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Anzeiger für (das frühevkurhefsifche) OberhessE

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Eine weitere Anfrage, ob die britische Regierung das Recht habe, festzustellen, welches die französische Auffasiung in dieser Hinsicht sei, wurde von Mc. Reill bejaht.

London, 3. Juli. Im Unterhaus- fragte gestern General Spears, ob es möglich sein werde, schnell Antwort auf die deutsche Rote abzusenden im Hinblick darauf, daß ein weiterer Aufschub bei der immer gefährlicher werdenden wirtschaftlichen Lage Deutschlands verhängnisvoll sein werde. Baldwin erklärte, ich kann im Augenblick hierauf keine Er­klärung abgeben. Spears fragte weiter, ob die Mächte, die das Ruhrgebiet besetzt halten, nicht avf- gefordert werden könnten, keine weiteren Maßnah­men, die geeignet seien, den Zusammenbruch

iseren ichsel- Höchrt

In ihrem Leitartikel. spricht die „"Times" von der Möglichkeit einer baldigen Zusammenkunft zwischen Bald- toin und Poincarö. Die Frage des Verfahrens sei von jrtunbärer 8kb:ittung, die Hauptsache sei, daß es keinen eiteren Aufschub gebe. Die Gefühle in ngland seiennichtprodeutsch. Man sei über- St, daß, die Ruhraktion die Wirkung hatte. Deutsch- ' s Zahlungsfähigkeit ernstlich zu vermindern. Dcutsch- habe kürzlich' sein erstes vernünftiges Angebot g- cht. Die Ruhroperation beschleunige die finanzielle, in» «lle, soziale und politische Auflösung des Kurzen '.rtschaftslebens Europas. Es sei politisch unklug, einen uchner zu verelenden.

halbamtlichen Blattes für den Avg-nb^'ck ungerechtfertigt.

London, 3. Juli. Der diplomatische Berichterstatter deS „Daily Telegraph" spricht die Vermutung aus, daß her französische Botschafter bereits im Be --

Dte »OberheMiL« Zeitung" «richeint sechrmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 20000 Mk. mit Zuftellungrgebühr. Für ausfallenve Nummer« infolge Streiks ooer «tementarer Ereigaiste kein Ersatz. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der llniv^Buchdruckerei von 3 oh. Ang. Koch, Markt 21,23. — Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Die Stimm««! der Truppen.

Paris, 3. Juli. Die „Ere Rouvelle", die die Lage als außerordentlich ernst bezeichnet, meint, wenn die linksstehenden Parteien bisher der Auf­fassung gewesen seien, sie dürften um der Wirkung in Deutschland willen der Aktion der Regierung keine 'Schwierigkeiten bereiten, so hätten sie heute die Pflicht, von der amtlichen Politik abzurücken und die Verantwortung nur Herrn Poincarö und dem nationalen Block allein zu überlassen. Man möge uns nicht mehr vom nationalen Interesse spre­chen, so fährt das Blatt fort. In Westfalen berei­ten sich sehr ernste Dinge vor. Die Stimmung innerhalb unserer Besatzungstrup­pen ist keineswegs so, wie man an- nimmt. Man wird begreifen, daß wir in diesen» Augenblick darüber nichts mehr zu sagen vermögen.

Die Lage ist ernst.

London, 3. Juli. Eine Reuternote betont, gewisse Voraussagen betreffend die Möglich­sten der künftigen Politik Englands nicht iuspi- «rt waren. Doch werde in gut unterrichtete» «eisen darauf hingewiesen, daß di« Ausfassung der

My und die im Parlament bezüglich der Fortdauer F* jetzigen Lage von der Regierung uichi außeracht Delasieu werden dürfe.

' Fragen tm Unterhaus.

