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J.H. Schäfer

Amtliches Berkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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S

1923

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Will Frankreich einlenken?

Revolver und einen Dolch bÄHnes^gefmcheiu

auf dem Kongreh der Südafrikanischen Partei alle großen und kleinen Rationen in Europa, sich um Großbritannien zu scharen, um die Weltkatastrophe zu verhindern. Die Lage sei ernster denn fe und wenn man in Amerika sehe, daß die europäischen Nationen Großbritannien unterstützen, so glaube er oaran, daß Amerika den Zusammenbruch verhin­dern werde, beficn Folgen noch in einem Jahrhun­dert nicht wieder gut gemacht werden könnten. Es sei sehr klar, daß die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien zum großen Teil ver­antwortlich für die heutige Lag« sei. Smuts er­klärte: Deutschland befindet sich am Rande des Ab­arundes, und wenn die Dinge so weiter gehen wie jetzt, so brrcht Deutschland als 'Staat auseinander. Die Auflösung Deutschlands wird eine weit ernstere Tatsache sein al» der Sturz Rußlands.

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genannt. Die „V Z." bemerkt dazu: Kein Grund, ja nicht einmal ein Borwand kann für die Berlän« ’ gerung der Gewaltmaßregeln mit ihren Verhängnis-' vollen Wirkungen auf wirifchaftlichem und sozialem Gebiet angeführt werden. Es handelt sich um ein« Politik, bei der die Zerstöruns der ein-i-e

kommt der letzte Ansturm Englands. — Aber — bisher hat PvincarS noch immer schwierige Lagen gerade durch solche angebliche Nachgiebigkeits­manöver wieder überwunden. Der Regierungs­wechsel bei uns gibt ihm die äußere Gelegenheit.

So soll französischen Journalisten in Paris von maßgebender Stelle erklärt worden sein, daß die Regierungserklärung Stresemanns Eedankengänge enthalte, die „für bte weitere Entwicklung nicht un­günstig seien". Wie diese offiziöse Aeußerung auf- zufasieu sei und ob der günstige Eindruck, den die deutsche Regierm-gserklarung auf die französische Presse gemacht hat, auch in den maßgebenden Krei­sen vori^rrichr. darüber werde man am Sonntag endgültig Ausschluß erhalten, nämlich in der Rede Po°mar6s in Tharlevilie, wo er eingehend auf die Ausführungen des Kanzlers Strefemann zu ant­worten gedenkt.

Man scheint also in Frankreich an irgend eine Form des Abbaues der Ruhrbesetzung zu denken. So schreibt der „Eaulois": Wenn di« Alliierten und Neutralen der Ansicht seien, daß die Räumung der Ruhr für ihre wirtschaftlichen Interessen un- orrteilhaft ist, so sollte es darum nicht unmöglich sein Frankreich, auf das deutsche Nationalvermögen gestützt, Zahlungsganrantien zu geben, wodurch die französischen Guthaben bei Deutschland so gesichert würden, daß Frankreich diese Garantien annehmen könnte. Mrt anderen Worten, England soll die deutsche „Schuko" «in Frankreich garantieren.

Es ist barum verständlich, daß man in London von der Fortsetzung der Berhandlungen doch einigen Borieil erwartet. Wir aber wollen ab- wnrten, ma« Poinrare vorhat. Wir wissen zu gut, daß sein Ziel die Zerschmetterung Deutschlands und seine wirtschaftliche Ohnmacht ist und seinen Winkelzüge« nicht.

Nach einer Havas-Meldung aus Düsseldorf sei n Königshofen ein belgischer Zivilist, Arbeiter bei der Regie, von zwei Schupobeamten verhaftet, mißhandelt und eingefpetA worden. Auf Verlan­gen der belgischen Organe habe das französische Mi« itärkommando den Belgier befreien lassen.

