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1925

Der Kanzler vor dem Reichstag

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auf diese Weise mit Rrgienrng a&fditief*«

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baß die RfichstagSvetbandlungen Annahme der Finanzgesitze und einem VertrauensvotttM für bk werden.

auf dem Verhandlungswege unsere Forderungen zu er­reichen sind. Hier greift ei« anderer Stück des Regie­rungsprogramms als außerordentlich wichtige- verbiu-

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tr. 25. wird«

Berlin, S Ang Dre gestrige Rede des Reichs­kanzlers Dr. Cuno findet nur in einem Teil der Prjsi eine kritische Würdigung, während die übrigen Blötrer sich darauf beschränken, ein Stimmungsbild der gestrigen ReichstaqSsitziing zu geben und den Inhalt der Rede des Kanzlers unb die Ausfihrungen des ReichsstnanzministerS Dr. Hernies zu sfizzürn. Diese Zurückhaltung hat ibce Ursache ivohl darin, daß man der Reichstagsdebatte über die Cunorede nicht borg reifen will. Die außenpolitische Ausführungen im ersten Teil der Rede finden in keinem Blatte mit Ausnahme derRoten Fahne" Widerspruch. DerBerk. Lokalanz." hebt besonders hervor, daß vl-sil Teil der Kanzlerrede die Zustimmung so ziemlich des ganzen Reichstags fand. DieLeipziger Neuesten Nach­richten" billigen es, daß der Reichskanzler die BertrauenS- frane stellt aufgrund eines Programms, das die -nnere Politik den Bedürfnissen der äußeren nnterordneti

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Die Rede, mit der Reichskanzler Dr. Cuno am Mittwoch die Nottagung des Reichstages angelu'tft bat, bringt in bi: innen- imo außenpolitische Lage volle Klar­heit. Schon au« diesem Grunde allein toird man die Kanzlerrede willkommen heißen. Außenpolitisch ist das Fazit, das Dn Cuno ziehen mußte, leider für alle die­jenigen eine Enttäuschung, die von England ein entschie­denes Eingreifen in die Ruhraktion Frankreichs erwartet haben. Damit ist es eben nichts. Der vorsichtige Be­urteiler hat sich von Anfang an auf die Erwartung oe schränkt, ob Englarch die Probe nun auch in der Tai bt= ,sehen würde Baldwin ist im Kabinett bei einem Teil seiner Minister auf schärfsten Widerstand gestoßen, als er daran gehen wollte, die Konsequenz aus seinen Rkoen zu ziehen. Das englische Kabinett ist tatsächlich voll- komr.ien gespalten. Ein Teil will sich Frankreichs Bor- Herrschaft in der Reparationsftage nicht länger gefallen lassen, der andere Teil, die konservativeil Ultras, ha! mit dem Austritt aus dem Kabinett gedroht, wenn ernst gemacht werden sollte. In dies-r Sage Hai der englische Ministerpräsident zweifellos klein beigegeben. Es ist möglich, daß Baldwin viellacht schon in den nächsten Tagen seine Demission anbietet und- eine Erneuerung des Kabinetts unter Ausschiffung der diehardr versucht. Dann rouii» Mich die Stunde fktr Mar Senna, dem schärfsten Gegner der ftanzösischen Ruhrpolitik, als Schahmini­ster geschlagen haben. Zur Zeit aber ist die englische Regiernngspolitik völlig passiv und die Regierung muß mit der Tatsache rechnen, daß das deutsche Memoran­dum eine Karte war, die nicht gestochen hat

