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m 4. H. Schäfer

Kaserneoetr. 21

58. m 1928

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Di« »OberheHilL« Zritoog- eriLelot iecbsmal wöcheotltch. — V«,»g,vr«i» monatlich SOOOOmt. freibleibend mit Zusiellungrgeböhr. Für »«»fallend« Rnmmet« inf. Streit, ee- elementare: Ereignis»« kein Sri atz. — Verlag ee« Dr. L. -itzeroti». — Druck bet Univ^vnchdrnckerei von Seb. Lug. «och. Markt 2L23. — Fernsprecher 55, Post- scheckkonte: Nr. 5015 Amt Frankfurt tu Main.

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Marburg

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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (bas früher kurhessische) OLerhesseit

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W.

Aus»

will von sinnlosen Sabotageakten nichts wissen

Staatssekretär Freiherr v. Maltzahn äußert ito in Beantwortung einer Anfrage des Abg. Dr. Streseminu liber di« Ausweisung deutscher ReichsangehSngcr ans Polen. Die Repressalien ber polnischen Regierung könn- ten nicht alS völkerrechtlich zulässig anerkannt werden. Die polnische Regierung habe wenig Neigung gezeigt, dem deutschen Verständigungswilleu in gleicher We'se ent» aegenzukommen. Die deutsche Regierung werbe aus dieser Haltung die nötigen Folgerungen ziehen.

Reichsernäbrungsminister Dr. Luther: Di« notwen­digen Lebensmittel sind vorhanden. Die Schwierigb-iten bei der Lebensmittelversorgung liegen nur auf dem Gebiet her Zahlungsmittel und des Kreditwesen-. UnS fehlen btt Devisen, die wir in so kritischen Zeiten brauchen. Die Not an Zahlungsmitteln ist insofern behoben, als seit beule nachmittag die Reichsdruckerei wieder arbeitet. Die Kartosfelzufnhr wird in nächster Zeit wesentlich belfer sein. Auch die Devisen für die Fettversorgunz sind jetzt berausgekommen. In der Kreditfrage scheuen le'der einzelne Kreise das Risikd, das heute mit jedem Ge­schäft verbunden fff. In der jetzigen Notzeit darf keiner aus solchen Gründen Ware zurückhalten. Heute muß sich jeder einreihen i» die Einheitsfront zur Bekämpfung der Nm. *

Damit ist die erste Beratung erledigt. Um */,6 Uhr wird ein? Pause dis l/»7 Uhr eingelegt, nach der die zweite und dritte Beratung der Borlagen folgen |otL Vorher wurde debattelos der Besoldung?- und Ruhegehaltsnaus- balt des Reichsbankdirektoriums dem Haushaltsausscbuß überwiesen. Das Gesetz über die Ausprägung von Er- satzmünzen wurde angenommen.

Die Pause in der Fvaktionssttzuugen abgehalten tour, bett, hat sich bi- 8Uhr ausgedehnt. Präsident Strebe eröffnet die Sitzung »nieder und stellt die Steuervorlagtn zur zweiten Beratung.

Abg Oberfohren (Deutsch».) gibt für das Zen- trum, die Deutschnationat-n, die Demokraten, die Deutsche und die Bayerische Volkspartei die Erklärung ab, diese Parteien bäten um die debattelose einstimmige Annahme der Kompromißvorschläge .die im Ausschuß einstimmig mit Zustimmung aller Parteien gegen die Kommunisten angenommen worden find. Die Kompromißvorlage er­gänzt die Steuervorlage der Regierung durch eine Httoan- ziehung der Landwirtschaft und durch eine Lohnsummen- steuer der Arbeitgeber mit dem Zweifachen der Lohn­steuer. Abg. Ober fahren erklärt, die Parteien, Mr die er spreche «hätten mit Rücksicht auf di« schwierig Lag» des Vaterlandes die schweren Bedenken gegen die Vorlage zurückgestellt, um durch entschlossene Maßnahmen der Not des Landes zu steuern.

Abg. Keil (Soz.) stimmt für seine Fraktion der Kompromißvorlage zu und bedauert, daß erst die kata­strophale Erschütterung der Währung nötig war, um die ReichStagsmebrheit zur Annahme der alten sozialdemokra­tischen Forderung zu bewegen.

