Einzelbild herunterladen
 

OberhtMche Zeitung

^weites Starr

Nr. 199

Sonnabend, 25. Au .?

1923

MWItWr WMkMMI.

v»n unserem volkswlrischaftlichen Milarveiter.

r- Wer erwartet hat, datz cS dem neuen Kabinett Dtresemann leicht fallen würde, die KrisenzustSnde in Unserer Wirtschaft w beseitigen, ist natürlich durch hie Ereignisse enttäuscht worden. Rotwendigerweise Müssen heute alle Maßnahmen zur Bekämpfung Akuter Mißstände vrovtsortscher Natur sein und stets Andere Nebel im Gefolge haben. Die erste Ausgabe »er neuen Regierung war cs, die ungeheuere, alles Iberflutende Devtsenhausse endlich zum Stillstand zu »ringen. Hier galt es zunächst, das bereits unter der -Kanzlerschaft Tuno entworfene Programm zur Durch- fObnma zu bringen. Aber die Maßnahmen dieses Programms, das in der Auflegung der Goldanleihe gipfelt, können fnur langsam ihre Wirkung zeigen. Inzwischen aber drängt die Zeit, denn der neueste «ssarflturz, der den Dollssr zeitweise biS über einen Rekordstand von 7 Millionen Mark hinansgetrieben »at, bewies, daß hier schwerste Gefahren im Verzüge find, weil iede neue Verschlechterung der Mark die durch die maßlose Teuerung zur Verzweiflung ge­brachten Massen zu Hungerunruhen treiben kann. Die Reichsregierung hat darum eine neue Notenverorv- »ung angekündigt, deren Zweck es sein soll, einen Debisenvorrat anzusammeln und auf diese Weise eine Heue Stützungsaktion der Mark zu ermöglichen, jedermann weiß natürlich, datz das nur noch fiir sehr kurze Zeit gelingen kann. Inzwischen bösst man Aber, datz jene großen Maßnahmen zur Schaffung einer wertbeständigen Währung zu wirken beginnen «nd die Wirtschaft vor dm schlimmsten Folgen der Marflatastrophe zu schützen vermögen. Auf diese Weise soll also die kritische Uebergangszeit überwun­den werden.

Bis jetzt scheint es jedenfalls, als habe sich die Innere Lage in Deutschland erheblich gebessert. Zwar fehlt eS nicht an neuen Streikausbrüchen, insbeson­dere in dem von der kommunistischen Apttation durch­wühlten Mitteldeutschland. Aber biS Jefct ist eS Immer gelungen, die Arbeitskonflikte in verhältnis- mäßig kurzer Zeit wieder betzulegen. Man kann be­reits vielfach eine gewisse Streikmüdtgketk beobachten, stände im Innern zu erleichtern. Amt» die kritische Zu­stände tm FiMern-zu erleichtern. Anch die krtttsc Zu- fpitzuug der Ernährungstage, die stets zwischen den beiden Jahresernten einzlttrete» Pflegt, kann jetzt tm wesentlichen als'überwunden ^angesehen werden. Die. neue Ernte verspricht recht gut zu werden. Insbe­sondere die Getreidcerzeugimg dürfte nach Menge und Güte an die besten Friedensjahre beranreichen. Nur die Kartoffelernte wird hinter der vorjährigen, be­kanntlich recht reichlichen, etwas Zurückbleiben. Wenn »S durch die Schaffung eines DeviseikvorratS gelingt, >k Fettversorgung sicher;uit>llen, wird trotz der un- stebenerlichen Teuerung der Hunger auch im konnneu- ben Winter vom deutsclten Volke ferngevatten iverden können. Damit aber ist auch die schlimmste Gefahr für die Ruhe im Innern zum mindesten sehk wesent­lich verringert, denn das deutsche Volk ist politisch so ailk. daß nur der Hunger es dem Kommunismus in die Arme treiben könnte. ‘

