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Ihr
5* J. H. Schäfer
Anzeiger für (das früher. kurheMche) OLerheffeK
Kasernenstr. 21
I
Kr. 153
1923
in keiner Weise aufaeklärt sei und selbst sflchen Meldungen kein Beweis dafür daß es durch Deutsche verschuldet ist. hinzu, daß die gesamte Bevölkening es passiven Widerstand mit Gewalttaten zu Resolution erwähnt auch die durch die
nach franzS- erb rächt ist, ES komme ablcbnt, den führe». Die Erschwerung
Essen, 2. Juli. Der über Duisburg vorhüngie Belagerungszustand ist nach hier eingetroffenen Nachrichten auch auf Rlthrort, Mülheim an der Ruhr, oberhausen und Hamborn ausgedehnt worden. Die Städte sind sämtlich isoliert und jeder Verkehr ist unterbunden. Die Zahl der bei dem Sprengstoffanschlag an der Duisburger Rheinbrücke
wird wte een darob «MllHeren «. vernickele
des Verkehrs lahmgelegte, ohnehin unzureichende Lebensmittelversorgung und erklärt, der Wille zur tasswen Abwehr des belgisch-französischen Einbruchs werde auch durch die neueste Masznabme nicht gebrochen werden.
Frankreich und der Vatikan.
Rom, 2. Juli. In Kreisen des Vatikans hält man den Zwischenfall zwischen Frankreich und dem Vatikan anläßlich des Papstbriefes über bte Ruhr« befetzung für erledigt. In einer längeren Unterredung zwischen dem Papst und dem französischen Botschafter Jounart erläuterte der Papst ausführ, lich den Geist seines Briefes, wobei er dessen Inhalt in vollem Umfange bestätigte. Besonder« Sorge verursache dem Papste die Tatsache, datz das deutsche Volk infolge seiner Leiden vom Bolschewismus mit seine« schrecklichen Folgen heimgesucht werden könne.
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Einreise ins unbesetzte Gebiet verhindert werden. Ebenso ist die Einreise aller deutschen Staatsangehörigen in Hengstey gesperrt. Unbehindrt ist der Nebergängsvrrkehr auS dem westlich von Hengstey liegenden unbesetzten deutschen Gebiet z. B. Elberfeld nach dem östlich von Hengstey liegenden unbesetzten deutscllen Gebiet, ebenso der UebergangSverkehr aller Ausländer.
Düsseldorf, 2. Juli. HavaS berichtet, die Durchführung der von den BesatzungSbehörden durch- gestihrten Represialicn Haden b-iS heute zu keinen ernsten Zwischenfällen geführt. 25 Personen, die nach Schlutz der Verkehrs sperre auf den Straßen ange- ttoffen wurden, seien verhaftet worden. Eine Patrouille habe eine Gruppe von Deutscheit beschossen, die beim Durchschneiden von Telepbondrähten an der Strecke Esten-Werden über, richt worden sei. In Rheinbach sei eS zu einem Znsarnmeustos! zwischen deutschen. Angestellten der französisch-belgischen Regie uild Arbettslosrn gekommen, wobei deutsche Polizei ’toci der im Dienst der Regie stehenden Angestellten verwurrdet hätten.
Protest-Kundgebung.
Dortmund, 3. Juli. Der Arbeitgeberverband sowie die Gewerkschaften aller Richtttngen erheben in einer gemeiusanren Resolution Protest gegen die Absperrung der besetzten Gebiete, die einen ungesetzlichen Eingriff in die Wirtschaft 'daritellt. Die Dttafmah- crklärt dir Resolution» sei umso ungerechtfertigter, als der Anlatz deS Unglücks bei Duisburg
England und der »Guerillakrieg- an der Ruhr.-
London, 2.Juli. „Daily Chromes, der heufe Von der Gefahr deS Guerillakrieges im besetzten Gebiet spricht, betont, daß die große Mehrzahl der deutsche« Bevölkerung nur für den passiven Widerstand ist. DaS Blatt spricht die Hoffnung aus, baß die Bewohner des RuhrgeLiet» nicht Von einer verzweiftlten Stimmung ersaßt werden. Frankreichs Haltung gegenüber dem englischen Fragebogen könne für die zukünftigen Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien entscheLend werden.