Abg. Körnen (Komm.) erklärt, seine Fraktion lehne nicht alle Teile der Vorlage ab, wenn sie sie auch als un­genügend betrachte. Das Kompromiß sei das erste Angst- produkt der Koalitionspolitik, die der gegenwärtigen revo­lutionären Welle einen Damm entgegensetzen wolle. Er fordert den Rücktritt der Regierung Cuno und für Deutsch­land di« Arbeiterregierung.

Damit schließt die allgemein« Aussprache. Das neue Rhein- uno Ruhropser wird in zweiter unv dritter Be­ratung einstimmig endgültig angenommen. Die übrigen Steuervorlagen und die erhöhte Biersteuer werden gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen.

Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Loebe wirst die Frage auf, ob die Abstimmung über den kommunistischen Mißtrauensantrag und die Beratung über die wertbeständigen Anlagen am Sonnabend oder am Montag stattfinden soll. Nach kurzer Debatte wiro beschlossen, die Sitzung am Montag um 2 Uhr abzuhalten.

Jtt Mgerklstg fit mnmiW innorin.“

Aus dem Reichstag wird uns von unserem parla­mentarischen Vertreter geschrieben:

Diesen Ausruf schleuderte der Redner der Kom­munisten anlässig der grasten Debatte im Reichstag von der Tribüne des Parlaments hinab in das Land.

Dieser Stuf, offenbar nicht in Ueberetfer yervorge- sprudelt, sondern Wohl überlegt mit zynischem Hatz derabgestotzen, enthält die Ziele der Komnmnisten. Sie sind es, die aus der Rot deS Landes parteipoli­tischen Nutzen schlagen. Die nachgerade ins Uner­trägliche gesteigerte wirtschatfliche Qual kommt der Verwirrung zugute. Nie sind die Kommunisten rüh­riger gewesen, Witz jetzt. Aber auch daS mutz man aussprechcn, besonders wenn man diese kommunisti­schen Apostel unmittelbar in ihrer parlamentarischen Tätigkeit sieht und gört, datz niemand heuchlerischer und unehrlicher sein; Agitation betreibt, wie diese Kommunisten. Man mutz es einmal mit ehgsnen Augen gesehen haben, wie ein Koencn und ein Froeh­lich fick gebärden, tot« sie sich künstlich aufregen, wie sie unechte Leidenschaft mimen, wie sie dann aber sich gegenseitig zu lachen, wie sie sich mit ihrer Verhetzung ofcn im Saale brüsten und wie sie vor allem für bte Statisten sich betätigen, die sie ehr geschickt überall ans der PublikumSttibiure verkeilt haben, dann wird man diese ganze Thcaterkpielerei, dies« elend« Ro- rnSdie erst richtig durchschauen.

(J Berlin, 10. Aug. Vor Eintritt in die Tagesord­nung beantragt Abg. Ko »ne n (Komm.) die Aufhebung itzer gestrigen Verfügung, wonach die Zulassung von Dele- \|eHon«n beschränkt wirb. Präsident Loeb« erklärt dazu, ft habe verfügt, daß von dem Abgeordneten drei Gäste «mgeführt werden dürfen. Diese Beschränkung sei nötig Morden, weil gestern di« Masse der Besucher sich unzu- gssigerweise in fremden Fraktionszimmern ausgehalten fc* wiederholt Abgeordnete behindert hätte. Nach der Geschäftsordnung habe der Präsident daS HauSrecht und die Polizeigewalt im Haus«.

i Ohne Debatte werden mehrere Abkommen und Ber- KSge mit Polen, der Tschechoslowakei und Holland und feinere wirtschaftliche und Rechtsfragen in alle» drei fesnngen angenommen.

f.‘ Bei der Fortsetzung der Aussprache Über die Regierungserklärung schließt sich Al^g. Hetc rse n (Dem.) den Ausführungen oes Mg E trese- an. Deutschland könne in seinem Berständi -Wngswillen nicht weiter gehen als in der letzten Note der Regierung. Von der französischen Regierung fehle «ch immer eine positive Erläuterung ihrer Pläne im Ruhrgebiet. Unter lebhafter Zustimmung rühmt bet Kedner oen tapferen Widerstand der Bevölkerung an Ruhr und Rhein. Die neuen Finanz- und Steuervortagen Misten fchnell und energisch durchgeführt werden. Jetzt müsse endlich die verhängnisvolle Fiktion ausgegeben »erden, daß Mark gleich Mark sei. Jetzt müsse ftnetaf* fe feste Markrechnung durchgeseht werden. Wir brau­chen Wahrheit und Klarheit. (Beifall bei den Demo- baten.)