Nach einer Havas-Meldung aus Aachen habe die belgische Polizei ungefähr IKLeutewegenan« geb! ich er Sabetag-eakte verhaftet, darunter den Assistenten Menzel aus Velbert. Eine bei diesem abgehaltene Haussuchung habe zur Ent­deckung von Schriftstücken über die Organisation der Sabotage geführt. Bei den Verhafteten seien 5 Bomben, 1 Revolver, Dolche und Totschläger ge­funden worden. Untersuchung sei im Gange, und man erwarte neue Verhaftungen.

Paris, 16. Aug. Nach einer Havasrneldung ■aus Düsseldorf ist der Stadt Düsseldorf als Sank­tion für das angebliche Attentat am 30. Juni gegen einen belgischen Urlauberzug eine Kontribu« - tion von 187500 SoHar auferlegt worden. |

Duisburg, 16. Aug. Wegen des Explostons. Unglücks in dem Eisenbahnzuge auf der Hochfelde« Brücke am 30. Juli ist der Stadt Duisburg durch Verfügung des Generalkommandos der Be­satzung vom 10. August eine Kontribution . von drei Milliarden auferlegt worden.

Duisburg, 16. Aug. Der Stadtverwaltung ist eine Verordnung der Besatzungsbehörde vom 14. August zugegangen, wonach der Fußgängerverkehr sowohl bei Tag wie bei Nacht.im Gebiet der Stadt Duisburg wieder gestattet wird. Kaffees, Theater und öffentliche Lokale sind berechtigt, bis 9 Uhr abends geöffnet zu halten; ausgenommen find Wirtschaften und Restaurants, die wegen lieber# tretung der Sanktionsverordnung geschloßen wur­den; sie bleiben weitere 30 Tage geschloßen. Die Straßenbahn kann im ganzen Bezirk des Brücken»' Topfes wieder verkehren, jedoch im Süden nicht über die Eisendahnstrecke Hochfelde—Speldorf—Mülheim, im Osten nicht über Raffelsberg hinaus. fDer Ver­kehr mit Lastautos für alle durch Verordnungen ge­nehmigte Transvorte ist wieder gestattet. Die Ver­ordnung ist gestern mittag 12 Uhr in Kraft ge­treten.

Koblenz, 16. Aug. Hier wurden heute bet der Buchdruckerei Eebr. Breuer in Koblenz-Lützel, wo das städtische Notgeld hergestellt wird, von den französischen Vesatzungsorganen 697 Milliarden Mark „beschlagnahmt".

E l b e r f e l d, 17. Aug. Nach einet Besprechung mit dem Regierungspräsidenten ErÜtzner in Bar­men wurde der Düßeldorfer Großindustrielle Kom­merzienrat Max Falk, Leiter des Rhein-Handels» Konzerns, wegen dringenden Verdachts der Be­günstigung der Besetzung verhaftet und ins Unter­suchungsgefängnis nach Elberfeld gebracht. Der Verhaftung liegt folgender Tatbestand zugrunde: Seit längerer Zeit wurden durch einen Serbe« Lanewitsch rin Franzosen beschlagnahmte Waren in Mengen uufgekauft und weiter befördert. Fall ist dringend verdächtig, diese Weiterbeförderung der Waren begünstigt zu haben. Der Haftbefehl gegen Falk wegen Hehlerei konnte nicht aufrecht erhalten bleiben, weil es nicht möglich war, innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit von 24 Stunden Be­lastungszeugen aus dem besetzten Gebiet herbeizu­holen. Da das Verhalten Falks den dringenden Verdacht eines Verstoßes gegen die Verordnung bet Reichspräsidenten vom 17. April 1923 rechtfertigt, wurde die Angelegenheit dem Oberpräsidenten in Münster zur Verhängung der nach dieser Verord­nung zugelaßenen Schutzhast ober Aufenthalts­beschränkung zwecks Verhinderung der Rückkehr» Falks ins besetzte Gebiet übergeben. Der Oberprä» sident in Münster hat nunmehr gegen FAk die Schutzhaft verhängt. Falk ist ins Gefängnis nach Herford gebracht worden. Das Verfahren wegen Hehlerei geht seinen Gang weiter. Bekanntlich be­trachtet die deutsche Gesetzgebung den Ankauf von < Waren, die von Franzosen beschlagnahmt worden sind, oder Beihilfe hierzu, als Hehlerei.

