Einzelbild herunterladen
 

4*

Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises SRorburg.

em illlleren e. venückehl

*•* J. H. Schäfer

Anzeiger für (bas früher kurheMche) Oberhessen

Kasern enetr. H

i

1923

entsprecheick zu handeln.

1 1

Re-

d.r-

öffentlichen würde, fe würde die französisch« Ottrung ihrerseits ein Gelbbuch herösfenrNchen.

Frankreich wünscht keine Veröffentlichung.

Paris, 1. Aug. Offiziös wird mitgetellt:

M e t n a n'g's- f^rankreich Baldwin habe in d<m Eng-

Tie Frag?, was Dentschlaiü» außenpolitisch tun kann, steht zur Zeit im Hintergrund. Di- Regierung Cuno hat durch ihr Memorandum Baldwin den Weg geöffnet. ES hat damit die Voraussetzung«« für die Wendung der englischen Politik geschaffen und dann offenbart sich auch beute wieder di? günstig« Wirkung der deutschen Aktion, die zweifellos auf weite Sicht eingestellt war. Wtp können. daraus die eine wichtige Lehre ziehr-r, drh der Untergrund unserer auswärtige» Politik gut ist und daß wir wirklich töricht wären, von ihm abz-uv-tchen und uns auf die Lockungen Frankreichs oder deutscher Flau­macher einzulassen. Aber mehr, als auf dieser Politik verharren, können wir im Aug enblick nicht tun, da cS der englischen Politik überlass.n werden muß, ob sie sich gegen Frankreich durchsetzen oder Poincare weiter freien Lauf lassen will. Das Einzige, was wir jetzt tun können, ist die Zügelung der inneren Gefahr. Wie sich auch die Dinge wrner zwischen England und Frankreich gestalten werden — alles hängt davon ab, ob Deutschland die Nerven behält und Frankreich gegenüber weiter auf oein Posten bleibt wie bisher. Hier liegt für uns dec Schlüssel der gan^n Lage. Geht die englisch« Politik folgerichtig wei­ter, so wird sie aus der Aufr.chterhaltung unseres Wider­standes neue Kraft gewinnen. Im anderen Falle werven wir wie bisher allein den Ruhrkamps mit Poincare auS- zustchten haben. Ob so oder so — für das orn'iche 53p(l dar» es kein Ermüden und Ermatten und kein Lockerhrsseu der inneren Disziplin g-bim. Davon allein kann unS die Retinng kommen

Die „Oderheffilche Zeitung" erickeint lechrmal wöwentlich. — Bezugrvrei« monatlich 80 0VV Mk. mit ZusteüungogebLhr. Für ausfallend« Nummern infolge Streits ooer elementarer Ereigniste lein Eriatz. — Verlag von Dr. <L Htnerotd. — Druck der ll«io.»vuchdrucker«i von Job. Lug. Noch, Markt 21.23. — Kernfprecher 55, Bost, ltbeckkonto: Nr, 5015 Amt Frankfurt a. Main.

gangen« Nacht aus London eingegangenen Nachrichten über den Eindruck, den di? französische unb die belgische Antwort aus bi« Note Lord Curzons hervoraerufen bat, hätte in Paris zu einigem Ueberrasch-n und einigem Bedauern Anlaß g-gchcn. Während man in französischen offiziellen Kreisen strengstes Stillschweigen über die lehren englischen Mitteilungen in der Reparationsfrage bewahrt nist' vermiedcn habe, öffentlich irgendwie Stellung dazu zu nehmen, schein: hinsichtlich der französischen Antwort eine derartige Zurückhaltung in Lonüo »nicht gewahrt worden zu sein. Es sei durch autorisierte, wenn nicht durch offiziöse Informationen laut geworden, daß man in London ei« Lage pessimistisch ans«he, daß eine Bei- stänbigung wenig wahrscheinlich sei, daß das Kabinett heute würde Beschluß zu fassen haben, ob cs oaranj verzichte, eine Kolloktivantioort auf die Note vom 7. Juni an Deutschland zu richten und daß schließlich das Kabinett ‘ r Veröffentlichung der kürzlich zwischen England und . ankreich auSIetauschtcn Dokumente in Erwägung ziehen

Es bricht der freche Uebermut

Der Tyrannei zusammen;

Es soll der Freiheit heil'ge Wut

In allen Herzen flammen.