Gut gewinnen ist zunächst die Aufgabe der' Leiter »er deutschen Politik. Die gewonirene Zeit soll ve- nutzt werden, um endlich eine erträgliche Lösung der Wutzeupolitischen Lebensfragen des deittschen Volkes in erkämpfen. Denn bis zur Erreichung dieses Zieles Wird neben jedem Loch in unseren WirrschaftS- Dmpfen, das die Neuerung uiühsam zuzustopseu ver­mag, ein neues aufgerissen werden. So schafft — nm stur dieses eine Beispiel anzusühren — jeder Still- stmid der Devisenhausse notwendig ein Htnanswawseu »et deutschen Inlandspreise über die Weltmarktpreise und damit eine gefährlich.' Ahkatzkrise. Aul manchen Gebieten ist sie bereits etngetreten, so insbesondere Auf dem für die ganze Volkswirtschaft so yocvwiMi- Uen Kohlenmarkt. Schon beute kostet die deutsche Uoble bei dem jetzigen Stande der Devisen nrehr als die englische, und gleichwohl nötigt die wachsende Ueuerung wieder z» weiteren Erhöhungen der Berg- Arbeiterlöhne. die neue starke Verteuerung der Kohle tut Folge haben müssen. Man wird zwar versuchen, burch organisatorische Reformen un» nötigenfalls Auch durch eine. Zeitweife vorzunehmenv« Herabsetzung »er Äohlenstoner die Katzlenpöeise so Niedrig tvie mög­lich zu halten. Aber durch die Verminderung der Koblensteuer entsteht eben wieder ein Loch in den deutschen Reichsfinanzen. wodurch die ervofsten Wir­kungen der eben beschlossenen großen Stenergesetze so­fort wieder zunichte gemacht werden würden. Aber

«■www । uww

(Nachdruck verboten.)

Der Fall Dobinjew.

Detiktivroman von Donald O. Fexer. !Rtnzi^ berechtigte Uebersetznng aus dem Schwedischen von E. von Kraatz.

5 ~ ■ (11. Fortsetzung.)

Daraus vertiefte ich mich in eine schwedische Zei­tung, die ich in Upsala erstanden hatte, und konnte dH. daß er mich schon vorher verstände« hatte. Er friß gehabt hatte. Dis beiden Amerikaner hielten nämlich nicht mehr für nötig, töte Stimmen zu dampfen, als sich nachstehendes Gespräch zwischen t$nen entspann. Natürlich sprachen sie englisch, -bei ich gebe es in der Übersetzung wieder.

„Er ist es ganz bestimmt."

„Wer?"

„Der Kerl, hinter dem wir her sind."

„Meinst du das wirklich^"

»Ja."

„Wo ist er denn?"

„Er sitzt rechts nebenan im Nichtraucherabteil." „Still! Sprich nicht so laut."

„Ach was! Der Bursche versteht kein Wort."

„Bist du dessen ganz sicher?"

„Bombensicher."

Natürlich hörte ich aufmerksam zu, indem ich mir shie Zeitung vorsichtshalber vor's Gesicht hielt.

Also — feit Upsala stand Stoll unter Be- »achung, und mein kleiner Triumph über Sterling Mdete mit einer kläglichen Niederlage.

Die Männer verstummten und starrten gleich­mütig aus dem Fenster. Bald darauf trat Stoll euf den Gang hinaus, um eine Zigarre zu rauchen. Ich erschrak, aber er verriet meinen neuen Reise­gefährten in keiner Weise, daß er mich kannte. Er Waubte wohl, datz ich neuen Opfern auf der Spur «i und schien nicht zu ahnen, daß die Amerikaner ■et seinetwegen mit im Zuge saßen.

