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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

w 4. H. Schäfer

Anzeiger für (bas früher kurheßifche) OberheM

Kaeernenstr. H

ir, 350 Mk> Amtlich« und au,w. Anzeige« 50V Mk. Bei schwierige« rß

Spät einlausend, oder den Raum über *f, Seit« einnehmend« gg, Allyls

Ät.165

1923

wtrd wie neu dnrdn emaillieren e. rend ekeln

Di« „Oberhegffch« Zritung" erichrint i«»rmal wöchentlich. — B«zug,vr«is monatlich 20 000 Ml. mit Zustevungrgebühr. Für au,iall«nde Nummrrn infolge Streit» oo«r elementater Errigniii« kein Eriatz. — Veriag von Dr. <L hiherotd. — Druck der Univ.-Luchdruck«r«i do« 3ob. Lug. Roch. Markt 21/23. — 3ernir>recher 55, Poü» fcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Mavburg

Dienstag, neu 17.3nli

Heuert

Der Anzeiaenvret« beträgt für den 9g«h>. Zeilenmillimeter 400 Mk. (ÄL Anzeigen und Familien-Änz. gegen bar, 350 Mk.> Amtliche und au,w. Anzeigen 500 Mk. Bei schwierig/ Sah 50«/, Auflchlag. Spät «inlaufend, oder den Raum über */, Seite einnehmeno« Anzeigen werden nach der Tertspaltenbreite berechnet. Reklamen der Zrilenmillimet« 2000 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet. Bei Sus» tunft durch di« ®«fdJöft»ft und Vermittlung der Angebote 1000 M, bei Uebersendung durch un» 300.— 3RL ohne Porto.

i Die enolitte ülntwort an DenIWnh t f Die englische Antwort an Deutschland bürste kaum vor Mitte der nächsten Woche zur Vor- Gige an die Alliierten reif sein. Bis dann die Be­iratungen der Alliierten selber über diesen Entwurf abgeschlossen sein werden, dürften wiederum mehrere Wochen vergehen. Der Zustand der Un­sicherheit und Ungewißheit wird daher geraume Zeit in Anspruch nehmen. Es kommt nun alles da­rauf an, daß wir in dieser Frist den Abwehrkampf beharrlich weiter führen und damit die gegnerische kpekulation auf einen alsbaldigen inneren Zerfall Deutschlands, der die Sachlage mit einem Male zu­gunsten Frankreichs und seiner politischen Ziele Indern würde, zunichte zu machen.

Was den Inhalt des englischen Entwurfes einer gemeinsamen Antwort an Deutschland angeht, so ftrht jetzt schon fest, daß England das deutsche An­erbieten nach einer unparteilichen Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit durch ein Sachverstän- digen-Kollegium annehmen wird; um die franzö- psche Empfindlichkeit ledoch zu schonen, soll von einer internationalen Untersuchungs-Kommission nicht gesprochen werden. Man läßt vielmehr die Möglichkeit offen, die Untersuchung durch Vertreter der n Betracht kommenden Gläubiger-Nationen intet Hinzuziehung von Sachverständigen aus an­deren Ländern vornehmen zu lasten.

Weiter wird in der englischen Note nach Ber­liner Informationen das von Deutschland vor- xeschiagene Earantiesystem für näherer Prüfung würdig bezeichnet.

In der Frage des passiven Widerstandes wird die englische Note zum Ausdruck bringen, daß nach dem Prinzip der Eegegenseitigkeit verfahren wer­den soll Es wird hier die alte englische Idee auf- tzenommen, daß Deutschland dem passiven Wider- * stand entsprechend dem neuen der sranzösisch-bel- gifchen politisch-militärischen Maßnahmen im Ruhr- i gebiet wahrnehmen soll.