Theodor Körner.

oder den Raum L— ------------,------- „----------

breite berechnet. Reklamen bet Zeilenmilltmeter 5000 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Belege werde» berechnet. Bei «uslunft durch die Geschäft« st. und Vermittlung der Angebote 1000 M. bet Uederfendung dnrch uns 2000.— Mk ohne Porto.

würde. Es erscheine außer Zweifel, daß die französische und die belgische Antwort in englischen Regierungskrisen einige Enttäuschung verursacht hätte. Die französische Regierung, so schreibe man in London, beharre auf ihrer Position. Sie lehne es ab, der englischen Auffassung die mindeste Konzession zu machen. Für jeden unpartensch Urteilenden rechtfertige sich aber die Haltung der sran- zös.schen Regierung; denn man begreife in Frankreich nur schwer, daß gewiss« englische Kreise mehr dazu neigten, von Frankreich die Räumung des Ruhrgebiets als die Ein­stellung des deutschen passiven Widerstandes zu verlangen. Ta? fundamentale Mißverständnis liege der UnstimiNlg- keit zugrunde, die man in London feststelle. In franzö­sischen Kreisen hab« man bis jetzt die Hoffnung dcwabrt. dieses Mißverständnis zu zerstreuen und die Antwort Poincares sei, wie es scheine, sowohl sachlich wie rn der Form dazu angetan, die Fortsetzung der Verhandlungen und schließlich vielleicht die 'Anpassung der cmander gegenüberstehenden Gesichtspunkt? zu ermöglichen. Man werde bald erfahren ob das englisch? Kabinett diese Ant­wort arckers beurteile. In dieser Beziehung werde es von Interesse fein, ob die englische Regierung den ihr heute morgen zugeschriebenen Plan,diel« tztenzwi- schenLondon und Paris a u s g e t a u l ch ten Noten zu veröffentlichen, Folge geben werde. Bis jetzt glaubt die Agentur, daß die französische Regierung noch nicht ersucht worden sei, ihr: Zustimmung zu einem solchen Verfahren zu geben, wie das unter der­artigen Umständen üblich sei. Auf alle Fälle würde die Veröffentlichung bei dem gegenwärtigen Stande der Ding'« in.Paris einigermaßen i n o p p o r t u'n erachtet werden. Einerseits konnte sie nur Deutschland zugut? kommen, andeccrs its würde sie auf Seiten der englischen Minister di« Absicht bekunden, den Verhandlungen ein Ende zu machen, zu denen sie die Initiative ergriffen hät­ten, uM die interalliierte Front wieder berzustetlen. Die ftanzösifche öffentlich: Meinung, die der Entmte cordialc tief ergeben sei, wolle noch nicht glauben, daß ihren eng­lischen Berbüicheten diesen Entschluß foffen würden, bevor fit sämtliche Verständigungsmöglich leit en erschöpft hätten.

! Parts, 1. RUg. Der „Temps" schreibt tn seinem Leitartikel tm Hinblick auf eine etwaige Verösfent- lichung des englisch-französischen Notenwechsels über die Reparationssrage, es sei zu fragen, ob die öffen:- liche Meinung in Amerika und tn den übrigen Staa­ten der Welt nicht auch hinter die Motive dieser Reklame kommen würden. Eine Veröffentlichung ui inopportun, nicht/weil Frankreich Angst vor ihr l abe; aber würde nicht dieser Schritt zur Folge ha­ben, oder mindestens zum Zweck haben, das V o r -

die Abschätzung der deutschen Leistungsfähigkeit zu akzev- tüten. Zweifel sind nur vorhanden, ob der englisch« Ministerpräsident den passiven Widerstand selbst oder nur die Folgen des Widerstandes als bckauerlich be­zeichnen wollt«. (Ein allerdings recht wesentlicher Unter­schied.) Frankreich und Belgien haben auf diese englisch« Geheimnote jetzt geantwortet und trotzdem auch dies« Schriftstücke vom Schleier des Geheimnisses umgeben sind, weiß man doch, daß Poincars so gut tote vollständig ablehnend geantwortet hat, während Belgien offenbar den Versuch macht, in der Abschätzungsfrage durch eine Vermittlung zwischen England und Frankreich wrnigste-rS in diesem Punkt« einen Ausgleich herbeizuführen I» der französischen Ablehnung kann auch die höfliche Fornt nichts ändern, die in. allen Meldungen übereinstimmend betont wird.