Selbstverständlich ist das kein außenpolitischer Miß- ertoi'g der Regierung, die die dargebotene Hand der eng­lischen Initiative ergreifen mußte. Es ist umso weniger eine Belastung der Regierungspolitik, als Dr Cuno die feste Entschlossenheit kundgegeben hat, weiter im Wiser- stand zu verharren, obgleich Deutschland jetzt in feinem Kampfe Völlig allein steht. Die Außenpolitik der Re­gierung steht weiter unter der Parole: Keine Kapitula­tion, sondern Aufrechterhaltung des Kampfwillens, bis

geführt weiden. Die erhöhten Sätze der BoranszaMngen auf das Hundertfache bei der Einkommensteuer und auf das Einhundertundvirrzigsache bei der Körperschafts steuer eien inzwischen längst durch die Geldentwertung über­holt worden, sodaß eine außerordentliche Erhöhung ein­treten müsse. Im Herbst werde bei einer Reform der Einkommensteuer auch die Frage der Goldrechnung zu entscheiden sein. Schon jetzt seien im Auftrag der Regie­rung Sachverständige mit der Frage beschäftigt, ob sich eine feste Markrechnung einfübren lass». Die Goldanleihe olle bis zum Betrage Von 500 Millionen dadurch ge­schert werden, daß zur Deckung des Zinsendienstes Zn« chläge zur Bermögensstkuer erhoben werden. Bei der Erhebung der Tabaksteuer würden auch die Nachteile be­seitigt werden, die jetzt dem Kleinhandel aus der Art der Nachversteuerung erwachsen. Gesunde Verhältnisse wär- aber erst erwachsen, wenn die Ruhrbesetzung durch einen unparreiiichen Spruch über den Umfang unserer Repara- tionsverpflichtnngen abgeschlossen werde. Bis dahin müß­ten wir der Welt durch schleunige Erledigung der Steuer­vorlagen beweisen, daß wir nach Möglichkeit finanzielle Ordnung bei uns schaffen wollen. (Beifall rechts und im Zentrum.) t

Präsident Sorbe teilt mit, daß nach einem Beschluß des Aeltestenrats die Aussprache über die Regierungs­erklärung morgen beginnen soll.

Abg Koenen (Komm.) beantragt zur Geschäftsord­nung, die Debatte sofort zu beginnen, damit die unerhörte Rede des unfähigen Reichskanzlers nicht einen Tag un­widersprochen hinausgehe. Arh-iterdelegationen der Ber­liner Großbetriebe hätten diese Forderung an den Reichstag gerichtet. In vielen Betrieben sei schon passive Resistenz proklamiert worden, um Cunos Rücktritt zu erzwingen (Gelächter'

Abg. Müller-Franken (Soz.): Die Kommunisten haben heute im Aeltestenrat der Vertagung der Aussprache zugestimmt. (Rufe bei den Kommunisten: Da wußten wir noch nicht, daß Cuno solch unmögliches Zeug stammeln würde!) Wenn der Reichstag nach dieser Begründung dem kommunistischen Antrag znstimmen würde, so würde das die Abdankung des Parlaments bedeuten. (Berfall bei der Mehrheit

Ter kommunistische Antrag wird abgelehnt.

Um Vi6 Uhr vertagt sich das Hans ans Donnerstag 2 Uhr: Aussprache über die Regierungserllärung.

turnen daran zu knüpfen. Wir dürfen nicht «n Wunder, sondern muffen an uns felber glauben! Wir müssen uns von der torbeit freimachen, Sympathien dort zu vermuten, eo keine find. Noch heute müssen wir uns freilich »us eine lange Dauer der Leidenszeit gefaßt »achen. Die Forderung zu direkten Verhandlungen »it Frankreich halte ich für falsch und werde dies roch begründen. Die vier Jahre seit Abschluß des Beitrages stellen eine Kette ununterbrochener Ver- stimoigungsverfuche dar. Auch feit dem Einmarsch irs Ruhrgebiet benutzte die jetzige deutsche Regie­rung jede Gelegenheit, um zu beweisen, daß sie be­reit jst. bis zur Grenze des Möglichen zu leisten. Was wir aber nicht können und nicht wollen ist, deutsches Land anfzngeben. Das ist eine For­derung, auf die die Reichsregierung nicht eingehen wird. Sie würde »ms weder vor der Ausbeutung der Waren, noch uns die Freigabe der Verhafteten sichern (Zuruf bei den Kommunisten: Stinnes ist »icht bester'), noch würden -wir wieder zu versas- brngsmäßlgen Zuständen im Rheinland gelangen Dir sollen also das Rheinland den Fran lo^en auf Gnade oder Ungnade aus­tief e r n. Das ist eine Forderung, auf die die Re- ßterung nicht eingehen kann. (Lebhafter Beifall) Dir sollen unsere Kredite wieder herstellen, die Dährung wieder stabilisieren, während Fr a n k - reich dafür gesorgt hat, daß die deutsche Wirtschaft und politische Or- Vanisation aus den Fugen gebracht worden sind. Deutschland soll nie­derbrechen, aber zahlen, und wenn es Aicht zahlt, soll er neuer Verfehlun- <en angeklagt werden, bis das^Werk der Vernichtung vollendet ist. Frank­reich braucht eine neue Unterschrift. Deutschland aber hätte einen Klotz am Bein, den «e jahrzehntelang mit sich schleppen soll. Geben it UNS doch keinen Illusionen hin, daß eine Unter­werfung unter den unbarmherzige« Starrsinn mit

