Einzelbild herunterladen
 

45000

»fori fr-

0-44041

7

©fal

di

D»

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

maimeree a venüaktie

m j, H. Schäfer

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhesieite

192$

Ur. 157

C«g!U-iraMA LMaltmge«.

bürg«

i

399»

i

w

3944

s

0

390$ X.S»

trotz, ßner, niHoflt,

Anforderungen gewachsen ist und wie berechtigt die Forderung war, daI der deutsche Reichstag ähnliche Gelegenheiten für fltrze und schlagend« Regierungs­erklärungen schaffen müssen wie sie z. B. im englischen Parlamente gegeben sind. Hätten wir etwas, was diesem Brauche ähnlich ist, so wäre es btr Regierung ein Leichte-, eine außenpslitische Kundgebung vor dem Parlamente abzugkben, ohne daß dadurch eine tiefgrei­fende und umfassende politische Aussprache entseMt wird. ES erweist sich jetzt, wie sehr wir gerade in einer kritischen Lage, wie der gegenwärtigen, an die­sem paüamentarischen Mangel leiden und wir sollten wenigstens die eine Lehre daraus ziehen, daß es drin­gend 'nölig ist, unser parlamentarisches System mehr aus diese Erfordernisse einer prak.ischen Politik einzu- stellen.

oi, MU ttn 6*

I' lucht- als,

ein. mtfl. Juli, tau».

Die üblichen Siniguvgsversuche.

Paris, 6. Juli. Der chemalige Finanzmini­ster Klotz, der sich in London befindet, hielt gestern im Carltonklub eine Rede, in der er auf die Not­wendigkeit eines Paktes in der Luftverteidigung hinwies. In dem Augenblick, in dem die Verhand­lungen zwischen beiden Generalstäben eingeleitet würden, könne man gemeinsam Deutschland zwin­gen, sich den Verpflichtungen zu unterwerfen, die es auf diesem Gebiete wie auf anderem übernommen habe.

tem neu.

tote «s Italien über das Sinken des Are sei. Der Korre­spondent spricht die Vermutung aus, baß Poincarö gleich­zeitig mit seiner Antwort Erkuichigung-n über die Er- .vartung Großbritanniens bezüglich der deutschen Repara­tionszahlungen und der interalliierten Schulde« an Eng«, land einziehen werde. Man sei vielleicht der Ansicht, daß Großbritannien berechtigt sei für den Verlust, der ihm durch andere zugefügt sei, eine Entschädigung zn suchen und seine Januarforderungen an die Alliierten zu erhöhen 1 ’i '

London, 8.Juli. Der Pariser Korrespondent der ..Times" schreibt, in französische« politischen Kreisen werde erklärt, daß Pvincarö auf die Parlamentsserien warte, >i« nächste Woche beginnen, da er dann für ernste diplo­matische Unterhandlungen die Hände freier habe. Nach französischer Auffassung könne die einzige gemeinsam.' Antwort in der Aufforderung zur Einstellung des passiven Widerstandes bestehen. Erst später dürfte bann bii Prüfung der deutschen Stete vorgenommen werden.

Der diplomatische Berichterstatter der „Westminster Gazette" erfährt, daß die am Mittwoch zwischen Curzon rud dem italienischen Botschafter geführten Besprechung-1 ftrtgeseht werden sollen. Italien sei bereit, Großbritan- niett bei dem versuche, zu einer Regelung zu gelangen, zu unterstützen.

*- Es handelt sich darum, daß die Gelegenheit, die Pch uns hier bietet, ziAbewußte und aktive Außeu- Nlitil zu treiben, nicht versäumt wird. ES ist in dieser Lichtung leider nicht alle- geschehe«, war hätte ge- fLehen können. Immer wieder ist die Regierung in den letzten Wochen dazu ausgefordert worden, die Füh- rung zu übernehmen. An den Reichskanzler erging die Mahnung, noch mehr alS bisher in die Oeffenrlich- keeit zu treten und durch das gesprochene Wort der pelbewußten Propaganda entgegenzuwirken, die von der Gegenseite unermMich entfaltet wird. Ter ReichS- Lnzler hat denn auch in der letzten Zeit wiederholt das Lori ergriff?«. Leider versagt sein Auftreten gerade da, wo es am wirkungsvollsten wäre: im Reichstage. Diese Frage spielt gerade gegenwärtig eine große Rolle. Am Frei ag Waren Gerüchte im Reichstag verbrei- kt, daß die Situation kritisch fei, well die Regie- vutg keine außenpolitische Debatte im Reichstage wollen ^ährend die sozia-demokratische Fraktion darauf frrvigt, daß eine solche Aussprache stattfindet. Die sozial­demokratische Partei will eS auf diese Weise durchsetzen, eine öffentlich« Kundgebung in der Frage otr Sa» «ota^akte erfolgt. Die ganze Streitfrage beweist, wie Kenig unser parlamentarisches System 0«n tzolitische«

