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Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessejr^°^
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ür.171
1923
Gazette^
Die Unterzeichnung befl türkisch-polnischen Freund-
Pariii ,23. Juli. Hrrvö schreibt in der „Bictoire" i« der Rede Poincares, ihr Thema strrn die Berhaild- lungcn der englischen Alliierten gew'sen Tausend Mal. ja hunderttausend Mal habe Frankreich in ser Ruhr« und Neparatiousftrge gegen die Engländer Recht, aber gerade deshalb, weil Frankreich .eine Binde vor den Lugen trage und weil es den Abgrund sehe, in oen der vollständige Bruch der englischen 'Allianz Europa stürzen würde, müsse es im gegenwärtigen ?l g i.blick s ine Bitterkeit hinunterschlucken.
London, 23. Juli. Gestern wurde in London eine Konferenz abgehalten, die von dem Büro 6er sozialistischen Internationale einberufen -worden toar, um die internationale Lage und die von den Parteien her einzelnen Länder eingenommenen Standpunkte zu erörtern. Tie Konferenz beschloß im Hinblick auf den gegenwärtig im Gang befindlichen Austausch von Noten und Ansichten zwischen den alliierten Regierungen usw., das englische Unicrhausmitglied Shaw zu ersuchen, sich nach d-'M Ruhrgebiet zu begeben und nach seiner Rückkehr zu berichten, welche Schritte getan tverden könnten, nm zu einer befriedigenden Lösung des Problems zu gelangen.
Di« «Oberhessilche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 20000 Mk. mit Zuftellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Treigniü« kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Sitzerath. — Druck de: Unio^Buchdruckerri von Job. Tug. Koch. Markt 21/23. — Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Die AlWmg gor hem e^Wen Mrhm.
London, 23. Juli. Im Unterhause brachte heute nachmittag der Arbeiterführer Ramsay Macdonald unter lautem Beifall seiner Parteifreund: eine Entschließung zu Gunsten der Abrüstung ein. Diese hesaar, das Unterhaus beklage die riesigen Ausgaben für die Streitkräfte zur See »u nd in der Lust und andere militärische Vorbereitungen, die wieder den Beginn des Rüstungs- Wettbewerbs bedeuteten und Mittel verbrauchten, die für Unterricht, Gesundheitswesen und ähnliche soziale und humane Zwecke verwendet weichen sollten. Sie erinnert an die Versprechungen politischer Führer und an di- Erwartung der Nation, daß der Weltkrieg der letzte Krieg sein sollte. Die Entschließung fordert die Regierung auf, unverzüglich Schritte zu tun, um eine internationale Konferenz einzuberufen, damit diese ein Programm nationaler Sicherheiten erwäge, das von der Grundlage auszn- gehen hätte, daß der Friede und die Freiheit der kleinen und großen Nationen nur durch Abrüstung gesichert werten könne. Maedonalü erklärte in seiner Begründung, es sei tief beklagenswert, daß die Ausgaben, die ber Vorbereitung des nächsten Krieges dienten, so riesenhaften Umfang angeiwmmen hätten. Je mehr eine Nation für Verteidigungszwecke ausgebe, umsomehr vernachlässige sie die moralischen und sozialen Pflichtnr. 1914/15 hätten politische Führer zum Eintritt in das Heer aufgefordert, um mit den Kriegen ein Ende zu mache». Macdonald fragt, ob dieses Versprechen nicht eingehalten loeroen solle. '
breite berechnet. Reklamen der Zeilenmillimeter 2500 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt Belege werden berechnet. Bei Auskunft durch die Eefchäftsst. und Vermittlung der Angebote 1000 M. bei Nedersendung durch une 2000.— Mk. ohne Porto.
3nt Mk Wmrk.
Englische Wahrheiten.
London, 23. Juli. Die „Westminster
■ entlassen. Auch di«
<■ - als sonst beendet.
Marburg
Dienstag, im 24. zuli
Heuert
In Stithen oon üinlaniie.
