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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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m J.H. Schäfer

Anzeiger für (das früher kurheMchej Overhessen

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Marburg MittuM, Den 18. W Heuert

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58. Wir 192$

Sie tritt Mon. .

i Der Frieden von Lausanne ist nach fast -Ljährigem Mlomaiischem Ringen grundsätzlich gesichert« Der Prmale Adschlutz dürfte alSdald erfolgen.

Dieser Frieden von Lausanne kommt in seiner MirMng auf die erste Revision, der nach dem Wett- stiege abgeschlossenen Friedensverträge hinaus.

Die große weltpolitische Bedeutung der Einigung |»n Lausanne liegt aber darin, daß England einen Mbestrittenen Sieg davon getragen hat. Aber die Dinge von Lausanne können nur im Rahme« der Gegenwärtig in Deutschland sich absptelende« politi» fchen Dinge betrachtet werden. An dem Ergebnis den Lausanne ist Nar zu erkennen, datz Frankreich selbst seine bedeutendsten Orientinteresien um deren Verteidigung willen es eine Zeitlang bereit war, mit England den Konflikt aufzunebmen, preiSgtbt, um Gir Erreichung seiner politisch imperialtsrischen Ziele I» Europa im besonderen gegenWer Deutschland.

Die französisch« Politik im Orient nach Unterwer- stmg der Türket ging daraus aus, mit Hilfe der noch in etwa gebliebenen Trümmer der türkischen Armee, Gen Einfluß Frankreichs in Vorderasten zu verankern, Wmnkreich war sich vollkommen Nar darüber, daß cs sich damit bewußt im Gegensatz zu England stellte As fand aber Rückendeckung in Italien, dar ebenso Wie Frankreich sein Jnteresie daran hatte, die Türkei je etwas zu erhalten, um nicht England vollständig das Feld überlasten zu wüsten. Ohne Wissen Eng- sands bat dann Frankreich schon im ONober 1921 Wen Vertrag mit der in Angora sich etablierenden türkischen Nebenregierung geschloffen. Dieser Vertrag widersprach schroff den Orient-Interessen Englands. Andrerseits suchte die Angoraregierung eine Annähc- tonc an das Sowjet-Rußland, das sich bereit erflärte, Gtc Angoratürken mit Waffen und Geld zur Bekämp­fung des englischen Einflusses im Orient insbesondere tu Vorderasten zu Verfügung stellten.

Für England war damit eine ganz heifle Lage ge- fihaffen. Aber die nunmehr einsetzende diplomatische jkakttk ber englischen Regierung ist wiederum einmal fenifzeichnend für die bewundernswerte Elastizität, die England schon immer in solchen Situationen auf« Gebracht hat. Sie ist aber auch bezeichnend für den Gmz anders gearteten außenpolitischen Sinn des Engländers. Während man anderswo und nament­lich in Deutschland die Stärke der Positwn in dem starren Festhalten der einmal gezogenen Linie erblickt, hat England seine größten außenpolitischen Erfolge der jeweiligen Anpassung an die gegebenen Tatsachen zn verdanken. Und die englische öffentliche Meinung vbt in solchen Fällen bedenken- und kritiklos mit der Außenpolitik ihrer Regierung, auch wenn sich ein völliger grundsätzlicher Wechsel in der Einstellung et« Gibt.