Di« verlängert« Berkehrssperre.

Berlin, 16 Aug. Nach einer Meldung bet „V. 3“ aus Köln isird an dortiger amtlicher eng­lischer Stelle die Pariser Meldung, wonach die Der« > kehrssperrc zwischen dem besetzten und dem unbesetz» ■ ten Gebiet, die am 17. b. M. zu Ende gehen sollt«,. verlängert worden sei, bestätigt. Als vorläufiges. Ende der verlängerten Sperre wird der 31. August >

Zur Lm in öen besetzen fielen.

Paris, 16. Aug. Nach einer Havas-Meldung aus Düßeldorf habe am Mittwoch eine französische Radfahrerpatrouille zwischen Witten und Wetter an den Ufern bet Ruhr vier Deutsche überrascht die Waren zu schmuggeln versucht hätten. Einer der Schmuggler sei trotz des Haltrufs geflüchtet und durch einen Schuß in ben Kopf getötet worden; die andern drei habe man verhaftet und einen

Land o.n, 16. Aug. Reuter meldet aus Moem- fontein; General Smuts ermahnte in einer Rede

Marburg

Sttilig. tn 17. AM

emtiu«

Man ir.'ig diese französischen Meldungen übet angebliche „Friedens"absichten Frankreichs mit äußerster Vorsicht aufnehmen. Ganz zweifellos ist di« politische Lage in Frankreich nicht allzu rosig. Taidieu cifärt auf der einen Seite im „Echo Na­tional", daß die Ruhrpolitik von Anfang an inkonse- tzuenr gewesen sei, indem sie nicht sofort die po­etische, wirtschaftliche und finanzielle Hoheit Frank­reichs im Ruhrgebiet geschaffen habe. Die Zahlen :6b«r das Ergebnis der Kohlenlieferungen zeigen iken Industriellen auf oer anderen Seite, daß die Danze Politik ein Fehlschlag war. Da smht man ^•4 einem Ausweg aus der Sackgasse. Hinzu

Pari-, 16. Ang. Nach einer Har.: M ung fr- Hätigt es sich, daß die französische Anrwort auf die enalische Note in naher Zukunft ferttgaeflelrt sein wird. Sie werde vor ihrer Ueberreichung in Sonnen in Brüssel zur Kenntnis gebracht werden. Die man versi'chere. werde die französische Note, die in der herzlichen und höftichsten Form abgeftrßt sei, sich nicht darauf bffchränk-n. Punkt für Pnntt die Feststellungen und Borsch'äze der en.:« l-schen Regierung zu beantworten, sondern sie werde eint allgemeine Darlegung bet französischen Politik be­züglich der Lösung des ReparationsprobternS enthalten

Paris, 16. Aug. „Newhork Herold" will erfahren haben, daß Poincarö die belgische Regierung bereits über ihre Slnfidjt befragt habe hinsichtlich einer Konferenz zwischen dem französischen und dem belgischen Minister« Präsidenten, der, sobald ein endgültiger ReparationSplan ausgestellt sei, eine allgemeine Konferenz mit Lord Cur­zon und Baldwin folgen fotie. Offiziell sei indessen die Nachricht noch nicht bestätigt worben.

Paris, 16. Auz. Nach dem „Petit Paristen" werden die ftanzösische und die belgische Regierung getrennt auf die letzte englische Note antworten. Die französische Noie werde sich nur mit dem Teil der englischen N t efnjsen, der Frankreich betreffe.

Di« Haltung Amerika-.

