Einzelbild herunterladen
 

UechM ZeMW

Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) OSerheffei^---^

Rt. 197

toefldnto: St. 5013 Amt Rranffurt a. Mait.

Mitt 5tre|emann

4698

Könne sie ihr Wi-schafts- und Finanzpro-

ti-itnc.

Sie WeMSndi'ge Anleihe des LMss Reitzes uni) der Aeitzs-

Zeichnung«« kSa»«n Le! der Relchebem? ««d bei de« tat Praspokt cngtgebtnen Stellen sowie bei diesen durch Vermitt­lung sämtlicher Lanken, Bankier», Sparkassen und Kredit­genossenschaften bewirkt werden. ZeichnuNgrprei» 100 •/,, bei Linzahlung von Devisen und Dollarschatzanweisungen! 5 °iV Das kleinste Stück lautet aus den Gegenwert von 1 Dollar.

eigene Mittel überweist. In einer nichtssfenttichen Sitzung der städtischen Körperschaften wurde Wer Beschluk des Magistrats zur Kenntnis genommen. Mehrere Beigeordnete und ein Stadtrat bade« sich Berlin begeben, um im Finanzministerium vorstellig zu werden. Bis zur Stunde ist von einem erzielte» Erfolg noch nichts bekannt.

„«« aste Schichten de» Volkes richten wir die Aufforderung, dicke deutsche GÄdanleihe aufö kräftigste zu unterftüben. Sie fast uns eins der Mittel fein, um die Gelbinflatton zuttickzu, dänrmen. die Berhülmiffe gefchakfcn hat, unter denen weite BolkS'chtchten in Deutschland kaum noch über die ««'wendigsten Subsistenzmittel verfügen. Wir richte« den dringenden Appell an alle Parteien, an dieser für unser Bott so entscheidend gewordenen Frage mitzuarbcitcn. In dieser Frage gibt eS keine Partetmc-nungcn, t« dieser Frage >ft die posi'ive Vlita.ücit jedes, der di« Berbäktnisi« zu besser« vermag, tmrr- ländifche Pflichtcrsüllnng, die wie dankbar br- grützrn." Red« In der Eitzun, de« rlelchltog« am 14. Bug. 1923.

Paris, 23. Aug. Zn Rambouillet hat heute unter dem Vorsitz Millerands ein Minifterrat statt- gefunden, über den amtlich mitgeteilt änrd, datz neben der Erledigung der laufenden Angelegen- heilen PoincarS über die auswärtige Lage Bericht ' erstattet habe. Nach der „Liberty" hat er dabei bs. . sonders Mitteilungen über seine Besprechungen mit ' den englischen Diplomaten gemacht. Nach dem „Zn- , tranfigeant" hat Minister Reibel auch über sei" Reise ins Ruhrgebiet berichtet.

England und die Poincarö-N-ie.

London, 23. Aug. Reuter zufolge verlautet, daß bisher keine Entscheidung getroffen worden sei, ob eine Zusammenkunft der Premierminister Groß­britanniens und Frankreichs stattfinden soll, wenn Baldwin durch Paris kommt. Erst nach genauester Prüfung der sehr komplizierten französischen Doku­mente durch Sachverständige sei es möglich, |u be­stimmen, ob die Note, wie von manchen glaubt

Der Kanzler vor dem Reichsrat.

Berlin, 23. Aug. In der heutigen Sitzuv.g des Reichsrats stellte sich Reichskanzler Dr. Streje- tttann dem Reichsrat vpr und hielt dabei eine An- fprache, in der er u. a. auf die überaus schwierige außen- und innenpolitische Lage Deutschlands hin­wies und hervorhob, daß die Stärkung der Außen­politik mehr denn je von einem einheitlichen Zusammenarbeiten aller Faktoren im Innern abhängen werde. Der Reichskanzler verwies sodann auf seine erste Regierungserklärung ftn Reichstag, in der er von dem Eigenleben der Länder gesprochen und gleichfalls erklärt habe, daß diese sich in das Große des ganzen Reiches einglie­dern müssen. Seine Erklärung sei von dem Ee- samtkabinett getragen, und besondere zentralisierte Tendenzen, die der neuen Regierung unterstellt würden, seien vom Reichsminister des Innern zu­rückgewiesen worden. Gerade in der gegenwärtigen Lage komme es darauf an, daß nach außen hin das ganze Reich eine Einheft bilde zur Ahrvehr der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Schwie­rigkeiten. Ihm entgegnete im Namen des Reichs­rats der preußische Staatssekretär Dr. Weißmann. Er gab dem Reichskanzler dis Versicherung, daß der Neichsrat mit allen verfügbaren Mitteln die Pläne der Reichsregierung unterstützen werde, die darauf hinausliefen, daß Deutsche Reich aus seiner verzwei- fetten Lage herauszubringen. Er erklärte, daß auch die Länder auf dem Standpunkt ständen, daß der­jenige, der im Ausland« glaube, jetzt sei der Mo­ment gekommen, daß das Reich zerfällt und in Stücke gehen werde, eine falsche Rechnung aufstelle. Er versicherte dem Reichskanzler, daß der Reichsrat Ihm jede Unterstützung angedeihen lasten würde auf seinem Wege, dem deutschen Vaterlande wieder zu Befielen friedlichen Zuständen zu verhelfen.

