i
Amtliches VerWndigungsblatt des Kreises Marbmg.
“ J.H. Schäfer
Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberheffei
. geaen bar, 450 Snt) Amtliche undsusw. Anzeigen 600 Mk. Bei schwierigem rn *Y*6we lfschlag. Spät einlaufende oder den Raum über 1I1 Seite einnehmende JA. AOm fl.
Ht.167
M
L
-f
Mi Ä
wird wte um dar* emaillieren » vorn!ekele
Paris, 18. Juli. Der Außenpolitik!: des „Echo d- Paris", der sich noch immer in London aufbält, berichtet seinem Blatt, er habe mit den enalijchen Regierungskreisen angehörenden Persönlichkeiten gesprochen, di« sich in überzeugender Weise ausgesprochen und betont Hütten, daß es den Franzosen freistehe, bas englische System ober das was von ihnen gewünscht wird, anzunehmen, nämlich die Anregung, die Rutsche Zahlungsfähigkeit durch einen Sachverständigenausschuß seststellen zu losten, eine inter» national« Kontrolle über die deutschen Finanzen einzuführen, verschiedene Wege der Zahlung zu finden und zwar für Zahlungen, die Deutschland freiwillig übernehmen könne, sowie schließlich die Unterstützung eines loyalen, dem Vertrage ergebenen Deutschlands Wir geben zu, hätten die befragten Persönlichkeiten unter anderem gesagt daß eure Einwendungen wobl begründet sind, daß es in der letzten Zeit nicht gelungen ist, unsere mi'itänsche Kontrolle im deutschen Staat wieder aufzunehmen, daß wir weniger als je im Storche sein werden, auf die deutsche Währung und die deutschen Finanzen einen Druck auszuüben. Wir glauben aber trotzoem, daß eure Politik vom 11. Januar genau so wirkungslos ist.
Die Nolle Bel giens.
Paris, 18. Juli. Nach dem Brüsseler Korrespondenten des „Echo de Paris" befindet sich im Augenblick der belgische Botschafter in Paris in Brüssel. Er habe zahlreiche Unterredungen mit den Ministern THeun iS und Iaspar. Tas Brüswl-r Kabinett sei von der Rolle überzeugt, die ibm bei der gegenwärtigen Lage zukomme Es sei nicht die Rede Dabon, bah es als Vermittler zwischen Frankreich und England auftreten könne, weil es am Prozeß beteiligt sei. Vor allen Dingen müßten die belgischen Interessen verteüngl wewcu und Theunis und Jaspar würden nach dieser Richtung hin ihre Pfiicht teuren, da die augenbliLiche Lage Belgiens gegenüber Deutschland eine beträchtliche Kundschaft sernhalle, vom Transitverkehr der belgischen Eisenbahnen und des Hafens von Antwerpen. Aber die belgischen Mimstet könnten etw nützliche Rolle spielen in dem Augenblick, in dem es notwendig werde, den englischen und den französischen Standpunkt zu klären unb gegenseitig auszugleichen.
Benesch in Paris.
Paris, 18. Juli. Der tschechoslowakische Außenminister Benesch hatte, tote Havas berichtet, gestern noch einmal eine Unterredung mit Poineare. Nach dem „Pettt Journal" hat diese Unterredung sehr langt gebauert. Benesch begibt sich heute nachmittag nach Brüssel Einem Vertreter des „Figaro" gewährte Benesch eine Unterredung. Die Schwierigkeiten für Benesch, so sch---ivk das Blatt, ließen sich in folgende drei Kategorien einteilen: 1. in Fragen, über die die beiden 'Länder einig oder sich zu einigen geneigt seien, 2. in diejenigen Probleme, in denen die Meinungsverschiedenheiten auf der Hand k^gen und die entweder verschiedener Art des Interesses ober verschiedener Art der Auffassung der anzuwendenDeu Mittel sind, 3. in die aus Mißverständnissen herrührenden Schwierigkeiten. Mehr habe Benesch hierüber nicht sagen können.
Weiter erhob die Reichsregierung gegen bie Berlän« geruup-der Berkehrssperre und dir dadurch hev» vorgerufene weitere Drangsalierung der Bevölkerung bei besetzten Gebiete scharfen Protest.
