Zweites Blatt
Rr. 211 j'Günabenb, 8. Septernsor 1923
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Btiititnrinel« > Atm
vom 7. September.
In der heute unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Lroelisch fortgesetzten Sitzung wurde zunächst ein neuer Etobtherorbncter, Hauptlehrer Fenner, an Stelle heg ausgeschiebenen Stadtv. Schaefer in üblicher Wense tn fein Amt eingeführt
Mitteilungen.
Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme gab Bürgermeister Mueller folgende Erklärung: .
In den letzten Wochen sind bei der kaufmännischen Verwaltung der gewerblichen Betriebe viele Reklamationen Kegen die tarifmäßigen Preise eingereicht worden mit der Begründung, daß es unzulässig wäre, daß die Stadt die Preise nach dem Verbrauch kalkuliert? und cinzöge Insbesondere hat der Hauebcsitzerverein sich auf diesen Standpunkt gestellt und fnitgeteilt, daß er seine M'A glieder veranlassen werde, die Rechnungen nicht zu Le zahlen. Die Einziehung bei uns erfolgt nach dem Beispiel vieler anderer Staate. Gas und elektrische Energy Kind keine Waren, die sofort bet Abgabe bezahlt werden können, sondern es muß eine bestimmte Zeit vergehen, »he eine Rechnung erteilt werden kann. In früheren Fahren wurde der Preis im Voraus kalkuliert, sodaß der betreffende Abnehmer wußte, welchen Preis er im Augenblick der Mnahme zu zahlen hatte. Diese Vorauskalku- kation mußte ausgegeben werden, als die Schwankungen bei den Preisen für die Kohlen und für die Löhne auch innerhalb der Zeit eintraten, für welche der Preis kalkuliert war. Die Preiskalkülation konnte daher in den «leisten Fällen nicht richtig gemacht werden. Deshalb «rußte, so lange wie die Schwankungen in Kohle und Löhnen so rasch auseinander folgen, die Preiskalkulation Hinterher erfolgen, d. h. sic konnte erfolgen in dem Augenblick, in dem die Ablesung begann. In inrstn Dagen konnte sestgestellt werden, was Gas und Elektrisches für die vergangene Ablesezeit gekostet hat Nach biesem Verfahren ist bereits seit ungefähr 6Monaten ber Preis ringt sogen worden und es haben sich keine Beanstandungen ergeben Es darf wohl auch jetzt nach bü-fer Aufklärung die Erwartung ausgeivrochen werden daß anerkannt wird, daß zur Zeit nur in dieser Form eine »rdentliche Kalkulation erfolgen kann. Tas Durchhalten der gewerblichen Betriebe bei Schwankungen der Preislage wie sie jetzt Vorkommen, ist äußerst schwierig, da »8 schwer gelingt, das Geld für die neu erhöhten Kohlen- «nkäuse hereinzubekommen. Andere Städte haben zu dem Mittel gegriffen, daß sic bei besonderen Kohlen- «reiserhöhnngen eine Rechnung doppelt einkassicrt haben «nd den einen Betrag sich als Vorschuß auf tommenbc Rechnung haben geben lassen. Wir haben hiervon Kbstand genommen, weil wir glaubten, oaß gerade in ber jetzigen Zett diese Verdovveluna für die einzelnen Kaushaltungen große Schwierigkeiten mit iick bringen fcüröe. Wir haben auf den kalkulierten SeLstvreiS einen geringen Aufschlag erhoben, um wenigstens für einen Teil der neuen Kohlenpreise Deckuna zu haben. Wir könuM mit diesem Verfahren aber nur durchkommen, wenn die Bevölkerurrg uns bei der Einziehung bei Geldes Nicht Hemmungen in den Weg legt. Die Ableser sollen jetzt zugleich auch einkassiereu, und es wäre wünschenswert, daß möglichst alle Abnehmer sofort durch Schecks tzic Rechnung bezahlen Es sind nun Beschwerden ge- Smr.mert darüber, daß Fälle Vorlagen, wo Mieter bereit? jkusgezvgen wareit ohne den neuen hohen Gaspreis be- »ahlt zu haben. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, M jetzt der Preis wöchentlich bekannt gegeben I »erden. Die Einkassierung erfolgt dann zu dem Preis Her Woche, in welcher der Kassierer ablicst. Mit diesein Verfahren wird der Geldentwertring auch am besten Rech- tzrung getragen. Wer dann innerhalb 6Woch>>nt.-,.re feine Rechnung nicht bezahlt hat, muß dann den neuen Wochenpreiö zahlen. Die bisher geltenden Bestimmungen Hl-cr die Beitreibung und Abstellung des Gases und Stromes blechen bestehen. Diese Bestimmungen können rur gelten, solange die Mark fällt. Mit dieser Maßnahme tziiimben. wir den schwierigen Verhältnissen Rechnung getragen zu haben und hoffen aus Verständnis dec Bür- ,elschäft rechnen zu können.
