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Amtliches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.
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5** J. H. Schäfer
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessei
Ät. 159
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Marburg
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Das Kabinett Stresemann.
Berlin. 14. Ang. (Amtlich.) Der Reichs- Präsident hat den Reichstagsabgeordnete« Dr. Stresemann zum Reichskanzler ernannt und auf seinen Borschlag die Reichsministerien wie folgt besetzt: Reichsminister für Wiederaufbau und Stell- »ertreter des Reichskanzlers: Reichsmiuifter a. D. Robert Schmidt, Reichsarbeitsminister: Reichs- Minister Dr. Brauns, Reichsminifter des Innern: Reichslagsabgeordneter Sollmanu, Reichsverkehrsminister: Reichsminifter Oefer, Reichsfinauz- minister: Dr. Hilferding, Reichswehrminister: Reichsminifter Dr. Eetzler, Reichsjustizminister: Reichsminister a. D. Radbruch, ReichsernShrungs- «inister: Reichsminister Dr. Luther. Da» neu zu schaffende Amt eines Reichsministers für die besetzten Gebiete wird dem Oberprästdenteu Fuehs übertrage«. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers des Auswärtigen ist bis auf weiteres der Reichskanzler beauftragt. Für das Reichswirtschastsministcrium ist der Reichsminifter e. D. v. Raumer in Aussicht genommen. Das Reichspostmi nist er in m ist noch unbesetzt.
da» kürzlich Hermann Müller schon ausgesprochen hakte. Di« „Zeit" behauptet, datz Stresemann freie Hand in der Auswahl seiner Mitarbeiter hatte, in der Tat ist das Kabinett aber aus Partcimänneru zusammengesetzt. Wie erklärt wird, steht das Kabinett sein« Aufgabe innerpolitisch zunächst in der Durchführung der von Dr. Cuno noch «(«geleiteten Steueraktionen, autzen- pslttisch im Festhalten am passiven Wi- d e r st a n d.
Der Wechsel in der Reichsbankleitung.
Berlin, 13. Aug. Nach der „B. Z." nennt man in Bank- und Börsenkreisen als Nachfolger Havensteins an erster Stelle den Geschäftsinhaber der Darmstädter und Nationalbank Dr. Schacht. In den Wandelgängen des Reichstags wird auch der ehemalige Staatssekretär Bergmann als Nachfolger Havensteins sehr viel genannt.
Berlin, 13. Aug. Mk Parteien der großen Koalition drückten den Wunsch nach einem Wechsel in der Leitung der Reichsbank aus und beschlossen, diese Meinung dem Reichsbankvirektorium zu übermitteln.
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Die französische Prelle über den Regierungswechsel in Deutschland. '
Paris, $3 Aiq. Außer der Veröffentlichung dxr »mfanareichen "englischen Note, bif Don vielen Zeitungen "iiedergegeben wird, begnügen sich die Pariser Morgenblätter, die Ernennung Dr S<resemann-i in großen fettgedruckten Ueberschristen anzngeben und geben im übrigen kurz« sachlich« Darstellungen ihrer Berliner Korresvon- benten wieder. Zu der Person des neuen Reichskanzlers Entert sich der „Matnr", man wisst n-ch' viel Yon Dr. Stresemann, ausgenommen, daß er davon überzeugt stin toll, daß Deutschland in seinem Ziffamnunbruch nichts
d«nt de« „Echo de, Paris", werde höchstwahrscheinlich Darin bestehen, neue Botschafter nach Paris und Brüssel zu entsenden. Diese Maßnahme tourt« keinesm-g - besagen, daß die Politik ■ eS paf'iven Widerstandes d s vergangenen Kabinetts nnsbi'stat toerrtn soll, doch toürb; vas beweisen, daß die neue Regierung entsch'osien lei eine politisch« Tätigkeit zu entfalten dst dem Ruhr- konslikt ein ehrenvolles Ende mache. Die „Er? Nouvelle" nimmt an. daß Herr Stresemann sich Breitfch id zu seinem Mitarbeiter ausersetzen werde. In diesem Falle würden die Sozialdemokratie und die Bo'kspartei Hand in Hand
Cuno wie einen Held mit Jubel begrüßten, jetzt die ärgsten Schmähungen gegen ihn aussprechen. Da» hat dieser Mann wirklich nicht verdient, das auszusprechen, scheint uns Pflicht >
Berlin, 14. Aug. Der Reichspräsident hat auf oas vorgestrige Schreiben des Reichskanzlers Dr. Cuno folgend« Antwort erteilt:
Herr Reichskanzler! Nach der Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Lage und der in den letzten Tagen hervorgetretenen Möglichkeiten einer Regierungsbildung auf breiter parlamentarischer Grundlage verstehe und würdige ich die Beweggründe, die Sie und das Kabinett zu Ihrem Rücktritt veranlaßt haben. Ich habe mich daher entschlossen, Ihre ynb der Herren Reichsminister Demission anzunehmen. Sie haben vor last neun Monaten meinem Ruse folgend unter Zurückstellung eigener Interessen und unter persönlichen Opfern in ernster Lage die Leitung der Reichstegicrung übernommen und sich seitdem mit allen Kraftvn bemüht, die durch die wiverrcchrliche Ruhrbesetzung herd.üadübrten/sich ständig häufenden Schwierigkeiten und Nöte zu meistern. Namens des Reiches danke ich Ihnen aufrichtig und herz- 'lichstt für Jh« mit ernstem Willen und bester Kraft dem Baterlande geleisteten Dienste. Wenn trotz allem die Be- dräntznD unseres Volkes In den letzten Wochen immer größer wurde, so sind daran in erster Linie der immer verstärkte außenpolitische Druck und die dadurch erzeugten wirtschaftlichen Nöte Schuld und Ursache Indem ich Sie hiermit von Ihrem Amt entbinde, gebe ich gleichzeitig der Hoffnung und Erwartung Ausdruck, daß ich auch ferner auf Ihren Rat und Ihre Mftardeu rechnen darf. In aufrichtiger Wertschätzung bin ich Ihr er-, gebeuer , Ebert, Reichspräsident.
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' EillNW drr SaAiejmugen.
Berlin, 13. Aug. Von zuständiger Seite wird mirgeieilt: Deutschland hat durch die Fortsetzung der ReparkttionS- und Reftitutionslieferungen an die am uhreinbruch nicht beteiligten MHchte den Beweis s-ines Leistungswillens bis zum Aeusrersten gebracht. Die ietzige Situation erfordert die Zusammenfassung aller Kräfte Deutschlands, um der Bevölkerung das geringste Eriftenziuintmum zu sichern und drohenden Hunger abzuwehren. Tie Reichsregterung ist dayer gezwungen, vorübergehend die im Vertrag von Ver- ''ailtes vorgesehenen Sachliefernngen auch an England. Griechenland, Italien, Jugoslavten, Portugal und Rumänien einzustellen, da deren Finanzierung das Budgetdeftzir und dir Juslation zum wesentlichen Teil hervorgerufen hat. Allein die bis jetzt üernom- nienen und noch nicht gezahlten Sackstiescrungen er-
Sozmtaenrokratte auch die Berantwortung für Die
KovAtr -t„r teio -Rande M Abgrundes zurückhott, n E'N? der ersten Taten - .»mme.ideu -Lunge mitzi!übernehmen bereit sek, wie . , kn sckin>ii>t
des neuen Kabinetts, so schreibt der Berliner Korrrfpow '
Run ist das neue Kabinett der „großen Ksa- gebildet. Nachdem Dr. Cuno durch den WidersPrnch der sozialdemokratischen Fraktion ver- anlatzt war, sein Amt in die Hände des Reichspräsi- benias zuriickzulegen, war vorauszusehen, datz die
von England zu erwarten habe und seine Rettung nur b"i Frankreich liegen könne. Winn bas zutrefse, so sei das wenigstens ein Beweis von gesundem Menschenverstand Verbinde Herr Stresemann Mut und Loyalität mi diesem Zuge, so könne er vielleicht Deutschland vom
Trotzdem die englische Note an Frankreich mit erfreulicher Offenheit gegen die Ruhraktton Stellung nimmt, ist man ßn Berlin doch allmählich davon überzeugt, datz eine ernsthafte Hilfe «ns aus England nicht wird. Worte aber bedeuten heute nichts.
In der Preff« der grotzen deutschen Parteien wird das Kabinett mit freundlichen Worten em- pfangen. Vorschußlorbeeren scheinen aber angesichts der schwierigen Lage, in der wir uns befinden, kaum angebracht. Eines allein wird man zunächst von der neuen Regierung erwarten dürfen, datz sie den Fehler der vorigen vermeidet, d. h. sich nicht von den Ereignissen treiben läht, sondern die Zügel r-st in der Hand behält. Das ist namentlich bei einer Parteiregierung besonders schwer, zumal bei der notorisch parteipolitischen Zerrissenheit Deutschlands. Wenn es wieder heitzt: „Und der König absolut, wenn et unfein Willen tut" — und der „Vorwärts" besteht schon heute auf seinen „Bedingungen" —, so dürften die natürlichen Schwierigkeiten bald ins Ungemessene vermehrt werden.