Protest der Gewerkschaften.
Essen, 19. Juli. Die Vertreter des Gewerk« schaftsringes im Einbruchsgebiet haben eine Ent« schlietzung angenommen, in der sie sich erneut gegen die Bestrebungen hochverräterischer Elemente zur Schaffung eines sog rheinischen Staates wenden. Die Versammlung bezeichnet weiter die Polittk des passiven Widerstandes und der Anspannung aller wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte als einziges Mittel, die Neparationsfrage zu lösen und erwar« fet, daß die Reichsregierung mit allem Nachdruck die Durchführung der in ihrer Note vom 7. Juni ausgezeichneten Richtlinien betreibt.
London, 18. Juli. Lott» Curzon empfing heute Nachmittag im Foreign Office den deutschen Botschafter S t h a m e r.
London, 18. Juli. Dem „Star- zufolge erwartet man, datz Lord Curzo« morgen in der Lage fein werde, den anderen englischen Minister« den Entwurf der Antwort an Deutschland und des Mantelbriefes an die Alliierten vorzulegen. Es verlautet, daß eine Veröffentlichung der Note nicht in Frage kommt, bevor die Antwort in den Händen der deutschen Regierung ist. Die Veröffentlichung des Mantelbriefes würde, dem „Manchester Guardian- zufolge, höchstens im Falle de» völligen Abbruchs der Verhandlungen erfolgen.
London, 18. Juli. Den Blättern zufolge wird der gestern von Lord Curzon fertiggestellte Entwurf der Antwortnote an Deutschland heute vom Kabinett geprüft, lieber die Frage, ob die Prüfung durch das Kabinett schon heute beendet werden kann, ist man geteilter Ansicht.
London, 18. Juli Der parlamentarische Berichterstatter der „Times" schreibt, der Entwurf der Antwort auf die deutsche Note werde in England wohl nicht veröffentlicht werden, bevor er von den Alliierten erwogen worden sei. Baldwin habe seiner Zrtt die zweite Lesung der Consolidated Pfunds-Bill als geeignete Gelegenheit zu einer allgemeinen Debatte über die Lage bezeichnet, es sei jedoch fraglich, ob zurzeit dieser Beratung, nämlich am Mittwoch ober Donnerstag, sämtliche Alliierten bereits geantwortet haben.
Paris, 18. Juli. Das „Journal" glaubt zu wisien, daß der belgische Ministerpräsident Theunis, falls die englische Regierung ihren Antwortsentwurf am Donnerstag den Alliierten übersenden werde, am Freitag sich zu einem Meinungsaustausch mit PoincarS nach Paris begeben werde. Da jedoch wahrscheinlich der englische Entwurf erst fpätet unterbreitet werde, werde auch die französisch-englische Besprechung erst später stattfinden.
Sie Danziger Währung.
Danzig, 18. Juli. Dem Finanzkomitee bei Völkerbimde wurde eine vom Senat genehmigte Denkschrift über die durch die AusschalMng der Mark nötig gewordene Währungsreform unterdreitet. Als künftiges Geld ist der in 100 Heller eingeteilte Gulden vorgesehen. 109 Guldenstücke sollen den Feinrehalt deS englischen EtnvfundstückeS haben. Ferner ist die Ausprägung von Silbergeld, Nickel- und Kupfermünzen bis zum Betrage von 100 Gulden pro Kopf bet Bevölkerung beabsichtigt. Es ist weiter die Gründung einer alS selbständiges Unternehmen gedachten Dau- jiaer Notenbank vorgesehen, die Note« vis zum Bettage von 500 Gulden pro Kops der Bevölkerung, also etwa 180 Millionen Gulden, ausgeben darf, wovon ein Drittel durch eine aus Gold, englischen Pfundstücken oder täglich fälligen Pfundforderungen bestehende Rotenreferve gedeckt werden soll, die auS de« Gewinnen der Bank abgegeben werden soll. Bi» dies erreicht ist, muß zur Sicherung ein WäbnmgS- ttedit von 500 000 Pfund dienen. Di« nicht durch di« Rotenreserve gedeckten zwei Drlittel des No«enun> UmfS sind in voller Höh« durch HMd«lSW«chsS «
Die «OberheliilLe Zeitung- erscheint ledwnal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 20000 Ml. mit Zustellungsgedühr. Für ausfallende Nummer« infolge Shell» oder elementarer Ereignisse lei« Eriatz. — Setlag von Dr. T. Hltferoth. — Druck bet Unw^Buchdtucketel von Job. Aug. Koch. Markt 21,23. — Fetnsprechet 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Statu.
