M J.H. Schäfer
Kasernenstr. 21
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Amtliches DeMMgungsblatt des Kreises Marburg. | em»
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhesseü
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Marburg
SMNÄU. dn 16. AM
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V - Paris, 15. Aug. Poincar4 ist gestern abend «ich Paris zurückgekehrt. Die Blätter erklären, Hatz der Ministerpräsident bereits eifrig an der Antwort arbeite, die er auf die englische Note erteilen Wird und die voraussichtlich in acht Tagen fertig ssn dürfte. Die englische Note zusammen mit der stanzösischen Antwort wird in einem Anhang zum Selbbuch ebenfalls veröffentlicht werden.
Aus Paris wird gemeldet, daß die französische Regierung noch vor Ende dieser Woche auf die letzte «glische Note antworten wird und es heißt,^»atz die Hnache dieser Note versöhnlicher sein wird als die btr beiden vorhergegangenen. Man erwartet zwar Mht, dah die französische Regierung sich irgend totem Punkt der englischen Auffasiung anschliehen «ird, aber sie wird versuchen, die Freundschaft mit England um jeden Preis aufrecht zu erhalten.
Kritik Tardie«.
Paris, 15. Aug. Tardieu vertritt tm „Echo Rationale" die Ansicht, dah die Ruhrbesetzung bisher keinen praktischen Erfolg gehabt habe, weil sie mit r er.er Passivität durchgeführt werde, die die'De- fttzu'ig beinahe wertlos mache. Der Eingang von Brennib neu sei erbärmlich und betrage weniger als L Pros-. , ' dessen, was Frankreich im Jahre 1922 k erhalten nahe also während eines Jahres, in dem Poincarö den Kohleneingang für unzureichend V genug gehalten habe, um die Ruhrbesetzung zu be- Wetzen Die französischen Ingenieure hätten nichts Ausbeuter und kontrollieren können. All das wäre anders gekommen, wenn Frankreich vom ersten Tag an die politische, wirtschaftliche und Münzhoheit ßbernommen hätte. Dor sieben Monaten wäre das I leicht gewesen. Heute sei das zwar schwierig gewor- / den, aber es bleibe immer noch möglich. Das französische Publikum sei bereit, die nächsten Folgen der Mgerechtfertigten Rote Lord Curzons auf gute Weise zu ertragen. Es verlange nur, oder, wenn i es das noch nicht verlange, so werde es das bald oerlangen, dah man ihm positive Ergebnisse der Nvhrlwfetzung zeige. Je größer die Schwierigkeiten »ii England würden, um so notwendiger fei es, daß Ruhroesetzung ein positiver Erfolg werde. Das Einzige, was Frankreich an dem Tage, da es die . Rechnung abschließen würde, wäre, dah die Politik Poincar^s gleichzeitig zur diplomatischen Isolierung Franlrei bs und zur Unfruchtbarkeit der französischen Aktion tm Ruhrgebiet führt.
Ein» Eilaudienz Baldwins bei« König.
London, 14. Aug. Ministerpräsident Baldwin ist heute ganz unerwartet und eilig nach London zurückgekehrt, da et vom König plötzlich zur Audienz berufen wurde. Baldwin blieb ungefähr zwei Stunden beim König, der mitten in Reise- wrbercitungen nach Schottland stand. Der König aoüte sofort über die internationale Lage unterrichtet werden. Es scheint auch den Tatsachen zu - entsprechen, daß die Verwicklung der Situation so schwierig geworden ist, dah sie einen derartig impro- ' visierten Besuch nötig machte.
ßonbon, 15. Äug. Bestunterrichtete Kreise in Arndon erwarten nicht, daß die französische Antwort irgend eine materielle Veränderung in der Lage hervorbringen wird, da bei dem Ton der fran- zäsischen Presse keine Bendermtg in der französischen Haltung zu erwarten ist. Ms zum Eintreffen der französischen Antwort würden keinerlei weitere - Schritte von der engftfchen Regierung in der Richtung auf die- in der britischen Rote in Aussicht ge- nommene mögliche Aktion unternommen werden.
