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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberhessen

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58. M(|..

1823

Baldwin in Paris.

Paris, 19 .Sept. Wie Hcwas berichtet, hat heute vormittag keine Zusammenkunft

; zwischen Baldwin und PoincarS stattgefunden. Um il Uhr frühstückten die beiden Ministerpräsidenten in der englischen Botschaft. Nach dem Frühstück wurden die aktuellen politischen Fragen durch­gesprochen. Darauf begab sich Baldwin nach Ram­bouillet, um dem Präsidenten der Republik einen Besuch abzustatten und den Tee einzunehmen.

Paris, 19. Sept. Dir Unterredung Poincares mit Baldwin in der englischen Botschaft war um 4 Uhr be­endet. Poinrarö kehrte sofort nach dem Onai d'Orsap zurück, während Baldwin in Begln-ung des englischen Botschafters nach Rambouillet fuhr, wo 1t um 5Uhr vom Präsidenten Millerand empfan- Wen wurde. Der englische Premierminister reist b»'* Fussichtlich erst morgen nach London ab.

PariS, 19 Sept. Wie da?Echo de Paris" mit­teilt, ist der Staatssekretär im Fortign Office, Sir William Tprell, gestern abend in Paris angekommen, vermutlich fcm an den Verhandlungen teilzunehmen, die heute zwischen Baldwin und Poincare stattfinden.

J Paris, 19. Sept. Die englisch« Botschaft veröffentlicht folgendes Kommunique über die heute »achmiltag stattgehabte Unterredung zwischen dem englischen Premierminister Stanley Baldwin und dem französischen Ministerpräsidenten Poincare- Heute Nachmittag hat eine Begegnung der Premierm^ister Frankreichs und Großbritanniens stattgefunden, die sie dazu benutzt haben, um in einen Meinungsaustausch über die allgemeine Lag« einzutreten. Man ka,cn nid)* ex» Irarten, daß im Laufe einer einzigen Unterre­dung zwischen Poincare u n d B a l d w i n end­gültige Lösungen fest gehalten werden -dounten; aber die beiden Staatsmänner sind glücklich gewesen, ihre gemeinsame Auffassung darzulegen und fest- »nstellen, daß in keinereinzigenFrageeinevcr- fchiedene Auffassung über die Ziele noch etn< Hrutchsätzliche Divergenz besteht, die die Zusammenarbeit der beiden Länöer, von der in so weitem Maße di« Stabili­sierung und dec Friede der Welt abhängrn, gefährden kann.

Englische Stimme«.

London, 19. Sept. DieTimes" schreibt in einem Leitartikel, die heutig« Zusammenkunft zwischen P c i n c a re und Baldwin werde das Reparations- Prvl'leni in den Vordergrund der politischen Bühne rücken. Frankreich habe beschlossen, den deutschen Wider- hanr» sm Einfallgebiet »n brechen, bevor es das deutsch: Angebot auch nur erwäge, f&wTimes" führt weiter an», die Folgen der .Ruhrbesetzung gingen weit über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinaus. Soziale Unruhen und heftiger politischer Streit seien bereits aus dem finanziellen Chaos entstanden, das Erschütterungen weit außerhalb der Grenzen Deutschlands zur Folge habe. Di: tatsächliche Schließung des Rheins habe die Wohlfahrt 1 Hollands ernstlich in Mitleidenschaft gezogen. Schweden habe seine Eisenerze verloren, die skandinavischen Länb-:r seien behindert; Frankreich selbst sehe seine Hochöfen langsam ausgehen; Englands franbel sei gerade in dem Augenblick aufgehattcn worden, !oo die ersten Zeichen des endgültigen Wiederauflebens beobachtet wurden. Aber, die Behinderung der anderen Länder sei nicht zu.ver­gleichen mit der hoffnungslosen Lage, in di« Deutschland gestürzt worden sei. Das besetzt« Gebiet sei tot. TicTimes" entwirft dann ein trostloses Bild der augenblicklichenLageDeutschland» und hebt die Rückwirkung hervor, die ein endgültiger Zusammen­bruch der Stabilität Deutschlands auf das übrige Europa haken mürbe, bas keinen zu hohen Preis für den Sieg Frankreichs in dem Reparationsstreit zahlen wolle. Ties bedeute jedoch nicht, daß eS nicht die Befriedigung recht- mäßiger französischer Fockerungen wünsche. Das Blatt gibt schließlich der Ueberzengung Ausdruck, daß die öffentliche Meinung Englands immer für jeden vernünf­tigen Plan zur Garantie der Sicherheit Frank­reichs eingetreten sei.

