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Amtliches DvckÜndigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher knrheffifche) Oberhesiei
Sie Antwort an England.
Paris, 22. Aug. Die französische Note ist heute vormittag 9 Uhr dem englischen Geschäftsträger in Paris übergeben worden. Jin Leitartikel gibt der „lemps" der Hoffnung Ausdruck, daß die englische Diplomatie nicht ein neues juristisches Match beginnen werde, und dass die Zeit der Dia- kktik mit der heutigen französischen Note abgeschlossen sein werde. Zn dieser Hoffnung aber würden «Se auf beiden Seiten des Kanals, die guten Wil- kns feien, die Frage, aufwerfen: Was wird jetzt geschehen? Die französische Note und ihr Anhang enthalten drei Arten von Gedanken: 1. Man finde hier zunächst die Gründe, die die Politik Frankreichs gegenüber Deutschland rechtfertigtest! 2. Seien in der Note Texte und die Tatsachen aufgesührt, die Punkt für Punkt die. Beweisführung der letzten eng- Sschen Note widerlegten. 3- Erinnere Poincarö daran, dah er die Grundlagen einer völligen Lö- fttttfi bereits umrissen habe. Diese Grundlagen seien es natürlich in erster Linie, die jedermann, der zu einem positiven Ergebnis kommen wolle, interessieren müßten. Wieviel verlange Frankreich? Es »erlange für seine Reparationen die Zahlungen, die insgesamt 26 Milliarden Goldmark gegenwärtigen Wertes darstellten. Frankreich werde seine darüber
hinausgehende Forderung an Deutschland nur in dem Maße geltend machen, in dem es durch die Anforderungen feiner eigenen Gläubiger (England mü> die Vereinigten Staaten) gezwungen fein 1 werde. Wie erwarte Frankreich bezahlt zu werden? i Poincarä habe das bereits in beut Stück 23 des letz- \ ten Eelbbuches angezeigt, und seine heutige Note V könne sich nur auf dieses Dokument, das. das Datum 1 des 19. Zum trage, beziehen.
-London, 21. Aug. Blättermekdungen zufolge >^rd die französische Antwortnote nach ihrer Ankunft in London bei den Kabinettsmitgliedern zir- V Mieren. Der Premierminister wird entscheiden, ob Einberufung eines Ministerrates zur Erledi- ß«ng einer etwaigen Aktion notwendig ist oder nicht.
London, 21. Aug. Der diplomatische Bericht- ■ rrftatter des „Daily Telegraph" schreibt: Die all- | gemeine Stimmung in britischen Kreisen bezüglich r Nt Aussichten auf ein Uebereinkommen guf Grund • der bevorstehenden Note Po incar^s sei gestern keineswegs optimistisch, eher sei sie pe fs i m i st i sch gewesen. Die NM. des französischen Premierministers in Eharlevilte sei vollkommen unuach- ziebig gewesen, und es sei klar, daß die französische Regierung bestrebt fei, in den Augen der Welt jeden Schein zu vermeiden, als sei sie verantwortlich für die etwaige Einstellung der augenblicklichen Verhandlungen und für oas Ende der Entente selbst
und als wolle sie nichts anderes als die unbeschränkte Fortsetzung der bisherigen, zwecklosen Verhandlungen, bis Deutschland kapituliere oder zu- sstmmenbreche. Diese Taktik fei geschickt und verständlich. Sie brauche Baldwin, Curzon und deren Kollegen nicht scheu zu machen, wenn auch in Paris angenommen wexd^daß die äußere Versöhnlichkeit bet Note die engkiWk Kritiker der britischen Regierung stärken werde. Bevor die französische und die belgische Note eingegangen unb vom Kabinett
erwogen würden, könne nicht gesagt werden, welche Politik gewählt werde. Es könne jedoch n i ch t e r -. wartet werden, daß die britische Regierung ihren und den amerikanischen Gedanken einer wissenschaftlichen Neufestsetzung bet deutschen Zahlungsfähigkeit durch eine unparteiische Sachverständigenkommission auf gebe.