daß der Helfer sich selbst die 'Hilfeleistung erschwert. Tas aber wäre der Fall gewesen, wenn der Papst die Anregung bei den in Betracht temmenden Regie­rungen mit der AufzäPung ihrer Sündenregister be- aonnen hätte Etwas mehr Wirllichkeitssinn und Ver­ständnis für politische Zweckmäß gkcit darf man nicht in der Presse und in de« Kreisen der Politiker wohl ooruusfetzen.

fRom. 6. Juli. Laut „Messagero" hat der frühere Reickskanzler Tr. Wirch in Rom mit politischen Per­sönlichkeiten Unterredungen über die jüngsten Ereig- ntjfe in Deutschland gepflogen. Dr. Wirth, der auch vom Katdinal-Staatss.krclSr Gasparri en-psangen sein soll, wird längeren Aufenthalt auf Capri nehmen.

Im Zusammenhang mit der Mission Pacellis wur­de in den $1 öttern an die Reise des früheren Reichs­kanzlers Tr. Wirch nach Rom Kombinationen ge­knüpft- Tie „Zeit" erfiärt, daß es nicht alS ausge- schloflen gelten kann, Haß die Reichsregierung Tr.

Wirth zu ihrem Beauftragten gewählt habe. S-iaer Reise würde somit keine außenpolitische Bedeutung Zk ^nmessen sein.

Berlin, & Juli. Wie die Blätter melden, wurde auch heute der päpsäichee NuntiuS Pacelli vom Reichskanzler zur Fortsetzung der Besprechungen empfangen. Der „Zefi" zufolge ist es noch ungewiß, ob die Vechandlungen im Laufe des heutigen Tages zum Abschluß gelangen und eine amtliche Meldung ttröfientlicht wich.

Eine deutsche Rote?

Berlin, 6. Juli, lieber die Unterredung des Reichskanzler- mit dem Apostolischen Nuntius geht unS folgende Nachricht zu: Nuntius Pacelli hat im Auftrage bet Curie die Sabotageakte int besetzten Ge­biet zur Sprache gebracht und die Ansichten und Wün­sche deS hefligen Stuhls eingehend dargelegt. In seiner Erwiderung hat der Reichskanzler darauf hin­gewiesen, daß es sich um BorfAle handelt, die ans der Erreguitg tind gepeinigten Volkes unü als verzwei­felt« versuch der Notwehr zu »klären sind. Tie

Di« „Oberhessische Zeitung" erscheint ieäjsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 20000 MI. mit Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streit, oott elementarer Ereigniüe kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hitzerotd. — Snti der Univ^Buchdruckerei von Job. Lug. Koch. Markt 21,23. — ^ernjprecher 55, Poft- icheckkonto: Rr. 5015 Lmt Frankfurt a. Main.

Ueber die Mission des Nuntius nach Berlin stellt die „Germania" fest, daß dar Telegramm des Karvi- nalstaatssekrnärs nicht für die Oefsentlichkeit bestimmt war und ohne Zutun des hl. Vaters und des Nuntius bekannt geworden iste Bon einer persönlichen Ab­kanzelung der deutschen Regierung kann deshalb nicht gesprochen werden. Ta es sich um eine dienstliche Anweisung an den NuntiuS in Deutschland handelte, war selbstverständlich kein Anlaß vorhanden, das Ver­halten der Franzosen unb Belgier zu erwähnen. Wo­rauf es aber ankommt, ist vor allem, daß auch die Welt, in der nun einmal fei nie günstige Stimmung für Deutschland herrscht, immer wieder Beweise davon cr- HAi, daß die detttsche Regierung bestrebt ist, die Span- nung nicht nur durch Förderung und Duldung ver­brecherischer Anschläge zu verschärfen. Es muß daran erinnert werden, daß der hl. Stuhl nur solche Hand­lungen verurteilt wissen will, die einen verbrecheri­schen Charakter tragen. Der Papst habe eine Aktion zu Gunsten Deutschlands eingeleitet, in beiten Dienste mich das Telegramm an den NuntiuS stand. Tabci müsse ihm alles ungelegen kommen, wodurch seine Akriost erschwert werde. Ma« wiw nicht verlangens

