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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheUchejOberheffen

Di«Cbeiljejnidie Zeitung" ertödnt sechsmal wöchentlich. Lezugsvreis wnnatlich 5 000 000 M. freibleibend mit Zustellungrgebühr. Für ausiallendeNummern inf.Streiks oo.elementarer Ereigniii« kein Griatz. Verlag von Dr. L. Hitzeroth. Druck der llniv^Buchdruckeret von Job. Lug. Koch, Markt 21,23. Jernivrecher 55, Post« icheckkonto: Nr. 5015 Lmt Frankfurt a. Main.

Marburg montog. UM 17. Sepltmier Scheid >ng

Der Anzeigenpreis beträgt für den Sgefp. Zeilenmillimeter Grundzahl: 40. Amtliche u. auswilrt. Anzeigen 50. Bei schwierigem Satz 50 °;0 Aufschlag. Sammelanzeige» 100 °/0 Aufschlag. Reklamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen nach Rechnungrdatum, sonst nach der Schlüsselzahl des Zahlungstages. Schlüsselzahl de, «. d. Ztg*.«B. »am 15.21. Sept. 12000.

58. Wkl, 1923

Zusammenkunft BaldwsnPoincarS.

Frankreich lehnt ab.

Wieder geht ein Trommelfeuer auf die Welt nieder, indem französische Minister zum söaudsovielsten Mal« ucr Welt auseingndersetzen, wie sie sich die Sache denken. Deutschland hat seine Schuld am Kr'ege in Verträgen beschworen. Diesen Verpflichtungen will es sich jetzt entziehen. Deshalb hat das arme Frankreich die Pfän­der genommen, die es nötig hat, um sich wieder Herstellen zu können. Unbegreiflicherweise gilb! es Mächte, frühere Verbündete, die es daran hindern wollen. Es folgt ge­wöhnlich eine Flut von Phrasen, die oen ganzen Hochmut dieser satistischen Rosse beweisen uno darauf gedeckt sind, Anerlcnnung der angeblich kulturell« Ueberlegenheii Frankreichs zu fordern. Dann aber wird wie vor dem, Krieg: und im Kriege die Welt weiter graulen gemacht vor terRüstungen" Deutschlands, vor der deutschenGe­fahr" uj. L weil man glaubt, daß in Amerika z. B-, wo znal' ja überhaupt von der Außenwelt nichts weiß und zeichts lernt, dieser Irrsinn noch immer wirkt.

Die deutschen Zeitungen könnten an sich aus Oi< Wiedergabe der ganzen Reden verzichten, wenn es nicht von ganz außerordentlicher Bedeutung wäre, immer toicoct zu sehen, mit welchen Mitteln Frankreich arbeitet.

Wenn man die neue Rede Poincares daran'hin an« hebt, was sie als Antwort aus bi: Vorichlägc Stresemauus tedeiltet, so muß n:an leider feststellen, daß sowohl Poiu- rare wie die anderen Minister sich wollen ablehneno »er« halten sie wiederholen nur, was sie bereits getagt haben, daß ihnen derSperling" in der Hond l-eter ist als die Kau bi auf dem Dache M. a. W-: Sie bleiben im kiu'ngebiet. Sie wollen von den Plänen der Wiedergut­machung nichts hören Sie wollen Deutschland vernichten. Alle Phrasen dienen nur dazu, diese vakie Tatsache vor der Welt zu verschleiern.