“ J.H. Schäfer _

Kaaernanatr.M

Marburg

Mtmtz, Den 4. W

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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Paris, 3. Juli. Havas veröffentlicht eine < Suslasiung der Reuter-Agentur, die folgenden t Wortlaut hat: Man erklärt in autorisier.'«» Kreisen, - daß es vollständig verfrüht fei, von einer separaten - Aktion der britischen Regierung zu sprechen. Eine - derartige Entscheidung hänge vom Kabinett ab, um das Erste, was notwendig sei, bevor dieses seine Haltung bestimme, sei die Kenntnis des französi- fch-n S andpunktes. Was die Haltung Eroßbritau- eiens anbetreffe, bemerke man, daß es auch ver­wüstete Gebiete aufzuweise« habe in Form eines desorganisierten Handels, der sich nicht wieder er­holen wolle. Die öffentliche Meinung werde unge- duldig und alles hänge voü der französischen Ant- M »ort ab. Man könne nicht voraussehen, was Groß­britannien tun werde, wen« es ««möglich sei, die beiden Standpunkte miteinander in Einklang zu bringen.

Paris, 3.Juli. Der Londoner Berichterstatter beS „Petit Parisien" schreibt, die autorisierten Wortführer brr englischen Regierung hätten niemals den Wunsch nach einer eiligen Lösung IN einer energischen Form zum Aus­druck bringen können, wie es gestern die Spitzenorgane ' der britischen Presse getan hätten. In offiziellen Krei­en habe man sich im Gegenteil bemüht, zu unterstrei­chen, daß die Verhandlungen zwischen London und Paris feit Absendung des Fragekog-ns fortlaufend geführt wor­ben seien. Man nehme in London an, daß der Besuch beS französischen Botschafters am Mittwoch erfolgen dtcrde. Die Lage sei bitter ernst. Sie könne ohne Ge­fahr nicht noch länger dauern. Der Eindruck des Pcssi- Aismus, der durch gewisse Organe der englischen Presse beschaffen worden sei- scheint dem Korrespondenten des

Die sranzöM Antwort. .

Paris, 3. Juli. Das „Echo de Paris" teilt mit, im heutigen Ministerrat werde PoincarS dem Präsidenten der Republik und seinen Kabinetts­kollegen Mitteilungen von den Instruktionen ma­chen, die dem französischen Botschafter in London zugegangen seien, und die nicht weniger als 40 Sei­ten umfaßten. Das. fügt das „Echo de Paris" hin­zu," stellt eine beredte Antwort auf die englischen Unterstellungen dar die glauben machen wollten, die französische Regierung versuche einer Beantwor­tung des Baldwinschen Fragebogens auszuweichen.

Wie der „Matin" berichtet, kann man nicht auf allzu großes Rachgeben Fraukreichs rechnen. Er schreibt, wen« England eine interalliierte Repara­tionsregelung will,- muß ihm unsere Methode ge­falle«.

Baris, 3.Juli. Di« „Er« Rondelle" will wissen, daß m-n sich französscherscits entschloss?» habe, einer französisch-britischen Zufammenkunfi zuzusimmen. Man wolle zuerst Sachverstin'd'q" nach London schocken, die da n zu einer Aussprache zwischen Pvinearö und Baldwin iüh- ern sollten. Poincare sei offenbar besorgt wegen der irervös gewordmen St-mmnng >m Parlament.

M a i l a n d, 3 Juli. Der „Eorriere della Sera" will über den Inhalt der französischen Antwort an England erfahren haben, daß PoincarS den Ge­samtbetrag der Revarationsforderungen Frankreichs auf 31 Milliarden Gold- mark festsctzen werde. Dieser Betrag käme dadurch ■ zustande, daß er der französischen Mindestforderung von 26 Milliarden Eoldmark noch die Kosten der Ruhrbesetzung hinzufüge. Ferner wäre der Anteil der Alliierten und rund 5 Milliarden für Belgien der französischen Forderung beizufü- gen. In London suche die französische Regierung Zeit zu gewinnen um weitere Verhandlungen zu ermöglichen. ----*----

Da; neue MW MIM.

