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d«l J. H. Schäfer
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Marburg
Sonnaöenh, im 4. August
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Amtliches BeMndigungsblatt des Kreises Marbmg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) OberhessÄ
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Die französische Antwort.
Mitteilungen der Havasagentur.
Paris, 2. Aug. Der diplomatische Vertreter der Haoasagentur ist in der Lage, eine Analyse der Antwort der französischen Regierung zu geben, die tuf die Mitteilung Lord Curzons über die Reparationen erfolgte. Es heißt da 1. das Wichtigste fei die Frage des passiven Widerstandes, 2. eine Räumung des Ruhrgebiets könne nur nach Maßgabe der Zahlung erfolgen. Sobald der passive Widerstand ein Ende gefuilden hat, was automatisch eine Wiederaufnahme des Wirtschaftslebens nach sich ziehen würde, werde die Ruhrbesetzung so leicht wie möglich werden. 3. und 4. Die französische Regierung, somit keine Kommission, biete mehr Garantie für Gerechtigkeit, Billigkeit und guten Willen. 5. Für die allgemeine französische Regierung bestehe schon ein Plan, und die ReparationskomMission besitze alle Rechte. Was versteht England unter einer allgemeinen und endgültigen Regelung? Wird die Regelung der interalliierten Schulden in dieser Regelung einbegriffen sein.' 8. Endlich: Man kann nur wiederholen, daß Frankreich und Belgien nur das Ruhrgebiet gegen effektive Zahlungen und im Verhältnis zu diesen räumen werden.
Zm letzten Absatz ihres Briefes erwähnt die englische Regierung die Sicherheitsfrage. Die franzö- sssche Regierung wird immer erfreut sein, sich mit ihr hierüber zu unterhalten. Aber -diese Frage ist unabhängig von der Frage der Ruhrbesetzung und muß getrennt behandelt werden.
Zu diesen Konklusionen veröffentlicht heute Havas ein Resumä der Antwort, in der es heißt' Die französische Regierung erklärt sich zuerst bereir, schon jetzt mit der britischen Regierung die deutschen Vorschläge vom 7. Juni zu prüfen, aber sie stellt fest, daß diese Vorschläge nicht die Verpflichtung der deutschen Regierung enthalten, den passiven Widerstand aufzugeben, durch den sie seit 6 Monaten die Ausführung des Friedensvertrages vereitle. Die französische Regierung erkläre sich bereit, weitere Fragen zu beantworten, aber sie erinnere daran, daß Frankreich und Belgien nach vier Zähren des Lbwartens, der Versuche aller Art, ja sogar nach len Deutschland gewährten Moratorien nur das Ruhrgctiet nach Maßgabe der von der deutschen Regierung geleisteten Zahlungen räumen würden, und, was den passiven Widerstand betreffe, wenn Deutschland ihn sofort einstellen würde, Frankreich in der Ruhrbesetzung eine Aenderung treffe, die mit der Sicherheit der Truppen und der Ingenieure sowie der Konservierung des Pfandes in Einklang zu bringen sei. Als Frankreich das Ruhrgebiet besetzt habe, habe es in Deutschland den Zahlungswillen schaffen wollen. Es habe die lleberzeugung, daß, wenn dir britische Regierung einfach dem Deutschen Reiche Mitteilen würde, daß sie seine Politik nicht billige, die Deutschland ruiniere und auch Europa mit dem Ruin bedrohe, alles sofort wieder normal wird. Die französische Regierung sei mit der britischen Regierung einverstanden, daß Deutschland seinen Kredit wieder Herrichten, seine Währung stabilisieren, fein Budget ausgleichen und seine Produktion steigern muffe. Das seien Ratschläge, die die Alliierten Deutschland seit 1920 gegeben hätten. Alle Bemühringen seien vergeblich gewesen. Der Ruin Deutschlands komme nicht von der Ruhrbesetzung; er sei das Werk des Deutschen Reiches selbst.