Paris, 16. Sept. Bei der Enthüllung ^ Krie­gerdenkmals. in Tun-fur Meuse 6ivft heute Oormittc;, Poitieare die erste der fürcheu te a-«-ekündigten beiden politischen Reoe. Pofancarö erinnert: ton GoethesHermann und Dorothea", in dem die Schrecken der Auswanderung geschildert feien Er sprach Alsdann von dem deutschen Adler, der im Frieden noch «ich! völlig die Gewohnheiten abgelegt habe, die er im Kriege gezeigt. Es sei zu logen, daß er mt lernen großsprecherischen Manieren nur seine Enttäuschung verhüllen iv o l l e. Ich begreife, fo fuhr Poincaru fort, daß es den Völkern, die den oeui chen Einbruch nicht erfahren hebrrz, schwer fällt, >rch d e LeDeu vcrzustelleu, die Frankreich urio Belgien er» dulleu mußten. Keiner der vorausgegangenen Kriege Hai Auch nur annäheriid eine Vorstellung von dem geoer: können, was eine feindlich: Besetzung bedeutet. Be oer Vnterzeichnung des Friedens haben sich alle Alliierten tzegenfeitig das Versprechen gegeben, und dos befigic Deutschland hat es beschworen, oaß die Legangeuen Erbrechen nicht unbestraft bliben würden, uno c- alle Schäden, die an Personen uno an Sachen durch den Eiusall verursacht wurden, repariert würden. (Man siebr mit welcher Frechheit Poincara mit dem erzwungenen Echuldbekenntnis operiert? Mau hat dies« Schäden sor . fällig ausgezählt, und in der Liste stehen nicht nur oie Vernichtung von Immobilien und Mob liea, sondern a u ih di: Pen sionen für die Kämpfer und deren Familien und die ungenügenden Löhne für die Arbeit, die man uns aufg zivuugen hat. Für manchen je doch sind alle diese Vorschriften heul« täte Buchstaben. Weil die Deutschen ihre Verpflichtung verleugnet haben, itob'toir es nun für gut halten, jie daran zu erinnern, kritisieren und verdammen uns ge­wisse Leute. Warum, so fragen sie, gehen wir enfere »nzeirgemäßen Reklamationen nicht auf, warum halten wir uns so genau an die Verträge? Warum wollen wir unsere Forderungen nicht von den Nationen reoiTnteii lassen, die nicht am Kriege teilgenommen haben? Wenn wir leine Äommiffiener annchnwn di« Deutlichl-rn- von ter Zahlung sein r Schuloen befreit, dann bezeichnet man un s als herrschfüchtrg in Anbetracht unje- «r Forderungen und macht uns Zudringlichkeit zum Vorwurf. Alles, was Deutschland unternahm, und was dazu diente, Frankreich zu ruinieren, gehört der Vergangenheit an, und im Fluß der Eveianche zahlt die Vergangenheit nicht mehr. Alles, was Deutschland unternahm, i.m sich seinen Berpflrchtun- oen zu entzi hen, wurde ebenfalls vergessen, und auch das soll der Vergangenheit angehören und die Vergangenheit von gestern liegt manchen schon zu fern. Man will von nuferen Forderungen nicht mehr sprechen, die doch noch die Gegenivart sind. Das verletzt die Fran­zosen, die sich eingebildet haben, sie wür­den um ihrer selbst willen geliebt und lie sich nun enttäuscht fühlen. (!!!) Unsere Vechte sind in den Verträgen niedergelestt, Die unsere Alliierten unterzeichnet haben

Paris, 16. Sept. In seiner heute in Br.eullcs-s.ir Meuse gehaltenen Rede führte Poincarä n. a. airs: Wenn bfe Verwüstungen, deren sich Deutschland schuldig ge­macht hat, diejenigen, die me moralische Verantwortung dafür tilgen, nichts ober fast nichts kosten würden, |o ►Arten früher oder später jungen Deutschen der alten Schule glauten, daß sie um diesen Preis den Ver­such von neuem unternehmen könnten Wir müssen also die Achtung unserer Rechte fordern und über die Aufrecht­erhaltung unserer Sicherheit wachen. JnbeidenFäl- len werden wir den Sperling in der Hand toicht nm der Taube aus dem Dache willen tenfgeben. Deutschland, das heute in Mafien