London, 2. Juli. Die „Westminster Gazetta" schreibt in einem Leitartikel, die deutsche Regierung und alle Deutschen im Ruhrgebieh die Einflug auf di« Bevölkerung haben, sollten ihr Möglichste- tun, um Gewalttaten, wie das Bombenattentat auf den belgischen Eisenbahnzug zu verhindernd Solche tzand- lnvgen seien nur geeignet, di« ftanzösische und bri- gische Bevölkerung in eine Stimmung zu versetzen, di« eine leidenschaftslose Regelung der Reparativ nSfrag« und der Frage der Besetzung des Ruhrgebiet- unmöglich mache. Auf der anderen Seite müßten Poin- lare und Theunis sich klar machen, daß, wenn fte ihre Politik weiter so betrieben, solch« Ausschreitung«» sich aus ihr ergeben müßten. Sie würden gut tun, eine andere Lösung zu finden!. Zu der Meldung über die angebliche Bereitschaft DeusichcrudS, der Bese^ung des Ruhrgebiets zuzustimmen, wenn Großbritannien und Italien sich daran beteiligten, erttfirt b« „Westminster Gazette" daß es für England beinahe nnj- möglich sei, sich an der Besetzung zu beteiligen.
Ter Artikel schließt: Wir können nicht wieder einem ncrtlojen Konipromiß znstimmen und wir können auch nicht mit verschränkten Armen dabeistehen, wenn Europa ir. den Ruin schrei et. Deshalb muß unsere Ant- n-ort aus die deutsche Note, die entweder gemeinsam mit Frankreich oder gesondert erteilt werden mu^ eine deutliche Mitteilung llbel tfcuftifle Politik eMthaftsu. 4 u
ums Leben gekommenen belgischen Militärpersonell hat sich im Laufe der Nacht auf 16 «höht. Eine Anzahl der Verwundeten befindet stch in kritischem Zustand.
Berlin, 2.Juli. Nach einer Meldung des ,Dech Tagebl." aus dem Ruhrgebiet sperrten die Franzosen gestern nachmittag einen großen Teil der Stadt Horde' ab und besetzten daS Rathaus. Die B-mokmer mustt-n in ihren Häusern Metten. Der Straßenbahnverfehr ist stillgelegt. Mehrere Beamte bet blauen Polizei und sämtliche Kriminalbeamte wurden verhaftet. AuS weh chen Gründen daS Borgehen ber Franzosen erfolgte, iß unbekannt. ' "* -
Duisburg, 2. Juli. Den deutschen ?ch>5en wurde die Beteiligung an der Untersuchung befl Ex- posionsunglückS auf der Duisburger Brücke untersagt. Es konnte daher deutscherseits noch nicht fest- gestellt werden,, ob überhaupt ein deutscher Anschlag borftegt, Sollte eS sich tatsächlich um einen solchen handeln, ist er ein Verbrechen, daS mit dem passiven Abwehrkampf nichts zu tun hat. Er würde zq den Gewalttaten zählen, die von der gesamten Bv- rölferung de- besetzten Gebiete- verurteilt werden.
Wieder drei neue Mord«.
Stier, 2.Juli. Die brutale Durchführung ber Nachtsperre hat nach einer Meldung des „Tag" wieder mehrere Todesopfer gefordert. Der 45 Jahve alte vev- heiratete Maurer Bestück wurde von einem Postell erschossen, weil er angeblich auf Anruf nicht stehen geblieben war. Der Erschossene war schwerhörig und hat einen Anruf sicherlich nicht gehört.
In Buer —Resse wollte der Arbeiter Fröh> lig kurz vor acht Uhr feinen auf die Straße gelaufene» Hund wieder einfangen. Als eine belgffche Patrouille sich näherte, flüchtete er ins Haus. Die Patrouille verfolgt« ihn, so daß er sich auf den Boden und schließlich atd da» Dach verkriechen mußte. Hier verlor er daS Hebe» gewicht und stürzte ab und blieb auf ber Straße miß zerbrochenem Schädel liegen. Im Laufe der Nacht ist er dann gestorben.
Außerdem sind in Stier zwei weitere Arbeiter schwer verwundet worden. Der Bergmann Patt ho fk erhielt einen Oberschenkelschuß. ent anderer einen Armschuß In Herpen bei Buer verließ ein« Gruppe von Arbeitern ein Lokal und stand draußen noch einen Augenblick plaudernd beisammen. Al» sie ber Aufforderung eines Postens, ouSeinauderzugehen, nicht in demselben Augenblick nachkamen, schoß der Posten rücksichtslos in bte Gruppe hinein und tötete einen Bergmann und verletzte einen zweiten durch Schulter schuß schwer.
Die AkMkÄim.