Paris, 6. Juli. Die Kammer hat in einer Nachtsitzung das Budget der von Deutschland zu er­setzenden Ausgaben angenommen. Heute soll in der Kammer die Interpellation über den päpst­lichen Brief beraten werden.

Paris, 5. Juli. Ministerpräsident Poin- catä hat heute vormittag de« englische« und den amerikanischen Botschafter empfangen.

London, 6. Juli. Reuter meldet: Der fran­zösische Botschafter hatte am fpäten Nachmittag eine Unterteilung mit Lord Curzon. Der belgische und italienische Botschafter waren vorher von Lord Curzon empfangen worden. Einzelheiten über den Inhalt der Unterteilungen waren bisher nicht zu erfahren.

W

»teste« »2417

K. SÜ»

London, 6. Juli. Reuter meldet, die englisch-fran­zösischen Besprechungen über die Reparationsfrage würden möglicherweise End- dieser oder zu Anfang nächster Woche wieder ausgenommen weiden. Man erwarte, daß dann die französische Regierung die von Curzon gewünschte schriftliche Antwort übersandt haben werde. Bisher lägen keine Anzeichen übet den Charakter der französischen Ant­wort vor, wenn auch die französische Haltung in der Frage der Einstellung des passiven Widerstandes und der Räumung des Rnhrgrbfetes u"g führ bekannt sei.

L o n d o n, 6. Juli. Den Blättern zufolge wer­den heute abend die Besprechungen zwiscyen Lord Curzon und dem französischen bezw. belgischen Bot­schafter wieder ausgenommen. „Evening Standard" spricht die Hoffnung aus, daß die zu erwartende französisch« Mitteilung klar und enbgtltig sein und bas dann ein Bruch unnötig werde. Aus der heu­tigen Unterredung Poincarös mit dem amerikani­schen Botschafter in Paris zu den AusfLhtungen Baldwins über 'bas Verhältnis zwischen Amerika unb England glaubt das Blatt die Hoffnung her- leiten zu können, daß die Vereinigten Staaten viel­leicht doch in irgend einer Form auf die zukünftige Entwickelung cinwitken würde. „Pall Mall Ga­zette" ist weniger optimistisch. Wenn Poincatö seine Haltung nicht ändere, erhalte die ganze Re- paratlonspolitik eine neue Beleuchtung unb die Frage der alliierten Schulden, die seit einiger Zeit in d-n Hintergrund getreten fei, werde wieder in den Vordergrund rücken: (Eine Gemeinschaft, wie Frankreich sie sich denke, fei nicht eine En­tente, sondern eine Demütigung, die von der öffentlichen Meinung Englands energisch abgelehnt werde. Wir sind müde, darauf zu achten, daß unsere Alliierten zur Vernunft kommen. Wenn sie auch jetzt noch nicht begreifen, daß ihre Ruhrpolitik ein Fehlschlag ist, wie kann man von ihnen erwarten, daß sie noch zeitig genug verstehen werden, wo in ganz Europa das wirtschaftliche Chaos herrscht.

London, 6. Juli. Der diplomatische Korrespondent es „Daily Telegraph" spricht die Hoffnung aus, daß bi llebersendung der schriftlichen französischen Antwort a 'lurzons Memorandum spätestens Ende dieser Woche voll zogen werde, denn die britische Negierung könne He öster ­liche Erklärung über ihre Politik nicht gut länger als 6v zur ersten Hälfte der nächsten Woche ausfchieben. Ter Korrespondent erfährt, es fei gegenwärtig ein lebhafter ’ Meinung ^ank ausch zwischen Paris und Brüss l im Gang . Nicht nur das be gische Kablnet», sonde'n auch der Führer der liberalen Partei, Hymans, wünsche, daß zwischen Großbritannien und Frankreich die engsten und freund­schaftlichsten Beziehungen erhalten blieb n. Auch sei Bel­gien ebenso 6 sorgt über das Sinken seines Wechselkurses,

Marburg

SonnQöenö. Den 7. Mi

feuert

junge* t> Stegen

ibt

rrrg.

rag

llil

Zn Den Totgängen in Witt.

