Anzeiger für (das früher kurhefstsche) Oberhessen
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Dir ^OderhejfijLe .Zeitung" triebe int tedismal wöchentlick. — Stjugsptei* mryutlich 5OUOCOO ®'. freibleibend mit Zuficllungsgediitzr. Für auriaUendeNummern inf.6ti«il» oo. elementarer Ereigniffe lein - Verlag von Dr. T. Hinerotd. — Druck der Lujo^Buchdruckerei von Jod. Äug. Red). Markt 21,28. — rderufprech« 56, Poft» fckeckkonto: Ur. 5015 Smt Frankfurt a. Main.
Marburg
SomahM. den 15. September
Scheid'«,
Der Lnreigenprei» beträgt für de» Sgefp. Zeilenmillimeter Grund,atzl: 40. Amtliche n. au-iwört. Anjeigen 50. Bei schmierige« Satz 50 •/, Lusfchlag. Sammelanjtige» 106 */« Aufschlag. Reklamen Grundzahl 150. Jeder Rabatt gilt al, Barradatt. Belege »erde» berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen nach Rechnungsdatum, sonst nach bet Schlüsselzahl des Zahlungstage». — Schlussel zahl de» B. d. Ztg,.<B. wem 16.—«. Sept. 1200
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Sotll.
Di« italienische Diplomatie hat wiederholte und tedeutende Erfolge errungen. Sie hat es verstanden, Voreiligkeiten zu vermeiden, aber im richtigen Moment hat sie beherzt zugegriffen. So hat sie das Königreich Italien gegründet und geeinigt, hat sie Stück für Stück die Anerkennung eines ansehnlichen Interesienkreises durchgesetzt, die Großmacht am Ostufer der Adria wurde durch den Weltkrieg zer- trochen. Ganz gewiß ist Italiens Stellung vor dem Krieg, durch den Ausgang des Krieges und auch fticher nach dem Kriege gewachsen.
Nun hat Italien aus Anlaß des blutigen Zwi» Wenfalles an Albanien die Insel Korfu besetzt.
Italien setzte durch sein jetziges Vorgehen das . Danze »>rhältnis mit England aufs Spiel. Eine Festsetzung Italiens auf Korfu ist für England ein« fach unerträglich. Wenn Italien Korfu nun jetzt Such räumt, so hat es doch ein Warnungszeichen Oufgerichtet, und hei der nächsten Gelegenheit wird 06 von neuem seine Hand dorthin ausstrecken.
Unzweifelhaft ist zwischen Italien und England -durch Korfu ein Riß gekommen. Wie weit England Gehen zu können glaubt, läßt sich jetzt nicht nicht er- »esien. Kann England einen griechisch-serbischen Mock unterstützen, der doch aller Wahrscheinlichkeit M chirgend einmal unter russischen Einfluß kommen Miß? Kann England wirtschaftliche Druckmittel f- v Italien geltend machen, und muß es nicht be- ftrchten, hierbei auf den Widerstand Frankreichs Pi stoßen? Man übersieht so häufig, wie vollkommen bewußt Frankreich seiner Macht ist. Das Wort England schreckt die Franzosen nicht und in Paris spricht man ebenso kühn wie man in London vor- ßchtig spricht.
Aber diese Erwägungen ändern ja döch nichts daran, daß Korfu für Italien nicht jene reife Frucht ist wie die, nach denen die italienische Diplomatie vordem zur richtigen Stunde gegriffen hat. Italien ist nicht so weit, um gegen den Willen Englands im Mittelmeer einen entscheidenden Schritt zu tun.
Rom, 14. Sept. „Stefaui" meldet: Im Mi- msterrat gab Mussolini zunächst einen Ueberblick tter sämtliche Phasen des italienisch-griechischen Konflikts und zog Schlußfolgerungen aus dem diplomatischen Ringen, das in Genf unb Paris gekrönt war, indem er die sich daraus ergebedne Lage onb ihre unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen schilderte. Kriegsminifter Diaz, dem sich der Marineminister Thaon de Eevelanschloß, äußerte dem Ministerpräsidenten gegenüber seine »olle Genugtuung über die Art und Weise, wie dieser die Lösung des Streitfalles vorbereitet und durchgeführt habe, indem' er dem Auslands gegen- hber den Beweis für die große moralische Kraft »nd Geschlossenheit der Ration geliefert habe, die tber ihr Prestige wache und fähig sei, immer ihre Interessen und ihre Ehrs zu verteidigen. Der Mi- oisterrat billigte einhellig die Entschlüße des Ministerpräsidenten.