* London, 15. Aug. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß die Rückwirkung der Isolationspolitik unvermeidlich das Ende aller Reparationen von Deutschland bedeuten würde. Diese Politik könne PoincarS in der Frage der Schulden in den Stand setzen, gegen England einen wirklichen Bund von Schuldner- Aktionen zu mobilisieren. Eine solche Politik könne «ich zu einem Wiederaufleben der sogenannten Kontinentalpolitik führen. Im Zusammenhang damit schienen mehrere ftanzöfische Blätter große .Hoffnungen auf den Reichskanzler Stresemann zu Men und träten für direkte Verhandlungen mit ihm ein. Einige Blätter liefen in diesem Falle sogar für Zugeständnisse inderFrage der Einstel- t«ng des passiven Wider st andes.
s Paris, 16. Aug. Wie der „TempS" mefoet, toeree jsich die Rcparanonskomnüssion End« dieser Woche mit fder Antwort beschäftigen, welche die deutsche Regierung L*uf bi» Mitteilung über die einstweilige Stillegung aller ^Nachlieferungen auf Reparatiouskonto gegeben weroe» soll.
Die Kriegsschuldfrage.
Berlin, 16. Ang. Prof. Dr. Hans Delbrück richtet in der „Deutschen Allgem. Zeitung" einen offenen Brief an den belgischen Ministerpräsidenten Themis, in welchem er an die Bemerkung der belgischen Rote an die -nglische Regierung vcm 30.7., daß Deutschland selbst feute noch seine Verantwortung für den Ausbruch des Krieges bestreite und an einen Artikel des „Newnorker Herald" anknüpft, in welchem ausgcführt wird, daß diese Auffassung in Tentschlaich Delbrücks Werk sei. Er erklärt ich bereit, diese Herausforderung on,unchmen und vor irgendeinem zu vereinbarenden Tribunal nachzuweisen, daß Deutschland die Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges mit Unrecht aufgebürdet wird. Ferner tellt er Theunis anheim, irgendeinen belgischen Ge- lehrten zu bestimmen, mit dem er, sei es öffentlich, sei es privat, die Streitfragen durchsvrechen könne. Er et auch bereit, nach Brüssel zu kommen, wenn die belgische Regierung seine persönliche Sicherheit gewährleiste.
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MM iiid die Atii»aiim.
L o nd o n, 15.. Aug. Reuter meldet aus Washington: In der Frage der deutschen Reparationen sei die amerikanische Regierung, wie erklärt werde, bereit, in jeder Weise zu helfen, obne sich selbst zu sehr zu engagieren. (!) Die amerikanische Regierung sebe keinen Weg offen, um in der augenblicklichen Krise die beste Hilfe zu leisten und zögere daher, irgend einen netten Vorschlag vorzubringen. Wie eS in der Reuterm-ldung weiter heißt, hätte der amerikanische Regierungsvertreter, der diesen Standpunkt Cooiidges darlegte, Einerlei besondere Bezugnahme auf den britischen Vorschlag zur Lösung der Repa, ationsschwierigkeiten gemacht. Es wurde jedoch klar gemacht, daß, soweit Lord Curzon? Plan mit dem Vorschläge Hughes'' übereinstimme, die amerikanische Regierung bereit sei, eine Rolle in der Neugestaltung der wirtschaftlichen Lage TeutschlniioS zu spielen.
Paris, 15. Aug Der „Newvork Herold" meßet aus Washington: Obwohl die Lage an sich za einer unmtttcl-- baren Stellungnahme der amerikanischen Politik in der Reparationsfrage keinen Anlaß biete, werde von best- unterrichtcter offizieller Seite zugegeben, daß ote Bereinigten Staaten durch Einlaönngen sowohl aus London wie aus Paris möglichetw ise doch in die Angelegenheit hineingezogen würde. Präsident Coolidge, der mit den grundlegenden ^Tatsachen und der Weiterentwicklung der englisch-französischen Schwierigkeiten vertraut sei, habe bereits den Wunsch zum Ausdruck g bracht sich aufs Genaueste zu informieren. Es fei nicht unwahrscheinlich, daß er im Laufe dieser Woche die Boschaster in London und Paris nach London berufen w rde.