Paris, 6. Juli. Nach einer Havas-Meldung aus Düsseldorf haben bie belgischen Militärbehör­den im Anschluß an das Eisenbahnunglück auf bet Duisburger Brücke beschlossen, deutsch« Staatsangehörige als Geiseln in ben Zügen mitzunehmen, um dadurch neue Sabotage­akte zu verhindern. In jedem Wagen bet einzel­nen Züge solle ein ober zwei Deutsche als Geisel« l mitfahren unb wenn trotzdem bie Sabotageakte kein Ende finden, soll die Zahl der deutschen Geiseln erhöht werden. Die Havas-Agentur vermeidet sorg­fältig das Wort Geiseln unb spricht von Garantien, die durch die zwangsweise Mitnahme von Personen gegeben werden soll. ,

Berlin, 6. Juli. Aus dem Ruhrgebiet wird berichtet: Heute Vormittag begab sich in Duisburg eine Abordnung, bestehend aus Vertretern bet Stadtverwaltung, ber Justizbehörden unb der Geist­lichkeit in das Hauptquartier des kommandierenden belgischen Generals, um dem General das Bedauern der Bürgerschaft über die jüngst erfolgte Kata­strophe auf der Rheinbrücke bei Hochfeld auszuspre­chen und um Befreiung der Geiseln zu bitten. Der General lehnte es ab, die Abordnung zu empfange«' unb ließ ihr durch einen Offizier erklären, daß ein« Freilassung der Geiseln oder eine Erleichterung ihres Loses sowie eine Milderung bet verhängte« Strafmaßnahmen nicht in Frage kommen lönve.

FmkM nD Der Mm.

Paris, 6. Juli. Die Kammer verhandelte heute übet« die Interpellationen, bie sich mit dem Papstbrief über bfe Reparationen befassen. Im Laufe der Debatte erklärt« Mnisterpräsrdent Potncare, der päpstliche Bries habe Ml sofortigen Bemerkungen be» französischen Rotfchasterß beim KarbinalstaatSsekrrtär Gasparri Veranlassung ge» geben. In seiner Audienz deS Botschafters beim Heilige»: Vater habe der Papst versichert, er habe nur an de», Geist der Gerechtigkeit und der Charitas appellieren Woh­le«. Er sei von den Katholiken der ganzen Welt ersuchk yorben, seine Stimme zu erheben. Der französische Bot-> sckafter habe die Rechte Frankreichs betont und auf Mr Gestihren der deutschen Propaganda an der Ruhr hin-' -^wiesen. Der Papst habe den verbrecherischen Widerstand, ormell mißbilligt und hinzugefügt, daß, wenn da» Reich, sich nicht bemühe, daS Vertrauen seiner Gläubiger »u ge»! Winnen, sein Widerstand keine Daseinsberechtigung frabeJ Die These des Heüigen VaterS nähere sich derjenigen go-, wisser Verbündeter: sie sei aber nicht diejenige Fränk»! reich». Diese These sei »war bedauerlich: aber man MÜssü ohne LeLenschast und ohne Voreingenommenheit davo»' sprechen Trotz be» Schrittes des NuntiuS Pacelli tofgeW1 der verbrecherischen Akte des Widerstandes bleibe aber die Tatsache bestehen, daß der Papst geglaubt hat, Frank­reich politische Ratschläge geben zu müssen. Sie könnte» aber feinen wirkenden Einfluß ausüben. Der Papst habe keine Autorität in weltlichen Dingen. Der Brief könne also "feine politische Bedeutung haben und belaste da« Gewissen der französischen Katholiken tu keiner ®teife,E Die Regierung habe eS jedoch nicht für vernünftig (je*, halten, bie Botschaft beim Vatikan aufzuhcben ober den' Botschafter ab;: berufen. Poincare erklärte dann toritev Frankreich müsse stark und einig bleiben, denn e» geb«: feine Macht in der Wett, die ihm da» Recht entreißet», könne, da» ihm der Versailler Vertrag gegeben habe. Frankreich halte sich an den Vertrag. Es sei erst nach Feststellung der deutschen Verfthlungn in da» Ruhrgeb.et eingerückt, um einen Druck auSzuübe« und Garantie«! zu erlangen. Wir verlaugen, so sagte Poincarä, daß! Deutschland seinen Widerstand aufgibt und einen offene«! Beweis seines guten Willens gibt. Je rascher Deutschland; bezahlt, je schneller werden wir uns zurückziehen. Wuj sind der Ansicht, so schloß Poinoare, daß wir im Recht sind und ich zweifle nicht, daß wir alle unsere Alllterte» von dieser Wahrheit überzeugen könne«.

