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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurhessische) ObethesM

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Rr. 204

Die «OberheMich» Zeitung" ericketnt itcbsmal wöche.UIick. Lezug-preir monatlich 4500005t. freibleibend mtt ZusteNungsgebühr. Für ausiaNende Nummern inf.Streiks ob- elementarer Ereignis!« kein Ersatz. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ^Buchdruckerei von Job. Lug. Koch. Markt 2125. Fernsprecher 55, Poft« ickeckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg gmlM. htn 31. AM Srutiug

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58. Mi.

1923

Sie 9tWe Wnrart.

Wähnend Poincare feinen Standpunkt als äußerste Dorderungen bezeichnet, über die Verhandlungen nicht Möglich seien, wendet sich die belgische Mg'erung au 3 kücklich gegen die englische Behauptung Belgien mache hdes Kompromiß von einer vorherigen prinzipiellen An- «hme seiner Ansprüche abhängig. Belgien weist ine ihm V»geschobene Absicht, endgültig tm Ruhrgebiet zu fclei- ten, zurück und macht den Vorschlag, da; Ruhrpfand tiner interalliierten Kontrolle zu unterwerfen. Im fibn« MN wird eingehend die Frage der belgischen Reparations- Ansprüche behandelt und auf den engen Zusammenhang zwischen dem Neparationsproblem und dem der inter- Uliierten Schulden hingewiesen. Nachdem auch England Inne Forderungen präzisiert habe, könne nunmehr die wische Schuld beträchtlich herabgesetzt werden. Offen- Gar für Frankreich bestimmt ist die Forderung, dieSi- cherheitsfragr" zu lösen. Es bestehe keine Möglichkeit, Ne Rüstungen einzuschränken und Ruhe und Frieden zu sichern, ehe dies nicht geschehen sei.

In Frankreich erkennt mau sehr ivohi, daß Belgien Miter dem Druck der Berhällnisse sich von der franzö fichen Bonnprchschaft lösen will und eine Annäherung tot England sucht. Die wirtschaftlichen Schädigungen, Ne die für unsere Feinde so wenigproduktive" Ruhr- Äion gerade auch in Belgien hervorgerufen hat, stärkt leimet mehr die Kreise, die auf Verständigung drängen. Ammerhin wird man gut tun, die belgische Antworl- «ete vorerst in ihrer Wirkung nicht zu überschätzen, son- krit mehr als Symptom zu werten. Bezeichneno ist <1 auch, daß die französischen offiziösen Kreise sich, noch * der volle Wortlaut der belgischen Antwort bekannl Mr, schon beeilte, diese alsbedeutungslos" zu bezeich- »n. Das ist natürlich auch übertrieben, nach der an- Geren Seite hin. Wenn Belgien festblribt, kann feine Mote die Einleitung einer neuen politischen Konstella­tion darstellen.

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Poincar, . der Rekordredner!

Paris, 30. Aug. PoincarS wird am Sonntag Gen 2. September an drei verschiedenen Orten Re­den halten. Am Sonntag den 9. September wird Poi ncar4 bei zwei Denkmalsenthüllungen im Maas- Gepartement spreche^. Für Sonntag den 16. Sep- tanber wird eine weitere Denkmalsrede Poincar6s, Ne gleichfalls im Maasdepartement gehalten wer- Grn wird, angekündiat.

Hardings Testament?

Rach einer Meldung aus Newyork hat dort ein asm 15. Juni datierter, nunmehr veröffentlichter Brief des verstorbenen Präsidenten Hardtng be­trächtliches Aufsehen erregt. Der frühere Präsident H darin erklärt haben, daß er mit feinem (ve­rrissen nicht mehr länger eine absolute Passivität and Isolation der Vereinigten Staaten vereinbaren Sv ne. Der Präsident hat ferner den von einigen amerikanischen Zeitungen angeregten Gedanken einer Umfrage im Lande über die Anteilnahme Amerikas an den europäischen Angelegenheiten be- .Wcützt. Präsident Harding hätte sich mit dem Plane der Einberufung eines Weltkongresses getragen und tn dem Brief habe er sich wörtlich geäußert:Ich Gin lange der Ileberzeugung gewesen, daß die Ver- dnigten Staaten nicht in den Völkerbund eintreten ßnnen und sollen, aber ich habe diese Ansicht geän­dert. Ich hoffe jetzt, daß der Weg für eine Welt- affoziation gefunden wird."

