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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberhessen

/ Mt. 201

Die Zeitung" erscheint tetbemal wöchentlich. — $e$«gsytete menatlid)

1200000 M. freibleibend mit ZusteLungegebiihr. Für ausiallendeNuminer« ini.Ekretls oo.elementarer Ereignill« lei» Eria^ — Verlag von Dr. T. HiNerotd.— Druck der Univ^Luchdrnckerei von Jod. Äug. Koch. Markt 2123. — Herniprechrr 5s, Poft, Ickecklonto: Nr. 5015 Amt Frankiurt a. Mai».

Marburg

ÄMttStW. den 6. Lkvtmbtt

Scheid n.

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Der Anieigenvrei» beträgt für den Sgefp. ZeilenmMimeter t>0 000 Ml., Stellengesuch« u.Familienieigen LS'/.o/o Abzug. Mmtl. u. auew. Anzeigen 75 000ML Bei schwierigem Satz 50'/. Aufschlag. Sammelauzetgen 100*/. Aufschlag. Reklamen der Zeilenmillimeter LOO 000 ML Jeder Rabatt gilt al» BarrabatL Belege werden berechnet. Bei Lu»- kunft durch die Gelchästrst. ».Vermittlung der Angebote 100000M. bei Uebersendung durch ux* 100000 ML ohne Port«. Zahlung innerhalb nach 5 Tage» nach Rechnung«» datum, sonst nach der Berechnung de» Datums der Zahlung.

58. WO. 192$

GnoM »Ild znmkNlA SmMM.

Es wirb angekünbigt, daß bie Rckchsregserung einen besonderen Protest gegen die jüngste Gewalttat der Rheinlandkommission vorbereitet, die darin besteht, daß bie Kommission für sich dar Recht in Anspruch nimmt, Wcken in der deutschen Beamtenschaft des besetzten Ge- tietrs, die von ihr selbst durch die Ausweisung, Ver- I«ibung oder Einkerkerung von Br amten verursacht wor­den sind, durch Ernennungen aus eigener Machtvoll- >»mmenheit auszufüllen. Die Rhrinlandkommission be­steht au? je einem Vertreter Frankreichs, Belgiens und Englands. Natürlich ist der Schritt, "der ungefähr den Kipfel alles dessen darstellt, was bisher an Verge­waltigung und Verletzung des Rechts geleistet worden Ist; auf Frankreich und Belgien zurückzusühren. Erne Hhvoffere Verletzung der Befugnisse, die der Rheinlano- Wnmission selbst auf Grund des Versailler Fn-tens- Aertrages durch das mit Deutschland vereinbarte Stat,ii »orgezeichnet sind, kann man sich nicht vorstelle», denn darin ist ausdrücklich der deutschen Regierung di« Besetzung Miet Beamten stellen Vorbehalten, währerü) die Kom­mission nur ein allgemeines Auftichtsrecht besitzt. Es ist also schon die Ausweisung und noch vielmehr di« Be- straftlNg deutscher Beamten wegen der Ausführung deut­scher Gesetze eine schwere Verletzung des Völkerrechts im allgemeinen und des bestehenden Sonderrechts im spe'iel- Ln. Wenn man nun aber durch Majsenentsrrnunq von Beamten willkürlich Lücken schafft und diese Lücken ebrnw willkürlich auf eigene Faust aussüllt, dann läßt sich dafür Auch nicht mehr der Schein oder Vonoand eines Rechrs »finden, fotrtkrtt es ist nackte Willkür zu dem Zkwck, stie verschleierte Annexion des Rheinlandes an Frant- Widj vorzubereiten. t

Dabei erhebt sich aber eine andere Frage. Wir staben eben angeführt, daß die Rheinlandkommission ans je einem Vertreter Frankreichs, Belgiens und England? besteht. Wowar.alsdieserBeschlußerfolzte, der Vertreter Englands? Was hat Eng­land getan und was gedenkt eS zu tun, um Diesen unglaublichen Schritt der Kom- Mission rückgängig zu machen? Hat sich fein Vertreter auf Stimmenthaltung beschränkt, wie bisher, lcher hat er womög'ich zugestimmt? In seiner Not- an Frolffeich hol di-' englische Regierung auf die Unrecht- Näßigt.'i' des RuhreittfaklS hingewiesen. Hier handelt ti sich nicht mehr um eine bloße Unrechtmäßigkeit, son- ktn um eine schreiende Rechtsverletzung. Hier hat Eug- tent> Gelegenheit zu beweisen, daß es ihm mit seiner Stellungnahme ernst ist.