Es erhebt sich nun zunächst die Frage: Was wird Eng­land, tun? Die englische Politik hat unter dem neue» Ministerpräsidenten Baldwin in der Reparanonsfrage einen Kurs eing schlagen, dessen Ziel garmcht zu verken­nen ist. Das englische Kabinett will sich wieder in den Gang der Ereignisse einschalten. Dieser Versuch ist nötig, wenn anders England feinen Rang als Großmacht nicht «inbüßen will. Llovd George, der längere Zeit still gewesen ist, hat in einer seiner letzten Reden mit einem gewissen Selbstbewußtsein daraus hingewiesen, daß et tl mit Frankreich zwar schwer gehabt habe, daß es ihm aber immer gelungen fei, Frankreich zur Anpassung au die englische Politik zu zwingen. Bonar Law hat die Zügel dann ganz aus der Hand gegeben und Baldwin bemüht sich jetzt, diesen Fehler wieder gut zu machen, dg England ganz deutlich empfindet, daß es im Hintertreffen eine unrühmlich« Rolle spielt. Seit bet berühmten £6tr< Hausrede Lord Curzons ist dieser Wandel ganz offen- sichtlich. : .

England hat aber auch noch einen anderen Grund. Die „Daily Mail" bemüht sich zwar als Trabant der französischen Politik nachzuweisen, daß England von dem Ruhreinbruch Vorteile habe, iveil seine Ausfuhr, namentlich in Kohl«, g«sticgen sei. Icker vernünftige und unbefangene Engländer sieht aber, daß diese Rehauptun- blauer Dunst ist, da die Gefahr des deutschen Zusammen­bruchs für England unbedingt die schwersten wirtschaft­lichen Störungen im Gefolge haben muß. Leide« doch selbst die Farmer in Kanada und in den Vereinigten Staa­ten außerock.'Nttich schwer unter den Absatzstockungen auf dem europäischen Markt. England ist noch weit ent­fernt von der völligen Wiederherstellung seiner Wirt­schaft. Unb feine Wirtschaftskreifi fühlen ganz instink­tiv, baß die Stockungen mit dem Zustande Deutschlands auf# Engste zusammenhängen. Diese Ansicht ist i« England vorherrschend. Die „Daily Mail" hat da« Wort geprägt: Stellt England Deutschland auf die Füße, so wird es selbst bald auf brüt Rücken liegen. Dai wirt­schaftliche England aber traut sich genug Stärke zu, um auch den Wettbewerb eines wirtschaftlich gefunden Drntjch- lands gewachsen zu fein. Die Ansichten und Bestrebuoge» dieser weit überwiegenden Mehrheit des englischen Volkes — auch die Arbeiterpartei zählt dazu — spiegelt sich in der englischen Politik wieder. Baldwin sucht den Zu- sommenbrruch Deutschlands abzuwcnden, weil «r von einer solchen Katastrophe die stärksten Rückschläge für die englische Wirtschaft befürchtet.

Auf dem Wege zu dem Ziel öer englischen Politik steht Poincare unbetoeglich und allen englischen Zurede» unzugänglich. Das englische Kabinett steht jetzt vor der Frag« ob es sich mit oieser Tatsache ab finden oder ob «S Poincare Beine machen und bie Ohrt« Sstne» will. Von'dieser Frage und ihrer Lösung wird die inter­nationale Lage jetzt beherrscht. Das Kabinett Baldwin weiß ganz genau, was für England auf dem Spiele steht. Trügen nicht alle Anzeichen, so fehlt bis jetzt in Lo-ido« noch immer die Entschlossenheit, der richtige« Ueberzeugrn,

Sie tollt oef Die es-We Mil.

