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Amtliches DerAndigungsblatt des Kreises Marburg.
m J. H. Schäfer
Anzeiger für (bas früher (urhessische) OLerhessesi
Kasernenstr. 21
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Der Anzeigenpreis beträgt jät den Sgesp. Zeilenintllimeter 30000 Mk. vmtttch« und aus«. An-eigen 10000 Mk. Bet schwierige« Satz 50*/, Aufschlag. Sammelanzeigen
Marburg
Ät. 196
1928
der Angebote 6000 BL, bei
Die Mt Antwortnote nn England
wird wie ese durefc sunnsm » rerelcketn
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Die „Oderhessiickie Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 450000M. freibleibend mit Zustellungsgebühr. Für ausfallend« Nummern inf.Streikr oo. elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Berlag non Dr. T. tzitzeroth. — Druck der Univ^Buchdruckerei von 3»6. Aug. «och, Markt 21.23. — Fernsprecher 55, Post» schecktonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
n dem Frankreich mehr al- 1400 000 Kinder verlor«. völlig das Unheil vergessen, das das besiegte Deutschland, angerichtet hat und wie kann man erwarten, daß Dvltfch» land gutwillig seine Schulden anerkennt. 8« Punkt 3£i erklärt der Anhang »jtr englischen Auffassung Von denk rechtlichen Charakter der Ruhrbesetzung: Das englisch» ! Kabinett nchnmt zwar ausgesprochen für die deutsch« > These Partei und stellt sich in Widerspruch zu dem. mal, die englische Regierung früher zu wiederholten Male»/ behauptet hat. Zu Punkt 32: Wir haben e- in feinet. Weise nötig, eine Meinungsverschiedenheit in btt AuS- i fegung des Artikel» 18 irgend einer Jurisdiffisn <* unterbreiten. Wir brauchen uns nur auf die früher von j der englischen Regierung selbst geäußerte Auffassung zu; berufen Zu Punkt 36: Wir sind nicht in das Ruhrgv». biet eingerückt, um hort unmittelbar Gelder für die Repa- rationen zu finden, sondern vor allem, um bei der deut» ■ chen Regierunng einen Zahlungswillen zu schaffe», uttd um Garantien in die Hand zu bekommen. Wir habens das mehr als zur Genüge ausgesprochen.. Wenn dal. Ruhrgebiet nicht mehr produziert, so Legt die Ursache i# i xm passiven Widerstand. Wir suchen nur ei»; Pfand. Deutschland ist eS, das den Betrieb abstchtlichj inS Stocken gebracht hat, um uns diese- Pfand zu end« zxben Die deutsche Produktionsfähigkeil ist stärker den» je, es fehlt nur der Wille. Zu 38 nimmt der Anhang mit ÜRsriedigung Kenntnis, daß das englische Kabinett nicht daran denkt, die Räumung des linken Rheinufers vorzu«
Magen, aber die Besetzung des Ruhrgebiets rechtfertig« ich ebenso wie dir deutsche Besetzung Von 1870,
Die deutsche Regierung hat sich nicht darauf chränkt, den Widerstand vorzuschreiben. Sie noch weitergegangen. Sie hat schwere Strafen
berechnet. Bet
betlvoll und ungerechter. Man darf Deutschland nicht auf Kosten FrmckreichS eine allzu reichte Wiederherstellung zubilligen, die die i n d u, strielle Vorherrschaft zeitigen würde, die Vorherrschaft, die Deutschland auf den Schlachtfeldern gesucht hat.
Wenn Deutschland eine endgülttge Abschätzung seiner Zahlungsfähigkeit verlangt, und wenn England wider diese vorschlägt, so handelt e- sich in WirNtch. leit darum, auf einem Umwege eine Herabsetzung der Schuld zu erreichen. Wenn man an eine umfassende Regelung berang-ht, ist Frankreich durchaus geneigt sie durch eine Preisgabe seiner eigene« Forderungen an gewisse Alliierte zu erleichtern. ES besteht übrigens kein Grund. nrit dieser Neaelung ein anderes Organ als die Reparattonskommission zu betrauen. Sie bat stets Loyalität, Kompetenz und G e« rechtigkeitSsinn bewiesen."