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Frankreich und die „wirtschaftliche Annäherung".

London, 5. Sept. Der Pariser Bericht­erstatter des „Daily Telegraph" schreibt, seitdem der beuffche Kanzler die Frage einer wirtschaftlichen Lnnähernng zwischen Frankreich «nd Deutschland erwähnt habe, befasse inan sich an amtlicher Stelle wieder mit dem Gedanken, und es sei möglich, bevor noch PoincarS seine versprochene Rede halte, die Auffassung der französischen Regierung über diese Krage anzugeben. Dr. Streseinann könne sich freuen, daß seine Rede ein sympathisches Echo ge­funden habe, denn sie habe bei einer sehr hohen Per­sönlichkeit in Paris das Eingeständnis hervor- gerufcn, daß eine wirtschaftliche Allianz mit Deutschland unvermeidlich und wünschenswert fest Es werde erklärt, dah Frankreich, wenn es die Versicherung habe, daß Deutschland aufrichtig nach erner wirtschaftlichen Vereinbarung strebe, die Verhandlungen mit den deutschen Industriellen wieder auf- «enoNtmen werden, die erinächtigt seien, im Namen des Deutschen Reiche zu spre­chen. Es werde sich keineswegs um eine Krage privater Verhandlungen mit einzelnen Magnaten oder einer Gruppe von In­dustriellen handeln. Ein wirtschaftlicher Block oder «in französisch-deutsches Industriekartell sei, wie »an glaube, weit billiger als in jeder Generation ein Krieg. Dieser Gedanke würde jedoch nicht weiter »erfolgt werden, wenn er den Reparationen Ab- 'struch tut. Er werde nicht ernster ausgenommen , verden, bis Reparationen gezahlt sind. — Der Ve- 'richterstatter erklärt, im Zusammenhang hiermit ; Müsse erneut betont werden, daß, solange Poincar6 .kür ule Reparationspolitik Frankreichs verantwort- «ch sei, keinerlei Abänderung der französischen For- iderungen stattfinden könne, und daß er selbst erklärt habe, daß, wenn er aufhöre, diese Politik zu kon- Kollleren, Frankreich darauf bestehen würde, dag kein Nachfolger sie zur Durchführung bringe.

Scheidern« nil in Schweden.

l Stockholm, 5. Sept. Oberbürgermeister Scheidemann, der nach seinen Vorträgen in Eothen- Mrg, Helsingborg und Lund auch von der hiesigen Mrbeiterkommune zu einem Vortrag gebeten war, Mrach über den Versailler Vertrag und die Lage in* Deutschland. Etwa 1500 Personen wohnten dem Wortrage bei. Dor Redner schilderte nach einer

kurzen Einleitung, in der er seine Freude über die wirtschaftliche und kulturelle Blüte des vom Krieg verschonten schwedischen Landes ausdrückte, zunächst in großen Zügen die hauptsächlichsten Bestimmun­gen des auf der Lüge von der Allein­schuld Deutschlands am Kriege auf­gebauten Versailler Diktats. Er legte dann dar, welche Lieferungen Deuaschland auf Grund dieses sogenannten Vertrages bisher an die Entente gemacht hat. Hieran schloß sich eine eingehende Schilderung der durch den Vertrag in Deutschland hervorgeru- senen Notlage. Der Vortragende betonte zum Schluß, daß nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa die Revision des Ver­sailler Vertrag es eine Lebensfrage sei und schloß mit einem Ausblick auf die Ver­einigten Staaten von Europa, die aber kein staat­liches Gebilde, sondern nur eine auf friedliches Zu­sammenleben eingestellte Vereinigung darstellen sollen. $ie Ausführungen des Redners, insbeson­dere die Schilderung der deutschen Verhältnisie, machte auf die Zuhörerschaft einen starken Eindruck. Oberbürgermeister Scheidemann hat sich nach Ker- köpiug begeben, wo er über das gleiche Thema spreihen wird.

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9« ttiE-MW 3röW.

