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Amtliches DerÄndigungsblatt des Kreises Marburg.

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w j, H. Schäfer

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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St. 174

1923

Di« .Oberhelstiche Zeitung" erichetnt iedismal wöchentlich. — Lezugsorei, monatlich 20000 Mk. mit Zustestungrgedühr. Für ausfallende Nummern infolge Streits oder elementarer Ereiqniste kein Lriag. — Verlag von Dr. L. Httzerotd. — Druck der Univ.«Bnchdruckerei von 3ob. Lug. Noch, Markt 2123. — Kernjprecher SS, Post» ichecktonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Srtilm, dm 27. W

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Der ieWe mb der ftmzöMe AmdmM.

London, 26. Juli. Ter diplomatische Bcrichtersiat» fc bti „Daily Telegraph" führt aus, der Schwer» |inft der diplomatischen Tätigkeit befinde sich jetzt tz, Brüssel, wo der französische Botschafter mit den telgischen Ministern verhandle. Trotz der Geheimhaltung la dem Botschafter erteilten Instruktionen sei ziemlich ziel über den französischen Standpuntt bekannt: In der Drage des passiven Widerstandes sei Poin- tete unzugänglich und entschlossen, die B r ü s s«l e r R e- jitrung an den Buchstaben des Brüsseler Communi- «ös zu binden. Die Franzosen gingen aber noch »eiter: „Es heiße, daß, abgesehen von der eventuellen Fnsichtbarmachung" der Besetzung und der Amnestie für jttviffe rheinische Beamte und Arbriter, die belgischc Regierung auch für die Aufstellung eines Gesamtpla- »es einer eventuellen R äum u ng in m ' lit üris cher, ziviler und wirtschaftlicher Hinsicht sei: bei den Franzosen herrsche jedoch dir Auffassung Nr, daß ein solcher Pla n, der in irgend einer Gestalt bereits in Paris zu existieren scheine, jetzt nicht vorge­bracht werde n solle, da er auf ein indirektes Feil­schen mit England hindeuten würde. Außerdem Sune eine vollständige Zurückziehung der Besatzungstrnp- M und ein baldiger Verzicht an? das Recht der Kon- : trolle der hauptsächlichen Pfänder Überhaupt n i cht tu Frage kommen. Was den englischen Vorschlag eines »»parteiischen Sachverständigen-Aus-- schufses anlange, so fürchte man in Paris, daß damit j «cht nur alliierte und amerikanische Sachverständige gc- «eint sein könnten. Poincare habe kürzlich brtont, daß k Aufnahme von Neutralen in die Reihe der Sachverstän­den dem Versailler Vertrag widerspre­chen würde. Außerdem wolle Poincare, daß Belgien Dmeinsam mit Paris dagegen auftrcte, daß die Kommis- Ijien die Gesamtentschädigung sestsetzen solle: er toürx Höck- Arns einem Kompromiß zustimmin, nach dem tte Kom- »ission empfehlend darl gen sollte, welch? Annuitäten .gezahlt werden sollten und welchen Wert gewisse Zah- angsmcthoden hättew Die Annuitäten könnten dann füi fcm Zeitraum von zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren 'festgesetzt werden und zwar in einer Weise, daß die den Liederausbau der zerstörten GkLi't: Frankreichs und Bc'. Dens mit einem Minimum von 26 bezw 5 Milliarden mb B) ermöglichten, und andererse.es zur Zahlung der Zmsen der englischen Schuld an Nordamerika dienen könu- tm. Diesen Vorschlag erklärt der Berichterstatter für verfrüht, da er der Entsch idung der Sachverständig Heukonserenz darüber vorgreife, welche Reparationen^ chteutschlarch leisten solle; außerdem wäre es eine Regelung. He nicht endgültig und dazu wirtschaftlich ungesund wäre A»d die Probleme wirtschaftlicher und anderer Art.in ge slhrlicher Weise für eine bestimmte Periode osfeuließe. D«' terauä sich ergebende Unsicherheit würde di? Aussicht «W eine eventuelle internationale Anleihe nährend der nächstenJahrc gefährden. Außerdem müsse England au! der Hut sein vor einer Rege- hng, die die Rechte Italiens, Serbiens und 8 mänien - unberücksichtigt ließe und die die Aussicht auf amerikanische Beteiligung durch Verfchmelz- twg der Reparationssrage mit der Frage der Schu d n tttgtgentrirlen würde. Was die Garantien für di- Zah- butgsquellen betreffe, so sei Poincar6 den An­regungen der belgischen Sa chverstand igen nicht geneigt; er bezweifle die Wirksamk.it von Ga­rantien, di« sich nicht inde» Händender Alki ierten befänden, sei aber einem Versuch nicht atge« »gl, vorausgesetzt, daß die gegenwärtig ftKgehaltrnen Wander als Sicherheiten für die Anleihen und als allg-> fceine Sicherheiten beibehalten würden. *