Abg. Boehm (Bayr. Vvt.): Die Kanzlerrede hat nicht tßf befriedigt. Vom Ausland haben wir keine Hilfe M ermatten. Die Selbsthilfe wird uns dadurch erschwer! daß unsere Währung vollkommen zusammengebrochen ist. Her Redner schließt mit der Versicherung, die Reichstreue Lünerns sei über jeden Zweifel erhaben.

Abg. Fröhlich (Komm.): Tie Regierung Cuno sitzt 4mf der Anklagebank. Sie hat durch ihre Unfähig­keit und ihre verbrecherische Politik Deutschland ins I verderben gefühtt. Der Ruhrkampf wird heute nur noch von der Arbeiterklasse geführt: aber bteft Kämpfer sind ttun Verrat der Unternehmer und der Regierung umgeben Leoner fährt in den üblichen Tiraden fort uno behauptet » a Stinnes. sei schon an der französischen RüstungSsirma Echneider-Creusot beteiligt. Die Unternehmer des Ruhr­gebiets haben den Dolchstoß geführt, an dem der Ruhr- ftnnpf zusammendricht. Dazu kommt die unglaubliche Korruption mit den Pro-pagandasondS der Ruhrhilfe. Außerdem wir» der rechtsbolschewistische Bürger krieg vor­bereitet. Der sächsische Minister Zeigner hat vergeblich dagegen protestiert, daß von der Leitung der Reichswehr in engster Verbindung mit Roßbach eine schwarze heimliche Armee aufgestellt und bewaffnet wird. Die Revolu­tion ist da. Die Arbeiterschaft hat sich unbekümmert um die Parteirichtung zusammengefunden zum Kamps gegen das herrschende korrupte System. ES wird niemandem tzelingen, uns Kommunisten in einen vorzeitigen Kamp' Äneinzutreiben. Wir werden sorgsam umgehen mit jedem Tropfen Arbriterblutr aber wir werden auf dem Platze fein, wenn es gilt, ..en drohenoen Kampf abzuwehren. Bet Hammer des Proletariats wird die kapitalistische Alasse zerschlagen. (Beifall bei den Kommunisten.)

Vizepräsident Dr. Bell teilt mit, daß von den Kom­munisten folgender Mißtrauensantrag eingegangen sei: Tie Ausführungen des Reichskanzlers entsprechen nicht ten Anschauungen des Reichstags. Der Regierung wird das Vertrauen entzogen.

Abg. v. Graefe (Deutschvölk.) weist darauf hin. daß dor den Fette» die bnttynbe Forderung seiner Gruppe Vach einer politischen Aussprache abgelehnt worben ja. Turch die Hinausschiebung dieser notwetütigen Aussprache dis jetzt sei die politische Situation unendlich verschlechtert dorden. Die Illusion ausländischer Sympathie ist jetzt verflogen. Der Reichskanzler hat dal ti-ftrauttge Wort von verbrecherischen Anschlägen ausgesprochen, obwohl die begreiflichen Gewaltakte gegen Franzosen von einem wirksamen passiven Widerstand garnicht zu trenne» stno. Der Reichskanzler befindet sich in einer kläglichen Un­stet heft dafür, baß er versäumt hat, sich gleich die Voll­macht zu einer eventuellen Reichstagsauflösung geben zu lassen Wir lege» Verwahrung dagegen ein, mit den Bolschewisten in einem Atem genannt zu werden. Wir i,drtt-st,,en gegen die B^umnnuag der „Deutschen Allz. Zeitung", daß in den nationalen Verbänden französisches Crid stecke. Herrn Rr>xk-Sobelsobn von den Kommu­nisten wird es nicht gelingen, die Unrllich völkischen Kreilc durch orientalisches Raffinement auf die bolschewistische €eite zu ziehen. Die Regierung Cuno verfolgt Roßbach tnfc andere nationale Männer in geraden unglrudltcher ASeise. Die Regierung muß endlich gegen Oie elenoe. Hucherwirtschaft der Bank- und Börsenkreise ttnschretlen. Gon; m Sinne der kommunistischen Redner müssen wir Marheit darüber verlangen, ob tatsächlich deutsche Jn- :^.sttte!lc jetzt mit den Franzosen verhandeln. Aus dem itoigen Elend kann uns nur die Diktatur heraus führen. sTach dem Versagen der bürgerlichen Parteien gcht es nur ‘fctei Lösungen: entweder den Bolschewismus ober das ! höllische Wicdcterwachen.