..ff '•WM—BB

tm Augenblick scheint eine durch zu teuere Kohlen er­zeugte Absatzkrise — die durch die Folgen der wertbe­ständigen Löhne und Gehälter noch verschärft werden Würde — doch das größere Uebel zu sein. Denn in unserer heutigen Lage ist weder eine starke Ver- mevrung unserer Einfuhr drch verstärkte Käufe eng» lischer Kohlen noch eine weitere Verminderung un­serer Ausfuhr Infolge Ueberschrettung des Weltmarkt­preises erträglich. Weist doch die Statistik des deut­schen Außenhandels für das erste Halbjahr 1923 be­reits eine gewaltige große Passivität unserer Handels-, bilanz auf, da einer Einftihr von 267 Millionen Doppelzentner nur ein Export von 62 Millionen Doppelzentner gegeniiberstand. Es gibt , heute keine andere Möglichkeit, unsere Einfuhr zu bezahlen, als durch Vermehrung unseres Exports. Alle Bemühun­gen der Reichsregierung müssen daher in ihrem End­ziel der Stärkung der Exportmöglichkeiten gewidmet sein, denn sonst können wix nickst wir nicht Repara­tionen leisten, sondern, da wir auf große -Einfuhren angewiesen sind, nicht einmal leben. . .. . -

—- *--

In MWkNkk Mkdmzetz.

M ü n chF n, 24. Aug. Im Prozeß wegen der Ermordung des Studenten Baur diente gestern die Vernehmung weiterer Zeugen zur Klärung der bereits erörterten Fragen. Der Zeuge Student Aumüller aus München bezeugt, das Vaur und Zwengauer bei Dr. Rüge Privatsekretäre waren. Heber Vorschläge zur Gründung einer Äktivisten- gruppe zur Beseitigung mißliebiger Personen sagt der Zeuge, daß der politische Kopf, der diejenigen, die umgebracht werden sollten, zu nennen hatte, Dr. Rüge sein sollte. Die aus dem Fuchsprozeß be­kannten Zeugen Schäfer und Hug lagen nichts we­sentlich Neues aus. Hug erklärt, Rüge habe ihm den Plan seiner Tscheka zweimal dargeleat. Rüge nannte damals als Leuts, die zu beseitigen waren: Dr. Heim, Dietrich und Eckardt. Von weiteren Zeu­gen wird Zwengauer als ein guter und anständiger Mensch bezeichnet. Dann wurde der Vater Zweng- auers vernommen, der Hauptlehrer Antoe Zweng- ,aller. Er sei zu der-Ansicht gekommen, daß wenn sein Sohn wirkst chder Täter sei, ein äußerer Ein­fluß derart stark gewesen sein müsse, daß er bei der Verübung des Verbrechens sich der Tragweite der Tat nicht bewußt war. Der ärztliche Sachverstän­dige, Landgerichtsrat Dr. Bögler, faßt das Gut­achten über Zwengauer dahin zusammen, daß sich Zwengauer bei Begehung der Tat weder in einem Zustand krankhafter Störung der Eeistestätigkeit noch in einem Zustand der Bewußtlosigkeit befand. Er bezeichnete Zwengauer als einen weichen und im Denken und Fühlen leicht bestimmbaren Menschen. Der Angeklagte Rüge wird von den- Sachverstän­digen als ein hochbegabter Mensch mit unbeug­samem Eerechtigkeitsfanatismus und als eine fanatische Kampfnatur bezeichnet. Es wurde sach­verständig festgestellt, daß er sich in einem herab­geminderten Ernährungszustand befände.

Der Staatsanwalt Dr. Stumpf beantragte ge­gen die Angeklagten Zwengauer, Johann und Ernst Berger die Todesstrafe wegen Mordes, gegen Dr. Rüge wegen Aufforderung zum Mord in seiner Red« im Wittelsbacher Garten 1 Jahr Ge­fängnis. Er bemerkte, daß dies die höchste Strafe sei, die das Gesetz vorsehe. Er sei sich bewußt, daß diese Strafe viel zu gering sei und in keinem Ver­hältnis zur Schuld' Dr. Ruges stehe.

---♦---

Marvurg und Unigegend.

Marburg, 25. August (Ernting).