FttnWIA MWrn.
Berlin, 18. Juli. Die Franzosen ftvd neuer» dingS tot besetzten Gebiet zu einer raffinierten Anwendung des GeiselshstemS geschritten, die eine de- wnderS tiefe Erbitterung bei der Bevölkerung hetvor- ruft Zu Metern System gehört auch folgendes: Vier Franzosen stnd in Abwicklung geordneter Gerichtsverfahren in Deutfchland In Haft, drei von ihnen wegen Spionage und der vierte wegen Vergehungen an Kindern. Di« ordnungsmäßige und schnelle Durchfüb- tung dieser Verfahren wird von den zuständigen Behörden überwacht. Aber schon die Tatsache jener in Ausübung der deutschen Justizbobeit vorgenommenen Verhaftungen genügte, daß Frankreich tot besetzten Gebiet wahllos eine größere Anzahl würdiger und befahrter Männer alS Geiseln festsetzte. DaS Urteil über dieses Vorgehen überlassen wtt der Welt.
Berlin. 18. Juli. Vom französischen Nachrichten- dienst sind Meldungen verbreitet worden, nach denen die Essener Polizei den Franzosen 6 Deutsche auSgel esert haben soll, die angeblich Fernsprechleitungen zwischen Essen unb Krao zerstört haben Wie .vir erfahren, Han- beit es sich bei dieser Darstellung um eine plumpe »ran- zösische Fälschung der Tatsachen. Der wahre Sachverhalt tft folgender: Vor kurzem Würben 5 Personen wegen Diebstahls von Telephonbraht verhaftet und in bas Essener Gefängnis eingeliefert. Gegen die g<stgenommenen wurde Anklage wegen Diebstahls erhoben. DK Franzosen, die oon dem Gerichtsverfahren Kenntnis erlangten, forberte« die Herausgabe bet Täter mit der Begründung, daß eS sich um Sabotageakte handele. Die Essener Polizei lehnte daS Anfinnen der Franzosen ab Die Franzosen verlangten sodann von dem Direktor deS Untersuchungs- g-sSngnisses die Herausgabe der Gesungenen, die selbstverständlich ebenfalls verw"ig-rt wurde Daraufhin wurde bei Direktor deS U ntersuchungsgesängntsseS von den Franzosen verbast-t. Die fünf Deuschen wurden unter Anwendung von Gewalt lluS dem deutsch-« Gefängnis gehst und in daS französische Gefängnis gebracht.
Berlin, 18. Juli. In der Ang legenheit der Deutschen in Esten. die von der französischen BefatzuugS- bedörde mit Gewalt auS dem Untersuchungsgefängnis meg-refübrt worden sind, bat die deutsche Regierung der. deutschen Gesck>äft?ttäg-r in Paris angewiesen, der dortiger Regftrung eine Note zu übergeben, in der bi« deutsche Regierung gegen den grundlosen und willkürlichen Eingriff der Besatzungsbehörde in die deutsche Rechtspllege unt die persönlich« Freiheit der Beamten, die nur ihre Psticht getan haben, schärfste Verwahrung einlegt.
Höchst a M. 18. Juli. Der französische Kteisdele- gi-rte b-it Kreises Höchst a. TI., Maior Schneedecker, ist zur Wicderherst-llung feiner Gesundhttt'in Urlaub gegangen. Den Anlaß zu dieser Beurlaubung bildeten verschiedene Vorgänge der letzten Zeit, bei denen das Verhalten deS Majors Schnet^ccker selbst in den Angen der Franzosen nicht mehr alS einwandfrei betrachtet werde« konnte. Wie durch Zeugen bestätigt wird, ist er wiederholt bei Autofahrten dabei betroffen worden, baß er bero Publikum bie Zunge herausstveckte. In feinem D«nstzimmer sind sämtliche Wände voll von Tintenflecken. Einwandfreie Nachrichten betätigen, daß er Tintenfässer mehrfach al8 Wurfgeschosse benutzt hat.