Dentschand hat den Weltkrieg nicht gewollt.

Der Mailänder Historiker Corrado Barbagallo hat soeben in der von ihm herausgegebenen histori- sthen ZeitschriftNuova Rivista Storica" eine Reihe fortlaufender Studien veröffentlicht, die sich mit der Schuldfrage beschäftigen. Am Ende seiner Dar- kgungen wirft der italienische Historiker die Frage auf:Wollte Deutschland den Weltkrieg?" In wuchtigen Sätzen kommt er zu dem Schlüsse, daß fceber der Kaiser, noch die Militär-, am wenigsten Mr die Zivilregierung Krieg entfesseln wollten, um die Welt der deutschen Herrschaft zu unterwerfen. Die deutsche Regierung, beweist er, wollte fieber­haft und ohne jeden Zweifel den Frieden.

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DieÄkMMMkW M hMIÜÖ'faW?

Paris, 30. Aug. Der Londoner Korrespon­dent desNew York Herald" meldet: Man nimmt A», daß auf der nächsten Tagung des Völkerbunds- Versammlung eine neutrale Macht die Reparations- Kage aufwerfen roetbx Die englische Regierung würde in diesem Falle, wenn nötig, sich über ihren Standpunkt aussprechen, jedoch nichts weiter unter- »ehmen.

Wien md die Hemntzim.

Sonfccn, 31. Aug. Mussolini äußerte sich int ge »ritzen Ministerrat über die Nuhrfrage und erinnerns

dabei an feine Erklärung vom 8. Juni im Senat, mbcm -r hinzufügte, neue Tatsachen liegen nicht vor, wie es -lNe ausdrückliche Erklärung Englands hätte sein können, daß es, bereit wäre, die Schulden zu streichen, sodaß die Alliierten ihrerseits in entsprecheickem Verhältnis Deutsch­land hätten Zugeständnisse machen können, oder wie es eine Erklärung Deutschlands ge­rne sen wäre, daß es auf den passiven Wi­derstand verzichte. Die einzigen neuen Tatsachen sind daher, daß das Kabinett Stresemann ans Ruder ge­kommen ist unfc daß Belgien in seiner Note an England eine gewisse Sonderstellung eingenommen hat. Zu- fammenfassend tagte Mufsolini, diese alliierte Macht nähme künftig ihre besondere Haltung ein. Indessen wird jede dieser Mächte sich davor hüten, in ihrer Hal­tung so weit zu gehen, daß dadurch ein endgültiger Bruck der Entente entstehen könne. Die Lage hat sich leickt gebessert. D« belgische Note nähert sich, wie ans dem Schriftstück hervorgeht, der stalienischen Auffassung. Man dürfe nicht glauben, daß eine Regelung nahe 6** Vorliebe. Italien wird im gegebenen Augenblick das Gewicht seiner Stimme und seiner Akt-on geltend machen, damit eine Lösung gefunden wird, welche den internatio­nalen Interessen Italiens Rechnung trage und Deutsch- fionfc eine Zahlung auferlegt, sie gleich^irig gerecht ist und das Chaos in Deutschland verhindert dessen Rück­wirkungen für ganz Europa verhängnisvoll wärm. Nach­dem Mussolini noch die Fiumer Frage kurz erörtert uno zur inneren Lage Italiens festgestellt hatte, daß sie Vollkommen befriedigend fei, billigte der Ministercat ein­mütig Mussolinis Erklärungen, seine innere und auswär­tige Politik, sowie die getroffenen und entsprechend den Ereignissen noch zu treffenden Maßnahmen.

