich widersprechenden Auffassungen habe die gestrige Unter­redung nicht aus der Welt schaffen können. Trotzdem sei sie ein Mittel, den bevorstehenden Ereignissen oen Boden zu beresien. Wenn oer passive Widerstand im Ruhrgebiet aufgehört habe, sei es nun mit ober ohne Zustimmung von Berlin, dann werde die Lage vollkommen verändert sein. Wenn Deutschland wanke, könne Eng­land nicht von Verhandlungen ausgeschloffen werden, die diesmal zu einer endgültigen allgemeinen Repa­rationsverhandlung führen müßten. Das werde Bachwtn nicht verfehlt haben, Poincare mitzuteilen, der ihm seiner­seits sicher bekanntgegeben habe, daß niemals d!e Rede davon gewese» sei, die Reparationsfrage ohne Mitw-rkung der Alliierten Frankreichs zu regeln. Das halbamtliche Blatt glaubt, daß die beiden Staatsmänner sich gegen­seitig versichert haben, daß sie bereit seien, gemeinsam, wenn der Augenblick gekommen fd, die Schlußregelung vorzunehmen, die imstande sei, jeder Unsicherheit für die Zukunft wie für die Gegenwart ein Ende zu bevezten. »Echo de Pari?" betont, der.Wunsch Londons sei, an den kommenden Verhandlungen teilzunehmen. Es sei wahrscheinlich, daß mit französischer Zustimmung vorher eine interalliierte Konferenz zusammentritt, vorausgesetzt, daß ernste diplomatische Vorbereitungen stattgefundev haben. Poincars werde sich gegebenenfalls sogar nach London begeben, um mit Baldwin wettere Unterhal­tungen zu pflegen. Der sozialistischePopuläre" schreibt: Für unseren nationalen Block ist em Einverständ­nis zwischen Frankreich und England sehr wichtig. Es würde schon genügen, daß Baldwin für die Lösung der Reparationsfrage und der anderen schwebenden Probleme die These unserer eigenen Regierung übernimmt. ?lber unglücklicherweise ist dstS englische Kabinett heute nflkck mehr wie gistern von dem ausgezeichneten Charakter Jitje- ter Aktion im Ruhrgebiet überzeugt.

Ministerrat in Paris.

PariS, 21. Sept. Unter dem Vorsitz des Präschenlen mehr wie gestern von dem ausgezeichneten Charakter unse- ein Ministerrat stattgefunden, bei dem Poincare über die auswärtige Lage und der Minister der öffentlichen Ar- beiten Le Trocquer über feint Inspektionsreise durch das Ruhrgebiet Bericht erstatteten.

*

Größt« Zurückhaltung" in England.

London, 21. Sept. In hiesigen politischen Krei­sen wird bezüglich deS Ergebnisses der vorgestrigen Zusammenkunft zwischen den Premierministern Eng­lands und Frankreichs größte Zurückhaltung bewahrt. Es wird hervorgehoben, daß bis zur Rück­kehr BaldwinS nach London tede endgtllige Ansicht über das Ergebnis ver Zusammenkunft versrüftt wäre. Unter Hinweis aus den zuverchsillichen Ton der Pa­riser Pteffe wird erklärt, die französische Oessentlichkeit sei anscheinend von der Zusammen Rnst heftiedigl.

»Evcning Standard" sagt, das veröffentlichte Kom­munique sei in London mit äußerster Ueberraschung aukgenommen worden, und fragt, ob dieses für das critische Publikum in seinem Mangel an sämtlichen Informationen erstaunliche Dokument auf die Autori­tät des britischen Premierministers- veröffentlicht worden sei. ,

Einem Reutertelgramm aus Pari» zufolge -sind brittfche Kreise der Ansicht, daß Großbritannien und Frankreich ein neues Blatt aufgeschlagen haben und das ein neues Kapitel in ihren Beziehungen unter guter Vorbedeutung beginne.

Baldwin befriedigt.

London, 20. Sept. Eine Reutermeldung aus Paris von gestern abend besagt, in brittschen Kreisen verlaute, txy keine weitere Zusammen­kunft zwischen den beiden Premierministern statt- ftnden werde, wenn Poincare nicht darum ersuche. Dies sei aber nicht wahrscheinlich. Baldwin sei dem Vernehmen nacl) ganz befriedigt von den Er­gebnissen der gestrige» Unterredung. Es verlaute, daß die R e r a r a t i o n s f r a g e die einzige Frage war, die erörtert wurde.

