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Amtliches VeMndigungsblatt des Kreises Marbmg.

J.H. Schäfer

Anzeiger für ldas früher kurhessische) Oberhessen

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St. 178

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Marburg

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58.3M

1928

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$oiM6rt$ Antwort.

Der diplomalisch; Notenwechsel zwischen England und Irankreich spielt sich zwar in aller Heimlichkeit ab. Trotz­en zweifelt kein Mensch daran, daß Poincarö auf den korftblag einer gemeinsamen Antwort aus daS deutsche Aemorandum ablehnend g'antwortet hat. Die englische folitif ist damit in eine Sackgasse geraten, auS der sie sich wieder herausfinden wird. An sich ist die Linie her Politik, die Baldwin verfolgt, ganz klar. TieTimes" ftückt diese Tendenz in einem Leiiartikrl vom 27. Juli ßgr und deutlich wie folgt aus: Ter Kernpunkt der bri- ' Khen Politik liegt gegenwärtig darin, daß keine Nation her Welt aus einem etwaigen Zusammenbruch Deutsche tzuüs Nutzen ziehen kann. Wenn Deutschland in einen Klstano schwerer innerer Unruhen verfiele, wenn es m? Wßlaich zusammen auf dem Kontinent einen großen Krankheitsherd bildete, so würde das für das wittschast- fcbe Gleichgewicht der ganzen Welt eine drohende Ge- fahr sein. Denn in d-m Netz der modernen Handels' Hebungen muß das Ausscheiden einer so machtvoll n Kation, wie Deutschland es ist, verhängnisvoll auf ecu Zusammenhang des Ganzen wirken. Aus diesem Grunde. i H, folgert di«Times", strebt dir englisch« Politik eine wirtschaftliche Regelung mit Deutschland an, die das ge- jötU europäische Gleichg'wrcht Weeder ins Reine brin- 1 Dl soll.

t Auf der anderen Seite aber steht Poincare, für den ütDaily Mail" eine Lanze bricht. Sie ist eine der H Wemaen englischen Zeitungen, die sich ganz und gar für Ke französische Politik cinsetzen und sre fragt mit einem ßewissen Hohn, ob man etwa dem sranzSsischen Minister- püsidenien zumute» wolle, jetzt nachzulasien, wo doch scine Politik am Vorabend ihres Erfolges stehe. Uno unter diesem Erfolg versteht das englische Blatt oie Unter­werfung der deutschen Regierung Diese Verschlepvnngs- tektil ist der Kernpunkt der französischen Politik. Und in dem Notenwechsel zwischen Lonwn und Paris wirt ias wohl auch Baloivin gemerkt haben. Was n iro er tun Zn dem oben erwähnten Artikel fragt dieTimes", rb -knh strunkreich wirklich die Politik V.rsolge, jue Lösung t«: eitel«, bis Deutschland ganz und gar in den Zustand «nerer Verwirrung geraten sei. Das Blatt fragt weiter, ach dann überhaupt »och eine Vernünit g. Lösung orul mr sei Von diesen Fragen steht in üer Tat jetzt sec cngüsche ' Lkinistrrpräsident uuo er wird zu zeige» haben, o(- er sich sör die französische Katastrophenpolitik moruttjch mit ierantwortlich machen will. Sicher ist, daß wir von bi. fer k«te nicht viel zu erwarten haben

* «

London, 30. Juli. Der diplomatisch« Kotre- j hondcnt desDaily Telegraph" fuhrt aus, die ] ^französische Note sei doppelt so lang wie Curzons Manielnote, aber es sei in ihr kein Abweichen von bti wiederholt verkündeten Politik enthalten. Sie "bilde eine sehr höfliche und sehr deutliche Ablehnung Mt aller twn der britischen Negierung vorgebrach- trn Dor schlage und sei eine Bestätigung des franzö- Ichen Widerstrebens, vor der Aufgabe des deut­schen passiven Widerstandes irgendwelche Zusiche­rungen zu geben. Poincarü lehne es ab, sich deut- Lcker als bisher bezüglich einer eventuellen Ab- »udcrung des Besetzungsregimee zu binden und er­kläre, Frankreich werde das Ruhrgebiet nicht eher völlig räumen, als bis es bezahlt sei; ebensowenig »erde cs auf dieproduktiven Pfander" in den be­setzten Gebieten verzichten. Der Fragebogen sei so- Kisagen der einzige konstruktive Teil der franzö- Rchen Note, der übrige, Inhalt sei rein kritisch und Negativ gehalten.