Man kann nicht eben behaupten, daß oa Eeyeim- diplomatie bei dem Wechsel her Fragen unb Antworten zwischen Paris und London und umgekehrt Triumphe ge­feiert hätten Trotz der strengsten Geheimhaltung, mit der sic ausgetauschten Schriftstücke umgeben worden sind, weiß man doch im Großen und Ganzen Bescheid, road vor sich gegangen ist. Man weiß, daß England dem französischen Ministerpräsidenten den Vorschlag gemacht hat, auf das deutsche Memorandum in einer gemeinsamen Antwort einzugehen unb sowohl die Garantien wie auch

England auf eine sehr ernste Depression im ganzen Wirtschaftsleben gefaht machen. Unter diesen Um­ständen sei es undenkbar, daß die Negierung mor­gen bsi ihrer Erklärung nur eine formelle ober oberflächliche Darstellung von der ernsten Lage geben werde, in die sie in letzter Zeit gedrängt worden ist.

London, 1. Aug. Die Blätter sind der An­sicht, datz die Fortführung von aussichtslosen Ver- lfandlungen keinen Wert habe, sie versagen es sich ober im allgemeinen, bestimmte Vermutungen über d«n Inhalt bei morgigen Regierungserklärung auszusprochen. Der Parlamentskorrefponbent bes ,-Daily Telegraph" schreibt, bie Lage sei derartig, bass bie Regierung gern alle in der letzten Zeit ausgetauschten Dokumente als W e i h b u ch veröffentlichen würbe, bamit sie bem Haufe vor bet morgigen Sitzung vorgelegt werben konnten, doch werbe die Zeit nicht ausreichen, um dieses sehr umfangreiche Material drucken zu lasten. Infolgedessen werbe eine Debatte stattfinben, ohne bah bas Haus von bem genauen Inhalt bes Noten- wechiels Kenntnis habe. Der Parlamentskorre- ffpovbent ber „Times" fchreidt, wenn es nicht mög­lich fern sollte, bie mit bett Alliierten gewechselten Dokumente rechtzeitig für bie morgige Debatte zu drucken, werbe Balbwin wahrscheinlich bem Hause den Inhalt in großen Zügen mitteilen. Es soll sich um den Entwurf der Antwort an Deutschland, bett Äantelentwurf bet belgischen Regierung und um die belgisch-französische Antwort hanbeln. Alle biese Schriftstücke seien von beträchtlicher Lange. Der Korrefponbent fügt hinzu: Der allgemeine Einbruck war gestern anfcheinenb ber, bah b i e französische Antwort eine Fortsetzung bet Verhandlungen als wenig hoff­nungsvoll erscheinen lasse; es fei auch nicht wahrscheinlich, bah eine separate Antwort ab- gesanbt werbe, bevor jede anbete Möglichkeit er­schöpft sei. Wahrscheinlich würben bie britische unb bie italienische Regierung besonbere Antworten al>- senben, deren Inhalt aber ziemlich das gleiche be­sagen würde.

bandenfetn einer radikalen Verschiedenheit zwischen und England zu beweise«?

England will Klarheit

Veröffentlichung des Schriftwechsels verlangt.

Marburg

Somit* den 2. August Crntin«

das Sonderabko mm«« abgeschlossen, ... _ ... ____

land sich verpflichtet, die Vereinigten Staaten in festen Iahreszatziungen und tn Dollars zu bezahle« und'

-r mtd> dem .Daily Exvretz* gegen den Willen Bonat Laws. Lord Curzon habe während der Krank­heit Bonar Laws zwilchen Frankreich und Deutsch­land zu intervenier«« versucht.