Was die Zahlungsfähigkeit Deutschlands anbetreffe, frage sich die französisihe Regierung, warum eine Berechnung, die heute durch Sachverständige erfolge, genauer wäre als die, die 1921 erfolgt sei und warum die Ziffern, die man heute festsetze, noch in 10 oder in 15 Jahren maßgebend sein konnten. Die Zahlungsfähigkeit eines Staates fei eine „variable" Sache. Die französische Regierung bitte präzisieren zu wollen, welches die Beziehungen der Sachverständigen zu der im Friedensvertrag geschaffenen Kommission seien und welchen Charakter ihre Ansichten haben sollen, wer die Sachverständigen auswähle, durch wen, durch die Regierungen, durch die Reparationskommission, durch die Alliierten, durch die Assoziierten oder durch die Neutralen sollen sie ausgewählt werden? Die französische Regierung wäre übrigens sehr glücklich, so heißt es schließlich in dem heute veröffentlichten Auszug, wenn der a m e r i k a n i s ch e D e l e g i e r t e sich etwas an der Diskussion der Reparationskommission beteiligen würde.
Aus dem Text der französischen Ron auf dir Dorn- Meute vom 20. ZM find folgende Stellen befenber» bemrekenöwert:
„Die britische Regierung glaubt, daß die Besetzung des Ruhrgebiets nicht den tzeringsten Erfolg gehabt habe. Wir teilen diesen Pessimismus nicht. Man barf sich über
Ziel, das wir im Ruhrgebiet verfolgt haben, nicht täuschen. Es banbelt sich keineswegs darum, dort die so fertige und vollständige Reparationszahlung zu suchen Wir wußten sehr wohl, daß die Ausbeutung des Ruhrgebiets durch die Alliierten an sich nicht die notwendigen stimmen ergeben würde, selbst wenn die deutsche Regie rung sich gemäß dem Frieoensvertrag verhalten und un- die Kohlen und die Steuern einziehen lassen würde Was mir wollten, war vor allem und besonders, durch bk Pfondnabme und d>n Zwang in Deutschland den Willen •vm Zohlen zu schaffen. Das wir wollten der toir* schastlichen und politischen Organisation des Deutschen Reiches eine solche Verlegenheit bereiten, daß sie die Aus istbrung des Vertrages schließlich Behinderungen vor- .üohrn mürbe. Wir wollten also nach Vier Jahren erlangen
Anerkennung der Verpflichtungen durch Deutschland nicht nur in allgeme^rer und theoretischer Weise, sondern i"rn»t'fcher Hinsicht. Der passive WLerstann. den Deutschland uns im Ruhrgebiet entgegengesetzt hat, war ■ur die Entwicklung des Widerstandes, den Deutschland it vier Jahren dem Friedensvertrag entgegengesetzt hat, in einer schärferen Form. Die deutsche Regi rung hat die Politik festgesetzt, die sie seit 1920 betrieb n hat und wenn der Marksturz sich beschleunigte, so die Mark nur die Kurve genommen, die von der deutschen Regierung b- stimmt war, und die den Bemühungen seiner Industriellen entspricht, um ihr Vermögen o.m Fiskus und den Repa" ratiouszablungen zu entziehen. Alle Auskünfte, die wir besitzen, beweisen übrigens, daß, wenn Deutschlanv nicht aus eine Uneinigkeit unter den Alliierten spekuliert hätte, es rasch nachgegeben haben würde. Es sind die Deutschen u"d nicht Frankreich und Belgien, sie dir Ausft-Sr fcer Rnhrprodukte verhindern. Weil die Deutschen sich weigern, Ausfuhrlizenzen zu erlangen, stockt dec Haidell Weil die Deutschen sich weigern, ihre Waren ver französisch-belgischen Eisenbahnregie anzuvertrauen, können diese Waren nicht transportiert werden. Diese Regie ist nur eingerichtet Word n, weil die deutschen Eisenbahner gemäß dem Befehl des Deutschen Reiches sich weigern, die Züge zn bedienen. Wir haben die Ueberzeugung, wenn die britische Regierung einfach dem Deutschen Reich Mitteilen wü-de, daß sie seine Politik mißbillig,. die deni Ruin T-eutschlands herbeisührt und auch Europa zu ruinieren droht, dann würde alles sofort wieder in ferne Ordnung zurückkehren. >
P a r i s, 3. Aug. Wie die „Zournä industrielle" aus Brüsfek erfährt, hat Ministerpräsident Theunis gestern auf dl« Anfrage eines Senators erklärt, daß die Regierung soeben beschlossen habe, die Kohlenausfuhr von Ausfuhrbewilligungen abhängig zu machen.
Lord Derby in Frankreich.
London, 3. Aug. Gestern abend wurde mitgeteilt, daß der englische Kriegsmimster Lord Derby nach Paris abgereift sei. Es ist nicht bekannt, ob er mit PcincarS eine Zusammenkunft haben wird, da cr bereits heute die französische Hauptstadt zu verladen gedenkt, um bei Freunden in der Provinz 3 Wochen zuzubringen.