Getrennte Antworten Frankreichs und Belgiens.

Paris, 26. Juli. Havas teilt mit, zwischen der französischen und belgischen Re- Ai e r « n g sei jetzt über die Hauptfragen der auf ke englischen Dokumente zu erteilenden Antwort «ine Verständigung erzielt. Der Wortlaut »er Noten werde unverzüglich festgesetzt werden. Sie Antwort von Paris und Brüssel würde wahr­scheinlich identisch sein, aber sich völlig in gleicher Dichtung bewegen. — Diese optimistische Auffassung bet Havasagentur wird nicht durch das „Journal ks Dubais" bestätigt, das auf Grund von lleusierungen in offiziellen Kreisen die Tatsache der ►trennten Beantwortung allerdings nicht als ein Anzeichen einer ernsten Meinungsverschiedenheit «ufgefatzt wissen möchte, aber hinzufilgt, die beiden Kabinette glaubten, sich ohne Schwierigkeiten eine ►wisse Handlungsfreiheit beiderseitig vorbehalten ► können.

Paris, 26. Juli. Im Verlaufe der gestrigen tntertebunß haben sich der französische Minister- ►iisident und der Baron de Eissier d'Hesiroy über französisck)en Antwortentwurf unterhalten. Set belgische Gesandte teilte Poincar4 die dies- '^Sügliche Ausfassung seiner Regierung mit. Als ^deutenöstes Ergebnis des Tages darf festgestellt Werden, daß Frankreich und Belgien, wie die heu­len Morgenblätter einstimmig glauben, getrennte «niwortcn nach London schicken werden. Zm übri- *it habe ein Vergleich der beiden Standpunkte ge- -►igt, daß zwischen Paris und Brüssel bereits eine

grundsätzliche llebereinstimmung bestehe. Die In­teressen der beiden Länder seien zu eng miteinander verbunden und sie hätten zu vielfältige und ernst­hafte Gründe, ihre durch die Ruhrbesetzung ein­geleitete gemeinsame Politik aufrecht zu erhalten, umsomehr, da sie jetzt im Begriffe stünden, die Frücht? ihrer Ausdauer zu ernten. Belgien werde mithin der Politik vom 11. Januar treu bleiben, schreibt der „Malin" und von den wiederholt ab­gegebenen Erklärungen der beiden Regierungen in keiner Weise abweichcn. .

London, 27. Juli. Reutet erfährt, baß keine Ver­einbarung wegen einer Zusammenkunft zwischen Low Curzon und dem ftanzösischen uns dem belgischen Botschafter getroffen worden sei. Snfolgefctfien sei in britischen Kreisen nichts über die neue» ReparationS- vo^schläge bekannt, die die Alliierten Englands Vor­bringen würden. Es werde allgemein angenommen, daß die ftanzösische und die belgisch« Regierung besondere Antworten aus bk britische Note ab sende» würden. Diese Antworten würden jedoch so gut wie gleichlautend sein Di« beiden Regierungen würden sich im Grundsatz fi(rr den Charakter der Antwort einig sein. Die belgische Note weide wahrscheinlich von der ftanzösischen bezüglich der Methode und des Betrags der Reparationszahlungen abweichen. Die Besprechung"» zwischen Paris und Brüs­sel würden eifrig sortg-führt, und man hoff«, daß An­fang drr nächsten Woche die britisch« Regierung im Besitz der beiden Antworte» sein werde.