e Loudon, 21. August, lieber die ftauzZsische Antwortnote werden in bet AüendprZle verschiedene Vorau?« faauncen gemacht. „Evening Standard" zufolge sucht die französische Note, die Tür für weitere Berhandkun?.en »fielt zu halten. Poincare würde Deutschland ein Moratorium geben, i-choch mit Garantien Mit anderen Worten, Frankreich beabsichtige, im Ruhrgebiet zu bleiben Die Note sehe ickoch eine mögliche Veränderung der Be- stdungsverhältnisse vor, foivett die Einstellung des deutschen passiven Widerstandes dftses zuläht. Poincare schätzt die Leistungsfähigkeit Deutschlands auf null ein •tnb sei aus diesem Gruiche bereit, ein Moraroritzim zu llewähren.
Der politische Berichterstatter der „Evening News" erfährt, bk französische Regierung macht zum ersten mal ttn «Bedingt rudgültigrs Ang bot wegen einer lehr «roßen Herabsetzung der deutschen Wiederherstellung. Tn lranzösische Regierung schlägt vor, die Gesamthöhe der ^nzösischen Wtederherstellungsfoiderung auf 1 Mt'liaidc Millionen Pfund Sterling sesizufetzen unb die qv- «nnttn französischen, alliierten und deutschen Schufen » streichen.
Paris, 21. Aug. Nach einer Havasmeldung Brüssel teilt „Elaste Belge" mit, daß die bel- Antwort Poincarö am Mittwoch abend über- -Echt werden wird. Donnerstag werde ihre lleber-
gabe in London erfolgen. Die Antwort werde sich mit der Frage der belgischen Priorität beschäftigen und daran erinnern, was Belgien bisher an Reparationen erhalten habe. Was die Ruhrbesetzung und die Gesetzmäßigkeit der Besetzung betreffe, so glaubt das Blatt zu wissen, daß die belgische Regierung von neuem betonen werde, daß das Ruhrgebiet für Belgien nur ein Pfand und ein Druckmittel auf den Schuldner darstelle. Die belgische Antwort werde sich vor allem an die Tatsache halten, daß England in der letzten Note zum ersten Male die Höhe dessen festgelegt habe, was es noch an Reparationen zu erhalten hoffe. Diese Tatsache könne nach Ansicht der belgischen Negierung die Fortsetzung der Verhandlungen möglich machen. „Etoile Belge" sagt dann weiter, daß man in ministeriellen Kreisen sehr optimistisch sei und glaube, daß die Verhandlungen weiter gehen könnten.
Der Brüsseler Berichterstatter des „Temps" teilt über die belgische Antwort mit, daß .sie am Montag abend noch nicht fertig ausgearbeitet gewesen sei. Man habe — das verdiene festgehasten zu werden — in Brüssel nicht die Hoffnung verloren, daß es bezüglich der Regelung des Repärationsrpoblems zu einer Einigung zwischen den Alliierten kommen werde. Es wäre indessen völlig verfrüht, zu melden, worin die belgische Antwort bestehen werde, da bezüglich ihres Inhaltes noch keinerlei Entscheidung getroffen worden sei.
Bin neuer Bermittluugsvorschlag Baldwins?
London. 21. Aug. Man erwartet hier daß Baldwin den Versuch machen wird, Poincar^s Formel vom 12. Juni mit den neuen französischen Forderungen betreffend wirksame Garantien zu einem einheitlichen unb konkreten Vermittlunasvorschlag zur Beendigung der Ruhrakrion zu verbinden, die es der englischen Regierung vielleicht ermöglichen würde, ihrerseits über einen für Deutschland annehmbaren Gegenvorschlag in dieser Frage die alliierten Verhandlungen fortzusetzen.
Für Poincarö.
Paris, 21. Aug. Die 28 Eeneralräte. die gestern, wie angekündigt, zusammengetreten sind, haben sich sänrtlich für die Außenpolitik Poincarös, besonders für die Ruhrbesetzung ausgesprochen. Wie Havas aber aus Moulins berichtet, haben die kdm- munistischen Abgeordneten des Generalrats von Allier einen Antrag eingebracht, in dem gegen die Besetzung des Ruhrgebietes Einspruch erhoben wird. Der Präfekt internem erte, wonach der Antrag mit 14 gegen 10 Stimmen von der Tagesordnung abgesetzt wurde.