B rü s sel, 3. Juli. Bei der Vorstellung der neuen Regierung in der Kammer er Borte der Minister­präsident Theunis, daß die neue Regierung mit dem­selben vollständigen Programm bezüglich der Mili­tär- und der anderen Fragen <rn| die Geschäfte heran trete tote die vorige. Er führt« aus, daS militärische System müsse vor allem durch die technische Anwen­dung i>cr Truppenausbildung, sowie durch den natio­nalen Bedarf an ausgcbiü>eten Beständen bestimmt werden. Ter Zweck-werde durch di« Annahme der 12 monatigen Dienstzeit mit der zweimonatigen Zn- satzverpflichtnna erreicht. Ebensolange müßten di« zur Zeit gegen Deutschland angetoaickteir Zwangs- und Aasnabmemaßr geln aufrecht erh l en werden. Der Mi­nister besprach sodann die Genter Universitätsfrage und fügte hinzu, die Regierung sei überzeugt, ein nützlicher Werk zu tun, indem sie Belgien eine flä­mische Universität gebe. Mit ebensoviel Mäßigung wie Festigkeit wird die Regierung die größte Energie entfalten, um dar feige und verabscheuungStoücdtge Verbrechen zu ahnden, dessen Opfer ein« Anzahl un­serer Soldaten geworden ist. Anmerkung des W. T. B.: Ter belgische Ministerpräsident nimmt hier das Ergebnis einer Untersuchung vor,oeg, die selbst nach den französisch - belgischen Me.dungen bisher keiner­lei Nachweis deutscher Täterschaft erbracht hat. Die Regierung wird bei chrer Reparationspolitik bleiben, bis das Land Germgtuung erlangt. Sie wird mit Beharrlichkeit ihre Bestrebungen fortsetzen, zwischen den Alliierten jenes volle Einvernehmen herzustellen, bas die endgültige Lösung der Lebensfragen des Landes nur beschleunigen könne. Die Erklärung des Minister­präsidenten wurde von der Rechten und bet liberalen Linken mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

London, 3. Juli. Das Reuterschs Büro er­fährt, daß der belgische Botschafter heute Abend eine einstündige Unterredung mit Lord Curzon im Fo- reign Office gehabt hat. Der Botschafter überreichte keine Rote, erläuterte aber die belgische Auffassung betreffs der Ruhrfrage. Wie verlautet habe sich bei der Unterredung neue Gesichtspunkte nicht ergeben.

Deutschlands herbeizuführen, zu erklären, Großbritannien um seine Ansicht befragt sei. griff der Sprecher ein.

London, 3. Juli. „Star" schreibt in Leitartikel, zweifellos werde die französische

Vie rmkftM oor dem Mknlmud.

Genf, 3. Juli. Lord Robert Cecil begründete heute in öffentlicher Sitzung im BölkerbundSrat trt« englischen Anträge zur Saarfrage. Er wieS an Hand des Versailler Vertrages die Berantwor- lung des Völkerbundes für die Verwaltung des SaargebteteS nach und tadelte di« Verordnung der Regierungskommifston, die ohne vorherige oder spätere Befragung der Bevölkerung erlassen worden leien. Er verzichtete auf die Ernennung einer Unler- ttlchungskommisston sowohl in Genf alS auch tm Saargebiet, forderte aber, daß der Rat all« Mitglie­der der RegierungSkommisston «nd nicht nur den Präsidenten allein nach Genf berufe, um sie zu ver­nehmen und sich genau über die Vorgänge im Saar- gebiet sowie über die ReglerungSmethode« zu unter» richte«. Der "Vertreter Frankreichs, Hanotaux, ver­teidigte lebhaft die RegierungSkommisston und dick Notverordnung, erklärte sich aber, nachdem auf «ins besondere Untersuchungskommisston verzichtet Wörde« war, grundsätzlich damit einverstanden, daß der Rat sich selbst mit der Saarstage befaffe, waS er übrigen» stets getan habe. Auf SalandraS Antrag soll ein« dem Antrag CecilS entsprechende Formel zwische« Eecil und Hanotaux ausgearbeitet werden. Ei« vom. schlag BrantingS, nicht nur die Mitglieder der Rm gierungskommisston, sondern auch Vertreter der Saav»' bevölkerung vor dem Völkerbundsrat zu vernehme«, soll ttuf CecilS Wunsch 618 muh der Füllungnahmjj mit der RegterungSkommtssio« zurückgestkvt werdens 1