Zusammenkunft Strrsemanns mit v. KniNng.

München, 23. Aug. In pottttschen Kreisen ver­lautet, daß Reichskanzler Dr. Stresemann bereits am nächsten Sonnabend mit dem bayrischen Ministerpräsi­denten v. Knisting in Mittenwald« zusammenkommen wird.

granim nicht Verwirklichen, dann gebe es kaum noch euren Wea zur Rettung. Wen« die Reichsregierung auch eine Diktatur ablehne, so werde sie vor An­wendung einer Diktatur innerhakv der Grenzen der Verfassuua nicht zurück- schrecken, um jeder Sabotage ihres «wf eine Konsolt-

Mavburg greitos. 6tn 24. Ml erwttag

■III

dierung der inneren Vcrhälmiffe gerichteten Pro­gramms wirksam zu begegnen.

Berlin, 23. Ang. DaS Reichskabinett wird heute Nachmittag in einer Sitzung über die Notverordnung endgültig beschlietzen. Die Verordnung wird dann w- fnrt dem Reichspräsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden und unverzüglich in Kraft treten.

Laut .Voss. Ztg.' wird in der Kabinettssttzung auch das Verhältnis der Reichsregierung zur ReichS- banklettung geklärt.

Berlin, 23. Aug. Reichskanzler Strese­mann wird bei Gelegenheit eines Frühstücks, zu dem er von dem Deutschen Industrie- und Handelstag em- geladen worden ist, morgen nachmittag eine Rede über das Reparations-Problem halten.

Berlin, 23. Aug. Nach der gestrigen Unter­haltung mit den Industriellen empfing der Reichs­kanzler, der Neichsfinanzminister und der Reichs- wirtschaftsminifter die Parteiführer. Der „Vor­wärts" schreibt, der Reichskanzler und der Reichs­finanzminister schilderten die gegenwärtige politische Situation, insbesondere di« traurige Finanzlage des Reiches. Die Regierung werde gegebenenfalls vor diktatorischen Mitteln, di« zur Rettung Deutsch­lands dienen können, nicht zurückschrecken. Die Ab­lieferung der Devisen zur Bildung eines Devisen­fonds sei jetzt dringendes Erfordernis. Zeder Ver­mögenssteuerpflichtige müsse gegen Goldanleihe De­visen abliefern. Es werde eine eidesstattliche Ver­sicherung über die Höhe bet Devisenbestände ab­gegeben werden müsten, die in Zweiselsfällen durch den Eid ersucht werde. Für falsche Angaben ober Unterlassung von Angaben seien bie für Meineib stellenden Strafen in Aussicht genommen nnb außer­dem Konfiskation des Vermögens. Die Verordnung über die Devisenabgabe werde in kürzester Frist veröffentlicht werden. Die Parteiführer billigten die Massnahmen der Regierung in vollem Umfange.

Berlin, 23. Aug. Wie die ,B. Z." mitteilt, hat der Reichskanzler in der gestrigen Besprechung mit den Par^ifübrern keinen Zweifel darüber yelasten, das; die Regierung zur Anwendung der äußersten Mittel entschlossen ist. Tie gcgenwäriige Regierung sei vielleicht die letzte, die ans verfassungsmäßigem Wege die Verhinderung von Deutschlands wirtschaft- ii-1 >m und finanziellem Zusammenbruch erreichen

Swinemündr zahluugSuniähig.