Anders verhalte ejs sich mit der belgischen Ant- ort, obwohl diese kurz sei. Zn der Ruhr-Angele­genheit stimme die belgische Note mit PoincarS über­ein, wenn auch in etwa» weniger schneidender Sprache. Aber die belgisch« Note spreche den drin­genden Wunsch nach einer Lösung aus und strebe danach, etwas Positives und Materielles in der Dichtung auf eine Lösung beizusteuern. Sie stimme dec englischen Auflassung bezüglich der Bedeutung der Stabilisierung der Mark unb der Sanierung des deutschen Finanzwesens zu. Brüssel werde vielleicht eine Sachverständigenkommission mit Neutralen richt begrüben, wohl aber eine solche unter ameri­kanischer Mitwirkung. Die belgische Note deute an, daß die englischen Borschläge entsprechend den An­regungen der anderen Alliierten umgearbeitet wer­den und dann tm wesentlichen einen Schritt in der Dichtung auf ein neue» interalliiertes Ueberein- kammen bilden könnten.

London, 31. Zuli. Reuter erfährt au» halb- vutlicher französischer Quelle, daß die belgische Note den Vorschlag, auf Ernennung eines Sachverstän- digen-Ausschusies, der in Uedereinstimmung mit dem Versailler Vertrag die Reparationskommission der der Festsetzung der von Deutschland zu fordern­den Zahlungen beraten würde, begünstige. Die delgische Regierung verharre, wie verlaute, noch j !feintet aus dem Standpunkt.der Ruhrbesetzung, i dringe aber in ihrer Note eine Anregung betreffend jdie Räumung des Ruhrgebiets in Uebereinstim- Auug mit den künftigen Zahlungen Deutschlands j *cr. Was die Haltung der italienischen Regierung fetgefc so werd« in französischen diplomatischen

Kreisen nicht erwartet, daß Italien in naher Zu­kunft auf die ihm von der britischen Regierung unterbreiteten Dokumente antworten werde. Man glaube, daß Mussolini die Auffasiung vertrete, im Augenblick sei die Antwort nicht dringlich. Italien werde am besten das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Großbritannien, Belgien und Frankreich abwarten. Wie gemeldet wird, habe Baldwin bis­her nur flüchtig die französische und die belgische Note geprüft. ^Indessen sei in halbamtlichen fran­zösischen Kreisen in später Abendstunde das Gerücht umgegangen, daß die britische Regierung von diesen Dokumenten sehr pessimistisch beeinflußt worden sei

London, 31. Juli. DieTimes" meldet, in manchen Kreisen werde angenommen, daß das Er­gebnis der französischen und belgischen Antwort auf die letzte englische Note ein weiterer Meinungsaus­tausch zwischen den alliierten Regierungen sein werde. Es sei indesien kein Geheimnis, daß in bri­tischen Kreisen eine weitere Verzögerung durch den Austausch diplomatischer Noten und durch diplo­matische Besprechungen im Hinblick auf die Lage in Mitteleuropa bedauert würde.

Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, der allgemeine Eindruck sei der, daß man der Lösung der Ruhr- und Reparations­frage nicht näher gekommen sei. Der Zu­stand in Deutschland laste nach der Auffastung der meisten britischen Minister nicht länger ein Hin­halten des Verfahrens zu, obgleich PoincarS offen­bar anderer Ansicht sei.