Schlußfolgerungen.
Wir verlangen, daß Deutschland während beS für di»' Wiederherstellung seiner snranzen erforderlichen Zeitraumes diejenigen Revaraturen in Natura und Kapital leistet, die die KommissPn als möglich errichtet, wobei die Alliierten die Pfänder behalten/ bi> s'e im gemeinsamen Interesse im Besitz haben. Wir roofftn unter* Schulden bezahlen, ebenso unsere Schuld bei den Bereinigte» Staaten, wie unsere Schuld bei England
Wir sind durchaus bereit, bei der Generaleeg'lung der Reparationen nick der interalliierten Schulden der gegenwärtigen Lage Deutschlands Rechnung zu tragen. Das Interesse Englands geht zweifellos dahin, daß Deutschland sich wickcc erholt. Es geht aber sicher nicht dahin, daß Frankreich geschmälett wird.
Damit schloßt die französische Rete. Ein weiterer Anhang enthüll Bemerkungen der französischen Regierung zu den einzelnen Punkten der letzten englischen Noe.
Paris, 22. Aug. Der Anhang der französischen Note, der die französische Auffassung Punkt für Punkt den Ausführungen der englischen Note vom 1 l August gegenüberstellt, beginnt mit einer Zurückweisung des Vorwurfes, baß Frankreich die bisherigen englischen Zugeständnisse an bk französische Politik nicht würdige. Franzö sischerseits habe man leider bis jetzt nichts davon bemerkt, daß die englische Regierung, wie sie sage, sich bemüht habe, der Auffassung Frankreichs, d h. der normalen Durchführung des Versailler Vertrages näher zu kommen. Man sei jedoch überzeugt, daß der bciderseifige gute Will, bald zu rnner Verständigung führen werde. Der Anhang hebt hervor, daß eine Einigung zwischen Frankreich und England nicht nur die Notwendigkeit, die Rechte der Reparationskommission zu wahren und die Haltung der deutschen Regierung znm passiven Wioerstande im Wege stehe, sondern auch die hunoertmal erklärte Ent- schloffenheit Frankreichs, auch nicht auf einen Centimes der französischen Rrparationssoreerung zu verzichten, die geheiligt sei und sich mit feiner anderen Forderung vergleiche «lasse. Hierzu komme der Entschluß Frankreichs, das Pfand, das es in Händen habe, erst nach völliger Bezahlung der Reparationen Lufzugeben. Der englische Entwurf einer Antwort auf bte deutsche Note vom 7. Juli unterlasse eS, der wesentlichen Forderung Frankreichs Rechnung zu tragen, daß eine ethxxige Antwort an Deutschland sich nur onf die Einstellung ves passiven Widerstands als ausschlaggebende Vorbedingung beziehen dürfe. Wws die Veröffentlichung des englisch-französischen Meinungsausiaufches betrifft, so gibt der Anhang der englischen Regierung die Schuld an dieser Methode. Französtschersetis hätte man die Beschränkung auf das diplomatische Verfahren vorgezogen. Zu Punkt 11 der englischen Note über die deutsch-' Zah- lungsfähigkeit wird erklärt: Wir aestehen, daß wir den Gedanfengang der englischen Note hinsichtlich dec Zahlungsfähigkeit eines Laiches nicht begreifen. Die gegen- wartige deutsche Zahlungsfähigkeit ist nach dem Willen Deutschlands aber gleich null. Jede Untersuchung durch Sachverständige wär' zwecklos. Wünsch: da» englische fitalineti, daß die deutsche Schuld Völlig aufgehoben wird, unter dem Vorwand, daß die Zahlungsfähigkeit aus imil gesunken ist? Säuft England auf di.se Schlußfolgerung hinaus?