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zmlnitz weiii*t StrflHui te Mr» WdlMM.
Paris, 3. Aug. Zur Erklärung des englischen Kabinetts schreibt „Petit Parifier", die im Auszug veröffentlichte französische Antwort auf den englischen Fragebogen lasse die Tür zuBerhand- l u n g - n o f f e n. Die französische Regierung habe übrigens gewünscht, daß die Verhandlungen fortgesetzt würden und daß sie auf die Fragen, die sie stellte, eine Antwort erhalte. Ilebrigens könnten diese Verhandlungen noch eine ziemliche Weile fortgesetzt werden und würden wohl auch zweifellos eine gewisse Zeit andauern, bevor ein Abkommen möglich erscheine. In französischen offiziellen Krei- frn habe man in den Worten Baldwins und Lord Curzons de» Wunsch erblickt, die Entente nicht auseinander zu reißen, und man stelle mit Befriedigung fest, daß die Legitimität der französischen Aktion im Ruhrgebiet nicht angezweiselt werde.
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London, 3. Aug. Nnucr errnyct, vatz zwar noch nich-S EudglllrigrS cmschtcdc» sei. Voß aber ter nächste Schritt in der Reparationskrise dne Antwort auf die frinizösische und clgifchc Antwort sein werde.
In ter Mitteilung des Rewerschen Büros heißt cs weiter, daß sowohl Frankreich als auch Belgien der Veröffentlichung ihrer Rote zuzustimmen bereit sind und da» bann mit der Veröffentlichung snattlichcr Dolumcutt Arriang nächster LSkche ge« rechnet werden ksny. Es verlostet ferner,
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tun bei der britischen Regierung keine Neigung besteht, durch Beröfsentlichung dieser Dokumente wetteren Verhandlungen mit Frankreich den Weg zu ver, sperren. Ueber die Sonderantwort an Deutschland wurde nichts beschlossen und die zuständige« Streife hoffe« noch immer, daß eine gemeine alliierte Antwort möglich ist. Auf jeden Fall ist ei« weiterer Meinungsaustausch ko gut rote sicher. Voraussichtlich wird Mttte nächster Woche eine Kabinettssitzung ab» gehalten werden, um die internationale Sage nochmals z« prüfe«.
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Das Echo der euglifchcn Presse.
Sottbo«, 3. Aug. Die Lloyd Georg« nahestehende „Daily Cbrontcle" richtet einen scharfen Angriff gegen das Kabinett Baldwin, weil es nicht klar gesagt habe, welche politischen Richtlinien eS zu befolgen gedenke und sagt u, a.: Ueber PolncarLs Haltung brauche man sich keine Illusionen ui machen, er bekümmere sich nicht im geringsten darum, was Baldwins Regierung denken oder tun werde; er betrachte fte als Hund, der wohl belle aber niemals beiße. Poincare sitze im Ruhrgebiet und gedenke dort zu bleiben. Je länger dies dauere, nm io schlechter werde die Lage der Übrigen Länder werden. Poincare befinde sich In einer glänzenden strategischen Stellung und werde diele nicht ausgeben, inzwischen solle das Parlament für drei Monate in bte Ferien gehen. Dabei könne es kaum sein Bewende« haben.
London, 3. Aug. „Daily Expreß" tritt für die Auffassung Lord Birkenheads ein, daß die britische Regierung ihre Beiatzungstriippen auS dem Rhetn- lanse zurück;! ehe und Frankreich freie Hand auf dem Krntlngent geben solle.
Die „Westminster Gazette" schreibt, das nächstt aber vosfentlich nur zeitweilige Ergebnis der Lage werde vielleicht eine Erweiterung der Kluft zwischen Eng- wnd und Frankreich fein. Wenn dies der Fall sei, bann läge die Verantwortung fieber nicht bei Eng- :«t$. -Dee Entschluß der 8egier>?ug„ sich au bte öffent- licve Meinung zu wenden, fei der erste wesentliche Schritt in der Richtung auf die Ausgestaltung der endgültigen englischen Politik zur Rettung Europas.
Die „Daily News" spricht die Ueberzcugung aus, daß die französische Lösung unmöglich und Frankreich otes eines Tages etnkehen werde.
Die konservative „Morntng Post" schreibt, es könne nicht geleugnet werden, daß zwischen England und Frankreich eine Uneinigkeit bestehe, wie noch nie seit ocm Abschluß der Entente.