und nicht durch Einführung neuer LuxuS- und BlitzzÜge gesteigret werden darf Aber die Maßnahme kommt auch jetzt noch nickt zu spät. Die Parteien billigen auch hier das Vorgehen der Regierung und so kann man erwarten« mit der reibungslosen

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PariS, 8. Aug. Nach derChicago Tribüne- foli der tn Paris anwesende schwedische Völkerbnnds- vertreler Branting dem Mtnistcpräsidenten Poincarö bet leinen» heutigen Empfange eine offizielle Denk, schritt Über die Ruhr- und Reparationsttag« zu über, reichen beabsichttgeri.

Der heute in Paris cintrcffende französische Bot- f(haftet beim Vatikan Jonnard, Hütte nach derChi» cago Tribüne" Poincar- wichtige Mitteilungen über ble Haltung des Papstes in der Frage der ranLöstsch» englisch deutschen Beziehungen zu machen.

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Wie derTag" erfährt, ist beabsichtigt, am Tonne* tag und Freitag den Steuerausschuß des Reichstages die Entwürfe der Regierung durchberaten zu lassen, während m diesen beiden Tagen das Plenum die allgemeine poft« fisch« Debatte erledigt.

Bon vornherein war man in allen Fraktionen, di« heute mittag Beratungen abhielten, davon Überzeugt, daß in« Sätze der Regierungsentwürfe, soweit Papierrnart- rechnung zugrund' liegt, erheblich erhöbt werden müssen. Dazu wird aber entweder in den Beratungen des Steuer« ausschusses oder in d«n Beratungen des Plenum- ein Jnttialivanirag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte tont# men, dem sich wahrscheinlich auch noch andere Parteien anschließen werde« In diesem Jnifiafivantrag toi» «in Gesetz formuliert werden, wonach zur soforttgen Behebung der Finanznot und zur Abwehr des völlig«« Zusammenbruches bet Mark eine Steuer gefordert wird, die in Höh« von einer Goldmark pro Kopf sämtlicher Arbeitnehmer von den Arbeitgebern und den Erwerbs« gesellschaften gezahlt werden soll. Tiefer Antrag ist zwar inr Stunde noch nicht genau formuliert, einzeln« Frak­tionen aber, darunter auch die Deutsche BolKpartei, hab«« einem solchen Plan bereits zugestimmt. Wen« dieser Plan zur Durchführung kommen sollte, woran eigentlich nicht mehr zu zweifeln ist, so nrfhir.n damit die bekann­ten Forderungen der goraöxntofmti# «rheblich über­troffen werden. Sicher ist auch, daß der Gesetz- «ntnmrf über die Auslage einer Goldanleihe mit bet Ganmtir btr deutschen Wirtschaft im Reichstage eine er­hebliche Mehrheit findet.