Der Anhang beschäftigt sich ausführlich mit den teni- gen Stellen der englischen Note^ bte sich auf die Festsetzung der deutschen SchuD durch die Reparatiouskom- inission vom Mai 1921 beziehen. Im Paragraph 15 wei t der Anhang darauf hin, daß die englische Flotte wieder ausgebaut und ihre Konkurrentin, die deutsche Flotte, entweder zerstört oder nur dank den englischen Schiffsverkäufen neu gebildet sei. Di: ffanzösischen Gruben und Fabriken dagegen seien noch nicht i ndem vor dem Kriege bestehenden Umfang wieder aus-cbaut, während die deutsche Industrie in vollem Umfange beteilten werde. Unter Punkt 21 kommt oer Anhang noch einmal grundsätzlich aus tfe Abschätzung der Zahlungsfähigkeit zu sprechen. Gr sagt: Wenn es möglich gewesen ist. daß Unmittelbar noch dem Kniege die auf der Situation vor dem Kriege fußenden Einschätzungen der deutschen Zaite lungsfähigkeit zwischen 60 uni) 800 Milliarden schwanken, tote soll es dann Möglich sein, in dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Chaos, zu einer Zeit, da Deutschland systematisch die Wahrheit verhrinllichi und alle Statistiken entstellt, zu einer präzisen Schätzung zu kommen. Man vergißt, daß Frankreich für sich allein auf Grund der Abmachungen von Spoa selbst aus 52 Prozent der deutschen Schuld Anspruch hat. Zu Punkt 23: Der Eekank.ngang Englands hinfichilich der interalliierten Bez-ehung:n ist sehr richtig. Wenn wir diese Kürzung der Rech«, die man uns aufzucrlegen trachtet, weder gerecht noch Vernünftig finden, so hoffen wir, daß das Londoner Kabinett unserem berechtigten Widerstand Rechnung tragen wird Wie kann man jedoch nach einem vierjährigen Kriege, in dem zeh» stanzösische Departements zerstört worden sind und
Sie gfliitif 6?r mim Shiitriiig,
Berlin, 22. Aug. Das Organ der Deuischett Bolkspartei. die »Nationalliherale Korrespondenz", wendet sich in einer Auslassung gegen die Behauptung, dass, die Regierung Sttesemann ihre Politik auf einen französischen Kurs einstelle in tb erklärt, daS Nene Kabinett wird feine französische, auch keine englische Politik nmchen, sondern deutsche. Die deutsche Poliiik yat es in der Reparation s:rage mit der . lamtbeit der Alliierten zu tun und hat darauf ihr«। Maßnahmen und ihre Entscheidungen anzwenden. WO dem französischen Geltüch wird gefordert, daß ^r.-nM reich sich während eines etwa Deutschland zu ce*’ ivährenden Moratoriums üch der Leistungen dell rheinisch-westfälischen Wirtschaft versichere, die dtll rbeiniM’en Eisenvabnen in französische Regier nehns» und Beschlag auf die ' entschen Gruben lege. Voll allem aber spreche das ftanzöstsche Gelbbnch nicht vo» der Rückgabe des Ruhrgebiets an Deutschland, so»» bern scheue nicht, zu sagen, daß Frankreich sich dorvll»', halten müsse, zu entscheidet^ welchen deutsch«
London, 22. Aug. Die französische Antwort tof die englische Note ging gestern abend bei dem Dforeign Office ein. Wie erwartet, war Baldwin »och nicht nach London zurückgekehrt und wird erst Heute eintreffen. Es ist aber wahrscheinlich, daß Her Premierminister Donnerstag und Freitag in Her Hauptstadt zubringen wird und sich Samstag, Wie die „Daily Mail" bestätigt, auf feine Reife nach Frankreich begibt. Da das französische Schriftstück Wit ungewöhnlichem Umfang sei, werde dem „New York Herald" zufolge eine Woche verstreichen, bis es »öllig übersetzt und den Mitgliedern des Kabinetts hugestellt werden kann. Es ist daran zu erinnern, daß die Note Poincarss das Doppelte der letzten I englischen Note ausmacht und etwa 20 000 Worte Beträgt. In der Situation werde, wie der „New York Herald" hinzufügt, ungefähr eine Woche ver- Freichen. ehe eine nennenswerte Aenderung ein- fritt. Man nimmt an, datz Baldwin nach Prüfung des Schriftstücks und telephonischer Besprechung mit Lord Curzon die Minister, sobald sie in London anwesend sind, zu einer Beratung einberufen wird. Ferner glaubt man zu wissen, datz die englische Re- f ßterung nach diesem Kabinettsrat nicht vor zehn Lagen irgendwelche Aktton unternehmen wird. Die JDoilt) Mail" erfährt, datz der hervorstechendste Zug bet französischen Antwort ein durchaus neuer Repa- llationsplan sei. Frankreich rege an, datz Deutschland lediglich eine Gesamtsumme von 2 600 000 000 Pfund Sterling bezahlen soll. Diese Summe ver- \ teile sich folgendermatzen: Großbritannien 710 Mitt.