L (Nachdruck verboten.)
Der Fall Dobinjew.
j Detektivroman von Donald O. Fexer.
'Winzig berechtigte Ueberfetznng aus dem Schwedischen von E. von Kraatz.
23. Fortsetzung.
r Ich beeilte mich, dem Befehl nachzukommen, und Kchon nach einer Viertelstunde waren wir an Ort >»nd Steell. Als ich mich durch die wie gewöhnlich angesammelte Menschenmenge hindurchgedrängt jhatte, stieß ich auf eine Anzahl uniformierter Po- Lzisten, die einen Kreis um etwas am Boden Liegendes bildeten. Es war der Ermordete, der soeben von einem Gerichtsarzt untersucht wurde. Die Leiche lag auf dem Gesicht, und eine klaffende Wunde mitten im Rücken bezeugte, auf welch« Weise der Unglückliche ums Leben gekommen war.
„Genau da, wo man den Dolchstoß anbringen muß," erklärte der Arzt mit bitterem Humor, indem ,tt sich erhob und seine blutigen Hände mit Schnee -puderte.
I „Er ist also als ermordet anzusehen?" fragte ich.
1 „Natürlich," erwiderte der Arzt achselzuckend. ^Solch eine Wunde kann man sich doch nicht selbst ^beibringen. Und wie sollte der Mann es wohl nach Kmpsang des Dolchstoßes fertig gebracht haben, sich Wackt auszuziehen?"
ii Der Arzt hatte natürlich recht, und nur, um /eine Pflicht zu versäumen, nahm ich nun selbst iitoch eine Untersuchung der Leiche vor, wobei ich Mir kurze Notizen machte. Die Waffe war offenbar Mit großer Kraft geführt worden und dicht unter Ipern linken Schulterblatt eingedrungen. Es war mnzunehmen, daß sie das Herz durchbohrt hatte, so der Tod fast unmittelbar eingetreten sein mußte.
■| ^Weitere Wunden waren nicht vorhanden, aber ols'meine Leute die Leiche umdrehten, entdeckte ich Uii? Entsetzen, daß man das Gesicht des Toten mit
Eine Eingabe.