Die ursprüngliche Absicht Englands in dem Ant- w/>rtsentwurf, dem anzufchließen Belgien und Frankreich aufgefordert werden sollen, auch eine große internationale Konferenz zur endgültigen Regelung der Reparationsfrage einzu­berufen, dürste indesten nicht verwirklicht werden. Eine diplomatische Dorsllhlung Englands in Paris f hat ergeben, daß Frankreich für eine der­artige Weltwirtschaftekonferenz un­stet Beteiligung Deutschland» als l gleichberechti gter Verhandlungsteilnehmer nicht zu haben wäre. Poincar4 hat den eng­lischen Unterhändlern lediglich zu erkennen gegeben, daß Frankreich nur für eine Konferenz nach dem Muster von Spaa zu haben sei. Das bedeutet also, daß Deutschland lediglich gehört und verhört, nicht aber als gleichberechtigter De- batter zugelasten werden soll. — Gegenwärtig sind zwischen Frankreich und Belgien übrigens noch Ver­handlungen im Gange wegen einer gemeinsamen Stellungnahme in der Frage des passiven Wider­standes angesichts der bevorstehenden englischen Rote. Poincars bleibt nach wie vor dabei, Der- tonblungen mit Deutschland erst dann „in Er­wägung" zu ziehen, wenn ,^uvor" Deutschland den passiven Widerstand völlig aufgegeben habe. Diese immer wiederkehrende Forderung ist nichts anderes als das Verlangen der Kapi­tulation» das Deutschland nie und nimmer er­füllen wird. Sehr lebhaft ist gegenwärtig auch die diplomatische Tätigkeit zwischen London und Brüs­sel, denn von der Stellungnahme Belgien» wird / ° letzten Endes auch die Haltung Frankreichs nicht unwesentlich beeinflußt, und die Versuche Englands, Krüstel von Frankreich ab auf seine Seite zu ziehen, »erden rastlos fortgesetzt.

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London, 17 .Juli. Im Unterhaus teilte Premierminister Baldwin in'Erwiderung auf eine Anfrage Ramsay Macdonals mit, daß beabsichtigt »erde, den Entwurf der Antwort an Deutschland, J*1 sich gegenwärtig in Vorbereitung befinde und den Alliierten vorgelegt werden soll, auch die Re- Sierung der Vereinigten Staaten mitzuteilen.

Dos Wo der MmiHkde In England.

London, 16. Juli. Eine Pariser Reutermelduug «reichnet Poincar6s Rede in ScnliS als direkt« > Antwort an Baldwin, die darauf hinauslaufe. oaß Frankreichs Politik unverändert bleibe und den Eindruck ^vecke, daß die Zugeständnisse an die französisch-britische , i «nigung im Lause der bevorsteheichen Verhandlung^» •»n britischer Seite kommen müßten.

London, 16. Juni. Die „Times" protestiert gegen Behauptung Poincarös, daß Großbritannien den Aersailler Vertrag nicht mehr unterstütze.

Blatt glaubt nicht, daß Poincare sein letztes Wort »Ipuochen habe. Er werde sicherlich erst die britische Note

der ebenso schuldigen Prüfung unterziehen, wie England das französische Experiment während der sechs Monate geprüft habe.

London, 16. Juli. „Daily Chronicle" schreibt: Poincarö erzähll uns im Voraus, er beabsichtige, ven britischen Antwortenentwurf abzulehnen. Können tor unter diesen Umständen die Entende ausrechterhalten? Können wir behaupten, wir glaubten, die französi­schen Politiker wollten wirkliche Repara­tionen? Wenn sie sie wollten, würden sie nicht di' Politik der Invasion und des Terrors im Ruhrgebiet fortsetzen. Die „Daily News" fiiwt. Poinoarös Rede lass- wenig Hoffnung auf eine Annahme der britischen Vorschläge. Man müste sich jedoch vor vor­zeitigem Pessimismus und der Annahme hüten, daß ein endgültiger Fehlschlag unvermeidlich sei. Die Rede mache Frankreichs Standpunkt nicht weni­ger unhaltbar als bisher und ändere nichts daran, daß es einen Ausweg suchen müsse. Der „Dail" Hevald" schreibt: Da der französische Ministerpräsident mit so lauter Stimme sein Nein rufe, müsse England ver­suchen, dem französischen Volk zu zeigen, baß die fran­zösische Politik außerhalb Frankreichs keine Unterstützung finde. Die Heinen Nationen Euro­pas tofirben sehr bald zeigm, daß sie den Versuch, Deutschland aufzulösen, nicht billigen.