Die AbMrmg Des besetzten Meter. '

Esfen, 3. Jult. In der vergangenen Nacht toatKi Vie Verkehrssperre schärfsten» duvchge führt. Es ift unmöglich, vom besetzten inS unbesetzte Gebiet zu ge­langen. Vor allen Dingens ist. «S den Arbeitern u» möglich, ihre Arbeitsstätten zu erreichen. Auch Mli Leber Smittelverforgung wurde sehr schwierig. Die Scm- kchrssperre in Duisburg, Mülheim und Oberhauses übt aus die Lebensmittelversorgung des Jndustriegcbi»« ^ les eine geradezu vernichtende Wirkung aus. Di«' Stadt Duisburg ist bekanntlich mit ihren großen gerhäusern und Speichern die Vorratskammer für dä>, ganze Industriegebiet. Da auch der EisochahavckMM.

London, 3. Juli. Im Unterhaus verneinte Reill eine Anfrage, ob der Vorschlag gemacht 3877 ^rde, die Ausgaben für das französische Ruhrbe- ^ungsheer auf Reparationskonto zu schreiben.

Zum Papstbrief.

Berlin, S. Juli. Rach dem nunmehr vorüegt». den Urtext deS PapstbrtestS vom 27. Juni lautet di« Stelle über die Garantten in wörtlicher Ueberfetzung folgendermaßen: In gleicher Weise, und wenn «S ge­recht ist, daß die Gläubiger Garantie« erhalte«, ent­sprechend der Wichttgkett ihrer Guthaben, die deren Einziehung sichern und wovon auch für sie Lebens« Interessen abhängen, überlasten wir er Ihnen zu er­wägen, ob eS notwendig ist, zu diesem Zwecke dl jedem Falle die Gebtetsbesetzungen austechtzurhalten, die den besetzten Nattonen und den besetzten Gebiete« schwere Opfer auferlegen, oder ob «S vielmehr nicht angezetgt wäre, an deren Stelle, wäre es auch nur schrittweise, eine andere nicht minder geeignete aber gewiß weniger gehässige Garantien zu setzen.

Berlin, 3. Juli. Wie die Blätter melden, wird der päpstliche RunttuS Paccellt heute aus München t« Berlin eintreffen und wird mit dem Reichskanzlei eine Besprechung haben, deren Gegenstmch daS Tele­gramm deS Papstes an den RunttuS fein tottbi. Mehrere Blätter melden aus Rom, daß der deutsch« Botschafter beim Vatikan, Hohenbergen, im Zusarm mcnhang mit dem Telegramm an den RunttuS P» celli beim Kardinalstaatssekretär Caspartt vorgefpro- chen habe. Wie auS vatikanischen streiten verlautet, eittsprach das Telegramm keineswegs der Absicht, de« paisiven Widerstand im Ruhrgebiet zu verurteilen, ge­nau so wenig wie der Papst beabstchttgt habe, mit dem 93riff an Casparrt die Besetzung des Ruhrgebiets zu verurteilen und die Franzosen zum Rückzüge der Truppen aufzufordern. Mit beiden Doftlmenten habe der Papst vielmehr die Völker ur Verständigung er­muntern wollen. Dem „B. T." zufolge, soll daS Papsttelegramm an Paccellt auf eine französisch» Prcsstno auf den Vatikan zurüpzuführen fein« rvaS der Erzbischof von Parts aus brm Papstvrirf fterauSlicsi.

Parts, 3. Juli. Der Erzbischof von Paris, siardiiral DuboiS, erftärt in einem Schreiben, daß del Papst nicht nur einen äußerlichen, fondern einen wirklichen auf Versöhnung ausgebauten christliche» Frieden wünsche. Dieser Frieden fei noch nicht vor­banden. Der Papst werfe den Besiegten vor, daß st« bisher noch keine Beweise ihres guten Willens zur Verständigung abgegeben haben und er spreche de« Siegern das Recht ans angemessene Garantien zu. Urverdies, so erftärt der Erzbischof, erkenne derPapfl grundsätzlich das Recht auf die Rubrbefevung, dr« t« seinem Brief mit ekinem Wo« fttttstert sei, an.

