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9?r. 163
Sonnabend, 14. Juli
1923
und sie selbst völlig in ihr Interesse einspannte, gab sie sich immer ruhiger und unbefangener — Die Ziga-1 rette zu ar nicht ganz sachgemäß behandelns — wahrend I sie ihm gegenüber ziemlich zwanglos in einem Sessel I lehnte.
„Immer mehr komme ich zu der Ansicht", sagte Wahlreden jetzt gelassen, „daß Sie aus sehr guter Familie stammen müssen. Kleinigkeiten in Ihrer Haltung, Ihrem Akzent, Ihrem Cesichtsausdruck b> I stärken mich darin, und die eigentümliche Art, zu erzählen, eine gewisse, ich möchte sagen, elegante Sanftheit lassen mich auf eine liebevolle, vielleicht vor- I nehme Mutter schließen. Gerade diese Beobachtung I aber verhindert mich, zunächs?sirge:K welche, sonst ge-1 boteneu Fragen! zu tun und Erklärungen zu vcruu- rnlasten. Mit der Zeit werde ich schon dahinter kom-1 nten, was fü: Schicksalsschläge und Fügungen sie jetzt I zun Sticken einer dienenden Lebensstellung gezwungen I > haben. Nach einer zweifelhaften Existenz nach Schuld oder gar Verbrechen sehen Sie nsicht aus, sodaß sich I da von selbst jedes Mißtrauen erübrigt. So rühre ich nicht an manches, was mich sonst zu scharfem I Examen veranlaßt hätte. — Eini eigenartiges Ver- I treuen, wie ich es noch selten, einem ganz Fremden gegenüber empfunden» erfüllt mich Ihnen gegenüber, und mit einer gewissen Genugtuung denke ich an das merkwürdige Benehmen des Hundes, der jetzt zu Ihren Füßen liegt und Herrn Gehring statt meiner für seinen eigentlichen Herrn zu halten scheint. Hunde sind gute Menschenkenner" schloß er, auf Baghera deutend.
Gerda tat einige kräftig« Züge aus ihrer Zigarette, die sie in einen leichten blauen Schleier hüllten. \
, Ja. Fremden gegenüber," sagte sie, „aber trennt sie einmal einen Herrn haben, von Jugend an, wer- den sie gut und schlecht gantz gewiß nicht an ihm unterscheiden, sondern nur treu sein, unter allen Ver- haltwissen oder Veränderungen. Man weiß eS. von den Hunden schwerer Verbrecher."
Wall reden sah gedankeHrÄl bar sich HttrI Nn
(Nachdruck verboten.) I
Gerda Cerovirrs.
Roman vonAdavonGersdorff.
26. Fortsetzung I
>T Ter Hund blieb dicht an Gerdas Seite, ab und zu - Hie Schnauze an Gerdas Rock reckend; sein Auge war I Ruhig und schön, seine Bewegungen von der stolzen An- Äut vollendeten Kraftbewußtseins. Ms sie ins Zimmer I traten, legte er sich auf ihren Wink aus den Bärenpelz I itm Kamin, stand aber sofort wieder aus, als sie sich I t»n ihm entfernte, und behielt sie fest im Auge. 1 st „Es ist wahrhaftig rührend, wie diese wilde Kraft. | fcied mächtige Tier... förmlich Schutz und Beruhigung I hon Ihnen zu erwarten scheint!" sagte Wallredeu I Wmmnbert.