Kanonen,FlugzeugeundMunitionbeisich oder in anderen Ländern Herstellen kann, das in einigen Jahren zur Rache bereit, uns gegenüber- steten kann, das unsere tapferen und treuen schwarzen (!!) T ruppen in der Welt zu ois- kreditieren versucht, weil es nichtwill,daß roir eine Nation von 100 Millionen Men­schen sind, gibt uns heute Zuficherungen mit Wor- jen, die es für «verlockend'.r, und Bersbrechungen, von denen es Wunder erwartet. Es gibt b i uns reu Alliier- ten Leute, die den Gedanken vortre' flick> finden, daß die rheinischen Uferstaaten sich für eine bestimmte Zeit bfn statns quo garantieren. Lassen wir nicht zu daß die Freunde Frankreichs sich auf ge - iöhrliche Wege verirren. Wenn Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt haben wird, steht es ibm frei, seine Zulassung zum Völkerbund zu benangen. Dann werden Frankreich und Deutschland sich durch die Zugehörigkeit zum Völkerbund gegenseitig gegen einen Angriff sichern . Ein Sonderpakt für die Rhein- oren ze würde-den allgemeinen Pakt schwä­chen, denn er würde Deutschland im Osten oder im Süden mehr Freiheit lassen als im Westen. Wenn Deutschland wieder militärischen Heißhunger bekommen wird, wird es seinen Angriff weitab vom Rhein degin- m-n. Ein Garantiepakt kann für uns lei nerlei praktischen Wert haben, wenn er hn Angriffsfalle keine rasche militärische Sicherheit garantiert. Gaiontjepakte, die nicht auf technischen Abkommen analog den früheren beruhen, würdeir uns im Augenblick der Gefahr allein ober fast allein lassen. Man würde" uns erklären, daß wir nicht­mehr zu fürchten hätten, daß wir abrüsten könnten, und wir würden, wenn die Stunde gekommen ist, von einem überlegenen, besser ausgerüsteten Feind überfallen. Im übrigen wird diesem AnruBot hinzuaefügtr Wenn ihr durch einen Haufen Unterschriften gesüßt seid, so werdet ihr doch wohl bereit sein, das linke Rheinufer za räum-n, beovr die durch den Fiiedensvertrag festgesetzten Fr'ft-m abgelaufen sind. Sämtliche Regierungen. d>. in Frank­reich seit 1919 einander gefolgt find, haben erklärt, daß die B e s c tz u n gs frist für das linke R h e in­nrer nicht zu lausen begonnen hätte. Man trachtet nichtsdesto'.oeniger, sie abzukürzen. Hierzu wer­den wir uns nicht berieten. Frankreich wird die ihm durch den Frietensvertroa eenäyrten Sicherheiten fefl- balten, weder in dieser noch in der Repgrationsfrage verhandeln und sich nicht mit bloßem Schein begnügen.

Paris, 16. Sept. In. Poperinghe sprach heute der französische Kriegsminister in Anwesenheit des belgischen Kriegsministers aus Anlaß der Berleihnng des französi­schen Kriegskreuzes an die belgische Gemeinde Poperinghe. Er sagte am Schlüsse seiner Rede, Deutschland könne zahlen wenn es w 'Ile; was ihm aber fehle, sei der gute Wille dazu. Frankreich habe in Deutschland .Pfänder mit Beschlag belegt, die es, wie biff fran­zösische und die belgische Regierung zu wiederholteni Malen erklärt hätten, nur dann freigebe, wenn es 6c« J a h l t sei. Es ertixnte weder Worte noch Kom­binationen, die mehr ober weniger kompromittierend seien von seinem SchuLner, sondern Zahlungen. Um diese zu erlangen, brauch: es nur einer Politik treu zu bleiben, deren Wirksamkeit. heute selbst diejenigen nicht bestreiten könnten, die sie nicht gebilligt hätten. Frankreich könne sich nicht mit einer halben Genugtuung, init einem halben Sieg begnügen.