Es wurde dann eine Eingabe des B.-Rats vcs E.-Wcrks zur Verlesung gebracht, in der gegen die becbstch'.i^te Entlassung einer Anzahl Arbeiter Protest eh y* _at und u. a. gesagt wird, daß nicht wieder gut zu machende Fehler bezüglich der Arbettsbesckas sung gemacht worden seien. Man möge den Vorschlägen des B.-Rats in Zukunft mehr Beachtung schenken und zwei Mitglieder zu den geschäftlichen Beratungen hinzuziehen. Vüraermstr. Mueller wies die Vorwürfe zurück und fügte hinzu, daß die Eingabe nicht der Form cnttorerhe, in der der B. Rat uns die Verwaltung zusammenarbeiten sollten. Die Entlassungen hätten schon vor rinnt halben Jahre erfolgen sollen, durch neue Aufträge hätten sich diese hin- ansschieben lassen. Er verband damit weitere Mitteilungen über die Arbeiten nsw. Bei der Aussprache meinte Stadw. Stein, daß Arbeit genug da sei. es fehle nur an Geld. Bei diesem Elend sei es nicht am Platze. Entlassungen vorzunehmen. ES liege anscheinend Schema in der Sache, vor allen Dinaen müßten die entlassen werden, die wirtsckaftlick besser OriteVt seien, er warne die Zahl der Arbeitslosen nock zu vermehren, man könne ia schließlich 3 Tage arbeiten lassen. Bürgermstr. Mueller trat den Ausführungen entgegen, der Vorredner möge sagen, wo Arbeit sei. zwischen Verwaltung und Ars'eiter herrsche ,!m E.-Werk immer ein gutes Verhältnis. Stadtv. Schimpfs pflichtete diesen Ausfiibrungen bet, man habe sich die größte Müh-> gegeben. Arbeit zu. verschaffen. Stadtv. Wolf meinte, die Ursache der Eingabe sei die Angst vor der Arbeitslosigkeit, man möge Die Vorschläge nachprüfen. Ihm erwidert- Bürgermstr. Mtteller, daß die ANstragSmöglichkeit erschöpft sei. Stodtv. Jahrmärker schlug vor, die Klagen doch im Betriebsausschuß vorzniragen, hier könne man diese nicht nacktprüfen, eS ließe sich vielleicht auch für die auswärtigen Arbelwr Beschäftigung in der Ernte finden. Stadtv. Stein bemerkte auf die verschiedenen Ausführungen, daß es ihm jedenfalls fern liege, irgend einen Beamten Vorwürfe zu machen, er habe ja auch von keinem Beamt-n oder vom Direktor gesprochen. Es wurde beschlossen, die Eingabe zur wohlwollenden Prüfung dem Magistrat zuznweisen.
Verschiedene Vorlagen.
Diese betrafen die Anschaffung zweier Zahlkästen für das Papiergeld für die Stadtbaup-wne, Kostett- punN 8 Millionen, die Versetzung eines Wasckckessels im städtischen.Hanse Markt 10, Kostenpunkt 15 Mill., die Nachbewi«igung von Mitteln für die Herstellung don Kohlenlagerräumen in> Natbause und in zwei städiheben Schulen und Austausch von Gelände an Dec Straße Nr. 80. Es erfolgte Genehmigung.
Bei ber Frage der Erhöhung zweier Belag: des Stadi- sürsorgeetats für 1923 wurde mitgrtcilt. daß es sich darum handele, die vorgesehenen 5900 Mar, für die Bekämpfung der Läuse bei Schülern auf 500 000 Mark zu erhöhen. Stadtv. Wolf wies darauf hin, daß man ruhig mehr einstellen solle, denn wer heut? Medikamente benötige, müsse Milliarden besitzen. Oberbürgermeister T r o j c fügte hinzu, baß man früher an di'se Sache gedacht und schon vorher Anschaffungen zur Bekämpfung ber Verlausung gemacht habe. Die Vorlage wurde genehmigt. Ferner genihmigte man die zeitgemäße Erhöhung der Mitgliebsbeiträge zum deutschen uno preußffchen Städtr- riag und die LohnerhShungen für die städtischen Arbeiter?
Weitere Erhöhungen.
Längexe Zeit beschäftigten sich die Stadtverordneten dann mit dem Erlaß eines Ortsstatuts betreffend Anpassung ber Kommunalabgabeu an sie Geldwertänderung Die Vorlage würbe angenommen.
Im Zusammenhang damit Rann der folgende Antrag: Gemeinbebeschluß betr. Einführung des Landessteuerin dexes für die Realsteuern. Es wurde aus die Bestimmungen des kommunalen Abgabenrechts hiugewiesen und auch gesagt, daß Besprechungen mit Vertretern gewerblicher und kaufmännischer Vereinigungen sich damit einverstanoen erftäct hätten. Mit ber Erhöhung der Gebühren für Benutzung Aer Festhalle und des FestpÄtzes wurde der diesbezügliche Ausschuß beauftragt.
Der Pflichtzuschlag zur Wohnungsbau - abgabe soll laut Antrag auf 45 000 vom Hundert erhöht werden. Es erfolgte Zttflirnmung.