Paris, 26. Juli. Ministerpräsident PoincarZ hat heute vormittag den italienischen und den bel­gischen Botschafter empfangen.

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Das Rad der Verhandlungen wird bald in Brüssel, bald in Paris. London oder sonstwo ein­mal' weitergedreht. Man hört es ordentlich knarren, denn der Wagen kommt nicht vom Fleck. Immer wieder hört man die alten Melodien, die Variationen sind nicht bedeutend. Poincar6 weicht nicht von seiner Meinung, das ist des Pudels Kern; wie ihm in Kleinigkeiten oder in der Form etwas abgerungen werden kann, das ist die Frage, die die andern bewegt. Sich irgendwie zu binden, daran denkt er nicht.

Dis augenblicklichen Verhandlungen mutz man unter dem Gesichtspunkte betrachten, dass Poincare nur ein Interesse daran hat, die Angelegen­heit zu verschleppen.

Poincar^ spekuliert offen auf innere Zwistig­keiten, den Bürgerkrieg bei uns, damit er in der Lage ist, Ungehindert durch englische Einsprüche, sich den Ameil seiner Beute selbst zu sichern. Diesen Bür^rkrieg sieht er in Kürze bei uns ausbrechen. Dann hätte er leichtes Spiel und darum verschleppt er. Gerade die drohende deutsche Katastrophe ist es aber, dis England beunruhigt. Tas ist der Sinn der jetzigen Verhandlungen.

England iinb die Unruhen in Deutschland.

Paris, 26. Juli. Die „Humanitä" erfährt aus London, die Vorgänge in Breslau und Frank­furt a. M. hätten dort einen sehr tiefen Eindruck -gemacht, der in einer zunehmenden Antipathie der öffentlichen Meinung gegen die französische Politik zum Ausdruck komme. Diese werde unmittelbar sür jene Geschehnisse verantwortlich gemacht. In offi­ziellen Steifen bekunde man Besorgnis. Man frage sich, ob die Bemühungen der englischen Re­gierung nicht zu spät gekommen seien. Es könne also nicht überraschen, dass diese darauf bestehe, von bett alliierten Regierungen eine rasche Antwort zu erhalten, denn wenn nicht vor den Parlaments­ferien eine Erklärung abgegebe «werde, sei es mehr als wahrscheinlich, daß das Kabinett Baldwin sich in einer sehr schwierigen Lage befinden würde gegenüber einer öffentlichen Meinung, die sich in Sorge frage, ob keine Hoffnung auf eine industrielle Erholung vor den Wintermonaten möglich sei.

London, 26. Juli. Der Finanzsekretär des Schatzamtes teilte im Unterhaus« mit, daß der auf Grund der deutschen Repararionseinziehungsakte von 1921 eingegangene Betrag am 30. Juni d. I. sich auf 13 264 000 Pfund belaufen habe.

London, 26. Juli. Die Jndusiriegruppe des Unter Houses hak an den Premier ini nistet einen Dnef gerichtet, worin'auf die ernste wirtschaftliche Lage Europas infolge bet Ruhraltion hingewiesen wird. Die Zahl der Arbeitslosen werde vorans- fi-htlich bald auf 1 Millionen gestiegen sein. Die Negierung wird aufgejoiberr, durch Vcranstaltiiiig tnnsangreicher Arbeiten, Elektrisierung der Eisen- l ahnen vfto., neue Arbeitsmöglichkeiten zn schassen.

9te»e Anfragt im Oberhaus.

London, 27. Inti. Im Ober ha v s haben Lord Grey nnb Lord Birkenhead «ine y»frage an die Regierung «ingebracht, ob sie tn der Lage fei, neue Mit­teilungen über bie Abparauons- unb Rehrftage |u geben.