Ekberfeld, 2. Juki. .teuer die BerkebrSsverre läßt sich noch kein einheitlicher Ueberblick gewinnen, da daS Verhalten der Franzosen an den einzelnen Plätzen verschieden ist. In Hengslly haben sie den Verkehr vom besetzten ins unbesetzte vnb umgekehrt vom unbesetzten tn8 besetzt« Bebbtt unterbunden. In Holzwickede ist der Bahnverkehr ttt Richtung Dortmund unterbunden, ausgenommen LebenSmittel« transporte. Der Bahnhof ist zwar von den Franzosen besetzt, doch ist bisher das Ein- und Ausstelgen auf dem Bahnbof nicht tmtersagt. Die Durchfahrt durch den Bahnhof ist nicht gefährdet. In Vohwinkel ist im Reiseverkehr keineriel Aenderung eingetreten. In Rewiges hingegen ist jeder Verkehr ge-
Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg
Schriftliche oder mündliche Antwort.
„Der schwierigste Augenblick in den englisch-ftanzöstschen Beziehungen"
tnS unbesetzte Uhr mittags) siebt fest, datz der fron« Zon« an der
Loudon, 8. Juli. Bon gut unterrichtete? Seite wird mitgeteilt: Es ist unrichtig, datz Lord Crewe bei seiner letzten Unterredung mit Poncarö eine brüske nnd sogar drohenden Ton angeschlagen habe. Die Besprechung ist sogar in fteundschaftlicher Form geführt worden. Unrichtig ist auch, daß man auf englischer Seite eine schriftliche Antwort und keine mündliche entgegennehmen will. Man würde natürlich eine schriftliche Antwort vorziehen. Die Hauptsache ist. datz eine Antwort erteilt wird. Es Ist auch verfrüht zu sagen, datz die englische Regierung bei einer ungenügenden Antwort allein mit Deutschland verhandeln «erde, lleber diese Frage ist noch keinBeschlntzgefatzt worden. Er kann auch nicht gefaßt werden, bevor man Über die französische Antwort informiert ist.
London, 3. Juli. „Ere Rouvelle- meldet, daß die ftanzösische Antwort auf die englischen Fragen den Ruhrkonflikt betreffend, sich auf de« Wege von Paris nach London befindet.
Marburg tonM öen z. W Heuert
sperrt.
Köln, 2. Juli. Die von Köln Gebiet gehenden Züge stnb bisher (1 alle fahrplanmäßig abgefahren. Doch tn Hengstey die Bewohner zöstsch, englisch und belgisch besetzten
Paris, 2. Juli. Me ,HavaSagentur" meldet auS Kcblenz, daß vor dem Eingang zu dem Mainz« Tunnel jroei Bomben mit Zeitzündern aufgefunben norden feien. Eine der Bomben war explodiert ohqe erheblichen Schaden anzurichten, während die zweit« von einem Artillerieoffizier unfchDlich gemacht wurde. Die Untersuchung sei noch int Gange. Die übliches Sanktionen gegen Mainßstr Beamte würden erlassen werden. Die bei derartigen Anlässen vorgesehenjat Berkehrsbeschränkungen seien in Vorbereitung.
t London, 2.Juli. Der diplomatische Korrespondent der „Westminster Gazette" schreibt, er erfahre, daß die Antwort di« der französische Botschafter auf den eng- Ischen Fragebogen erteilen werde, mündlich und nicht schriftlich sein weide und daß der belgische Botschafter Angewiesen sei, eine ähnlich« Antwort abzueben. Dies Sri etwas anderes, als die Downing Street wünsche. Di-- Britische Ansicht sei, daß die Antwott schriftlich Mn Müsse, wenn die Atmosphäre geklärt werden solle. Je- länoer sich die Verhandlungen hinauszögerten, desto größer werde die Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Deutschlands. Wenn man sich in Paris darüber tzar sein werde, werde zw<fellos eine schriftliche Antwort steift werden und hoffentlich werde diese Antwott zustimmen mit dem englischen Fragebogen mit Zuftimmung ber französischen Regierung veröffentlicht wecken können, iluf jeden Fall wecke die Antwott, ob sie nun schriftlich «ber mündlich sein möge, die Grundlage für. weitere Be- -fprcchungen über die Möglichkeit einer gemeinsamen cGnw»ott an Deifts-sil-'n^ tret-n.
London, 2. Juli. Reuter verbreitet in folgender Form die aufsehenerregende Information des diplomatifchen Korrefpondenten des „Obfer- ett": Wenn Frankreich es ablehnt, auf die Fragen ifeogbritannien eine schriftliche Antwort zu ertei- len, fo wird die britische Regierung sehr wahrfchein- stch öffentlich erklären, daß die derzeitige Politik Frankreichs zum Ruin Europas führe, und : wirb Verhandlungen mit Deutschland auf bet tzkuudlage der deutschen Reparationsangebote oom t Juni einleiten. Wenn Frankreich es ablehnt, Jetan teilzunehmen, wird Großbritannien felbft- Dnndig »orgehen. Möglicherweise wird eine Konferenz neutraler Staaten cinbcruicu werden zu dem Zweck, eine Einigung mit Deutschland ohne Frankreich herbeizuführen.