* Kirchliches. Am'Sonntag nachmittag um 3 Uhr findet am Frauenberg das Kirch?ng:sangs'est von 11 ■an—9—■naMsaaEMmmiBaM

Um neun fuhr der Zug in das Schienengewirr des Hauptbahnhofs ein und begann zu bremsen. Einige Minuten später glitt er in die Bahnhalle hinein und blieb stehen. In dem üvlichen Menschrn- gewimmel hatte ich alle Mühe, meine Amerikaner nicht aus den Augen zu verlieren. Um Stoll beküm­merte ich mich nicht weiter, denn solange ich seinen Verfolgern aus den Hacken blieb, konnte ich über ihn ganz ruhig sein. Mit einiger Mühe gelang es mir, dicht hinter den beiden durch die Sperre zu ge­langen. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich glück­licherweise ausschließlich auf Stoll, den ich nicht mehr sehen konnte. Ader das Verhalten der Ame­rikaner bewies mir, daß sie ihm immer noch auf der Spur waren. Statt nämlich auf den Ausgang zuzugehen, regaben sie sich nach dem Wartesaal zweiter Klasse und ließen sich dort nieder. Doch so eifrig ich auch durch die Glastür spähte, konnte ich Stoll nicht entdecken. Wo mochte er sein? Ich be­obachtete seine Verfolger und bemerkte, daß sie un­verwandt nach einer Richtung sahen, die ich von der Tür aus nicht überblicken konnte. Plötzlich fiel mir indessen ein,, daß sich an jener Stelle der Eingang zum Speisesaal befinden mußte. Natürlich! Stoll hatte sich aus irgendeinem Anlaß dorthin begeben, und sie hatten sich nebenan niedergeleasien.

Nun war guter Rat teuer. Fortgesetztes Beob- ächten von meiner Seite mußte unbedingt die Auf­merksamkeit der Amerikaner erwecken, und doch durfte ich sie nicht aus den Augen lasten. Mit blieb also nichts anderes übrig, als mein Aeußeres zu verändern. Ich zog mich also in die Herrentoilette zurück. Blitzschnell öffnete ich meine Handtasche, holte 'eine Dose Vaseline hervor, tupfte mit dem Finger hinein, riß meinen falschen Bart ab und rieb meine Oberlippe sorgsam mit Vaseline ein, um jede Spur von Mastix zu beseitigen. Dann fuhr ich mit einem feuchten Schwamm übers Gesicht und war im Handumdrehen wieder Oberkonstabler Fexer von der Stockholmer Kriminalpolizei. Rach-

Kircben- und Posaunenchören statt, wie v.reits im In­seratenteil gemeldet wurde.

* Wirtschastsbethilse für ErwcrbS« lose. Von zuständiger Sette wird uns geschrieben: AuS Erwerbslosenkreisen ist an die städtischen Be­hörden in den letzten Tagen wiederholt die Forde­rung nach sofortiger Zahlung einer Wirtfchaftsbei- üilfe an die Erwerbslosen in der Höbe von je 10 Millionen Mark gestellt worden. Hierbei wird von den Erwerbslosen immer übersehen, datz die Er- werbslosenfürsorgr Sache des Reichs ist, welches ihre Leistungen bestimmt. Den Gemeinden ist es bet so­fortiger Entziehung der Reichs, und Staatsanteile (zehn Zwölftel der Gesamtaufwendung für die Für­sorge) untersagt, jede über den festgesetzten Rahmen binausgebende Unterstützung, mag sie in einer Form geschehen, wie sic wolle — ko beißt es wöttltch in der ftaglichen Verfügung — zu zahlen. Die Fürsorge- träger (Gemeinden) erhalten ferner die Reichs- und Staatsanteile nur unter der ausdrücklichen Verfiche- rung angewiesen, datz die zulässigen Höchstsätze unter leinen ltmständen überschritten wurden. Der Ge­meindebeamte, der diese Versicherung abgibt, haftet persönlich für ihre Richtigkeit. Bei dieser Sachlage ist es den Gemeinden vollkommen unmöglich, irgend welche besondere Zuwendungen, die über den Rahmen der gesetzlichen Höchstsätze hinausgchen auS Mitteln der Erwerbslosenfttrsor»» zu b-willtaen.