MM Mi Wit.

Berlin, 26. Juli. In einem Leitartikel „Wach auf Amerika!" führt bie „Kölnische Zeitung!" -folgende Aeußerung des ehemalige» Vertreters Amerika- in ber Rheinlanbkommisston, Noyes, an: Ein Wort von Amerika aber, bas unser Interesse in ein« Lösung anmeLet« und bk Haltung Englands unterstützte, würde baS ganz« Aussehen ber Dinge ändern. Ich hab« gehört, baß bas englisch« Kabinetl an einem ber letzte» Tage stundenlang erwogen hat, ob «S nicht alle Verhandlungen mit Frank­reich einstelle und den Präsidenten ber Bereinigten Staa­ten zum Schirbsrichter anrufen soll mit bem Versprechen, baß England jede Entscheüntng annehmen werd«, bie Amerika fällt.

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Alle bisherigen Versuche, Amerika für bie Ent- scheüuingen auf dem Kontinent, insbesondere aber für unsere Lage zu interessieren, müssen scheitern an ber einenarunbtegenbe» Tatsache, oäß bk SR o r» ga» »sw ihre Kapitalien in Frankreich an­gelegt haben unb beshalb einen Sieg Frankreichs auch in diesem Ringen wünschen. Das sog ftek Amerika, dies Land ber Heuchelei uno ber rücksichtslosen Profitgier, last' sich vo» feinen Dollarkönigen auch in feiner „freien" Meinung wie ein Kind am Gängelbanoe führen. Eine Zeitlang hat sich dies« Geselsschast einmal an ben humanen Phrasen ihres Wilson berauscht, hauptsächlich wohl, toet! es nebenbei auch ber riesengroßen kindischen nationalen Eitelkeit ber Amerikaner schmeichelt«, daß Wilson ben „Frkben" bring"» sollte. Daß baS alle? nichts zu 6e= beuten hatte, sieht man am heften bavaus, baß das amerikanische Volk garnichts davon toiffen will, wie denn sein „Wilsonfrirben" in bet Praxis aussieht. Alle Deutsche, bie von ber „Stimmung" in Amerika auS eige­ner Anschauung berichten, sind sich bann einig, baß bic Franzosen, eben infolge beren französischen Einstellung bet großen Gelbleute, in ihrer Lügenpropaganda leichte; Feld haben. Was ist ben Amerikanern aber die Wahrheit?

Der Dollar!

Sie SerWutne aufgeWn.

Fran kfurt a.M., 26. Juli. Die Verkehrs- s p e r r e an der Grenze des besetzten GrbktS ist feit heute früh an verschiedenen Stelle» aufgehoben, so daß der frühere Verkehr in starkem Maße einsttzte, jedoch wick aus einzelnen Bezirken berichtet, daß dort bk Sperre noch in Kraft sei. Anscheinend ist also die Aufhebung tatsächlich angeordnet, bk Anweisung baztr jedoch noch nicht überall eingegangen.

Frankfurt a.M.. 26. Juli. Di« Franks. Ztg" miedet, daß die Grenze zwischen dem besetzten und dem '.nbesehten Gebiet nur tagsüber affen ist. Bon 8 Uhr abends bis ö Uhr morgens bleibt fk gesperrt.

Offenburg, 26. Juli. Der Verkehr rwifchen dem hefetzteu Offenburger Gebiet unb bem unbesetzten G« biet, ber sich unter ben in ben Verordnungen 152 unb 167 festgesetzte» Bedingungen abgewickelt hatte, ist vorn 25. Juli 12 Uhr nachts an wieder frei. Der Postautoverkehr von Offenburg nach Ortenberg unb Niederschopfheim wird morgan tvirber ausgenommen, ebenso ber Verkehr der Staatsbahn von unb nach Ortenberg.

6in neues Mesurltil.