Englifche Befürchtungen.

London, 21. Sept. »Manchester Guardian" fchretzbl: Die frandöstfche und brittfche Regierung scheinen der Ansicht zu kein, daß sie wahrscheinlich bald einer neuen Lage gegenüberstehen würden und müßten daher sich so gut wie nur irgend möglich über ihre gegenseiligen Absichten unterrichlen. Bevor diese neue Lag« sich entwickelt habe, sei es unwahrscheinlich daß eines dcr beiden Länder seine Karten auf den Tisch legen werde. D utschland fei tatsäch­lich durch seine Armut gezwungen, dem fogenannten vassiven Widerstand ei" Ende zu bereiten, und dies fei nach der letzten frarrzöslschen Note dir eine Bedingung gewesen, unter der erneute Verhandlungen beginnen tonnten. Es sei in der französischen Presse erklärt worden, daß Kapitulation auch die Anerkennung der Legalität der Besetzung durch Deutschland bedeute. Wenn Deutschland ein­mal zugebc, daß die Besetzung durch den Versailler Vertrag autorisiert fei, to habe es so gut wie 1 c t n eigenes Todesurteil unterschrieben. Poincarä habe immer und immer, wieder erklärt, daß die Besetzung dauern solle, bis Deutschland alle seine Vettragsveipflichmngen erfüllt habe. Ta cs diese -niemals erfüllen könne, fo könne die Besetzung ewig dauern und Deutschland würde und Deutschland würde sein Renn aus Protest wegunterzeichnen. jät-emt die französische Forderung nach Anerkennung der

Rcchtsmäßigkett der Besetzung in die französischen Napttulationsvedingungen mit eingeschlossen werde, so sei es mehr a(8 wahrscheinlich, daß Deutschland es vorzieh«, den Folgen einer Ablehnung nicht auszu­weichen. Wenn England mit den Franzosen zusam- menarbette, so könnten vtelleicht moralische und ma­terielle Vorteile gewonnen werden. Auf alle Falle würde aber England nicht berechtigst fein, von sich aus anzunehmen, daß lder Gerechtigkeit oder der Zweck- inätzigkeil am besten dadurch gedient fet, daß man die Franzosen mit Deutschland allein fertig werden laffe. An Verhandlungen, die die Rechtmätzigkeit der Ruhr- besetzung zur Voraussetzung hätten, könne England »licht tetlnebmen. Werde diese F.cage jedoch offen ge­lassen, fo könnte England möglicherweise bei diesen Verhandlungen mit wirken. Wenn sich Deuttchland als Gesamtstaat verpsltchten solle, so sei cs weit besser, daß dies unter Englands Mitwirkung ge­schehe, als ohne England. England könne je­doch nicht eine Vereinbarung unnter- zcichnen, die die Rechtmäßigkeit der Ruhrbesetzung anerkenne und Deuttchland eilte Last auferlege, die es nach englischer Ansicht nicht tragen könne oder die durch die mit ihrer Hilfe er­zwungenen territorialen ober sonstigen Vereinbarun­gen das bleibende Gefühl der Ungerechtigkeit zurück­lassen würde.

------

MhnAkM ümtrirte.

Eine Berliner Vormittagszeitung, das12-Uhr- Blatt", 5«t gestern die Meldung verbreitet, das Reichskabinett habe den Entschluß gefaßt, den pas­siven Widerstand einzustellen und als Uebergang bis zur offiziellen Verkündigung seiner Beendigung stillschweigend einzuwilligen, daß die alten Regie­rungsverordnungen nicht mehr beachtet würden. Die Bevölkerung des Ruhrgebietes habe jetzt freie Hand, sich den französischen Vorschriften nicht mehr zu' widersetzen und die Arbeik wieder aufzunehmen. Daß es sich bei dieser Meldung nicht um eine zu­fällige Entgleisung, sondern um ein böswilliges und geradezu verbrecherisches System handelt, beweist ein anderer Vorfall. Die Behauptung, die in Ber­lin in den Spalten des12-Uhr-Blattes" auf- iauchte, lief an demselben Vormittag im Ruhrgebiet als Gerücht um, und zwar in der Form, die Regie­rung habe den Gewerkschaften mitgeteilt, sie könne den passiven Widerstand nicht länger aufrecht er­halten und überlasse es der Bevölkerung, ihn aus eigenen Kräften fortzusetzen, falls es möglich fei. Im besetzten Gebiet trieb diese verräterische Be­hauptung dann noch eine besonders giftige Blüte. Es wurde nämlich weiter herumgesprochen, die Re­gierung empfehle der Bevölkerung selbst die Aus­rufung des autonomen Rheinstaates.