Denn wie England in Lausanne taktierte, kam in Ger Tat auf eine drastische Umkehr aller bisherigen Politik hinaus. England suchte unter der Hand zu« lüchst Anschluß an die Angoratürken, die mehr und »ehr für die englischen Auftastungen, natürlich aus der Basis sehr wichtiger Zugeständnisse polittscher Mrd wirtschaftlicher Art gewonnen wurden. Damit vuterhöhlte in langer zäher Arbeit England das Fundament, ^das sich Frankreich alS AusfallSpositto« Gegen England im Angoraverkrag geschaffen hatte. Diese Taktik war England möglich geworden, nach­dem Frankreich sich im Ruhrgebiet festgebissen hatte. Schritt für Schritt wich Frankreich zurück, toctl ihm hie Ziele gegenüber Deutschland doch noch höher standen, als die Position im Orient. ES mag dabet auch die berechnende Erwägung mitgespiett habens Gaß Frankreich, wenn eS erst einmal die Rbetnlande And das Ruhrgebiet seinen politischen wirtschaftlich And militärischen Zwecken dienstbar gemacht haben würde, der Austtag der Gegensätze mit Frankreich bez. der Orient-Interessen mit verstärkter Wucht auf» vmehmen sei. England hat aber auch Wetter ver­standen einmal Sowjet-Rußland allmählich ganz aus den Lausanner Friedensverhandlungen auSzuscbalten, andererseits aber dennoch wiederum durch Konzes­sionen winschastlicher Art, Sowjet-Rußland sich nicht iom absoluten Feind zu machen. Aber daS Bestteben, die neue Türkei von Sowjet-Rußland weg zu ma­növrieren, ist England glänzend gelungen, urch für »e türkische Angoraregierung war di« russische Hilfe Nur so lauge annehmbar, alS nicht ein anderer kam, Ger einen höheren Preis für di« TSrkengunst bezahlte.

Der große weltpolitische Erfolg Englatch» bei dem Frieden von Lausanne liegt bann, daß durch da- Zuge­ständnis der freien Passage der türkischen Meerenge, und -war nicht nur auf dem Wasserwege, fonhern auch in der Lust, und nicht nur in Friedensräten, sondern auch bei kriegerischen Verwicklungen, England bet unbestrittene Vor­herrschaft in den türkischen Gewässern und im Schwären Meere erhält. DaS bedeutet eine schwere Niederlage Rußlands, das seit einem Jahrhundert im Verein mit der früheren Türkei, England die Erringung dieser Position streitig gemacht hat. Nicht nur zu Land, sondern auch zur Bee ist damit Frankreich- und Italien- Einfluß au rin Minimum herabgedrückt. Jedenfalls hat England Hch mit der Kontrolle über die weltpoktisch bedeutsam­sten Meeresstraßen auch eine Sicherung schon für die ganze Dstseite des Mittelmeeres geschassen und damst die schwerste Befahr schon auf seinem Weg nach Indien ausgeräumt

Die Türkei fährt bei dieser jetzigen Regelung auch Aicht schlecht. Sie erhält eine Greuzsicherung gegenüber Briechenland und Bulgarien, wie sie nach der Niederlage «um in kühnsten Träumen erwartet werden konnte.

erhält auch seinen insularen Besitz wieder, und vor Allem wird Konstantinopel als die Hauptstadt der euro- Gäsichen Türkei anerkannt. Die Räumung Konstantino- .fcl8 von alliierten Truppen wird zugesagt. Wenn man daran erinnert, daß eS nach dem Weltkriege Eng« s«nds Ziel war, die Türkei ganz von europäischem Boren 11* verdrängen, und wenn man sich demgegenüber die

jetzige Regelung vor Augen führt, dann tritt die Kühn­heit der Schwenkung der englischen Diplomatie ganz besonders deutlich hervor.

Den Dingen von Lausanne sollten wir vom deutschen Standpunkte au8 die allergrößte Bedeutung zumesfen. Die enge Verbindung der jetzigen Lausanner Abmachungen und ihrer Fernwirkung mit den Ereignissen, wie sse sich in Deutschland abspielen, zwingt uns zu größter Auf­merksamkeit. Was in Lausanne jetzt abgeschlossen wurde bezeichnet die Einleitung einer neuen weltpolstischen Aera, in der wir Deutschen ganz sicherkch nicht die Role eine? Aschenbrödels spielen.

