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berhMche Leitung

Zweites Blatt

Nr. 169

Sonnabend, 21. Juli 1923

MWWe WMMMt.

Bon unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeit-r. t Der Kampf um die Wertbeständigkeit der Löhne scheint tt einem Erfolge der Arbeitnehmer in dem entscheidenden Punkte, nämlich der kurzfristigen Anpassung der Löhne Und Gehälter an die Teuerung auszugehen. Am weitesten Kbit Verhandlungen im Bergbau vorgeschritten. Nach-

soeben für die Woche vom 17. bis zum 22 Juli eine Lohnerhöhung um 40 Prozent und für die Woche vom 83. bis zum 31. Juli eine weitere Lohnerhöhung von ßO Pwzent bewilligt worden ist, soll in nächster Woche eine Immission von Arbeitnehmer« und Arbeitgebervertre« jtrn besondere Richtlinien füt die Einführung des wcrl« heständigen Lohns im Berglxru ausarbeiten. Man rechnet ßereits mit Bestimmtheit darauf, daß vom 1. August gn die automatische Lohnregelung nach den Indexzahlen tzn Kohlenbergbau Geltung haben wird. Bon da ans sott das neue Lohnsystem sehr bald in alle anderen Berufe und Industriezweige eindringen. Die freien Gewerk­schaften, die die Verwirklichung der Wertbeständigkeit ouf tzr Programm gesetzt haben, werden dann sicherlich nicht eher ruhen, als bis sie auch dieses Prinzip überau durebgedrückt haben werden.

Aber auch wenn di? w?libe^nd'gen Löbne nicht sofort fn allen Jndustrieen siegreich aus den Verhandlungen hervorgehen, so wird doch ihre Durchführung im Berg­bau ungeheuren Einfluß aus die ganze deutsche Volkswirt- schakt ausüben Schon die zum Ausgleich der oben er­wähnten Lohnerhöhungen beschlossene Kohlenvreisverteue- kung um 63 Prozent für die Zeit vom 17. bis zum 31 Juli wird bas allgemeine Preisniveau in recht ungünstiger Weise beeinflussen. Wir werden Preissteigerungen er­leben, die an Intensität und Plötzlichkeit all« früheren Übertreffen dürsten. Nirgends ist zur Zeit auch nur her tteinste Schimmer einer Hoffnung aus einen Still­stand der Preisbewegung nach oben zu erblicken. Es dar' mich nicht übersehen werden, daß das heutige System der Devisenrepartiernng. auf Grund dessen die Jmportindu- strien nur einige Prozent ihres Devisenbedarfs von der MeickSbank ereilten können, außerordentlich preisver­teuernd wirkt. Am deutlichsten merkt man das auf hem Getrridemarkt, wo infolge der erzwungenen Knapp­heit drr Einfuhr, die inländischen Getreidevorr.'!^ einen Preis erreichen, der von den Massen der Bevölkerung Nicht mehr getrogen werden kann.

