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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher knrhefstfche) Oberhessen

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«r. 216

TieOdeihelsilche Zeitung" erscheint leche mal wöchentlich. Dezugevieir monatl ich 1 200000M.freibleibend mitZuftellungrgebühr. f?ür auriallendeNummern inf.6ireits oo.elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. T. Hitzerotd. Druck der Unin^Snchdrnckerei von 3o6. Lug. Loch, Markt 2123. Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Rr. 5015 Amt firankiurt a. Mair.

Marburg

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Der Lnieigenprei» betrögt für den Saesp. Zeilenmtlli«eterl3ü 000 Mk., Stellengesuche u. Familienzeigen 33'/,°,, Abzug. Mmtl. u. aas». Sn,eigen 150000Ml. Bei schwierigem Satz 50»/, Aufschlag. Sammelan,eigen 100»/. Aufschlag. Reklame« d« Zeilenmillimeter 450000 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Au»- kunst durch die Geschäft»it. «.Vermittlung »er Angebote 500300TO, bei Ueberleudung durch uit» 300000 Mk. ohne Vorto. Zahlung innerhalb nach 3 Tage» nach Rech»ung»« datum, sonst nach der Berechnung de» Datum» der Zahlung.

s. gelte.

1923

Mf*«raS38H£S*

3er Seirikmtk.

Die Rede des Kanzlers charakteri siert, wie wir Don gestern sagten, den offenen Willen, den Fran- ßisen so viel als möglich anzubieten, um über Rhein enb Ruhr das freie Verfügungsrecht wieder zu er­halten. Ob die Lösung des Reparationsproblems auf diesem Wege möglich ist, hängt nun allein von Frankreich ab. Aus Frankreich hören wir aber be­reits die bekannte Melodie. Der Versuch, Frankreich «öhcr zu kommen, ist zu loben, aber die Vorschläge sind noch «lehr zu präzisieren. So ist es bisher jtbesmal gegangen. Frankreich will die bedin­gungslose Kapitulation des wehrlosen Deutschland. Das letzte Aufflackern unserer Widerstandskraft soll tzn französischen Sadismus erstickt werden. So Ifa udt inan den Tag der Nach« unmöglich zu machen. Man sieht hieraus, dah der Lösung des Ruhrkonflittes noch größere Schwierigkeiten ent­gegenstehen, denn zu jeder Verständigung gehören poei.

In London ist man nicht nur wegen der Korfu- Frage, (entern auch wegen des Ruhrkampfes sehr Nervös. Man hält demTag" zujolge den Zustar d Deutsozlands für verzweifelt. Demgemäß beurteilt Bon die Rede Strefemanns als die Rede eines Mannes in der Verzwel-ing, der keinen andere« Ausweg mehr sehe. Es sei ein etwas ver­blümter Appell an die Gnade des Feindes, ohne die geringste Aussicht, baß er Erfolg Haden könne. Man habe den Eindruck gewonnen, daß Stresemann zunächst Alles gesagt habe, was gesagt werden könne. Tie Rede sei einfach und gerade, freilich ohne die ge­ringste Hoffnung auf Rettung. Auf die Frage des deutschen Kanzlers, was Großbritannien getan hake. um das Unheil abzuwenden, antworte man, es habe getan, was in seinen Kräften stand, mehr sei nicht möglich gewesen.

Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt: Nicht zu verstehen sei di« Pa­riser Meldung, nach der die britische Regierung Berlin angeraten habe, separate Verhanv- lu>. gen mit Frankreich anzuknüpfen. Bald­win und Lord Curzon hätten immer wieder betont, b»s>, die kritische Regierung die Reparationsfrage »ts eine Frage ansehe, die gemeinsam von allen Alliierten mit Berlin geregelt werden muffe und itljt nur von einem oder zweien von ihnen.

Daily Chronicle" schreibt, wenn Deutschland sifi deoingungslos ergebe, dann würde die Regie­rung Stresemann innerhalb weniger Tage gestürzt werden. Es sei zweifelhaft, ob irgendein anderer Kanzler, der Stresemann Nachfolge, unter diesen Umständen länger als einige Wachen im Amt blei­ben könne.

Daily Gerald" glaubt, daß Pokncar6 ver­suche, in Deutschland eine Revolution h e r v o r z u r u f e n, in der Hoffnung, daß dann eine durch den Hunger einge­setzte kommuni st ische Regierung nach- Kiebiger sein werde

Da» Echo in Frankreich.