Lausanne, 23. Juli. Die jugoslawische Delegation hat eS abgelehnt, den Frtedensvertrag zu unterzeichnen, weil die finanzielle Verpflichtung von Ihr in der Klausel über die Verteilung der ottomanni- sck'en Schuld nicht anerkannt wird. AuS demselben Grunde hat Jugoslawien bereits die Unterzeichnung des FriedenSverirages von SevreS verweigert.
Der Friedensvertrag, der am Dienstag nachmittag in Lausanne zur Unterzeichnung gelangt, wird daher mir die Unterschrift, Englands, Frankreichs, Italiens, Japans, Rumäniens und der Türket tragen.
Außerdem gelangen zur Unterzeichnung vier Sonderabkommen, und zwar: 1. das Meerengenabkommen, das alle Signatarnrächts des FriedensvertrageS, Bulgarien und außerdem später in Konstantinopel Rußland unterzeichnen: 2. das Abkommen über die thrazische Grenze, daS die Unterschriften der Sig- natarmächte, Italiens und Bulgariens trägt; 3. das Abkommen über das Ntederlassnngsrecht und die gerichtliche Zuständigkeit, das von den Signatarmächten unterzeickmei wird; 4. das Handelsabkommen.
Lausanne, 23. Juli. Der schweizer Bundespräsident Scheuerer und die Bundesräte Schulth es und Müsh trafen heute nachmittag in Lausanne ein. Sie geben heute abend zu Ehren der Konferenz ein Bankett, an dem alle Delegationen tetlnehmen werden.
Lausanne, 23. Juli. Die Unterzeichnung des Lausanner FriedenSvertrags findet morgen nachmittag 3 Uhr in der Aula der Lausanner Universt- tät statt. Bundespräsident Scheuerer wird die Schluß« ansprache halten. Die Bevollmächtigten selbst werden vorauSstchllich nicht das Wort ergreifen, fodaß auch die rumänischen und jugoslawischen Vertretet auf ihre angekündigten Erflärungen bezw. Vorbehalte verzichten müffelt. Die rumänische Delegation hat infolgedessen die Rede, die ihr Vertteter halten wollte, der Presse übergeben.
gen durch die Inflation vom Leib« zu halten, tst int Begriff, sich bitter zu rächen. Me Kräfte, die zlt einem wirtschaftlichen unjd sozialen Konflikt dringen, werden vielleicht bald ihre Stunde für gekommen erachten, Wenn der wirtschaftliche Zusammenbruch' dn* tritt. Es bleibt nur wenig Zeit flSrifl. um sich Gehör zu verschaffen, und diese kurze Zeit muß mit aller Kraft benutzt werden, damit nicht das ChaoS von Mitteleuropa sich nach allen Seiten, verbreitet. Der deutschen Politik ist ein erheblicher Teil der Schuld füg diesen Zustand beizumessertz aber man darf nicht verkennen^ daß die Alliierten keineswegs In dem Sinne gehandelt halben, der geeignet wäre, eine kluge Staats« kunst in Deutschland zu fördern." '! '
In der Tat ist Gefahr im Verzug. Eine Gefahr die wir aber auch in Deutschland richtig und rechtzeitig scheu, erkennfm und abhalten helfen sollten«' Die Breslauer Vorgänge die Unruheerscheinfungen <rt vielen anderen Orten, die mit der rasend sich fortsei- zenden Teuerung in Zusammenhang stehen, die Hilfe« und Tatenlosigkeit der Regierung gegenüber all be* Erscheinungen im Wirtschaftsleben züchten die gefährliche Stimmung, die den Gewaltpolitikerik boK rechts und link», die sich ohnfchin in größtem Mißi« trauen gegenüber stehen^ seh« wohl erwünschten Anlaß für ihre „Aktivität" geben könnten. ES hat sich noch allemal gerächt, Wenns man sich sochen Eutwick-, lungeu gegenüber lÜind und taub stellt» , 5 *>.. i
»Idiot Stiaonllraliontn li grantiutt
Staatsanwalt Haas erschlagen.
berg zu.