Man kann wohl überhaupt seststcllen, daß di« -wette Plorkstützungsaktion sich als ein Fehlschlag erwi'sen hat. Sie hat einen Doppelkur- des Tollarstandes ergeben Während es gelungen ist, den Berliner Dollarkurs ver- hältnismäkig niedrig zu halten, hat die Mark in N w- tzork. in Danzig und an den anderen inwrnationalen Börsenplätzen einen weieren Sturz erfahren, sodaß ihr jetziger Stand einem Dollar'urs von 250000 und no<Jr «ehr entspricht. Höchst bedenklich aber ist es, daß ot? deutsche Wirtschaft sich in ihrer Preiskalkul-ition nack diesem internationalen Tollarstande zu richten beginnt «ud die amtlichen deutsch n Kurse unbeachtet läßt. Mar Gegründet bas damit, baß zu dreien Kurs-n Devisen nickt in ausreichender Meng" von der Reichsbank zu er­halten seien. Tatsächlich hob n bei den Devis nzut tlurgen der Reichsbank meistens nur Repartierungen zu 2 ob«? st Prozent stattftnden können Es wird Ausgabe de' Reichsbank sein, dafür Sorge zu tragen daß n-enigü«^ kt Devisenansord'rungen des Lebensm tt l-Jmoorthande's in höherem Blaße als bisher befriedigt werden, denn sonst besteht die Gefahr, daß z. B. die Bratpreise über den ßpelt'.narktprcis hinaussteigen. Neberhaupt haben die Prcis«rl'öhm>gen in Deuiichmnd einen Grad erreicht, de- p» einer Gefährdung unserer ErportmögHchle-t-n süh-en Muß, wenn die Trug.' sch so weiter entw'ckel«. Au' Grund der den Brrgarb^it-rn zugeuandenen Lobnerhöhrn- Wen sind die Kohlenpreise für Oie Zeil vom 17 Jul' al wiederum um 63 Prozent gesteigert worden. Das muß euf das allgemeine Preisniveau aufs neue stark verteuernd rinwirken. Das Tempo der Prllbew a -us ist neuerdings ju Deutschland ein so rapides geworden voß bn fern ewgie» Wettlauf zwischen Preisen uno Löhnen scklü ß'ich der Zeitpunkt erreicht werden muß wo der Ervort uno damit auch dir Produktion zum Stillstand kommt. Denn die durch die Lohnerhöhungen gesteigerte Kauikrast der Bevölkerung kann die Einbuße von der Warenansfnh' tton deshalb ntdjt ersetzen, weil je höher die Löhne Vettern, desto höher auch die Preise emporgetriebcii w»saer;«eaee«eeeBsseeBtaaeeeBeeeeoe>

(Nachdruck verboten.)

Gerda Gerovius.

Roman von Ada von Dersdorfs

32. Fortsetzung.

Erlesen und nachgedacht habe ich nun genug", sagte er,jetzt möchte ich micy lieber unterhalten."

Ach du lieber Gott . dachte sie bange,ich kenne seine Art der Unterhaltung . . und nahm eine Zigarette, um, von den blauen Rauchmolken verschleiert, wenigstens ein bischen Haltung be­wahren zu können.

Warum rauchen Cie eigentlich?" fragte er. ^Vergnügen macht es Ihnen doch nicht, denn Eie wachen es sehr ungewandt. Ich glaube, Eie tun es Wut mit zur Gesellschaft."

Diese Bemerkung gefiel ihr gar nicht. Eie warf ihm ganz offen einen finsteren Blick zu und rauchte schweigend weiter.

Na was ist nun wieder?" fragte er.Eie »ehmen mir in letzter Zeit verwünscht viel übel, Leber Gehring."

Cie fuhr mit der Hand über die Stirn, als schmerze sie die und sagte in etwas müdem Tone:

Bitte, Herr Baron, legen Sie nicht alles, was ich jetzt manchmal tue oder sage auf die Gold- vage. Ich bin ein sehr menschlicher Mensch und habe jetzt eben sehr viel Sorgen. Aber die Haupt- stlche ist mir immer, meine Pflicht im Dienst meines Derrn zu erfüllen und darüber machen Sie mir ja auch keine Borwürfe. Wenn ich unsympathische 'Eigenheiten habe, so wollen Sie sie entschuldigen, hitte."

' Er reichte ihr die Hand.

sind böse wegen heute morgen, lieber hring. Ich war wohl etwas schroff und rück- tslos und bin etwas nervös geworden durch

werden, sodaß die inländisch« Bevölkerung auch mit noch so hohen Löhnen schließlich doch nicht mehr kaufen kann als vorher.

Die wöchentliche Veröffentlichung der Rcicksinderzifsrrn Mr di: Lebenshaltung zeigen uns jetzt ein ziemlich klares Bild der Jnilations-Hoch'lut. in der unsere Wirtschaft zu ertrinken droht. In der dritten Juliwoche ist der Index auf das 28 892facke gestiegen Innerhalb eine? Zeitraumes von 5 Taq-n betrug kie Steigerung 34,3 Pro­zent. Ein Entwertung-Prozeß von diesem ungeheuren Ausmaß ist bisher nur in Sowjet-Rußland beobachtet worden. Ein Warnnngssignal, wie sehr wir uns mit Riesenschritten dem völligen Zusammenbruch unserer Wäh­rung nähern! i

---*---

Aich 100 Millkdn Mldn.