4 Dam. lud er sie ein, Platz zu nehmen und nahm Likör unb Zigaretten aus einfein Schränkchen neben trat Kamin.
; Den Likör lehnte sie ab, und um das lästige, so gc-1 sLhrliche Erröten, das sie dabei überflog, zu verbergen, ßteigre sie sich mit einer mchewußt zärtlichen Be- kegung, die etwas sehr Weibliches hatte, zu dem Hunde i Wieder uni streichelte ihm „Ich bin Abstinenzler," sagte sie. , ' .
b Die Zigarette nahm sie an. Man konnte sich ein faeirig mit ihr beschäftigen beim Reden, und Himer „ dem blauen Dampf ließ sich am Ende ruhiger von Pein- ticken Dingen sprechen und verlegene, unsichere Mo- Ziente waren schneller zu überwinden, als wenn man, so 'ganz wehrlos, der Betrachtung des anderen preis- gegeben, da saß.
i Sie fürchtete immer, daß Wallreden von ihrer Herkunft und Vergangenheit anfangeu oder ihre Papiere zu sehen verlangen würde. Aber zu ihrer Verwunderung tat er beises wicht, wenigstens jetzt nickt, sondern sprach lediglich von dem, was ihn an seinem , jungen Beamten als solchen interessieren mußte. Ta Dieses Themata vpllkommen vvn ch: beherrfcht wurde
Sitzung einberufen werden, sondern einen türkischen I "Schritt abwarten. Man zeigt sich jedoch etwas ver- j wundert darüber, daß ein solcher türkischer stritt noch nicht erfolgt ist. Am Vormittaz und am Nachmittag traten die Miierten zu ejnet gemeinsamen Besvrechung zusammen, über die kein« Mitteilung gemacht wurde. Man erfährt nur, daß die Alliiertem dabei beharren, daß die am Sonntag getroffenen drei | grundsätzlichen Losungen nur dann aufrecht erhalten I werden könw-n, wenn die Türken eine jede von ihnen anerkennen. In der Konzeisionssrage konnten jedoch keine weiteren Zugeständnisse mehr gemacht werden, lieber die Frage der Räumung der Dardanellen äußert man sick etwas weniger kategorisch. Man knüpft daran die Vermutung, daß ein Ausgleich zwischen den beiden Streitfragen vielleicht nächt ausgeschlossen ist und wahrfckeinlich auch von den Türken von vornherein angestrebt werd«, astd-rerse'ts spricht man davon, daß auch andere bereits erledigt« Fragen wieder ausge- warfen würden. Gl-sichzei ig g-h-n Gerüchte um über Schwierigkeiten, die in den amerikanisch-türkischen Ver- handlurften entstanden wären. Trotz bet pessimistischen Stmimung und der Verwirrung, die der gegen- n>artige Rückfall der Konferenz in das ChaoS der vergangenen Monate hervorriefe, hofft man jedoch in meisten? gut unterrichteten' Kreisen auf eine baldige lleb'.rwindung der rteuen Krise.
Lausanne, 12. Juli. Die heutige offiziöse Sitzung zwischen den Miierten und den Türken über die Räumung der Dardanellen durch die alliierten Kriegsschisie und in der Konoessionssrage tourben alli- ierterieitS plötzlich abgebrochen, ohne daß eine neue Zusammenkunft v-w inbari wurde. H
Die Alliierten erklärten, daß der türkische Widerstand in der Konzessionsfrage im Widerspruch stehe zu den am Sonntag getroffenen Vereinbarungen und daß, .venu die Türken ihr« Haltung nicht änderten, auch
Schatten, schnell und finster, glitt über seine Stirn, Irgendeiner Erinnerung geltend. I
Schwere Verbrecher brauchen nicht immer schlecht« Menschen zu fein," sagte er sinnend und stand schnell I auf. „Ihr- Papiere, Anmeldungen usw. bringen Sie I hier wohl selbst in Ordnung," meint« er dann leicht- I hin. „Ziehen Sie es vor, wach Ihrem Hotel zu gehen I ober wollen Sie h er bleiben un!d mit mir elfen?"
„Ich möchte noch einmal njach meinem Logis, Herr I Baron, und ich finite mich ein, sobald Sie es wünschen 1 wegen iwr Fahrt nach Kudenhofen." I
„Haden Sie schon behalten^ den Namen? Gutes I Gedächtnis scheinen Sie auch zu haben." I
„Ich brauche mir nie Notizen zu machen. Was Namen und Zahlen betrifft, ganz besonders nicht," bestätigte Gerda mit erfreutem Blick.