London, 19. Sept. Der diplomatische Berichter- sta.ter desDaily Telegraph" schreibt, keine brauche .tagierung könnte jemals den von Poincarö aufgest'llten Bedingungen in einem englisch-französischen Pakt zustiw- men, der militärische Zusagen und Unterstützungen für Polen vorsehe. Die Zukunft der britischen Außenpolitik werd: in der Hauptsache durch die bevorstehende Necchs- konserenz bestimmt werden.

TieWestminster Gazette" schreibt, Poincare uns Baldwin müßten oie Gefahren erkennen, von denen Europa bedroht sei. Englano wünsche, daß in der Repa­rationsfrage eine Regelung erzielt weide, die vollkommen fair gegenüber Frankreich sei, und das englische Volk se. bereit, den größtmöglichen Beitrag zu diesem Zw-ecl zu leisten. Augenblicklich habe Poinoace den Schlüssel für die Lösung des europäischen Problems in Händen Werde er bereit sein, ihn zu gebrauchen.

Sine englisch-belgische Demarche.

Berlin, 19. Sept. Die Abendblätter hören von zuverlässiger Seite, daß die englisch: und bel­gische Regierung in Paris -in« gernei«iam* Demarche unternommen hätten. Lu der vergan­

genen Woche seien beim französischen Mintstervrüst- denten sowohl der englische als mitf) der belgische Bot­schafter erschienen und hätten <m Auftrage ihrer Re­gierungen Vorstellungen erhoben in Bezug auf di« Haltung Frankreichs gegenüber der neuen deutschen Retchsregterung. Vornehmlich in der Rubrfrage sei Potncar« vorgehalten worden, daß die deutsche Regierung mit dem Reichstage nnv ferner mit der öffentlichen Meinung in Deutschland rechnen müsse, und daß man htnsichtlkh der Ruvrkämp- fer an die deutsche Regierung keine Forderungen stel­len dürfe, die sie selbst beim besten Willen nicht er­füllen könne, ohne mit der öffentlichen Meinung und dem Reichstage tn Konflikt zu geraten. Der stanzö- stsche Ministerpräsident wurde gebeten, dem Kabinett Strefemamt gegenüber eine versöhnlichere entgegen- kommendere Haltung anzunehmen und ihm die Be­endigung desRuhrkonfliktK in für Deutschlangttagbaren Formen !u ermöglichen. Die Blätter führen das in den beiden jetzigen Reden Poincares zum Ausdruck gekommene Mißtrauen gegenüber dem Verstündt- gungswillen Deutschlands auf diesen gemeinsamen englisch-belgischen Schritt zurück, denn Poincare habe wahrscheinlich vermutet, daß London und Brüssel von Deutschland zu diesen Vorstellungen veranlaßt worden seien In, Wahrheit hat aber, wie die DlStter feststel­len, dte deutsche Regierung di« engltsch-drl- gischc Demarche nicht nur nicht veranlaßt, sondern von ihr auch noch mehrere Tage, nachdem sie bereits er­folgt war, nicht einmal Kenntnis gehabt.

Ulf belMtll MlMWl.

Paris, 19. Sept., Der Brüsseler Bericht­erstatter desEcho de Paris" glaubt auf Grund von Unterredungen mit mehreren sehr gut unter­richtete»! Politikern die leitenden Gedanken der Brüsseler Regierung in der Ruhr- und Repara- tionsfrage folgendermatzen zusammenfassen zu können:

1. Die Reparationsfrage mutz nach der wirt­schaftlichen Seite hin entlastet werden, ohne dah der politischen Seite übertriebene Bedeutung beigelegt werde. Die Lösung, der man zuneige, feite voraus, datz Deutschland sich bereit finde, für Rechnung seiner Gläubiger zu ar­beiten.

2. Wann würden die Verhandlungen beginnen ? Nicht bevor der passive Wider st and Deutschlands beendet sei. In dieser Hinsicht sei kein Ausweg möglich.

3. Wenn diese Etappe, die den Sieg bringe, durchschritten sei, handele es sich darum, einen regel­rechte« Friedensvertrag zu diktieren. Die belgische Regierung habe das Gefühl, daß ihre technischen Studien nicht unberücksichtigt gelassen würden, wenn es sich darum handle, die Grundlagen der Schlutzregelung zu beraten. Sie werde ein System in Vorschlag bringen, das Deutschland die Verzin­sung eines Kapitals im Eegenwartswert von 50 Milliarden Goldmaek auferlege und die verschie­denen Jahreszahlungen durch den Ertrag gewisser Monopole garantiere. Es brauche nicht betont zu werden, datz die belgische Regierung die Verhand­lungen über jeden Friedensvertrag in voller Jdeen- gemeinschaft mit Frankreich, England und Italien beginnen wolle.