Paris, 16. Juli Der Londoner B-richterstattm des „Newvork fVratb" meldet über den Eindruck der gestrigen Rede Poincarös. in englischen Kreisen habe gestern Abend der Eindruck geherrscht, daß die Rede die Uebermittelung des britischen Antwortentwurss nach Paris nur noch zu einer reinen Formaliiät mache. Valdwin sei wie sein Vorgänger oifenkundia bereit, weit« gehende Konzessionen hinsichtlich bet französischen Schul­den bei England zu machen, aber nur dann, wenn Frank­reich sich bereit finde, s ine Haltung zu andern und einer geschäftsmäßigen Regelung der Relmrationssrage seine Zustimmung zu geben. Während aber der iranzös-sch- Ministerpräsident s inm Standpunkt unnachgiebig ouimf.t- erbalte. lägen in Loudon Anzeichen dafür vor aast Belgien in großer Besorgnis sei wegen etwaiger Rück Wirkungen, die sich nach einem endgültigen englisch-fran­zösischen Bruch fühlbar machen würden.

London, 15 Juli. Zu den Aussichten d'S briti­schen Antwortentwurfs an Deutschland brmerft der diplo­matische Berichterstatter des „Cb^rt^r", der g mäHgter- Ton der französische Blätter anläßlich der Erklärung Baldwins im Unterhause sei bemerkenswert. Es sei von Bedeutung, daß die weitere Entwicklung der Dinge Frank­reichs Isolierung in ein immer Heller s Licht sitzen würde Die amerikanisch"N Farmer beispielsweise s ien aufg fordert worden, den Anbau von Weizen einzufchränken. da bei der gegenwärtigen Sage nicht genügend Absatzmöglich­keit vorhanden fei Belgien sei schwer betroffen durch die Störung seiner Industrie und oas Fallen seines Wechselkurses. Die Einwirkung Belgiens auf Paris iei zu erhoffen. Man könne vielleicht erwarten, daß Poin­care geneigt sein werde, unter diesen Umständen die Front wiederherzustellen, soweit Frankreich dies ohne zu großen Prestigeverlust möglich sei. Hier liege die Stfinnerigfenl. Wenn Frankreich die Besetzung unsichtbar mache, txe poli­tischen Gefangenen freilasse und den Ausgewiesenen die Rückkehr gestatte, werde die deutsche Regierung in der Lage fein, sich öffentkich gegen ixe Fortsetzung des passiven Widerstandes zu erklären. Voraussetzung sei, daß Frank­reich sich verpflichte, den Spruch der Untersuchungskom­mission anzuerkennen. Die Zukunft der Alliierten-Ber- handlungen hänge davon ab, ob her Ministerpräsident genügend Mut und Klugheit besitze, um diesen Weg zu finden.

Da» Ergebnis.

Paris, 16. Juli Das Organ Andre Tardieus, das „Echo national", unterzieh sich der Mühe, die gestern durch den „Matin" verbreiteten Ziffern über den Ertrag der Ruhrbesitzung zu widerlegen, nicht aus eigenem, son­dern durch Gegenüberstellung der Aeußerungen Poin- cares im Parlament und durch Aniührung der offiziellen Ziffern des Ministers für ösfentllche Arbeiten. Für die versichert, das Ruhrgebiet liefere im Jahre 1923 monatlich 225 000 Tonnen Kohlen. Am 19. Juni aber habe Poin­care im Senat ertlärt, vom 10. Januar bis zum 30. Juni 1923 habe das Ruhrgebiet Frankreich 405 602 Ton­nen Kohlen gleich 67 000 Tonnen monatlich geliefert. Der Abstand zwischen der Monatsziffer Le TrvyuerS und derjenigen Poinoares betrage also 150000 Tonnen, was nicht nebensächlich sei Auch d« Zollstatistik dementiere Die Ziffern deS Ministers für .fientliche Arbeiten. Für die Monate Januar, Februar, März und Avril d. Js. weist sie für die Einfuhr von deutschen Brennstoffen 961000 Tonnen auf, gegen 2570000 in den entsprechenden Vier Monaten des vergangenen Jahres. Desgleichen werde Le Twcquer von der belgischen Statistik widerlegt, die für die ersten fünf Monate dieses Jahres 196 000 Tonnen ausweisi, gegen 1063 000 Tonnen im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Die Behauptungen des ftan- zösischen Ministers für öffentliche Arbeiten, daß das Ruhrgebiet für Frankreich im Jahre 1923 225 000 Ton­nen monatlich geliefert habe, werde also dementiert erstens von Poincare, der 405000 Tonnen für fünf Monate angebe, zweitens von der französischen Zoll­statistik, die als Gesamtlicsirung an Kohlen, Koks und Braunkohlen 961000 Tonnen für vier Monate an­führe und drittens von der belgischen Statistik, die 196 000 Tonnen Kohle für fünf Monate verzeichne.