Nach Erledissuitg zweier Personalfachen gab man sein kürzlich genehmigten Ortsstatut betreffend die amtlichen
0 ii irmmmnii^niiTiiiiim« n n m um in einer ätzenden Säure bis zur Unkenntlichkeit entstellt hatte.
„Was ist denn das?" rief ich betroffen aus. „Schwefelsäure," sagte der Arzt lakonisch.
Es kostete mich Ueberwindung, meine Untersuchung angesichts dieses grauenvollen Anblicks fortzusetzen, aber eine neue Entdeckung trug bald zur Erhöhung der Spannung bei: dicht unter der Brust war eine Reihe von Zeichen eintÄowiert, die sich mit einiger Mühe als russische Buchstaben entziffern ließen. Glücklicherweise hatte ich mich früher einmal mit der russischen Schrift beschäftigt, so daß ich die Schriftzeichen d, o, b, i, n, je, w festzustellen vermochte und sie sorgfältig in mein Notizbuch eintrug.
Was bedeutete diese Tätowierung? Höchstwahrscheinlich einen Namen. Bevor ich meine Untersuchung fortsetzte, las ich sie im Zusammenhang ab und erhielt so das Wort „Dobinjew" — und damit vermutlich den Namen des Ermordeten.
Außer der Wunde, der Tätowierung und einem kleinen Muttermal an der unteren Seite des linken Handgelenks nichts Bemerkenswertes. Die Blutspur brauchte ich nicht weiter zu verfolgen, da sie hier aufhörte und die große Blutlache in dem zertretenen Schnee der Landstraße bereits besichtigt hatte.
Ich stellte bald fest, daß die Leiche von einem einzigen Mann in den Wald hineingefchleppt worden war. Die Fußspuren dieses Mannes waren jedoch verwischt, weil er den Toten hinter sich her gezerrt hatte und dann auf der dadurch entstandenen harten Furche zurückgegangen war. Irgendwelche Kennzeichen für die Aufspürung des Mörders waren also nicht vorhanden, und auch der Tote selbst bot keinerlei Anhaltspunkte abgesehen von dem ein- tinowierten Namen Dobinjew.
Während ich noch nachdenklich auf die Leiche hin- starrte, erblickte ich plötzlich einen unsauberen schwarzbärtigen Mann, der wie ein jüdischer Kleiderhändler aussah und sich über den Toten beugte. Unmutig fragte ich einen meiner Leute,
BDr-cesasÄ
Bekanntmachungen ber Stadt Marburg die endgültige Zustimmung. Bürgermeister Mueller fügte hinzu, daß mit Rücksicht auf die unglückl che Sage der Preise von diesem Ortsstatut nicht allzuviel Gebrauch gemacht werden dürste. Bezüglich bet früher genehmigten 200 Mil- lionen-Änlrihe. bi? wie schon mitgeteilt, dujch die Truckkosten avfgezeht! wird, wurde beschlossen. wenn möglich diese rückgängig zu machen
Marburg und Untqeoenb.
Marburg, 8. September (Scheiding).
* D i e Jugendabenfeier in der Michelchen- kirche findet am Sonnabend den 8. d Mts., abends 7Vi Uhr statt, nickt Sonntag, der Sonnlags-Vor- irag von Hauptkebrer a. D. tteberfckaer, nachm. 2 Üßr int Hörsaal des alten Universitätsgebäudes, den Herr Universstätsprorektor Pros. Sckwenkenbeckter freunblichft zur Verfügung stellt. — Die Fugendabend- fcler am Sonnabend in der MickelchenNrcke wird, Ivie zu Possen ist. auch zablreich ckesnckt werden. Sie soll die Sonntag-V erhmtdlmwen einleiten und daraus btntoeifeu, daß wir nur durch feste innere Einigung und wahre herzliche gottgewollte Nächstenliebe die folgenfimuercn Zeitereignisse ertragbar machen, denn nur durch nicktpotitische Jttgendeinsiellung wird eine spätere Volkseinheit vorbereitet. Wir wünschen von Herzen, daß diese Tagung Alle, die an ihr tetlnehmen, völlig einig finde und diese Einigkeitsfordentug auch Eindruck in den weitesten Fugend- und Volksweisen madre, zum Heil unseres Volkes und aller seiner Volksteile. Dazu trage Jeder bei, der Pflichtgefühl besitzt und sein Vaterland nicht bem Verderben preis- gegeben sehen will.