* Die neuen E i nk o m m en st e ll e ra b z ii g e. Der Steuerausschuß des Reichstages beschloß, wie bereits mitgeteilt, di« Erhöhung der sozialen Abzüge bei der Einkommellsteuer ab 1. September auf das 15fache ihres, bisherigen Betrages. Danach betragen die Abzüge bei der Zahlüng des Arbeits­lohns für den Steuerpflichtigen und Ehefrau mo­natlich je 360 000 «4t, wöchentlich 86 400 «41, täglich 14 400 «4t, stündlich 3600 «4t; für jedes Kind monat­lich 2 400 000 «44, wöchentlich 576 000 «4t, täglich 96 000 «4t, stündlich 24 000 «4t; Werbungskosten monatlich 3 000 000 «4t, wöchentlich 720 000 «4t, täg­lich 120 000 «4t, stündlich 30 000 «4t.

* Strafkammer. Ein älterer Mann, der wegen AmtsvergehenÄ'vvm Schöffengericht bestraft wordcn war, hatte hiergegen Einspruch erhoben Das Gericht kam gestern nach eingehender Verhand­lung, dem Anträge d^r Verteidigung folgend, zu dem Beschluß, beit Beklagten auf seinen Geistes­zustand untersuchen zu lassen. — Verworfen wurde dagegen ein Einspruch gegen eine Verurteilung we­gen Diebstahls, während ein junges Mädchen, das in der ersten Instanz wegen Diebstahls verurteilt worden war, diesmal ein freisprechendes Erkennt-, nis erzielte. — Ein weiterer Angeklagter, der eine Körperverletzung begangen hatte, wurde zu 3 Mo­naten und 3 Tagen Eesängnisverurteilt. Das Ge­richt billigte ihm jedoch Strafaussetzung zu. — Die letzte Sache, bei der es sich um ein Sittlichkeitsver- brechen handelte, mutzte vertagt werben.

Allerlei.

Die Erhaltung des Wisents. Die Gründungs­tagung der Internationalen Gesellschaft zur Erhal­tung des Wisents findet am 25. und 26. August d. I. unter dem Vorsitz von Direktor Dr. Priemel, Frank­furt a. M., im Berliner Zoologischen Garten statt. Die Gesellschaft bezweckt durch planmäßige Fort- züchtung der letzten, in Tiergärten und Gattern noch lebenden Wisente — einige 60 Stück, innerhalb 7 verschiedener europäischer Staatsgebiete —, djeses gewaltigste „Naturdenkmal" der europäischen Tier­welt dauernd vor dem sonst Unvermeidlichen Aus- sterbe.i zu'bewahren und später in geeigneten Grotz- gattern und Wildbahnen wieder einzubürgern. Die Wisenthalter aller Länder sind der Gesellschaft bei­getreten und eine Anzahl fremder Staaten wird durch bekannte Naturschutzsachleute bei der Berliner Tagung vertreten sein.

dem ich dann noch den karrierten Bezug meiner Handtasche abgezogen und in die Tasche hinein­gesteckt hatte, warf ich noch einen raschen Blick in den Spiegel und kam getrost wieder zum Vorschein. Die ganze Verwandlungsszene hatte kaum zwei Mi­nuten gedauert, und als ich im nächsten Augenblick den Wartesaal betrat, sah ich die beiden Amerikaner zu meiner Genugtuung noch an derselben Stelle sitzen und nach der Tür des Speisesaals blicken.

Gerade jetzt öffnete sich die Tür, und zwei Herren erschienen auf der Schwelle.

Ich hätte ums Haar einen Laut der Hebet« raschung ausgestoßen!

