Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
ft. 213
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Marburg
Dienstag. Den 11. Segtemiier
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58. Mkg.
1923
5«rlMeni iet MIR».
Berlin, 10. Sept. Die Rede Poiucares in Dam- Mers wird von den Morgenblättern insofern ÄS ein Krrtschritt gewürdigt, als sie im Ton gegenüber Deutsch- fcnb gemäßigter sei als seine früheren Reden. Ibte Rede ßcheint den Weg zu den angebahnten Unterhaltungen Inhalten zu wollen. Die Blätter glauben zu wissen, haß Reichskanzler Dr. Strrsemann sehr bald Beran- Arslung nehmen werde, sich zu dieser Rede PoincareS und R der Frage zu äußern, wie es zwischen beiden Ländern zu rhandlungen kommen könne.
Die „Zeit" schreibt zu den gestrigen Ausführung» ^oirrcar^S: Es hält schwer, in der letzten Leistung Poin- Mces eine neue Note zu entdeck». Immerhin ist auf oen asten Blick erkennbar, daß sich di« übliche Sonntags- ebe diesmal wenigstens äußerlich von den früheren Reden sühcbt. Sie ist nicht so unfreundlSch und etwa» »e- ASßigter im Ton' Poincarö hat davon gesprochen, daß dir letzte Reichskanzlerrede einen Fortschritt darsteller Ob «an dir Aenderung in seinem Ton auch als einen Fortschritt bewerten kann, wird sich erst noch zeigen müs,eru Argendweiche sichtbare Anhalte bietet die sranzösGche Politik dafür nicht. Man hat aber doch den Eüchruck, baß Poincorö es vermeiden wollte, durch seine Ausführungen die in Gang gekommene« . Unterhaltung zu stören oder zu erschweren.
Laris, 10. Sept. Die Rede PoincareS findet in der Jrrffe laute und b.gcifterte Zustimmung. Der „Temps" »eint, Poincare habe die Austastung des ganzen Landes »iedergegeben. — Das „Journal des Debats" hält das Perücht von einem t vorstehenden deutschen BerhanL- , knngsa»gebot nach wie vor für sehr wahrscheinlich, erklärt Äer, daß jeder Schritt in dieser Richtung zwecklos sei, wenn er nicht von der Erklärung begleitet wird, daß' der passivc Wide rst'and bed i :tgungslos aus- ,egeben wird. Frankreich müsse, bevor es mit Deuts.bland vertändeln könne, zunächst cinen Beweis des guten Willens Deutschlands haben, (l) — Die „Journee Jndustri.lle" konstatiert, nut giostcr Befriedigung, daß die wirtschastliche und finanzielle Zer- rüttnng in Deutschland dem Separatismus im Rheinland nur förderlich sein könne. Das Blatt verspricht sich do» der Rettungsaktion des Kaoinetts Strrsemann keinen Erfolg. Infolgedessen müsse das Rheinland unfehlbar und schncller als man 18 Vielleich> erwartet, Fran kreich in bi? Arme falten, ßdas Blatt richtet an die Regierung die Mahnung. recht- tzeitig alle Vorbereitungen für diesen Augenblick zu irrsten, wenn sie nicht großen Schwierigkeiten aller Art und ms- besondere einem neuen Konflikt mit England sich aus- schrn wolle.
Das sieht freilich nicht aüs, wie ein franzöfischeS Eul- Hegeukvmmen!
Im Gegenteil, wenn man überhaupt von einer Milderung in btt Tonart sprechen konnte (Poinearo hat wieoer rinmal die Unverletzlichkeit seiner „Bedingungen" ausgestellt,, so scheint uns dafür ein arwerer Grund vorzo- kiegen. In der Pariser Presse hat nämlich die Berliner Meldung über den Beschluß des Reichswirtschastsrates, die Koste» für den passiven Widerstand einzuschranlen und streng überwachen zu lassen, große Sensation hervor- pernfen. Sie wird von den Blättern allgemein in großen Ueberschriften als der Anfang der Einstellung des passiven Wderstandes bezeichnet. Ist in diesem Beschluß das Ende des passiven Widerstandes und darüber hinaus die Ankündigung der deutschen Kapitulation zu erblicken? fragt bar „Journal". Wir wollen nicht allzu schnell „Steg" rufen und einer neuen Enttäuschung in che Arme lausen Im ganzen gencmmeit bedeutet die Entscheidung des Reichswirtschastsrates das offizielle Eingeständnis, daß der Widerstand Hegen die Alliierten Von dem deutschen Staat organisiert ist. — Will man in Paris uns die Auf- gäbe des Widerstandes erbeichtern? Man glaubt sich funk Minuten vor 12 Uhr, da kommt es wohl aus ein paar Wort« nicht an.