Unsere traurige Finanzlage wird wieder kraß beleuchte durch den neuen vom Reichsfinanzministerium soeben ausgeqebenen Nachweis üler die Geldbewegung auf der Reichshauptkasse vom 1.10. Juli Auch diese Ziffern sind naturgemäß inzwischen überholt. Aus der Ueber- sickt ergibt sich, daß die sckwbende Schuld in diesen 10 Tagen um über sechsBillionen zngenommen hat. Wir macken also täglich mehr als 600 Mil­liarden Mark Schulden. Tas sind pro Kopf der Bevölkerung pro Tag 100 000 Mark Schulden.

Ganz besonders nstderdrückend wird aber das Bild, wenn man sich das Verhältnis der Einnahmen zu den Ausaab-N betnacht-t Schon aus dem letzten Ausweis ergab sich, daß die Ausg^b-n des Reiches nur mit 2 Proz. der Einnahmen gedeckt waren. Ans dem neuen Ausweis ergckt sich eine geringfügig-» Besserung. Das Deckunas­verhältnis beträgt jetzt 4 Prozent. Wenn nach dem letzten Ausweis 50 Mark Schufen nur «ine einzige Mark an Steuer«ingang geoenü^erstand so s'nd es jetzt immer noch 25 Mars, die einer einzig n Mark an Sreuereingang geo«n überstehen.

Die ung«b-ure, um nicht zu sagen erschütternd' Zu­nahme der schwebenden SAttfhtn in den letzten Tagen um nicht weniger als 6 Bitt-on-u wira omttich'rsäts be­gründet mit der B-r-ttfellunq der zur Aus;ah!ung bei Vierteljahrs- und Mouatsh'z'g sowie der für Juli be­willigten erhöt-t'N Teu«runas^ezüa: an di- Reichs-, Staats- und Gemeind b'di«n''rten, sowi' di- Penfionä," unh sonstigen Fürsor-->eber?ch<iaten erforderlichen Mitt«', denen die Steuereinnahmen noÄ nicht entsprechend fol­gen. Ferner mit d-n erhöhten Auswendiiüg'n für die Reichsbahn au? Anloß der erwä^nt-n B'sold-'ngszah'un- gen denen intola« her Rubrokt-on entivrechende Ein­nahmen nickt gegerübersteben und euolich mit dem er­höhten Geldbedarf für bi« A'LwrÜbungen in Ausführung des Fned-nsv-rtrng-s und zur Abwehr, der durch den Einbruch in das Rvbrg-4'iet hervorgerusenrn wirtschaft­lichen Sckäden.

Der Gesamtbetrag der sckw tt'n^en Schuld-n beläuft sich jetzt auf nickt we' ig'r als 30 Billwn n. also 30 0^0 MMiarden Mark! ®:r sind dam'i? von dem Zeitalter der Mttl-arden in Hr Evock« der Bttstonen ckfttvfrg-ftd- men und wir haben ta dieser Hinsicht bi» österreichische!» Verhältnisse sckon w-'it f-\nt«r uns. u-s f'"-e<i'n uns schon auf den rittft'chev Dahnen

Mor um und llnmeutiio.

Marburg, 21. Juli (Heuert).

Akademischer Gottesdienst findet Sonn­tag früh 11 Uhr im Micke lchen starr.

* Für unsere Kinder. Am mrrgig n Sonntag an dem wegen der verschied nen Ve»anstal irmen hier i: großer Verkehr zu erwarten ist, ftndet zum Besten de? Kinderwaldheims ein Blnm«ntag statt. Ti Unterstütz­ung dieses gemeinnützigen Unternehmens ist jedknjallls zu empfehlen.