Rom, 14. Sept. Der „Mesiaggero,, schreibt: Oberst u^ffrüher Militärattaches in Tokio, wurde zum Vertreter Italiens in der Unter« fuchuntzskomMisfion ernannt, die feststellen soll, wer die Verantwortung für die Ermordung der italienischen Mitglieder der internatio- «alen Grenzfestsetzungskommission trägt.
Dem „Meflaggoero" zufolge bestimmte die Bot- fchafterlonferenz gestern, daß bei den von Griechenland zu erweisenden Ehrenbezeugungsn unzwei- d e u t i g zum Ausdruck zu kommen habe, daß sie in erster Linie Italien geschuldet feien.
Wie „Stefani“ erfährt, wird Italien nach dem Piräus ein ganzes Geschwader entsenden, das >aus zwei Dreadnoughts und acht Torpedobootszerstörern bestehen wird:.das Geschwader wird von Admiral Solari kommandier^ der sich in Korfu befindet. England und Frankreich entsenden je einen Kreuzer, die die italienischen Streitkräfte begleiten werden.
Part«, 14. S-pl. Die Botschasterkorfferenz hak sich In ihrer gestrigen.Sitzung auf folgende Formel Lder die Räumung Korfus geeinigt:
Die ttalientschen TrvHvcn werden Korfu noch vor »em 27. September räumen. DaS Datum wird nach vebergab« des Berichts der Unterfuchungsksmmission festgesetzt. Sobald die Untersuchungskommtlston die Verantwortlichkeit Griechenlands an der Ermordung der italtentschen Mtsswn feststellt, d. h., daß die Täter griechtfcher Nationalität find oder falls die griechische Negierung nicht sofort alles zur Ergreifung der Trucr tut, wird die Summe von 50 Millionen Lire, ou Griechenland bei einer Schweizer Bank deponiert »et. an Italien ausbezahlt werden.
Die italienische Regierung stimmte diesem Vor- fchlag ohne Vorbehalt zu.
ji Paris, 14. Sept. Havas veröffentlicht den Wort- Jfatt bet von der Bokjchafterkonserenz «n den Völkerbund
RegjervWMruug Wer die Amielle Lage.
Berlin, 15. Sept. In der gemeinsamen Sitzung des wirtschaftspolitischen und des finanzpol.tischcn Ausschusses des vorläufigen Reichswirtschastsrates am 12. September antwortete Reichsfinanzminister Dr. H i l f e r- d ing aus einige aus der Mitte des Reichswirtschastsrates gestellte Fragen. Bis zum 15. Oktober ist der Mehl- und Brotbrdarf sichergestrllt. D« Reichsgetreidestelle sucht Getreide zunächst aus der inländischen Ernte heranzubringen. Sie bezahlt mit Gok-- anleihestücken, die abgestempelt werden und von den liesrrnden Landwirten als Steuerzahlung aus dir Landabgabe benutzt werden können. Die Rcichsge- treLestelle hat gewiss« Bestände für dre Zeit nach dem 15. Oktober bereits hcranpeb acht. Ich hoffe, daß es gelingen wird, auch die notwendige Fettzufuhrsicher- zustellen. Devisen dafür- sind bereitgestellt. Die Finanzlage des Reiches ist derart, daß wir andere Ausgaben als die zur Erhaltung »es Resches not- wendigen nicht leisten können. Du bcdvutsamfwn Ausgaben sind die für die Ruhr. Sie sind ganz außerordentkiA gewachsen. Wir haben von Anfang der Ruhraktion an verhältnismäßig große Summen für Lohnsicherung und Erwerbslosenfürsorge zu zahlen gehabt. Heute wird fast die gesamte Bevölkerung des besetzten Gebiets zum.großen Teil durch Reichsmittel ernährt. Außerdem haben wir noch in steigendem Maße das Betriebskapital für dieses Gebiet aufbringen müssen. Die Werke arbeiten aus Lager oder beschäftigen die Arbeiter irgendwie, ohne daß tn Wirklichkeit Produkte hergesteIlt werden. Sie hatten also keine Einnahmen unb fordern, daß die Löhne und die Kosten für die Beschäftigung der Arbeiter ichl'eß- lich vom Reiche getragen werden. Beispielswcffe beziehen ebenfalls Angehörige der freien Berufes Rechtsanwälte, Acrzte, Künstler, Unterstützung aus Reichs Mitteln. Auch der Handel erhält in Form von Krediten Betriebskapital vom Reich. Nach