Paris, 13. Sept. Die gestrige Rede des Reichskanzlers Stresemann wird in den, großen Blättern entweder garnicht oder sehr knapp besprochen.

DerMatin" schreibt: Soweit man nach den vorliegenden Meldungen urteilen kann, tut Reichs­kanzler Stresemann einen Schritt vorwärts, ohne sich von einer irrtümlichen Auffassung freizumachen. Die französische Regierung beharrt fr st auf ihrer unanfechtbaren Stel­lung, Sie kann selbstverständlich das Kontroll- «flime fm Ruhrgebiet abändern, wenn Deutschland es sich zur Pflicht macht, zu zahlen. Räumen wird Frankreich das Gebiet nur nach Maßgabe der Zahlungen.

Figaro" schreibt: Reichskanzler Dr. Strese­mann hat wahrscheinlich an Bezahlung der deut­schen Schuld nicht mehr Geschmack al» Reichskanzler Enno. Gewiß, der Vorschlag Stresemaims ist ver­lockend, aber Stresemann fügt hinzu:Das ist nur möglich unter der Bedingung, daß man uns zunächst bas Ruhrgebiet und die Rheinland« wiedergibl." Das ist der ewige Kehrreim des deutschen Reichskanzlers. Für jede« Zugeständnis, das Deutschland macht, verlangt es eine entsprechende Konzession. PoincarS sagt:Bezahlt, und wir räumen das Ruhrgebiet!" Stresemann sagt: Räumt das Ruhrgebiet, damit wir bezahlen können."

Paris, 13. Sept. Eaulois schreibt zur gestri­ge» Reichskanzlerrebe: Wir brauchen bestimmte Angaben, deren Fehlen wir in der Rede des Reichskanzler» festgestellt haben. Wir müffen zu­

nächst wissen, in welchem Umfang der Staat in der Lage ist, sich für die Mitwirkung der Privatwirt­schaft zu verbürgen. Wir müssen Klarheit über den Prozentsatz haben, den das Reich uns von den Zin­sen der Hypotheken abzutreten bereit wäre. Schließ­lich müssen wir Aufklärung über die Zusammen­setzung des fideikommissarischen Ausschusses erhal­len.. Dieser würde für uns nur insoweit von In­teresse fein, als er uns die unbedingte Kontrolle der Hypotheken und der Zahlung der Zinsen gewähr­leistet. Was versteht schließlich Stresemann unter der Zusicherung, das Ruhrgebiet zu räumen, wie er von uns verlangt? Es kommt also zunächst darauf an, noch bestehende Zweifel zu zerstreuen, und wir wollen annehmen, daß das Angebot Strefemanns nur ein Ziel auf dem Wege zu einer Lösung be­deutet, die «ndgiltig- ist und die zu verwirklichen einzig und allein von dem deutschen Reichskanzler abhängt.

Berlin, 13. Sept. Die Rede des Reichskanzlers wird vorerst nur in einem Teil der Mocgcnblätter ans« ftihrlich kommentiert, während die übrigen Bedungen sich ihre Aeußerungen für heute Abend Vorbehalten Die 'deutschnationalen Blätter, die Deutsche» Tageszeitung und dieKreuzzeitung", stimmen den Ausführungen deS Kanzlers über das Produktionsproblem zu, während sic hinsichtlich seiner Ausführungen über das MäheungSprob- lem gewisse Bedenken Vorbringen. DieDeutsche Tages» zcitung" spricht von einer höchstbedenklichen Halbheit, brückt aber die Hoffnung ans, daß hier vielleicht noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Die mit Spannung erwarteten Ausführungen des Kanzlers über die Ans« cinandeisetzung mit Frankreich begegnen in der deutsch« nationalen Presse großem Pessimismus. DieKreuz« zeitung" schreib:: Dr. Stresemann will trotz allen üblen Erfahrungen der Erfüllungspolitik auch das Letzte, was das deutsche Volk noch' besitzt, in das bodenlose Faß unserer Opfer toersen. Denn eine Zuversicht, daß wir damit die Freiheit deutschen Landes erkaufen, hat er lei« neswcgs, sondern nur unbestimmte Hoffnungen, die uns namentlÄ nach den l-tzt-n Nachrichten aus Paris, noch garingere Aussichten als zuvor zu haben scheinen. An der vergeschlagenen Treu Handgesellschaft wird die Erdrofse- lungspolitik Poincares ein neues FeÄ finden