London, 11. Sept. „Evening Standard" beruhtet, tzrach der Regelung der griechischen Frage werde die Reparationssrage während der nächsten Tage wieder in den Vordergrund treten. Es werde daher nicht überraschend sein, wenn Baldwin während seiner Rückreise nach London, Pvineare einen kurzen Besuch abstatten und danach in der Lage fein werde, dem britischen Kabinett bas unverzüglich nach seiner Rückkehr einberufen rottet, endgültige Vorschläge zu machen, wenn auch bisher nichts vereinbart worden fei werde es nicht für unmöglich gehalten, daß eine Konferenz alliierter Vertreter bald m Paris stattsinden werde.
London, 10. Sept. Der Berliner Berichterstatter der „Morning Post" schreibt:, Obwohl alle in Betracht kommenden Stellen erkennen, daß die Finanzen nicht wieder hergestellt werden können, solange große Summen für die Aufrechterhaltung des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet benötigt »erden, so sei man doch entschlossen, nicht bedingungslos zu kapitulieren, da die Ueberzeugung herrsche, daß eine derartige Kapitulation den mirt- fchaftlichsn und politischen Ruin für Deutschland bedeuten würde. Angesichts der Tatsache, daß diese Erwägungen der Oeffentlichtcit unterbreitet werden, sowie daß der Nation gezeigt werde, daß ihre Finanzen nicht in Ordnung gebracht werden können, bis das Ruhrgebiet sich wieder in deutschen Händen befinde und Eisenbahnen und Post sich rentiere!'., tonne angenommen werden, daß sich der Weg für Verhandlungen eröffne.
Dr. Stresemann antwortet.
Berlin, 10. Sept. Wie die Blatter melden, wird der Reichskanzler voraussichtlich am Mittwoch auf die gestrigen Reden Poincarös in einer öffentlichen Rede antworten. Die „Zeit" schreibt zu den gestrigen Ausführungen Poincar-s: Es hält schwer, in der letzten Leistung Poincar4s eine neue Note zu entdecken. Immerhin ist auf den ersten Blick erkennbar, datz sich die übliche Sonntgsrede diesmal wenigstens äußerlich von den früheren Reden abhebt. Sie ist nicht so unfreundlich und etwas gemäßigter im Ton. Poincar4 hat davon gesprochen, datz die letzte Reichskanzlerrede einen Fortschritt darstelle. Ob man die Aenderung in seinem Tone auch als einen Fort- schritt bewerten kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Irgendwelchen sichtbaren Anhalt bietet die französische Politik dafür nicht. Man hat aber doch den Eindruck, das, Poincar6 es vermeiden wollte, durch seine Ausführungen die in Gang gekommene Unterhaltung zu stören oder zu erschweren.
5er iltlW-grieW Wüt
Paris, 10. Sept. Die Botschafterkonferenz trat heute nachmittag zur Beratung der italienischen und der griechischen Antwort zusammen.' Nach dem „Temps" heißt es in bfl griechischen Antwort zum Schluß: Die griechische Regierung, die der Tatsache Rechnung trägt, daß das Attentat unglücklicherweise auf griechischem Gebiet und gegen Bürger einer befreundeten Macht begangen wurde, die einen Teil einer offiziellen von der Botschofterkonferenz ab- gesandten Mission bilden, beeilt sich, zu erklären, daß sie die sieben Punkte der in der genannten Note ausgestellten Forderungen restlos anuimmt.
Und der Völkerbund?
Genf, 10. Sept. Der Völkerbundrat hielt heute eine streng geheime Sitzung über den griechisch- italievischcn Konflikt ab. Eines seiner Mitglieder erklärte nach der Sitzung, datz der Konflikt sich auf dem Wege der Regelung befinde, oatz man aber noch Geduld haben müsse. Der Rat beauftragte seinen Präsidenten, morgen in der Völkerbundversammlung eine kurze Erklärung über den Stand der Angelegenheit abzugeben. Gleichzeitig soll die Versammlung aufgefordert werden, ihrerseits noch in keine Debatte über den italienisch-griechischen Streitfall einzutreten, da dies die Verhandlungen stören könnte. Der griechische Vertreter Politis erklärte im Laufe der Ratssitzung^ datz die Deponierung der 50 Millionen Lire bei der Schweizer Nationalbank zur Garantie für eine Italien zu zahlende Entschädigung morgen erfolgen werde.