Paris, 30. Juli. Zur Lage nach Ueberrei- chung osr französischen und belgischen Antwort in London schreibt dasJournal des Döbats": Alles, was man den Informationen des heutigen Vormit­tags hinzufügen könnte, wären im klugen blick Ver­mutungen. Man müsse abwarten, wie die britische Regierung die beiden Antworten aufnehme und welche Entscheidung sie treffen werde. In einer Hinsicht lasse sich jedoch die heute früh gegebene Darstellung ergänzen: Die aus London kommenden Nachrichten besagten, daß das englische Kabinett dazu neige, eine ziemlich heikle Frage aufzumerfen. Die französische Regierung habe bis kürzlich bekanntlich auf dem Standpunkt ge­standen, daß die Lage mündliche Verhandlungen, die zu leicht zu einer unüberbrückbaren Verschärfung der Gegensätze führen könnten, noch nicht zweck­mäßig erscheinen laste. Andererseits möchte sie nicht, daß auf die eine oder andere Weise die in ihren Augen ausschlaggebende Frage der Ein­stellung des passiven Widerstandes wieder ausgeschaltet würde. Alles hänge jedoch von den heutigen Beratungen in der Downingstreet ab.

Der englische Kabinettsrat.

London, 31. Juli. De» Blättern zufolge erstattete heute Lord Curzon in bet angekündigten Sitzung des Kabinetts Bericht über die Antwortnoten Frankreichs und Belgiens.' Morgen werde das Kabinett noch einmal znsammenkommeu, um endgültig darüber zu entscheiden, welche Haltung England angesichts bei Stellung Frank- reiche cinn-chmcn werde. Die Preß Association erklärt, die französische Antwort ocbe Teint» Grund zu einem un­angebrachten Optimismus. In manchen Kreisen glaube man, daß bk frühere französische Haltung in den meisten Punkten aufrecht erhalten mürbe und daß gegenwärtig keine Neigrurg zur Abänderung der Politik bestehe. 83er- febiebene Blätter erklären, wenn Großbritannien eine Separataktion unternehme, so werde höchsten» Die Eröff­nung neuer langwieriger Verhandlungen in Frage kommen.

London, 31. Juli. Reuter erfährt, daß es als unmöglich betrachtet wird, irgendein Urteil über die Auffastung der britischen Regierung hin­sichtlich der französischen und belgischen Antwort auszusprechen, bevor die Angelegenheit im Kabinett erörtert worden sei. Es wird jetzt erwartet, daß der Premierminister und Curzon über die allge­meine Lage am Donnerstag im Parlament eine Erklärung abgeben werden. Don Japan, dem die britischen Vorschläge, ebenso wie Frankreich, Bel­gien und Italien zugeftellt wurde, ist bisher eine Antwort noch nicht eingegangen.

London, 31. Juli. Asquith hat im Unter-. hause den Premierminister auf die kritische Lage in Europa hingewiesen und ihn gefragt, ob die Regie­rung dem Unterhaus Gelegenheit geben werde, während der Ferien zusammenzukommen, falls sich die Notwendlgleit dazu ergeben sollte. Baldwin erwidert«: Wenn eine solche Notwendigkeit ein« trete r werde, würde ein derartiger Schritt getan werden.

Zunehmende Beunruhigung in London.

London, 31. Juli. Der rasende Sturz der Mark und die Unbeständigkeit des Währungsver­kehrs alarmieren weiterhin in der beunruhigendsten Weise di« amerikanllLe Geschäftswelt. Hinzu kom­

men Nachrichten aus deutschen Judustriellen- Kreisen, nach denen die deutsche Produktion unter der Einwirkung der Verhältniste immer mehr ab- nehme. Im Auslande hat kein Mensch mehr Be­darf für die deutsche Mark, und die Reichsbank hat aufgehört, fremde Währungen zu kaufen. Die Schwierigkeiten, Mittel zur Bezahlung auswärtiger Verpflichtungen zu erhalten, beginnt in Deutschland katastrophal zu werden. So zeigt die englische Kohlenausfuhr nach Deutschland eine von Monat zu Monat anwechsende Verringerung. Sie beträgt seit einem halben Jahr ungefähr eine Million Vruttoregistertonnen. Die Reparations- und Han­delsfrage wird daher die englischen Parlamentarier auch nach Schluß der Parlamentssession eingehend beschäftigen mästen.