* *

Lausanne, 17. Juli. Die Eim'gung vollzog sich im allgemeinen aus Grundlage der am Montag Nackmittao von den Sachverständigen auso-arb-fteien Vorschläge und bedeutet in den wesentlichen Punkten ein neues Zuge­ständnis der Alliierten an die letzten türkischen Forderungen. In ber Frage der Räumung der Darda­nellen wurde folg-udes Uebereinkommen o et raffen: Die Räumung durch bie Alliierten-Kriegsschiffe soll genau so wie die Räumung Konstantinodels durch die Land­streitkräfte. sofort nach der Ratifizierung des Friedens- vertrag"? durch die große Natioualnersammlung von An­gora becrinnen und innerhalb von sechs Wochen beengt sein. Die Alliierten erhalten jedoch da» Recht bi» <’ " Inkrafttreten d-s Meerengen-AbkommenS, das die Sckftf- kabrtSverbältmsse reg-lt. je einen Kr-urer und je zw-l Torvriwbovtszerstörer für jede der Mächte, die zu der Konferenz eingeladen haben, in den Meerengen zu unter« ballen, aber, wenn das Meereng-n-Mkommen bann noch nicht in Kraft getreten wäre, auf keinen Fall läna-r als bis zum 31. Dezember 1923. Bis dabin gilt jedoch auch für die alliierten Kri-gsfck'tfe das freie Durckfahrt?« recht In ber Frage ber Konr-sswnen wurde folgendes be­schlossen- Was die von Bickers-Armfrona und ber allge­meinen Eisenbahnregie beanspruchten Konzessionen betrifft, fo verzichten die Alliierten auf die Vorzugsrechte und b-gnüaen sich mit dem Reckt de? Wettbewerbs mit anderen Gesellschaften. lieber die besonders briü umstrittene Frage ber Türk. P-ttnoleum Comvan» konnte trotz be- Drängens der Engländer keine Vereinbarung getroffen toerrben. Alle Formeln und Vorschläge wurden von ben Türken hartnäckig abgelehnt. Nm den Abschluß des Friedens nicht zu verhindern, erklärte sich ber eng­lische Bevollmächtigte damit einverstanden, daß genau wie die Kupon-Frage auch diese Frage auS dem Ver­trage sortgelassen werde Er bebirit sich aber vor, in ber Konserenzsitung vom Dienstag eine Erklärung ab zugeben, mit der England sich da? volle Recht wahre, für die Interessen seiner StaatsangehSrig-n einzutreten Ismet Pascha wirb darauf mit einer Erklärung ant­worten, in ber er ben türkischen Standpunkt aufrecht­erhält.

Lausanne, 17. Juli. Die offizielle Vollsitzung öer Lausanner Konferenz, die von 5—8 Uhr abends dauerte, enbete mit einer vollen Bestätigung ber in der gestrigen offiziösen Sitzung erri Wen Einigung. Damit sind dir Arbeiten ber Konferenz offiziell a'Feschlossen, und ber Friede im Orient ist virtuell g-sichert. Die Unterzeich­nung des Vertrages finbet am 24. Juli in Lausanne statt. Rußland wurde eingeladen, innerhalb von drei Wochen das Meerengenabkommen in Konstantinopel zu unter­schreiben.

Ar her »Mn Mnrt.

London, 17. Juli. Reuter erfährt, eS sei möglich, daß der Entwurf aus die deutsche Note am Mittwock im Kabinett noch einige Aenderungen erfahren Werve. Es sei daher unwahrscheinlich, daß die Antwort mit der Mantelnote vor Ende der Woche in den Händen bei anderen alliierten Regierungen sein werd«.

Der „Doilh Telegraph" hält es dagegen für möglich, daß die Absendung an die Alliierten am Donnerstag erfolge. Der diplomatische Korrespordent des Blattes ist der Ansicht, daß eine Veröffentlichung der Schrrst- stücke unmittelbar nach ihrer Aushändigung an bie Alli­ierten und Nordamerika keinen Verstoß gegen ben diplo- «o tischen Brauch barstellen würde: es werde aber viel­leicht für ratsamer gehalten, bie Veröffentlichung zurück« zustellen, bis dir Alliierten geantwortet hätten.

