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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

W J.H. Schäfer

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Anzeiger für (bas früher kurheUche) Oberhessen

Der Anzeigenpreis beträgt für den Ogefp. Zeilenmillimeter 800 Mk. Amtliche und

ausw. Anzeigen 1000 Mk. Bei schwierigem Satz 50°/. Aufschlag. Spät einlaufend« ro

oder den Raum über */, Seite einnehmende Anzeigen werden nach der Textspalten- JA, nulllU "* breite berechnet. Reklamen der Zeilenmillimeter 2500 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Y ' * 4

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Die Ruhrfrage im englischen Unterhaus.

London, 24. Juli. Die Natioualliberalen die bea6[ii6ti®kn, ata DonnerStas eine Debatte über die

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gänzung zum Eelbbuch erscheinen zu lassen. Diesem Verlangen hat die Reparationskommission nicht ftctttgegeben und es auch nicht für opportun ge­halten, den Standpunkt der anderen in der Repa- raticnskommission vertretenen Delegationen der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Wie der „Temps" ineloet. bereitet die Reparationskommission einen Bericht über ihre Tätigkeit von 1920 bis 1322 vor. Ganz besonders wird sie sich hierbei mit der Frage der Festsetzung der deutschen Schuld auf 132 Milli­arden Eoldmark beschäftigen.

London. 24. Juli. Im Unterhaus« fragte Davijon, ob der Regierung bekannt sei, datz die dcsttfche Regierung in England riesige Kredite

k P a r i s, 25. Juli. Die Reparationskommission L hat das Memorandum der deutschen Delegation ' vom 15. März 1923, das sich mit dem Moratoriums- f verlangen Deutschlands beschäftigt, veröffentlicht.

Die französische Regierung hatte von der Repara- tionskom Mission verlangt,, die Denkschrift als Er-

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wird wie m darob emaillieren » wndtkUb

werben ebcv Reich und Land strafbar gemacht, die W<6* tlftiiig hasten sollen.

Das bedeutet mit anderen Worten: Bei irgendwelche* Vorkommnissen (z. B. Leitungsdiebstählen) im besetzte» Gebiet, die von den Franzosen als Sabotage angesehen werden, ist es den Franzosen laut ihrer selbstherrlich« Verordnung gestattet, Gemeinden, Land und Reich mfl den i« ihrer Wahl liegenden Geldstrafen zu belasten. Mf man stets bis auf ihren letzten Bestand plündert. Ma» ragt nicht danach, ob die im Ruhrgebiet beanspruchte« Milliarden an Lohngeldern, die hierbei den Fmuzofe» in die Hände fallen, wirtschaftliche Störungen verursache». Es hat sogar den Anschein, datz die Franzosen gerate vor Lobnauszahlungen ihre Bentezüge zur Antreibung vo» Geldstrafen für die angeblichen Sabotageakte unternehm men. Die Franzosen erreichen aber mit dieser Politik, die immer schärfere Formen annimmt, nur ein« ErstarkmH der Abwehrstimmung an der Ruhr.

Di« „Ob«th«isi!chr Zeitung" er!<d«int ierbimal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 20000 Mk. mit Zustellungsgedühr. Für ausfallend« Nummer» infolge Streiks ooer elementarer Ereignis)« kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hiuerottz. — Druck der 1lniv.-Duchdruckerei von Job. Aug. Koch, Markt 21.23. — Fernsprecher 55, Dolt- lcheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main

Ein Spitzel verhaftet.

Berlin, 24. Juli. Blättrrmeldungen aus Hag« zufolge wurde zwischen Arnsberg und Fröndenberg in dem von Berlin kommenden V-Zug ein sranzöst- scher Geheimkurier der französischen Botschaft in Ber­lin, der auch Spttzeldtenste verrichtete, von der Schutz­polizei bet der Vornahme einer Paßkontrolle ve» baftet. Es wurden bet ihm Dokumente gefunden, btt ür den Kommandanten der französischen Ruhrarme« bestimmt waren.

Ruhrfragr hcrbeizuführen, haben diese Absicht auf Wunsch der Regierung verschoben.