den letzten Unruhen im Ruhrgebiet schlossen alle Lebensmittelgeschäfte. Tie erwerbslosen Inhaber bezogen zunächst die Reichsunterstützung; bann verlangten sie zur Wiedereröffnung ihrer Geschäfte Kredite zum Lebeiismittrleinkauf Das ist der Zustand. Eine Abbild wird dadurch erschwert, daß tmr bort eine ordnungsmäßige effektive Verwaltung nicht wehr haben. Alle unsere tüchtigen energischen Beamten sind ausgewiesen. Größtenteils werden Bewilligungen und Auszahlung der Lohnsummrn und Erwerbslosen- unterstützung durch die Kommunalverwaltungen vorgenommen, die in ganz außerordentlichem Maße unter de» Druck der Berhältnifie stehen. Infolgedessen wird auch weniger berechtigten Ansprüchen nicht mit der nötigen Energie entgegengetrcteu. Die Lösung des Ruhrr- konsliktSmußim W e g e v o n b e s ch l e u n i g t gc- sührten Verhandlungen gesucht werden. Sie liege, selbstverständlich zuerst im deutschen Interesse, aber auch nicht minder im französischen, ja in dem aller anderen Staaten, denn ein plötzlicher Abbruch würde verhängnisvolle Folgen haben. Ich glavi>e, cs ist jetzt ein Weg gesunden, aus dem wir zu erheblichen Einschränkungen der Summen kommen werden, die in das besetzte Gebiet fließen. Einschränkungen, di« auch für die so sehr leidende Bevölkerung noch etträglich sein werden.
Ich denke, daß di« La ge a u f de m De bi sc n m a r kt sich durch eine Einschränkung der Ausschüttungen ganz wesentlich ändern wird. Ich hoffe auch, daß durch die neuen Maßnahmen der Einschränkung des D-Visenhardels auf einen bestimmten Kreis von Banken es möglich fein wild, rmc schärfere Kontrolle auszurben und im Zusammenhang damit unnütze Jmvorte von der ü)e> WWW III । IB I IUI IH i _____1 l J..H..JL..T1TI P
Visenseite her zu verhindern. Finanziell stellen die Besatzung und ihre Folgen außerordentliche Anforderungen, die in der vorgefundenen Form aus lange Daxec von den Finanzen nicht getragen werden können. Auch alle anderen Ausgaben müssen auf das für die unmittelbare Erhaltung des Reiches nottoendige Maß gedrosselt werden. Ich habe bestimmte harte Maßnahmen im Auge, die eine beveutcnde Einschränkung der Inflation in verhältnismäßig knrzer Zeit ermöglichen werden. Es muß mit der gan- reu Dotationswirtschart, mtt bif fei ganzenUnter- stützungswirtschast gfürochfn werden. Nach einfr Kritik an dem gegenwärtigen Svstem der Bauzu - schliss« fuhr der Minister fort: Wenn oas Volk nicht dazu erzogen wird, daß es verstehen Pritt, daßdie In - fiat ton das wahre U-n glück ist, wenn das Volk bei diesen Troffelungsmaßnahmen r.imi mit tut. dann gibt cs für uns überhaupt keine Ret uug mehr.. Wir kommen unter Umständen in e-nr frfjr schwere Erwerb s lasi g kr' t hinein. Der finanzielle Teil der Vorlage über die Erweibslosensürkorse muß in ganz kurzer Zeit erledigt werden, damit iren-gstens eine teiltvcisc Deckung vorhanden ist, wenn diese außerordentlichen An- sveüchc an uns herantrctcn. Sodann trat der Minister dafür ein, daß die Länder rnd Kommunen wieder die Verantwortung für ihre Ausgaben und eigene Steuerquellen erhalten. Es wird besonders auch hier für eine ausreichende Reform gesorgt werden müssen. Nach einer dringenden Bitte an die Vertreter der Landwirtschaft, alles an eine Versorgung der Städte zu setzen, wandte sich der Minister gegen dir Repudiationstendenzen der Mark gegenüber und sag-e, man solle der Bevölkerung, statt ihr fortwährend zu sagen, jetzt kommt ein neues Zahlungsmittel, uno das wird die Rettung bringen, ganz offen sagen, daß auch das i.ftte Zahlungsmittel allein nicht p* fort Rettung bringen tarnt, sondern daß dazu die anderen Maßnahmen notwciwig sind, von denen ich früher gesprochen habe.