Pfund (die Höhe seiner Schulden an die Vereinigten Staaten), Frankreich 1 300 000 000 Pfund und Belgien 590 Mill. Pfund. Der französische Plan ziele darauf ab, die Gesamtsumnre der deutschen Reparationszahlungen zu nennen. Die französischen Re- ■ parationsforderungen werden auf 1300 000 009 Pfund herabgesetzt. Der Rest der früheren deutschen, interalliierten und russischen Kriegsschulden werde gestrichen, ausgenommen diejenigen, dis Amerika -von Frankreich beanspruchen kann. In diesem Falle »erden die deutschen Bonds C in Geltung bleiben.
Der Inhalt der französischen Rote.
Paris, 22. Aug. Die französische Antwortnote kommt nach einer historischen Schilderung der X. einzelnen Etappen der Reparationsfrage und nach Ausführungen über die Gesetzmäßigkeit der Ruhrbesetzung darauf zu sprechen, datz Frankreich schließ- Uch gezwungen gewesen sei, Pfänder zu ergreifen und das Ruhrgebiet zu besetzen und fährt dann fort:
Die Ingenieurkommisfio«.
Wenn wir politische oder militärische Absichten gehabt hätten, würden wir nicht das Ruhrgebiet 6e= setzt haben, sondern hätten es vorgezogen, in das vkaintal einzurücken, weil dieses Tal, das Bayern von Preutzen trennt, Deutschland entzwsischneidst. Wir hatten heute dieses so dichte und tätige Gebiet, bas 6 Millionen Einwohner hat, mit einer Armee von 50 (XX) Mann besetzt. Wir hatten aber die Absicht, nur bedeutend schwächere Effektivbestände in Bewegung zu setzen. Wir hatten durchaus nicht den Wunsch, eine militärische Operation zu unternehmen. Unsere Truppen sind nur ins Ruhrgebiet gekommen, um' dort unsere Ingenieure, unsere Zoll» und Forstbeamten zu schütze». Es waren nicht L Militärpersonen, mit denen die Deutschen zuerst zu 11 tun hatten. Es sollte an dem normalen Leben und •n der wirtschaftlichen Tätigkeit des Lande» nichts Geändert werden. Eine Jngenieurkommission der Alliierten sollte ganz einfach die Tättgkett des Kohlensyndikats kontrollieren.
Der passiv« Widerstand.
Die deutsche Regierung hat sich aber im Gegensatz zu § 18 des Anhanges 2 so gestellt, als ob sie die Besetzung des Ruhrgebietes als einen feindseligen Akt betrachte. Sie hat sich dieses Vorwandes, der eine Unterminierung des Friedensvertrages war, bemächtigt, um sich ihrer Berpflick- tungen zu entziehen, die am einwandfreiesten fest- standen. Auf ausdrückliche Anweisung von Berlin haben die Post-, Telegraphen- und Telephonbeamten di« Herstellung von Verbindungen für Franzosen rmd Belgier eingestellt, haben sie die Beförderung L »nserer Briefe und die Weitergabe unserer Tele- Gramm« verweigert, auf ausdrücklichen Befehl haben die Eisenbahner die Züge verlaffen, die mit Verpflegung für unsere Truppen beladen waren, ■Ibie Besatzungsbehörden daran gehindert, die Bahn- HSf« zu betreten und die Beförderung von Kohler l Mab Koks nach Belgien und Frankreich aufgehalten.