Die von der Regierung verlangte einfache Tagesord­nung wurde schließlich mit 388 gegen 190 Stimme», angenommen. i ■

MWe Nimiklm Mi Sabotage, jgyn Legationsrat Freiherrn v. R h e i n b a b e n, M. d. R. ! Die außenpolftische Lage steht immer noch im Zeichen sfer englisch-französischen Auseinandersetzung. Ihr Merk- Mal ist das einer tiefgreifenden Spannung, daS sich auck Heute noch die englische Auffassung und dir französische Mrt des Vorgehens unversöhnt g:gnübersteht. Wir wer« 5tn gut daran tun, wenn wir aus dem bisherigen Verlaus Utter Auseinandersetzungen unsere Schlüsse ziehen. Ec Mrd immer deutlicher und unverkennbarer, daß der freu« Msche Ministerpräsident Poincarö jede Löfung des Ruhr- Dhniliktes von der Hand weist, die für uns erträglich ist.

Unser Notanker ist nach wie vor der passive Widerstand, Her aufrecht erhalten werden muß. Dieser wird dadurch !«cht im mindesten berührt, daß sich in der letzten Zeit Hie Sabotageakte in den Vordergrund gedrängt haben urb Haß deshalb eine Diskussion über die Berechtigung ober die Verworfenheit des aktiven Widerstandes entspannen hat, tzine Diskussion, die nicht nur in Deutschland zwischer rechts unb links geführt wird, sondern an der sich auck Hie internationale Politik beteiligt. Den besten Beweis Hasür sehen wir in ber Anwesenheit beS päpstlichen Nun- tius Pacelli in Berlin.

> > Der Nuntius verhandelt mit dem Reichskanzler Üb t Hie Frage, ob unb wie die deutsche Regierung gegen den «ktiven Widerstand vorgehen soll. Die Entscheidung darüber war am Freitag Nachmittag noch nicht g-fallcn, sich die Meldung von der Abreise des Nuntius als un Mtrefsend herausstellt. Mag sie aber ausfallen wie sic Hüll, wir dürfen nicht vergessen, daß dem Schritte de- puutius jener Brief des Papstes vom 27. Juni voraus gegangen ist, in der der Vatikan jui dem Vorgehen de:

\ Franzosen im Ruhrgebiet Stellung nahm und in seh: wichtigen Punkten eine volle Uebereinstimmung mi Hem decitschen Memorandum bekundete. Der Kanzler Hat damals zwar in seiner R de in Barmen sofort auf biete Botschaft des Papstes geantwortet. Für das Empffnden ‘ Leiter Kreise hat er indessen den Faden der päpstlichen Notschaft nicht so energffch ausg griffen, wie er es hätte hin lön«en. Die französisch: Politik hat dadurch die Mög- ! Lchkeit erhalten, die Botschaft des Papstes zum Teile ganz Msch auözudeuten und dann den Sinn und die Tendenz HkS Schrittes, den der Nuntius Pacclli in Berlin unte:- mhvi, vollkommen zu verdreh.n.