Die Zusammenhänge, die zwischen der Verbrei­tung solcher niederträchtigen Behauptungen an ver­schiedenen Stellen bestehen, sind ganz offenkundig. Es ist ganz klar, daß die französische Propaganda sich alle Mühe gibt, fetzt im entscheidenden Augen­blick die deutsche Oeffentlichkeit zu verwirren und namentlich die Bevölkerung im Ruhr- und Rhein- gcbiet zu erschüttern. Diejenigen, die solche Gerüchte cder Behauptungen weiter verbreiten, machen sich bewußt oder unbewußt zu Werkzeugen französischer Propaganda. Von dem Berliner Blatt muß man ai'nehmen, daß es genau wissen mußte, was es tat und d»-: Tragweite einer sulchen Veröffentlichung überblicken konnte. Daß seine Meldung völlig aus der Luft gegriffen war, hätte es an amtlicher Stelle genau jederzeit festfiellen können. Leider sind, wie versichert wird, die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben, um gegen das Blatt wegen Landesverrat vorzugchen. Trotzdem wird man hoffen dürfen, daß de: Zeitung die Gewissenlosigkeit ihres Tuns recht fühlbar zu Gemüts geführt wird.

Der französischen Propaganda gegenüber muß mit allem Nachdreuck in der Oeffentlichkeit betont werden, daß die Regierung garnicht daran denkt, in der Frage des passiven Widerstandes zu kapitu­lieren. Sie hat den Willen, eine Basis für Repa- rationsverhandlungen und für die Lösung des Ruhrkonfliktes zu schaffen, und sie hat diesem Witten auch schon wiederholt greifbaren Ausdruck verliehen. Dabei übersieht sie aber keinen Augenblick, daß dem französischen Verlangen nach deutscher Kapitulation unter keinen Umständen nachgegeben werden kann. Die Schranken, die hier gezogen sind, liegen nicht mir hi dem Witten des Kabinetts, sondern auch in der Natur der Sache. Es ist für die Regierung ein Ding der Unmöglichkeit, dis Beendigung des pas­siven Widerstandes überhaupt ins Auge zu fassen, solange noch hunderttausend und mehr Vertriebene von Haus unü Hof verbannt sind und solange Tau, sende von Deutschen hinter Kerkermauern schmach­ten als Opfer des Ruhrkampfes. So unmöglich es für die Regierung ist, unter solchen Voraussetzungen zu rerhandcln, so sehr betrachtet es auch die Bevöl­kerung als ihre Ehrenpflicht, den Widerstand bis zur Befreiung und Heimkehr ihrer verurteilten und verbannten Volksgenossen fortzusetzen. In diesem

Punkte gibt cs edense-wenig einen Kompromiß, wie ein Rachgeben tn Frage kam, als von Deutschland die Auslieferung der sogenannten Kriegsverbrecher verlangt wurde. Eine selbstverständliche Forderung ist auch die Uebergabe des Ruhr- und Rheingebiet» an die deutsche Verwaltung, da ohne eine ge­regelte Verwaltungstätigkeit die Arbeit nicht wie­der in Gang kommen kann. Richt minder selbst­verständlich ist die Voraussetzung, daß die Frei­heit der Arbeit verbürgt sein muß. Die Bevölkerung ist unerbittlich in ihrer Weigerung, unter französischen Bajonetten zu arbeiten. Und schließlich k a n n die Wirtschaft im Ruhrgebiet nicht oher produktiv werden, als die Isolierung des Ee- r totes aufgehoben und der freie Verkehr zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet gesichert ist. Hier liegen die von Natur gegebenen Voraus» setzungen, unter deren Erfüllung ein Aufgeben de» passiven Widerstandes ein Ding der Unmöglichkeit ist. Das ist eine so große Selbstverständlichkeit, daß die Franzosen mit ihrer Propaganda trotz aller ver­brecherischen Treibereien ganz gewiß kein Glück haben werden.