>' Abg. Le debout (U. S.): Herr Guno ist ein ver- fWlechterter Herr von Graefe, ein offener Nationalist, ■•une hat sich mit feilten Erlassen und seiner Politik als t”i«r gkifer Poincare» erwiesen. Die Ruhrarbttterschasi

Die Aussprache im Reichstage

KiimmM« $oM — M neien Steuern itlHlolte.

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Der Reichstag war tn den letzten Tagen ohnehin mehr und mehr der Tummelplatz von kommunistischen Delegattonen, von allen möglichen Betttebsräteabord- nungen aus den Berliner Fabriken, als datz et den Erwählten d«S Volkes zur Verfügung gestanden hätte. ES kam sogar soweit, Latz etwa 200 Mann auS den Fabttken tn den Reichstag stürmisch Einlatz begehrten, »nd auch tn geschloffenem Zuge die Wandelhalle durch­kreuzten. Sie sind von den Kommunisten tn versckffe- fcette Säle, übet die die Kommunisten gar keine Ver- ftlgunaSvetechttgtmg hatten, hineinyebracht worden. Ja, solch« Delegattonen sind selbst unter der Führung von Kommunisten im Zimmer anderer Fraktionen cingedrungen. Das alle» nötigte den Präsidenten zu scharfen Verfügungen für alle diejenigen, di« das .06118 betreten wollen und so stand btt Reichstag am Freitag unter einer Absperrung und Bewachung, aber auch zugleich stundenlang umlagert von Gruppen er­regter Menschen, das man glaubte, die Bilder einer unbettvollen Zeit des Spätherbstes 1918 seien wieder aefebrt Im Reichstage hat der Kommunist Froehlich «ine offene Revoluttonsansage getan, er stieß die blu­tigsten Drohungen aus, übrigens nach längst überleg­tem Sowjetmulter. Die Kommunisten haben in den Großberliner Betrieben ihre Anhänger mobil gemacht zu Teilstreiks, bte in einen Generalstreik übergefübtt werden sollen mit der Parole: Fort mit Cuno, fort mit der Regierung. Die gemäßigte Arbeiterschaft, na­mentlich die Sozialdemokraten, wurden von dem Ter­ror zum Mitarbeit gezwunaen, alles das deutet Da­raufhin, baß die Kommunisten, die im Reichstage bet bet Rede Froehlichs mit den niedrigsten Schimvswor- ten gegen die Regierung Cuno vorgingen, Froehlich nannte Cuno einen .Verbr-chet", tote Stunde ffir ge­kommen halten. Das zeigte uns, tote notwendig es ist, daß nun alle staatstreuen Element« nur noch um fo fester die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte betteiben.

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Str Nmfis In tit Srtltom.

Rim ist also auch mtt dem Dogma von der Unan­tastbarkeit der Snbstaiid gebrochen. Die neuen Steuern, die der Reichstag letzt im Begriffe zu verabschieden ist, sind ohne einen geradezu unerhörten Eingttff in die Vermögenssnbstanz überhaupt nicht aiifzubringen.

Die Tattache. daß innerhalb weniger Lage infolge der Markentwertung die ursprünglich vorgesehenen Steuersätze fast veezwanzigsachi werden mutzten — von der 25fachen Vorauszahlung der Einkommen­steuern ist man fettens der Regierung sogar bis zur SOOfmhen, und bei den KörperschaftSsteuern vom 40- fachen aus daS 700fache gekommen — diese Tatsache nein zeigt uns die Verwirrung, aber auch die UnHalt- barfeit deS gegenwärttgen Steuersystems. Wir müssen unbedingt zu einer festen Norm, zu einer Steuerfest- mark, zur Werchestvndsgkeit der Steuern kommen.