1 Paris, 6. Sept., Die Bvtschafterkonserenz ist zu, Beratung der gri-chisch-cktalienislhen Stre-tfraze gestern vormittag um 10 Uhr zusammengetret-n im Quai d'Orsa" und hat bis £/tl Uhr timten, lieber die Sitzung wird folgeicker amtlicher Bericht ausgegeben: Die Botschafter. Inferenz bat die Antwort Griechenlands auf ihre Note Iber die Ennordung der italienischen Grenzkommcksion geprüft. Sie bat im besonderen davon Kenntnis ge­nommen, daß Griecknmland sich bereit erklärt, wenn seine Verantwortung erwiesen würde, alle Reparationen an- mnebmen, die die Botschafterkonierenz gerecht finde, so­wie davon, daß die griechische Regierung den Vorschlag mache, eine Untersuchungskommission zu bilden die den Anftrae haben solle, die Suche nach den Schuldigen zu fördern und die aus den Delegierten der drei in bei Krenzkommission vertretennen Mächte besahen solle. Die nächste Sitzung der Boischafterkvnferenz wird spätestens am Freitag stattsinten. Diese Entschließung ist e'nst- weifen dem Generalsekretariat des Völkerbundes mir* geteilt worden.

Wie Havas dazu mitteilt, scheint eS, daß die Bot. schafterkonftrenz bei aller Zustimmung zu dem griechi­schen Vorschlag über die Einsetzung einer Untersiichuntz?. Scanmission heute noch keine Entscheidung hat trefft» könne», weil mehrere Delegierte dem Wunsche Ausdruck gaben, do» ihren Regierungen ergänzende Weisungen -in- zubolen. Es sei übrigens wahrscheinlich, daß auch tonst die Botschafterkonierenz aus Höflichkeit «für den Völk-r- kurst, nicht sofort einen Beschluß gefaßt hätte, da sie von dem Bund demnächst eine Mitteilung über den gricchisch- italienischen Streitfall erwarte.

Genf, 5. Sept. Ein sehr eindrucksvoller Augen­blick in ber heutiges öffentlichen Sitzung des Vö'ker- bundsrates in dem griechisch-itakspnischen Konflikt war es, als Lord Robert Cecil vor der Eröffnung der Delati» durch einen Bölkcrbundsbeamten die Artikel 10, 12 und 15 des Paktes in französischer und englischer Sprache ver­lese» ließ. Nach der Bemerkung Lord Robert Ceci'?, daß eine Mißachtung dieser Artikel, die in dem Frie- bensvertrage ständen, die gegenwärtige europäische Ord­nung erschüttern würde, klaschten viele englische Znhorn Beifall. Ein anderer spannender Moment entstand, als der griechische Vertreri-r bemerkte, daß Salandra eine offizielle Ansicht vertrete und daß man nicht das Reckt habe, sie für seine persönliche Ansicht zu halten, woraus Salandra unterbrach und sagte, eS sei auch seine beq'n- tiche Ansicht. Zwischen dieser und der offiziellen te- stehe kein Unterschied. Nach Anfang der Sitzung wurde ein Brief Salandras verlesen, in oem er der griechischen Darstellung der Beschießung von Korfu entgegentrat und vor allem hervorhob, daß der griechische Kvmmandunt die Verantwortung für den Tod der Flüchtlinge trage, dr er sie nicht rechtzeitig entfernt habe. E^ selbst habe sich in Zivillleidung gefiüchtet.

Athen, 6. Srpt. Wie die Agcnce d'Athenes mft teilt, erhoben alle Gesellschaften unb- Korporationen des Köingreichs Proteste gegen die italienische Aktion und billigten die Haftung bet Regierung.

R o m, 5. Sept. Die Agenzia Stefani erhielt ein Telegramm der albanischen Regierung aus Tirana, in dem diese erklärt, die Antwort der griechischen Regierung an den Botschafterrat habe die Ehre der albanischen Na­tion beleidigt und die Entrüstung über die griechische Barbarei gesteigert. Die albanische Regierung habe ent­sprechende diplomatische Schritte unternommen und ener­gisch protestiert, denn die gegen die albanische Nat on ge­richteten verleumderischen Unterstellungen würden schon durch die unwiderlegliche Tatsache entkräftet, daß sich in ganz Südalbanien keine einzige Bande beffnee.

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Eine lebensgefährliche Ausgabe.