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Newy o r k, 15. Aug. Nach einer Meldung Cin- cinati haben die dienstunfähigen amerikanischen Veteranen des Weltkrieges erklärt, daß sie nichts yt tun hätten mit der angeblichen Rolle, die der amerikanische Liberte tnait Griffith bei dem Versuch, den Deutschamerikaner Veradoll vor einigen Tagen aus Eberbach zu entführen, gespielt haben soll. Ihre Organisation hat angekündigt, daß fr ihre ganze Macht in die Wagschale werfen würde, um Griffiths Freilassung zu erlangen. Wie es heißt, ist durch das ganze Land ein Aufruf versandt worden, in dem um Beiträge zu einem Fond für ei« Verteidigung Griffiths gebeten wird. . <
Sm 64o Her Msmm-Me iw toenit.
S o j Jit, 15. Aug. Die Blätter veröffenllichen lange Auszüge aus der gestrigen Reichstagsrede Strese- manns. Der Berliner Berichterstatter der „Daily Chro- nicle" schreibt, die Rede habe den Eindruck hervorge- rufen, daß er der Mann der Stunde sei. Seine Rede war die klarste RegierungsSußemng, he feit Unterzeichnung des Versailler Vertrags im Reichstag erfolgt sei. Der Berliner Berichterstatter der „Times" schreibt: Strrse« manns Rede war «mH allgemeiner lleberzeugung ein ausgesprochener E.sieig. Der Berliner Berichterstatter der ..Daily Expreß" schreibt, allgemein herrsche der Eindruck vor, daß das neue Stresemann-Kabinett zu einer Regelung des Ruhrproblems gelange.
Paris, 15. Ang. Zur gestrigen Reichstagsrede des neuen deutschen Reichskanzlers nehmen die großen Moc- gendlätter bereits Stellung. „Matin" sagt, aus die Frage, ob diese Rede eine neue Politik der deutschen Regierung einleite, könne man wcker mit Ja noch mit Nein antworten. Das Blatt will die Taten der neuen Regierung abwarten, um zu sehen, ob sich das neue Kabinett an die letzten Erllärungen halte, die Stresemann und Hil- serding abgaben, bevor sie zur Macht kämm, oder ob das Kabinett an ben- Plänen Cunos festha'te. — Rillet gibt im „Petit Parisien" seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, daß die Aend.ruug in der Politik der netten Regierung nicht so gr.,ß fei, wie man hätte denken fönnett. Man sei versucht gewesen, zu glauben, daß etrtfe- mann bin Versuch machen werde, die Haltung Deutsch- land» in der Ruhr,rage zu ändern. Sein» erste Rede mache jedoch nicht den Eindruck, als ob et schon letzt diesf Anstrengung unternehmen werde. — Ter Berliner Berichterstatter des „Echo de Paris" findet in der Rede Stresrmauns keine enischeidenoe Aeuderung her deutschen Politik. Die Feststellungen Stresemann; seien »in Be- tveiö dafür, daß er die Absicht habe, die Ruhrsrage zu kegeln Das Programm der deutsihen- Regierung sowie die gemäßigte Form, in der «t vorgetragen wurde, stellten.
einen Fortschritt dar. — Auch der Berliner Berichterstatter »es ..Journal" bezeichnet es als sicher, daß Stresemann n'cht alle Brücken zwischen Paris und Berlin habe abbrechen wollen. — „Figaro" findet in der Kanzlerrede fein genau umschriebenes neues Programm. Man habe erwarten können, daß Stres mann aus den passiven Widerstand nicht verzichten i-.tbe, aber man predige tvenigstens die Aufrechterhaltung des Widerstandes in maßvollen Worten Alles in allem, will, das Blatt weder verftühteS Vertraue» noch übermäßig's Mißtrauen in den neuen Reichskanzler setzen.
Sie MmM'jMe MWWe« der neuen SlMkM.