* Gegen b t e Kartosfclsckieber. . Zur Ucberivackung be5 Kartosfelhanbels bat die Rcicks- badndireftion Frankfurt a. M. alle EiscNVahndienst- stellen ihre» Bezirks angewiesen, den örtlichen Polizeibehörden jede Auskunft zu gewähren, damit dem sfarfon'etirmriier. wirksam entgegen getreten werden tonn. Auch sind die Versandstationen ermächtigt worden, bezüglich des Kcrrtoff-ssverkchrs Auskunft über ftottgebaöten Frachtverkehr zu geben.
* Gefängnis für Verkauf von Bargeld. Für das Einweckseln von größeren Papter- geldschcinen wird in letzter Zeit häufig ein sogenanntes Aufgeld verlangt und gegeben. Es scheint nicht allgemein bekannt zu fein, daß da? Gesetz vom 1. März i!'>19 den Erwerb und die Veräußerung von deutschen Banknoten und DarlehnSkaffensckeinert zu einem beit Nennwert übersteigenden Preise mit Gefängnis bedroht. Gleiche Strafe trifft denjenigen, ber soick- Geschäfte vermittelt Ober dazu mtffordert oder fick erbietet.
* Gegen d i e Bettelei im A>tslande. Der Preußische Siaatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege hat neuerdings darauf bingewiesen, daß ber von inländischen Wohlsahrtsorganisalionen im Ausiande betriebenen Sammeltätigkeit, da sie für das deutsche Ansehen tm Auslände eine ernste Gefahr bedeutet, mit Nachdruck eirtgegengetrctcn werden sollte. Tie Sammeltätigkeit ist nach §§ 1 und 2 der Bundesratsverordnung vom 15. 2. 1917 (R. G. Bl. S. 1433) von staatlicher Genehmigung abhängig. Gegen bewußte Verletzungen dieser gesetzlichen Vorschrift soll llrafrechilich borgegangen werden.
Neukirchen bei Ziegenhain, 6. Sept. Zu der vor wenigen Tagen von ber Oberförsterei hier anbe- raumten Holzverilcigermtg batten sich trotz der Erntezeit viele Kaufliebvaber etngefunben. Die Taxe war zuerst für 2 Raummeter Bnckercholz auf 5 Millionen Mark angefetzt, aber als der Preis überboten wurde, auf 6 und 7 Millionen erhöbt worden. Als sich ein Sturm der Entrüstung erhob und Worte wie „Wucher" u. a. taut wurden, machten die anwesenden Landjäger den Vorschlag, daß 2 Raummeter Hartholz für 6 Millionen und 10 Raummeter Reisbolz auf 2,5 Millionen festgesetzt wurde. Das wurde angenommen.
:: Neukirchen bei Ziegenhain, 6. Sept. Sonntag Abend gegen 11 Uhr entstand in bent Gehöft des Gastwirts Sfribt im nahen Ast:rode auf noch ungeklärte Weise Feuer: in kurzer Zeit stand dos ganze Gebäude -'n Hellen Flammen, sodaß an ein Löschen nicht zu denken war. Das Feuer sprang bann auf das Wohnhaus über, doch gelang es den Fenerwehren von Asterode, Neukirchen, Albewbe und Christerode, den Brand zu bekämpfen, sodaß wie der Mann durch die Postenkette gekommen wäre, und erhielt die Antwort, daß er sich für den Bruder des Ermordeten ausgegeben habe.
„Aha, vielleicht, daß nun Licht in dieses Dunkel kommt!" dachte ich bei mir selbst und berührte den Mann an der Schulter.
„Wer sind Eie, und was haben Sie hier zu schaffen?" fragte ich barsch.
„Ich untersuche die Leiche," murmelte der Mann im herkömmlichen Rotwelsch. „Ts muß mein Brud ■>: sein. Ach ja, es muß mein Bruder sein."
„So?" erwiderte ich. „Dann können Sie uns vielleicht sagen, wie es zugegangen ist, daß er hier in diesem Zustand aufgefunden wurde?"