Man müsse sich im übrigen darauf gefaht machen so schreibt das Blatt, datz Deutschland die Reparations- und die Sicherheitsfrage zu ver­knüpfen versuchen werde. Es habe bereits den Plan eines Schutzpattes auf Gegenseitigkeit ausgeardeitc. und hoffe, neben den Siegern, den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Holland einen Platz zu finden. Die belgische Regierung halte es aber nicht für zweckmäßig, diesen Weg zu beschreiten; sie fei' vielmehr der Ansicht, datz Belgien seine Sicherheic mit seinen eigenen Mitteln auf Grund der Ver­träge mit seinen Alliierten suchen müsse.

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FmkM lrinMim.

Nach den aus Paris vorliegenden Meldungen stimmt die französische Presse anläßlich des Besuchs des englischen Ministerpräsidenten ein wahres Triumphgeheul an.Der Ruhrkampf ist ge­wönne n!" ruft man undPoincar 6 s Pfänderpolitik ist eine vollendete Tatsache geworden!" Und spöttisch setzt man hinzu, datz England, wenn es sich an der Lösung der Reparationsfrage beteiligen wolle, alles dies eingestehen müsse. DasEcho de Paris" geht so weit, zu erklären, dah England weder jetzt noch in den nächsten Jahren auf dem Kontinent selbständig handeln könne, ohne Frankreich in Betracht zu

ziehen. Zu dieser Wahrheit mühten sich die englischen Staatsmänner endlich bekennen.

Wir Deutschen könnten England diese diplo­matische Niederlage gönnen, wenn wir nicht selbst die Leidtragenden bei der Sache wären. Denn datz die Pariser Besprechungen Baldwins mit den zeitigen französischen Machthabern eine diplo­matische Niederlage des britischen Ministerpräsi­denten vor Poincati bedeuten, ist nach der schroffen Verurteilung der französischen Pfänder- und Ge­waltpolitik durch die bekannte Note des Kabinetts Baldwin unzweifelhaft. Und wenn Baldwin dem geriebenen Advokaten PoincarS ins Garn geht und ihm was zu befürchten ist freie Hand für das weitere Spiel der Rechtsbrüche und Terrorakte gibt, ist in der Verankerung des Pariser Satzes, dah Macht vor Recht geht, die französische Hegemonie über Europa und die Ausschaltung Englands als Machtfaktor auf dem Kontinent besiegelt.

Ob allerdings, die Pariser Presse Grund hat, allzu laut über die gewonnene Ruhrschlacht zu triumphieren, ist zweifelhaft. Selbst wenn die deutsche Regierung sich gezwungen sehen sollte, '4n den nächsten Tagen die von ihr ausgegangenen Ver­ordnungen gegen die französisch-belgischen Gewalt­taten zurückzuziehen, selbst wenn die Bevölkerung des besetzten Gebietes die unerhörten barbarischen Quälereien ihrer Unterdrücker nicht mehr ertragen kann und manches ein Ende finden sollte, was wir mit den Wortenpassiver Widerstand" be­zeichnen, so.sollte man in Paris über diesen Sieg brutalster Gen-alt und beispiellosester Niedertracht über Wehr- und Waffenlose nicht zu früh jubeln. Denn dieser Sieg mutz ein Pyrrhus-Äeg sein, wenn Recht, Wahrheit. Ehre und Stolz wenn sittliche Begriffe überhaupt in der Wett noch eine Geltung haben sollen.

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Sie ItoWe Mole her Jtoojoleo.

In einem interessanten Artikel in den Preußischen Oahrbüchern weist P-ofessor Dr. Wechsler nach, daß schreckhafte Phantasie einen bestimmten Zug in der Anlage des sianzösischen Volkscharakters bildet. Tieft Anlage spricht sich in der ganzen Literatur der Franzten Lseik aliersher aus, und er prägt sich auch der ftanzösifchen Geschichte ganz deutlich auf.