Berlin, 15. Ang. Wie die .Zeit" über die in Aussicht genommenrit wSbrungspottttscheit Maßnahmen der neuen Regierung mitteilt, soll trotz einer gewissen Stabilisierung, die sich infolge deS Re- ,gterungSwechselS auf dem deutschen Geldmärkte bemerkbar gemacht habe, sobald wie möglich ein Zahlungsmittel geschaffen werdm, das durch seine unbedingte WertbeftSndtykeit den verhängnisvollen Ein- f'sissen unseres bisherigen Währungsverfalls ent- g.genwirkcn kann. Die Reichsregienmg betrachte nicht etwa mtt der Bewilligung und Einfübntng der Wertbeständigen Reichsanleihe, die in erster Linie eine Sparanleihe sein soll, ihre Ausgabe als erledigt; das ioertbestöndtge Geld, daS geschaffen werden soll, bedürfe toetterer Maßnahmen zu reiner Sicherung. Die Regierung sei vom ersten Tage iüreS Bestehens an in die Beranmg dieser wichtigen Frage eingelrcten. Ruch b-ute vormittag hätten Berbandtungen mtt Vertretern ioirtschaftlicher berufsständ«scl>e.r Organisationen statt- gefunde». Es sei zunächst nicht beabsichtigt, die Gesetzgebung in Anspruch zu nehmen, sondern eS werde damit gerechnet, daß die in Bettachi kommenden Kreise der Wirtschaft ihre rillfe und Mitwirkung freiwillig zur Verfügung stellten. Bei diefein Plane bandele es sich darum, den Sockbesitz. b<*t j. B. durch die Y-toSuiftlor. der Landwirdaft und der Industrie (Stait. Kohle, chemische Produkte ulto.) gegeben sei, für die Sicherung und Deckung deS neuen wertbeständigen ZablungsmittelS als Garantie nutzbar zu machen. Wie das Blatt bemerkt, könne man dantit rechnen, daß die htt Ganoe befindlichen Verhandlungen uns, d-r Lösung deS Problems rasch näher bringen würden.
Wir die Blätter melden, macht sich mit der Enr- svamntng der innervolitischen Lage auch c!ne Ver- bessertuta der Lebensmittelversorgung bemerkbar. Fn den letzten Tagen ist Schmalz in genügender Menge auf den Markt gekommen. Wenn auch noch eine gewisse Butterknapdbeit herrscht, so ist doch damit zu rechnen, daß mit der Beendigung der Emtearbeiten reichlichere Zusnbren von Butter einsetzen werden. Die Kartoffelbelieferung ’m! sich in den letzten Tagen gleichfalls gebessert. Auch Gemlise ist in erheblicher Menge auf dem Markte vorhanden. Auf dem Fleisch- markt macht sich fetzt dte Tätigkeit der vor einiger Zett geschaffenen Kontrollorgane wieder preisrecmlterend bemerkbar.
Sm WlW her MlikNW »nd der HM.
Bon Dr. Rudolf Schneider, Mitglied des Sächsischen £onbtaa< e
Wenn in dieser schweren Not ein Jeder ängstlich fragt, ..was nur noch werden solle", bitnt lst es die Pflicht der politischen Parteien, in der Oeffentlichkeit die Lage und ihre Pläne zu erörtern. So, wie wir jetzt klagen und wie viele ratlos in die Zukunft sehe», genau so haben wir auch vor einem und zwei Jahren schon geklagt. Ade. siamalS hofften wir immer noch durch eine Stabilisierung der Mark einmal der Teuerung ein Snbe zu mache» Weit schlimmer, als wir es besürchteten, hat uns btt Rachsucht, Herrschsucht uni) verblendete Grausamkeit Frankreich- in einen bodenlosen Abgrund des Währungs- verfalle- und der Wirtschaflsverwirrnng, gestürzt- Die Papiermorkt ist auf den millionsten Teil des Wertes der Gvldmark gestürzt, nachdem Frankreich erst an der Saar nnd in Oberschlefien, dann ober am Rbein und an der Ruhr die Schlagadern unser«- SSirtfchaftsblutes mit roher Faust zusammrnpreßt.