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Die Nitino Wto.
London, 21. August Nach einer Rcuterm lmng aus Washington sprach feer amerikanische Staatssekretär Mellon bei dem Präsidenten Eovlidge vor und er* örterte mit ihm die Frage der deutschen, sowie bet anoereni internationalen Probleme im Lichte fener vor Kurzem nn Auslande gemachten Beobachtungen. Nach feiner Un- lerrehunfl mit bem Präsidenten erklärte Mellon endgültig. daß er weiter im Amt bleiben werd«
London, 21. August. Wie Reuter aus Ncwyori meldet, ist der in seiner Rebe in Bloemfontein an die Bereinigten Staaten gerichtete Appell des General SmutS von bet amerikanischen Presse keineswegs hoffnungsvoll mitgenommen morden. Die „Newpork Times", die van „falschen Hoffnungen" spricht, erklärt sogar, bis nach Südafrika sei die seltsame Auffassung gedrungen, dass die Vereinigten Staaten bereit setzen, sich an öie Seite Großbritanniens zu stellen. Am-rika n-erde nur einer vereinten Einladung folgen. Jeder Appell, ben bk Partei einer Gruppe Don Nationen gegen eine rmoere ergreife, werde ohne weiteres sehlschlrgen.
New York, 21. Auaust. Wir die „Newyork Tim-I" aus Washington meldet, hat ein Ausschuß führender amerikanischer Geschäftsleute in einer Unterredung mit dem Präsidenten Cooliöge über die gefchäftuche Lage des Landes erklärt. He amerikanischen Geschäftsleute würden eine Gelegenheit für die Bereinigten Staaten begrüßen, offiziell oder nichtofsizkll an ter Lösung der europäischen Probleme mitzuhelsen. Es werte vorteilhaft fein, diese Hilfe, die die Notlage der weizen- bauenden Landwirte txrminders und für die amerikanische Industrie von größtem Nutzen f:in würoe, ohne Verzögerung ins Werk ju setzen
Paris, 21. August. Nach einer Meldung Hs „New fiert Heralb" ans Washington empfing Präsident Loo lidge gestern eine Abordnung ter .Handelskammer der Ver- finicent Staaten unter Führ »ng von BarneS. Ter Borfitzende bet internationalen Handelskammer, MilleS H Booth von Carantri Trust Co. (Poris) führte vor dem Präsidenten aus, er glaube, daß die Repartionsftge geregelt w.rve, sobald die Hauptbri.iligten einfthen. daß das Problem nur auf wirtschaftlicher Grundlage g> löst werden kann Ter gegenwärtige Konflikt «verte nach seiner Meinung bako tefriebigenn gelöst werden Amerika würde für diese Regelung erforderliche Geld geben können, sobald die nötigen Garaotixn vorliegen.
Abschließende Beratungen sollen zunächst den Streifen der Landwirtschaft, des Sauber Hochfinanz geführt werden, bevor man abschließenden Ergebnis gelangt. In Rret«
tragen, noch mit dels und zu einem
als die alte den Kopf hierüber zerbricht nicht so ohne weitere» ersichtlich, wo testen Hebel mit Erfolg angefetzt werden rann
" L'ich Endes der und mutz. 1‘trixhtum
liegt schon etwas weiter zurück, und wurde schon unter dem Kabinett Cun» erörtert. Auch in den Groß- tndustriellen-Krftsen «st die Ueberzeugung mehr und mehr durchgedrungen, daß die Aufbringung einer Summe von 200 biS 400. vielleicht sogar 500 Milli- onett Mark notwendig sei, um eine Besierung der Mark und eine Stabilisierung auf längere Sicht zu erreichen. Wie verlautet, haben auch die Vertreter des Reichsverbandes der Deutschen Industrie bei einer Besprechung Ende der letzten Woche dem Kanzler Dr. ®tref ernenn gegenüber ihre gleiche Ansicht und Be. reitsa)aft nach dieser Richtung hin ausgesprochen, zur Schaffung eines Devtken-FoudS für ihren Teil beizu-
Verdoppelung bet schwebenden Schuld in 10 Tagen.