Auf dem Römerberg, der bis In» letzte Winkel« chen von Menfchenmasfen überfüllt war, spräche« von verschiedenen erhöhten Stellen aus Redner zu der Menge. Rach der Demonstration formierten sich die Masten zu einem endlos langen Zuge, der sich vom Römerberg durch die Weißfrauen» und Kronprinzenstraße nach dem Bahnhofsplatz bewegt« und sich hier in zwei Züge auflöfte, von denen einer durch die Kaiserstraße, Gallus» und Taunusanlag« und der andere durch die Taunusstraße sich bewegt«, um sich auf dem Opernplatz zu einer neuen De« monstration zu vereinen und dann aufzulösen.
Während die Masten bis zur Kundgebung auf dem Römerberg Ordnung bewahrt««, km» es bei tzeW späteren Umzug« zu grob«»
Londo n, 23. Juli. Wie der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" erfährt, beabsichtigen die Nationalliberalen am Donnerstag bi: grast derRuhrbesetzung und der dadurch verursachten >Ser« wirrung des Handels an Unterhaus zur Sprache zu bringen. Me Regierung wünsche, daß die ReparationSdebatre bis zur nächsten Woche verschoben werde, da man dann im Besitze der Auffassungen der verschiedenen alliierten Regierungen über b* Antwort eti dxHpchche Note sein werde, - ' •1 "x~~Psz\
St'ahk Im «rrm!
Während in Deutschland die verschiedensten politischen Kräfte am Werke sind, um den wahren Zustand zu vertuschen, währens) die Reichsregierung sich öffentlich darüber vwwundernl zu müssm glaubt, mit welcher Kaltblütigkeit rechts und links die Möglichkeit eines Bürgerkriegs ttör ert wird — obwohl sie mit derselben und sicherlich diesmal una 'grbrachen Kaltblütigkeit, die wirklich drohende Gefahr abzustreiten, sich bemüht — gibt man im Ausland«^ vor Allem in England der gegenwärtigen deutschen Lage die ernsteste Bedeutung. TS sind jetzt enfglische Pvessestimmen laip geworden, die offenbar auf vertrauliche Spezialgerüchte sich gründen unk> die den schwersten Befürchtungen über die kommende Entwicklung in Deutschland rückhaltlos Ausdruck geben.
Diese englische Betrachtung der Dinye ist b*- merkensioert just in dem Augeichlich in welchem Poin- care von dem unangetasteten deutschen Wohlstand spricht, unter dem Hinweis, daß in1 Deutschland di- Schornsteine Noch rauchen, die sich ein Schuldner bezahlt machen Nwllte, von einem Deutschland, das nicht mehr arbeiten koiutte^ dessen Schornsteine nicht mehr rauchen, ist ein Geheimnis Poincarescher Staals'unst. In der Ta: ist cb.r die g«g n vär güLcg 'Deutssl"nds geradezu zum Verzweifeln. Die Londoner „Times" hat ganz recht, wenn sie erklärt, daß der Zustand Deutschlands j«L»er Beschreibung spotte. Die gesamte Bevölkerung lebe von Tag zu! Tag von dec Hand in den Mund voll Angst, was der nächste Tag bringe. Und öS heißt dann weiter: „Die Regierung bestndet sich in einem Zustand völliger Lcchmuntz: sie verwaltet nach dem Gesche der Trägheit und ist unfähig, irgendwelche großzügigen Entscheidungen zu treffen. Die Parteien im Reichstag benutzen afl ihre Kräfte dazu, sich gegen- fettig in Schach zu halten. Der fBerfufo jich alle S«-,
Sie emlW Siete.