PariS. 16. Aug. Nach einer Meloung des „Newhork Herald" aus Washington hält die Regierung an der von Staatssekretär Hughe» in feiner in Nrwhaoen im Dezember vorigen JahreS zum Ausdruck gebrachten Aus fassung fest, daß die deutsche ZahlungLsähigkeit durch einen Sachverständigenausschuß bestimmt werden sollte. Dir amerikanische Regierung habe jedoch keinerlei Absicht, auf einer derartigen Regelung zu bestehen, falls sie nicht sicher sei, daß sie für sämtliche Alliierten annehmbar fei. Zur großen Ueberraschung der Regierung habe die gestrige Er­klärung deS Weihen Hauses in Europa eine gettrwe Sen­sation berb «gerufen, die man in gewissen Kreisen fällch- lich als ein Anzeichen dafür ausgelegt habe, daß die amerikanische Regierung fälschlich eine positivere Haltung einzunehmen beabsichtige.

Washington, 17. Aug. Das Kabinett hat am Mittwoch feine erste Sitzung unter dem Vorsitz des Präsi­denten Eoolidge abgehalten. Nach der Sitzung empfing der Präsident Vertreter der Presse, denen er in großen Zügen die Richtlinien seiner Politik bekannt gab. Außen­politisch betonN er dabei die Hilfsbereitschaft der Ver­einigtei'. Staaten gegenüber Europa, sobald eine solche Hilft von allen Beteiligten erbeten und kerstie politische Verwickelung damit verbunden fet. An der Politik des Ncwbavenrr Vorschlags werde ftstgehalten. Eoolidge lehnt’ die Streichung der alliierten Schulden ab. Amerika müsse auf ihrer restlosen Zurückzahlung beharren. Allgemein erklärte Eoolidge, daß er die Politik Hardiriys weiter verfolgen werde. Dem entspricht es denn auch, daß sämtliche Kabinettsmitgliedcr einstweilen im, Amte ver­bleiben. ■ -

Die öeMMInm — »In Weste (Monte Minfc.

Von Dr. Georg Pelka-Berlin.

Bor einigen Tagen brachte der .Dativ Telegraph" eine Information über die Unstimmigkeiten tat eng­lischen Kabine«. Danach steht der sranzofensreuud- litten Miristergruvve eine andere gegenüber, die eine völlige Selbsttioiterung Englands in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht auf Europa empfiehlt. Eng­land tolle sich durch Erweiterung seine« Uebersee- handelS Mr die Zerstörung seiner europäischen Absatz­märkte schadlos ballen.

Daß dieser Sedankengang schon deshalb abwegig ist, weil England die Nachteile seiner „splendid iso- lation" aus der Geschichte kennen sollte, ist flat. Aber dieser IsolierungSgedanke ist noch schiefer, weil die lieurtaen Internattonalen Znsammenbänge eine solche »glänzende Isolierung' überhaupt nicht mehr ge­statten, ganz abgesehen davon, daß die utovistische Idee eines die Europabeziehungen auiwtegenve» Ausbaues deS britischen UeberseehandelS schon tnlo- ser» eine »Milchmädchenrechnung' darstellt, als sie allein schon die Konkurrenz Amerikas und Japans auf dem Uebcrfcimarfte nickt berücksichtigt. Aber auch politisch-mitttSrisch, nicht nur wirtschaftlich würde eine englische Selbsttsolterimg auf tönernen Mützen stehen. Angenommen fei der Fall, England letzt dem Amokläufer PotacarL in Deutschland keinen Äiderstmtd mehr entgegen, Poineare aber drang­saliert Deutschland, vis eS wirklich nicksts mehr zu verlieren hat und seinen bisherigen Willen zur Be "ricblgung Euro.aS aufgibt: wie wollte England sich '.olirisch und militärisch and letstlto auch wirischast- >ch schützen, wenn etwa der Groh.block Deutschland- Rustland-Japan zu aktiv«« Auswirkung sich gestaltet?