Uneingeschränkte Zustimmung sindet die Rede des Reichskanzlers in der Prssc der Koatitionspartcien. Das Bert Tagebt" unterstreicht di- Bedeutung der Rede, die durch die Anweftnheit sämtlicher in Berlin weilenden Mitglieder des Rcichskaüinetts als bedeutsamer Regie« rungsakt gekennzcichnet worden sei. Ob durch bi. be­deutsame Kundgebung so schreibt das Blatt die Unterhaltung zwischen Paris und Berlin einen wcsenllichc» Schritt weitergeführt sein wird, muh abgetvarlet werten. Eine Grundlage für weiter« Schritte ist, wenn man >n Par's nur einigermaßen ine Verständigung will, gegeben. Mit Recht sagt der Kanzler am Schluß seiner Rede, daß in der Hand der heutigen französischen Machthal>er bi* Ruhe und dir Befriedung Europas liegen.

TieBoss. Zeitung" saßt ihr Urteil in solgcnde Worte zusammen.: Die ganze Rede d«s Reichskanzlers atmete ötn Willen zu einer Verständigung mit Frankreich; auch du maßgebenden Persönlichkeiten in Paris müssen s'ch bm> dem Gesichtspunkt leiten lassen, daß cs jetzt gell:, den Frieden zu wollen und ihn zu erhalten, daß es jetzt daraus ankomme, durch ein- Politik der Gerechtigkeit die 'mciv- nalen Leidenschaften zu beschwichtigen und damit eine Garantie sür einen wirklichen Frieden zu geben.

DerVorwärts", der die Politik Strcsemamcs mit den Worten charakterisiertDeutschland kapituliert nicht, um nachher zu verhandeln, sondern cs verhandelt, um nickt zu kapitulieren", wendet sich mit folgenden Worten an die Ad reffe Frankreichs: Frankreich ist nun vor die Frage gestellt, ob es über einen Teil Deutschlands herrschen oder ob es bezahlt fein will. Die französ-i'che Regierung hat stets erklärt, sie wolle leine Annexionen, sondern Bezahlung. Wenn sie ihr Wort wahrmachen icib, bann sind wir aus dem Wege der Verständigung. Andern­falls aber marschieren wir in den totalen Ruin und in Zustände hinein, di: nicht nur Deutschland und Frank­reich. sondern alle Völker zu verhüten ein dringendes Interesse haben. Die Haltung der Reichsregierung in der Ruhr- und Rcparationsftage wird so schreibt das Blatt abgesehen von kleinen Wsplittcrn ganz rechts und ganz links, von dem gesamten deutschen Volke gebilligt und unterstützt werden.

Berlin, 13. Dept. In den Abendblättern be- inbeii sich noch einige wettere Aeutzernngen' zu der gestrigen Rede des Reichskanzlers. DieTcmsche All­gemein« Zeitung- hebt y-rvor, bafc das von Trrese- ma.-tn formulierte deutsch« Angebot an Frankreich von unzweideurtger Form sei. Tas deuiscvc 9tru gebot, das für die deutsche Wirtschaft und sür die ge­samte Nation eine surchibar drückende Last darftellt, ist nur durchführbar, wenn Deutschland die souveräne Verfügung über Ruhr, Rhein nd Saar widererhält. Die »Zelt' unterstretcht den ernsthaften Willen der Reichsregierung, kein materielles Opfer zu scheuen, um sobald als möglich dein Rhein- und Ruhrseblet die Arbettsmöglichkeit und Arbeilssretbeit und dem Reiche i-lbst die Verfüg-ingsgewalt über diese Gcbielc zurück« zugewtrmen. Der »Tag' betont vor allem, dah T«utschlartd einen gewissen Prozentsatz seiner pro- dutttvwirtschafrlichen Substanz als Reparaiwn-Slei« stung zur Verfügung stellen will. Die Industrie, der« pflichtet durch ihre Führer, will ein derartiges Opfer bringen, und sie handelt damit nicht nur patriotisch im allgemeinen Sinn des Wortes, sondern auch der- antworttingSbewußt und ftaatSbejahend.