*

Wolffs Telegtaphenbüro meldet hierzu:

Berlin. 21. Sept. In einem Artikel derNeuen Berliner Zeitung" vom 20. d.Mts. werben unter der UcberschttftDie Beendigung des passiven Widerstandes" Behauptungen über Verhandlungen uno Beschlüsse bet Reichstegierung ausgestellt, die ebenso unwahr wie nnvev- antwottlich sind uno alle Merkmale des Versuchton Lan­desverrats in sich tragen. Wie wir erfahren, ist der Oberreichsanwalt vom Rcichsjüstirminister bereits auf den Artikel hingewies'n wölben.

»*--

- Eine Srflflrano kJ kMen bnneififinitsinnöM.

Berlin,'20. Sept. Der Vorstand des Attgemetüen deutschen Gewerkschaftsbundes erklärt kategorifch. die vim den deutschnationalen Blättern verbreitete Meldung, die Gewerkschaften hätten an die Reichstegierung ein Ultimatum gerichtet, daß sie entweder in drei Tagen den passiven Widerstand auffl ben ober zurücktreten Müsse, entspreche in keiner Weise ben Tatsachen. Der Vorstand betont, die in den Gewerkschaffen organifitrten Arbeiter seien während der Ruhrbesetzung die eigentlichen Träger des passiven Widerstandes gewesen und hätten alles getan, um dcr deutschen Regierung yt ermöglichen, das Reparationsproblem auf der Gntndlage der Gleichberechtigung mit den Besetzttngsmächten einer friedlichen Lösung zuzufühten. Sie hätten mit größtem Nachdruck den Staat bei seinem Kampf gegen die selbstmörderische Steuersabotag« der Privatwirtschaft unterstützt und seien mit gleicher Entschiedenheit jedem Sparatismusin Bayern wie am Rhein entgegen- getrete n. Der Allgemeine deutsche Gewerkschaftsbunb Weiche sich daher mit größter Schärfe gegen den jetzt von nationalistischer Seite unternommenen Versuch, den Gewerkschaften und den von ihnen vertretetenen Arbeiter» die Skrantiwrtung für die Folgen der Politik der Regie­rung Cuno und bas unverantwortliche Vorgehen gewisser Gruppen der Jndustrtt und Finanz anfzubürden.

----

Um kn wühlen MktM

Berlin, 20. Sept. Die Entschließung der ver- einigton Reichstags-- und preußischen Landtagsfraktionen der Deutschnationalen Volkspartei erhebt, Blättetmeldungcn zufolge, scharfen Einspruch gegen die von der Regierung Stveseman» Ungeschlagene Politik, die offensichtlich eine Berstän bigung um jeden Preis mtt dem haßerfüllten und Frankreich er­

strebt, die aber »tut zu einer Kapitulation führen könne. Das Ergebnis von Verhandlungen, aus der Basis der Preisgabe des Widerstandes am Rhein und an der Ruhr, könnnte nur der Raub dieser Gebiete unter dem durch eine neue deutsche Unter­schrift hervorgcrufenen Schein des Rechts und neue un- crfüUL-are R-parationsforbernngen jein. Die Deutsch- naictnale Volkspartei lehne die Verantwortung für jed» Politik der Schwäche und Scheu vor den letzten Ent- fthebunjgen ab unb erklärt feierlich, daß sie deren Er­gebnisse niemals anerkennen würbe.

Zu dieser Erklärung schreibt die »Rationalübetait Korrespondenz":

Die deutschnationale Erklärung wendet sich au bal deutsche Volk und forbert cs zu schicksalsschweren Entscheidungen auf. Ehe das deutsche Volk sich zu Schri en entschließt, die für seine Zukunft schlechthin entscheidend sind, hat es wohl das Recht zu fragen, ob die Verfasser der in Frage kommenden Erklärung sich selbst zu völliger Klarheit durchgernngen haben über die Dinge, die hier als Voraussetzungen und mögliche Folgen sorg­fältig geprüft werden müssen. Das deutsche Volk kann und muß Antwort mindestens auf solgerrde vier Frage» verlang?»».

1. Wie denkt sich die Deiufchiiot-onale Pattei die toek tereFinanztervngdk»Abwehrkampfer<M bet Ruhr? >

» 2. Wie denkt sie sich die Gestaltung der deutsche» Währung bei Fortsetzung dieser Finanzierung?

3. Wie benh sie sich die Fortsetzung des pajslve» Widetstandes durch die Bevölkerung an Rhein »nd Ruh«