* Früher Herbst? In oi fern Jahre blüht die glock-nrftsrmige Erika schon jetzt au! den Heiden Im allge­meinen sagt man, daß er einen frühen Herbst bedeutet liienn dos Heidekraut schon Anfang Juli blüht- Wir haben kaum etwas vom Frühling und Sommer gemerkt und nun spricht man schon roieöer von einem frühen Herbst.

diese Krankheit und durch anderes noch. Ich habe bis jetzt nich darüber zu Jhnen^ gesprochen.. aber ich mochte es eigentlich tun. Ich halte viel von Ihnen und schenke Ihnen mehr Vertrauen als Sie Nir . schloß er bedeutungsvoll.

Sic haben recht . .", sagte sie leise und ver­mied sein Auge, das sie forschend auf sich ruhen fühlte.Aber ich darf mein volles Vertrauen was meine Vergangenheit, meine Herkunft betrifft. Ihnen nicht schenken noch nicht. Aber immer, das dürfen Sie glauben, bin ich des Ihrigen wert und werde es bleiben."

Er nickte ein paarmal, stützte den Kopf in die Hand und sagte langsam, ernst zu ihr hinüber- schend:

Ich bin im Begriff, mich zu verloben."

Sie hatte nicht gerade das, aber doch Aehnliches erwartet, jedenfalls eine jener Unterhaltungen, die sic so peiuvoll berührten und ihre Selbstbeherr­schung, ihre Kaltblütigkeit forderten, und war auf eine Art Bericht über ein Herzenserlebnis seiner­seits gefotzt gewesen. . . .

Nach einer kurzen Pause, in der fein Zug in ihrem Gesicht sich veränderte, sagte sie ruhig:

Das habe ich beinahe erwartet, ich habe sogar schon gewünscht, daß Sie ein Familienleben hätten. Ich war selbst daran gewöhnt . . ich habe es sehr vermißt . ."

Sie sah auf, weil er sie nicht unterbrochen hatte und auch jetzt nichts sagte. Eie hatte in Absätzen gesprochen und es war zwischen ihnen still geworden

Sie begegnete seinem Blick und es lag etwas darin, was sie nicht zu deuten wußte, denn Trau­rigkeit konnte «s wicht sein. Es war doch jedenfalls die Dame, von der er den Brief da erhalten, den seine Hnad vorher an sein Herz drückte, an die er damals denGlücksklee" geschickt hatte. Er mutzte sie lieben .. . Es stand doch wohl nichts mehr da»