London, 24. Juli. Baldwin teilt? im Unter­hause mit, er hoffe, das Haus werde am 2. August n die Herbstferien gehen können. Das Programm Lr die Herbstsession besteht in verschiedenen klei­neren Vorlagen. Reuter bemerkt hierzu, die Herbst- cssion solle am 13. September beginnen, doch werde es in parlamentarischen Kreisen für sehr wahr» cheinlich gehalten, datz das Haus schon früher zu« ammenberufen werde im Hinblick auf die Möglich­keit internationaler Entwickelungen und innere Fragen im Zusanimenhang mit der Lage des Han­dels Auf eine Anfrage bestätigte Baldwin, datz ich vor der Vertagung des Unterhauses noch Ge­legenheit für eine Erörterung der Ruhrfrage finden werde. — Kennworthy fragte, warum der Entwurf der Antwort an Deutschland nicht der serbischen, rumänischen portugiesischen und anderen Regierun­gen übermittelt worden sei. Es erfolgte keine Ant­wort.

__________ _______ . .. intmeiet 2500 Mk. I«der Rabatt gilt al« Barrabatt. Beleg« roetben berechnet. Bei Auskunft durch die Eefchäftsft. und Vermittlung der Angebote 1000 M, bet Uebersendung durch uns 2000.— Mk. ohne Porto.

Paris, 24. Juli. Das „Gttfjo de Paris" will •0» einer hochstehenden Persönlichkeit erfahren haben, die englische Regierung habe die französische Negierung gebeten, ihr zweckentsprechende Bor- fchläge betreffs der militärischen Sicherheit Frank­reichs zu machen. Die englische Regierung würde 'jeden diesbezüglichen Vorschlag mit größter Sorg­falt prüfe«.

Paris, 24. Juli. Minister Le Troquer ist heute vormittag von seiner Reise ins Ruhrgebiet prrückgekehrt, um einer heute stattsindenden Kabi- «ettssttzung beizuwohnen. Wie das „Journal" mit­teilt, glaubt man in Paris, daß die Antwort auf die englischen Dokumente in der Reparationsfrage i Ende dieser oder spätestens Anfang nächster Woche fertigg»stettt werde, aus alle Fälle aber so zeitig, datz die englische Regierung in der Lage sein wird, Rech vor Beendigung der Parlamentssession am 14. August eine Erklärung abzugeben.

Paris, 24. Juli. Im heutigen Kabinettsrat Hit Poincare seine Kollegen über die Verhandlungen unter­richtet, die mit England und Belgien hinsichtlich der Reparationsfragr aus Grund der englischen Dokumente ' geführt werden sollen. In dieser Woche findet kein Ministerrat mehr statt. Der nächste Mintsterrrt soll - ent 2 August in Rambouillet stattfinben.

Belgien mb die enMe 'antwort.

Paris, 24. Juli. Ter belgische Ministerrat ke« chäftigte sich gestern nachmittag mit den von der englischen Regierung übermittelten Dokumenten in der Reparatives- rage. Der Brüsseler Berichterstater des „Echo de Paris" will trotz des absoluten Geheimnisses über den Verlauf des Ministerrates in der Lage fein, folgende fünf Tbesen aufzustellen, die den Standpunkt des belgischen Kabi­netts kennzeichneten:

1. In dem englischen Entwurf sind gute Dinge neben chlechten Elementen festzustellen.

2. Die englischen Dokumente verschließen die Tür ür Verhandlungen nicht, im Gegenteil, sie ermutigen sie und sind deshalb willkommen.

3. 8üas die Ruhrsrage anbetrifft, wird Belgien sich nicht in einer so strengen Weise an Frankreich gebnnceu erachten.

4 Tie Geleg'nheit muß gesucht werden, Amerika an die Seite der Alliierten zu führen.

5 Der (Siebente, di' Finanzlage Deutschlands ein’?n unparteiischen, rein konsukativen, von einem Amerikaner präsidierten Ausschuß zu überweisen, darf also nicht a priori zurückgewicsen werden.