Im Verlaus der Debatte führte Reichswirtfchastsmin> frer v. Raumer zur Devisensrage aus, die einzig wirk- !ic6t Möglichkeit der Einfuhrbeschränkung sei in den A.is- sührungSbcstimmungen zur Dcvisenverordnung gegeben. Aus Grund der Handelskammcrb. scheinigung dürften Devisen nur gekauft werdnt, um den betreffenden Betrieb auf jeweils zwei Monate mit Rohstoffen und Halbzeugen z<. versorgen. Diese Kontrolle erfolge tatsächlich: <sic werde weitergchcnd geübt, und es werde, wenn eine genügende Bevorratung vorhanden sei, bfe Hand-lskammerdescheini- gung einfach entzogen werden. Der Minister wies bann auf die Notwendigkeit hin, du Stcinkohlenproduktion im unbesetzten Gebiet zu steigern, weil dadurch der Eiu- fuhrbedars an englischer Kohle herabgesetzt und damit Devisen für die Einfuhr bet notwendigen Nahrungsmtttcl sreiaemacht werden könnten.
lieber die Ausführungen deS ReichssinanzmenisterS sowie über die Entschließung des Währungsavsschusscs entspann sich eine lebhaffe Debatte. Angenommen wurde sidann die bereits veröffentlichte Entschließung des Wüh- runasansschusseS unter Abänderung der Ziffer 1 Abfl wie folgt- „Die Wiederherstellung und Erhaltung eines wertbeständigen Zahlungsmütels, das die Bedürfnisse von Staat unb Wirtschaft besricdicck, ist ohne Beseitigung oei Defiznwirtschaft bei den öffcnllichcu ßieroalkn. die eine weitgehende Entlassung der dort zur Bor-
auöjesung hat, ittto ohne die Heranziehung aller Schichten des deutschen Volkes nach dem Grade ihrer Leistungs- fähigkcit zu höherer produktiver Arbeitsleistung nicht möglich." Einstimmig wurde beschlossen, die so abgeänderte Eniichlnßung ohne vorherig- Zustimmung der Plenarversammlung an die Reichsregierung weiter zu leiten.
gerichteten Schreibens vom 13. September 1923, in dem die Bvtschafterkonscrenz die Ueberzcuzuitg ausspricht, daß die von ihr getroffenen Bestimmungen geeignet seien, die durch bi: Ermordung der italienisehen Mission geschaffene Lage in befriedigenber Weise zu regeln, und dem der Wortlaut der an die diplomatijch-n Vertreter der Mächte tu Athen gerichteten Note beige geben >st. Ter darrn enthaltene' Beschluß vom 13. September steht vor, daß die griechische Regierung ihre Entschädigung Bet von diplomatischen Vertretern der Mächte am 13. September vorbttngt, daß die Trquerseier für die Opfer in Athen am 19. September vormittags 10% Uhr ftaltftnbet, haft am Sketchen Tage tn Prevosa ole Leichen der Opfer an Bord gebracht worden, wobei thueu die militärischen Ehren zu erweisen sind, und daß ebenfalls am gleichen Tage dir interalliierten Kriegsschiff« vor Phaleron ankommcn. Die Einzelheiten betr. den Salut der griechischen Flotte tm Hafen Von Phaleron werden dem griechischen Gesandten in Paris ntUftetcilt werden. Zum Schluß bestimmt bte Note, daß bie imcralliiette Kontrollkommission am 17. September in Janina ihre Arbeit beginnt und spö. testens 5 Tage barattf ihren ersten Bericht an dt-> Botschafterkonseren z telegraphiert. Sollten bis dabin bie Schuldigen nicht entdeckt sein, werde die üaiumiffion über die Nachforschungen tm c’njelnen Bcrillst erstatten. Die Botschasterkonferenz werde an Hand dieses Berichtes feftftetten, ob die di» sbezügliche Bedingung 'hrer Note vorn 8. September zu betrachten sei. Verneinenden Falles behalte sich die Konferenz vor, Griechenland etwaige Zwangs- oder Strafmaßnahmen mitzuteilen. Was die Besetzung von Korfti anbclange, habe die itaiieni- sche Regierung wiffen lassen, daß fte eMschlosle« sei.