r London, 23. Juli. Der diplomatische Berichtermatter des „Daily Telegraph" stellt fest, daß die Empfänger der britischen Note von englischer Seite autge« »ordert wurden, strenges Stillschweigen über Ken Inhalt zu be wahren, und daß diese Auf- s^derung auf Ersuchen Poincares erfolgt sei. Der Be mchterstatter bemerkt hierzu: Da es sich um eine Sache llwn größter Dringlichkeit handele und bte Stärke des Kritischen Standpunktes vor allem in d-m moralischen Appell an die Wett liege, sei es zweifelhaft, ob eine Rückkehr zu den alten Methoden llug und zweckmäßig sei. I Vieser Zweifel herrsche sogar bei den britischen Minister!' und Diplomaten vor unb werde voraussichtlich im Laufe der Woche seinen Widerhall im Unterhaus finden.
Paris, 24. Juli. Havas teilt mit, daß gestern vormittag am Quai d'Orsay eine Konferenz zur Prüfung der englischen Dokumente stattgefunden Kat. Außer Dem Ministerpräsidenten haben ihr beigewohnt der Direttor im Ministerium der anSwärtig-n Angelegenheiten und der stellvertretende Direktor der Abteilung des Außenministeriums für Handelsbeziehung tzen. Havas fügt hinzu, eS werde unbedingtes Stillschweigen über den Verlauf der Konferenz bewahrt. Es liege «Her Grund zu der Annahme vor, daß Poincar§ der Brüffeler Regierung auf dem gewöhnlichen Wege seine Ansichten mitteilen werde. Die beiden Regierungen würden sich bann über die zu erteilende Antwort einigen Der ursprünglich für Donnerstag vorg-sehrne Ministerrat werde bereits heute stattsinden, um Poincarö Gelegenheit zu geben, die Minister von den englischen Dokumenten «nd seinen Ansichten darüber in K nntifis zu fetzen
Endlich di« Wahrheit!
London, 23. Zuli. Lord Cecil sagte in einer Rebe bei einer politischen Veranstaltung, di« Haupt- schwäche des internationalen England sei, daß es «inen Vertrauensbruch begangen habe durch den F^iebensschlMß mit Deutschland auf Grund oon Bedingungen, die sich nicht an die 14 Punkte Wilsons hielten. Es sei zu erwarten, daß der Anspruch auf Ersatz der Pensionen für die Soldaten nicht «nfrechtcvhalteu werde. Lloyd Georg« hab« kürz- sich aus sonderbar« Weise versucht» dies« Forderung |u rechtfertigen, aber tatsächlich sei sie garnicht zu »erteibigen.
Auf später verschieben!
Paris, 23. Juli. „Er« Nouvelle" schreibt in tiner Besprechung der englischen Note, aus Brüssel treffe dis Nachricht ein, daß man in Paris entschlossen scheine, auf die belgische Anregung einzu- gehen, welche die Festsetzung bet beutschen Schuld auf viel später verschiebe und für den Augenblick nvr ein System von ziemlich niedrig bemessenen Annuitäten Junten«, daß t die franzö- stk.ßlNl Reparationen, 2 die Begleichung der englischen Schu d an Amerika und 3. die belgischen Reparationen und bte Entschädigung an Italien gewährleisten wolle. Das Blatt glaubt zu roifien, daß Bcin.ar6 sich schließltth mit einer Herabsetzung des französisihen Anteils rcn 30 auf 26 Milliarden einverstanden erklären werde.
Die französischen Einwände.