Limburg, 18. Juli. Di« Franzosen haben heute die Wohnhäuser mehrerer höherer Beamten, anscheinend zwecks Einrichtung von Offizierswoh- nungen, beschlagnahmt und den Abtransport der Möbel verboten.
Elberfeld, 18. Juli. Am 14. Juli erschienen auf dem Bahnhof Weitzkirchen (Hessen-Nassau) im unbesetzten Gebiet französische Zollbeamte aus Eschborn unb hinderten die Empfänger von Frachtgutsendungen an der Entladung und an der Abholung von Stückgütern. Sodann beschlagnahmten sie die vorhandenen Frachtbriefe und nahmen sie gegen Hinterlassung einer Quittung mit. Am nächsten Tage erschienen die Zollbeamten wieder, verglichen die am Vortage beschlagnahmten Güter und unterzogen die Reisenden zweier Personenzüge einer Patzkontrolle. Dem Bahnhofsvorsteher wurde unter Androhung von Eeio- und Gefängnisstrafen die Ausgabe von Gütern verboten, bevor die Frachtbriefe coti französischen Zollbehörden genehmigt seien.
Berlin, 18. Juli. Nach einer Meldung de» „Verl. Tagebl." au» dem Ruhrgebiet schosse« gestern früh au den Grenzstationen mehrfach die französischen Poften aus Deutsche, die die Grenze passiere« wollte«. Mehrere Persone« wurde« verwundet. Der Kasseugehilfe bei der Stadtverwaltung von Gelsenkirchen, Zengerling, wurde in der Nähe der Station Bracke! durch eine« Schuh schwer verletzt und blieb ohne Hilfe zwei Stunden lang liege«. Als die Franzose« die Hilfe- leiftung für den Getroffenen gestatteten, war er bereits tot.
VkuW Proteste.
Berlin» 18. Juli. Wie die Blätter meiden, wurde gegen die von bat Franzosen und Belgiern anläßlich der ExplosionSkatastrophe auf der Rheink>rücke bei Duisburg erfolgte Festnahme von 26 deutsche« Geiseln bon der deutschen Regierung Vorstellung erhoben, um das Los brr Ftstgcnommcncn zu erleichtern.
3iit Eine.
|t Im Schneckentempo gchm die diplomaftschen"Ber- |eutlungfn, die nunmehr durch die englische Aktion EnAkleitet worden sind. Die englische Note bürste Nrch erst dann herauskommeni, wenn die Vorkühlung hi Paris abgeschlossen ifh ' Irgendwelcher voreiliger Erwartungen, bezto. der Wirkung oder des Inhaltes biefcr Note dürfen wir uns wicht hingeben. Es hat Mmehr den Anschein^ als wenn England auch jetzt letebtr Frankreich die Brücke zu einem Kompromiß lauen möchte, der nach Sage der Dinge auch nur wie« ter auf unserem Rücken zustande gebracht werben könnte. Wir dürfen nicht vergessen, daß England ausdrücklich erllärt hat, daß das Ziel der franzSsts.5«n Politik mit demjenigen der englischen Politik gleich« läuft, man sich aber über die Methoden im Untaten \e ' I
Nack gut informierten Mitteiluna-n will England eine allgemeine Prüfung des deutschen Angebots empfehlen. Nach der neueren englischen Idee soll jene kackverständigenkommifsiom die auch Deutschland zur Prüfung seiner Zahlungsfätzi-'teif und zur Festsetzung vorgrschlaoen hat, nicht als selbstäwd'ges Organ ans« freien. Sie soll vielmehr so gewissermaßen alS eine tlnterkommission der Reparationskommififon etablie« len. Damit hofft man Frankreich emg-geitzukommen, las erklärt, daß die Behandlung all dieser Fragen den Händen der Reparationskommission nicht entwanden Werden dürfe.