bie Fusel auf alle Falle am 27. September, dem für den Abschluß dw Untersuchung vorgesehenen Tage, zu Tämeu. Tie ertväbnteu Matznahmrn anderer Art könnten tn erster Ltni.- in der Zabing einer Summe von 50 Millionen Lire an Italien bestehen. Die Bot- fchasterkonserenz werde In diesim Falle den inter- uationalei' .rtchtshof im Haag ausforderim, Griechenland von der von ihm deponierten -fi mitt ort zu entlasten, und werde auf icve Inanspruchnahme ves GetichtSbofs verzichten vorbehaltlich belftderer Anträge Italiens tm Haag wegen der Besatzungskosten.
Kim ÜBonnM.
London, 14. Sevi. Die englischen Parlaments. Mitglieder Harry Brttoain und Hanon, die gestern abend au: Berlin in London cingctroffcn stnS, erklärten den Dlättern zufolge in einer Unterredung, bte deutschen Industriellen und Finanzleute seien letzt zwetsellos bereit, jedes Opfer zu bringen, um ihr Land ju retten. Wenn jedoch nicht auswärtig« Hilf« endgültigen, praktischen Charakters erfolge, lei bte Lage hoffnungslos. Di« beiden englischen Parlamentsmitglieder versuchtcu auch die deutsche Wirtschaftskrise vom Standvunki ihrer Auswirkung auf die britische Industrie unb ben englischen Handel Zu betrachten. Selbe sind überzeugt, daß bie Lage ernste Gefahren berge, ebenso für die Frage, wie der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch Deutschlands verhindert werden könnte, mit Umsicht unb Mut angcsahi werde. Wenn nichi innerhalb einet Woche ober binnen 10 Tagen bte Klugheit einsichtsvoller Staatsmänner dir Oberhand behalte, fei «S
unmöglich, auszudenke», welche» das zukünftig Schicksal Europas fei» werde,
Son SäUerbtnl.
Ge n f, 14. Sept. Die BölkerbundsversammlÄNG schloß heute vorläufig die Debatte über den State- bericht ab, da zahlreiche Delegierte dem Präsidium mitgeteilt hatten, daß es für sie zwecklos sei, über den Rasbericht zu sprechen, so lange der griechisch-italienische Konflift ausgeschlossen bleibe. Nachdem in bet heutigen Sitzung noch Bettreter von Polen, Albanien, England, Australien und Hollaich zum Ratsbericht das Wort ergriffen hatten, erklärte daher der Präsident der Versammlung, daß er die Fottsehung der Aussprache, da niemand mehr das Wort verlange, auf einen späteren Zeitpunkt vertage. Die nächsten Sitzungen der Versammlung gelten der Aussprache üb« die Kowmis- sionsbe richte.
Keine Kraft!
Warschau, 14. Sept. Wie berichtet wird, dürste das Gutachten des Ständigen intetnati»» nalen Gerichtshofes im Haag in der Frage der beet» scheu Ansiedler in Polen im Schatze des Völkerbundes Segmbe» werden. Jedenfalls habe es fetiK rechtliche Kraft, die Durchführung der polnischen Mahnahmen gemäh den polnischen Gesetzen aufju- halten. (Hilf dir selbst! — Die alte Lchre.)
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M fjMilSe Äirrmlte.
Auch bet dem Putsch des MllttärgouverneurS von Barcciona, des Generals Prlmero de Rtv«a, tst bet Htutergrund dunkel und undurchsichtig, wie eS meist bet Putsche dieser Art der Fall Ist. Häfig, wenn nicht immer, ist bte handelnde militärische Person eine vorgeschobene Figur, die durch HintenuSntier in De- weguns gefetzt :virv. Der Putschgenetack Hai feine Aktion gegen das spanlfcbe Kabinett gerichtet und seinen Vorstoß mit der tßltcbtgkeit des spanischen Kabinetts begründet. Würde es sich tm vorliegenden Falle nur um einen solchen Staatsstreich handeln, fo könnte man die Militärrevolte von Barcelona alS eine Episode betrachten, die ohne weitere Uuswtrkun- gcn ihr Ende finden würde. Man hat in Spanten revolticrede Generale nie sehr tragisch genommen, da man von aitersher an militärische Verschivörun- gen gewöhnt tst und wiederholt Aktionen der sogc- nannten Jontas, der spanischen Ofstzlersvereinigun- gen erlebt hat. Wenn nur einer dieser gewohnten Handstreiche vorltegt, fo hat man auch tm Auslände keinerlei Anlaß, sich sonderlich über den Militärputsch des spanischen Gen«als aufzuregen.