Wer die jetzige Steuerdebatte im Reichstag an­hörte, und sich erinnerte an ärmliche parlamentarische Aussprachen noch vor garnicht so langer Zett, dem ist es vorgekommen, als sei er tn ein« ganz neue Welt versetzt worden. Welche tetdenschccktltch bewegten ge­radezu erbitterten Kämpf« sind bisher um die Frage der .Substanz' geführt worden. Und nun totrb von allen Parteien des Reichstags, ja selbst bis in die äußerst« Rechte dieser Begriff in bte Substanz als StaaiSnottgkett bezeichnet, unb bte Hergäbe btefer Snbstanzwerte eine pattlotffdte Pflicht genannt. Der Führer ber Deutschen. Volks härtet, bet Abgeotdntte Sttefemann, hat in feiner vielbeachteten Rede auSgc- fvrochen. daß jetzt di« Stunde gekommen sei, in der wir ganz rohe und brutal« Steueren, und steuerliche Eingriffe machen müßten, die sich finanzwiffenschaft- lich überhaupt nicht rechtfertigen lasten. So tn der Tat stehen bte Dinge. Die bitterste Not, die an un­serer Türe klopft, zwingt uns zu Maßnahmen unb Hanblungen, bte nur bu«6 bte Todesgefahr, in der wir als Volk und als Reich. fchweben. gerechtfertigt werden kann. Sttefemann bat wiederum, tot« schon bet einer früheren Gelegenheit ausgesprochen, daß das Leben ober Sterben bet Nation nicht davon abhängt, ob wir ettte Goldmilliarbe mehr ober weniger be­zahlen. batz nicht derjenige, der für «tne Reparations­zahlung von 25 Milliarden platdiett ein guter Deut­scher ist, während derjenige der 50 Goldmllliarden für möglich hält at« Landesverräter gebrandmarkt werde, daß alles diese- nur eine Frag« der Tage, ber Schätzung ber Berechnung ist! Aber Sehen unb Ster­ben btt Nation Hängt davon ab, ob wir untere Ein­heit erhalte», unb ob wir unser Volk über die tödlich« Krise, bie eS jetzt durchzumachen hat, nach hinüber« retten können. So hängt Leben unb Sterben der Nation jetzt auch nicht davon ab, ob wir den unver­meidlich gewordenen Eingriff tn bte Substanz machen unb bte Durchführung mtt aller Strenge vollziehen.

Es geht für wahr um bas Leben unb Sterben ber deutschen Nation. T!»es,ettscke Erörterungen haben jetzt zu schweigen. Die Praktisch« Tat kann helfen. DaS hindert natürlich nicht, baß bte jeyiae Epoche, die sich durch fürcht »rliche, beute von den meisten von :ms überhaupt noch nicht geahnte materielle Opfer kennzeichnet, dazu benutzen, ittn inzwischen nach dein Rechten zu sehen, und alle diejenigen Hemmnlffe aus dem Wege zu räumen, bte nicht nur einen großen Lett ber Mitschuld an dem tragen, was wir jettt vor uns sehen, die es sogar nach verschulden, daß den jetzigen Besserung-- und Rettungsversuclien Schwierig­keiten bereitet werden, hier ist es insbesondere der, von allen Parteien bis weit in bte Rechte hinein, und wiederum von Strekemcmn mtt aller Dentttchkeit formulierte Ruf nach einer gründlichen Aenderung des heutigen (Stiftern? bei der Retchsank. Die ver­hängnisvolle Politik, die die Rcichsbank tn dielen letz­ten Wochen betrieb, bat tn ber Lat bett wesentlichsten Lntett an der Notlage, tn bte wir jetzt geraten sind. Es tft höchst« Zett, daß das Autonomiegesctz, daß die Reichsbank frei von ber unmittelbaren Abbängigk-tt von ber RelchS'-eoietttna stellte, mit größter Be­schleunigung gHnden werben muß, Liefer Rui ist

auch von den bürgerlichen Parteien im Reichstag er­hoben worben.