Sodann beschloß der Ministerrat, die Ber!valt"ngs- zweige von Post, Telegraph, Telephon mit denjenis der Eisenbahn und der Handelsflotte in einem einzigen V«- keh-rsministerium zu vereinigen.

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Hit MuMklmfokWg in Metta Miet

Berli rt, 30. Aug. Rach Blättermeldungen hat die Reichsregieiung für die Versorgung des besetzten Gebietes mit Lebensmitteln die erforderlichen Maß­nahmen getroffen. Naturgemäß bestehen für diese Versorgung infolge der willkürlichen Maßnahmen der Besatzung ganz besondere Schwierigkeiten, so daß die Maßnahmen der Reichsregierung nicht in allen»en eine Besserung. herbeiführen können. Besonders Beschränkungen des Verkehrs erschweren die Lebensmittelversorgung, wenn auch bi« Fran­zosen versichern, daß sie sich der Versorgung mit Le­bensmitteln nicht widersetzen. Zu den Perkehrs- schwierigkeiten kommt noch eine Verschärfung der Lage durch die Wegnahme Son Geldern durch die Franzosen, die auch eine glatte Versorgung des Ge­biets durch den Handel beeinträchtigt. Die Reichs­regierung ist trotzdem bemüht, allen Schwierigkeiten nach Möglichkeit abzuhelfen. Es ist auch schon eine gewisse Erleichterung gegenüber der Lage einge­treten, wie sie vor einigen Wochen bestand. Die Maßnahmen der Reichsregierung erstrecken sich vor allem darauf, Lebensmittel in das besetzte Gebiet hereinzubringen. Besondere Schwierigkeiten er­gaben sich dadurch, daß mehrere wichtige Reichsbank­stellen ihre Funktionen nicht mehr ausüben konnten. Dafür wurden Ersatzstellen zur Durchführung der finanziellen Maßnahmen eingerichtet, und eine Er­leichterung 'ist dadurch zu schassen, daß die Reichs- ban? Akzepte annimmt, die neben der Unterschrift des Händlers die der Städte tragen. Der Ernäh­rungsminister trat dafür ein, daß die Zuteilung von Devisen für das besetzte Gebiet besonders geregelt wird. Dis Reichsbanl stellte größere Mengen von Devisen für Rhein und Ruhr zur Verfügung. Am 15. August wurde sämtliche heranrollende Marga­rine sofort für den Verkauf sreigegeben. Der Man­gel ließ sofort nach. Auf Grund der Verhandlungen dos Ernahrungsininisters mit der Rcichsbank ist zu erwarten, daß die Versorgung mit Fett und Mar­garine dauernd ausreicht, event. müßte Margarine direkt aus dem Ausland eingeführt werden. Die Versorgung mit Speck ist noch nicht völlig befriedi­gend, da auch hierbei der Devisenmangel maßgebend ist. Die Fleischuersorgung ist infolge geringer Be­schickung der Viehmärkte knapp, jedoch ist eine Bes­serung zu erhoffen, sobald das Vieh von der Weide wieder zurückgenommen wird. Die Versorgung mit Gefrierfleisch ist ebenfalls durch die Devisenlage be­einträchtigt. Mit Getreide für die Morgenbrot- verforgung ist das Gebiet bis zum 15. Oktober aus­reichend beliefert. Auch darüber hinaus werden Maßnahmen für die Sicherstellung der Versorgung getroffen werden. Bei der Kartoffelversorgung werden die Verkehrsschwierigkeiten eine ausschlag­gebende Rolle spielen. Daß Kartoffeln an das Ruhrgebiet herangebracht werden, ist nach den Maß­nahmen des Verkehrsministeriums nicht zweifelhaft. Auch wenn die diesjährige Kartoffel nicht wieder eine Rekordernte fein würde, so werden doch über­reichlich Kartoffeln vorhanden sein, da eine durch­schnittliche Ernte 25 Millionen Tonnen ausmacht,

wir aber nur acht Millionen für die menschliche Er­nährung brauchen. Dem Kartoffelhandel werden die erforderlichen Kredite zur Verfügung stehen, durch die neubegründete Kartoffelkreditbank, die unter Leitung des früheren Staatssekretärs Peters steht, der mit den Ernährungsfragen vertraut ist.