Rom, 5.Sept. Die „Epocha" m-Ibet aus Janina: Der serbische Delegierte der GrenzabfteckungskoMmission für die albanischen Grenzen habe ein dringendes Schrei­ben an seine französischen Kollegen gerichtet, indem er sie aufjortert, dir Grenzfestfetzung im Noroosten gegen Gulari

aufzugeben, da die montenegrinische Bevölkerung nicht daran denkt, das Albanien »«gesprochene Gebiet zu räumen. Er fügte hinzu, daß feine Regierung die Garantien für bie Sicherheit bet französischen Delegation nicht übernehmen könnte. Andere Blätter, inslesontere das „Giornale d'Jtalia" und bet „Sortiere b'Jtalia", veröffentlichen ähnliche Informationen. Zahl­reiche albanische Abgeordnete find in Valona zusammen- getreten, um über He Lage zu beraten. In Rom ist sogar das Gerücht int Umlauf, daß albanische Truppen an bestimmten Punktender Grenze zusammengezogen würden.

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Zm Soge in »en Weilten Meten.

Aachen, 5.Sept. Heute Nachmiftag tritt bis zum 12. September einschließlich für tert Stadtkreis Aachen eine neue Verfehrssperre für Kraftfahrzeuge ein. Auch der Fußgängerverkehr wird von abends 8 Uhr 6i5 mor­gen? 5 Uhr gesperrt. Die Verlängerung ter Verkehrs- sperre ist ohne Angabe von Gründen erfolgt.

< Köln, 5. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Düsseldorf: Der stellvertretende Regierungspräsident von Amelunxen ist von den Franzosen ausgewiesen worden. Es ist dies ter fünfte Stellvertreter des ausgewiesenen Re­gierungspräsidenten Dr. Grützner.

Auch noch Sequestrierung!

Düsseldorf, 4 Sept. Zu scharfen Maßnahmen zur Beitreibung ter Gellrstrasen geht General Degouttr vor, indem er l -rfügt, daß bte dem Verurteilten gehörigen Gelter und beweglichen Güter beschlagnahmt und verkauf! werten. Die unbeweglichen Güter sollen sequestriert werten. Die Einkünfte aus den verkrusten beweglichen Gütern sind 6t8 zum Höchstbetragr ter Schuld des Verurteilten zur Ladung der Geldstrafe und Ent­schädigung bestimmL j

Essen, 5.Sept. Mr die „Rhrin.-Westf. Zeitz." meldet, haben die vorgestern unter dem Vorsitz de» Ver­treters des Reichskommiffars in Bochum gepflogenen Verhandlungen tut Beilegung der Krise im Bergbau zu feiner vollständigen Einigung geführt. Die Vertreter des ZechenverbandeS, die Direktoren Hold und Miskott, erklärten sich bereit den Bergleuten, die heute an fahren, 10 Millionen Mark auszuzahlen, während diejenigen Berglrut», die bereits gestern mittag anftthteu, 30 Mil­lionen Mark auSgezahlt erhalten sollte«. Diese fttztrre Summe soll noch bei den Bergleute» erhöbt teerten, die sich bereits in ter vergangenen Woche zur Wiederaufnahme bet Arbeit bereit erklärten unb auch tatsächlich angefahr-n sind. Hinsichtlich ter Wiichereinstelkung bet Gem.rß- regtlten stellten sich die Vertreter b«S ZechenVetdauteS auf den Standpunkt, daß sie in dieser Frage überhaupt nicht zu Verhandeln Hütten.

Berl in, 5. Sept. Wie aus dem Ruhrgebiet ge­meldet wird, wurden auf Schacht Wilhelm Elise 20 Mann festgestellt, die bereit waten, in den Dienst der Fran- zosen zu treten. Bon ter Gesamtbelegschaft von 1409 Mann auf ter Schachtanlage Hubert haben sich bereits 1200 Manu wieder zur Einfahrt gemcloet. Damit ist das Unternehmen der Syndikalisten und Unionisten voll­kommen wieder zusammengebrochen In einigen Tagen tesit man, die Seilfahrt wieder aufzunehmen. Auf ter Bikwria Mathias-Zeche ist die Belegschaft vollständig eingefahren. Mit Hilfe ter blauen Pcklizer und eines von den Belegschaften gebildeten Selbstschutzes weroen alle terroristischen Elemente niedergehalten. Die Gas­versorgung ter Stadt Essen kann in einigen Tagen wicter voll ausgenommen werten.

Rauxel, 6.Sept. Die Zeche Viktoria soll von den Franzosen in eigene Regie genommen werden. AuS diesem. Grunde sind betefts französische Ingenieure und Arbeiter eingetrvffen. In den letzten Tagen sind fast alle Be­amten ter Zechen bk sich gewehrt hoben, unter fran­zösischer Regie weiter auf ter Zeche Viktoria zu arbei­ten, von den Franzosen verhaftet worden, welche ihnen di- Ausweisung angebroht haben. BiS gestern befanden sich -ettoa 50 Beamte in französischer Hast.