Es war so angenehm, wie dieser Manw an jeder Geringste eine Belehrung auzuknüpfen, eine Folge- rung anzuschließen wußte. Ihr war es heute schon mehrfach ausgefallen. Und als sie nachher ihrem | Hotel zuging, war sie in ei wer so denkbar gehobenen Stimmung, daß sie meinte, feit den schönen Plauderstunden mit ihrem Vater keiiP so angenehme verlebt zu habens wie mit diesem fremden Manme, den sie ihren Herrn nttnnte und den sie schon lange zu keimen wähnte. DaS schöne Vertrauen, das er ihr freimütig bekannte, tat ihr außerordentlich wohl und erleichterte chr ihre bedenkliche Situation bedeuten-. Fast war es ihr, als würde er sie gar nicht schelten um ihr Wagnis, wenn ein unglücklicher Zufall ihr I doch einmal einen Strich durch die Rechnung machen sollte. Er schien so viel erfahren zu haben, sich so gut auf Menschen zu verstehen. Dann fiel chr der Brief ein, den er selbst schrieb, als sie heute eintrat, und lächelnd mußte sie an den „Glücksklee" denken, den er hineir.lchob. Vielleicht war er verlobt oder wollte sich veröden. Das wäre das Beste gewesen, auch für sie, I wenn er sich verheiratete. Er war doch noch etwas | jung höchstens sänjnnd teigig Jahr , und sieb r wär« | chr ein äUectit H«v sdu verheivttfa«
6tol$ mlsl die Slootit.
Der „Vorwärts" hat kürzlich einem ganz eigenartigen Schmerzgefühl Ausdruck gegeben. Ein Genosse hatte den Zoologischen Garten in Bettin besucht und hatte dabei außer dem Gebrüll der Löwen auch mit anhören müssen, wie die Kapelle das deutsche Flaggen- lied spielte. Dem Genossen hatten sich die Haare gesträubt und er setzte sich flugs hin und schrieb dem „Vorwärts" einen Besckwerdckrief. Darin ließ er durchblicken, daß die Bcköcken eines republikanischen Staates und der Magistrat der n'cht minder rep.cksi- kanischen Hauptstadt Bettin keine Veranlassung hätten, ein Unternehmen noch mit Geld zu unterstützen, das dergestalt „den Bestand der Republik gefährde". Maa werde das den Herren vom Zoologischen Garten bei de- nächsten Gelegenheit einmal iüh'bar machen müssen. Zu einem Boykott wagte der Genosse nicht auf»
Raschen Schrittes, erhobenen Hauptes schritt sie durch die Straßen. Niemand sah sie an — belästigte sie, Wie früher so oft, wenn sie allein ging. Sie war fit, eeine Frau ungewöhnlich hoch gewachsen, und ihn raschen, energischen Bewegungen, ihre prachtvolllev blonden Zöpfe waren sehr oft in ihr peinlicher Weise anfgesauen. Und njun so anders. So geschützt und gesichert, so geborgen kam sie sich vor. So frei und wohl fühlte sie sich in ihrer „Bärenhaut"! — Vonj Stunde zu Stund« sah sie zuversichtlicher in die Zu- Zunft. Der trübem zerrissene Himmel ihres Lebens wat wieder so rein und klar geworden wie frühem wen« sie auf RemuS ihrem Vater gefolgt war durch dick und dünn, über Gräben und Hecken, Moor und Dorn- I gestrüpp. Und auch damals war chr schon oft die Männertracht ein sicherer Schutz gewesen, wenn fü auf ihren einsamen Ausflügen Vagabunden bemerkte, — Za klar und blau schien es nun um sie und übe, ihr, aber sie wußte recht gut, daß nur der Wechse' beständig ist. Wo würden wohl jetzt die Wolken auf- steigen, die doch wohl nicht ausbleiben konnten? Abe, I zu vorzeitigen Aengsteih zu übergroßer Vorsicht, z» philosophischen Betrachtungen über Möglichkeiten uftoc war sie wenig veranlagt, und als sie in ihrem Logit ihre paar Sachen in den Koffer schloß, pfiff sie muntti vor sich hin in dem frohen Sicherheitsgefühl, daß sie nun pfeifen durfte, ohne Aergernis zu erregen:
Fahret hin, fahret hin, . Grillen, gcht mir aus dem Sinn!