Dan Stabilisierung der Mark kann nur noch dte Rede sein, wen« einmal in Zukunft die Reparations- srage irgendwie glatt gestellt würde. Künstliche Versuche Mit Stützung der Mark, die Aktionen vom Februar und vom Juni haben versagt; noch schlimmer versagte die Gewaltkur dn: DevisenzwanySwirtschast. Aber dafür hat ein gewisser Selbstheilungsprozeß des erkrantten Wirtschnstskörperr eingesetzt, sehr vergleichbar, tote die Natur eines kräftigen Körpers ost von selbst den Weg zur Gesundheit sucht, wenn die Kunst der Aerzte versagt. Die Papierwährung geht zu Ende: eine wirkliche Goldwährung können wir längst noch nicht haben: bafur firtb wir erst unbemerkt, dann immer schneller und deutlicher auf dem Wege zu einer rechnerischen Goldwährung. Zuerst begann der Außenhandel damit, daß er nirgends mehr in Papiermark, sondern nur noch in Goldvaluta verkaufte. Dann ging der innere Warenverkehr dazu über, eine Branche nach der anderen, mit Fakturierung in Dollar ober Gulden» in gebrochener Währung oder nach Schlüsselzahlen, aus tausenderlei Act. Dann kamen feit vorigem Winter die wertbeständigen Anleihen, Hypotheken und Obligationen, die wertb-e- ständigen Dividenden und Tantiemen, die wertdeständioen Be'rjicherungen, alles berechnet nach Roggen oder Kohle ober Kali, schließlich aber nach Gold. Und seit wenigen Wochen sind mir nun sehr razch aus Sem Wege zu toeribc«
iändigen Löbnen und wertbeständigen Steuern. Noch" ein Glied fehlt in bet Kette, das ist der wettdestänoigs Kredit. Aber wir werden jetzt sehr rasch zu Goldkontet»- und Goldhandelswechseln kommen, während gleich^itta das Reich eine große Goldanleihe auflegt. Von den gro- jen Aufgaben einer Währung hat die Papiermark lioii/ mehrere eingebüßt, denn sie kann nicht mehr Mittel 5ut\ Werterhaltung und Wertmsssung sein. Nur eine Funktion j bekäll sie und muß sie behalten, sie wird weiter oienen j als Zahlungsmittel int Kleinverkehr. Denn wir haben kein anderes Zahlungsmittel und vorderhand hat darf Reich leider fast keine anebre Einnahmequelle als dia Neuansaabe von Papiergeld — b h. so lange bis wir z« den unbedingt notwendigen Goldsteuern kommen. >
Aufgabe der Reichsregienmg und der Reichstages tft^ es, diesen Selbstheilungsprozeß bet Wirtschaft zu unter« s tützen. Den bisher planlosen und deshalb oft sehr buntscheckigen und man»-,haften Ueberaang zu einet i teckner-schen Goldwährung zu regeln und bewußt zu leiten.' Dabei muß ntait sich bewußt fein, daß dieser Selbst«: beilnnqsvrozeß nicht überall Hilst, namentlich dort nicht,.' wo der Einzeln« w.der zu wertbeständiaeu Preisen noch zu 'veribeständigen Löhnen kommen kann. Deshalb Reichshilfe für die Kleinrentner, für die Notlage der freien Berufe, ebenso für Sozialrentner und Ackeckslvfe Dem»^ größer noch als die ^sahr etwaiger TeuerungskrawalA ist die des Verfalles unferer Lebenshaltung, unsere» Kultur nnd unserer Kauftvaft. Die Wirtschaft würde erft dann znm Erliegen kommen, wenn die großen Massen, aufhören zu kaufen. Der Kreislauf der Produktion nnd des Berbranches muß deshalb unbedingt im Gang« Ofhalten werden. Ein weiterer Stand, der besondevr, Gefahr unterliegt, ist der Einzel« und Kleinhandel. Seit Jahr und Tag sind die Waren im Laden billiger, al-, gleichzeitig in der Fabrik.- Mit jedem Verkauf verliert der Kleinhändler etwas von seinem Kapital. Er muß befreit werben van Vorschriften und von einer Rechtsprechung, die ihm bisher oft nur die Wahi zwischen den» ■ Konkursrichler und dem Wuchergericht ließen.