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London. 23. Juli. Bei der Abrüstungs- dedutte im Unterhaus wies Ramsay Macdonald u. a. rar auf hin, datz es in Europa keinen wahren Friecnir geben werde, solange nicht der Versailler Vertrag revidiert worden sei. Ganz besonders werde England von einer Militär-Diktatur in Europa betroffen, deshalb müsie man die For- oerung der Abrüstung erheben, deren Ziel die Ab­rüstung aller Rationen sei. Baldwin erklärte, der Linst der politischen Lage könne garnicht über­trieben werden. EuroM sei noch immer ein be­waffnetes Lager, in dem sich wehr Leute unter den Waffen befänden als 1914 bei Kriegsausbruch. Im weiteren Verlauf der Debatte sagte Baldwin noch, England müsie der Welt beweisen, datz es wirklich meine, was es sage. Eine Abrüstung sei nur mög­lich, wenn sich die Mächte zufammenschlösten. Der Staatssekretär für die Luftschiffahrt verteidigte die Lustpolitrk der Regierung, indem er aussührte, die Zerstörungen durch Luftangriffe werden heute hun­dertmal schlimmer sein als im letzten Kriege.

Im Laufe der Debatte ergriff Baldwin noch ein­mal das Wort und erklärte, der Traum eines all­gemeinen Friedens fei schon Jahrhunderte alt, aber die Regierung glaube, datz der Versuch, im gegen­wärtigen Zeitpunkt eine internationale Konferenz einzuberufen, keinen Erfolg haben würde. Bevor man an dieses Problem herantrete, müsse erst das Repurationsproblem und dis Frage der Sichers- Helten geregelt werden. Viele Leute sagten, Eng­land solle wieder eine Politik der Isolie­rung treiben; aber man dürfe nicht vergesien, datz mit dem Aufkommen der Flugzeuge England seinen Znselcharakter verloren habe und unlöslich mit den Geschicken Europas verbunden sei. England werde fortfahren, sein Möglrchstes zu tun, um Europa den Frieden zu bringen.

Hierauf wurde die Refolution der A r - bertsrpartei mit 285 gegen 169 Stimmen ab- gelehnt. Die Asquith-Liberalen stimmten mit der Arbeiterpartei und die Lloyd George-Liberalen mit der Regierung.

London, 24. Juli. Der „Daily Chronicle" schreibt in seinem Leitartikel, die Erneuerung des Rüstungswettbewerbes sei auf die Haltung einer einzigen Macht zurückzuführsn, nämlich Frankreichs. Frankreich drohe keine Gefahr vom entwaffneten Deutschland. Es fei auch ausgeschlossen, datz die An­häufung von Flugzeugstützpunkten im Gebiet des Kanals gegen Deutschland gerichtet sei. Frankreich habe England gezwungen, gegen seinen Willen seine Lustmacht zu vermehren. Solange cs seine Politik nicht ändere, werde es anderen Mächten unmöglich sein, ihren Wunsch nach Abrüstung zu verwirklichen

unterhalte, die zum Ankauf von Rohmaterial be­nutzt würden und die es Deutschland ermöglichten, Frankreich und Belgien im Ankauf von Roh­material zu überbieten. — Der Präsident des Han- Msamtcs erklärte, ibm sei nichts davon bekannt.

IMe „öaöitoe“ uni IniMther Itrror.

Aus dem besetzten Gebiet wird uns geschrieben:

In der deutschen Pr-sse wird vielfach übersehen, datz di« Franzosen aus mancherlei Gründen „deutsche Sabo- tageakte' künstlich konstruieren. Sie erzeugen nicht nur selbst absichtlich Ung'ücksfällc (wie z. B. höchsiwahrschctn« lick bei dem ExplosionSung'ück aus der Duislmrg-Hochsel- der Brücke), sondern sie schreiben auch Vorkommnisse, die auf eigene Fahrlässigkeit und Leichtsinn zurückzuführen sind, deutsche „Sabotage" zu. um ihre Eitelkeit nicht selbst verletzen zu müssen. Seit einiger Zstt haben sie, worauf die „Kölnische Zeitung" ausnurlsam macht, eine neue Methode ersonnen, die daraus hinaussäust, gewöhn­liche Diebstäble als Sabotag-afte hinzustellen, um da­durch ihrer Propaganda neue kräftige Zugmittel zu vec- sckaffen (leider fällt die deutsche Oessentlichkeit in der Regel prompt darauf herein) und um fchärfere Terror- Maßnahmen durchführen zu können.