* Protest-Versammlung. Eine sehr zahl, reich besucht« Versammlung der Täbakwarenhänoler, Gastwirte und Kolonialwarenhändler aus Stadt und Land, welche gestern in den späten Nachmittagsstunden im Haus Frstdhof stattfand, beschäftigte sich in aus­führlicher Wnse mit den Steuerverhältnisfen im Tabak- gewerb-. Auf der Tagesordnung standen die Stel­lungnahme zur Erh bung von Zusatzsteuer auf Tabak­fabrikate und dem Vorgchen der Fahndungsbeamten, sowie Festsetzung eines Termins, ab welchem die Be­zahlung jeder Z.-Steuer auf Tabakfabrikate von der in Frage kommenden Händlerschaft abgelehnt würde. Herr Kaufmann Arnemann, welcher die Versammlungftleitete. verband mit seinen Begrüßungsworten einen Hinweis auf die Verhältnisse^ tote sie sich während und nach dem Kriege entwickelt und schloß damit, dah die Re­gierung verpflichtet sei, in Hinsicht der Steuererhebung alle Bürger und Ertoerbsstände gleichmäßig zu be­handeln. Im Abschluß erstattete Herr Kaufmann Biermann ein ausführliches Referat übser den Handel mit Tabaker-e"gnissen und schilderte, wie die steuer- geschlichen Bestimmungen g'eignet seien, einen früher blühenden Zweig unseres Wirtschaftslebens an den Rand des Rums zu bringen. Selbstverständlich meine er nur den legitimen Handel. Das Tabaksteuergesetz vom 12. September 1919, das am 1. April 1920 in Kraft ge'rmm sei, zeitige solche Nachwirkungen, be­sonders bezüglich der Zusatzsteuer, daß die schlimmsten Verbältnifs« Mob g-efen dürften. An der Hand zif­fernmäßiger Darlegungen zeigte er auch, welche Steuer- summen bet der Nachbesteuerung und bei dem Verkauf der Erzeugnisse, die mit wertvollerem Geld bezahlt und auch bereits genügend besteuert worden seien, nackträglick noch einmal b zahlt werden müßten. Der Verkäufer sei gezwungen, mit seinem Vermög'» Raub­bau zu treiben, weil er die Mengen gar nicht wieder einkmifen könfte. Er schilderte wich wie leicht ein Händler bn dem Verkauf von Tabakerzeugnissen mit den Wucherparagrapben in Konflikt kommen könne. Atts allen d'csen Grünt en sei um der Sebstechaltung nu ten der Ka npf g gen das T-bakstenerg'setz aufzu- nchmen und toi; jeder Vetzweiflungskampf zum Er­folg führen müsse, so würde letzterer auch hier nicht ausbl iben (Beifallt. Ihm schlossen sich weitere Seb­ner von hier, sowie aus Cassel und Gießen an. Im Verlmife der Aussprache wurde auch erwähnt, daß die Großindustrie im Taba'g'w r5e bess r abschneide, sie fordere die S euer im Voraus und zahle sie viel später an den Staat mit dem längst wieder entwerteten Geld. Auch der Zusammenschluß der Tabakhändler wurde t bbasi empfohlen, nur in bet Einigkeit liege die Kraft. In einer lanig.'n Entschließung, die den zuständigen Z ellen üb rmittelt wird, sind die Klagen zum Aus- Srfftf Ea-A Ifflb zugleich wird gesagt, daß vom 2. August ab jede Zusatzsteuer auf Tabakerzeugnisse veriveig'rt werden dürfte.

* Strafkammer. (Ferünsitzung.) Zwei Strafge- faro<,nc, darunt-r ein vom letzten Schwurgericht wegen der Sckießerei bei Alsfeld verurteilter 3?-Kirnet, standen gestern weo-n versuckt-n Ausbruchs vor Gericht. Sie wurden li-schuldigt, am 26. Avril int hiesigen Landgerichtsge- färgnis versucht zu haben, mit einem nassen Handtuck und einem Scbem lbun die Gillerstäbe am Zellenfenster auseinander zn bi g'N Beide bestritten ihre Schuld der Zigeuner mit der diesen Leuten eigentümlichen Seb' boft gleit Bei der Unterhaltung in der gemeinsamen Zell- sei b-bauptet wo.den, mit einem nassen Hand­tuch oder einem Leintuckkönne maus machen", das habe ec nicht geglaubt, er batte nichts kaput gemacht. Früher halte er laut Protokoll etwas anderes gesagt: er habe nu- tine Probe g macht, ob das wirllich möglich sei. man ihm dies vorbielt, stellte er sich dumm, et tönn- weder lesen noch schreiben und in dem Glauben, daß bas Protokoll bestätige, daß er nichts gemacht hält- habe er es anerkannt. Er beharrte auch auf der Ver­nehmung weiterer Zeugen, die mcht erschienen waren, weil sie unauffindbar waren. Das Gericht beschloß Auf­hebung des Termins, um diese Zeugen we'ter suchen |t» zwischen . . Er hatte gejagt: im Begriff, mich zu verloben.

Und sind Sie glücklich? Es steht Ihrem Glück nichts im Wege?" fragte sie sanft.