Paris, 13. Sept. In Anschluß an die gestrige Sitzung der Botschafterkonferenz hatte Ministerprä­sident PoincarS eine kurze Unterredung mit dem englischen Botschafter.

Paris, 13. Sept. Ministerpräsident PoinrarL ist heute vormittag nach Boulagne sur-Mer gereist, wo er Festlichkeiten beiwohnen wird, dic von den Fischern ver­anstaltet werden.

L o n b o n, 13. Sept.Pall Mall Gazette" zu­folge befinden sich die meisten Mitglieder des briti­schen Kabinetts noch außerhalb von London, und bisher ist keinerlei Entscheidung über den Zeitpunkt der nächsten Zusammenkunft getroffen worben.

Die französischen Arbeiter gegen bi« Ruhrbesetzuug.

Paris, 13. Sept. Di- sozialistische Partei balle für gestern abend eine Protcstversammlnng gegen den ftanzösischen Mftonalismus unb die faschistisch- Politik Italiens einb-rufen. Es sprachen em? Reihe sozialistischer R dncr, unter ihnen A-an L o n g u e t, der in seiner Reo- unter starkem Beifall unter anderem die Leid«» der deutschen A-h-iterschaft mit denjenigen der nordftanzösi- sch-n Bevölkerung während des Krieges verglich. Dic Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie die französisch« Regierung auffordert, binnen kürzester Frist eine Verständigung mit Deutschland in der Revarationssraqe aus anderem Wege als durch die Ruhr- bffetzung anzustrchrn. Falls das Ruhrabenteuer noch weitergetrieben toerdc, sei es imstande, eine 'Sera des Elends, der Gewalt und der Anarchie für Dentschlaud und für das gesamte zivilisiert- Europa heraufzuführen. Der italienische Faschismus drohe einen neuen Krieg-cherbeiznführen. Schließlich spricht die Resolution das Bedauern der Versammelten über das Vorgehen Frankreichs gegen den Bölkerbunö aus.

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Stint MrnisW dnRtWMr.

Berlin, 13. Sept. Im Aeltesteuausschuß des Reichstags sprach sich die Mehrzahl der Parteien gegen eine sofortige Einberufung des, Reichs­tag s aus, nachdem bi: Regierung hatte wissen lassen, baß die außenpolitischen Verhandlungen und die finanzpoliti­schen Verhandlungen im Innern noch im Fluß sind, sodaß sich eine abschließende Mitteilung noch nicht machen läßr. Für die Einberufung des Reichstages sprachen sich nur di- Vertreter der deutschnati'onalen Partei und der Kom­munisten ans, die aber im Plenum nur über 81 Stimmen verfügen, während di- übrigen Parteien die Auffassung der Regierung teilten. Die Einberufung des Reichs­tages ist demnach nicht vor den letzten Septembcrtagcn zu erwarten. Ueber die Einberufung des au sw ar­tigen Ausschusses, dessen Verhandlungen vor der Einberufung des Reichstags stattzufinden hätten, werden noch Verhandlungen gepflogen.