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fein Rier GMHtilms*

London, 10. Aug. Reuter erfährt, dah der Vertreter der amerikanischen internationalen Han» delskommisston beim Premierminister Badlwin vor» gesprochen und ihm einen Plan für die Amortisie­rung der interalliierten Schulden und der Repara­tionen vorgelegt habe. In dem Bericht der Kom­mission, der den amerikanischen Behörden und den maßgebenden Regierungsbeamten vorgelegt worden ist, heißt es u. <t.: Die Probleme der Reparation und der alliierten Schulden sind grundlegender Art und müssen geregelt werden, bevor die Frage der Ausdehnung des Handels sachkundig erwogen wer­den kann. Von ihrer angemessenen Regelung hän­gen Friede, Wohlfahrt und Gedeihen der Welt ab. Die internationale Handelskommission hat diese grundlegenden Probleme geprüft und sich geeinigt, zwei Heilmittel vorzuschlagen. Weiter sagt der Be­richt, die Lösung der Weltprobleme liege in den beiden Formen Moratorium und Amortisation. Die Alliierten müßten die Bereinigten Staaten be­zahlen und Deutschland müsse angemessene Repara­tionen leisten, aber am Versailler Vertrag mußten Abänderungen vorgenommen werden, die Deutsch­land die Möglichkeit eines Handelswettbewerbs geben. Ferner sei erforderlich, daß Frankreich wi« Deutschland Garantien gegen militärische Angriffe erhielten. Der Bericht enthält genaue Tafeln be­treffs Amortisation von 1 Milliarde Dollar wäh­rend einer Zeit von 66 Jahren bei 3 Prozent Zinsen und % Prozent Amortisation sowie Tafeln für die Schulden der Alliierten an die Vereinigten Staate« und eine Tafel der deutschen Reparationen auf Grundlage einer Summe von 12 Milliarden Dollar. Auf diese Zahlen hat sich die Kommission nach sorg­fältiger Untersuchung geeinigt. Sie stellten an­nähernd die Zahlen dar, die von amerikanischen und britischen Wirtschaftssachverständigen auf der Ver­sailler Konferenz angenommen wurden. Ferner empfiehlt die Kommission einen unparteiischen Aus­schuß finanzieller offizieller Sachverständiger zur Festsetzung der deutschen Zahlungsfähigkeit. Der nächste Schritt müßte eine internationale Anleihe für Deutschland und andere europäische Länder unter finanzieller Beteiligung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens sowie ein Vertrag gegen Angriffskrieg« sein. New Parker Bankier» hätten versichert, daß bei Annahme des Planes der Anteil der Vereinigten Staaten aufgebracht werden würde.

Die enMche Aninmt.

Pari«, 1«. Aug. Der »NewYork Herold" be­merkt zur diplomatischen Lage: I» Paris werde von der bevorstehenden englischen Antwort auf die französische Note vom 30. Juli keine wesentliche Aenderung in der Ruhrfrage erwartet. Man weise darauf hin, daß der auf ei« Zusammeswirke« der Ruhrindustrie abzielende französische Plan eine 6e»* stimmte Politik voraussetz«, auf Grund bete« Frankreich noch lange Zeit im Ruhrgebiet bleibe» wetde.

London, 10. Aug. Die „Times" schreibt, die Antworten an die französische und die belgische Re­gierung würden gleichlautend sein. Man hoffe, daß die Antworten rechtzeitig übermittelt werden könn­ten, so daß sie unter die am Sonntag zu veröffent­lichenden Dokumente ausgenommen werden könnten. Die Note werde wahrscheinlich ein längeres Schrift­stück sein und die britische Auffassung bezüglich der Reparations- und der Ruhrfrage sehr ausführlich behandeln.

London, 10. Aug. Lord Curzon empfing gestern den sranzösischen Botschafter.

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M dr» MM.

Paris, 10. Aug. Die Baisse des belgischen Franken, der gestern in Paris auf 75 Centimes fiel, hat in Brüssel, wie aus verschiedenen Meldungen französischer Blätter hcrvorgeht, beträchtliche Un­ruhe hervorgerufen.

Paris, 10. Aug. Nach einer Meldung befin­den sich die augenblicklich leitenden Persönlichkeiten der Belgischen Äationaldank in Paris, um über die Eröffnung eines Kredits zugunsten Belgiens zu ver. handeln, das in großer Erregung über den Stur, des belgischen Franken von Frankreich verlange, daß «es ihm in der Form eines Bankkredits oder t« irgendeiner andere« Form Beträge in französische« Franken zur Verfügung stelle, die auf den Stand des belgischen Franken einen günstigen Einfluß