Sie BnlehkÄkm.

Gin Aufschrei der Empörung geht durch ganz Deutschland bei Bekauutwerdeit dieser neuesten Matz-

nähme sranzvflscher Gewaltpolitik. Die vollstündige Absperrung der besetzten Gebiete ist eine so unge- beuerliche Maßregel, datz fte anfangs in ihrer vollen Schwere garnicht erfaßt werden konnte. Die abgelau» fene 14tägige Sperrfrist hat aber allen die Augen ge­öffnet darüber, datz die Franzosen hiermit allen ihren bisherigen Drangsalierungen und Vergewaltigungen die Krone aufgesetzt haben Die Blockade der besetzten Gebiete bedeutet nichts weniger, als datz Deutschland in zwei grotze Konzentrationsgefangenenlager geteilt wird, datz nickst nur die Deutschen der besetzten, son­dern auch der unbesetzten Gebiete ht ihrer Bewegungs­freiheit in unerträglicher Weise behindert werden. Die Blockade bedeutet weiter, datz 16 Millionen Deutscb« der Gefahr deS Hungers ausgesetzt sind und datz nicht nur das wirtschaftliche und private Leben, sondern auch das staatliche imterbunden wtrd.

MS die erste Sverre verhängt wurde, gaben die Franzosen alS Grund das noch heute ungeklärte Attentat auf einen Regtezug auf der Duisburger Brücke an. Für die Verlängerung der Verkebrslperre sind aber, bisher wenigstens, überhaupt keine Gründe angegeben worden. Frankreich hält es offenbar nicbt mehr für nötig, die Willkür seines Vorgehens zu ver­schleiern. Bei der Verhängung der ersten VerkebrS- sperre begnügte stch die ReichSregierung mit einem, zudem noch verspätet abgegangenen Protest bei der englischen und italienischen Regienmg. Der Welt wurde nur die Tatsache des erfolgten Schrittes, nicht aber sein Inhalt mitaeteilt. Wir erwarten, datz nun­mehr, wo die Franzosen ihre brutalen Gewalfinatz- nabmen fortsetzen. von autoritativer beutf<ber Seite ouS das Unmenschliche und Unerhörte, welches die Blockade darstellt, in eindrucksvoller Welse vor aller Welt feftgeftmt wird. Erfolgt fetzt in dieser Hinsicht wieder nichts, dann mutz fa auch das uns nickt feind« '!ck gesonnene Ausland scklietzlick zu der Ansicht kom­men. datz eS gar „so schlimm" nickt sei.

Berlin, 17. Juli. Die Verlängerung der Ver« kedrSsverre im besetzten Gebiet bat in allen nabe ge- leaenen Städten sowie im abgesperrten Gebiet selbst eine autzerordentlicke Erregung 6erborgen!fen. ES entsteben dadurch sckwerste Bclästtnunaen einer gro- f-ptt AnzakU Von Rbein- und Rubrdeutscken. die nickt mehr recktzeitka in Mf Heimat znrückkebren konnten, und sckwere Schädigungen de? Wirtschaftslebens im befetten und unbesetzten Gebiet. Die wirklicken Gründ- der neuen Gewaltmatznabme find cmckentisck nickt bekannt. Dem Polizeiprästdentcn von Dortmund ist lediglich der Befebl zugeaangen, datz der General b<*r Besatzunasarmee weaen der Barmer Zwischenfälle die VerkebrSsperre bi? zum 26. Juli nackt? verlänget. Von solchen Vorgängen, die diese Maßnahme auck mir Sußerlick begrünben könnten, ist in Barmen nicktS bekannt. Die SVerrmaßnabmen wurden in bet Nackt vom Sonntag zum Montag mit Monbeter Rücksicht?- loslgkeit burckgeMbrt. Zahlreiche Personen, bie bie Grenze überschreiten wollten, würben verhaftet, unb mehreren Arbeitern ihre Fahrräber beschlagnahmt.