Der Hinweis, datz das Zustandekommen dieses Staatenblockes in erster Linie an der militärischen Umnöaitckkeit ictzettern müßte, daß die Deutfchett die französische Besetzung auS dem befetten Gebiet ge- M'altfmn tze ausbekSmen, ist vom rein militärischen Standpunkt nicht <o ohne Weiterer stichhaltig. Selbst wenn nämlich Poineare die deutsche Volkskraft bis zum Wetstbluten. auch rein physisch gesprochen, brtn- acn würde: e8 ist ein alter militärisck>er Grundsatz, dast eine Armee durch langen Aufenthalt im unters vorsenen Feindesland demoralisiert wird. Der Sol­dat, der sich gefahrlos im besetzten Gebiet gemästet hat, der auf Befehl ober unter Duldung seiner Vor- "efe^ten kriminelle Verbrechen, tote Mord, Diebstahl. Raub. Vergewaltigung begangen hat. ist sckliesilick nunmehr ein uniformierter Bandit, ohne militärische <5bre und ohne militärischen Mut. Fn der Stande \'T Gefabr entgleitet er völlig der Hand seiner Führer und ergreift selbst vor einer an Zahl unterlegenen, '«nn-reickend bewaffneten, aber mit dem Mut der 5rnbe?»cr3toelflunfl ausgerüstet m Heldenschar das Hasmvanier. WeSbalb audt der franzöllsche Gene­ralissimus Foch, der retn Handwerk verstedt, gegen den R'ckrstnbttlch und gegen bte Besetzung ge­wesen tft!

D-te Möglichkeit also, daß der Spuk der ftanzösi- schen Rhein-Ruhrbesetzung tn dem — theoretisch dock möglichen — Falle etncS deutschen Freibeitskampfes "s;ne oröfiere Widerstände sortaesck»eucht wird, ist iedenfalls vorhanden. Und damit die Vorbedingung einer realen Entente zwischen Nutzlard und Deuisckti- land. vielleicht mich Favan. Wie sich England, da» bekanntlich jenseits des eben erst durchschwommenen schmalen Aermelkanals liegt, dann isolieren will, ist medr als unverständlich, selbst wenn keinerlei aggressive Absichten der neuen Entente gegenüber Großbritannien gehegt werden sollten/

Der Urteilsfähige wird zuaebtn, dass die Möglich­keit einer englischen Selbsttsolierung mindestens nicht wabrsckieinltcher ist, MS die im Vorstehenden um« riffenen Möglichkeiten von politisch-militärischen Neu- fonstellatiouen in Enrova, bte nur als Folgen einer vorangegangenen Selbstifolieritug Englands in Be­tracht gezogen werden können.

Kommission, vielleicht finanziellen Charakters, im Rubr- gfbiet ^belassen wird. Angesichts der Möglichkeit, auf her Grundlage einer solchen Sachverstäridigenkonftren; zu einer alliierten Vereinbarung über die deutschen Reparationen zu gelangen, scheint, wie von englischer Seite betont wird, dir Frage einer schiedsgerichtlichen Ent­scheidung über die Legalität des ftanzösisch-belgisch^u Kuhrunternehmens in den Hintergrund gerückt zu sein. Englische Schritte zue Herbeiführung eines IlrieÜssvrtichr in dieser jetzt als weniger wichtig bezeichneten Frage, sind daher nach englischer Ansicht sehr unwahrscheinlick

London, 17. Aug. Reuter vernimmt, daß, obgleich in der ReparationSftage feint neuen Gesichtspunkte zu Verzeichnen fii6>, in gutunterrichteten Kreisen dennoch «in gewisses optimistisches Gefühl bestehe, denn man nehme an, daß ernste Bestrebungen im Gange stad, um bte Srittchlage fflr.ein Uebereinfommen zu finden Wahr­scheinlich wird die ftanzösische Nofe erst Brüssel mttgeteitt werden, bevor sie nach London gesandt wich, sodaß iie hier nicht vor Ende der nächsten Woche erwartet wird. Ran nehme an, daß Belgien eine gesonderte Antwort ausstellen wich.

London, 16. Ang. Der Berliner Berichterstalter der „Times" schreibt, die neue deutsche Regierung haste Stresemanns Rat beherzigt, daß die beste deutsche Außen­politik die Weberherstellung Oer Ordnung im Innern fei. Die Folgen seien bereits ersichtlich Die Lage haste sich deutlich gebessert. Die deutsche Währung haste sich erholt. Das Gefühl des Vertrauens sei vorhanden.