Swinemünde, 23. k.-.'g. Der Swinemimtnr Magisttat verSssentlicht folgenden folgenschweren Be- schlutz: Tie Stadt 'st nicht in der Lage, tdren finan­ziellen Verpflichtungen nach znlommen und muß sich daher für zahlungsunfähig erklären. Durch die Siadt- hauptkaste tönncn nur noch Zahlungen für solche Zwecke stattsttwen. für di« das Reich bezw. der Staat

Die Lag« im Zeitnngsgewerbe.

Berlin, 23. Aug. Der Verein deutscher Zei- tungsverleger teilt mit: Die. verzweifelte Lage im Zeitungswesen hat den Verein deutscher Zeitungs» Verleger veranlaßt, zum 29. August, nachmittags 2 Uhr, in Eisenach eine außerordentliche Hauptoer. ämmlung in dem Saal der Erholung einzuberufen. Benn auch die Kosten der Reise und des Aufent­halt groß sind und die Zeitungsverleger heute we­niger als je von ihren Betrieben abkommen können, o ist der Hintergrund der Eisenacher Tagung doch o ernst, daß jeder Verleger bei der Gestaltung der ür die deutsche Preste entscheidenden Be» ch l ü s s e in Eisenach mitwirken müste.

Stillegung der Betriebe?

Berlin, 23 Aug. Die Blätter berichten über eine Reibe teils erfolgter, teils angcdrohter Betriebs« einstellnngen oder zum mindesten Bettiebseinfcyrän- kungen. Nachdem die Berliner Privatbadeanstalten ihre Pforten geschlossen haben, legt nun auch die »et- tiner Reklamegesellschaft die Plakatterung der An- schlagssüulm auf eine Woche lahm, damit ste stch auf die Goldbasts umstellen kann. Ferner verbreitet der Verband kaufmännischer Genossenschaften die Mit­teilung, datz er dem Lebensmittelklctnhandel dcn Rat gegeben habe, allen seinen Angestellten mit Wirkung zum ultimo September zu ftindigen. In der Mit­teilung heißt es, daß die neuen Sieuergesetze in ihrer Auswirkung dem Kleinhandel den Todesstoß gaben und daß die Zahlung der zwei len Steuerrare am 5. Oktober den Ruin der Geschäftsinhaber bestegeln müste. — Das „Bett. Tagebl." bemertt dazu, datz die Genostenschasten mit ihrem Ausruf eine schwere Bet« antworlung auf sich geladen habe; denn die Folgen einer Stillegung des Lebeusmitteltteinhandels feie» unabsehbar. Das Blatt iw ist, daß eS sich bei dem verhängnisvollen Rat m» um ein gegen die Re- giermrg gerichtetes Druckmittel handle. Eine solch« Taktik würde nacki dem Blatte in der schärfsten Weise zu verurteilen sein. — Der .Vorwärts' sprick! sogar von Vaterlandsverrat.

Sie SelmiWt.

Zwar ist die Note des Herrn Poincare an die eng. likche Regierung nur im Bruchteil und im Auszuge bekaimt, betyi sie ist so umfangreich, daß es eineS mehrtägigen S'.udiums bedarf, um hinter alle ihre Schönheiten zu kommen. Am Freitag wird der Reichs- kanzler Dr. Stresemann in einer größeren Politischen Rede stch damit befaffen und solange wird die deut- kche Oeffentttchkeii gut tun, mit einer endgültigen Stellungnahme zurückzuhallen. So viel aber läßt sich jetzt, nach einer notgedrungen sehr oöettlachlichen Kenntnis der Note sagen, daß ste zlvar die Tür zu weiteren UnterbalMngen mit England und schließlich auch mit Deutschland osten läß-:. im allgemeine aver doch ein echter und rechter Poin.carL ist, wie wir ihn bisher kennen gelernt haben. Mit einer Unverfroren- bett, die einer besseren Sache würdig ist, schildert er den in sttedlichen Absichten vollzogenen Einmarsch in« Ruhrgebiet und schiebr der deutschen Regiening die ganze Schuld am Passive» Widerstand zu. Anscheinend ist ihm biS heute noch nicht die Erleuchtung aufge- aangcn, daß der passive Widerstand einfach auf das -"•arte vaterländisch« Gefühl der veutschen ArbeN-r- lchast an Ruhr und Rhein zurückzuführen ist, die unter keinen Umständen unter dem Druck französischer Baw- uet«e Sklavenarbeit leisten wollen. Mit diesem einen Satz ist der Kern des ganz:» Ruhrproblems gegeben ■mb daran hilft kein Drehen und Deuteln de? Herrn Poincare. Wenn er weiter alS Bedingung für eine Räumung des NubrgebieteS die Ueberlastung deS sinken Nheinufers in einer mehr ober weniger der- ftcfiicH Form foxoert, fo ivetf) ouch ^Pfltncore jux «eisitge, daß es keine deutsche Regierung gibt, die ■<was derartiges zugestehen kann. Das sind nur cinige Punftc, die jetzt schon hervorgebobe» werden müsten. Es ist ja richttg, daß eine weitere Aussprach« olfcn gelassen ist und wir wollen hoffen, daß diese zu einem für alle Teile b-friedig.'Nd-n Ziele fübtt. Der Rede des Reichskanzlers darf man mit Spannung entgegensetzen. ?