Vieles, was für immer untilgbar die Ehre des fran- zösischen Namens befleckt, geschah aus solchem Wahn. Man weiß es bei uns zu wenig, und versäumt im Ge- schichtsunterricht, darauf hinzuwerfen, baß solche Aus­schweifung der Einbildungskraft die Greuel der Battho- lomäusuacht nicht rechtfertigen, aber erklären kann. Ein Mockanschlag der Königin-Mutter Katharina ans Karls (X. allmächtigen Berater Coligny war mißlungen: die Bielen Tausende wehrfähiger Hugenotten verlangten Be­strafung und rüsteten sich zur Gegenwehr; der blinde Lärm von einer Verschwörung dieser Tausende wasftnoc- übtr GMeute vereinigte die Pariser Bürgerschaft mit der katholischen Partei zu dem Entschluß, die geladenen Gäste ihres Königs nächtlich in ihven Betien zu ermorden.

In der Revolution ließ bange Furcht vor Verrat an Oesterreich den bis dahin noch viel geliebten König als Feind des Vaterlandes erscheinen und raubte ihm Ebve, Ergebenheit unb Leben. Die Schreckensränner casten am wildeste«, wenn das feindliche Jöcer der Haupt­stadt nahe kam: als 1792 die Oesterrcicher siegreich aus 4» Meilen nahestanden, geschahen die berüchtigten Sep- tembermocke. L-e Greuel, die erhitztes Blut als nahe drohend vor sich sah, verwirklichte der eigene Entschluß an schuldlosen Männern, Frauen, Kindern.

Al? 1793 Lickwig XVI. hingerichtet wurde, fürchteten bk Land le ute ernsthaft, jetzt würden Räuberbanden den Landssrieden stören. Born Jura und dem Delphinai ging jener panische Schrecke« aus, der wochenlang Tag unb Nacht die Bauern und Bürger des offenen Landes linier den Waffen hielt: Ein imcrklärbar unerklärtes Phänomen, das nur als Ausgeburt der echt ftanzSsischcn Einbildungskraft verständlich wird.

So wick die innere Lag: und Stimmung Frankreichs im Laufe des Marokko-Streites 1905 verständlich; so im August 1914, als die Volkswirt in jedem deutschen Kinderiräulein Spionin sah und versalz:«.

Aeußerst mannigfach wirkt sich diese Anlage zu schreck­haften Wahngebilden aus. Sie ist uralt und wird von den antiken Schriftstellern und heutigen <Aeschichtsschcei- bern schon an den alten Galliern festgestellt. D«r Mut uiib Scharfsinn dieser trotzigen Bölkerichaiten war ge­lähmt, soback sie, wie eS oft geschah, von banger Augst überfallen wurden. Dann schrien fie nach Verrat, er? mordeten ihre Führer und waren zu jeder Unbesonnenheit fähig

Man inende nicht etwa ein, diese schreckhafte Ein'o'l- bungskraft sei blosse Furcht oder Mangel an Mut. Das hieße den Franzosen gründlich mißverstehen. Im Ge -en­teil, gerade öiefe Schreckhaftigkeit reißt ihn zu Taten der Verzweiflung hin und stärkt seinen Willen zur Selbstbe­hauptung, nachdem sie die Stifte der ruhigen lleberlegung ausgeschaltet hat.

Man wende auch nickt etwa ein, daß andere Völker, daß auch wir Deutschen gelegentlich von folcheu Schreck Kickern heimgcsuchi werden. Niemand wird nachweissn üönnen, daß in unserer Dichtung und vaterländischen Geschichte, im Dasein jedes einzelnen und seinem religiösen

Erleben, bk Macht schreckhafter Einbildung als nnvev- äußerlicher und richtunggebender Antrieb hervorgebrachen wäre. Den besten Gegenbeweis erbringt unser ganzes Volk, seit dar deutsche Rheinland und fett nun auch das deutsch« Ruhrgebkt mit ftanzSsischcn Satin und fran­zösischen Kriegsgerichten überzogen wird. Wo ist d«S Volk, das bei solcher ständigen und mglich sich versttten- den Bedrohung int eigenen Haus und wörtlich am eigene« Heck trotz allem ruhig seinen Tagespflichten nachgeht unb sich durch keinen falschen Länn die Augen trüben und den Sinn verwirren läßt? Me würden in französischen Sälen die Wahngebiloe und Schreckgespenster wackecn. wenn Woche für Woche neue feindlich« Regimenter mit Maschinengewehren und Tanks weitere Ortfchasien und Bahnhöfe besetzen wollten? Wie würde französische Phan« tasic die Ausschreitungen vergröbern und ins Ungetane wachsen lassen, die überall und jederzeit unvermeidlich sind, wo eine feindliche Hceresmacht eine wehrlose Be­völkerung in ihrer friedlichen Arbeit stört? Wer will es wagen, sich das auszumalen? Me Greueltaten der ganzen Weltgeschichte wücken gegen den einbrechenden Nachbar aufgchäust und auSgeschrien.