London, 3. Aug. Zu der gesttigen ministeriellen Erklärung schreibt die „Times" in einem Leitartikel, es sei nicht richtig, daß die ErNSrung keinen Schritt vorwärts bedeute. Das engttsclse Volk werde mit Er- staunen erfahren, daß die ftanzöstfche und die belgische Regierung in ihren Aniworten den britischen Antwortentwurf an Deutschland nicht einmal erwähnten, ttotzdem die britische Regierung die ernste Beranc- wortung auf sich nahm, der deutfchen Regierung Vie Einstellung des passiven Widerstandes anzuraten. Die ErkWruug sei fazusage-r eine John Bull-Rede, sie brachte deutlich zum Ausdruck, daß England ebenso dringend wie Frankreich angemessene Reparationen von Deutschland wünsche. Sie hätte keine bittere Note gegenüber den Alliierten, wäre aber gleichzeittg ernst gehalten und stelle eine Warnung dar, die Frankreich nicht außer Acht lassen sollte.
Der Appell an das WÄlgewlssen.
London, 3. Aug. Der diplomatische Korrespondent deS „Daily Telegraph" schreibt: Die Regierungserklärung riindige die Veröffentlichung der Dokumente an, was einen kraftvollen Appell an das Welt- gewissen bedeute. Tie Ansicht verscistedener Alliierter, z. B. Italiens, sei bereits tn London bekannt. Ein Telegramm auS Tokio kündige eine zustimmende Erklärung der javanischen Regierung an. Tie Auslassung der Vereinigten Staaten und der neutralen Welt sei kaum zweifelhaft. UcberaU werde die Be reftwilligkeit, womit die englische Regierung sich bemüht habe, ein Ueb reinkommcn mtt Frankreich zu erreichen, g-ichätzt werben, diese Wertschätzung werde noch zuimehmen, wenn der unnachgiebige Ton bei französischen Regierung enthüllt werde. Die englischen Politiker könnten jetzt ruhig bas Urteil dec Welt über ihre Politik abwarten. Dabet bandele es sich nur nm ein paar Tage, danach werde sich die Regierung zu entscheiden haben, ob sie sich für eine intet« nartonale Sachvcrständigenkoumission und Einberufung einer internationalen Konferenz für den euro- väischen Wiederaufbau erklären oder an den Völkerbund wenden wolle. Das elftere Verfahren würde vorznzicben fein, denn etn Appell an den Völkerbund könne leicht zur Auflösung des letzteren führen.
London, 3. Aug. Reuter erfährt aus Washing- wn: Die Erklärung Baldwins und Curzons wurden von den Regierungsbeamten aufmerksam geprüft: aber es wird vollständiges Stillschweigen über diesen Gegenstand bewahrt. Es ist inbeffen kaum zweifelhaft, daß die amtlichen Stellen Curzons Besorgnisse teilen bezüglich dessen, was dem deutschen Volkim Winter bevorslcht. Es tritt die Ansicht hervor, daß, 'wenn es zu einer Hungersnot kommen sollte, die cnnertkaniselre öffentliche Meinung fordern würde, daß Maßnahmen tn irgendwelcher Form getroffen werden sollen. Hier würde die Reatcrimg sich einem neuen Problem gcgenübergestella fettem
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Berlin, 3. Äug. Von gutunterrichteter Seite wirb aus dem Ruhrgebiet berichtet: Der Inhalt der englischen Regierungserklärungen wurde im Ruhrrevier am Donnerstag abend bekannt und
bildete den Gegenstand eingehender Erörterungen führender Persönlichkeiten des Einbruchsgebietes. Von besonderer Bedeutung für das Einbruchsgebiet find die englischen Ausführungen zur Frage de« passiven Widerstandes. Ohne Kenntnis des eng« lifchen Rotsnentwurfes und der Begleitdokument« vermag man im Ruhrgebiet nicht zu übersehen, oh ausreichende Garantien für die Rückkehr zu not« malen Verhältnissen in dieser geplant gewesene» Rote gegeben werden sollten und was überhaupt unter diesem Passus zu verstehen war. Um jedoch von vornherein keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wird von allen Seiten einmütig betont, daß nach deutscher Auffassung die „Rückkehr zu