Berlin, 21. Aug. Die Atlsgaben des Staates in der Zeit vom L bis 10, August betragen 6122» Billionen Mark. Hierin find Abhebungen der Reichsbahn in Höhe von 18,379 Billionen Mark enthalten, während bereits vorweg ein Betrag ton 1,383 Billionen Mark aus Ablieferungen der Post abgefetzt wurde. Diese Ablieferung der Post gibt jedoch kein richtiges Bild von deren Betriebsergebnis, da unter den Einnahmen dzr Post auch Einnahmen für Steuermarken usm. enthalten sind. Diesen Ausgaben von über 61 Billionen Mark stehen effektive Einnahmen nur in Höhe von 1,791 Billionen Mark gegenüber. Infolgedessen mußte der weitaus größte Teil der Ausgaben, nämlich 59,434 Billionen Mark durch Neuaufnahme schwebender Schuld an diskontierten Reichsschatzanwei- sungen gedeckt werden. Die schwebende Schuld au diskontierten Reichsschatzanweisungen betrug bisher 57,848 Billionen Mark, so daß sie jetzt auf 117,282 Billionen Mark gestiegen ist. Die gesamte schwebende Schuld ist jedoch noch wesentlich höher,' ihre übrigen Konten werden nicht dekadenweise, son- -- dein jeweils am Monat ultimo ausgewissen. — Zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen in ausländischer Währung aus dem Versailler Vertrag wurden 61,654 Billionen Mark aufgewandt.
: Großindustrie, die nn5 nahestehen, ist man durchaus der Ansicht, daß es der Industrie möglich ist, ihrerseits bis zu 200 Millionen 'Goldmark zu einem solchen Fond beizuttagen. Man hat zwar ketnen Zweifel darüber gelassen, daß eine solche Aufbrin- grmg mit großen Opfern verbunden ist, daß man ave» auf der änderen Seite blefe Opfer auch im eigenen Interesse für dringend notwendig hält. Es würde ja erfreulich fein, wenn alle Kreise zu einer rtchngen Erkenntnis kämen und die Schaffung eines solchen evisen:Fonds dadurch gesichert würde. Das würde im Innern sicherlich zur Beruhigung beitragen, auf der anderen Seite aber dem neuen Kabinett reichlich Gelegenheit geben, in Ruhe die außenpolitische Fühlung und F:'ch7>!g wieder aufzunebmen, soweit dies och nicht geschehen, und sie vor allem mit der not- endigen Sicherheit durchführen zu können.
Berlin, 21. Aug. Von unterrichteter Seite wird mitgeieilt, daß die Sttmmung im Kabinett zu- fierstchtlich ist, daß man den Ernst der Lage natürlich titln verkennt, aber fest enttchlossen ist, alle Matz- nahmeu zu treff-n, die angesichts der augenblickkichen Situation erforderlich sind.
Berlin. 21. Aug. Die Blätter teilen mit: IN der gestrigen Sitzung des Retchskabinetts wurde auch die Frage der Neuregelung der Einfuhr befprochen. Mehreren Blättern zufolge forderte der ReichsnUntster des Innern Sollmann den Staatssekretär des Ministeriums Freiherrn von Welser auf, sein Rücktrtttsgefuch einzureichen.
Berlin, 21. Aug. Der .B. Z." zufolge beabsichtigt die Reichsregieriing, heute nachmittag die Führer der Parteien, und zwar zuerst die sozialdemorra, tischen und die übrigen Koalitionsführer. von ihren Absichten in Kenntnis z>t setzen und ihre Beschlüsse sodann tn Notverordnungen um zufetzen, zu deren Ausarbeitung unverzüglich geschritten werden soll. Sie sollen derart beschlcnnigt werden, das; diese Notverordnungen schon morgen unb mit sa- fertiger Wirksamkeit veröffentlicht werden können.
rung, neue Steigerung der ßöotre, neue Inflation allzu zutreffend ist. Wir glauben daher, daß nicht nur an einer Stelle angcarifsen werden mutz, sondern der Hebel zu gleicher Zeit aber mit Erfolg an mehreren Stellen au geletzt werden muß.