„Ach nein, das kann ich nicht," seufzte der Fremde. „Aber wenn Sie ein wenig mit mir beiseite gehen wollen, will ich Ihnen etwas mitteilen, was Ihnen vielleicht als Anhaltspunkt dienen kann."
Obwohl ich den Menschen für etwas wunderlich oder auch betrunken hielt, beschloß ich doch, ihn anzuhören und ging eine Strecke in den Wald hinein.
Da schlug plötzlich eine ganz andere Stimme an mein Ohr und veranlaßte mich, blitzschnell herumzufahren. '
„Na, hast du ihn wiedererkannt?" ftagte die Stimme.
Der kleine gebückte Jude richtete sich hoch auf und blitzte mich aus lustigen Augen an.
„Du, Max?"
„Za, ich. Merkst du das erst jetzt? Na, wer ist der Tote?"
„Das weiß ich noch nicht. Kannst du es mir sagen?"
„Er trägt ja seine Visitenkarte auf der Brust," „Nun ja — aber wer ist Dobinjew?" „Monsieur Iwan."
„Nicht möglich! Wie kommst du auf den Gedanken?"
„Hast du das Muttermal am linken Handgelenk nicht gesehen?"
„3a, das wohl —“
nur ber Dachstuhl abbrannte. Das Vieh und die Wohnungseinrichtung konnte gerettet werden. Etliche Leuch Bannten es nicht unterlassen, den Abgebrannten, bot großen Schaden erlitt, auch noch während des Brennens zu bestehlen..
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He^en-Naffau und Na ; bargebiete.
Sichelnstein, 7. Sept. An den Folgen- eines Fliegenstiches gestorben ist ber Landwirt Ewig von hier. Er würbe von einer Fliege auf die Lippe gestochen «ich starb zwei Tage später unter großen Schmerzen ae Blutvergiftung.
Handels- undMarktnachrichten,
Fulda, 6. Sevt. Auf dem heutigen Viehmarkte waren aufgetrteben: 40 Bullen, 47 Ockfen, 182 Stiere, 203 Kühe. 162 Rinder und 34 Kälber, zusammen 673 Stück. Bezahlt wurden für das Stück: Bullen 600 bis 800 Mill. Mk., Ockfen 1000—1500 Mill., Fahr- sticre 700—900 Mill., Jungtiere (1-1% Jahr alt) 500—600 Mill., frischmelkende Kilbe 1000—1500 Mi«., ältere trächtige Kühe 800—950' Mill., Jnngrinder (1 bis 1% Jahre alt) 500—600 Mill., Kälber (3-4 Monate alt) 200-250 Mill., Kälber 3-4 Wochen alt) 100 bis 150 Mill. Mk.
Casseler Zttcktsckwieinernarkt. Es tour, den gezahlt für Ferkel bis 6 Mocken alt: 15—25 Mill., für 6—8 Wochen alte 50—100 Mill., für Läufer, fcktoeine, 3-4 Monate alt, 100—200 Mill. Mk. Tew denz flott. Der Markt wurde sckmell geräumt.
Zugverkehr zur Frankfurter Messe. Auch zu der vom 23. bis 29. Seviember 1923 statlfiu, dcnden Frankfurter Herbstmesse ist eine Reibe von Sonderzügen zu ermäßigten Pretsen vorgesehen, welche, anaefichts der am 1. September rintretenden weiteren Tariferhöhung, sich sicherlich befoudcrs starken Zufpruches erfreuen werden. In Bettackt kommen vor allen Dingen für Norddeutsckland die Linien Hamburg—Hannover—Cassel—Frankfurt a. M. und - Berlin — Halle (bezw. Leipzig) — Erfurt — Frankfurt a. M.
N fdhtamtliche R au fr fu 11er it o t i erun• a e n. Berlin, 7. Seot. Weizen- und Roggensiroh, drahtgepreßt 1150—1250: Haferstroh, drahtgepreftt 1000
1100; Roggen- und Weizenstroh, vindfabengepreßt 600—650; gebündeltes Noggecilangstrob 675—700; Heu, gutes 1100—1200. Heu, handelsüblich 950—1050, in JOOO ab Station für 50 Kgr.