So hat z. B. in den letzten Tagen noch ein Draht« dieMahl an der Fernsvrcchl.ntuag Ov rhausin—Duisburg wieder g-jrigt, daß sich die angeblichen Sabotageakte an Fernsvrechleitung-n meist als gewöhnliche Diebstähi-e ent­puppen. Nach diestm Vorfall verhafteten die Franzosen Witte Juni den Leiter des Bahnpostamts Oberhausen, Pvstdirektor Lüders, und legten '-er Stadt 100 Millionrr Mark Mldstrafe auf. Den Beamten der Westdeutschen Sicherheit (Oberhausen Wach- und Schließgesellschaft) ge­lang cs, den Tatbestand völlig aufzuklären und der Bc- satzungzbcböcde zu beweisen, daß auch dieser angeb­liche Sabotageakt nur ein Diebstahl war. der nicht auf polftischc, sondern auf materielle Gründe zurückzuführen ist. Gerade an dem Tage, an dem dir Frist zur Zah­lung der Geldbuße abgrlausen war und infolge der Nicht­zahlung weitere Strafmaßnahmen tu Kraft treten soll­et», konnte der.Vorfall gcklärt werden. Auch in Essen bat sich ein solcher angeblicher Sabotageakt an Fernsprech, lcitungen dank ben schnellen Ermittlungen der Essener Kriminalpolizei als ein gewöhnlicher Diebstahl heraus- gestellt. v ' '

Neuerdings gehen die Franzosen dazu über, Von deut­schen Gerichteten abgeurteilte Drahtdi-be aus den Ge­fängnissen mit Gewalt herauszuholeu, um sie einer Be­strafung durch das französische Kriegsgericht zuzuführcn. So erschienen am 12. Juni französische Kriminalbeamte im sEscner Justizgebäude und erzwangen von der Staats­anwaltschaft die Herausgabe von vier Häftlingen, die ber einiger Zeit Kupfcrdrahtdiebstähte an Fernsprech leitun- gen in der Gegend von Kaürnberq begangen hatten und von der Essener Strafkammer b-reits abgeurtcitt waren. Die Franzosen werden die Häftlinge vermutlich wegen Sabotage aburteilcn.

Das ganze Vorgehen bient hauptsächlich zur morali­schen Rechtfertigung der Strastnaßnahmen. die solchen an- geblichen Sabotaacaften eigenartig schnell auf dem Fuß« folgen und auf die die Franzosen mehr Wert legen als auf bie den angebliche Sabotageakten zugrunbeliegenden Ta,fachen. Strafen sollen bk Bevölkerung mürbe machen und die Verwaltungskürper durch Festnahme von Gei­seln mit der Zeit gänzlich fttlkgen. Wichtig ist auch fol­ge über Umstand. Langsam haben sich tu verschiedenen Stabt« und Landgemeinden infolge der als Strafmaß- nahrncn verhängten Geldstrafen Beträge in solcher Hö.'-e ergeben, daß es den betroffenen Geraeinden völlig un­möglich ist, die „Bußen" überhaupt jemals zahlen zu kön­nen, ganz abgesehen davon, daß bie „Bußgelder" grund­sätzlich nicht bezahlt werden. Ter kommandierende fiat« zösische General hat deshalb ang-ordnet, daß „die Wieder« gutmachung der Beschädigungen ober vcS materiellen oder körperlichen Schechens der verbrecherischen oder strafbaren Handlungen dem Reiche, dem preußischen Staate sowie den Gemeinden, auf deren Gebiet die erwähnten Handlun­gen begangen worden sind, zur Last fallen". Praktist heißt das, daß der ftanzösische Strafvollzug für angebliche Sabotageakte sich bei Eintreibung von Geldstrafen nicht an bie Gemeinden zu halten braucht, die für angeblicbe Sabotageakte direkt verantwortlich gemacht werden, son­dern daß der Rahmen der haftenden Schuldner weiter gespannt wird, da die Franzosen sich hiervon mehr Erfolg versprechen. Deshatb heißt cs auch in bei Verordnung: „Der von einer armen Gemeinde verschuldete Schaden­ersatz kann ganz oder tellweisc auf eine Gruppe von Ge­meinden verbellt werd«," Rützt das «ich nichts, dann