Münster, 5. Sept. Im Mülheimer Bergbaubezin find dir Belegschaften sämtlicher Zechen nunmehr wieder -inqesahren mft Ausnahme ter Zeche Hagenbeck. Im Recklinghäuser Bezirk sind die Belegschaften ebriffallS toktxr eingefahren. In Gelsenkirchen haben die Fran­zosen in der Bahnhofstraße ein Haus beschlagnahmt und berin eine Buchhandlung eingerichtet. Der Bahnhof Friedrichsfelo bei Wese! wurde von den Einbruchsiruppen besetzt. Am 1.9 wurden 6 Personen verhaftet, und am 4.9. vom Milltärpolizeigencht Dortmund 9 Personen zu insgesamt 8 Monaten 26 Tagen Gefängnis und 104 GvLmark Geldstrafe verurteilt.

Str Mr 20 RMom!

Wir befinden uns wieder einmal in einem Stadiuin der wirtschaftlichen Verständigung, in welchem alle mühc- elig- Arbeit auf innen- unb außenpolitischem G.b et durch unerhörte Vorgänge an de- Börse zufchanden z» werden droht. Durch innen- oder außenpolitischen Gcrmd nickt im geringsten gerechtfertigt, hat neuer­dings an ter Börse eine Haussebewegung auf dem Devi'en- markt eingesetzt, die alles zu zerschlagen droht, wrs wir n tett letzten Wochen aufzurich en bemüht waren.

In dem für die deutsch: Wirtschaft geradezu vec- Ixxrenben Freiverkchr der Berliner Börse sind dieser Tage für den Dollar 20 Millionen Mark geboten wo:ten unb drängende Nachfragen aus oem unbesetzten Gebiet wach englischen Pfunds sind ausgetreten. Und dieser ___' —- ___ ____

Kurs würde sogar 25 Millionen Papiermark für eine» einzigen Dollar bedeuten! Und dieser Kur» wurde heute früh tatsächlich noch Überbote«. ,

Alle Steuern, alle Ankündigmigen Von neue« wäh­rungspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung, fdbft, Börsengerüchtc über Erwägungen im Schoße des Kabinett hinsichtlich der Beschlagnahmung sämtlicher Devise« «ck Balutenpavirre habe« nicht vermocht, Einhall zu hau Im Gegenteil: ES geht rasender, wirrer und wilder aU je an ter Börse zu! Die Regierung kann diesem Treibe« mit normalen Mitteln nicht mehr wehren. Sie ist muß an- eigener Kmft nicht imstande, derart auf den Devisen», markt einzuwirken, daß eine vernünftige KurSregaliernnU zustande käme. Die knappen Bestände ter ReichSbanr «öligen sie vielmehr zur Fortsetzung ter «nglücks'eüge». Taktik der Zwongsregulierung der Kurse «nd der auße»- ordentlichen Repartierungen, also der Beschränkung tu de». Zuteilung der Ansprüche. Dfese Taktik führt neuer», dings zu empörenden Methoden. Die Äittfe de» Fret-, Verkehrs, ter n a ch ter amtlichen Notierung einsetzt, wer», den an das ganze Ausland weitergegeben unb bilbe« auch die Grundlage für die ausländische Kurs- insbesondere flbk d« Newyorker Notierung. So wird die deutsche Mach immer mehr von innen heraus unterhöhlt unb dem Au»» lande gegenüber schlecht gemacht.

Es gibt nur zu denken, daß die größte Nachftage nach Devisen auS den besetzten Gebieten, namentlich au» de» Industrie-Bezirken des Rheiulantes kommt. Ban boxt, werten Devisen zu unheimlichen Kursen «nd flberaai, dringlich angesortert. Diese überstürzten und zu ieba# PrnS erfolgenden Angebote bilden für die Spekulativ»' einen Anreiz, mit ihren Beständen zurückzuhalten (» Erwartung nnoch höherer Kurse. Die Regierung mu|; diesen Dingen auf daS ernsteste nachgehen. Aus alchenk ergibt sich jedenfalls, welche tödliche" Wunde im bei*! scheu Wirtschaftskörper das „Loch im Westen" ist, doD> schon immer bi," deutsche Wirtschaft und mit ihr bk deutsche Politik gerate in den entscheidensten Momente» auf das unheilvollste getroffen hat Die jetzige Ent­wicklung ist ger<ü>ezu irrsinnig.