London, 2. Juli. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, wenn, wie We letzten Berichte aus Paris besagten, die französische Antwort auf den englischen Fragebogen in mündlicher, sondierender Form erfolge und nicht in schriftlicher, bestimmter Form, so würde dies in englischen Kreisen bedauert und möglicherweise übelge- nommen werden. In London hab« in bet letzten Woche die Auffasiung an Boden gewonnen, daß die Verzögerung der Antwort des Quai d'Orsay nicht Ausschließlich auf die belgische Ministerkrise prückzuführen fei, sondern auf die Abneigung > Wet französischen Regierung, eine rndgültigeAntwortzugeben.Die Franzosen schienen immer noch die Illusion zu hegen, daß die englische Regierung ihre bisherige Haltung in der Ruhrfrage aufgeben. und desavouieren werde. Die Franzosen seien der Meinung, daß eine münd- 8che Antwort empfehlenswerter sei als eine schrift- Kche, weil die beiderseitigen Ausfastungen noch zu »eit auseinander gingen, so daß, wenn sie schriftlich niedergelegt würden ein toter Punkt erreicht mürbe. Demgegenüber sei die englische Regierung der Ansicht, datz bet täte Punkt schon erreicht fei und datz es angesichts des drohenden Zusammenbruch» Mittel» »nropas dringend nötig fei, darüber Hinwegzukommen: datz es einfach keinen Zweck habe, weiterhin nm die Hauptsache hernmzuteden. England müsse ohne weiteren Verzug erfahren, ob eine Regelung der deutschen Probleme als gemeinsame Aktion bet AHierten möglich fei ober Wicht, bamtt « im zweiten Falle überlegen Knne, welche Politik es verfolgen solle. Dies sei der Grund für die Forderung umgehender Beantwortung des Fragebogens. Außerdem müsse die London« Regierung baldigst vor dem Parlament bitte Erklärung über ihre Absichten adgeben. Der Korrespondent bemerkt noch, man habe in London noch keine Kenntnis der Absichten der belgischen Regierung und davon, ob diese mündlich oder ßchrist» antworten werde.
London, 3. Juli. „Evening Standard" schreibt: von gewissen Kreisen ber englischen Regierung wird zu-- tzegeben, daß die Entscheckung einen toten Punkt erreicht habe und daß sich die Dinge so entwickeln, daß in sämd- sUchen Kreisen Besorgnis herrscht. Doch hat man noch die Hoffnung, ein« gemeinsame allnette Aktion zustande fln bringen.
Der Pariser Korrespondent der „Times" schreibt: „Wir den schwierigsten Augenblick in den
ranz ösisch-«ng lischcn Beziehu ngen er- icht. Von dem, was diese Woche geschieht, kann die nftige Freundschaft zwischen den beiden Ländern ab- ngen. Es ist zwecklos und gefährlich, sich in Prophez.singen zu ergehet^ welche Wege Frankreich und Groß ritannien in den» einen ober dem anderen Fall« riujAu-
gen würden. Frankreich ist der Auflassung, daß eS seit- Haltung nicht vollständig Lickern könne, ohne sich zu demütigen."
Paris, 2. Juli. Nach dem „Echo be Paris" hat «ine ernste und schwierige Woche begonnen, drei Angelegenheiten stehen zur Debatte die Tangerftage, beten erste Verhandlung nicht ermutigend gewesen sei, die Saarfrage, bei deren Besprechung im BSlfer- bundsrai in Genf b« Saarregierungskommission der Prozeß gemacht werden soll, um die Schaffung «in« neuen Regierungskommission vorzubereiten. Die dritte Frage sei die ernsteste, lieber sie werde der fran- zösische Botschafter harte nachmittag im Forreign Of- fict das ftanzösische Programm in modifizierter Form nochmal? darlegen.
Entrüstung in Frankreich.
Paris, 2. Juli. „Mattn" verlangt, daß Baldwin nnd Lock Curzon unverzüglich erklären, daß sie in feiner Weise mit dem Urteil des „Observer" übereinstim- men und auch nicht beabsichtigen, die von dem Blatt angekündigten Methoden anzuwenden.
Diese allzu deutlichen Erörterungen ber englischen Presse haben in Frankreich ein lebhaftes Echo geftinden.