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Sonbon, 23. Juli. In einem gestern ihm zu Ehren gegebenen Fest erklärte Lloud George, bie vorige Koali­tionsregierung habe Pvincare 9 Monate von der Rud A« ctzung zu verhindern vermocht, und daß die Ruhrbefehnrcg das ganze wirtschaftliche Leben Europas verwirrt habe. Llovd George bezeichnete als Programm der neuen Regierung die engere Freundschaft mit Frankreich, tr -durck aber offenbar die Ent.nie geschwächt worden sei. Ja ber Ruhrsrage uTkrde Eng l a nd, bas ein vitales Juterrfsc daran habe, nicht einmal nm seine Meinung gefragt. Schließlich spricht L!^)d George znaanst>» eines Zusammenschlicsks'der beiden liberalen-Varteien.

Marburg

Mittwolh, Den 25. M Seuert

Sos »geheim" Mflirto.

Parts, 24. Juli. Der „Newhork Hcrald" schreibt' Was diplomatische geheime Verfahren, das die ftanzösische Regierung zunächst bei den Verhandlungen «it Brüssel anwende, werde voraussichtlich verhindern.! tzäß man vor Ablauf von mindestens einem Monat itgen. enen bemerkenswerten Fortschritt zu verzeichnea haben Werde. Selbst London soll keine vollgültige Antivvrt »s seinen Entwurf erhalten, bevor das englisch- Par- ftment auseinandcrgehe. Allerdings beabsichttge Poin- («re, ein geheimes Dokument nach London zu übermitteln, tzas ans die fundamentalen Meinungsverschiedenheiten nicht eingehen, aber ausreichen werde, um die wachlrade Kritik abzuwchieu, die Frankreich zum Vorwurf macht, c3 pehe bewußt und absichtlich die Verhandlungen so lang Nie möglich in die Lände, um aus einer etwaigen Kapi- «lation Deutschlands im Ruhrgebiet innerhalb bet nach sten Wochen Kapital zu schlagen. Poincare wünsche nicht einmal sich burch mündliche Uebeinahme von Dcrvllich- bogen gegenüber Belgien zu binden, solange die Situation nicht geklärt sei.

London, 24. Juli. Der diplomatische Benchter- ßattet des „Daily Telegraph" schreibt, in britisch«! greifen sei man von der Andeutung überrascht, daß eint endgültige Antwort aus den britischen Antwoic- cnitvurf vielleicht hinausgeschoben würde Ter Irrtum, den nian begangen, indem man dem französischen Ersuchen um Geheimhaltung des Inhalts der Doku­ment« und der Verhandlungen so leicht stattgegeben b.tfc*. »erbe jetzt in weiten Kreisen cingeschtn. "Es sei aber kaum möglich, dies wieder gutzumachen Tie britijdK Regie­rung habe ihren Wunsch auf Antwort noch vor ber Pacla- «entsvettagung deutlich ausgesprochen. Brüssel seinen vegtischen Vorschlägen günstiger gesinnt als Paris und optimistischer hinsichtlich interalliierter Vcr« ubarumjen. Es bleibe abzuwarten, ob di's: Haltung den bevoist«ben° len Meinungsaustausch mit Poincare fiberi be« tot’t. Nom« sei km allgemeinen mit den britischen Zielen und Methoden einverstanden, aber enttäusch! ü'-ct das Feh­len eines Vorschlages betreffend die Berfchmeizung bet Neparattonssrage mit der bei interalliierten Schu'b n Lemgegenüber müsse wiederholt erstatt werden, daß nach einem solchen Vorschlag Amerika seine Teilnahme an ter Lösung der Krise endgültig verweigern tverae, was in­folge der günstigen Ausnahme der biitischen Vorschläge in Amerika besonders zu vermciden gewesen >i.