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Paris, 22. Aug. PoincarS ist gestern nach hier zurückgekehrt. Morgen wird dem „Echo be Paris" zufolge in Rambouillet unter dem Borsitz von Millerand ein Ministerrat abgehalten werben, in dessen Verlauf das Reparationsproblem ausführlich durchgesprochen werden wird. Poincar6 werde die französische Politik in allen Einzelheiten dar stellen.
Ei« Pariser Raubplan.
Paris, 22. Aug. Der englische Abgeordnete Reginald Clarry spricht, wie dem „Echo de Paris" gemeldet wird, bte Anregung aus, das Ruhrgebiet mutzte von den Verbündeten während einer gewissen Zeit ausgebeutet werden. Die Einnahmen sollen Deutschland auf seinem Reparationskonto gutgeschrieben werden. Diese neue Unterpfand würde die Verbündeten in den Stand setzen, Bonds auszugeben, mit deren Hilfe unverzüglich zu einer Kompensation der interalllliierten Schulden geschritten werden tonne. Der verbündete Ruhrstaat, für den man nur unschwer die notwendigen Arbeitskräfte finden würde, sei von den Verbündeten, oder vielleicht unter gewissen Voraussetzungen von dem Völkerbund, zu verwalten. Die Kohlenbergwerke. die Eisenbahn und ferner die Eisen- und Stahlwerke seien getrennt voneinander auf einer kommerziellen Grundlage auszubeuten. Der Ertrag dieser Operation gestatte es, die Zinsett der Bonds zu amortisieren.
Blinde „Staatslenker".
P a r i s, 28. Aug. Der Verwaltungsrai des allgemeinen Arbeitsbundes beschäftigte sich gestern mit der internationalen Lage und beschloß die Ver- ösfenllichung einet Erklärung, in der es heißt, angesichts des Ernstes der internationalen Lage wiederholt der Verwalt»,rgsausjchutz feinen Protest gegen die Haltung blinder Sraatslenker. die feit 4 Jahren bewußt die elementarsten Bedingungen mißachten, welche für die Wiederherstellung des Friedens und zum wirtschaftlichen und moralischen Wiederaufbau Europas unumgänglich notwendig find. Der Ausschuß erinnert daran, datz der Allgemeine Arbeiterbund einen Reparationsplan ausgearbeitet hat, welcher die Ruinen zum Verschwin- den gebracht und das Werk der Völkerversöhnung und der Sicherheit gefördert hat. Die militärische . Besetzung des Ruhrgebiets wird von dem Ausschuß selbst als ein schwerer Irrtum bezeichnet. Der Ausschuß versichert die deutschen Arbeiter feiner Soli- Parität.
gen alle diejenigen ihrer Untertanen verkündet, die UNS gegenüber guten Willens oder nur einfach indifferent sich zeigen würden. Es war sicherlich rechtmäßig, wenn die französische Regierung angesichts derartiger Taten die Einstellung des passiven Widerstandes als die Bedingung betrachtet, die jeder neuen Unterhaltung mit der deutschen Regierung vorangehen müsse. Gegenwärtig haben, alles in allem genommen, nur die Konkurrente» der Industriellen des Ruhrgebiets, die Kohlen oder metallurgische Erzeugnisse verkaufen, Nutzen. Es würde aber die Ruhrbesetzung, sobald einmal der passive Widerstand aufgehört haben würde, eine Abänderung erfahren. Sie würde bei fortschreitender Räumung nach Maßgabe der Zahlungen unter der Bedingung anbauern, die von den jetzigen ganz verschieden sind. Wir würden die Zusammenarbeit mit den deutschen Organismen wieder auf- nehmen und es würde eine beträchtliche Erleichterung in den Lasten der Bevölkerung die Folge davon fein.
Di« Räumungsbedingungen.
W i r wissen genau, daß Deutschland das, was es uns schuldig ist, ziemlich schnell wirdbezahlenkönnen und datz infolgedessen Deutschland Herr darüber sein wird, die schrittweise Räumung zu erreichen. Der Zeitpunkt, für den die Zahlungen erfolgen werden, hängt vom Willen Deutschlands ab. Es genügt, die Schnelligkeit zu sehen, mit der Oesterreich, als es die notwen- oigen Anstrengungen hat machen wollen, trotz der Fehler seiner geographischen und wirtschaftlichen Zusammensetzung seine Produktioi-sfähigkeit und seinen Kredit wiedergefunden hat.