'*nu. und das; sich die neue Regierung vielleicht mehr noch " "
z« höWer R°i!
Die Entwickelung der letzten Tage zeigt allzu deutlich, daß wir uns nach der kurzen Atempause, die bet dem letzten Regterungswechsel entstanden war, wieder tn katastrophaler Abwärtsbewegung befinden. Nicht nur das Anschwcllen aller Preise, besonders der Lebensmittelpretse und die damit als notwendige Folgeersckteinung zutage tteteitdcn neuen Lohn- "unb Tcbaltsforderungen, sondern vor allem die enorme Steigerung der Kohlenpreise wirken lähmend und erschütternd auf unser ganzes Finanz- und WirttchafiS- leben und droben zudem bei auch nur kurzem Anhalten zu iitnenpollttschen Erschütterngen zu führen.
Der Hilferuf des Berliner Magistrats an das Reichskabinett, .dringend im Interesse der Austecht- erbaltuitg der Ruhe, des Verkehrs und des Wirtschaftslebens keine weitere Steigerung der Kohlen- prcise' zuzulassen, ist ein Mahnzeichen und gleichzeitig eine dringende Warnung in letzter Stunde vor der Fortsetzung des Preisstrig-ruugswahnsinns. In seinem Telegramm vom 18. August 1923 bat der Magistrat von Berlin an sämtliche in Beiracht kommenden Reichsministerien die dringende Bitte gerichtet, nteb in letzter Stunde das weitere Steigen der Kohlenpreise, von dem ans eine neue ungeheure Tctie- rungswelle auszngehen droht, zu bekämpfen. Mit Recht wird darauf hingewiefen, daß die gesantte Wirtschaft, insbesondere Gas und Eleftrizität und nicht in letzter Hinsicht auch die zur Aufrechierlialtung des Wirtschaftslebens so notwendigen großen Verkehrs- unternebmungen zu Preisen gelange» müssen, die für die Bevölkerung unerträglich sind. Oeffentliche Ord- nung und Süherheit erscheinen tatsächlich schon beute auf das schwerste geffifirdet. Wir befinden uns in Teitischland neuerdings wieder auf einer fchiefen Ebene. Unsere Preise, voran die Kohlen- vretf e, haben den Weltmarktpreis überstiegen und machen uns konkurrenz- unfähig. WaS das heißt zu einer Zeit, wo wir mehr d-nn se darauf angewiesen sind, durch Ausfuhr die notwendigen Devisen fiir Lsbensmltteleinfubr, Fett, Getteide usw. und für Rohstoffe beretnzuMyre». Das ist fchön hübet deS öfteren von dieser Stelle auS ew-n wrrdrn. Früher waren aber die Etründe für ireberschrettung der Weltpreis-Parität darin zu suchen, daß sich die Mark vlötzlich bewährte, sodaß bis Vor kurzem eine neue Markverschlechterung, di- niemals auShleibt, den alten Zustand iölebet Herstellen konnte. Heute liegen die Dinge aber anders. Wir haben auch diesmal vorübergehend eine Markbefferung erlebt. Aber die Ueberschreitung der Weltpreise blieb auch bestehen, als die Mark neuerdings wieder und zwar, wie die letzten Newporter Börsen-Ausweife^ zeigen, in ganz ethebsichem Maße ins Rutschen kam. Der linterschied gegen ftüher liegt zunächst einmal t« nein Ätempo und Matz, in dem sich die Valorisation der Warenpreise früher vollzog und setzt vollzieht. Sie liegt aber neuerdings vor allem tn der Tendenz, den eetchrsis nicht nur der Markentwertung von heute, auch d>>r vorausgesetzten Markentwertung von morgen anzupassen.