Buer, 30. Aug. Der Euterzugverkehr bis W e st e r h o l t wurde deutscherseits wieder auf genommen; auch die Strecke Vuer-Nord ist wieder in Betrieb. Dies ist für die Lebensmitiel- uersorgung des Ruhrgebiets von größter Wichtig­keit, da die Strecke die einzige deutscherseits betrie­bene Bahn ist, die weit ins besetzte Gebiet hinein­reicht und die Anfuhr nach großen Vevölkerungs- mittelpunkten geüattet.

Tie Streikkrisis im Ruhrbergbsn.

Essen, 30. Aug. Der krisenhafte Zustand im Berg­bau dauert an. Gestern ist in Essen der Vertreter d'S Staatskommissars, Mehlich, eingetroffen, der zunächst Verhandlungen mit den Zechenleitern führte. . Arn Abend fanden Besprechungen Mil den Vertretern der Bergleute statt. Auf drei Zecken ist es im Laufe des gestrigen Tages zu Demonstrationen gekommen, die in­dessen ruhig verliefen.

Essen, 30 Aug. Auf den im Landkreis Essen gelegenen Zechen ist die Belegschaft in übet miete nie i Mehrbeit angefahren, während die Arbeit auf den Zecken des Essener Stadtkreises noch ruht. Sollte in den Ver­handlungen keine Einigung zustandekornmeu, so muß mit einer Ausdehnung der Bewegung auf alle Schachc- anlagen gerechnet werden.

Ar MehMm.

Münster, 30. Aug. Zn Vohwinkel werden weiterhin Leute mit vor dem 19. August abgestem- pelDn englischen Geleitscheinen von den Fran­zosen angehalten. Auch neue, in Köln ausgestellte englische Eeleitscheine für die Ausreise werden be­anstandet.

K ö l n, 30. Aug. DieKöln. Volksztg." meldet aus Herne: Der Steuerassistent Wiegelner vom Finanzamt Herne ist bei dem Versuch, die Grenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet zu überschreiten, von den Franzosen erschossen worden.

Paris, 30. Aug. Nach einer Havasmeldung ist ein Deutscher auf der Eisenbahnstrecke Düren- Trier von einem französischen Wachposten er- schossen worden.

Die Eelddiebftiihle der Franzosen.

Düsselborf, 30. Aug. Gestern ist ein Geldtrans­port von einer Billion drei Milliarden Mark Stadtgeld von den Franzosen weggenommen worden. Die Fort­schaffung dieser ungeheuren Summ« Vereitelt den soeb:n mit den äußersten Mitteln wieder hergestellten Geldver- kehr in Düsseldorf dermaßen, daß keine Zahlungsstelle mehr in der Lage ist, z» übersehen, wie weit ihre Zah­lungsmittel noch reichen werden. Der Umstaick, daß dies: Wegnahme unmittelbar vor btm Lohntage erfolgte, läßt darauf schließen, daß es den Franzosen darauf -an­kommt, Ruhestörungen zu provozieren, die dann vermut­lich von ihren Schützlingen, den Sonderbündlern, für ihr besonderes Handwerk ausgenntzt werden sollen. Gene­ral Degoutte ist, da er persönlich Beschwerden nicht an­hören will, durch Vermittlung der Ortskommandanten darauf hingewiefen woroen, daß an eine Aufrechterhal­tung des Zahlungsverkehrs bei diesem Vorgehen der Besatzungstrnppenn nicht mehr zu denken fei. Die Ver­treter der Industrie, des Handels, des Gewerbes, so­wie die ArbeitnehmerorüanisatÄnen werden sofort zu­sammentreten, um zu den Gewaltmaßnahmen der Be­satzung Stellung zu nehmen.