Doch", sagte er und setn-Ton war seltsam nach­denklich.Ich bin nicht ganz sicher, ob ich in der Art geliebt werde, wie ich verlange, um mich für immer zu binden. Es gibt so verschiedene Arten Frauenliebe, und diese Art ist die holdeste, reiz­vollste von allen, aber zu reizend, um recht stark und treu zu fein . . man ist immer in Hangen und Bangen--"

Ach! wenn Sie überhaupt geliebt werden dann werden Sie auch treu geliebt!" entfuhr es ihr.

.Mieso meinen Sie das?" sagte er langsam.

Sie erschrak und, unsicher und befangen wer­dend, stammelte sie:

Ich . . weih wirklich nicht, was ich meinte.."

Sie tun immer, als wüßten Sie nicht, wie Frauen lieben, als wären Sie noch nie geliebt worden, und dies klang eben, als besähen Sie doch gewisse Kenntnisse."

Ach bitte lassen Sie das Thema. Bitte, für immer, solange, wie ich noch hier bin. Es es ist mir schmerzlich, peinlich."

Ach so also traurige Erfahrungen gemacht? Das tut mir leid, sehr leid und auch, dah Sie mir aus allem, was doch sonst Freunde miteinander besprechen ein strenges Geheimnis machen."

Zweifeln Sie an mit? sagte sie tonlos, mit stockendem Atem.

Wenn Sie wüßten, wie sonderbar Sie sich manchmal benehmen! Ich komme Ihnen schon längst wirklich als guter Freund entgegen. Sie sind so viel jünger, und Sie geben mir indirekt genug Beweise, daß Sie mich gern haben. Aber unter Freunden . ."

Das sind wir nicht", unterbrach sie ihn hart.

können. So lange müssen die beiden in Hast bleibens wenn auch die Strafen, die sie jetzt haben, miitlerweila verbüßt sind. Ein älterer Mann, der unter der Bo« schuldigung stand, 2 Sack Kleie entwendet zu baoertj wurde trotz seiner Versicherung, daß er von nichts wissH .wie in der Vorinstanz zu 6 Monaten Gefänrnis verurteilt.

Di« gleiche Strafe erlitt ein Mann, der sich cinei Sittlichkeitsvergehens schuldig gemacht hatte . Ihm tourt?» jedoch Strafaufschub zugebilligt mit dem Zusatz, daß eq 600000 Mark an die Gerichtskasse zu zahlen hat. Tw letzte Sache, bei der es sich wieder um einen Häftling handelte, der vor einigen Jahren hier ausgerissen war. mußte vertagt werden. ! ,

(!) Holz hausen (Kreis MarburK, 19. Juli. Hcuiq waren es 25 Jahre, daß unser Bürgermeister L a u ch t zur vollen Zufriedenheit der Gemeindemitglieder sein Amt inne hatte. '

Handels- und Marktnachnchten.

Frankfurt a. M., 20. Juli. (Frankfurter Bör- fenbertcht vom 20. Juli.) Die Börse bot mich heute dasselbe Bild tote in den letzten Tagen. Infolge der Devtsenstetgernng tourden neuerdings toteder sehr nmfangretche Kaufaufträge an den Martt gebracht, so- daf; der Umtoertungsprozetz bet weiter steigenden Kursen ehte teilweise Fortsetzung fand. Andererseits lagen aber auch Verkaussordert vor, die für die da­von betroffenen Werte mäßige Kursabschläge bewirk­ten. Immerhin überwog die Kauflust derart, datz, wie bereits erwähnt, zttmeist neue Kursgewinne mög-i lich waren. Der Montanmarkt zeigte keine einheit-, liche Haltung, doch war auch für dieses Gebiet di« Grundstimmung eine ziemlich feste. Der Markt der chemischen Papiere lag etwas ruhiger, doch war auch vier die Stimmung fest. In nicht amtlich notierten Werten war das Geschäft lebhaft. Weiterhin wurde die Tendenz unsicher und das Geschäft, das anfänglich lebhaft war, wurde ruhiger.

Berliner Produktenmarkt.

«eHht. de« 20 Im» 922.