1 London, 23. Zuli. Zu der Frage bei in den englischen Dokumenten vorgenommenen Aenderun- ge.r schreibt der Berichterstatter des „Daily Telegraph": Zweifellos würden di« Franzosen zu- gestehen müssen, daß Großbritannien ihm ein gutes Stück Wegs entgegengekommen fei. Nachrichten aus Pariser Kreisen besagten, daß man den verbindlichen Ton der britischen Note anerkenne, aber ht ihr keinen wesentlichen Fortschritt erblicke. Poincar6 werde auf keinen Fall in durchaus negativem Sinne antworten, um England die Möglichkeit zur Veröffentlichmng bet Vorschläge und damit zu einem moralischen Aufruf an die Welt zu geben. Die Haupieinwendung Frankreichs sei, abgesehen von der Ruhrbesetzung und der Frage des passiven Widerstandes, vorläufig folgende: Die Franzosen verlangten, daß an der geplanten Sach» verständlgen-Konferenz nur allierte oder amerikanische Sachverständige teilnehmen und daß diese an die Reparationskom- misston berichten sollten. Die Franzosen erhoben weiter Einwendungen dagegen, daß die K o m - Mission Deutschlands Zahlungsfähigkeit fest stellen solle. Ferner wolle Frankreich, daß Großbritannien sich in den verschiedenen wirtschaftlichen »nd militärischen Körperschaften, die die örtlichen Pfänder untersuchten, jaltic oder durch Beobachter vertreten .lasse. Endlich hielten die Franzosen an dem .Unveränderlichen Minimum, an A» und ,P-Bons für Frankreich fest unb feien dafür, daß ;He Frage der 6-Bons und der alliierten Schulden t«n Großbritannien und Amerika für eine Periode »om mindestens 20 Zähre« aufgescho- »ctben sollte. --------- - -- "
findet die Rede P o i n c a r 6 S in Villers-Cottercts viel gemäßigter im Ton als die vor acht Tagen von ihm gehaltene. Sie zeig« aber, daß Poincare noch immer nicht bereit fei, die einfachen logischen Zusammenhänge im Reparationsvrob- lern zu erkennen. Seine Bemerkungen über die Machtstellung der Industriellen in Deutschland seien in gewissem Grade zutreffend, die Verantwortlichkeit für diesen Zustand falle aber in hohem Maße auf Sie Alliierten, diedur ch ihre unmöglichen Forderung en daS deutsche Finanzsystem gebrochen, den Wert der Mark zerstört, die deutsch« Regierung vor eine unmögliche Aufgabe gestellt und Teile der deutschen Bevölkerung ruiniert hüt- ten, die von festem Einkommen abhängig seien. Was Poincares Besorgnis vor der wirtschaftlrchen Erstarkung Deutschlands betreffe, so müsse gesagt werden, daß Deutschland, selbst wenn eS auch nur 40 Milliarden GoDmark zahlen sollte, eine Summe, die Poincare wahrscheinlich lächerlich gering finden würde dazu nur im Stande sein würde, wenn es tatsächlich au$ industriellem Gebiete sehr erstarke. Selbst wenn Poin- care eine Politik zu verfolgen beabsichtige, die seine Alliierten nicht unterstützen könnten, werde er doch vor der Wahl stehen, entweder Deutschlands industrielle Lage zu ruinieren und auf Reparationen zu verzichren oder letztere zn erhalten und Deutschlaich erstarke» zu lassen
London, 23. Juli. Zur gestrigen Rede Poincares bemerkt die „Daily News", sie zeige keine Neigung zum Nachg.'ben. W-nn Poincare erkläre, eS sei nicht zu dulden, daß Deutschland Geld ausgebe, um Fabriken zu bauen, Eisenbahnen zu reparieren und Kanäle zu verbessern, so sei zu bemerken, daß dirrch solche Maßnahnren die deutsche Zahlungsrähigkeir gesteigert toerOe. Für die Eng linder sei es unbegreiflich, daß die Franzosen die Auffassung vertreten, eine Wiederherstellung deutscher Jnoustrien sei nicht zu dulden.