Noch einer Mitteilung desVorwärts" fand gestern nach der Plenarsitzung des Reichstage- eine Besprechung des Reichsfinanzmimsters Dr. H e rm c S mit Vertretern aller Parteien über die neuen Stenervorlagrn statt, Ter Minister legte, den Blättern zufolge, entscheidende« Wert auf die ailerschleunigste Beratung aller Vorlagen. Er erkanntt ferner die Notwendigkeit der Ergänzung der Regierungsvorlagen durch Ln sozialdemokratischen Vor­schlag auf Erhebung einer lausenden Steuer in Häbc de4 Mehrfachen der Lohnsteuer an. Die von Per« fdjiebenen Seiten vorgeschiagene Kopfsteuer auf Bold« man berechnet, lehnte er wegen ihrer unsozialen Wirkung ab. Für die Landwirtschaft sei eine Flächcnsteuer bk irrt Augenblick geeignetste Methode. Rach Mitteilung bet Deutschen Allgem. Ztg." haichelt es sich bei der genann­ten Kopfsteuer um eine Besteuerung der Unternehmer, dir in einer von Vertretern der Industrie und der Bankw'Ü ausgearkeiteten Regierungsprogramm vorgeschlagen wird und die entsprechend der Anzahl der in den Betrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten zu zahlen wärt,

einem Dokument besiegelt werden würde, das mit Gerissenheit und ausgeklügeltem Advokatensinn zu­sammenträgt, was nach französischer Auffas» sung der Vertrag von Versailles verhängt hat mtb Schlimmeres noch als der Vertrag, der schon wie ein Fluch über Europa lastet Es zeigt sich am Horizont kein helles Licht für uns. So heißt es denn für uns mit den Mit­teln eiserner Entschlossenheit jedes Opfer zu bringen. (Stürmischer Beifall; Wi­derspruch bei den Kommunisten und Lärm.) Wir kennen die Eewaltpläne des Beherrschers und Ver- oerbers Europas. Wir sind ihnen gegenüber auf uns selbst angewiesen. Zur Erhaltung des Be­standes unseres Landes müssen wir jedes, aber auch jedes Opfer bringen. Wir wollen festhalten an dem gewaltlosen passiven Widerstand, frei von sinnlosen Gewalttaten.

Der Reichskanzler geht dann auf die innere Po­litik, vor allem auf die Wirtschaftslage ein: W i r stehen vor der Gefahr, durch eine Va­lutablockade abgeschnitten zu werden.

Darauf geht der Reichskanzler auf die Frage ves Einheitskurses für den Dollar usw. ein. Er fuhrt aus, man sei sich von vornherein darüber einig gewesen, daß man einen Einheitskurs auf die Dauer nicht werde halten können, weil sich eine deutsche Stützungsaktion nur auf die deutschen Börsenplätze beschränken müßte, ohne auf die aus­ländischen, wo ebenfalls die Mark gebandelt wird^ Einfluß gewinnen zu können. Ein« gruudfätzlrche Besietung der Lage an den Devisenmärkten »ft nicht zu erwarten. Endgiitlige Heilung unserer Finanz- nnd Währungsnot ist eben nur möglich, wenn un­sere außenpolitische Lage geklärt und die. Repara­tionsfrage gelöst ist. Wir haben aber ketrr Recht, eine Zwischenlösung länger aufzuschieben. Die Ge­sundung unserer Wirtschaft müsse erreicht werden ohne Rücksicht ans irgend einen Stand oder auf bestimmte Wirtschaftskresse. (Bei diesen Worten erhebt sich bei den Kommunisten großer Lärm. Die Abgeordneten Fröhlich und Könen ru­fen: Bankerotteur'. Der Lärm steigert sich nach Gegenrufen von rechts. Präsident Loebe ersucht die kommunistischen Zurufer, in dieser Notzeit dem Volke nicht noch das Bild der Zuchtlosigkeit der Ao- geordneten zu geben. Trotz der Bkahnung des Prä­sidenten fetzten sich dis Lärmkundgebungsn noch minutenlang fort.) Der Reichskanzler fortfahrend. Das Programm der Regierung umfasse zu diesem Zwecke drei Maßregeln: 1. Schaffung einet wert­beständigen Anleihe; 2. wertbeständige Steuern; g, Förderung unserer Wirtschaft. Durch die Börsen- Vorgänge der letzten Tage durften wir uns nicht be- einflusien lasten. Die Reichsbank stehe vor wich­tigen währungspolitischen Aufgaben, die mit Vor­sicht und Entschlostenheit gelöst werden müßten. An die Landwirtschaft wüste die dringende Mahnung gerichtet werden, auch in der Belieferung tnit Lebensmitteln ihre Pflicht zu tun. Die Arbeitgeber aller Stände sollten der Geldentwertung bei der Bemessung der Löhne und Gehälter Rechnung tragen. Unser Volk sei nach dem Kriege viel ä r in e r geworden. Mehr spare« und mehr arbeite« sei erforderlich. Die Regierung stehe auf ihrem Poften. Die Ein­fuhr muß auf das notwendigste Maß beschrankt werden. Die Regierung wird prüfen, wie wett die Zuständigkeit der Außenhandelsstellen zu diesem Zweck verändert werden muß. Mit diesen Maß­regeln der Regierung ist es aber nicht getan, bas Wichtigste liegt beim Volke selbst.