Ein weiterer englischer Plan si-ht die Einrichtung eines Kontrollausschusses für die Ueberwachung ki deutschen Finanztoirtschaft des deutschen Reiches lot. England beabsichtigt, die Sofortige Bildung dieses Ausschusses vorzuschlageu, um anc weitere Zer rüttnng der deutschen Wirtschaft noch aufholten zu Pnnen.
(Hit englischer Vorschlag zum pas'ivm Widerstand hat nach Londoner Informationen fo'g n es Aussehen Benn die deutsche Reichstag erung sitz 6er it erklär', den passiven Widerstand abzubauen, die b'züg ichen Erörterungen zurückznzi hen, u >d damit b es en Wider« fktnb allmählich gänzlich zu b-iefttaen. soll die G-geu- seiic sofort dazu übergehen, ihre Tr'ppen „unsichtbar" p machen Jeder militärische Eing ifi soll von dann »b unttrbleiben. Tie Besetzung al.- solche s'l> sich je »ach den deutschen Zahlungen vermindern, uno ganz Nafhören, wenn Deutschland mindestens drei dec von ter internationalen SochverstänSigen-Kommission selige- setzten Zahlungen geleistet hat. — Wir g ben di je.i Vorschlag lediglich als ein Siimmungöstzmp.om toiese-:, »ine Erörterung darüber erübrigt sich. Q
Ei« deutscher Wunsch.
Karlsruhe, 18. Juli. Der Gastwirt Ma» Flabt in Kehl hatte vor einiger Zeit zwei sranzv« fische Solbalen, bte bei einer Pontonübimg im Rhel« ins Master gefallen waren, und eigener Le<> vensgesahr von bem Tobe bes Ertrinkens gerettet. Wir man hierzu weiter erfährt, würben Flabt einige Tage nach bem Vorfall durch ben '©elegierten bet Rneinranbkommiffion Oberstleutnant Reh in Kehl unb durch ben Kommandanten bes Brückenkopfes Kehl, General Michel, Dank nttb Anerkennung ausgesprochen. Auf bte Auffotbetun« burch ben Delegierten, einen Wunsch zu äußern, erbat Flabt bte Begnabigung ber siebe« jum Tobe verurteilten Deutsche« im Ruhrgebiet. Das hierauf auf Anraten des GeneralS Micl>el von Fladt gefertigte Gnadengesuch bat ersterer fofort befürwortend an bte zuständige Stell« nach Koblenz weitergegeben.
Landesverräter Schlittgens verhaftet.
Herford, 18 Juli. Auf dem Herforder Bahnhof ist der Landesverräter Schlittgens verbaftet worden, der bekanntlich vor einigen Wochen wichttge Schriftstücke an Frankreich verschachert hatte. SchlfttgenS war all Vorarbeiter bei einer Herforder Firma tätig, bei der ein Industrieunternehmen des Ruhrgebittes wichtig« Fabrikgeheimnisse untergebracht hatte, um diese vor bem Feinde zu retten. Schlittgens hatte seinerzeit die Kist« mit Dokumenten misg brochen unb einige Papiere barani de« Franzosen überliefert.
---♦---
Sie 6ie«r im Eonlonne.
Parts, 18. Juli. Das .Echo National' schreibt über bte Friebensverhanblung«« tu Lausanne, bie Türken hätten in Lausanne etwa! praktiziert, was von bem Blutvergießen abgesehen, Aehtotchkett mit bem passiven Wib erstand ber Deutschen im Ruhrgebiet bade. Dal sei tone« vollkommen gelungen. Dieser Wiberstanb sei in erster Linie unb hauptsächlich gegen Frankreich gerichtet gewesen unb zwar zum Schabe» ber Inhaber bet türfltoen Schuld. Die Engländer, die in ber Konzesstonsftage ihr Ziel erreicht zu habe« glaubten, hätten fick ihrerseits bavon überzeugen Kronen, baß es unvorsichtig war, ben Türken zu trauen. Auch sie seien beS langen unb hartnäckigen StteiteM überbrüfstg, zum Nachgeben gezwungen gewesen, an- Oestchts bet Hartnäckigkeit Ismet Paschas. beS große» Siegers von Lausanne. Sobalb bte Nattonalvev» famntlmtg von Angora ben Vetttag von Laufann« ratifiziert hab-, werbe bte Inkraftsetzung betjenigen Teile erfolgen, bte ben Türken am meisten am Hetze» hängen. Secks Wochen nach bet Ratifikation müßte« Konstantinopel unb bte Meerenge« von ben Alliierten geräumt sein. Spätestens am L Januar nächsten Jahres bürte fein einziges Kriegsschiff mehr in ben Datbanellen ober tot Bosporus Station machen. Von biefem Zeitpmckte an würde« die Türken die» Hand frei haben, um ein« Polittk zu treiben, über bte Frankreich unb Snglanb sich nicht würben zu freuen haben. Sie würben eS stch fewst z« verbanken haben. Ihre Uneinigkeit haben ben Gegner gestärkt in ber Türkei w 1» in Deutfchlanb.