Den besonderen Anlaß zu dem Schritte des Nuntüx Hübet angeblich das Erplosionsungllick bei Duisburg. Hie Muß man zunächst seststellen. daß Loer ben Ursprung und bie Grurche dieses Unglückes noch nichtsklarerwie- ifen ist und daß man die deutschen Behörden vollstLndi Harun hindert, irgendwie Licht über dicken Vorfall zu vei- beiten. Wenn aber wirklich auch für einen deutsche:: ßabotageatt der Nachweis erbracht würde, so wäre damit Hoch nichts weiter erwiesen, als daß die Bevölkerung am Rhein und an der Ruhr immer mehr in einen Seelenzu- Hond und in eine Gemütsverfassung «Mieden wird, vo: Her Lloyd George gesprochen hat, als er davor warnic, Man solle nicht ein ganzes Volk zur Ber- Itoeiflung treiben. Die deutsche Rrgicrung ha: ihrerseits immer wieder zur Besonnenheit und zur Ruhr Hemahnt. Aber es muß übern einleuchten, daß bie Trag weite solcher Mahnungen begrenzt ist. Denn ebenso tote Her passive Widerstand aus der selbständigen Entschließung der Bevölkerung hervorgrgangen ist, ebenso wachsen aut; .diese Fälle des aktiven Widerstandes aus ber Seele und Ms der Stimmung der gequälten Rhein- und Ruhrbe­völkerung hervor, und die Regierung kann sie ebensowemg ^verhindern, wie sie etwa imstande ist, den passive.: Widerstand „abzttkommandieren". Trägem würde sich ; die Regierung nichts vergchen, wenn sie von neuem btt Festellnng machte, daß aktiver Widerstund und Sab.ft.tg nicht im geringsten im Sinne ihrer Politik sind und ver­urteilt zu werden verdienen. Damft aber dürfte es nicht genug sein. Die Regierung müßte diesen Fall zum Anlas. nehmen, um ausführlich auf dte Botschaft deS Papstes bom 27. Juni einzugehen und in Berbindung damit die fsegenüber nick» damit vor aller Oeffentlichkeft llarzu- fegen. Damit würde sie nicht nur auf bie politische Stim­mung in Deutschland beruhigend einwirken, sondern sie *ürbe auch auf die internationale Politik Einfluß üben »ttb zwar in dem Sinne, daß die Ziele unseres Ruhr- :kampses und unser gutes Recht der Well zulft Bewußtsein : Hebmcht werden.

7. Juli, l So*« itintls. gelege* sinntl.

. 3961 taxd. igel*

0-5004» 2

3 - 4700» ! '

3-U, 62411 iderg. ei.

iet

Reichsregierung fei jedoch mit dem hefligen Stuhl har», in einig, jede verbrecherische Gewaltanwendung M vernrteflen« l

Dte „Soff. Ztg." hört, daß dte ReichSregienluW vermuflich da» Ergebnis der Besprechungen jwisch«: dem Rcilhchskonzler und dem Münchener NuntiuS Pa« celli in einer Note niederlegen werde, die in den näch­sten Tagen dem NuntiuS zur Weitergabe an den heilte gen Vater übergeben werden fall. Der NuntiuS wirU am SamStag die Rückreise nach München an tretet

Rom, 6. Juli. Auf die Nachricht vo« be* strengen Maßnahmen der französischen und der bel­gischen Regierung in den besetzten deutschen Gebis« ten wegen des Eisebahnunglücks vom 30. Juni wie« die Kurie die Nuntiaturen in Par ich und Brüssel telegraphisch an, bei der sranzöste schen und der belgischen Regierung Vorstellungen zu erheben und mitzuteilen, Se. Helligkeit erwart^, daß keine Maßregeln ergriffen würden, bl« zu noch stärkerer Erbitterung ber Gemüter mit entsprechenben schmerzlichen Folgen führe«', können.

Der Sn,«tg«m>reto beträgt fit den ggelp. Zeilenmilltmeter 800 Mk. (ftL Lnzeigen 11>

FamUien-Anz. gegen bar, 250 Mk. ) vmtltche und au,w. Anzetgen 400 Mk. Bei Ichwierig« ro Y.U. Satz 50*/. Buflchlag. Spät etRlaufenbe oder de« Raum Uber lk Seite einnehmende Jq, nUUlW Anzeigen werde» nach der Tertspaltenbreite berechnet. Reklame« ver Zrileamillimrt« 1500 Mk. Jeder Rabatt gilt al, Sarrebatt Belege werde« berechnet. Bei Sa* tunft durch die Deschästrst. ««6 Vermittlung der Angebote 800 M, bet Uebetjenbuwg durch an, 300.— Mk. ohne Porto.