Mit dem IlkWrgana zu einer rechnerischen Goch« Währung muß die unglückselige Zwanssswirlfchafl auf all « Gebieten aufhören. Mit einer rechnerischen Goldwährung bekommen wir bann wieder etwas festeren Bode»^ unter die Füße. DaS veihängniSdolle Hinabgleiten mit der Gelbenttvcrtuug muß auf kören. Denn dies: Geldwährung hat alle wirtschaftlichen und auch moealifche« Verhältnis^ auf den Kops gestellt. _ Schuldenmachen, war Trumpf, Sparsamkeit wurde sträflicher Unsinn, eS aalt nicht Kalkulation, sondern Spekulation, nicht fleißiges Arbeiten und viel verkaufen, sondern abwarteu. Hamstern, die Ware hinleg n. /
Mit einer geschlossenen Gesetzgebung müssen dttReichs«, finanzen in Ordnung gebracht werden, Im letzten Monats hat das Reich nur zwei oder drei Prozent seiner Aus« «gaben noch durch Stenern gedeckt, d. h. die Steuern bringen nicht einmal die Ertebungskosten ein. bi-* Schul« denwirtschaft ist zur Zeit oi-e innere Hanptquelle alle-; Uebels. Das Reich wird aber auch die Reichsbank wieder! in feine Hand bringen müssen. Denn die Reichsbank^ ist jetzt nicht mehr ein Instrument, sondern rin Hemm«, schuh für die Währungspolitik des Rriches.
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SeuWk Msiss. '
Berlin, 15. Aug. Der Antrag aller Parieie«, auf Erhöhuus der Zulagen in der Unfallverficherun, wir» dehattclos in allen drei Lesungen angenommen.
ES folgt die erste Beratung des Gesetze» über wer*-; bestätige Post-, Postscheck- und Telcgraphengebühren.1 Nach der Vorlage sollen die Grnndgebühreu durch Str»' Vielfachung mit einer Schlüsselzahl berechnet werdens deren Grundlage die jeweilige Regelung der Bezüge des Personals bilden soll, im Vergleich zum 1. Juli 1814 oder eine allgemeine gflUige Rrichsiuderziffer. Aus bwjex- Grundlage soll der Postminister am Leiter 16. bef Monats die Gebühren sestsehen.
Dw Vorlage wird ohne A-uSsprache in allen dra Les«»- oen angenommen, ebenso das Fernsprechgebührengesttz,' Es bringt unter Fortfall der Grundgebühren eineu reinem Gefprächsgebührentarif, bei dem aber monatlich anti Minderzahl tzou Ottsgespräche« gezahlt werden mu&f Auch die Ferichwechgebühren sollen wertbestiindi-z gemach«; weiden. .
Avg Esser (Ztr.) fotdett mit Rücksicht auf bitt Schwierigkeiten, welche Hanteverkern nnd kleinen Unter«) nehmern durch di- ®eS>er.tto#rtung erwachsen, die Re»! airrung out dir Bergebungsstellen für öffentliche Av-s beiten anzuweisen, erprMen Lieferanten AbschmgS^H-, lungen auf lausende Lieferungen zu gewähren. Der un»’ traa wird angeuommen. , I
Zu dem von dem Abg. Her» (So».) eingchrl^«' Gesetzentwurf über finanzpolitische Vollmachten bet; Reichsregierung haben die Regierungsparteien eine 6ni«; schließung vorgelegt, wonach bie Regierung alsbald Ge«: fchenttoürfe einbringen soll, welche durch velastunz bet’ VermögenSwerteS bet Wirtschaft und durch Utbergaea; zu einer wertbeständigen Währung eine Sanierung bet; Reichsünanzeu und eine Stärkung der Rerchskrcdtte W; die Wege zu leiten geeignet sind. j
Nachdem Reichsffnauzminist»t Dr. H,i l f f < r bin g; auf eine Anregung des Abg. Dr. Helf ferich (DeutschnL zugefagt tjat, daß die R grcrung in dieser Frage ben Berufsständen in steter Fühlung bleiben werd«,! wird die Entschließung angenommen. f
Ter Besoldungs- und RuhegehalishauShalt des Reichs-, banSirektoriums wird tefettelo? in zweiter und britfcr Lesung genehmigt.
Abg. Herz selb (Komm.) begründet alsdann be* kommunistischen Antrag auf Außerkraftsetzung bet Lev«