W-rben, 26. Juli. Vom französische» Kriegsgericht wurde ber Student unb Oberleutnant der Reserve Aar­hus, der vor mehreren Wochen aus dem Zuchthaus ent­wich, in Abwesenheit wegen angeblicher Sv-n-age zmn Tode verurteilt.

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Mannheim, 26. Juli. Wie ber „ßanbauer An- xiger" schreibt, verhaftet« bie Landauer Polizei einen Studenten namens Willi Maier aus Rülzheim wegen N.nteischlagnng eine- Fahrrades. Der Verhaftete soll ein Geständnis dahin abgelegt habe», daß er bet Täter fei, derbieDynamitarischlägeaufder Strecke Wörth- Jogrim und ben Anschlag am Tunnel bei Mainz ausgeführt habe. Woher er die Sprengstoffe gehllä habe, sage er nicht. — Wie bas genannte Blatt dazu mit­teilt, ist Makr ein vielfach vorbestrafter und von ver­schiß». nen Polizeibehörden wegen Diebstahls »sw gesuchter Mensch. Ob seine Selbstberichtigung richtig ist, bleibt abzuwarten. Er wurde in bas LandgerichtsgefängniS in Landau gebracht unb bort Von der französischen Gen­darmerie übfrnommen.

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W öb dkk Arbeit.

Frankfurt a.M., 26. Juli. Am 22 d.Mts. sind in Trier ein Obersekretär mit Fra u und ei:-. Zugrevisor des Morgens srüh in ihrer Wohnung verhaftet und zur sranzösischcn Babnbofswache abg> führt worden, wo sie von ben Mannschaften in Ge­genwart eines Offiziers tn ber entsetzlichsten Weis« mißhanbe!t wurden. Ein gleichfalls ber- hastetet Eisenbähnbcamler beobachte!«, daß die in der Wachstube ein- unb ausgchenben Soldaten, bie mit der Verhaftung garnichts zu tun hatten, bei ihrem Ein- unb Ausgehen -bic Verhafteten gleichfalls mißhanix-ln konnten, ohne baß ber Offizier dies hinderte. Es wird ver­mutet, baß bk Veranlassung zu diesen Berhastimge» ein Streitfall zwischen SpirW und einem unbekannten Zivi­listen bildet, der auf der F l u ch t vor den Spahis in das Hans ber Vorgenannten eingebrungen war, ohne baß diese etwas davon wußte».

Der Ortsvorsteher von Senuels toutbe vom Bahn« hokskommanbante» drei Tage lang in einem leeren ge* deckten Wagen ohne Verpflegung eingesperrt gehalten, weil er sich geweigert hatte, für bk Quartier« der französischen Regieleute Möbel z» stellen. Ein« Rot« Kreuz-Schwester, bie wieberholt versuchte, ihm eine Deck« zu überbringen, wurde jedesmal von Öen marokkanische» Soldaten unter Beschimpfungen weggejagt.

Reutz, 26. Juli. Eine grotze Anzahl vo« Neutzer Bürgern, zumeist Staats* und Kom­munalbeamte, erhielten von der belgische« Kommandantur den Befehl, als Geiseln an be« stimmten Terminen bei Tag und Nacht auf de» französischen Regiezügen mitzufahten.

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3 m Soge ia ben beleOten

Essen, 26. Juli. Wie bk „Rheinisch-Westfälisch« Zeitung" aus Bochum berichtet, würbe in der Frühe bdf ycutiflen Tages ber Bochumer Verein abermals von ben Franzosen besetzt. Die Arbeiterschaft legte geschlossen bk Arbeit niebet unb verließ sosiirt Has Werk. Mit bet erneuten Besetzung be» Werkes steht auch bie er felgte Verhaftung beS Direktors Schreiber in Verbindung. Gegen diese Verhaftung hat der Betrkbsrat Protest ein­gelegt. • *'

Esse», 26. Juki. Der hiesse Platzkommandant trifte dem Bäckermeister Trau Hier in ber Jägerstraße mit, daß sein Bäckereibetrieb von bei vesetzungSbehörd« in Betrieb genommen würbe, falls er bet Aus» forberunft, für bk Besichungstruppen zu backen, nicht Nach­komme. „ _ , _ .