Berlin, 13. Aug. Soweit bisher Dispo- fttionen über die Arbeiten des Reichstags getroffen werden konnten, ergibt sich folgendes Bild der Lage: Der Reichstag wird bestimmt nicht um 3 Uhr zu ' ferner Plenarsitzung zusammentrete«. Nach dem bisherigen Stand der Dinge ist vielmehr mit Bestimmtheit mit einer Sitzung für den nächsten Abend zu rechnen, wenn nicht gar eine Vertagung des Plenums auf morgen notwendig wird. Die Verhandlungen Dr. Stresemanns mit den Parteien pnd noch nicht zum Abschluß gebracht.
Berlin, 14. Aug. Die heurig« Rcichstazssitzung D auf 1 Uhr nachmittags anberaumt.
Die Regierung der inneren Festigung.
B e r l i n, 13. Aug. Die „B. Z." schreibt: Das Kabinett Stresemann, das sich bereits wahrschein- !itf) heute abend dem Reichstag wird vorstellen lön- i nen, kann seinem Programm nach als ein Kabinett der inneren Konsolidierung bezeichnet werden, im iCbriflcn in erster Reihe die strafse Durchführung der itn den letzten Tagen beschlossenen Steuergcsetze, die fDurmsührung aller Maßnahmen zur Hebung der Mek'Nckc, wozu auch eine Reform der Reichsbank an Hav.pt und Gliedern gehört, die Besserung der Le- !dens>nitt»lversorgung und auf der Basis dieser 'Matznchnren die Wiederherstellung der durch die iwirtschattliche Not, Streiks und Agitation beein- iträcht'glon uns noch mehr betrohten öffentlichen Vrdn'-n«. , '_____
aehen. Diese Koalition könne die französisch-deutschen Beziehungen in. hervorragender Weise beeinflussen und man müsse sich die Frage vorlcgen, ob man in Paris die Traotoeite dieses volitischen Zusammenschluffes richtig ermesse» werde. Das Blatt schreibt weiter, es mache der sran'ösjschen Regierung keine großen Anstrengungen, in Verhandlungen einzutreten, wenn ihr annehmbare Bedingungen gemacht werden. Diese Prestige-Frage, die durch die anmaßende Haltung des Kabinetts Cuno gerechtfertigt war. werde der neuen deutschen Regierung gegenüber von einer nur beschränkten Bedeutung sein. Das Blatt drückt den Wunsch ans. daß Frankreich aus den Ereignissen Nutzen ziehen und sich einem besseren Kabinett als dem früheren gegenüber nicht so unerbittlich wie bisher zeigen möge.
6sm.
Wieder haben die Mühlstein« der Politik eine wertvolle Kraft zerriebe«: Cuno! Ein Mann von reinstem Wollen, von lauterem Cbarakter. von edler hochanständiger Gesinnung, Von reichem Wissen ist von der Politik verbraucht worden. Es ist das Schicksal solcher Männer, daß sie, weil an die verantwortlichste Stelle gesetzt, all das büßen müssen, was andere verschuldet haben. Enno ist dog Opfer der Versäumnisse und Fehler seiner engeren Mitarbeiter geworden. Und das muß man bedauern, wirklich auf das tiefste bedauern im Interesse einer solchen Kraft wie sie Cuno verkörperte.
Was aber Cuno fast völlig afcgegangen, das war die Fähigkeit, das große wirtschaftliche Wissen ins politische nmzusehen. Politische FÜb- rereigenschaften hat Cuno so gut wie garnicht besessen. Darum war er auch nicht im Stande die Schranken und Schranzen von sich abzuwehren, die ihm sein Wirken so unsäglich sauer machten. Es ist eine tragische, aber unvermeidbare Feststellung, daß Cuno gerade von denjenigen Kreisen am meisten bekämpft worden ist, die ihn auf den Schild erhoben. Es sind bestimmte Wirtschafts- freife selber gewesen, die ihn, der mit den harten realen Notwendigkeiten regnen mußte, die größten Schauerig- keiten bereitet haben. Was jetzt von der Regierung Cuno in der Stunde der höchsten Not und in fieberhafter Elle an Steuern in wenigen Slunden geschaffen wurde, kommt gerade diesen Kreis:.: ungeheuer teuer zu stehen! Sie hätten es viel viel billiger haben können!