Paris, 17. Juli. Die diplomatische Initiative liegt augenblicklich wieder in London zum größten Leid­wesen von Paris unb Brüssel. Benefch der, wie gemeldet, gestern eine Besprechung mit Millerand hatte, konfe­rierte gestern im Lause des Nachmittags auch mit Poin- eure, mit dem er heute noch eine längere Besprechung haben wird, bevor er in Brüssel Theunis und Jafpar be­sucht. Dss Londoner Korrespondenten der Pariser Blät­ter geben längere Berichte über bie dortige Stimmung wie mitgetritt wird, soll die Prüfung bet englischen Ant­wort auf dem Wege der von Poincare so sehr beliebten Geheimdiplomatie erfolgen. Auffällig ist, daß man be­sondere Rücksicht auf Washington zu machen scheint. 'Wie bie Blatter melden, zerfällt ote englische Antwort in zwei Punkte: ein Begleitschreiben betreffend den passive» Widerstand und rin anderes nach dem die deutsche Zah­lungsfähigkeit ourch die Alliierten gewürdigt werden soll. Hierbei scheint sich in London, soweft sich das von Pari» aus übersehen läßt, bereits ein aussälllger Umschwung geltend zu machen, denn plötzlich ist nicht mehr oie Rede von einer besonderen Sachverständigenkommission, sondern von einem besonderen, von oer Reparationskom­mission zu ernennenden Ausschuß. Mit anderen Worten, man scheint also jetzt wieder auf ben bekannten Bankier- Ausschuß vom vorigen Jahre zurückgreisen zu wollen. Iltiä „Petit Journal" hebt hierbei hervor, daß dies Amerika zu Liebe g-schehe.

P a r i 8,17. Juli. Der „Petit Parisftn" veröffentlicht ein volitis^S Stimmungsbild auS Brüssel: In der bel­gischen Hauptstadt wird mit Ungeduld die Note der eng­lischen Regierung, die Stanleh Baldwin in ber Donners­tag-Rede angekündet hat, erwartet. Man habe in offi­ziellen Kreisen lebhaftes Vertrauen und man nehme an, daß der englische Premierminister die Hoffnung atri eine Verständigung habe bestehen lassen und gleichzeitig den Alliierten noch Zeil zu weiteren Besprechungen las­sen werde. Der Korrespondent schreibt weiter, wenn auch die Meinungen im Hinblick aus die inneren Fragen auSrinandergehen, so sind sie doch in der Haltung der Regierungen Deutschland gegenüber vollkommen einig.

London, 17. Juli. Der diplomatische Kerre« spondent des »Daily Telegraph- meldet: Lord Turzon empfing gestern im Foreign Office de« französischen und den italienischen Botschafter, wo­bei et dem ersteren gegenüber das Erstaunen der britischen Regierung Uber die Rede PoincarSs in Eenlis ausdrückte.

Paris, 17. Zuli. Ministerpräsident Poincare hat heute vormittag den französischen Delegierten in der Reparationskommission, Louis Barthou, empfangen.

Zur Rede Poincarris.

London. 17. Juli. In einem Leitartikel zur letzten Rede Poincar6s bemerkt die „Times", Poin- car^ scheine die Uebcrzeugung zu vertreten, datz der Plan der Alliierten unvollständig sei und datz noch viel getan werden müsse in der Richtung der An­wendung von Zwang gegenüber Deutschland. In England sei man dagegen fest der Ueberzeugung, datz der Zwang bereits zu weit getrieben worden sei. Deutschlands Finanzpolitik sei sinnlos gewesen, aber die französische Methode der Ruhr­besetzung habe sie sicherlich nicht gebessert, weder vom Standpunkt der Alliierten noch von dem Deutschlands aus. Großbritannien wolle kein zusammengebrochenes Deutsch­land, das eine Last und eine Gefahr für ganz Europa fein würde. Das Ziel der britischen Politik sei, die politischen und demokratischen Organi­sationen in Deutschland zu retten, solange es noch Zeit sei.

London, 17. Juli. In einer Besprechung bet Svnntagsree Poincares setzt bie „Times" auseinander, daß bie englische und bie französische Streitfrage nur noch in ber Stellungnahme ber beiden Länder in ber deutschen Frage bestehe. England will die deutsche Demot-atie davor retten, ber Anarchie und Reaktion zu verfallen. England sei überzeugt, tmß Deutschland im Kriege be­siegt sei. unb daß man militärisch daher nichts mehr zu befürchten habe.