Paris, 16. Sept. Marcel Fayolle sprach heute bei einer Gedenkfeier aus der Looettohöhe. Er erklärte u. a.: die Ereignisse der vier letzten Jahre lieferten den Beweis, daß Deutschland weder in seiner hosfärtigen Gelinnung noch in seinem Haß und seinem Betrug nachgelassen Hirte. Das habe es gezeigt dadurch, daß es sich mit alter.) Mitteln bemühte, sich stinen Verpflichtungm zu ent­ziehen, und dadurch, daß es den ungeheuerlichsten aller Bankerotis organisierte und ferner dadurch, daß es sich betrügerisch von feinen sämtlichen inneren Schuldenfrei­machte und tau es im eigenen eine künstliche Armut schuf in der Hoffnung, der Strafe zu entgehen. Frank­reich werde am Rhein und an der Ruhr bleiben, so lange, bis Deutschland gezahlt habe uno der Friede gesichert sei.

Paris, 15. Sept. Ministerpräsident Potnrare hat gestern nachmittag den italienischen und den spani­schen Botschafter empfangen.

Forrsetzung der deutsch-belgischen Unterhaltungen.

Paris, 15. Sept. DemPetit Parisien" wiro aus Brüssel gemeldet, Ministerpräsident Theunis sei gestern abend nach Brussel zurückgekehrt. Die Rede Stresemanns werde in Brüstet als entgegenkommend- bezeichnet, man bedauere jedoch, daß er über die Aufgabe des passiven Widerstandes nicht die Er­klärung abgegeben habe, die man von ihm erwartet hake. Zn gut unterrichteten Kreisen herrsche die Meinung vor, man müsse abwarten, ehe man sich über die Rede des deutschen Neichskanzlers äußere. Man glaube, daß es schwierig sei, auf dieser Crund- lage eine rasche Losung zustande zu bringen. An­dererseits versichere man, daß die Unterhaltungen zwischen Stresemann und dein belgischen Botschafter hi B- rl>> noch fortgesetz: würden.

Paris, 15. Sept. Havas verbreitet eine Reutermeldung aus Paris, wonach Baldwin, der am 18. September in Paris eintrifft, am Tage darauf Poineatö einen Besuch abstatten wird. Es laste sich daraus schließen, daß die beiden Ministerpräsidenten bei dieser Gelegenheit die politischen Fragen be­sprechen werden.

Lloyd George wird Ende dieses Monats nach den Bereinigten. Staaten abreisen.

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Mm 6amti«.

Bon der französischen Preste, besonders dem Temps", ist gegenüber dem neuen Angebot. des Reichskanzlers Stresemann geltend gemacht worden, daß es nichts wesentlich Neues bringe und daß die Situation bezüglich der Garantien noch die seit­herige, nämlich vorn französischen Standpunkt aus betrachtet unbefriedigend sei. Demgegenüber wird von deutscher berufener Stelle darauf aufmerk­sam gemacht, daß das Anerbieten der hypothekari­schen Belastung des gesamten privaten Besitzes weit über den Versailler Vertrag hinausgeht, also in der Tat ein ganz neues und übrigens sofort realisier­bares Pfand für Frankreich darstelle im Sinne des privaten Rechtes, das die Reparationszahlungen wirtschaftlich und rechtlich sichert und darüber hin­aus durch die Liquidation der an die Treuhand­gesellschaft abzuführenden Hypothekenzinsen un­mittelbar die Möglichkeit von Zahlungen bietet. Es steht außer Zweifel, daß die Bestellung eines solchen Pfandes von den Alliierten weder auf Grund der angeführten, noch auf Grund anderer Vertrags­bestimmungen gefordert werden kann. Alle un­befangenen Beurteiler werden bett deutschen Opfer­willen, wie er sich in dem neuen Anerbieten der Reichsregierung ausdrückt, als die beste und sicherste, durchaus konkrete und sofort greifbare Garantie an« sichen. Es handelt sich um die Zindienststettuitg des gesamten privaten Besitzes der deutschen Wirtschaft für Reparationszwecke, .also der Verhaftung der Vermögensobjekte selber, nicht etwa nur um die Ga­rantie der steuerlichen Eingänge aus der Wirtschaft.