Pari», 26. Juli. Wie HavaS aus Düsseldorf mevch find in Trier 400 Millionen Mark angeblich verdächtiget Herkunft beschlagnahmt worden, die von zwei Personen mitgeführt wurde». Die Besatzungsbehörbe habe «Ute llHt«rfud)ung eingeleitet. , „ „

R e m a gen, 26. Juki. Auf dem Bahnhof Brück (Ahr) erschienen vier französische Gendarmen und einige Privatleute, anscheinend Lieferanten, fowlo ein Herr von der Rheinlandkommisfion und ver­langten die Beförderung von 400 bis 500 Wage» Hoh nach Frankreich, Belgien und Holland. Da festgestellt wurde, datz es sich um frisch gefchlugene» Holz aus den Ahrwäldetn handelt, wurde das An­sinnen abgelehnt.

Der Kampf gegen btt Eifenbahner. * ’

Esse», 26. Juli. Am 29. Juli weiden aus Dm»* iurg 115 Bedienstete mit Familien, insgejimt 230 Pev> fonen ausgewiesin werben. 5 Bedienstete des Ostbabnbof» Ostttselb-SÄ WLiden in ber Stabt Mülheim-Ruhr von der Besatzungsbehörde verhaftet und nach Bredenev n* bracht. Auch ein Lokomotivführer vom Bahnhof Web* bau würbe verhaftet. i ii

Frankfurt a. M.» 26. Juli. Im Bahnhof Kirchheimbolanden find zehn Leute bet französischen Regie tätig, alle von Beruf Nichteifenbahner. Sie erhalten 100 000 «X täglich. Ihre dienstliche Tätigkeit wird von dem Uebetläufet, Eisenbahninfpektor Magnien, der an­scheinend als Betriebskontrolleur verwendet wird, überwacht. Magnien wollte den im Bahnhof woh­nenden Hotelwirt Giuliani, der jetzt ausgewie» f e n ist, bestimmen, ihm Angaben über das dienst­liche und außerdienstliche Verhalten der bei der fro'iz. Regie in Kirchheimbolanden arbeitenden Leute zu machen, was letzterer ablehnte. Die Be­handlung der Leute durch den Ueberlänfer Magnien soll sehr f ch e ch t fein. Als ein weiterer Neber* laufet versieht in Kirchheimbolanden der Rotten» führet Sche: »7 den Dienst als Bahnmeister.

ier WWMulW.

Die Demonstrationen der Kommunisten zum Antifaschistentag sind bekanntlich verboten worden. Die „Rote Fahne" alter schreibt unter der Neber» jchtist: „Trotz der Verbote!": „Am 29. Juli haben bie Arbeiter geschlossen gegen den Faschismus zu demonstrieren. Sie werden sich von diesem Vor­haben durch keinerlei Verbote abhalten lassen."

Leitende kommunistische Kreise erklären, daß sie die Demonstrationen unter allen Nmständen durch­führen würden, in Berlin event. die Säle mieten oder di- Agitation in die Betriebe verlegen würde«.

In Ergänzung zu dem Rundschreiben an di« Landesregierungen, in weichem auf die Möglich­keit von Ruhestörungen hingewiesen wird, erklärte ber Reichsminister bes Innern Defet tn einer Untertebung mit einem Presse» vertretet, baß bie Reichsregierung, wenn es nötig fein sollte, nicht zögern werbe, mit aller Energie bie ihr zur Verfügung stehenden Mittel anzuwen« ben. liebet bie zur Verfügung stehenden Macht­mittel dürfe man sich nicht täuschen. Die" Schutz» polizei fei heute ein ausgezeichnetes Instrument zur Aufrechterhaltung von Ruhs unb Ordnung. Der Minister betonte weiter, baß alle Versuche, He öffentliche Ordnung zu stören, lediglich dem äußere» Feinde dienten. Es sollte die Ueberzeugung aller