Pari-, 16. Aug. Die französischen politischen Kreise erwarten mit großer Spannung die beiden bevorstehende» Kundgebungen Poincarös, nämlich die schriftliche Ant- Wort au* die Erklärungen Stresemanns. Man rechnet mit |cr Möglichkeit, daß diese beiden Kundgebungen eine wesentliche Entspannung herbeiführen werden. Einige -korgenblätter glauben anküudigen zu können, daß unter dem Eindruck des. deutschen Regierungswechsels ein ent­scheidender Umschwung in der französischen Ruhr pol,ti» «tatereten könnte, der zugleich eine Berständrgung mit England herbeiführen solle. Das „Oeuvre" erwähnt bi*- ße» aufsehenerregende Gerücht in folgenver Form: „Nack gewissen Informationen würde die französische Regierung sich zur sofortigen Räumung des Ruhrgebiets bereit er­klären, falls nach Einigung über die Gesamrr.getung irgend eine verbündete Macht die Bürgschaft für die fran­zösischer. Forderungen an Deutschland übernehme. Wenn man irr Paris wirklich an eine derartige Formel denkt. W- sollte mm dies sehr schnell und -sehr laut sagen."

London, 16. Aug. Der Londoner Berichterstatter - “ des Wolffbüros erfährt ,daß in englischen politischer. Kreisen angenhlicklich größerer Optimismus bezüglich einer Vereinbarung der Alliierten in der Reparations- frage herrscht, als noch vor kurzem. Es wird erwartet, haß Poimarö die englische Note Punkt für Punkt, in Höft stchem Tone beantworten werde. Tie Tatsache, vast gut unterrichtete Pariser Organe die Frage oer Sachver- stlndigenberatung, sowie den in dem Bonar Lawfchen Man enthaltenen Betrag von 50 Milliarden Gol^mark als Lelstungsiähigkeit Deutschlands erwähnen, läßt nach englischer Ansicht darauf schließen, daß in gewissen fran­zösischen Kreiftn der englische Vorschlag größer^ Beachtung findet als bisher hätte angenommen werden können uns daß er daher als Verhandlungsgrundlage angesehen werde. Die Sachverständigenberatung zur Festsetzung der tzentschen Leistungsfähigkeit werde nach englischer Auf­fassung aus diesem Geiste heraus fthr bald zustanoe femmen, er dürfte jedoch außer den alliierten Mit- Biedern wohl nur einen amerikanischen Teilnehmer, aber • feine neutralen Vertreter umfassen, da sich Franke eck! ter Teilnahme neutraler Vertreter wahrscheinlich wider­setzet > werde und England in diesem Falle nicht daraus be­stehen würde. Es werde von englischer Seite hervorge- hobeu, daß falls die Sachverständigenkommission die d-utsche Zahlungsfähigkeit auf 50 Milliarden Gold- marf festsetzt, bet Anteil Großbritanniens nach dem kpa-Prozentsatz 11 Milliarden betragen würde. Da bte Forderung Englanvs zur Tilgung seiner Schuld an die Bereinigten Staaten jedoch 14,2 Milliarden Goldmart betrage, würde nur eine Forderung von 3.2 Milliarden an die Kontinentalschuldnerstaaten übrig bleiben Eng- fische rseitS wird jedoch betont, daß die englische KemUti- fpttetung bestehen bleibe bis zu dem Augenblick, W Deutschland mit dem freien Ruhrgebiet in der Lage ist, inst ter Zahlung der von dem SachmrständigenAusschuß $tP- yfet.ten Reparationen zu beginnen. Was die von ce« Alliierten geforderte Kontrolle der deutschen Repara- tiouszablungen betrifft, wird es nach englischer Ansicht nicht für unmöglich gehalten, daß zu diesem Zweck eine

Der Anzetgenvrei» beträgt sär den 9g«lp. Zellenmtlllmeter 15000 Mk. Smtltch« und

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