Cuno war von schlechten Beratern umgeben. Schon die Zusammensetzung seines Kabinetts war unglücklich. Man verrät kein Geheimnis, wenn man sagt, daß es wohl noch kein einziges nachrevolutionärcs Kabinett gegeben hat, in welchem die Jnttigue, di- Einflüsterung. das häßliche Gegeneinanderanfspielcir, so an der Tagesoronung war, tote jetzt. All das hat den Kanzler Cuno auf oas Schwerste persönlich und namentlich seelisch beörüdi. Und doch hat das deutsche Volk viel Anlaß Cuno zu danken. Es ist niederdrnckend, wenn man heute beobachtet, wie gerade aus denjenigen Steifen heraus, die seinerzeit
fordern rund 300 Billionen Pe.viermark. Durch Fortsetzung weiterer ©achltefenmaen würde der Erfolg der Steuerreform und der Goldanleihe von vornherein in Frage gestellt. Der Entschluß bei Reichsregterung bedeutet keineswegs eine, endgülttge Einstellung der Revarattonsletstungen. Die Sachliefernngen werden wieder aufgenommen, sobald Reichs- fmcmzen und Währung dies gestatten. Die bis zum 11. Angvft 1923 endgültig gewordenen oder von oer Reparalionskommission endgültig genehmigten Vcr- ttäge werden noch ausgeführt werde». Dagegen werden mis Reichsmttteln 'ein: Zahlungen geleistet werden aus Verträgen, die bis zum 11. August einscbtteß- ttch die endgültige Genebmigng der Revarationsrom- mifsion nicht erhalten haben. Privatrechtliche Verpflichtungen des Reiches auS Verträgen, die 1 der Reichskommtffar zur Ausführung von Aufbauarbeiten In den zerstörten Gebieten bereits endgültig abge- schlosien Hal, werden von der Einstellung bei Reparationsleistungen nicht berührt. In Ansehung der großen Schwierigkeiten, die Italien in der Beschaffung der für seine Wirtschaft notwendigen Kohlen sinvet, wird versucht werden, die Kohlenlteserungc» an Italien forlzuietzrn.
De Lastevries Propaganda gell«» Deutschland
Paris, 13. Aug. Ter französische Finanzminister he Saftende har gestern bei einem Empfang in Bort eine länger? Rcde gehalten, in der er sich besonders über hie französische Finanzlage ausließ. Der Finanzminister stellte zum Schluß u. a. fest, daß Deutschland infolge der Entwertung seiner Mark auf indirektem Weg seine öffentlich- Schulden -nm größten Teil amortifttien könne und daß die deutschen Industriellen und Handelsleute nicht nur weniger Steuern zahlen würden, sondern infolge des Marksturzes ihrer Kapitalabgabe enthoben sein würden. Ter Minister fügte hinzu während die Industriellen Englands Belgiens, Italiens und Frankreichs unter dem Druck ihrer Finanzabgaben zusammenbrechen wird die deutsche Industrie ihrer Schulden ledig, die Gelegenheü wabrnehmen, um gegen ihre Rivalen ein.« siegreichen Wettbewerb zu unternehmen.
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Sie mMe Stole.
Die englische Note vom 11. August an Belgien und Frankreich wird jetzt veröffentlicht. Sie enthält 50 Paragraphen. Die Note spricht zunächst von der aufrichtig st en Enttäuschung, die durch die belgisch-französischen Antworten vom 30/ Juli in London hervorgerufen worden sei. Beide Antworten feien für alle praktischen Zwecke identisch. Keine wolle irgend eine Abweichung von ihrem Programm zulassen, die angebotene Mitwirkung Englands werde nicht einmal erwähntj Die belgische Reoiernug sei allerdings weiteihin für den Grundsatz einet gemeinsamen Antwort, aber die fianzösisHe Regie
rung übergehe den Vorschlag mit völlige« Stillschweigen: dabet sei dies doch da« Hauptziel gewesen. Es werde nicht angefochten weroen können, datz es keinen Zweck hab«, von Deutschland mehr zu fordern, als es in bet Lag« sei zu bezahlen. DieFrage.wasdetHöchft«' betrag fei, den Deutschland zahle« könne, fei von höchster Bedeutung für alle seine Gläubiger. Die französische Ne« gierung bestehe auf eine Mindestzahlung von 2t Milliarden Eoldmark und den Betrag ihrer Schulden an England und Amerika. Die belgische Re» gierung wolle 5MilliardenGoldmatk,für die sie ganz oder teilweise um weitere Prioritäten ersuche. Die britische Regierung könne aber nicht zugeben, datz irgend ein Grund für eine Abänderung des Spaa-Prozenlsatzes bestehe. Es wäre unbillig und fei unrnögich, oem britischen Steuerzahler, der bereits weit schwerer belastet sei als die französischen und belgischen, züzumuten, weitet Opfer zu bringen.