Es waren Stoll und — Monsieur Iwan.

Jetzt kam cs für mich nur darauf an, meine Be­kanntschaft mit Iwan nicht zu verraten. Ich wandte mich daher um und begann einen Fahrplan zu stu­dieren. Dabei hotte ich, daß Iwan und sein Schütz­ling in die Halle hinausgingen, um den Bahnhof zu verlasien. Zugleich schlug die Stimme des einen Amerikaners an mein Ohr:

„Rasch hinterher! Wir müssen ihm auf der Fährte bleiben!"

„Da hast du recht, mein Junge," murmelte ich in mich hinein. „Jetzt gilt's, nicht die Fährte zu verlieren."

Ich schlich ihnen also vorsichtig nach und spähte hinter ihnen auf die Straße hinaus. Dort blieb ich stehen, bis ich gesehen hatte, daß Monsieur Iwan mit Stoll im Continentalhotel verschwand, und rieb mir vergnügt die Hände, als die beiden Amerikaner ihnen auf dem Fuße folgten.

Sofort nahm ich ein Auto, um zu Sterling zu fahren und ihm Bericht zu erstatten. Seine Haus­hälterin öffnete mir und blickte mich fragend an.

„Wenn Sie Herrn Rechtsanwalt sprechen wollen — der ist auf vierzehn Tage verreist," erklärte sie. „Drinnen liegt aber ein Brief an Sie. Herr Rechts­anwalt meinte,' Eie würden heute wahrscheinlich herkomme^."

Handels- undMarktnachrichten>

Frankfurt a. M., 24. Aug. Die Börse eröff­nete ntit Rücksicht auf die Unsicherbest über die weitere Gestaltung der innerpolitischen Bcrhältnisse in geteil­ter Stimmung. Nachhaltig wirkten auch die gestrigen Aussübrungen des neuen Reichssinanzrninisters, aber auch die Nähe des Ultimos mit seinen unsicheren Geldvc» hältnisstn trugen zu einer weitgebcnden Zurückhaltung bei, die namentlich von der St>ekulation stark beob­achtet itmtbe. Neben den Effektenverkäufen bestand aber auch neue Kaufneigung, die sich jedoch nur in engenl Maste auswirkte. Das Geschäft verlief unter dieses Umständen ruhig. .Die Devisenpreise haben eine neue Senkung zu verzeichnen. Der Dollar, der im Früh­verkehr 4,5 notierte, hob sich im späteren Verlauf mäßig auf 4,7. Im Effektengeschäft warenn die schweren Wert« des Montannmarktes Weiler bevorzugt und ansgezrich- net durch neue ansehnliche Höherbewertnngen.

Berlin, 24. Aug. (Börsenbericht). Infolge bei Devisenrückgangs machten sich im Esieftenverkehr viel­fach RealisationSbestrrbung-n geltend, denen aber Nei- gungskäufe in rheinisch-westfälischen Montanwerten, Kald- aktien, einzelnen chemischen und Maschinensabrikspapiereir sowie auch hauptsächlich in Schisfahrtsaktien gegenüber standen. Die Kursbewegung bot infolgedessen ein sehr ungleichartiges Bild. Valutapaviere wurden durchweg niedriger abgegeben. Die Haltung schwankte während des späteren Verlaufs bei Vorwiegend leichter Neigring zur Abschwächung.

Berliner Produktenmarkt.

Berlin, den 24. «ugnst 92».

Prell» in Tausend Mark für 100 Pfd. ab Sterten.

Welzen Roggen Sommergerste Wintergerste Hafer Male Weizenmehl rloggenmchl Roggenflei» Ran, Rübsen Leinsaat

8500—8750 6250-5400 7250-7500

7- 6750

1650-17000

10-11000 4-3750

New —

Brasilia«, «ollre«, —

Kartolleln (frühe) —

Speiseerdsen, Bikiorta»

erbien 15-18000

Gvetiertbl.H. 18-15000

Futtererbse« Bckerbohneit Linsen Wicken Lupin blau« „ gelb» Seradella alte „ neu« • Trockenschnttzel Runkelrüben Möhren, tot« gelb« Mohn Torsm «lasse Wiesenh««, les« Kleeheu Streb drahtg«pr. .. gebündelt

8500-400»

190 - 290

800-320

Devisen-Kurse.