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Berlin, 8. Sept. Wie die „®. Z." erfährt, finden heute über eine Verschärfung der Devisen«. Verordnung Resiortbesprechungen in den beteiligte» Ministerien statt, deren Ergebnis »sch im Verlauf Vieser Woche in Form einer Ergäuzungsverordnuug bekannt werden dürfte. Die Bemühungen sollen sich ! hauptsächlich in der Richtung auf eine verschärfte Form der Erfassung und eine Erweiterung de» Kreises der konirsllpslichtigen Desisen?n!e^"ealen bewegen.

$es MrsMmmsdo md St. ZeiWk.

Berlin. 5. Sept. Z» dem Angrisf d«r sächsische» MttUsterprLstdentcn Dr. Zeigner gegen den Reichs» wevnntntster in der .Sächsischen StaatSMtnng" er» NLrt das RetchSwehrmlnisterium: Nach der Rede Dr« ZetgnerS in Leipzig am 7. 8. erklärte das Wehrkreis- - kommando 4 dem Reichswehrinintstertum, daß e3t einem ehrltebenden Soldaten nicht mehr iitgemKtel werden könne, mit dem Ministerprüsidenten Dr. Selig, «er zusammen die BerfassuirgSfeier zu begehen und! überhaupt weiter mit ihm zu Verkehren. Der Reichs«, wevnntntster schloß sich dieser Auffassung dahin an, daß er daS Wehrkreiskommando semamtttch antote»,' eine gesonderte Bersaffuugsseter abzuh alten und lebe»; persönlichen Verkehr mit Dr. Zeigner solange zu ver­meiden, biS die durch keine Rede geschaffene Lage ge-' klärt fei. Daß hierdurch die dtenstlichen Beziehungen' mr sächsischen Regierung nicht beschnitten seien, geht an» dem fchrtstftchen Befehl beS ReichStoehrmtntsterS 1-sm 22. 8. hervor, durch den bet Verkehr mit der sSch» fischen Regierung 'm toesenllichen aus die Fäll« 6e», schränkt wurde, wo öffentliche Notfäll« oder GeMr»! dnng der SffenMchen Ordnung gemäß § 17 des Wehr-' gesetzeS eS ersordern. Diese ErttscheidUng liege mich der telegraphischen Mitteilung des Reichskanzler» <m den Ministerpräsidenten Dr. Zeigner vom 21. 8. zu gründe. Der Rrichswehrminister hat die Gründe seiner Haltung gegenüber dem derzeittgen sächsischen Mlnlsterpräsidenten vor einiger Zeit dem ReichSkabi. nett mltgetettt, von einer Inanspruchnahme bet' Oesfentlichkeit jedoch abgejeveir um Int Jntereffe der Staatsauloritäl nicht das besihämende Bild eine? Kampfes zwischen einem Minister bc» Reiche» unb; dem Minister eines Landes zu geben.

Tagung her InttrnaMtn Fravevkiga. ’

Dresden, 5. Sept. Die internationale Statten»' ttga für Frieden und Freiheit ist vom L bis 6. Sepfe! zu einer Exckullvsitzung In Dresden zusanimengetre- ten Vertreten sind England, Frankreich, Bulzarten, Schweden, Ungarn, die Ukraine, Tschecho-Slowaket, Oeslcrretch und Deutschland. D>e erste Sitzung wurde, von der ziveiten Vizepräsidentin, Frmt Hcymann!. Deutschland eröffnet. Hieraus begrüßte Ministerprä- sident Dr. Zeigner bte Versamnllung namens bet sächsischen Regierung. Er betonte, daß es ohne viel Mtlarbcii der Frauen keine Möglichkeit gebe, aus den. Wirrulsfen der Gegenwart heraus zu kouuncn. Rach dem Zitsammenbruch, -agte er, Hobe» vGr große Hofs« nungen auf die geni-lnsam« Zusammenarbeit bet Völker gesetzt, wir haben uns aber getäuscht, tot« e9 jetzt auch wi der der Italienisch-griechische Zwischen­fall beweist. Der Ministerprästdeitt schloß mit dem Hinweis, das; die sächsische Regiclung die Idee» bet Frauenliga, die von vielen für eine Utopie gehalten würden, vollkommen teile unb hoffe, daß sie den Steg behalten wurden. Die Vorsitzende dankte sür bte Be­grüßung und betonte, daß erst durch eine UmsteLmt« der Menschen zu einem anderen Geist der Weg rn