Paris, 10. Sept. Wie „Temps" meldet, enthält ein Brief, des Präsidenten des Völkerbunds- rates Zshii an den Präsidenten der Botschafterkonferenz, in dem der Völkerbundsrat dafür dankt, daß sie ihn über ihre Beratungen unterrichtet hat und hofft, auch über die Ergebnisie der getroffenen Entscheidung auf dem Laufenden gehalten zu werden sowie über die Beratungen, die hierüber noch stattfinden können, noch folgenden Paffus: Tie griechische Regierung nimmt die in der Mitteilung der Botschafterkonferenz hervorgehobene Tatsache zur Kenntnis, datz die italieniscye Regierung versichert, datz die Besetzung von Korfu einzig den Zweck habe, Genugtuung für die Forderungen zu erhalten, die sie Griechenland vorgelcgt hat, und von der Tatsache, daß diese Forderungen durch die von der Botschafterkonferenz formulierten Bedingungen gedeckt werden. Da diese Forderungen in großem Umfange von der griechischen Regierung angenommen worden find, so ist es durchaus zulässig, datz die griechische Regierung auf ihrer schon vorher ausgesprochenen Bitte besteht, sobald wie möglich die Räumung von Korfu ficherzustellen. (Wahrlich, ein kraftvolles Gebilde, dieser Völkerbund!)
London, 11. Sept. Reuter teilt mit, datz in diplomatischen Kreisen ein Gefühl dcr Befriedigung über die letzte Phase des griechisch-italienischen Konflikts ausgedrückt werde. Es sei jedoch verfrüht, zu erklären, datz die Angelegenbeti geregelt sei. Der Appell Griechenlands an den Völkerbund gelte weiterhin, und wenn er nicht zurückgezogen werde, so sei es wahrscheinlich, datz der Völkerbund ihn werde behandeln müssen. Tie ganze Frage sei daher, wie lange die Besetzung Korfu« fortdauern werde. Es sei klar, datz die Untersuchung des Mordes einige Zeit in Anspruch nehmen müsse und datz der permanent internationale Gerichtshof keinerlei Entschädigung be- stimmen könne, bevor er das genaue B<?weis
material der Kommission vor sich habe. Die Räumung Korfus werde daher nichtsorasch vor sich gehen wie in gewissen Kreisen angenommen werde. Die Tatsache könne jedoch nicht bestritten werden, datz auf beiden Seiten eine viel bessere Stimmung vorherrsche und die Luft beträchtlich geklärt worden r’i durch die sehr kluge Diplomatie, die in Paris befolgt worden sei.
Italien schasst weitere Zwischenfälle.
Rom, 10. Sept. Die italienische offiziöse De- peschen-Agentur Agenzia Stefani meldet aus Athen: Der italienische Militärattaches Oberst Terone befand sich in Begleitung zweier anderer italienischer Offiziere in Zivil in einem Gasthof, als er hörte, wie in einer benachbarten Gesellschaft beleidigende Aeußerungen über Italien fielen. Oberst Terone stellte den Sprecher zur Rede. Dieser besah die An- mahung, seine Beleidigungen aufrechtzuerhalten, worauf der Oberst ihn ohrfeigte. Der Beleidiger versuchte wieder zu schlagen, wurde aber von einem Begleiter des Obersten, der ihn mit dem Stock schlug, daran gehindert. Die anderen Personen, die zu der Gesellschaft des Sprechers gehörten, verhielten sich korrekt und bedauerten sogar dessen Herausforderung. Die italienischen Offiziere ver- lietzen darauf den Gasthof. Der italienische Gesandte beschwerte sich beim Minister des Aeutzern wegen der herausfordernden Haltung griechischer Staatsangehöriger gegen Mitglieder einer auswärtigen Mission. Der Minister sprach sein lebhaftes Bedauern über den Zwischenfall aus.
Ztalien annektiert?
London, 10. Sept. Der politische Berichters:atier des „Daily Telegraph" schreibt: Der 16. September, an-welchem das vou Mussolini an Serbien wegen ber Fiume frage gerichtete Ultimatum ablaufe, werd: in britischen und in alliierten Kreisen mit einiger Besorgnis entgegen sehen. Belgrad habe das Ultimatum verworfen, und e5 sei unsicher, ob Italien ber sch'ybs-- richterlichen Entscheidung der Schwei» zustimme» werbe. Dir diplomatischen Beobachter in Rom briitften die Be fürchtung aus, daß Jta lieudie Annexion Fiumes in Aussicht nehme. Sie machten gellend, daß die mli- tärischen Vorbereitungen den Tbarakter einer nur ze-.t- hxtfen Besetzung Korfu- weit überschritten.