Bezahlung der Reparationen und interalliierten Schulderi.
Es ist in der Tat nicht wahr, datz die französischen Ansprüche derart sind, datz sie Deutschland vernichten und das; sie fftt lange Zett die Zahlungsfähigkeit Deutschlands übersteigen. Seit langen Monaten hat Frankreich nicht aufgehört, den Alliierten ein sehr einfaches Progrtmm vorzukchlagen, das sehr klar und sedr bescheiden ist, sich im Rahmen des Zahlungsstatuts öäft und in zwei SBorten ausgesprochen werden kann: Frankreich hat von seinen Alliierten verlangt, datz sie, wenn sie jede Priorität für die Reparationen ableünten, ihm doch wenigstens die 26 Milliarden Goldmark von den Obligattonen A und B weiter belieben, die aus dem in Spaa beschlossenen Prozentsatz herrühren, und Frankreich von den Obligationen C diejenigen Summen vorbehielten, die von ihm als interalliierte Schulden verlangt würden. Das ZohlungSstatut garantiert Frankreich mindestens diese beiden Ansprüche und die Obligationen C konnten Frankreich sbgar einen ergänzenden Spielraum lassen. Frankreich hat ungeheure Summen für Rechnung Denttchlands vorgeschossen. ES tonn weder seine Re- Parationsarbeiten unterbrechen noch sie auf unbe- stirnmte Zeit auf eigene Koste» weiterfüdren. Andererseits hat Frankreich niemals die Schulden verleugnet, die es während des Krieges, sei eS bei Amerika, sei es bei Snaland, im Interesse deS gemeinsamen Steges kontrahiert Hai. Frankreich sei übrigens auch selbst Gläubiger anderer Alliierten, denen eS lvävrend des Krieges Vorschüsse In Höhe von 5 bis 6 Milliarden Goldmark gemacht habe. Diese Forderungen und diele interalliierten Schulden bezögen sich in ihrer Gesamtheit auf Waffen-, Material-, MunitwnSkäufe, sowie die Lebensmittelversorgung der Armee», die brüderlsth Seite an Seite gekämpft hätten.
Die Verfasser beS FriedenSvertrageS sind mit Recht der Auffassung gewesen, datz die Zahlungsfähigkeit eines Landes etwas Autzrrgewöhnliches. Veränderliches sei, datz ein Zahlungsplan infolgedessen ebenfalls wandlungSfühig sein müsse und datz eS Sache bet Kommission wäre, den wirtschaftlichen Fluktuationen Rechnung zu tragen, in krittschen Tagen bi’ Fälligkeitstage hinauSznschieben und sie in Zeiten der Erholung näher zu rücken. Der Gedanke, ein für allemal die Zahlungssähigkett abzuschätzen, ist ihr nicht in dcn Sinn gekommen.
Es sei nicht notwendig, datz tnternattonale Finanz leide, wenn sie auch noch 'o intelligent und erfahren sein mögen, die Zukunft prophezeien und von unsicherer proviiorischer Grundlage zu endgültigen Schlutzfolgerungen kommen könnten. Sie werden sicher noch bedeutend Verivimderter gewesen, wenn man ihnen gesagt hätte, man loolle gerade diese Dchätzimg an dem .Zeitpunkte vornehmen, wo es Deutschland gelungen wäre, im eigenen Lande einen vorübergehenden Zusammenbruch zu organisieren und für einige Zeit seine Zahlungssähigkeit zn reduzieren.
Sicher ist Frankreich nicht darauf bedacht, Deutschland zugrunde zu richte-:. Ys hat vielmehr ein Interesse daran, datz sein Schuldner wieder in bessere Der- hälttrisse kommt. Es Weitz im übrigen sehr wohl, Van d-er Znfammenbrnch einer so großen Nation iv t e Deutschland schwere Verwirrungen in ganz Europa zur Folge haben würde. Aber die Verwirrungen, die ein Zusammenbruch Frankreickss nach sich zöge, Wären nicht geringer. Sie wären ebenso «n-