Paris, 17. Juli. AndrSe Tardieu schreibt in seiner Besprechung der Rede Poincar6s in Senlis: Wenn Poincar6 und Theunis erklären, wir ver­lassen das Ruhrgebiet nur, wenn wir bezahlt sind, dann sprechen sie einen Nonsens aus. Wissen sie doch besser als jedermann, datz die Operation, wie sie sie geführt haben, nicht einträglich ist und nicht einträglich sein wird. Sie wissen, datz unter ihren Händen das produktive Pfand aufgehört hat, zu existieren und datz die Liquidierung der Läger, die sie jetzt vornehmen, nichts gemein hat mit einer Ausdeutung des Ruhrgebietes.

Die ganze Welt weitz, datz Frankreich und Bel­gien im Ruhrgebiet keine Zahlungsmittel vor­gefunden haben. Unser örtlicher Misserfolg deckt also unsere nationalen Schwierigkeiten auf. Hätten wir in Essen Erfolg gehabt, so würden sie nicht vor­handen sein. x

Eine vernünftige Stimme.

Paris, 17 Juli. In ber „Ere Nouvelle" w'e- handeln: zum Verhattdrin mit den Verbündeten, zum derholi Prof. Basch seine alte Mahnung zum Ber- Verhandeln mit Deutschland und ben Neutral Man könne riecht England gegen Deutschland ausfpieten und nicht Europa gegen, Deutschland, sondern müss- Deutschland in das Konzert der Völker zulassen. Es gelte die militärische Methode durch eine wahre Frie- dcnSmechod» zu ersetzen. r*

| Rüsten!

Paris, 17. Juli. Dem .^Journal" zufolge Hal Marschall Haig gestern in London auf einer von den Ver­tretern des englischen Reiches .besuchren Konferenz ein# Siebe gehalten, in ber er verlangte, oaß man energische Maßnahmen zur Verteidigung Englands etarrife. Haig sagte u. a.: Unser Ideal ist der Friede. Was muß zur Verwirllichung dieses Ideals geschehen? Auf biefe Frage gibt es nur eine Antwort: die h aß wie bie Welt selbst fei: Wer stark bewaffnet ist, bewahrt seine Güter in Frieden. Es gäbe in diesem Sprichwort keinen Wider­spruch, denn eine° unbewaffnet? Nation fei nicht imstande, sich bie Achtung unb Freundschaft ihrer Nachbarn zu erhalten. Im Jnttresst des Friedens, den England wünsche unb um sich bie Greuel des Krieges zu ersparen, wünschten bie ehemaligen Kämpfer w'° er. Marschall Haig selbst, daß ba8 Reich iu wirksamer Weise geschützt sei,

Eine bezeichnende Mahnung.

Paris, 17. Juli. Wft wir von zuständiger Seit» erfahren, werden die französischen Interessenten durch einen Geheimerlaß des zuständigen Ministeriums schoneich daraus vorbereitet, daß die Kohftnlieserungen auS benl Ruhrgebiet in den nächstem Wocken eine gewisse Ein« schränkung erfahren werden. Ties wird wie verlaute^ damit begründet, daß zwischen französischen Untrrneh- ment und deutschen Arbeitern Differenzen ausgcbrochk« seien

Berlin, 17. Juli. Zur Begründung der Bo« fetzung des Kohlenlagerplatzes der Kruppsche« Werke in Segeratb führen nach einer Meldung ber .Voss. Ztg." aus Eisen die Franzosen an, daß st» tote Vorräte dieses Platzes unbedingt brau­chen. In den am Sonntag wegen Nichtbezahlung her Kohlensteuer besetzten Betrieben ber Thyssen« werke haben die Franzosen mit dem Abtransport der Kohlen- und Koksbestänve begonnen. Dem Stahl­werk Witten wurde die Berfiigung über die Koh­len- unb Koksbestände untersagt. Wte das Blatt schreibt, zeigt die Beschlagnahme der Betriebsmittel ber großen Werke daß die K o h l e n v o r r ü t e, vi« auf den Zechen lagern, für die Franzofen imme- knapper werden. Der Zeitpunkt rückt immer nflbet, an. dem die Produktivität ber Ruhrdesetzung gleich Null fein wird. *