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ZrM M dm MtkbM.
Genf, 10. Sept. Die Völkerbundsversammlung und der Völkcrbundsrat haben beute den früheren Präsidenten der Republik Brasilien Peßca mit 43 von 46 Stimmen -um Mitglied des Internationalen stand gen Gerichtshofes äks Nachfolger des .verstorbenen Brasilia- nischen Mitgliedes Barbazo gewählt. Die Völkerbnnbs- versammlung hat einstimmig den Freistaat Irland nach der Berichterstattung durch Meftrowitz-Lettland in feen Völkerbund ausgenommen. Der Berichterstatter rühmte dabeiden Edelmut Englands (!), bas aus der Höhe seiner Macht dem Freiheitsdrang des irischen Volkes entgegengekommen sei. Der Präsident ber Versammlung beglückwünschte Irland zu der Aufnahme und forderte di? irländischen Delegierten, bereu Vollmachten bereits geprüft worben waren, auf, im Haust Platz zu nehmen. Von den Ovationen der Versammlung begrüßt, irahmen die irländischen Delegierten ihren Pchtz ein. worauf ihr Führer, ber Präsident des Freistaates Irland, Easgrave, unter lebhaftem Beifall erst kurz in irischer und dann in englischer Sprache dankte und der Genugtinrrg des ftlänbifchen Volkes darüber Ausdruck verlieh, baß es nach langen Seiten und zahlreichen Opfern durch einen internationalen Vertrag endlich Frieden «hallen und Mitglied der Völkerbundssamilie geworden fei. Dio FeirHseligkeiten ter Vergangenheit würben jetzt rw -och an historisches Interesse haben. Irland V' ; »e Feinde und werde gegen niemanden feindliche Gefühle' hegen. Es wolle mit ganzer Kraft für aufrichtige Beziehungen zwischen allen Völkern eintreten und zum Wohle ocr Menschheit Mitarbeiten. Die englische Dslegat'on beteiligte sich lebhaft art den Beifallskundgebung n für Cosgrave. — An! Antrag des estländischen Dei^i.rtn Pusta vertagte sich die Versammlung aus morgen zum Zeichen ter Sympathie für das schwergeprüfte javarwckie Volk, nachdem Adaici in bewegten Worten gedankt hatte. Die heutige Sitzung ter Pöckrbundsverfammlung war eie erste seit sechs Tagen. Versammlung wird morgen in eine Beratung ter Ratsberichte eintreten.
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Zur Sagt in ita Mtifta EM».
Essen, 9. Sept. An ber Straße nach Weitmar wurden gestern vom Lipve-User 6 Schüsse von unbekannten Tätern abgegeben, wodurch ein französischer Posten verletzt wurde. Als Sanktion wurde bcrsüat, daß bis beute mittag 12 Uhr di« AmtSvcrwalttmg mit einer Weißen Fahne aus der Ltppebrücke tu erscheinen und sich zu entschuldigen dabc. Französische Pa- ironisien suchten das Lippeufer ab.
Münster, 10. Sept. In Limen trnirde ber le ein dem Arbeiterstande angehörender Mann von einem französischen Posteir erschossen.
Paris, ig. Sept. Nach einer Hanasrnelduna au5 Düsseldorf ist tn der Nacht vom 9. (September ein Güterzug auf her Linie Euskirchen—Duisburg ent- gletjt. Personen find nicht umz kommen.
Berlin, 10. Sept. Nach einer Mitteilung de» »Fokalanzetgers" ist die Zahl der im Ruhrgebiet aus ihren Wohnungen vertriebenen Eisenbahn- bediensteten auf 24 467 angewachsen. Mit den Fa- mtitenangehörigen handelt es sich um 65 893 Personen. Ausgewiesen aus dem besetzten Gebiet wurden 21358 Eisenbahner mit 54 666 Familienangehörigen: verhaftet wurden 2267 Eisenbahner, getötet sieben.
Degoutte verweigert den Xtttppe« die Heimkehr.
Paris, 10. Sept. Wie der „Quotidien" mit- teilt, werden 93 000 Soldaten des Jahrgangs 1921, die dieser Tage zur Entlassung kommen sollten, und die sich »n der Hauptsache int Ruhrgebiet befinden, über die vorgeschriebene Zeit hinaus im Dienste bleiben müssen, da General Degoutte die Aufrecht- erhattung seines Truppenbestandes wünscht.
Paris, 10. Sept. Dem „Petit Journal" zufolge werden zutn 1. Oktober drei neue Tankwagen« regtmenter geschaffen.