Dv Frage der Einberufung deS Reichstages ist, wie derTag" schreibt, nicht nur wegen des Wunsches bet. Tentschnationalcn Volkspartei auf Veranstaltung einer großen politischen Aussprache, sondern auch deswegen von B-ckcutung, weil nach dem Artikel 48 der Reichsverfassung di- inzwischen vom Reichspräsidenten erlassenen außer­ordentlichen Verordnung^: durch den Reichstag nachgc- vrüft und bestätigt werden müssen. Wenn auch kaum anzunnchmen ist, daß gegen den Grundcharakter der Verordnungen im R-ichscag eine Mehrheit Einspruch er­heben wird, tveil die Regierung und sei Reichspräsident immer im Einvernehmen mit ben Mehrheitsparteien ge­handelt haben, so wird doch wahrscheinlich, wie wir auS wirtschaftlichen und politischen Kreisen, die dem rechten fflügel deS Kabinetts naheftehen, erfahren, sich das Bestreben gdtenb machen, eine Korrektur der letz­ten Devisenverordnung des RcickspräsKent-n dann durchzu führen, wenn das Ergebnis dieser Verord­nung und der Arbeiten des inzwischen eingesetzten Deviscn- kommissars nicht ganz den Erwartungen entsprechen sollte. Nachdem die Reakrung mit der Schaffung der Gold« Notenbank und her Devisenverordnung die ersten Schritte zur Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Pläne getan hat, ist in wirtschaftlichen und auch in politischen Kreisen immer stärker der Eindruck h rvorgetretrn, daß, lie Maßnahmen aui währunaApolitischem Gebiet allzustark 6.trieben find, und dir Maßnahmen auf wirtschastspolftischnn Gebiete etwas zu sehr in den Hintcrgruno getreten find. Die Re­gierung w-rd wahrscheinlich in ben nächsten Tagen aus wirtschaftlichell Kreisen verschiedene Anträge erhalten, m denen die sofortige und vollständige Aufhebung der Außenhandctskonttclle und ebenso die Aushebung der DemobUmachungSVerordnungen mit d:n Maßnahmen ffit schwerverletzte KriegsbcschLigte gefordert werden wird. Maßgebend dabei ist der berechtigte Gedanke, daß an sich nur durch Sie igerung oer Arbcitsruten» fitet und durch Steigerung der Ausfuhr diejenigen Devise« beschafft werden können, bk zur Sicherung der Ernährung und auch zur Sichening der Währung not­wendig sind. Man hofft, daß die Regierung brs zum Zu­sammentritt deS Reichstages das Stadium bet vordere> tenben Berhanblungen, die sich besonders im Rcichswcrt- schastsrat sehr in die Länge ziehen, überwunden Hal rno weit über die jetzigen währnngspofft'schen Maßnahmen hinaus dafür gesorgt hat, daß durch Steigerung der Ans- firhr und durch Steigerung der Arbeitsleistung eine reale Grundlage für eine Stabilisierung oer Währung urck der Wirtschaft gegeben ist.

Kabinettsfitzung.

Berlin, 14. Sepr. DemBerk. Tagebl." zufolge beschäftigte sich das Rcichskckinett gestec» Nachmittag mit b»- Frage der Währungsreform. LautVorwärts" wnckr dem Kabinett ferner die Angelegenheit Gehler

Zeigner unterbreitet gemäß einer Vereinbarung, die i« den Berliner Besprechungen mit Zeigner getroffen wov- ben war. Die Reich-regierung werbe wahrscheinlich eine Erklärung veröffentlichen, in der sie jede Verbindung bet Reichswehr mit illoyalen Organisationen aus- strengste untersagt und den Geheimbünden schärfste« Kamps kündigt.

Erwerbslosenfiirsorge «nb bi« Erhöhung bet Loh«« z stenerabziig«.

Berlin, 13 Sept. In der von den zuständige« Aus­schüssen des ReichsrateS erörterten Frage der Erwerbs« loscnfürsorge ergab sich Uebcreinstimmung darüber, hast gegen die Fortsetzung der Arbeitslosenunterstützung groß» Banken politischer und finanzieller Art bestände«. Die Zahl der Erwerbslosen ist von 185 000 am 1.7. aus 300 000 am 1 9. gestiegen und cS steht eine ganz gewaltige weitere Steigerung in Aussicht. In Sachsen soll stellen­weise die Hälfte aller Betriebe stcklgelegt werden. Di» Höhe der Unterstützung ist entsprechend der Gestend- wrrtnng ständig gewachsen, sodaß in einer Woche eine Familie bestehend au- Man«, Frau und 8 Kinder« 14 Millionen Erwerbslofenunterstützung täglich bezog. Die Siesamtausgaben de- Reiches für die ErwerbSlosenuutev- stützung sind, in dieser Woche bereits auf 3 Billionen täglich gestiegen. Nach längeren Beratungen bet Aus­schüsse toniten mehrere Entschließungen gefaßt i« beute di- Reichsregierung ersucht wird, eine prÄmktive Arbeit-« losenfürsorge schnell und nachdrücklich zu fördern «nb der Stillegung von Betrieben entgegenzuwirke«. Im teer teren Verlause der Sitzung genehmigte der Reichsrat eine Verordnung zur Entlastung der Gerichte, wonach bi» Zuständigkeit bet Amtsgerichte in Zivilsachen auf 506 Millionen begrenzt wird unb die Zuständigkeit der Schöß» fengerichte für Fälle des Diebstahls und der Untre- schlagung aus 2Milliarden. Angenommen wurde eite Absicherung des Postschcckgesetzes dahin, daß Einzahlungen und Verfügungen nur noch crsoltzen können in Beträgen, die aus volle 1000 Mark lauten. Ferner soll die Stamm­einlage auf jedes Konto mindesten- 100000 Mark be­tragen müssen. Der Reichsrat erklärt« sich mit einer Ver­doppelung der Steuera^üge bei der Lohnsteuer cinvev« ftartben.