Tann aß sie ganz gesunden Appetite- zu Mittag uni macht« sich auf den Weg zu ihrem .Herrn".
(Fortsetzung folgt'
zufordern, da er der Meinung war, man könne eine I alle and ren Abmachungen, rn denen die gesamte grund- derartige Bildungsstätte doch nicht ganz entb.hren Mlick« Einigung am Sowntag erfolgt war, hmfalltg »(welch ein Eingeständnis). Tie meiste Wut aber I werden. G A
verspritzte er gegen die Kapelle selbst, die seiner Ansicht ♦ '
nach eine — Reichswehr-Kapelle in Zivil war. Er TiöttHrfttxx
meinte, man müsse in Zukunft unbedingt verlangen, JJVuiiujCb -Rwluj.
Marburg und Umgegend.
Marburg, 14. Juli (Heuert).
* Akademischer Gottesdienst findet morgritz Sonntag Vormittag 11 Uhr int Michelchen statt.
* Der Margaretentag, der 13. Juli, ist nutz vorüber. Dieser Tag hat eine ähnliche Bedeutung tou der Siebenschläfer, sagt doch eine Bauernregel: „Witts AMrgaret zum Geburtstag naß, füllt sie 4 Woche« das Regensaß." Daß es wieder, wie neulich, Woche» lang anhaltend regnet, wünscht niemand, aber so et'm klein« Erfrischung könnte jetzt der Feto- uno Gap tenwirtschast gar nichts schaden. Heute früh M eS jtz auch einige Tropfen geregnet.
* Gerichtsferien. Mit dem 15. Juli be^ ginnen die allgemeinen Gerichtsferien, die am 15.; September wieder zu Ende gehen. Während dieser! Zeit werden Termine abgehalten und Entscheidungen erlasien in folgenden Sachen: freiwillige (5e* richtsbarkeit, Strafsachen, Arrestsachen und einsti wellige Verfügungen, Streitigkeiten zwischen Ver^ Mieter und Mieter oder Untermieter wegen Zurücks Haltung eingebrachter Sachen, Streitigkeiten au» Dienst« und Arbeitsverhältnissen, Wechselsachen, Streitigkeiten über die Fortsetzung eines angefan* genen Baues. Vor dem Amtsgericht find auf An^ trag auch andere Sachen als Feriensachen zu bezeichnen.
* Gültigkeitsdauer der Fahrkar«, ten nach dem besetzten Gebiet. Infolge der Verkchrssperre im Westen ist die Ellltigkeits«, dauer der vor Bekanntgabe der Sperre von und nach Stationen des gesperrten Gebiets und darüber hinaus gelösten Eisenbahnfahrkarten und Fahr- fcheinhefte bis zum 4. Tage nach Aufhebung der Sperre gegen Bescheinigung durch die Stationen verlängert worden. Bei Aufgabe der Weiterreise wird das verbleibende Fahrgeld gegen Rücknahme der Karte in einfachster Weife möglichst von den Stationen zurückgezahlt. Bei Fahrgelderstattungs aus Anlaß der Derkehrssperre werden Vermaß tungskosten nicht einbehalten.
* Schulamtliches Ernannt zum Haupttchre» Lehrer Ludwig Korell in Schrecksbach, Kreis Zieg'nhainf zum Kreisjug-ndpfl-ger: Studienassessor Henne in Ncel» sungen. Versetzt die Lehrer Richard Engelhardt voz Lembach, Krs. Homb-rg. nach Loshausin, Kr. Zftgenhait^ Jul. Banfs von Wallroth, Kr. Schlüchtern, nach B'llitz
I Pausen, Kr. Marburg. In den Ruhestnrck versetzt: Reklof I Karl Werner an der mittleren Schule in Homberg, Lehret I Heinrich Sanff in Bellnhausen, Kr. Marburg a. L.