Aus dickem Weg- sei die englisch« Regierung mit der französisch-belgischen Politik zusammengestoßen.. Aber die von Poincar« wiederholten beiden Grundsätze der Nuhrpolittk — kein deutsches Angebot tn Erwägung ?it sieben, solange der passive Widerstand dauere und Räumung nur nach Maßgabe und im Verhältnis der deutschen Zahlungen — hätte eine Verhandlung nicht unmöglich gemacht und eine Verständigung nicht ver­zögert. Die englisch« Regierung brauchte sich, da Frankreich und Belgien die Rännumg des Ruhrge­biets von den Zahlungen abhängig machen, nur nach Brüsset und Paris zu wenden und die Frage zu stei- !cn, was man unter Zahlungen zu verstehen habe. Die Verhandlungen hatte« dazu geführt, datz dl« Kommission die Ausgabe zuverlässig garantierter deutscher Wertpapiere erörtert habe, die auf den Hauptmärtteu der Welt gehandelt würden lind tm Augenblick aus dies» Weise ein sicheres metzbares unb flüssig zu machendes Kapital darstellten, das als gül­tiges Zahlungsmittel angesehen werden würde. Aber, fährt der .TenchS" fort, bie englische Regierung hat sich gehütet, bie Debatte tn ber Richtung auf diesem Ausweg forizusetzc«. Baldwin, der versprochen habe, tu bar unb in Dollars zn zaptcn, wolle natürlich Bar gelb, nämlich Golb haben. Da er kein« Gelder tncbr l>abe, so müsse er Bargeld von Deutschland und ver­meide«, auf feine Forderungen an Frankreich und Italien zu verzichte«. Damit werde auch die Herab- s-tzung ber brutschen Schulb unmöglich. Lorb Curzon hab« seinerzeit bie Reparationssrage in einen bevor­stehenden Zweikampf zwischen .F r a n t r e i ch unb England umgcw.a«bc!t.. Die Hege­monie Englands in Europa «veranlaß'« es hartnäckig Frankreich, Belgien unb seihst der kleinen Entente cnrgegenzuarbeiten. Das würbe, wenn bas englische Kabinett i e l-1 beschlösse, Frankreich ben Rücken $« kehre« unb dann separat mit Deutschland zu ver­handeln, zum Btuch der Entente cor- dia l e werden. Ist es Frankreich, fragt ber „Temps", bem dieser unglückliche Zufall am meisten hinderlich Ware?

Der Anzeigenpreis beträgt für den 9a«ip. Zeilenmilltmeter 1500 Mk. Amtliche und aus». Anzeigen 2000 Mk. Bet tduDieriqem Satz 50*/. Aufschlag. Spät etnlausende gfl

~ über l|. Seite einnehmende Anzeigen werden nach der Tertipalten» JA nU«llLx

Reklamen der Zeilenmilltmeter 5000 Mk. Jeder Rabatt gilt al« .---

London, 1. Aug. Der biplomatische Korrespon- kut des „Daily Telegraph" sagt, das Kabinett habe die durch die Antworten Frankreichs und Bel- giens geschaffene Lage sehr lange erörtert. Es »erde lediglich erklärt, datz Poincar6s Haltung den ta Curzons Mantelnote zur Sprache gebrachten Punkten ungünstig sei und keine Möglichkeit zu Mem Uebersinkommen auf der gegenwärtigen Ver­handlungsgrundlage biete. Man sei sich ferner herüber klar, datz bett) erbt ndliche und dis­krete Charakter, der bisher von der Kritischen Diplomatie angewandten Methode, die französisch« Regierung in fernem Punkte zu der britischen be- .kehrt hab« und datz diesse Methode an­dererseits verhindert habe, der bri­tischen Auffassung die moralische Anter st ützungder öffentlichen Mei- 8unfl tu Mnerika und d,er Welt.zu ver­schaffen, die sie bei ber entsprechen­den Veröffentlichung sicher erhalten haben würde. Es werde allgemein angenom­men, datz die ministkrielle Erklärung am Donners­tag (welches auch immer die Entscheidung des Ka­binetts über die künftige Politik sein werde) klarer und endgültiger formuliert sein werde als die vorige, welche im Ton unter dem Einfluss der Wünsche und der Kritik des sogen Diehard-Flügels im Kabinett sehr abgeschwächt worden sei.

London, 1. Aug. In dem Artikel des „Daily Lelegraph" heitzt es weiter: Aian müsse jetzt be- greifen, daß die Zeit für solche Finessen vorbei sei und der Premierminister, der Staatssekretär des Leutzern die ungeteilte Unterstützung des Kabinetts erhalten müssten bei jedem Entschluss, dem sie zum Schutze der britischen Interessen und zum Wieder­aufbau Europas für notwendig hielten.