Paris, 30. Aug. Nach einer Havasmeldung aus Neuwi-r iste inem deutschen Eisenbahner bei einer Durch­suchung ein Scheck über 100 Millionen Mark, der für die Bezahlung deutscher Eisenbahner bestimmt war, abge- nommen und bei der Ban^, auf die er lautete, von den Be- satznngsbehölden eingelöst herben.

Effen, 30. Aug. Die Franzosen nahmen zwei Be­amten der Erwerbslosenfürsorge 6 Milli­arden Mark weg. Ein« ter Beamten wurde festge> nomnten, später aber wieder freigebigen.

Die Abholzung deutscher Waldungen.

Trier, 30. Aug. Im Bezirk Trier treffen die Franzosen in bat Hochwaldgebteten umfassend« Maß­nahmen zur Abholzung der beutfchen StaatSwalbun- gcn. In nitöfter Zeit werben nach Hermeskeil ein französischer' Oberförster und 40 Förster überwiesen. Zurzeit sollen 500 italienische Waldarbeiter mit bem Schlagen unb Aufberetten des Holzes beschäftigt sein.

Eutzkirchen, 30. Aug. Die Strecke Euskirchen

nach SOtflnfttr (Eifel) würbe von den Franzosen besetzt.

Dortmund, 30. Aug. Bei der Besetzung oeS Gebäudes der Harpen« Bergbau-Aktiengesellschaft Ver­folgten die Franzosen den Zweck. Pläne, nach beiten sie die Kokereien ter Zechen Recklinghausen 1 und 2 tu Ganz bringen könnten, zu suchen. Nachdem sie die Pläne ge- ftmben Ratten, räumten Ak das Gebäude Wied«.

Aplerbeck, 30. Äug. Die KohlenhaLe der Zech^ Schürbank brennt. Es handelt sich um 500 000 Tonnen Kohlen und 300 000 Tonnen Briketts. Der Brand konntß bisher nicht gelöscht werden.

In Wattenscheid hat d« Kommandant leege^ eines angeblich auf die Zeche Holland verübten Sabotage) aktes die Scküeßung sämtlicher Lokale <mge« ordnet und die Auslieferung der Täter verlangt.

Paris, 30. Aug. Nach einer Havasmeldung auf Düsseldorf versuchten am 27. August Arbeit« auS Reck) linghansen, die sich auf der Landstraße aufgestellt hatten« die Durchfahrt von mit Koks für ein ftanzösischeS Ba-j taillon beladenen Wagen zu verhindern. Der den TzanS- Port führende Offizier verhaftete darauf den Änsjeheg Hälzop. Die Arbeit« wurden anseinandergettieben.

Mr itm moiMe» WettemiM

Als vor ganz kurzer Zeit nach unendlich langen Verhandlungen und wiederholten Unterbrechungen in Lausanne der Friede zwischen der Türkei, <5rie» chenland und den West Mächten unterzeichnet wurde, gab man sich dem Glauben hin, daß nun wenigsten» für eine kurze Weile aus der Balkanhalbinsel etwas, Ruhe herrschen würde. Es ist endlich an der Zeit^ daß die raublustigen Völkerschaften dort sich etwa» Erholung gönnten, nachdem jetzt etwa 1315 Jahre fast ununterbrochen Kriegszustand geherrscht hat. Aber auch diese Erwartung ist durch die neuesten Meldungen getäuscht worden. Eine italienische Mi­litärkommission sollte int Auftrag der Entente die, Grenzlinie zwischen Albanien und Griechenland fef!» legen, aber sie ist von griechischen ober albanischen Banden überfallen und ermordet worden. Sell,ft- verständlich hat diese Nachricht in Italien gewaltige Erregung herrorgerufen, und Mussolini verlangt, von Griechenland, das als allein schuldig gilt, in einer scharfe» Note Genugtuung in ganz bestimmte». Formen ub zwar binnen ganz kurzer Frist.