31t «EmMkhmdlmo im Wu-Mith.

Parts, 24. Juli. Nach einer Meldung des .Journal» wird die Revlfionsverhandlun, im Krupp-Prozeß vor dem Pattier Kasiattontz« gcrichtshof kaum vor dem 10. August statifinden kön­nen. Den Vorsitz führt Boutlloche, al« Offizial­verteidiger fungiert Eoutard. Die einzige Frage, um die es sich vor dem Kastationsgerichtshoft han­deln wird, ist die übet die Zuständigkeit de- Skttegsgetichtes», die das erste Uttetl gefällt bat. Wie das »Jontnal» schon beute andeutet, wird die Revtstonsverhandlung einen neuen Fehl­schlag für die Veyutteilten bedeuten, t>tt damit alle Rechtsmittel erschöpft baden, und deren Verurtettung damit endgültig werden wird. ES wird allgemein angenommen, daß der oberste Pariser Ge» richtsbof kein and-res Urteil fällen wird, als daS a« 22. März, wo in einer Verhandlung über ein Urteil gegen Thyssen gleichfalls die Zuständigkeit des Kriegs« gettchtes in Mainz anei'armt wurde. . Nach dem Spruch des Revtstvnsgertchtsbofes werden Krupp und seine Dtrettoren in fran zösifche Gefäng­nis f e überführt werdm.

Zur Alt I« dm btWti 6t6itl«. j

Efien, 24. Juli. Gestern vormittag wurde Landgerichtsdirektor Berend» vo» französischen Kriminalbeamten in seinem Dienst- zimmer verhaftet und nach Bredeney ab­geführt. Vor einigen Tagen waren im Land­gerichtsgebäude Erundbuchaktsn „beschlagnahmt" worden. — Die Besetzungsbehörde ordnet unter Androhung von Strafen und Beschlagnahmungen an, datz die Erlaubnisscheine für den B e r - kehr mit Fahrzeugen bis zum 31. Juli da­durch vervollständigt werden muffen, datz die Ve» sitzer auf dem Schein eintragen lassen, welche Waren sie auf ihren Gefährten befördern dürfen. Die Lebensmittelverkehrsschenre und die Schein^ die bereits genaue Warenangabe enthalten, ge­nügen auch weiterhin.

M ü n st e r, 23. Juli. Am 21. Juli nachmittags versuchten etwa 30 junge Leute aus Bochum bei Aplerbeck insbefetzteEcbiet zu gelangen. Bei einem Zusammenstotz mit französischen Grenz- Patrouillen wurden der Wjährige Wernicke und der 22jährige Caesar angeschossen und schwer ver­letzt. Vier weitere werden v^mitzt, der Rest über die Grenze entkommen.

In Westhofen bei Hagen wurde der Belage­rungszustand bis zum 29. Juli verlängert.

Duisburg, 24. Juli. Heute morgen gegen V28 Uhr fuhr ein Perfonenzug der französischen Regie zwischen den Stationen Esten und Esten-Wefl infolge falscher Weichenstellung auf einen leer« stehenden Güterzug. Drei Wagen des letzteren so­wie eine Maschine des Personenzuges wurden er­heblich beschädigt. Personen sind, soweit bekannt, nicht zu Schaden gekommen.

Der Kampf gegen die Eisenbahner.

Elberfeld, 23. Juli. Wie die Franzosen mit den Mobelnder ausgewiesenen Eisenbahner um­gehen, wird aus einem Bericht aus Bischofsheim er­sichtlich. Am 12. Juli wurden die Wohnungen der ausgewieienen Eisenbahner Zahn und Eckstein er­brochen, die Möbel herausgeholt und nach Weiter­stadt abtransportiert. Bei dem Verladen wurdch mit ben Möbeln vor den Augen der Bevölkerung br rücksich:slostester Weise umgegangen, f» datz die Tischplatten, Stühle, Spiegel, Mlder, Ge­schirr usw. in Trümmer gingen. Ein Teü der Mö­bel wurde sogar durch bie Frutzer anj bit$