Die Dinge können aber doch tm vorliegenden Falle eine weit größere Tragweite besitzen. Dafür fprtcht zunächst, daß der Putsch sich In Barcelona zugetragen bat. Diese Stadt ist als die Hauptstadt Cataionieus ein heißer Boden. Sie ist tn der letzten Zeit, wie schon häufig tn früheren Jahren durch anarchisttkchc Umtriebe stark aufgewühlt Worben. Außerdem Ist sie dns Hauptquartier aller sevaratistlschcu Elemente, bte tn der spanischen Geschichte eine große Rolle spielcit unb die schon wiederholt bte Provinz Catalonici zum Schauplatz blutiger Unruhen gemacht haben. Gerade tn diesem Punkte aber läßt sich noch nicht deuillch er. kenne», welche Rolle der General de NIVcra spielt. Der Putschgeneral hak sich telegrapblsch an den König von Spanien gewandt und eS wird von Kennern der spanischeii Verhältnisse k-ehauptet, daß be Rivera durchaus köigStreu und sogar ein besonder« Vertrauter ves Königs Alfons fet. Trifft das zu, so würbe man dem Putsch irgendwelche TrennungSbe. strebungen natürlich nicht zufchrelben dürfen. Man wird ab« zweifelhaft fein dürfen, ob bte Dinge tatsächlich fo liegen. Es wird nänilich von anderen, nicht ntlnber guten Kennern der spanischen Berhätt- niffe bebanptet, baß de Rinera mit ben Separatisten Fühlung hab- und daß fein Putsch, wenn auch zunächst nr versteckt, das Ziele verfolge, Catalonien vo« Spanien loSzrelsten. I« Spanten selbst tst die Ten. denz des Prttichcs wohl auch nvch nicht mit völliger Sicherheit ttfmtnt. Die Meldungen Über bas Verba Iden ber Garnisonen ht den anderen spanischen Städte« widersprechen sich noch sehr stark. Ist Gene- rak be Rivera der Vorkämpfer von Separatisten, ko wird man kaum annebmon können, daß die spanische Armee mit ihm gemeinsame Sache macht.
Solange man über bte Absichten des Putsch, generals nicht ganz klar sieht, wird man auch nichts darüber sagen können, ob die Fäden dieser Militär- Verschwörung über bte nahe Grenze lausen. Wenn bet General de Rivera eine LoSreh.ung CatalontenS, tut Ange bat, so stehl et zweifellos tn Per- btnbvng mtt Frankeetch. Auch darin würde sich bte Geschlckne nur wiederholen, da Frankreichs feit lebet versucht hat, in bet fbtenU- s<Sen Treu tptovlnz Fuß zu fassen und' Untuben an zuzeiieln. Es verfolgt hier ee<* nau bieselbe Pokittk, für bte es neuerbtngS auf beut« toent Boden wieder Fuß gewinnen will. Um bte Nachbarländer zu schwächen, strebt Frankreich danach, die Grenzgebiete mtt bem Mutterlaube in Konflikte ,n ftürxnt und alS selbstänbige Gebilbe unter seinen Einfluß zu bringen. Dir Leibenszetten, bte daS beut« sche Rhetngebtei unter den Einwirkungen dieser Polt- tkk burcbaemadit hat, sind auf dem spanischen BoveN tn Catalonien nichts Fremdes. An sich spricht die Wabrschetnlichkeit bafilr, daß Frankreich gerade tn bet, Gegenwart wieder das alte Spiel tn Catalonien mtfa mnehmen sucht. ES siebt gegenwärtig auf einem selten erreichten Löhepiinkt rontfnental« Machtsüll« nb nutzt seine Sage naturgemäß baiu aS, sich nach ave« Seiden möglichst zu sichern. Bekanntlichch stutzig
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