Geld 2271300 2405970 75812 2891.75 3491 250
«rief ' 53132'0?
521300
9 7242'0
Brief 2285700 2418 03,1
75188- 2007.25
2606500 5583J00
Italien Slorrecgen Oesterreich Budapest 6 it) trieben
DLvilssi-Krrvse
Berlin, 7. Sept. Banknoten.
En,Nütze 239100109 240-3! 0000
Frankreich 294"625 2957375
Holland <50872.0 5112750
(Selb
Amerika 5280700
Belgien 5)8709
Dänische 05757'0
. ____ Sdimeij 953510
Dec Dollarknr» in Frankfurt betrug 13 000000 Mk.
Deutsche Wirtschaftszahlen.
7. September.
(Ein Dollar (mittel): 53000000 Mk.
Gülbantoufsrreis für 1 litt, {ein: 640 Dollar.
1 Solbmarf = 7885030 (5.. 7'124521 B. Vaoiermark.
Silberankaussprots für 1 Einmarkstück: 100.300 Mk.
Eoldz llauiget >: 245 359 90 ) Prozent
Rei»sbankbt-kont: 30 Prozent, (ab8. 9 >: 245 353 900 Prozrnl Eroßhanbelsindez (vom 4. Sept.): 2981 532.
Netoislebenshaltunqsiudex (uori 3. September): 1845261.
Ret.!.s'eabnmultiplikator für Perfonentariie: 60000J (ab 11.
Eevwmber: If-OOCOO).
Reich bahnmultiplitator für Etitertarij,: 1800600, (ab 11. 9.1:
4 500 000
Schlüsselzahl bei Buchhandels: 3 (00 000.
A Spsz. flrzi Dr.BoHaendsr rs
Frankfurt a. M., Vethmannstraize 56. (8886
Sterling schlug mir lachend auf die Schulter, j „Ist es dir deiln nie ausgefallen, daß Monsieur Iwan gewohnheitsmäßig den linken Aermel herab- zuz-ehen pflegte? Nein? Na, ich bemerkte es gleich und gab acht darauf, da ich mir dachte, daß er, irgendein Abzeichen zu verbergen trachtete. Und als, er einmal eine rasche Bewegung mit der linken, Hand machte, gewahrte ich jenes unverkennbare j Muttermal. Daß zwei Menschen ganz dasselbe Mal ' an derselben Stelle haben sollten, ist ausgeschlosseft, ! und deshalb können wir ruhig annehmen, daß der : Ermordete kein anderer als Akonsieur Iwan ist." |
„Ah, nun begreife lch alles!" rief ich aus. „Sie , war mit und wußte darum."
„Wer?" fragte Sterling lebhaft.
„Fräulein Tatjana."
. Sterling stieß einen leisen Pfiff aus.
„Erzähle!" sagte er finster und hörte meinen Bericht dann mit düsterer Miene an. ~ \
„Was für ein Teufel ist dieser Stoll!" murmelte , er, als ich zu Ende war.
„Du glaubst, daß e r den Alord begangen hat?" , .ragte ich. ;
„Ohne Zweifel. Das Radium hoffte er heute zu , erhalten, ich war, von Ljubows Genossen verfolgt,, aus dem Wege — das Spiel also so gut wie ge»; wonnen. Stoll ist aber ein Erzhalunke und hatte: keine Lust, den Raub zu teilen. Dobinjew hatte, seine Schuldigkeit getan und konnte gehen. Sobald. er beseitigt war, wollte sich Stoll dann mit seiner. kleinen Freundin Tatjana auf und davon machen. Und das schöne Fräulein ist wahrscheinlich bei dem Morde zugegen gewesen."
„Undenkbar!" rief ich aus.
__________________________________ (Fortschu-iz folgt)
Zn schönster gatbenotadji erstehen auf's neue alle Kleider, Büsten, Gardine» usw. «nr dir weltbdrü;«i-a echten Setteunw1» gen kett, Marke gud)stapf im Stern, gefärbt werden.
-ettrnan»'» gerbe wert bee gerbe«.