Berlin, 24. Ang. Banknoten.

211'6875 21303125

Schweiz 842887—

Frankreich 261385

Holland 1835400

Der Dollarkur» in Frankfurt betrug 4 638 375 Mk.

262 655

1844600

®«Ib 199500 75811'0 6 483 - 1236900

Amerika Belgien

Dänisch« Englische

Geld

4688 250

209475

897’45

»rief

4711750

2W525

872175

Italien Norwegen Oesterreich Schweden

»ki«s

200850

761900

6517- 1243100 847113.

An heißen Tagen

ist es eine- besondere Wohltat den Kopf zu wasdiea. Sd>weiß und Schmutz verstopfen die Hautporen, die Kopfhaut kunn nicht ausdünsten und die Folge ist vermehrter Haarausfall. Eine Waschung mit dem ärztlich empfohlenen und millionenfach bewährten „Schaumpon mit dem schwarzen Kopf“ beseitigt alle Schäden, erhöht das körperliche Wohl­befinden und gibt dem Haar Glanz und duftende Fülle. Beim Einkauf achte man stets auf die Schutzmarke „Schwarzer Kopf", denn nur sie bietet Gewähr für das echte und gute Fabrikat. Überall erhältlich.

Geschlechtsleiden UW

Ohne Sernfaftär. Rein Qu«d[ilb.M «nskl.Brojch.Nr. 25 g.Eins. e.l M.mal Buchh.-nchlz.

W 5pez, Arzt Dr.ßoIIaendefs

Frankfurt «. W., Bethmannstraße 56. (8888 s

‘ H—1; 4*|—7; Sonntags 10—12.

„Wo ist der Bries?" fragte ich hastig.

„Er liegt auf dem Schreibtisch," sagte Frau Kar­lin und verschwand, während ich mich eilends nach Sterlings Wohnzimmer begab.

Ich fand den Brief sogleich und las verblüfft da» Rochfolgeirde:

„Lieber.Donald! Wie Du gesehen hast, bin ich samt meinen beiden Verfolgern tm Continental abgestiegen. Ich gebe Dir einstweilen Rätsel auf, aber Du mußt noch ein paar Stunden Geduld haben. Vorläufig hast Du nichts weiter zu tun, als Dir das Frühstück, das Frau Karlin für Dich anrichten wird, gutfchmecken zu lassen und dann abzuwarten, bis ich Dich anrufe. Du mutzt fdjt hungrig fein, Du armer Kerl! Max."

Ich las den Brief zweimal durch. Was wollt« er denn nur besagen? Es war doch Stoll, der sich mit Monsieur »Iwan ifts Eontinental begeben hatte. Oder sollte er wirklich---?

Frau Karlin unterbrach meine Grübeleien, in« bem sie hereinkam und meldete, datz sie das Früh« stück aufgetragen habe.

So folgte ich denn erst einmal Sterlings Auf« forderung und ließ mir das vorzügliche Mahl gut­schmecken. Darauf steckte ich mir eine von Sterling» vortrefflichen Zigarren an, warf mich aufseufzend in seinen bequemen Klubsessel und versank in Herr« lichen, alle Rätsel und Grübeleien auflösenden Schlummer.

(Fortsetzung sslgtj

Bombensicher

iff bet Erfolg, verehrte Hausfrau, wen« Sie Ihre Kleider, Bluse«, Sardinen, Strümpfe usw. euer mit den weltberühmte« echten Hettma««'» gerbe«, Marke Frrchekopf iw 6t«r«, selbst färben.

teitwe*«'» gerb» spart tat gSrb«r.