Parts, 31. Juli. Wie der9teto York Herald" betont, rechnen die Franzosen mit dem Abnehmen der Kraft Deutschlands und (ilanben, daß Baldwin weder mit Frankreich und Belgien noch mit Deutschland tu den nächsten Wochen direkt« Verhandlungen fortsetzt, vielmehr die Zwischenzeit zu Gebeinrbesvreclnrngen zwischen dem französischen und belgischen Botschafter verwenden wird.

London, 31. Juki. Der parlamentarische Be­richterstatter des .Tally Telegraph* meldet, daß der Premierminister seine neue Erklärung über die Ruhr­und die Neparaftonsfrag« im Parlament am Don­nerstag abgeben werde.

London, 31. Juli Renier zufolge verlautet, daß Lord Curzon dem ftanzösischcn und dem belgi­schen Botschafter gegenüber bei der Ueberreichung der Antworten ihrer Regierungen kein« weiteren Bemer­kungen macore, sondern erklärte, er werde die Doku­mente dem Kabinett vorlegen.

London, 31. Juli. Lord Curzon empfing heute Nachmittag nacheinander den ttaltentschen, d«n betgU" schon, den deutschen und den französischen Botschafter.

Parts, 31 .Juli. Ministerpräsident Poincare Ist hbme abend »ach Parts zurückgekehrt.

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Zllk iMMlMtt Sogt.

Berlin, 31. Juli. In der Reichskanzlei fand heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Be­sprechung mit Vertretern der landwirtschaftlichen Spttzeiwrßantsattollen statt, an der bet ReichSrntnlster für ErrMrpng und Landwirtschaft und einige andere Mftglteder des Kabinetts teilnabmen. In der Be­sprechung wurde die gesamte Ernahrungslage, tnsvc- scndere die Versorgung der städtischen Bevölkerung, einer eingehenden Besprechung unterzogen. Rach den übereinstimmenden Aeutzerungen ber Vertreter ber Landwirtschaft kann mit einer guten Brotgettetdeernte gerechnet werden. Die vorliegenden Meldungen geben auch zu der Hoffnung auf baldige Besserung In der Kartoftelversorgung begründeten Anlaß, da die Früh, karwffelerme in einigen Gegenden bereits begonnen hat und- in andere» Landsttichen innerhalb der nächsten und übernächsten Woche anfangen wird. In Verbindung damit wurde auch die wichtige Frage der Fettversorgung behandelt. Hier bestehen insofent Schwierigkeiten, als die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Speisefetten von jeher zu einem sehr wesentlichen Teil auf die Zufuhr au8 dem Auslände und also auf die Devisenbeschaffung angewiesen war. Tie Verhandlungen über eine Erleichterung auf die­sem Gebiet, die zwischen der Reichsregierung urtt> ver Reichs bank geführt werden, stehe vor dem Abschluß. Die Vertreter der landwirtschaftlichen Spitzenorganl- salwnen wiesen darauf hin, daß die Versorgung an einzelnen Stellen durch Wagennuurgel erschwert um» daß in Schlesien diese Schwierigkeiten durch den Transportarbettelstretk wesentlich verschärft werde, so­daß dott größere Mengen von LebenSmMekn, die zur Versendung in die Städte bereilstänben, nutzlos lie­gen blieben. Von der Reichsregierung würbe znge- fagt, baß auf bte Bescftigung dieser Schwierigkeiten mit allem Nachdruck hftrgewirft würde. Welter wurde die Notwendigkeit erörtert, dem Landwirt dis Möglichkeit zu geben, den Erlös für seine Erzeugnisse wertbeständig anzulegen. Seitens ber Vertreter der Landwirtschaft wurde darauf hingewiesen, daß dies für die Landwirtschaft besonders nötig sei, weil sie ihre Erzeugnlffe nur eimnal in: Jahre absetzen könne. Der Plan der Reichsregierung, eine wettbestSndls-, leicht begebbare Goldanleide auszugeben, wurde da­her von ben Vertretern der Landwirtschaft hegrüßt. Sie erklärten sich bereit, bte Durchführung eines sol­chen Planes zu fördern. Die Besprechung, in der noch einige landwirtschaftliche Einzelstageu behandelt wurden, schloß mit der einmütigen Versichxrrmg der Vertreter der Landwirtschaft, daß sie die Berussge- nosien auffordern würden, ihr Möglichstes zu tun, um die Versorgung bet Bevölkerung zu sichern unb zu heben.