Paris, 18. Jul«. Der .Petit Paristen' glaubt zu wissen, baß ber französische Untertänblet in Lausanne, General Pellet, von bet Regierung Vollmacht zur Unterzeichnung beS FriedensvetttagcS mit der Türkei erhalten werbe.
Marburg
Imomlso. ben 19. Soli
Heuert
Paris, 18. Juli. Nach Meldungen Pariser Plätter habe das Londoner Kabinett 'die Absicht, len scharfen Strömungen, die sich in den konservativen Kreisen Englands zugunsten Frankreichs .lundtun, durch Zugeständnisse in der Frage des passiven Widerstandes Rechnung zu tragen. Ob die englische Regierung tatsächlich mit einem Ansinnen bei der Reichsregie- tung vorstellig werden wird, entzieht sich zur Zeit jeder Voraussicht. Daily Mail behauptet allerdings, datz die englische Regierung vorschlagen »erde, zunächst einmal einen von allen Alliierten ! «nterzeichneten vorläufigen Brief an die deutsche Regierung zu senden, in dem diese aufgefordert wird, die Anordnung zum passiven Widerstand zurück- ßuziehen, worauf dann alle Alliierten ein» schließlich Frankreich und Belgien bereit sein würden, den Charakter der Ruhrbesetzung zu ändern i imb die vom Reichskanzler Dr. Cuno in seiner letzten Note vorgeschlagenen Garantien und Sicherheiten ernsthaft (!) in Betracht zu ziehen.
London, 18. Juli. Der diplomatische Be- ■ ttchterstatter des „Daily Telegraph" meint, datz in \ der Frage der Regelung der Reparationen die Schwierigkeiten nicht unüberbrückbar sein würden. Auch in der Frage be» passiven Widerstandes ließe sich eine Lösung finden, die etwa h folgender Formel ausgedrückt werden könnte:
1. Dis französisch-belgische Besetzung der Ruhr I würde unsichtbar werden, sobald der passive Wt- f 1 derstand Deutschlands aufhören würde.
2. Die Truppen würden vollständig zurück- i t gezogen, sobald Deutschland die beiden ersten von den Sachverständigen festgesetzten Jahresleistun- - gen gezahlt haben würde.
r l In politischen Kreisen bemerkt man zu dieser - Formel, sie gebe der Moratoriumsfrage ein völlig Heues Gesicht; denn die letzte Bestimmung bedeute Deutschland einen Ansporn, sich seiner Verpflichtungen so rasch wie möglich zu entledigen und auf liefe Weise die Besetzung zu beendigen; andererseits - * man in Geschäftskreisen der Meinung, daß allzu ;«erstürzte deutsche Leistungen nur zum wetteren t ^uta Deutschlands führen würde«. — --
Her An,elgenvrel« beträgt für den 9gefo. Zeilenmillimeter 500 Mk. (Kl. Anzeigen unb Famllien-Änz. gegen bat, 450 Mk ) Amtliche und ourw. Anzeigen 600 Mk. Bei Imroteriqem Satz 50*1. aufA. ?;■’* • ' !------- " * ” T1:. ' '
Anzeigen werden nach der lertloaltenbrelte berechnet. Reklamen der Zellenmillimeter 2500 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Auskunft durch die Sefdjäftslt und Bermittlungder Angebote 1000 M, bei lleberiendung durch uns 1000.— Mk. ohne Porto.