Prelle für 1»" Pfd. ab Station.

lluttererbien Bckerbohnen Vtnlen

Weizen Rsagen Sommergerste Wintergerste Hafer Wat« Weizenmehl

ogvenmehl Roggenlleie Hape fli'bien Veinlaat

850000900000

750000 770000

770000

635000

730000 -759000

800000 1130-1300000

950- 1050000

440000

Wicken Lunin blaue gelbe Setabefla alte neue rrockrnfchnihel Runkelrüben Möhren, rote gelbe Mohn Torkmelaste 'vlttelenbeu, lose Meeheu Stroh diahigepr.

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Spetteerdien, Viktoria.

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600000

550 - 60000$$

240000

430004500t

75000-7800*

74000 - 7700t

«rrchltche «achrichteu.

Kirchl. Verein junger Männer Wartburr Philippshaus. Dienstag Abend Mbllstunde. Tot» nersfaa ?lbend H-imab'nd___

«erztlicher Sonntagsdienst.

(Nur für Notfälle von mittags 12 Uhr bi» Montag stütz 7 Uhr.)

Am 22. Juli: Dr. Müller, Wiihllmstraße 2. FtL. Dr. Klammer, Am Plan 3'/,.

ge*eeeeeeeHBeeee**eeesHeeeeeeeeiB Für die Schr-sileitung veranrwottl.: Dr. E. Hitzeroth^ ,Jür den örtlichen und vrovmz. Teü: Wilhelm Wißnevc

Spreckzeit der Sckr-ktleituna bis VJ1 11 br vormittag».

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Geschlechtsleiden 9k 1 j»HFSl«taMter|. Ohme «ernfstSr. Kein Qnetfjüb.'WU Sgy Auftl. Broich. Nr. geg. Einiendung von 50W Ml. gSpez. drzl Dr.Eollaenders ISrH grauiinrt a. M., Bethmannstratze 56. (8886 jMfr"

>i.lll; 47; Sonntags 10-1 l*.

«nBemsaMMBaMaanMlBH»* Es ist ein Dienstverhältnis lediglich ein solches. Wir sind nicht Freunde. Ich bin Ihr Untergebener und Sie find mein Herr, und ich möchte nicht, datz das anders wäre . . Bitte, sprechen Sie nicht meht davon es gibt Dinge, die ich die ich nicht haben möchte, die ich nicht will, schloß sie, von Einern starren Ansehen ganz und gar aus der Fas­sung gebracht. . . Worte hervorstotzend, die sie so­fort wieder hätte zurücknehmen mögen.

Es ist mit zweifellos. ", sagte er jetzt ruhij sie fixierend.

Was?" fragte sie zurück, während jeder Muts tropfen aus ihrem Gesicht wich. . . .

Datz Sie eine Vergangenheit haben"

Eine Vergangenheit . wiederholte sie. S mutzte, was für eine üble Bedeutung dieses Wo« für eine Frau ein Mädchen hat und eit dunkles Feuer loderte in ihren Augen auf, wäh rend sie ganz vergaß, daß sie für ihn ein Mann war.

Er zuckte die Achseln und lächelte ironisch.

Was um alles in der Welt wollen Sie denn nur mit dieser Empörung? Sie haben ja ganz rech« mich kümmern und gchm. nur ihre Leistungen an. Ich habe nach nichts anderem gefragt, uni wenn Sie sich mein freundschaftliches Entgegen­kommen, das Ihrer mir sympathischen Persönlich­keit, Ihrem recht erkennbaren unglücklichen Schick sal, Ihrer trüben Vergangenheit galt, verbitten, dann habe ich eben weiter nichts hinzuzufügen, lieber Gehring." Ernst und kalt geworden, ruhte sein Auge auf ihrem jetzt tief erröteten Gesicht.

. (Fortsetzung pigtj

Trotz der entsetzlichen Teuerung

Ist e» kein Kunststück, stets gut getlcioet zu sein, wenn mau alle Kleidungsstücke wur mit den weltberühmte« achten Sattwenw'» Farbe» Marke Fnchstops im Stern, selbst färbt- Heitmam»', Farbe spart Ben Färber.