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Vertreter des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiet« hatten lautDeutscher Allgemeiner Zeitung" tzestern vormittag Besprechungen mit S&ritctert ber Reichsbank scher die Frag? ber Devisen beschi.ung zur Versorgung des besetzten Gebietes mit Lebensmittel». T«e Sei ti efer der Reichsbank sagten zu, baß die angefjrberteii Devisen von jetzt an in vollem Um sänge zngeieilt rot eben sollen. Man hofft, bag sich diese Neuregelung bald in ber Versorgung des besetzten G.bietes beinerll-ar mache» werde.

DemVorwärts" zufolge wird in der RcichStägS- fitzung vom 8. August voraussichtlich nicht nur der Reichsfiuanzminister Dr. Hermes, die neuen Steuervor­lage» begründen, sondern. wahrscheinlich wird auch ter Reichskanzler selbst das Wort ergreifen» um die Auffassung bet Rrichsrcgientng übet die ailgcmcine innen- und

außenpolitische Lage barzulegen. Dir vom Vorstand bet sozialdemokratischen ReichStagSfraftio« zu einer Unter­redung mit Dr. Cuno beauftragten Vertreter werben beute, vom Reichskanzler empfangen werde».

Berlin, 31. Juli. Laut X.' find die neuen Steuergesetzentwürfe dem Reichstage beute zngegangen. Sie werden int ReichStatSausschutz an nächsten Freitag imd tm ReichSratSplenum am SamS» tag beraten. Am Mittwoch wird sich dann ber Reichs­tag mit bett Entwürfen beschäftigen.

Mus an hit Landwirte

erläßt bet Reichsausschuß bet deutschen Landwirt* schäft, dem sich auch die kuthessische LandwirtschaftS. kammcr angeschlossen hat. IV a. heißt eS: Wir haben mit der Reichsregierung über die Not ber städtischen Bevölkerung und bte Schwierigkeiten beraten» bte ihrer Versorgung mit Lebensrnitteln erwachsen. Die Not In den Städten ist groß. Es fehlt tnsbesondere an Kartoffeln, aber auch an anderen RahrungSmtt. teln. Die deutsche Landwirtschaft trägt keine Schuld an dieser Rot. Infolge der Ruhrbesetzung ist bte Einfuhr von Nahrungsmitteln aus Mangel an De­visen so gut wie unmöglich gemacht worden, sodaß bte Erzeugung bet deutschen Landwirtschaft mehr aI8 je die Grundlage nuferer Volksetnährung bildet. Mit der Reichsregierung sind wir einig in der lieber« zcugung, daß alles darauf ankommt, der deutschen Be» völkerung über bte Schwierigkeiten ber nächsten Wochen hinweg zu helfen. Auf den Feldern harrt eine gute Körnerernte der Bergung. Was schon ge­droschen ist imd zum Verkauf kommen tonn, mutz un­verzüglich der städtischen Bevölkerung zugefühtt wer­den. Wo eS der Reifegrad der Kartoffeln gestattet, milffen sie den Verbrauchern umgehend und möglichst reichlich geliefert werden. An alle deutschen Land­wirte ergeht W Mahnung: Helft, daß alles, was wir an Erträgnissen deS Landes zum Verkauf stellen kön­nen, unverzüglich geliefert wird und in die Hand der Verbraucher gelangt. Die in allernächster Zeit

> ertoanenbe HerauSgae einer wertbeständigen An. leihe soll Euch in die Lage versetze», den Erlös so zulegen, daß er Such zur Fortführung Emer Wirt­schaft erhalten bleibt. Helft dem Baterlande! Ihr helft damtt am besten auch bet deutschen Landwirt.

-st. i

Die LedenSmfttelnot in Berlin.