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Lelegraph" erfährt in Bezug auf die Haltung Bel­giens, der interessanteste Zug in der belgischen Re- gicrung sei vielleicht ihre Auffassung, dass das Ruhrgebiet in Uebereinftimmung mit den deutschen Zahlungen geräumt werden solle. Die belgische« 6iuatsmännet seien der Meinung, dass die Zahlung 1« deutschen Obligationen oder Wechseln die Zurück- ttehimg der Truppen rechtfertigen würde, voraus­gesetzt, dass die Zahlungen durch ausländische Ban­ken oder andere Institute garantiert würden, wie es bei den deutschen Schatzwechseln für Belgien im letzten Jahre geschehen sei. Die Belgier betrachten die Angelegenheit vom Standpunkte des Finanz- Mannes, die Franzosen von dem des Juristen oder Politikers. Diese Meinungsverschiedenheit würde i» Paris bedauert. Die Antwort auf Poincarös Bemerkung, die Reparationskommission und keine endere Körperschaft miisse die deutsche Zahlungs- fühigkeit bestimmen, sei, dass die Kommission an- kestchts ihres Verhaltens in letzter Zeit nicht länger Anspruch darauf erheben könne, datz sie in dem rechten Geiste gehandelt habe.

London, 1. Aug. Die „Times" betont in einem Leitartikel die Notwendigkeit, daß der Pre­mierminister eine endgültige und bestimmte Er­klärung abgeben müsse. Wenn er sagen könne, datz die Berhandlungen feine sichere Aussicht auf eine timgung und eine gemeinsame Aftton bieten wür­den, würde die öffentliche Meinung beruhigt fein. V3enn jedoch andererseits die im Umlauf befind­lichen pessimistischen Gerüchte zuträfen, sollte nicht Z vufoet werden, dass das Parlament im Zustande oer Ungewissheit in die Fer^A^ehe. Das Repara- tionsproblem könne nur duu„" " ^tzirkung der gut unterrichteten Kreise auf'V...-^rnliche Meinung geregelt werden. Die britische Regierung könne nur bann mii Energie handeln, wenn sie von der Lsfent- ,lichcn Meinung- des Landes kräftig unterstützt werde. Es sei begreiflich, dass die gegenwärtige Lage Deutschlands bei vielen Franzosen den Ge­danken ciroetfte, dass hier eine Möglichkeit vorliege, die Frankreich die Hegemonie über Deutschland und in Europa auf viele Jahre hinaus stchere. Wenn Frankreich auf dieser Hal­tung bestehe, werde die sichere Folge die Fortdauer ,ber Unsicherheit der europäischen .Lage sein, wodurch die kommerzielle .Lage Englands gelähmt werde. Wenn /diese Unsicherheit weiter durch die Gewissheit ersetzt iwerde, dass die Störung des europäischen (Gleichgewichts fottdauern werde, müsse sich

fi o n b o n, 1. Aug. Wie Reuter ineldet, ist bas Kabinett heute vormittag zusammengetreten unb hat bas britische Vorgehen betrejfenb bas Repara­tionsproblem behanbelt. Man sei allgemein ber Ueberzeugung, bah zurzeit eine gemeinsame Ant­wort bei Alliierten an Deutschland nicht erfolgen könne; wenn aber die Regierung sich zu einer sepa­raten Antwort entschliesse, so werde man sein Bestes tun, um Frankreich zu ermöglichen, sich der briti­schen Politik anzuschliessen, sofern es dies wünschen sollte.

London, 1. Aug. Wie Reuter erfährt, ist ein« ber Fragen, über bie bas Kabinett bcscklietzcn wirb, ob bie versMebenen Noten unb Schripfftücke, bie in der Reparattonsfrogc geweMelt wurden, veröffent­licht werden sollen. Wahrschetnttch werden die brtti- Idielt Minister während der nächsten beiden Tage im Hinblick auf de» großen Umfang der zu bewältigen­den Arbeit beinahe ständig ziffautmenbleiben. Den Blättern zufolge dauerte die Vollsitzung des Kabi­netts am heutigen Vormittag, in der die Prüfung der belgischen und französischen Antwort fortgesetzt wurde, 2f£ Stunde«. Henke abend wird das Kabt nett tm Unterhause eine weitere Sitzung abhalten.

Blaubuch und G"lbbuch.

Paris, 1. Ang. Nacö dem „Jnttanstgeanf soll in diplomatttchen Kreisen m Paris heute vormittag erklärt worden sein, wenn die englische Reglenme ein Blaubuch über die alliietten Notenwechsel ver­