Mag immerhin auch uns Wnbildungskrast mit Spuk- Und Wahngebilden irreführen, das bleibt gelegentlich nick wick nicht wesenhaft. Der echte Deutsche weiß sich als ein Glick im All und kennt di« Schauer vor dem Geheimnis der heiligen Natur. Phantasie ist ihm die ebk Himmelstochter. Und darum bleibt solcher Irrwahn unse­rem tiefsten Wesen frtmb. Für den Franzosen aber wick Irrwahn Macht und Hilfe und macht ihn al» Sieger unb B siegten zweifach gefährlich.

An hem MnWM.

Düsseldorf, 19. Sept. Me Liste oont 4.Sep­tember der durch Befehl ves kommandierendea Generals des Brückenkopfes Düsseldorf aus dem besetzten Bediel ansgcwiesenen Beamten und Arbeiter der Wenbihn tzählt 105 Betroffene auf. Sie hatten sämtlich int Innern der Stadt ihre Wohnungen, die von den Be- fatzungstruppen beschlagnahmt wurden. Die Mäb-l müs­sen in den Wohnräumen gelassen werden. Dk Fmnllüe« müssen innerhalb 4 Tagen folgen. Unter den AuSgv» wicfenen befinden sich neben Arbeitern der verschiedenste» Grade ein Oberbahnhofsvorsteher, ein Regiernngsbaurrtz, ein Eisenbahnarchitekt, em Bahnhossvetwalter, ei« Sta» tions- urtb ein Efsenbahugüiervotsteher.

Bonn, 19. Sept. Wie die Stadtverwaltung mH* teilt, sind von den Franzosen vor einigen Tagen rund 13 Milliarden Mark, die zur Auszahlung regelmäßiger Ren­ten bestimmt waren, geraubt wockcn. Ein Antrag bet Stadtverwaltung auf Freigabe der Summe iss abaekbnt Worten.

Mörs, 20. Sept. Die Eisenbahnbauabteilung ist von den Belgiern aufgehctan worden. SL Beamt-n wur­den aus dem Büro verwiesen und dürften nur ihr Prwate cigentum mitnehmen. Die Belgier haben einige Schränke mit Akten, die Schteck.naschinen, den Vervielfältigungs­apparat mH dem Auto fortgebracht. Das Büro ist von Milltäreisenbahnern besetzt.

In, 19. Sept. Wegen angeblicher Sabotageakte 6et bet Fernsprechleitung ist über den Kreis Rheinbach feit der Nacht zum Montag eine Ltakehrssperre verhängt worden. Am Tage erstreckt sich die Sverre auch aut Autos und Motorräder.

$M RmhMn SW H'W.

Mannheim, 20. Sept. Dr« Franzose» fink heute früh in Stärk« von 2 4 Kompagnie« 86«e di« Rheinbriick« gekommen und haben das Mannheimer Schloß besetzt. Das ganze Schlotz ist von Truppen umstellt. Die Ab« fichten der Franzosen waren bis heute vormtttag 61/3 Uhr nicht zu erkennen. Zn dem Schlotz sind gegenwärtig zahlreiche Berwaltungsbüros der Stadt untergebracht.

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AmM» Sonbtao.

Sitzung vorn 18. September.

Tlmwandlung staatlicher Werke. Lärm der Kommunisten.

Präsident Le inert eröfinet die Sitzung um 31/» Uhr.

Aus der Tagesordnung steht zuerst bk dritte Lesung des Gesamtentwurfs betreffend Uebertragung staatlicher Elektrizitätsanlagen an eine Aktiengesellschaft.

Abg Katz (Komm.) wendet sich g-gcn oie Bestimmung im 8 1 des Entwurfs, wonach die Veräußerung von Aktien an die Zustimmung des Landtages gebunden wick.

§ 1 wird Darauf unter Pftrirufen der Kommunisten an­genommen.

Gegen §1b, der die Ver.cn ßrrung weftutllchrr Teils des Bes-'hcs der A.-G. an oie Zustimmung des Landtages bindet, wendet sich ebenfalls orr Abgeocknete Katz.

82c regelt die Rechte bet von öer A.-G. übernommene» Beamten. Abg. Katz polemisiert gegen diesen Para» gcaphen, der die wohlerworbenen Rechte der Beamte« beseitige.

Darauf w'cd her Rest der Vorlage tot einzelnen nach ocn Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Die Schluß* abstimmung wird ausgesetzt.