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Der Papst über das Duisburger Attentat.

Rom, 3.Juli. (Agcnzia Stejani.) Der Papst durch den am 30. Juni bei Duisburg vollführten Anschlag lief betrübt, hat durch Kardinal Gaspartt folgende De» an den päpstlichen Nuntius in Berlin richte« lassen:

„Während der heilige Vater mit feinem Schreibe« die Mächte zu einer friedlichen Verständigung zu bewege» bestrebt war, und alle« zu vermeiden anriet, was eine solche Vcrstäichigung verhindern könnte, bedauert et tief, von ben Sabotageakten im besetzten Gebiet und von anderen unter dem Vorwand des passiven Wder» standes begangenen Verbrechen zu vernehmen. Der Pavst beauftragt Sie, entschieden dahin zu wirke«, daß di« deutsche Regierung ein für alle Mal solchen ver­brecherischen Widerstand verurteile, der vom heflige« Vater selbst Verurteilt toitb." 1

rung und die französische Presse ein eventuelles Sonderabkommen Englands mit Deutschland als unfreundliche Haltung bezeichnen. Diese Haltung sei aber nicht unfreundlicher als das Verhalten Frankreichs gegen England bei dem Einmarsch ins Ruhrgebiet. Es fei hohe Zeit, daß die britische Re­gierung es Frankreich klarmache, daß di« Geduld Englands erschöpft sei.

Bonbon, 3. Juli. Nach „Pall Mall Gazette" ist für morgen eine Kabinettssitzung anberaumt worden.

Französische Kritik bet englischen Politik.

Paris, 3. Juli. „Matin" will aus ben ver­schiedenen von Reuter und Havas veröffentlichten Nachrichten erkennen, daß die Bedeutung der Ar­tikel des „Observer" und der „Daily Mail" herab­gedrückt worden sei. Viele Kundgebungen besagen, daß England seine allgemeine Polittt nicht von der Tatsache, daß der französische Botschafter Lord Cur­zon ein Memoire über seine Erläuterungen und nicht eine geschriebene Note Poincarös übergeben wolle, abhängig mache, ferner, daß es verfrüht sei, von einer neuen Politik Englands zu sprechen Außerdem sei es vorzuziehen, daß auf eine schrift­liche Frage eine schriftliche Antwort gegeben werde,- um es der englischen Politik zu ermöglichen, sich unverzüglich und klar zu erklären. Das Blatt kommt aber doch zu folgenden Schlußfolgerungen: Wenn England eine interalliierte Reparationsrege­lung wolle, müssen ihm unsere Methoden gefallen. Aber es scheint, daß es seit einem Monat etwas an­deres gesucht hat. Hat es nicht den Versuch gemacht, uns dadurch zu isolieren, daß es Belgien gegenüber eine fast befehlshaberische Sprache führte und da­durch, daß es durch verschiedene Mittel die belgische Krise verlängert hat? Dieses Manöver ist nicht ge­lungen. Theunis ist aufs neue da. Hat nicht der englische Vertreter im Vatikan den Papstbrief zu­erst ermutigt und nachher gebilligt? Auch hier ist der Erfolg mittelmäßig gewesen. Dann habe man auf Veranlassung einzelner Mitglieder des eng­lischen Kabinetts, die ihren anderen Kollegen die Hände binden wollten, im „Observer" und in der „Daily Mail" offen und direkt das Feuer gegen die französische Politik eröffnet.

London, 3. Jult. Reuter erfährt, daß in gut» unterrichteten französischen Kreisen Erstaunen da­rüber ausgedrückt werde, daß eine Krise entstanden sein sollte oder bevorstehe. Es sei unrichtig, an^n- nehmen, daß heute eine Antwort von französischer Seite erteilt würde, die einen Abschluß der Ver­handlungen bilden würde. Die Verhandlungen würden im Gegenteil in freundschaftlicher Form weitergeführt werden.