Vohwinkel, 17. Juli Beim dem Versuch, das abaesverrte Gebiet zu überschreiten, wurde hier am Sonnabend der Kaufmann Joses Blankenstein au? Düsseldorf durch eine Kugel von einem srarnösifchen Posten so schwer verletzt, daß et noch am Abend im Krankenhause zu Elberfeld seinen Verletzungen erlag.

Essen, 16. Juli. Ein Anschlag an dem hie- figen Paßbüro besagt: Wegen verschiedener Hebel« taten in Barmen bleibt das Paßbüro bis 26. Juli geschloffen. Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle ist die Grenzsperre zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet damit um zehn Tage ver­längert.

Essen, 16. Juli. Die Verkehrssperre ist im Bezirk Gönterstraße—Kaninenberg—Töpferstraße— Walpurgisstraße bis zum 1. August verlängert wor­den und zwar in verschärfter Form. Morgen tritt die Sperre bereits um 7 Uhr statt bisher um 8 Uhr abends ein.

Elberfeld, 16. Juli. Arn Sonntag vormit­tag ist in Remscheid von der französischen Be- satzungsbehörde die Straßensperre von 9 Hhr abends bis 5 Uhr morgens bis zum 31. Juli für Personen und Fuhrwerke verhängt worden. Al» Grund dieser Maßnahme wird eine angeblich am Freitag den 13. Juli zwischen Remscheid und Lü­dinghausen erfolgte Schießerei auf eine französische Patrouille angegeben. Die Feststellung ist von den Franzosen einseitig gemacht worden und konnte von den deutfchen Behörden nicht nachgeprüft werden. Im Gebiet von Remscheid darf sich auf den Straßen und Wegen niemand sehen lasten.

Sanktionen.

Barmen, 17. Juli. Der am Freitag von den Franzosen sestgenommene und nach Düsteldorf ge­brachte Direktor der hiesigen Reichsbankstelle, Cru- sius, wurde von den Franzosen in das Düsteldorf- Derendorfer Gefängnis eingeliefert. Am Sonntag nachmittag wurde Erufius von den Franzosen im Automobil in die Nähe von Dornap gebracht und auf offener Landstraße ausgesetzt. Heber den Grund feiner Festnahme wurde ihm nichts mitgeteilt. Die am gleichen Tage von den Franzosen während der Besetzuitg Barmens verhafteten Offiziere der Schupo wurden ebenfalls nach dem Düßeldorf- Derendorfer Gefängnis gebracht, sind aber dis jetzt noch nicht wieder freigelasten worden.

Eronenberg, 17. Juli. Als am Sonn- aben der Kommandant von Vohwinkel den hiesigen französischen Truppen einen Besuch abstattete, sollen Schüße laut geworden sein. Sech» Zivilisten unb

zwei Beamte der Schutzpolizei wurden verhaftet und der am Sonnabend abgelaufene Belagerung»« zustand um weitere 6 Tage verlängert.

Cronenberg, 17. Juli. Der Stadt ist roe» gen angeblicher Schießerei auf einen französischen Posten eine Geldstrafe von 60 Millionen Mark aus» erlegt worden. Der Bürgermeister von Cronenberg und der Kommandant der Schutzpolizei wurden zn je 2 Monaten Gefängnis verurteilt.

In Weitmar bei Bochum ereignete sich gestern abend in einem französischen Automobilpark ein« Explosion. Ohne festzustellen, ob es sich um einen Anschlag oder um eine Entzündung infolge des Ge­witters handele, verhängten die Franzosen, wie mehrere Blätter aus Esten melden, sofort über Bochum und Weitmar den verschärften Belage­rungszustand. Von 8 Hhr abends bis 5 Hhr, mor­gens ist jeder Verkehr verboten. Durch Zerschnei­den der elektrischen Leitungen haben die Franzosen den Straßenbahnverkehr stillgelegt.