Zu einer Kundgebung gegen den Wucher, den Kapitalismus unb Faschismus riefen seit Tagen knallgelbe Aufrufe an den Anschlagsäulen auf. Als Veranstalter zeichneten die sozialdemokratische unb kommunistische Partei Groß« Frankfurts. Die Demonstration sollte Montag nachmittag um 4 Uhr auf dem Römerberg vor sich gehen und war, wie die Anschläge ausdrücklich her« ■ vorhoben, als „Auftakt" gedacht. Um unliebsame Ueberraschungen usw. zu vermeiden,' hatten die meisten Geschüf;* schon am frühen Nach« nd Büros geschlossen
Einer Meldung der „Bossischen Zdtung" zufolge Ttntrbe bei Besprechungen im Oberpräfidium, die zwischen den Vertretern dps Hand'ß^ bet fytbeMe "iM bet Arbeitnehmer stattfandertz die Gründung d«r Rotgemdnschaft beschlossen, die insbesondere daraus hinwirken soll, daß bei allen Auseinandersetzungen zwischen der Arbeitgeber- und Arküeitnlehmerschaft Gewaltmittel, wie die letzten in der Metcklliftdustrie erfolgten Aussperrungent vermieden werden sollen, um nicht die außerordentlich« Erregung der Massen!^ noch jü steigern. ' \ ' I
Zu be« Unruhen l« Breslau.
BreSlau, 23. Juli. Den „Breslauer Neueste« Nachrichten" zufolge hat dn Versicherungsbeamter in einer im Oberpräsidium ab gehaltenen Versammlung! von Arbeitgebern sestgestellt, daß die Geschäftsinhaber durch die Tumulte einen Schaden von 700 Milli« arbeit erlitten haben. Amtlich wird nunmehr festge« stellt, daß am Freitag und in der Stacht zum SamStagj 109 Geschäfte geplündert wurden, und zwar befindet sich die weitaus größere ZaM in den Hächen von Christen, fobajj die Vermutungen! verschiedener Zeitungen daß W Tumntte durch bi« Antisemiten cmtzezettkttz; worden sind, hinfällig ist. '.i ’i. j
Berlin, 23. Juli. Wie die „Monickgspost" meldet kam es am Sonnabend auch in Gleiwitz, ähnlich wie dl Breslau, zu Unruhen, die aber keinen ernsteren Umfanfl annahmen. Die Bevölkerung zwang einige Lebensmittels geschafte, Zwangsverkäutz zu herabgesetzten Preisen vor» zunehmen. Donk dem Emgreifen der Schutzpolizei war btt Ordnung bald wieder hergesteltt.
Lausanne, 23. Jutt. Die türktsch-porni- schen Verträge etn Freundschaftsvertrag, ein Niederlassung-Vertrag und etit Handelsabkommen, wurden heute um 12 Uhr mittags unterzeichnet. Die Türkei war ver- treten durch Ismet Pascha, Riza Nuri »eh und Hassan Bev, Polen durch den Gesandte« in Berlin Aiodzelewstt, LegationSrat LadoS und Ministerial- direttor Tannebaum. Der erste polnische Bevollmüch- tiate Modzelewstt und der erst« türkische Bevollmächtigte Ismet Pascha hielten kurze Ansprachen, in denen sie sich zu der Wiederaufnahme des tradittonellen ttirkisch-polnischen Freundschaftsverhältnisses beglückwünschten und die Hoffltung auf rege wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern aus- drückten.
England und die Türke».
Parts, 23. Juli. Nach einer Meldung der ^Chicago Tribüne" aus Konstantinopel haben die Engländer auf Grund von Nachrichten, daß die Türken beabsichtigten, nach dem Abmarsch der alliierten Truppen ans Konstantinopel Repressalien gegen diejetttgen Ausländer und anderen Personen zu ergreifen, die den Besatzungstrnpven Vorschub geleistet hätten, eine Untersuchung ein geleitet, mit dem Ergebnis, vag die türkische Polizei sich verpflichtete, alle Vorsickftsmatznahmen zu ergreifen, um Ausschreitungen derartiger Art zu verhindern.
mittag ihre Verkaufs^.::' unb vielfach bi« Angcst? Eetreibebörse würbe zeitig Gegen 4 Uhr strömten aus allen Stabtteilen di« Belegschaften der großen Wecke in langen Zügen, in denen die schon von früheren Deranstaltungetr. bekannten Placatc lititgeftchrt wurden, dem Römer«