Paris, 3. Juli. Einen Beweis dafür, mit welchem Ernst die Lage in Paris aufgefaßt wird, liefern die Blätter, die bis jetzt mutig für eine Ver­ständigung mit England eingetreten sind. So schreibt der linksradikale „Qotiden", die Politik Englands, b. h. soweit ein Land burch seine Regie­rung vertreten werde, sei gewiß ein Denkmal des Egoismus und eines Attentats auf die Eerechtig- feit. Frankreich würde sich selbst verraten, wen» es einem Druck dieser Art weiche. Für den Staat wie für den Einzelnen sei die Isolierung besser als die Sklaverei. Was aber kei von denen zu halten, die blind und taub, um nicht zu sagen, dumm Frank­reich in diese Sackgasse geführt hätten. Es sei kein Trost, sich auf die Geschichte zu berufen oder auch nur auf die nächsten Wahlen. Bis dahin sei ge­nügend Platz für mehr als eine Katastrophe.

Der Anzeigenpreis 6#trägt für den Sgeip. Zeilenmtllimeter 300 Mk. (ÄL Anzeigen Heb Familten-Anz. gegen bar, 250 Mk. > Amtlich« »nd austn. Anzeigen 400 Mk. Bei schwieriger- Satz 50*/, Ausschlag. Spät eintausend« ober ben Raum über */, Seite einnehmend« Anzeigen werden nach bet Tertspaltenbreite berechnet. Reklamen der Zeilenmillimeter 1500 Mk. Jeder Rabatt gilt al« Sarrabatt Belege werben berechnet. Bei A»»> tun ft durch bie Geschäftost. und Vermittlung bet Angebote 300 St, bet Uebetfenbung * burch un« 300.— Mk. ohne Porto.

Di« „Daikh News" widershncht in ihrem Leitartikel Behauptung, daß England eine unfreundliche Gesin- — gegenüber Frankreich zeige. England habe Frank- ch außerordentlich viel geopfert.

extrem konservative „Morning Post" schreibt in '* Leitartikel, Großbritannien hab? die Wahl, sich beutschland oder Rußland ober Frankreich und seinen freunden anzuschließcn. Selbstverständlich müsse Eng- ■ *rä>_ den letzterren Weg wählen. Da» Blatt hält eine ! «rstäudigung mit Frankreich möglich, falls England vrch ben Abschluß gincs Bündnisses die Sicherheit Frank- ^ichs vergrößere.

aitze der Antwort Poincarös sei, aber diese lntwott nicht eher bekannt gebe, als bis sein belgischer Kollege in der Lage fein werde, sich ihm anzuschließen, bie' französische Regierung vermeiden wolle, ihre Ant- toort allzu kategorisch abzugeben, so sei die britisch« Regt- rang im Gegenteil her Auffassung, baß die Zeit für kategorische Antworten gekommen fei. Es h inrichttg anzunehmen, die britische Regierung habe Bereits in dieser ober jener Form eine eventuelle unab­hängige Aktion beschlossen. Selbstverständlich seien ver­schiedene Möglichkeiten erörtert worden. Die eine fei, M Großbritannien und alle Alliierten, die sich ihm tosschließen, sowie Deutschland eine internationale Kommission zur Festsetzung von Deutschlands Zah- kngsfähigkeit ernennen würden. Von ben so festgesetzter Betrag würde Großbritannien dann feinen Anteil von 32 Prozent erhalten. Es. könne sogar fein, daß der inte » nationale Gerichtshof eingeladen würde, getoisse Bestim­mungen des Bertrag>3 von Versailles autoritativ «us zu lege n. Ferner würden andere Erwägungen kmanzieller Att ins Auge gefaßt werden. Für den Augen­blick aber sei dieser Punkt noch nicht erreicht. Die briti- <den Staatsmänner hofften aufrichtig, daß es nicht ge- cheben werde.