normale» Verhältnissen" die Zurückziehung der Besetzung, die Auflösung der Eisenbahnregie, die Freilassung der Gefangenen und die Rückkehr der Ausgewiesene» bedingen würden. In dieser Hinsicht kann es jetzt und in Zukunft für die Bevölkerung des Ruhr« gebiets nur klare Verhältnisse geben. Für jede» andern Fall würde die Zurücknahme gewisser Ver« ordnungen bei Reichsregierung kein Aufhören bes passiven Wiberstanbes bebeuten. Dieser aus bet Bevölkerung gewachsene Widerstanb kann nut mtt Zustimmung bet gesamten Bevölkerung beenbet werben. Die Zurücknahme einiger Derorbnunge» ohne sichere Gewähr für einen wirklichen Friebens- zustanb würbe nur bahin führen, baß ben besou« neuen Führern im Abwehrkampfe unter Umstände» von unverantwortlichen Elementen die Führung aus bet Hanb gerissen würde und bas friebliche, vet« stänbigungsbereite Volksteile zu Derzweiflungs« alten getrieben würben. Solche Gefahren liege» getabe für ben jetzigen Zeitraum nahe, wett bi« Franzosen bas System unerhörtester Willkür noch zu verstärken bemüht sinb unb infolgedessen die Er« Bitterung bet Bevölkerung in gleicher Weise ge« stiegen ist. Zm Übrigen sinb bie Sätze bet englische« Regierungserklärung, bie bie Folgen bes Ruht« einmarsches zeigen, im Ruhrgebiet wohl verstaube« worben. Man ist sich im Einbruchsgebiet auch flat darüber, daß noch neue Wochen ber Abwehr nötig sinb unb neue Opfer, so schmerzlich sie auch sein mögen, gebracht werben müssen. Die Steigerung bet Schwierigkeiten wirb ebenfalls keinen Augenblick verkannt. Auf jeben Fall aber wirb, wie übereinstimmend versichert wirb, bte Ruhrbevök« kerung in ihrer Abwehr den franzö« fischen Planen unbeugsamen Wider« standentgegensetzen.
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Zm Lme in des 6fit6!en 6t6ltien.
Recklinghausen, 3. Aug. Auf ber Zechs Friedrich ber Große" in Herne würbe ein in französischen Diensten stehenber beutschet Arbeiter durch Ueberfahren getötet Die Leiche würbe nach Recklinghausen in bas französische Lazarett gebracht Die B e e r b i g u n g soll auf Befehl bet französischen Besatzungsbehörbe von bet beutschen Be« hörb » veranlaßt werben.
Anbernach, 3. Aug. In ben letzten Tage« sinb hier sowie in Bonn, Eobesbetg unb Königswinter bie Rheinbampfet einer scharfen Kontrolle unterworfen worben. Alle Pakete mußten geöffnet unb ber Inhalt vorgezeigt werben.
Die Franzose« beschlagnahme« die Lohngclder.
Gelsenkirchen, 2. Slug. Bei ber heute morgen fälligen Auszahlung ber Löhne auf bet Zeche Rhein-Elbe konnte infolge bes Mangels an Bargek» nut ungefähr bie Hälfte der Lohnes ausgezahlt werbe«. Obwohl bie Direktion versicherte, baß Bemühungen im Gange seien, bar Gelb mit einer geringen Verzögerung auszuzahlen, trat bie Unter- unb Uedertagbelegschaft gegen 11 Uhr in ben Ausstanb. Der Oberkassieret Krause unb vier Mitglieder des Betriebsrates begaben sich zur Reichsbank, um das inzwischen dort eingetroffene Geld abzuholen. Auf dem Wege oon bei Reichs bank zui Zeche rouibe bet Eelbtranspoit in Höhe von zwei Milliaiben Maik von ben Franzoken weggenommen unb bie fünf Begleiter verhaftet. Wührenb bie Betriebsrats««!- gliebet nach kurzer Zeit freigelafsen würben, würbe ber Oberkassierer erst nach einigen Stunben roieber auf freien Fuß gesetzt. Die gesamte Belegschaft trat in einen 24ftünbigen Proteststreik.
Gelsenkirchen, 3. Aug. Gestern mittag ge- gen 12 Uhr würbe ein Geldtransport bet Gelsenkirchener Gußstahlwerke in Höhe von einer Milliarde Mark von ben Franzosen angehalten. Das (Selb wurde weggenommen unb bte Beamten, bie ben Transport begleiteten, festgenom, men, nach einigen Stunben aber roieber auf freie« Fuß gesetzt. Entgegen cmberslautenben Berichte«, ist festzustellen, daß bie Belegschaft, bie eilig