Sie vikUWAs MmDahmen der Mmm

gilt W dr; WmMwr« Wine. — Sie JMmwbe.

, Berlin, 23. August. Die heutige Sitzung des ; Hausbaltsausschusses des Reichstages hatte die sinanzielle Mtd wittschaftliche Lage Deutschland; zum Gegenstand. J j6er Vorsitzende, Heymann (©.), wies auf die große Mich- , Ügkeit dieser Motette hin, deren gesamter Komplex die j Wurzeln beS staatlichen Sein? beträfen. Alsdann nahm - ter Reichsfinanzminister HWroilig das Wott und ent- ■ Ichuldigte zunächst den Rttchskanzier, der durch dttngende 1 Geschäfte verhindert fei, in der Sitz' nq feine Ausfüh- j Btnaen zu machen, wie es ursprünglich seine Absicht ge- p^sen sei. Hilferding ging alsdann auf die wittschasjl'cbe knb finanzielle Lage des Reiches ein und sühtte aus, daß 1 das Kabinett die Geschäfte in einer Situation Übernom een hab«, die nicht nur politisch und sozjal, sondern die auch vom finanziellen Standpunkt aus als f a st Verzweifelt angesehen werden müßte. Die außer- 1 «deutliche Erregung und Gärung während der letzten Zeit des Kabinetts Cuno war, so führt der Finanzminft ßer aus, eine Folge der plötzlichen Dollarsteigerung, bi? sich in außerordentlich starken Lohnbewegungen aus- ; Wirkte und zu einer Steigerung der Preise vieler Roh­produkte, znm Teil auch Lebensmittel, über das Welt- «arktnivean hinaus führte, fobafj die. größte Gefahr be siand, daß der Export stocken und eine allgemeine Wirt- sihaftskttse eintreten roeti*. Wir sind heut? in einer Sitn- Hion, in der wir nicht nur für alle Ausgaben des Reich?» tvszukommen und nicht nur das kolossale Defizit des Reiches zu decken haben, sondern in der wir darüber h'n-