Damit ist ein ernster Konflikt zwischen Griechen« land und Zialien nahegerückt, der möglicherweise abermals zu einem Zusammenpralle mnit den Waf­fen führen kann. In mehr als einer Hinsicht wird' man an die Lage unmittelbar not Ausbruch de» Weltkrieges erinnert. Damals war in Serajewa der österreichisch-ungarische Thronfolger ermordet worden, Oesterreich forderte sofortige Genugtuung und Bestrafung der Mörder in einem Ultimatum und drohte mit dem Einmarsch. Jetzt tut Italien dasselbe Griechenland gegenüber und hält seine Flotte zum Auslaufen bereit. Gerade Italien sieht in Griechenland seinen Nebenbuhler im Kampf unt die Oberherrschaft in der Adria und die Möglichkeit^ liegt nah«, daß es diese Gelegenheit zur Demüti­gung Griechenlands benutzt, wie damals Oesterreichs die zur Demütigung Serbiens. Hinter Serbien stand, damals Rußland, hinter diesem Frankreich und. England. Da entsteht die Frage, ob heute Griechen-^ land auf sich allein angewiesen ist oder nicht. Jn^ seinem letzten Krieg gegen di« Türkei war es von England, d. h. von Lloyd George erst aufgehetzt und dann schnöde im Stich gelassen worden; seitdem hat. es sich Frankreich genähert, das bis dahin auf bet Seite bei Türkei gestanden hatte. Unter diesen Um* * ständen tritt die Möglichkeit vor Augen, daß Frank­reich, das selbst in immer größeren Gegensatz zn Italien gerät, in einer weiteren Demütigung des ohnehin stark geschwächten Griechenland eine zu große Stärkung - Italiens erblickt und versuchen wird, diesem in den Arm zu fallen. Insofern ähnelt also die Lage der von 1914. Freilm), zu einem Zu* sarnrnenstoß mit den Waffen zwischen Italien und! Frankreich wird es nicht kommen, selbst wenn Ita­lien mit Waffengewalt gegen Griechenland vor­gehen sollte, denn dann stünde England hinter Italien. Aber ein neues Gewitter ist aufgezogen.'

Paris, 30. Aug MrHavaS" mittrift, hak! die Botschasterkonserrnz heute früh beschlossen, rin Kc« tettifctfkgTamm nach Athen zu schicken, in dem sich He französisch«, btt englische und die italienische Regierung vereinigen, um mit der Energie, die der Emst der Um-, stände «heische, gegen bas Attentat yi protestieren^ dem die italienische Grenzkommission in Albanien zum. Opfer fiel. In dem Telegramm wird die grWfdv Re-j gienmg außerdem au gefordert, eine Untersuchung über, die Umstäicke rinzuleiten, unter denen das Attenbatz stattgefunden hat.

Paris, 30. Äug. DaS ganze Interesse d« hie«, sigen diplomatischen Kreise tst gegenwärtig auf die Er- morbung der italienischen Delegation in Janina fow zentriert. Äm Quak d'Orsay wirb He dadurch ent­standene Spannung als ernst gehalten, da Italien mV schlossen sei, sich nicht mit bloßen EntfchuÜurMngeti Griechenlands zufrieden zu getan. Der hiesige italie­nische Botschafter erhielt Weisung, sich mA bet fran­zösischen Regierung in Verbindung zu sehen. Man rechne hier damit, daß He Verbündeten gemeinschaftlich von gehen, da He italienische M-sswn von da Bvtschafle» kvnserenz beauftragt war, die südliche Grenze Mbmfteni festzusetzen. Die Lage wirb dadurch kompliziert, bei außer Griechenland auch Albanien die pasönliche Suchens hüt da Düegierten garantiert hatte.