I * Jugendpflege. Der preußische Wosliahrts» I Minister tritt in einem Runderlaß an die Regierung) I vräsidenten für einen weiteren Ausbau der Jugendpflege I ein. Er weist darauf hin, baß alle tn oen Gemeinte I bestehenden Einzelvereine für körperliche, geistige uni I sittliche Pflege der Jugend ohne Unterschied des B« kenntnisfts und der Weltanschauung den bestehende»
I Ortsaiisschüsen für Jugendpflege anzugehören haben, so» I fern sie staatliche Unterstützung zu erhalten wünsche» I Auch Jugendpflegeverbände usw. tönnen mit Beihilfe^ I für bestimmte Aufgaben, nicht aber für Verwalttuigs« I kosten und dergleichen, vom Aoh^lahrtIminister bedach» I werden. Voraussetzung hierzu ist auch bei ihnen, daß stz I der staatlichen Jrgmdpslegrorganisation angefdjtoffen fin^ I und an der Förderung ihrer Zwecke Mitarbeiten. Spitzens I organisationen der Jugendpflege sind z B. der Aus^ | schuß der Deutschen Jugendverbände, der Deutsche Reich» I ausschuß für Leibesübungen, die Zenlrattominission fß I Arbeitersport und Körperpflege, der Bett'and der Deut I scheu Jugendherbergen. Dasselbe gilt von den übe I das ganze Reich oder das gon^ Sau» sich erstrecket I Großverbänden, z. B. der Deutschen Turnerschaft, den f Arbeiter-Turn- »nd Sporilmnd, dem Deutschen Futo I ballbnnd. ’
I * Strafkammer. Nachdem einige -Anklagelache» I vertagt worden waren, beschäftigte sich das Gericht geften | mit einem Unglücks fall, der sich int September v. Js
Sie Marner Muenz. .M Eine ueue Krise.
Lausanne, 13. Juli. Tie Lage ist seit gestern abend unverändert. Es hat keinerlei Sitzung zwilchen ten türkischen und alliierten Delegierten stattgesunden, und die Alliierten erklärten^ daß sie auch keine neue
daß die Kapelle dann auch die Internationale spiele. Berlin. 14. Juli. Nach einer neuen Verord- Wie wir hören, hat die Reichswehr sich diesen nung des RetcharbettsmintsterS wird die Grenze für
MM «M» «'» --»«mm. S. N«
ganz genau, was es h-tßt. von dem Bannürahl^dcr l Millionen Mort, tm besetzten, tm Einbruch?»
Soz'a d'mokratie getrof'ea zu w t en. In He7em Tya le un6 ßem cMetiiet, in dem besondere Vorschriften für
aber tröstet sich die Reickswehr doch damit, daß d,-r I bter Erwerbslosenfürsorge gelten, auf 34 Millionen Tobsuchtsanfall des Genossen int „Vorwärts" völlig Mart festgesetzt Für die Krmrenverstcherung. wird Mrl' 1, her Reicksn-br Etntommensgrenze auf 21 Millionen im unbesetz-
verlorcm L.tbesmüy. ist. _$te Flagge der unb auf 24 Millionen tm besetzten Oebtet usw»
ist nämlich tatsächlich — schwarz-w» ß rot. Man wttt> es also ihrer Kapelle wirllich nicht verargen oürfen, wenn sie da? Waggen-lied spielt. Dagegen btt fie-j - zur Internationale noch keine Beziehungen. Sie muß es also, solange noch kein Sozialdemokrat Reichswehr-1 Oarfoto, Minister ist, ab lehnen, zu Ehren dieser ettauchlen sozia- itoivskis beträgt lisiischen Gesellschaft die Internationale zu spielen. '^,^rt~onneiL
Allerdings ist « ns nicht zu ti r'e n n. Die schwarz- 1 13. Juli. Nach einer Havas-Meldung
weiß rote Reichswehrflagge trägt die jetzigen Reicks- Buenos Aires verlautet auS Asuncion haft färben in her sog. Gösch. Diese Gösch hat sich bisher bet Bahnhof von Aitsstänvischen besetzt worden ist. V 4* L tS ÄS fÄ,"XnwS
aber auch so. Wer etmgermah n Re pekt vor der Ve.» I ^rfngt unb mehrere ihrer Führer getötet worden. ES gangenheft hat, wird das Flaggntt'.ed nehmen, wie bCT Bctagerunqszustand verhängt worden.