Der gewerbliche Mittelstand vor dem Tode.

Berlin, 13. Sept. LautVerl. Lokalan,.." ist i« Preußischen Landtag ein Urantrag all« bürgetkiche» Parteien einaebracht worden, in dem es heißt: Die schwer» Wirtschaftsknsis mit dem ungeheuren Marksturz hat de« gesamten gewerblichen Mittelstand in große BedrängnÄ gebracht. Die Arbeitsämter berichten von großem An-, drang arbeitsuchender selbständiger klein« Gewerbetrei­bender. Angesichts dieser katastrophalen Btthältnisse wolle der Landtag beschließen, das Staatsministerinm z« er­suchen, mit Rücksicht auf di- große Volkswirtschaftlich» Bedeutung des gewerblichen Mittelstände- dieser stark» bedrohlichen Entwicklung mit äußerster Kraft entgegcn- zuarbeiten. ,

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KM LW le öiW-Kerm.

London, 13. Sept. Pu dem Korfu- und dem süd«' slavikchcn Problem schreckt der diplomatische Bertchtre» Reiter desDailh Telegraph", in oiplomatischen Kvet- sen habe gestern die Ansicht vorgeherrscht, daß dic Lage in Südostcnropa von Stunde zu Stunde ernster würde.

Daily Expreß" schreibt, das ktalwnische Ultimatum an Jngoslavien in bet Fiumefwgc laufe am nächsten Sonn­abend ab, cs würden bereits aus den nördllch von Fiume liegenden Ländern Trupdenzusamnicnzieh<ingen gemeldet« Wenn Jtal«n seine Forderung einer unverzüglichen Rege­lung des Streite? nicht abändcre, so scheine ein Krieg unmittelbar bevorzusteheu.

Paris, 13. Sept. Nach dem Londoner Korrespon­denten desNewport Hcrald" wird in London i« best­unterrichteten Kreisen angeblich angenommen, daß bi» englische Regierung bk Frage der Besetzung von Korfu erneut zur Sprache bringen werde, fall- cS der Botschast-rkons-renz nicht gelinge, von Mussolint -ndgütUge Zusicherungen im S-ime einer schleunigen Räumung zu erzielen. Frankreich, das dagegen sei, »ast die Frage in der Bölkerbuudsv-rjrmmlung wieder aufge­worfen werde, soll bei Italien inosstziell seinen Eiufiuß geltend machen, um die Festsetzung eines bestimmte« Zcitpunttes für ti: Zurückziehung der Italien« aus Korf« zu erreichen. In London werde die Verzögerung bet Rückkehr Baldwin- zum Teil mit der Absicht erklärt, in der Nähe von Genf zu blecken, sodaß her englische Premierminister in der Lage sei, sich mit Lord Robert Cecil zu besprechen, falls im Zusammenhang mit bet Besetzung Korfu? neue Schwierigkeiten entstehen würden.

Paris, 13 Sepr. Die Botschasterkonserenz ist heute Nachmittag wiederum zu einer Sitzung zusammengettrteu, um eine Lösung der Frage ber Besetzung Von Korfu z» finden. 1

Pari-, 13. Sept. DerPetit Parisicn" schreibt zur gestrigen Sitzung der Botschasterlonserenz, es sei mög­lich, daß men, um die schließlich« Zustimmung Jtalien- zur Räumung Korfus zu erreichen, für diese eine längere Frist ins Auge rafft, als sie zuerst Vorgkschlagen worbe« sei. Jndesse» solle sie nickt über die letzten Septcrnber- tage hirausrcichen. Wenn die eudaüllig-' Antwort Ita­liens ungünstig ausfalte, so würde die erste Folge die sei«, daß England in dem selbe n Augenblick seine Handlungsfrei­heit zurücknehme, wie der englische Botschafter gester« der Botschofterkonfercyz miigd<i(t habe 1

Fiume.

London, 13. Sept Professor Gilbert Murratz, bet SüdafrikanHche Delegierte beim Bötkerbmck, sandte eie