Heber die Einzelheiten schreibt derBörsen- courier:

Wir sind in der Lage, das Wesentliche dieses Planes mi^utetlen.. Der deutsche Entwurf, der in den Hauptpunkten den Vorschlägen des Konsuls S. Marx entspricht, steht folgendes vor:

Eins Eoldhypothek auf den gesamten unbeweg­lichen Besitz des Reichs (im Ausmaß von, vorfchlags- weise, 20 v. H.).

Sämtliche Aktiengesellschaften, nebst den Betrie­ben, die zu diesem Zweck in die Aktienform über- geleitet wurden, erhöhen ihr Stammkapital um 25 o. H., die neuen Aktien erhält das Reich.

Das Reich übereignet die Eesamthypoihek einet Kontributionsbank, bie- eine Milliarbe Goldmark Aktien emittiert und den berechtigten Siegerstaaten überweist.

Die Kontributionsbank wirb von beutschen und von Verbandsmitgliedern in gleicher Zahl verwal­tet; der Präsident könnte füglich Angehöriger eines neutralen Staates fein.

Die Höhe der von bet Kontributionsbank ver­walteten Eoldhypothek wird mit den (gläubiger« möchten festgesetzt; sie entspricht der Größe der ge­samten vereinbarten Reparationsfchuld. Die Kon- tributicnsbonk gibt im gleichen Betrag Obliga­tionen aus.

Sollten dis Verbandsmächte für bie noch nicht unterbringbaren Obligationen eine Ausfallbürg- fchaft übernehmen müssen, so würben bie entspre- djenben Beträge, bie bet deutschen Schuld zuwachsen, aus besonderen deutschen Einnahmen, etwa durch Zölle, sichergestellt werden.

Das Reich ist berechtigt, seine Obligationen zu- tückzukaufen und erhält in entsprechenden Beträgen die Aktien der Kontributionsbank zurück. Sind sämtliche Aktien zurückgeliefert, erlischt die Hypo­thek auf den Privatbesitz.

Für den Wert der Hypothek sind zweierlei Siche- -ungen vorgesehen. Einmal wird der zu Repara­tionszwecken belastete Privatbesitz aus dem tatsäch­lichen deutschen Volksvermögen, nach dem entspre­chend berichtigten Vorkriegsstand errechnet, also nicht nach der gegenwärtigen Rente. Zweitens wer­den zur Verwirklichung und Erhöhung der Erträge mehrere deutsch-französische Syndikate gebildet (bie hier iin Einzelnen noch nicht genannt seien).

Das Wesen ber deutschen Vorschläge ist somit, daß ein der Eesamtschuld unbedingt gleichkommender Teil des gemeinem abgeschötzten deutschen Volks­vermögens durch die Kontributionsbank jur Ver­

fügung der Gläubiger gestellt wird, und überdies, daß die Erträge dieser Hypothek durch gemeinsame Ausnutzung der leistenden Betriebe gesichert werden

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Seit dem Einmarsch der Französin in das Ruhrgebiet 'st die deutsche Botschaft in Paris und fetz«. Auch der deutsche Geschäftsträger in Brüssel wurde damals zurückgezogen. Das geschah aus Protest gegenüber dem Rechtsbruch, ter durch ten gegnerischen Einmarsch uns gegenüber angetan wurde. Tie rechitiche Unzulässigkeit dieses Einmarsches ist ja inzwischen von bet höchste» Gerichtsbehörde Englaicks offiziell fcstgestellt worden.