Der Kanzler geht dann auf die Ernäh­rung s s chw i e r i g k e i t e n des deutschen Volkes ein. Er gibt dabei der Hoffnung Aus­druck, daß wir über die schlimme Zeit hinaus feien. Die Ernteaussichten sind erfreulich. Als sich der Reichskanzler gegen diejenigen wendet, die es bis­her verstanden haben, sich ihrer Steuerpflicht zu entziehen, und er das Wort spricht, mehr Sparen und mehr Arbeit wüste die Losung sein, unter­brechen ihn die Kommunisten stürmisch von neuem. Einer der Kommunisten rüst: Sie sparen, wir ar­beiten! Die übrigen Ausführungen des Kanzlers gehen im Lärm der Kommunisten unter.

Zur Begründung ter neuen Steuervorlagen e-klärte Reichssinanzmimfter Dr. Hermes bann u.a

Zweifel daran, daß wir unseren Kampf gegen den ft»«- zösischen Ruhreinbruch mit eigener Kraft führen müsse« uiib daß deshalb die inner« Festigkeit bei deutschen Vol­kes entscheidend für Erfolg ober Mißerfolg des Ruhr­kampfes ist. So hängen Außen- unb Innenpolitik i« diesem Auaenblick so eng zusammen, toi« vielleicht noch nie.

Die Regierung will zunächst durch die Erhebung von Steuerzuschlägen unb Sondersteuern da- Reichsdefizft nach Möglichkeit abdecken. Dieses Programm ist bekannt und es stand auch vor btr Aussprache der Parteien schon fest, daß btt Fraktionen von ben Deutschnationalen bi­einschließlich ber Sozialdemokraten die Steuersorderungen aut heißen. Einig war man sich auch schon am ersten Tage der Session darüber, daß das Steuerprograrnnk der Regierung einer Ergänzung bedarf, die wohl in irgend einer Form als Goldbesteuerung der Wittschast in Kraft treten wird. Auch hier besteht zwischen der Regierung und den Parteien Einverständnis und es ist deshalb mit Sicherheit anzunehmen. daß die Notsteuern, bi« «kn brennende- BttttirsniS befriedigen sollen, rasch beschloss«« unb rasch erhoben werden.

Tie Regierung hält aber noch eine ztoeitr Maßnahm« für notwendig. Auch hier handelt es sich nm eine Ein­dämmung der Inflation, b. h. der ungedeckten Noten« auSgaben. Was nach der Erzielung von vielen Billionen neuer Steuern hier »wch zu tun übrig bleibt, soll durch eine ganz rücksichtslose Abdrosselung der Lurnseinsuhr geschehen Man wird dadurch den Bedarf »n Devisen auf bas äußerste Maß einschränken. Auch der Bahn« verkehr wirb davon betroffen, da die Kohlenfrage in unserer gegenwärtigen Lage zum größten Teile ein» Devisenfrage ist. Eigentlich hätte ber VerkehrSminister das Einsehen haben sollen, baß der Kohlenverbrauch bet Reichsbahn aufs Aeußerste ringcschräntt werden vwt