Weitere» Borgehen gegen Krupp.

Essen, 16. Juli. Nachdem die Franzosen a« 1. Juli durch die Besetzung des Lagerplatzes Sege- roth die Hauptkohlenvorräte der Kruppschen Werke beschlagnahmt und teilweise bereits fort- geschafft haben, wurde die Firma am 14. Juli von weiteren folgeschweren Eingriffen betroffen. In den benachbarten großen Werkstätten wurden bereit Vorräte an Betriebskohle, ohne die jed« Weiterarbeit unmöglich ist, ebenfalls beschlag­nahmt. Durch dieses Vorgehen der Franzosen sind, entgegen ihren bisherigen Erklärungen, kein« Arbeiter auf die Straße fetzen zu wollen, zunächst das Radreifenwalzwerk sowie die Gießereien 2 unb 3 zum Stillstand gebracht worden. Die gesamt« Belegschaft dieser großen Betriebe wurde ar­beitslos, ebenso wie die des Martinwerk» 7, des größten Kruppschen Stahlwerks, welches be­reits infolge des ersten Eingriffs der Besatzungs­truppen stillgelegt werden mußte.

Thyffenmerke besetzt.

Paris, 16. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Düsteldorf 'sind die Thyßenwerke in Hamborn gestern besetzt worden mit der Begründung, daß fi« die Bezahlung der Kohlensteuer abgelehnt hätten. Es seien große Kohlen- und okslager beschlagnahmt Es seien große Kohlen- unb Kokslager beschlag­nahmt worden.

Wieder ei« Mord.

Pari», 16. Juli. Havas berichtet aus Düstel­dorf wieder über einen Zwischenfall, bei dem ein Deutscher das Leben eingebüßt hat. Gestern abend 11 Hhr sollen auf der Eisenbahnstrecke nach Eus­kirchen in der Nähe von Kall Signale sabotiert worden sein. Ohne daß auch nur ein Versuch ge­macht worden wäre, zwischen diesem angeblichen Tatbestand und den Folgen eine Verbindung her­zustellen, fügt die Meldung lakonisch hinzu, ein« Patrouille habe auf zwei Deutsche geschoßen, di« sich auf der Strecke befunden hätten. Einer davon sei getötet worden.

Sie „beschlagnahmen-.

Paris, 16. Juli. Havas verzeichnet in feiner heutigen Düsteldorfer Tageschronik über die Zwi­schenfälle in den besetzten Gebieten die Entdeckung und Konfiszierung einer aus de» Ruhrhilfe stammenden Summe von 702 Millionen Mark unter dem von einem Schiff in Godesberg ausgeladenen Gepäck. In Mainz seien drei Deutsch«, zwei Studenten und ein Eisenbahnarbeiter, fest­genommen worden, die einen Eeldtransport be­gleiteten, mit dem die streikenden Beamten bezahlt werden sollten. In Eroß-Eerau seien 2 640 000 e* beschlagnahmt worden und in Worms 320 Mil­lionen Mark, die aus Darmstadt angekommen seien und deren Zweck r>erhädjtirt gewesen sei. Da in Limburg die Beschlagnahme des Kastenbestande» der Reichsbankfiliale wegen Mangel an gutem Willen auf Seiten des Direktors nur sehr unvoll­ständig durchgeführt werden konnte, wurden der Direktor und sein Stellvertreter beobachtet unb btt» Reichsbankgebäude militärisch bewacht.

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Limburg, 16. Juli. Au» Diez und Freien­diez wurden heute 88 Eisenbahner mit ihren Fa- mitten, zusammen mehrere Hundert Köpfe, aus- gewiesen. Die Eisenbahner wurden auf der Stell« abtransportiert, während den Frauen und Kindern eine Stunde Zeit gelaßen wurde, um sich mit Hand­gepäck zu versorgen.

Elberfeld, 17. Juli. In Castrop bestiegen am Sonntag mehrere Soldaten bi« Straßenbahn­wagen und wiesen einen Schein vor mit der Auf­schrift: „Wer den Inhaber diese« Schein» von bet Fahrt zurückhält, wird vor das Kriegsgericht ge» stellt.«. . - — ( J