»Auf perschiedblle von Poincat^ aufgeworfen« Fragen eingehend, in denen das Erstaunen darüber ausg»drückt wird, datz irgend jemand die Berechtigung der Sleparattonskommisfion, den von Deutschland zu zahlenden Betrag auf 132 Milliarden Geld- mark festzufetzen, bezweifle, hebt die britische Not« hervor, datz der Beschluh bet Reparationskommission nur eine einfache Schätzung bet Schäden ge wesen fei, ohne irgendwelche Berücksichtigung bet Frage bet Fähigkeit Deutschlands, zu zahlen. Di« Pflicht, eine endgültige Entscheidung zu treffen, liege teils bei bet Reparationskommisfion, teils bet ben alliierten Regierungen. Daher könne bet Boi« schlag unparteiischer Sachverstänbiger nicht als Verletzung des Vertrages angesehen werden. Bei der Sachperständigen-Konferenz erscheint auch die Teilnahme Deutschlands wünschenswert. Wenn ledoch die französische Regierung irgend eine besondere Form der Zusammensetzung wünsche, so sei die britische Regierung bereit, sie zu erwägen und werde sich damit begnügen, daß di« Funktionen der Sachverständigen nur beratenbet Natur sein sollen. Sowohl die französische als dil belgische Note fechte bie britische Behauptung an, daß es im Interesse der Alliierten liege, eine Summe endgültig als Eesamtverpflichtung Deutschlands festzusetzen, die von der deutschen Regierung als gerecht und angemessen angenommen werden solle. Die britische Regierung werde dabei von bet Uebetlegung geleitet, daß eine Verpflichtung, bie frei eingegangen würde, weil sie eis gerecht unb angemessen betrachtet werde, in der Praxis auf einer anderen Grundlage stehe und auf eine treuere Ausführung zu rechnen habe als eine Verpflichtung, bie unter bem Druck eines Ultimatums unterschrieben worben wäre. Die englische Regierung sei keineswegs überzeugt, baß eine soche Zusicherung als Ver- tra„ behandelt zu werden verdiene.
Die britische Regierung erklärt hierauf unter § 30, die Frage bet Besetzung des Ruhr-Gebiets gebe Veranlassung zu einet Anzahl von Vorschlägen in bet französischen Note, worauf es notwendig fei, zu erwidern. Die höchsten juristischen Autoritäten in Eioßbrijgnnien hätten der britischen Regierung ein Gutachten abgegeben, datz die Behauptung bet deutschen Regierung wohl begründet ist. Die britische Regierung habe niemals ihre Ansicht verhehlt, daß bie französisch-belgifche Ruhr-Aktion, ganz abgesehen von bet Frage bet Zweckmäßigkeit, nicht eine Sanktion ist, bie durch den Vertrag selbst autorisiert ist. Sie würde jedoch vollkommen bereit sein, diese ober irgendeine andere Meinungsverschiedenheit bezüglich der legalen Auslegung zahlreicher Bestimmungen des Vertrages automatisch an de« internationalen Gerichtshof im Haag oder ein anderes geeignetes Schiedsgericht verweisen zu taffen.
Es heißt weiter, nach Ansicht der britischen Regierung könne nicht rechtmäßig behauptet werden, daß die MaH» nahmen, die die Allnerten unter 818. Anhang 2, in gewissen dringenden Fällen zu ergreifen befugt sind, di« militärische Besetzung von Gebiet «mschließe« Wenn die britische Regierung sich bisher enthalten habe, formell die Legalität der französisch-belgischen Besetzung als einen nicht durch den Vertrag autorisierten Akt anziisechten, so habe sie das nur getan in Uebereinstimmung mit dem Geiste der Erklärung, die Bonar Law auf der Pariser Konferenz im letzten Januar abgegeben habe, daß die englische Regierung wünsch«, die Verursachung jeder unmöglichen Behinderung für ihre Alliierten zu vermeiden, so daß ihr dies nicht zum Vorwurf gemacht werden dürfe. Die britische Regierung toüröe sogar jetzt nicht die Frage der Legalüät aufgenoinme« haben, wenn fie nicht dazu herausgrsoIdert worden wäre. Es sei England in Anbetracht der Ansichten, die die englisch« Regierung sowohl mit Bezug auf die Legalität wie aus den praktischen Wett der Ruhrbesetzung hätte, nicht möglich gewesen, damn teilzunehmeu. Aber selbst wenn sie «S getan hätte, selbst wenn bet paffivo Widerstand niemals eingelaftet worden wäre, oder c?eim-.