<5hr solches .Nebrschlagen der Preise" ließ sich auch in Oesterreich kur; vor dem gänzlichen Wä^mngszer- fall beobachten und dürste, von diesem Beispiel her- gruommen, ein deutliches Warnungszeichen fein, mit allen Mitteln und unter Hintansetzung aller Widerstande dahin zu arbeiten, daß die Laltdeswährung einigermaßen stabil wird. Auf einer ganzen Reibe von Gebieten haben ivtr setzt schon eine Aufwertung von Preisen, Transportkosten, sa zum Teil auch von Löhnen, die über die Weltparität hinan "gehen und selbst die Friedenspreise und Löhne, auf die matt sich bisher Immer berufen bat, bei weitem übersteigen. Was das für Folgen haben wird, wenn einmal eine solche Friedenswährung auf allen Gebieten und fiir alle Berussfi.rssen dsurchgeführt ist, wenn einmal gewissermaßen die Goldrechnung wieder allgemein durchgefiihrt sein wird, das läßt sich zur Zett noch gar nicht nberseheu. ES ist klar, daß von allen Seiten die Mittel erörtert werden, mit denen dieser zerstörenden Enttvickeluug Einhalt geboten wer-
Demr wir sehen Immer wieder, daß daS mobile der Entivertuttg stets wieder in neuer Drehinrg sich unaufhaltsam weiterdewegt und daß bet Pergleich mit der Schraube ohne Ende: Teite-
Zu diesem Thema schreibt man uns auS Berlin: AlS letzthin Set dem Negierungsumschwung und den steuerlichen Maßnahmen des Reichstages die Mark sich zusehends zu bessern schien, atmete alles erleichtert auf. Es war aber leider nur eine kurze Atempause. Mit rasender Geschwindigkeit ist letzt triebet ein AbAeiieu der Mark zu benterten. Nach-' dem sich die neuen Minister tu ihren Ressorts einigermaßen eingearbeitei haben, um einen Gesmntüberbftck über die Wirtschafts- und Finanzlage zu erhalten, sind sie am Montag zu einer ersten außerordentlich wichtigen KabttieftZsitzung zusammensetteten, mit über die Grund- und RichtNitien der fimfticen Wirt- lchasts- und Finanzreform zu beraten. Was <m einzelnen das Kabinett fn dieser Richtung beschlossen büt und noch in den nächsten Tagen beschließen wird, dürfte bei dem Ausammenttitt dem Hauptansschusse des ReiüistageS am nächsten Donnerstag auch der bretteren Oefientlichkeit bekannt werden.
Im Vordergrund: der Berg ungen stand vor allem die Aufbringung eines Devisen-FondS, be^. auf der einen Seite zum Ankaufieu^ vier not'w-euvigften' Lebensmittel, wie Fett, Kartoffel^ Brotgetreide uP».;* auf der anderen Seite zur Durchführung einer Mark- stntzungsattion dienen soll. Diese Ausbringung eines Devifen-Jonds siebt nicht erst feti den letzten Tagen im Mittelpunkt« der Beratungen, sondern die Frage
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Berlin, 21. Aug. Die Geschäftsstelle des * Deutschen Städtetages teilt mit, Vertreter der Ee«1 meiubenerbäude — Oberbürgermeister Beetz, Peine,: Schmib, Mitzlaff. Landrat Elauvner, Constantin —' waren heute beim Reichsfinanzminister, um schleuniges Eingreifen des Reiches zu verlangen und um die Kommunen zu erhalten. Vor allem bie Er- • Höhungen der Besoldung unb die Kohlenpreis» erhöhung stellen Atisorderungen atribie Zahlung«« kraft der Gemeinden, die ohne Reichshilfe nicht zu! erfüllen find. Denn dass die Ausgabe von Notgeld von Ecmeinden nur vorübergehend als Hilfsmittel möglich ist, ist auch bie Ueberzeugung der Gemeinde» rrgamfarionen. Die Eemeindeverireter verlangten unter diesen Umständen, dass das Reich mit einer grossen Kreditaktion eintrete, um die Liquidität bet Gemeinden zu erhalten. Reichsfinanzminister Hil» ferbrng erkannte die Notlage der Städte an und sagte zu. mit Reichsmittels zu helfe«. Di« Hilpte