Der Mangel einer geeigneten und vor allem für voll angesehenen diplomatischen Vertretung in Paris macht sich nun ater bei ten jetzigen Vorverhandlungen Frankreich empftndlich gellend. Schon sofort nach sein Kabinettswechsel hot die neue Regierung, die wegen ter Liguidierung des Ruhrunternehmens mit Frankreich in Fühlung zu kommen suchte, sich mft der Frage ter Wieder» tefetzung dieses Postens besaßt. Inzwischen sind d« Dinge soweit gediehen, daß eine Entsche-dan- gefällt wer­ten muß. AuS dem Stadium ter Vorverhandlungen wol­len und müssen wir jetzt herauszukommen suchen, von ter französischen Seite wird aber immer wieder darauf hingewiesen, daß in Paris keine tentsche diplomatische Stelle sei, die ter französischen Regierung als maßgeblich für die Uebermittelung ter deutschen Austaffungen gelte. Es spielen hier gewisse französische EmpfiMichkeiten mit, die es nicht ertragen zu können glauben, daß feine off»« zielt beglaubigte deutsche Persönlichkeit als anerkannten Vernrittler zwischen ten beiden Regierungen vorhanden ist. Die deutsche Regierung dürfte an einer derartige« Prestigefrage die Möglichkeit aussichtsreicher Verhand fangen gewiß nicht scheitern lassen. ,

(EinZdealist".

Öonbon, 14. Sept. Der englische Arbeiter­führer Arthur'Henderson legte in seinem Wahlkreis in einer Rede bie auswärtige Politik ber sozialisti­schen Partei bar: vollständige Räumung Deutsch- fanbs durch die Alliierten und Wiederherstellung der vollen Souveränität Deutschlands; Repara­tionen nuraufGrundder Beding ungen unter denen Deutschland den Waffen, sti llstand abgeschlossen hat; Deutschland erhält einen mit den Großmächten gleichberechtigten Platz im Völkerbund. Um den Boden für den po- Mischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas zu finden, müßten die künstlichen Hindernisse für den Handel, die durch den Versailler Vertrag geschaffen oder verschärft worden sind, soweit wie möglich be­seitigt werden. Ein Ende der sich immer wieder­holenden Reparationskrisen müsse durch Schaffung von Bedingungen, die es Deutschland ermöglichten, seine Verpflichtungen zu erfüllen, gefunden werden. Es ist ja wunderschön, ob und zu aus dem Munde eines Ausländers zu hören, was jeder Deutsche für selbstverständlich hält. Die Hauptsache sind aber leider nicht Worte, sondern Taten. Und da man- gelt's besonders in England! Worte sind uns höchste gleick/gültig geworden!

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Ser üs'iM-grieMe RotlL

London, 15. Sept. Der Sonderberichterstatter derDaily Mail" in Rom schreibt: Jegliche Gefahr eines sofortigen Konflikts fei behoben. Von maß­gebender Stelle ist mitgeteilt worden, daß die ita­lienische Regierung vollkommen neue Vorschläge für eine Regelung der schwierigen Frage gemacht habe, und daß eine Erörterung darüber demnächst be­ginnen werde. Sowohl Italien als auch Südslawien stimmten jetzt darin überein, daß direkte Verhand­lungen ivünschenswert seien. Die südslawische Re- bieiung habe ihre Absicht, den Schiedsspruch Poin- carös oder des Schweizer Bundespräsidenten anzu­rufen, aufgegeben. Der südslawische Minister des Aeußern Nintschitsch werde in Belgrad aus Genf am Montag eintreffen und dem Premierminister Pa« sitsch die Einzelheiten der neuen italienischen Vor- schlage überbringen. Alsdann würden direkte süd- slawisch-italienische Erörterungen beginnen.

Berlin, 15. Sept. Reuter meldet, daß bi« FristbesitalienischenUltimatumsan Jugoslawien verlängert würbe. Die Verhanblungen bauern auf ber Erunblage ber neuen italienischen Vorschläge, beten Charakter nicht bekannt ist, an.

Paris, 15. Sept. Nach einer Blätterinelbung aus Athen hat bie griechische Regierung ben Kriegs­minister bazu bestimmt, in ber französischen, eny lischen unb italienischen Gesandtschaft bie Entschei­dungen der griechischen Regierung vorzubringen, während die Trauerfeier für General Tellini nnb die übrigen Mitglieder der italienischen Mission stattfindet.