___ Berlin, 8. Aug. Am Regierungstisch Reichskanzler Wr. Cuno, Innenminister O e se r, Wirtschastsminister # M. Becker, Außenminister v. Rosenberg, Finanz- | Minister Dr. Hermes, Arbeitsminister Dr. Braun,

II Mchrminister Dr. Geßler. Das HauS ist gut besetzt,

fote Tribünen sind überfüllt. In der Diplomatenloge «toft «ohnen zahlreiche ausländische Vertreter den Verband« fangen hei.

nt passiven Widerstand fesihglten. (Beifall bei der Mehrheit.) Die Entscheidung liege jetzt bei England, aber es wäre zwecklos und ge- sthrlich, in diesem Augenblick sich über Einzelheiten der englischen Aktion zu verbreiten oder Kombina-

Ans der Tagesordnung steht die erste Lesung des Ruhr« Wsers, des Steuerzinsgesetzes, des Verbrauchersteuerge- sches und der Vorlage über die Erhöhungen der Vovaus- Mhlnngen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuern

Präsident Loeb« eröffnet die Sitzung um 3Uhr 20 Rinuten unb hebt hervor, daß zu l>esürchten war, daß die snanziellen unb wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Lan- 1)111 tcs den baldigen Wiederzusammentritt des Reichstags not- 9 ««I wachen würden. Berhandlungsreisc Regierung-- 56 Vorlagen lagen jetzt vor. Das Parlament müsse rasche fceib Erbeit leisten, wenn die erhoffte Besserung noch kommen Der Präsident gedenkt, toährenb die Abgeordneten von den Plätzen erheben, des Ablebens des Präsiden« der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, Har­ting. Er habe bereits dem amerikanischen Botschafter ton der Teilnahme, des Reichslages Kenntnis gegeben, räsident Loebe knüpft daran den Wunsch, daß Amerika überzeugen möchte, welch großen Verdienste um die enschlichkeit es sich erwerben würde, wenn diese größte einflußreichste Republik der Erd« ihre Mithilfe zur sundung und Befriedung der Welt leisten würde. (Bci- 439^fall.) Der Präsident teilt bann mit, daß der Abgeordnete agernann am Erscheine nverhindert ist, da er ßic Ausreiseerlaubnis nicht erhalten habe.

Darauf nimmt Reichskanzler Dr. Cuno das Wort, ter zunächst von den Kommunisten am Sprechen vee- JJfabert wird, die rufen: Der Aufsichtsrat Von Sfinnes «ck Konsorten hat das Wort. Schwindler, Betrüger, «treten! Der lebende Leichnam redet. Sie sind ein Aerorecher am deutschen Volke! Unruhe auf allen Leiten des Hauses. Pfuirufe rechts. Rufe: Raus mit u Ausländern! Der Abg. Froehlich (Komm.) erhält Ordnungsrufe. Präsident Loebe macht daraus Rsmerksam, daß bei weiterer Nichtbefolgung siiner Mah- ng eine gröbliche Verletzung der Ordnung des Hansis derliege unb er die Ausweisung der betreffenden Abgc- neten vornehmen werde. < <

Reichskanzler Dr. Cuno erinnert daran, daß «m Sonnabend das deutsche Volk den Bersassungs- Illg begehen werde. Die französische Fabel von der friedlichen Ingenieur-Kommission" und den pro­duktiven Pfandern lasse sich heute nicht mehr auf- «chterhalten. Trotz aller Drangsalierung der Be- »ölkerung werde diese cm Rhein und Ruhr treu

daß das Reich durch den Ruhrkampf nicht nur große Lasten, sondern auch ungeheure Einnahmeausfälle erlitten habe. Die Reichspost sei tn einer noch unangenehmeren Lage als die Reichsbahn. Der mit ar.fr Billion veran­schlagte Fehlbetrag der Post dürste wesentlich höher werden. Bei der Bahn würden am 1. September und bei _ . __ . ,,r, ..

ber Post am 15. September wertbestäuoigc Tarije «ih,ji-Ungsglikd et«. Dir mcheupoluijche Lage lifit tawn

- Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg. [»

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessesi

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