das gesamte Defizit, das in den Kommunen entsteht, auf das Reich übernehmen müssen, wenn nicht der Zu- Sammenbruch der gesamten Verwaltung eintreten soll, uttt die Länder und Kommunen sind gar nicht in der Lage, aus den bereitfiebenoen Mitteln die außerord-nt- sichen Erhöhungen der Gehälter und Löhne zu tragen. Die gesamten Ausgaben der Verwaltungen müssen al jo vom Reiche' getragen werden, obnwhl das Reich icibf: Richt die notwendigen Mittel ans den Steuern für d eje Sussaken ausdringen kann. Aber in der letzten Zeit halienr sich auch noch Shmptome bemerkbar gemacht, die ehr ganz energische Gegenaktion unbedingt erforderlich Ria-.ben. Es ist bekannt, daß die Beilegung des Buch- dr:: cker streiks, die eine absolute Notwendigkeit nar, „r i? wir durch den Streik in der Reichsdruckerei und den übrigen Notendruckereien in eine furchtbM Kalamii» tätwegen des Note »mangels geraten waren, nur möglich gewesen ist, indem da? Reich zusagte, daß eS «inen Teil der Lohnerhöhungen aus eig'- 11 r ;; Mittel n decken würde. Auch auf dem WSHrnng?.- geü-et sind wir in einen geradezu anarchischen Zu st and ge­raten Infolge des vlötzlichm Hinaufschnekleus dcs Dol- larkn'.ses entstand eine Banknotenknappbeit, die eine? »ußerordentliche Panik erzeugte. Als eines bet Abhilft mitiel wurde zunächst die Ausgabe Von Notgeld gewählt. Auch zahlreiche Privatbetriebe gingen dazu über, tm Völlig ungesetzliches und unfundiertes Notgeld aus;n- eeben. Wir sind auch hier in gewisse geradezu anar­chische Zustände hineingerati n. Die Ausgaben des Reiches sind derart, daß wir zunächst nicht in der Lage sind, durch Steuern den ganzen Be­ira g d e r A n s g a be n z u d e cke n. B o n de r G old - jrnleih« ist etn besseres Resultat zu er­warten, als bei den Dollarschatzanweisungen, aber ckrotzdcm ist unsere sluanzielle Lage außerordentlich ernst. Der Minister eiodertc ttngeh.nd die großen Defilzit- quellen bet Reichssinanzen. Tie erste sei bi« Ausjüh- rang des FrftdenSvettrages. Diese habe im Januar \'Cv) rin: Summe von 450 Milliarden erfordert, im Juli sei fit bereits auf 4 Billionen gesl tzgen und für August fei mit einer Bersielfachung dieser Summe zu rchnen. lÄ,nz außerordentlich sei der Bedarf der Betriebsver­waltungen. Eisenbahn und Post hätten ihre Tattje Viel zu spät und immer nur ganz ungenügend der Geld­entwertung angepaßt. Dft Kosten der Ruhraktion feien brr art, daß eine Lösung der Finanzfragen vor Allem eine «ußenpolittsche Frage sei, sodaß mit den Mktteln der Beste-uernng und auch mit einer An­leihe allein eine definitive Lösung nicht iu erwarten sei. Die Besokdungszm'chüsse an die Länder und Gemeinden hätten im Juli noch 6 Billionen betragen, im August sei jedoch wieder mit einer Verviel­fachung dieser Summe zu rechnen.

Hinsicht.ich des Devts-nbedarses des RetcheS sagte derFtnanzmintster: Ich wünsche eine gewt.ie ■ Verknappung b e 8 Geldmarktes und etnen gewissen Druck auf ble Wirt- lck af t, bamtt s te gezwungen ist, 'vren Warenvorrat zu verringern unb aus ihren Devisen nnb auslänbtfchen Ef­fekten tz er aus z n geh en, sobatz biese In bte Hünbe bes Reiches kommen nnb ber Tevlsenankauf vetzemmt wirb. Wir können ohne Beherrschung des Dotlarkur-ses keine Pd-litik ttewen, keine Lohnpolitik nnb keine Preispoli. Hf und überhaupt keine innere ober äußere Pollttk. wenn wir nicht ber Dollarbewegung Herr Werben. Deshalb ist die strengste unb brutal sie Steuer- Po titik erforderlich. Die wirtschastspaittijchen Be­denken unb Forderungen müssen jetzt hinter bie währungspolitischen Notwendigkeiten znrücksestellt werden. Wir haben eingehend über die Möglichkeiten gesprochen, wie ein Devisenkonti an S den Mitteln der Wirtschaft geschaffen werben Dann. Aus den Kreisen der Wirtschaft selbst ist uns Dcsagt worden, mit dem Weg der Fretwtlltgkeit gebt N Nicht, Ma« brauche Zwangsmittel gegen