Berlin, 31. Juli. Gestern mittag begab sich Oberbürgermeister Boeß mtt Bürgermeister Ritter unb mehreren Stabträten nnn Reichsranster z» einet Unterredung, der mich Staatssekcetär Dr. Heinrich vom ReichSernähtungSministerimn und Staatssekretär Geld vom ReichSarbeltsmwislerium beiwohnten. Oberbütgermeüsier Dr. Boeß ietztc ausführlich bte augenblickliche LebenSmtttelnot In Berlin auscimm- ber. Dem Großhandel müsse es unverzüglich durch ausreichende Zuteilung von Devisen ermöglicht wer­den, den Lebensmittelmartt tn Berlin genügend zn i beschicken. Reichskanzler Dr. Cuno legte dar, tote bte Regierung der Inflation durch erhöhte Steuereinnah­men und bte wertbeständig"!« Anleide cntgegnnzutoitken denke. Der ReichStegi«n<ng fei es nur erwünscht, wenn gleichzeitig von den Landesbehötben gegen den ärgerlichen LuruS votgegangen werde. Die Reichs« regietung sagte ferner zu, vor allem auf schneller« Herbelschafftmg von Margarine, Fett unb Schmalz bedacht zu sein. Dte Verhandlungen über erhöhte De. vlsciibeslhafsung werde» hoffentlich morgen oder über­morgen zu neuen Srgebnilsen führen. RotstandSmatz- nahmen zur produttiven Erwerbsloienbefchaffnng sol­le« sofort in Gang gesetzt werden. ReiLslanzler Cuno begründete persönlich die wsorttge Schaffttng einer wertbeständigen Anleihe, besonders auch des­halb, well sie die Ablieferung dec Erzeugnlffe bet - Landwirtschaft wesentlich fördern wird.

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! MM M es m?

Die Reichs re gierintL bat ihr SteiierBrogrentm ver­öffentlicht und ungefähr gleichzeitig damit ist die sozial»: demokratische Frakfto» und find di- Gewetkschtft-n mit Steuerplänen und Währungsvorschlägen hetvorgetremit. In der kurzen Zeit, bk bis zum Zusammentritt deS Steichswges bleibt, müsse» die Parteien und muß bie Oefseistlickkeit unbedingt Verständnis dafür genannen,; welches Ziel gcgcnivärtig erreicht werden kann und erreicht! werden muß. Es wäre falsch, sich 8oer ben Ernst beti Stunde irgrndimlchen Täuschungen hinzugeben. Aber elj wäre nicht milder verhängnisvoll, wen» man jetzt bte. Stunde, bk uns zum raschen Handel» gegeben ist, mit übermäßigen und zur Zeit aussichtslose» Forberungeu; belasten wollte. Denn damit würde man nur verbindet», daß das absolut Notwendige geschieht. Und daß dieser Notwendigkeit Rechnung getragen Wird> darauf allein kommt eS zur Zeit an j

. Di« Sozialdemokraten stellen ein Programm auf, ball in sich widerspruchsvoll ist. Sie bleiben damit de« Politik treu, mit der sie in ber letzten Seit außerordenkssch viel zu der g'gcnwörtigen, überaus ernsten unb schweren Lag» bcigetragen haben. Man kann zweietl-f Man kann bk Mark stützen und stibil machen und ihr damit die überaus wichtige Funktion als Wertmesser sichern, obrr, man kann die Wertbeständigkeit der Löhne und Gehälte^ und bi? GoLbasiS in der Gcsamtwirtschast etnsühren uudi damit der Mark als Wertmesser ben letzte« Rest ^betvi Beides gleicher Zeit zu erreichen, ist et« Dmg fcg Unmöglichkeit. An diesem Wioerspruch krankt auch bef Programm, das di« Sozialdemokratie «nifstellt. Ste, verlangt von dem Steuerträger eine Ricsenleismng, damit der StaatSbauShalt inigermaßen ins Gleichgewicht ge­bracht werden kann. Dies? Leistung wäre durchaus gp, rechtfertigt, wenn damit die Mark einigermaßen als Dert- objelt Wickler hergestellt toütbt, Die Erreich««-