Der „Goulois" schreibt: Der Franzosenhaß be» Herrn Garvin ist nicht imstande, die Regierung festzufegen, in deren Namen er "sich für ermächtigt hält, an Frankreich eine Warnung zu richten, deren Inkorrektheit zu wenig mit den gewohnten Methoden und Aeußernngen Salb» wins im Einklang steht. Wenn die Geduld des Fortt an Office am Ende ist, so ist die ftanzösische nicht weniger erschöpft und das^ sitfl» recht unvorteilhafte Votausfetzu"- aen für einen Versuch, Verhandlungen zu rnent guten Ende zu führen, die ganz besonders mühevoll sein wecken.
Gustave Herve schreibt in der ..Vittoire": Wenn bat englische Blatt die Wahrheit sagte und die Londoner Regierung daran dächte, uns dics-n httmiückflchm Streich zu spielen, so wären wir sicher sehr betrübt. Mer in- wesern kann ein? solche Treulosigkeit den Gefrästen Groß- britannen von Vorteil sein, inwiefern würde eine derartige Ermunterung d-z deutschen W'derstandes die Lage Europa» bessern? Wenn die englische Regierung in dieser Weise den Versailler Vertrag als einen Fetzen Papier zerreißt, so sehen wir ohne weitens, welche Vorteile Deutschland fofort daraus ziehen würde. Wir sehen ohne weitere», daß es rüffelt, die bolschewistischen Armeen zu Hilfe rufen und daß es w'edet Krieg anfangen mürbe, (ü) Wir sehen ohne wtttereS, daß das festländische Europa aufs neue in ein Blutbad und in Chaos getaucht würde. (!!). Wir seh:n ohne weiteres, daß di« sozial« Revolution diesmal in ganz Europa und auch in England entfesselt würde, dank der neuen großen Wirtschaftskrise, die die Welt vollends auS den Fugen bringen würde. Und danach!? Was hat Großbritannien zu gewinnen, wenn es diese wahnwitzige Partie spielt.
Die Republique Francaise" schreibt, man erkenne in dem brutalen Ultimatum des „Observer" durchaus nicht di« Klugheit und Courtoisie Baldwins, sondern bte leidenschaftliche Heftigkeit Lloyd Georges.
Der sozialistische „Populaire" schreibt: Bringt ber „Observer" wirklich die Empsinbungen ber offiziellen englischen Kreise zum Ausdruck? Wir wiffen es nicht, au: all« Fälle aber scheint uns festzuflehen, daß die Spannung zwischen Paris und London niemals so groß war wie im Augenbllck. DaS Blatt billigt die Haftung ber bet Regierung nahestehenden Organe n-'cht, die des ,Journal". des „DebatS" und des „TempS".
Paris, 2. Juli. In einem außerordentlich heftigen Leitartikel erllSrt ber „Temps", kein ausläudi- sches Blatt, das eine off-zielle Meinung, zum Ausdruck bringe, habe seit der Serajewokrise in einem Ton die französisch« Regierung zur Rede gestellt, rote dies der gestrige „Dbferöer" zu tun wagte. Der „Temps" bedangt hinsichtlich der Darstellung des „Dbferöer" über den Besuch d«S englischen Botschafters im Quai d'Orsay ein Dementi ber englischen Regierung. Tie Fälschung d«S „Dbferöer" erinnere geradezu an die Lmser Depesche.
Gaoisse Leute seien also Wohl entschlossen, eint Verständigung zu vvchindern. Wen« der „Obftrveri' glaube, di« Franzosen einschüchtern zu können, so motte der „Temps" ihm sagen, daß er sich täusche. Wer das Gebäude des gemeinschaftlichen Sieges unierwühle, würde zuerst das britische Reich ins Wanfen bringen^ Staucht Europa heute Leuten di« alles niederceißen? Muß man vielmehr nicht vor allem Provokationen vermeiden, die die französisch-enFische Verständigung verhindern? Wer dem „Observer" zustimmt, sei ein Feind des englischen Volkes.
Offizielle englische Abschwächung.
London, 2. Juli. Reuter meldet: In offizietten Kreisen Londons ist man überrascht über die Arckeu- tunß, die britische Regierung sei entschlossen, eine sofortige Regelung mit Frankreich zu erzwingen. Von ermächtigter Sette wird sestgestellt, daß es durchaus dorettig wäre, von einem gesonderten Vorgehen Englands Teutschlynd gegenüber zu jUtrchen.
Der Äiqelgenptei» beträgt für Öen 9gelp. Zeilenmilllmeter 300 Mk. (Kl. Anzeigen nnb
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