diejenigen, die noch immer nicht die Not des Reiches vetttehen und bte noch immer nicht degreifen, baß zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen beit Inter­essen bes Reiches unb bcnen ber Wirtschaft in letzter Linie auf ble Dauer kein Widerspruch lein kamt weil mit dem Untergang bes St"ates unb bes Reiches ber Untergang ber beutschen Wirtschaft verbunden wäre. Nnfer Vorfchlag beweg? sich in folgenden Linien: Wir gehen davon aus, daß für je 10 000 Jl, die auf bi« erste Rate der Portoverbilligang gezahlt worben ftnb, ein Betrag von 1 M Gold bis znm 35. Sev- tember abgeliefert wird. Die Ablieferung wirb vlS zu einem bestimmten Tag zu erfolgen haben Der Stichtag wird vor ber Beröffenilichimg bet Erklärung liegen. Wirb bet betceffenbe Betrag an Devisen nicht abgeliefen, ist unter Eid zu versichern, baß ein ausreichender Betrag an Devisen nicht vothanven war Als Gegenwert für b'e Devisen sollen gegeben werben nach Wahl ber Ablieferer Goldanleihcn ober U< berfchrcibung auf ein Goldkonlo unb in dem Fall, wo lalfächlich nachgewiefc» wirb, baß eine Devifen- zahlung bem Steuerpflichtigen nicht möglich ist, wirb Vie Zahlung eventuell auch in Papiermatk cntfpte- chrnd bem Goldwert angenommen. Wir müssen zu­nächst bnrch eine Sanierung der Finanzen vurch eine Besserung unserer Währungsverhältniffe dazu ge­langen, baß wir bie Grundlage unter den Boden be­kommen von bem uns überhazivt eine Politik mög­lich ist. Aufgabe diefer Politik wirb es sein, bas Werk, bas wir nttt diesen Vorbereitungen beginnen fckließttch zu einem gedcthlichen Ende zu führen. (Beifall.)

Reichsverkehrsminlster Dr. Oes er erNärte hier­aus er benutze gern die Gelegenheit, über die Lag« ber' Reichsbahn zu sprechen, deren Finanzwirtschaft und Tarifgebithren für bie Wttrschaft des Reiches unb ber deutschen Volkswirtschaft von ausschlaggeben­der Bedeutung sei. Man werde in absehbarer Zett wieder zu grüß treu Da-rlß erhöh ungen schreiten müflen.

Nach der Rede des RetchsverkebrsministerS machte der Vorsitzende Abg. Heimann (Soz.) dem Aus­schuß Mitteilung von dem Entwurf ber Richtlinien, die von ber Regierung für bte Verteilung der Bei­hilfen zur Behebung kultureller Notftänbe vorgesehen worben fei. Der Ausschuß nahm biese Richtlinien an unb bte Debatte wandte sich wieder dem eigent­lichen ßiegenstand der Tagesordnung zu.

Abg. Klöckner (Z.) hält es für notwendig, der Regierung eine ,chnelle Ermächtigung zur Dlttch- fützrung ihrer Maßnahmen zu geben. Abg. Dern- b rg (Dem.) tzew:<e, daß eine wirtschaftliche Gesun­dung des deutschen Reichos nur dann möglich sei, nachdem d ie .R nh t a ngele g env ei 1 abge- vaut und erledigt fei. Abg. Wels (Soz.) sand die Aiaßnahinen des JinanznttnisterS für bte Erfassung d-u Devisen für nicht weitgehend genug. Abg. R l e - fer (D. Bp.) hält es nicht für tragbar,, da» Personen, die keine Devisen besitzen nur in Form einer neuen Zwangsan­leibe zahlen sollen. Brutale Dteuereingrisfe seien noiivenbig, das bedinge aber rrotwendtger weise nicht das Fallenlasfen jeder Stückstchtnahme. Abg. Graf Westarp (Dtn.) wies die so;ialdeuwkratt>che Krttik des Relchsvanr- prästdenten Havenstein zurück. Hierauf wurde bte Aussprache abgebrochen und der Ausschuß vettagte sich ans unbestimmte Zeit.

h Die „Cbetbeifildie Zeitung" erscheint ie&smat wöchentlich. — Bezugsvreir inonatlich 450000®. freibleibend mit Zustellunzegebühr. Für au-jallend« Nummern inj. Sutil» oo- elementarer Ereignisie kein Tria«. - »erlag »on Dr. L. Hiuerotd. - Druck der llnw-«uchbruck«r.l vo« Jod. «u«. «och, Markt 21,28. - lllernsprecher 55, »oft.

Ter »nielaenorei, beträgt für den Sgesp. Zeilenmillimeter 30000 Mk. «mtliche und ausm. "en 40 000 Ml. Bei schwierlgem Satz 50'/. Aufschlag. Eammelan,eigen kV 7»6** 100°/. Aufschlag. Spät «inlaufeud« oder den Raum über 's, Seife einnehmende An- SS. öö^lgr. »eben werden nach der Textspaltenbreite berechnet. ReNamen der Zell-nmtllim-ter i»nnno Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei lU/j Ankunft durch di. Geichäfwft. und Vermittlung d« «ngebale 5000 St, bei

' Uebersendung durch un» 6000.— Mk. ohne Port». ___________________