es ist. Ob irgend ein Sozialdemokra daran Aergernis Moskau, 13. Juli. Rakowski wurde anstelle
nimmt, ist erfreulicherweise ganz ohne Belang. Krassins zum poNtifchen amd Handelsvertreter tn
England ernannt.
Moskau, 12. Juli. Der neugebildete BollzugS- ausschutz der Union der Sowjettevubliken erlietz als erste Verordnung ein Amnesttebekret, wodurch anlStz- llch des dritte« Jahrestages die Befreiung des von bett Polen besetzten Minsk die verurteilten «iigtteder der anlifowteiistischen Organisationen Weißrußlands die Strafe erlassen wird.
13. Juli. Nach einem Bericht Ra-
ohne genügende Ausfuhrrnöglichkeit die deutsche Industrie MtWMe WotzMttW. I 3 9Unfer ter^Herrschaft der immer weiter sortsckrcitenden. 9?on unserem Volkswirtschaftlichen Mitarbeiter. I Markentwertung Leigen fite Preise naturgemäß in ravt
. m ... dem Tempo weiter. Kohlenpreissteigerung, Mietete
man ter Markstützungsaktton von vo nherem fr6ß^^ Nsenpreiserhohnng und Tariferhöhung aut De-1 allen (^bieten jaaen einander. Ein Stillstand dieser hofft": Der durch die Stützung stelle °mtl,che De- Abwärisentwicklu-g au^ her schisi-n Ebene ist nicht zu er» »isenkurs b?tsürteswtNsckaftltche Leben wemg Bett solange-die Ursacken dieses Unheils, die l,a"Pt-
tzkutung, wetl die Reichsbank dte E^ute Nachsrag ch auf außenpolitischem Gebiete liegen, unveräad-rt
«zlandischen Zahlung-imttcln nur durch^^Repartt-w g foTfbßl|ern ,;c6t das der Fall ist, zeigt uns der ?a!b- Wti‘3°d«r5oder im^unst'^n ^alk lO Pra ntzu b. iahreSabschluß der Reichsbank, der ein Anschwell-n des fiiedigen vermag Da aber ^e Jmporündustne Dett ^nrfnof^mbuf§ 1<m 4,2 Billionen in einer einzigen »if-n unter allen Umstanden braucht, so mch. dteier nunmehr 17,3 Billionen Mark au'weist
künstlich hergestellte amtliche Kurs, sondern der «" den @6<mfo ^Nich ist die Außenbandelsstatistik, die für AuSlandskurfen urck im „wilden >tl«»ertiMo^at Mai wickwr eine beträchtliche Verminderung
«He als maßgebend für dte Wirtschaft angesehen. Tt.ier i -
» aber wesentlich höher. So betrug am M'L:reck »B- der amtliche Dollarkurs in Berlin 186 000, die «ewyorker Parität aber, trotz einer kleinen Besientng d-s Warkkurses, 246000. Wie stark sich aber das deutsche Wrtschastsslebeu nach der MarLewertung in Newyork London richtet, zeigt besonders deutlich die Preisent-1 Wicklung am Getreidemarkt, die unter Zugrundel-gim' I fag amtlichen Dollarstande» schon die Weltmarktpari-1 jär überschritten haben würde. I