N sw York, 17. Juli. „Journal of Commerce" erfährt aus Washington, die Stellungnahme Poin» carös gegen die Einsetzung einer internationale« Kommission zur Festsetzung der Reparationszahlun­gen Deutschlands habe den Sinn, datz die Aussicht auf die Teilnahme Amerikas an der Regelung nun« mehr fast völlig in den Hintergrund treten solle. Angesichts des Gegensatzes zwischen Frankreich und seinen Alliierten in der Ruhrpolitik vermögen bi» Regierungskreise nicht zu glauben, datz unter beit gegenwärtigen Umständen irgendetwas für bi» Sache gewonnen werben könne.

L o n b e n, 17. Juli. Reuter melbet aus Pister» maritzburg: Auf bem Kongretz ber Sübafrikanische« Partei hielt General Smuts eine Rebe, in ber er auf bie verwirrenbe Lage Europas hinwies und sagte, bie Europäer wüßten, wie man Krieg führe, sfr wüßten aber im Gegensatz zu ben Sübafrikanern nicht, wie man Frieben machen müsse. Wen« Europa sich nicht erhole unb bie großen Absatz­märkte, bie besonbers englische seien, nicht roieber» herstelle, bann werbe Großbritannien mit seiner Bevölkerung von 35 Millionen Menschen in ein» furchtbare Lage kommen. Smuts sagte, er billige durchaus bie Haltung bes britischen Premier­ministers Baldwin, und schloß mit ber wiederholten Betonung seiner Absicht, auf ber kommenben briti­schen Reichskonferenz im «iRamen Südafrikas ein« Schlacht bes Friedens zu schlagen.

Die Ruhrausbeute der Belgier.

Paris, 17. Juli. Dem Brüsseler Korrespon­denten bes „Matin" zufolge feien bie Ergebnisse im Ruhrgebiet gestern in nachstehenber halbamtlicher Rote ausgegeben worben: Die Zählung ber bi» zum 1. Juli km Ruhrgebiet vorgefunbenen Stoff« ber Lager habe bie folgenben Zahlen ergeben:

1. 2 157 000 Tonnen Kohle, barunter 104 000 Tonnen Braunkohle. Der tägliche Abtransport be­trage 15 000 Tonnen unb man fei baher mit Kohl« bis zum 19. Dezember versorgt;

2. 1488000 Tonnen Koks. Täglich würbe« 10 000 Tonnen fortgefahren; man kann daher 149 Tage, also bis zum 26. Dezember, Koks aus bem Ruhrgebiet beziehen.

Schließlich heißt es: Belgien ist entschlossen, rot« auch feine Minister zu roieberhotten Malen bekun­det haben, bas Ruhrgebiet erst zu verlassen, nach­dem bie Verbündeten ihre rechtmäßigen Forberun- gen bmchgesetzt haben, welche bie Brüsseler Regie­rung übrigens energisch im Verlaufe ber an ben Erhalt ber englischen Note knüpfenben Besprechun­gen zum Ausdruck bringen werbe.

Bon ber Repko.

Paris, 17. Juli. Die Reparationskommission nimmt morgen nachmittag Erklärungen ber beut- fchen Kriegslastenkommisfion in Paris entgegen zu bei Frage, ob Deutschlanb auf Grunb bes § 19 bis im Anhang 2 zu Teil VIII bes Friedensvertrages Zucker auf Reparationskonto zu liefern hat.

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Die Mrtrslitm.

Berlin, 18. Juli. Blättermeldungen aus deM Ruhrgebiet zufolge wird die um zehn Tage verlängerte Verkehrssperre aufs Schärsite durchgeführt. Auf all« Personen, die versuchen, die Grenze vom vefetzten ms un­besetzte Miet zu überschreiten, wird ohne jeglichen Anruf von den gewaltig vcistärtten Grenzposten geschossen. An den Grenzstationen von Scharnhorst unb treten hört» man in der vergangenen Nacht roilht Schießereien. Di« Grenzkontrolle ioirb in rigorosester Weise durchgeführt. Viele Hunderte von Personen, die den Versuch machten, di« Kontrollstellen zu passieren, wurde« von den Poste» yich»