Berlin, 10. Sept. Kartoffelsendungen und sonstige Lebens mittel können nach allen Eisenbahnstationen des besetzten Gebietes, auch den nicht mehr in deutschem Betrieb befindlichen, aufgegeben werden, da für den Abtransport von den Randbahnhöfen gesorgt ist. Zweckmätzig benutzten größere Verfrachter für Kar- toffelseudungen nach dem Nheingebiet sowie den am Dortmund—Ems-Kanal gelegenen Stationen zur Entlastung bet Eisenbahn den Wasserweg. Der Rhein- Herne-Kanal ist für den deutschen Verkehr nicht benutzbar.
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M KeeMu der SonLeMMr.
Köln, 10. Sept, lieber den gestrigen Kongreß bet Rheinische«, Republikanischen VottSpartet in Bonn berichtet dle .Köln. Ztg.": Für den Kongreß wurde durch Ptakatanschläge und Verteilung von GrattSauSgaben des 0n«ctblatk5 .Die rheinische Republik- lebhatt agitiert. Gestern Vormittag kamen einzetne Trupps aus Koblenz, Mainz, Wiesbaden »Ito. an. Am Vormittag sand in der Beelhoveichalle ber eigentliche Kongreß statt. Die aLersttengste Ein. laßkonttolle unter reichtiwem militärischem französischem Schutz fottie» Störungen fernhalten. Zu einer öffentliche» Ktindgebung am Nachmittag wurden auf den Bnrggartenwiesen die „Massen" aufgebolen. Hier zeigte sich folgendes Bild: In »er Mitte der Wiese die Sonderbündler, etwa 1500, darum eilt Kordon von deutscher und französischer Polizei. Außeryaw dieses Gürtels hatten flcy nach.und nach bi« Einwoy. ner Bonns, etwa 10000. versammelt, um tOre Empörung über die Herausiotderung der Sonderbündler auszudrücken. Die Sonderbündler begleiteten die Reden Ihrer Führer mit lauten Bravorufen dte jedesmal laute Widersprüche der Menge hervorriesen. Rach den Hauptrednern erhob sich'noch Smeets tu seinem Amo zu einer kurzen Ansprache, worin er gegen Deutschland und Preußen hetzte und seine Anhänger ichlloßlich atifforbcrte. in Ordnung wieder zum Bahnhof znrückznsehen, damit <s ihnen nicht gehe wie den Souderbiindlern in München-Gladbach. Bei dem Ab, marsch kam es zu einigen stürmischen Kundgebungen gegen die Sonderbündler. Die Fianzosen ttrchmen Verhastunge» vor. Di« anßerordentkich btsziplittterte Halwng trotz der großen Erregung gegen die Smeets- intte, welche die Bevölkrung bewiesen hat, mutz »er/ vorgehobert werden.
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Der Gemeinheit
Ein unerhörter Akt der niedrigsten Gemeinheic wird jetzt aus dem besetzten Gebiet berichtet. Da- ' nach handelt es üch um nicht weniger, als die Ausweisung jänttlicher männlichen Einwohner und Ein« quaiticrung Farbiger bei den dann schutzlos gewordenen Fronen. Mädchen und Kindern. Bon zuverlässiger Seite wird hierzu gemeldet, daß der ftan« Zöstsche Kreisdelegierte von Saarburg (Regierungs-" bezirk Koblenz) Ende des Monats Juni von der Gemeinde Beurig die Stellung einer Bahnwache forderte. Dieses Ansuch.'» wurde von den Vertretern der Stadt mit der Begründung abgelchnt, datz sich niemand bereit erklären würde, fteiwillig die verlangten Dienste zu übernehmen. Darauf begannen Gewalttaten schlimmster Art gegen die De-, Hörden und die Bevölkerung dieses Ortes. Ein Bauer wurde von einem Marokkaner auf den Bahndamm getrieben und durch zwei Bauchschüsse hingemordet. Dann erfolgten eine ganze Reihe von Verhaftungen und Ausweisungen, die Bahnübergänge wurden gesperrt und weitere Sanklioten in Aussicht gestellt. Diese sollten nicht lange auf sich warten lassen.
An einem S-mnab-nd gegen Ende des Monats Juli rückte morgens in der Frühe eine Eskadron Spahis in Saarburg ein, und sofort begannen die ersten Ausweisungen führender Persönlichkeiten, von denen im ganze". 116 Personen betroffen wurden. Noch an dem Lage der Ausweisung wurde der Stadt Beurig durch den stellvertretenden französischen Delegierten mitgeteitt, datz, mene dte Blch»