’ Die Angleichung der Effektenkurse an den wirklicher Dollarkurs ist stark behindert durch die Furcht vor inneren fcjialen Untruhen und durch die Geldknappheit, die I sich in der letzten Zeit wieder überaus scharf fühlbar tzemacht hat. Das Publikum vermag sich zudem über ben Wahren Wert der Jndustrieeffekten unter dem Einfluß I fax Papiermarkbilanzen kein genügend klares Mld mehr I pt machen. Die Großbanken, die in letzter Zeit ihr» Zahresbilanzen der Oeffentlichkeit unterbreitet haben, br I tonen selbst mit großem Nachdruck, daß man sich durch die Milliarden- und Billionenziffern der Bilanzen nicht! Uber die Verarmung hiuwegtäuschen lassen dürfe, unt-r I der auch unsere g-samte Industrie aufs schwerst- zu I fciben hat, weil auch die Substanz der Industrie vorige- sitzt schwindet. Am meisten geht der Bericht der D-nttt feen Bank auf diese Lage der Dinge ein. Er wttst besonders auch auf die Tatsache hin, daß bei den Banken I eher auch bei der gesamten Industrie wie in der deut-1 fchen Wirtschaft überhaupt, ungeheuer viel unprichuttivr I Arbeit geleistet wird. I
Aus her Notwendigkeit, allzu viel unproduktive Arbeit zu bezahlen, ergibt sich aber als urte-meibW Fo' I der Unterbezahlung der deutschen Arbeit. Bevor wir! «cht anshören ein Uebermaß von unproduktiver Arbeit I Itttzuschleppen. die atts der Volkswirtschaft und ihren I Verminderten Erträgen bezahlt werden muß, ist das. Prob jnnjd er wertbeständigen Löhne nicht in befriedigender 1 Weise lösbar. Tie zur Beendigung des BerlinerM etall-1 «rbeiterstreiks geführten Verhandlungen haben entlrch zu! einer Einigung geführt, durch die wenigstens eine teil' Weise Anpassung der Löhne an die jeweiligen Preis-! Kdexzahlen zugestanden wird. Die Arbeitgeber in der Metallindustrie haben dieses Uebereinkommen ange.wm- een, di- streikender Metallarbcit r werden voraussichtlich zur Arbeit zurückkehren, nachdem die Abstimmung Inne zwei Dritte! Mehrheit für die Fortsetzung des > Streiks ergeben hat. Anscheinend bahnen sich die wert- beständigen Löhne allmählich ihren Weg im denftchen Wirtschaftsleben. Im Berliner Einzelhandel z.B ist be° '»eits ein neues Lohnsystem verwirklicht worden, dem- -Wfttlg« die Entlohnung ans einem festen Grutckgehalt «nd einem dem Tenernngsindex automatisch sich an- passenden beweglichen Zuschlag besteht. Die bevorstehend: Verösfenttichitng wöchentlicher Indexzahlen wird die An- Mrichung der Löhne und Gehätter an die Geldentwer- fang und damit wieder die Ausbreitung der Inflation Wesentlich fördern. Es ist aber gewiß kein Zufall, daß Gerade der Einzelhandel mit den wertbeständigen Löhnen porangeht, denn gerade er hat sich vor einiger Zeit sogar für Goldlöhne mtsgesprochen, weil jede Erhöhung, her Loh' und Gtholtsbezüg.' die Kaufkraft ter inländischen Bevölkerung stärkt unb damit den Absatz deS Emztt- Handels vermehrt. Auch einzelne Kreise des Groß- Handels haben einen ähnlichen Standpunkt eingenomm n. Das Richtige dürfte fteilich auch hier in bet Mitte liegen: Man soll den inländischen Absatz der Industrie durch Stärkung der Kauftrast her arbeitenden Massen nach Kräften heben. Ober man soll auch nicht vergessen, daß
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