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*# J. H. Schäfer

Amtliches VerNndigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früher kurhesiische) Oberhessen^

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DieOderhelSIche Zeitung" erlchelnt I«ch«m-l wöchentlich. L«,,g,vrei, monatlich 6000 Ml. mit Zustellnagrgebühr. Für »fallende Nummern infolge Streik, oder elementarer «retgntge lein Ersatz. »erlas von Dr. T-Kitzerotd. Druck der Univ^Bnchdruckerei von 2ad. An«. Koch, Markt 21.23. Kernfprecher 56, Post» Icheckkont«: Nr. 5015 Amt Frankfurt <u Main.

Marburg

Montag, in 25.3nl Brach«,»»»

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Old», 1923

3m Sagt.

Franzosen und Engländer geben zur Zeit den­jenigen deutschen Politikern Anschauungsunterricht, die der Regierung nicht dringend genug nahelegen können, sie muffe Verhandlungen erzwingen. Diese Kreise, die auch jetzt wieder an der inneren Knochen­erweichung arbeiten, vergeffen immer, daß zu Ver­handlungen zwei gehören und datz das Kabinett seit Monaten nichts anderes im Auge hat, als zu Verhandlungen zu kommen. Diese Verhandlungen aber müffen erkämpft werden. Bei dem Ruhrkampf dreht es sich um gar nichts anderes, als um das französische Zugeständnis, datz die Politik des Herrn Poincars sich totgelaufen hat und datz mit Deutsch­land eine Vereinbarung auf dem Verhandlungswege erstrebt werden soll. Solange dieses Ziel nicht er­reicht ist, bleibt nichts weiter übrig, als zu kämpfen «nd alles Zureden und alles Drängen Hilst unserer Lache keinen Schritt weiter, sondern vermindert lediglich unsere Widerstandskraft.

Entscheidend für unser Schicksal ist die Entwick­lung die der deutsche Widerstandskampf in der tlächsten Zeit nehmen wird. Wir werden jetzt von Tag zu Tag beobachten können, ob wir einem schmählichen Ende zutreiben, oder ob die Kraft in »ns wohnt, um das Letzte, wenn nicht anders, so mit hem Mute der Verzweifung, zu kämpfen. Ohne diesen unbeugsamen Willen geht es nicht. Die fal­schen Propheten, die dem deutschen Volke wieder ein­mal Trugbilder vorgaukeln, sind die besten Helfer des Herrn Poincarö. Es ist schmählich und im höchsten Matze bedenklich, datz auch der sächsische Ministerpräsident Zeigner in diesen Reihen steht. <kr hat kürzlich in einer Rede vso "bet Regierung verlangt, datz sie den passiven Widerstand aufgeben und sofortige Verhandlungen einleiten soll. Diese Aeutzerung wurde halbamtlich bestätigt, wobei Herr Zeigner nur Wert auf die Feststellung legte, datz er kein bedingungsloses Verhandeln gefordert habe. Diese Aeutzerlichkert ist aber gänzlich belanglos. Die falschen Propheten, denen das deutsche Volk leider auch im Jahre 1918 getraut hat, üben gerade da­durch ihre Kunst, datz sie die volle Wahrheit ver­schleiern Der sozialdemokratische sächsische Minister­präsident mutz unbedingt klug genug sein, um zu wissen, datz die Aufgabe des passiven Widerstandes und das Angbot von Verhandlungen die restlose Ka­pitulation uedeutet. Er führt also wirklich den Dolchstotz in den Rücken unserer Ruhrfront. Ein Trost ist und bleibt es nur, datz an der Ruhr von Uebergabe kerne Rede ist. Und solange dieser Geist aufrecht erhalten wird und in das übrige deutsche Volk zurückstrahlt, solange wird auch die Unter­werfungspropaganda des sächsischen Ministerpräsi­denten keinen Erfolg haben. Denn kein Mensch hat die Macht, den passiven Widerstand abzubrechen, so­lange die Front an der Ruhr feststehl.

Frankreich «nd da» englische Memorandum.

Pari», 23. Juni. Am Mittwoch nachmittag stattete der englische Geschäftsträger in Paris, Lord Crewe, PoincarS im Auswärtigen Amt einen Besuch ab. Die Unterredung dauerte eine Viertelstunde. Es verlautet, datz Lord Sterne dem französischen Ministerpräsidenten zu verstehe« gab, wie sehr man in London eine Beschleunigung der französisch-englischen Bespre» chungen wünsche. DieChicago Tribone" ver­sichert mitteilen zu können, datz das Quai d'Orsay überhaupt von dem Grundsatz einer schriftlichen Antwort an England abgegangen sei. In ftanzö- sischen Kreisen wird hier betont, datz auf zahlreiche Fragen, die vom Foreign office dem französischen Gesandten in London zugestellt wurden, von diesem bereits zahlreiche mündliche Erklärungen abgegeben worden seien. Diese Entwickelung der Dinge lätzt darauf schließen, datz man einen möglichst grotzen Epielraum für die Verhandlungen sich hier bewah­ren möchte und mit dem englischen Premierminister Baldwin hin und her manövrierte und die allmäh­liche Zustimmung von Berlin als der beste Ausgang i-er Verhandlungen aufgefatzt wird.

London, 23. Juni. DieTimes" schreibt in einem Leitartikel, der britische Standpunkt sei jetzt vollkommen deutlich. Das Land wolle eine end- «ültige wirtschaftliche Regelung des Reparations­problems und die Befreiung Europas aus der gegenwärtigen gefährlichen lln- gewitzheit. Die britische Regierung mutzte jede Rücksicht auf die Schwierigkeiten Frankreichs neh­men. Sie könnte sogar gewisse Zugeständnisse wachen. Was sie jedoch nicht tun könne, sei, ihre Eigene Politik der Frankreichs unter- iuotbnen. Frankreich habe wirtschaftlich durch feine Aktion nichts gewonnen, selbst wenn alle Re- tierungen der Welt Deutschland ausforderte», den

Enthüllungen über die ftanzösische Rheinlandpolitik.

London, 24. Juni.Observer" veröffentlicht heute sensationelle Enthüllungen über bie französischen Pläne für bie Lostrennung des Rheinland«? Vom Reich. In einem vom 16. April b. 58. datierten Geheimbericht des französischen Oberkommissars im Rheinland an feine Regierung befaßt sich der Oberkommissar mit den An­strengungen des französischen Oberkommissariats und des Führers bet rheinischen Separatisten, nm ihr gemein­sames Ziel, bie Lostrennung der Rheinlande, zu er­reichen. Der als persönlich und streng vertraulich be- zeichnete Geheimbericht erwähnt, Haß der Verfasser des Berichts im Mai 1921 mit der Aufgabe betraut wurde, mit Dr. Dorten in Fühlung zu treten. Mit Unterstützung des Oberkommissars habe Dorten seine Anhänger zu­sammenbekommen, ihre Begeisterung hochhalten und seine Propaganda verbreiten unb Zeitungen gründen können. Das Oberkommissariat habe jedoch seine Zusammenarbeit mit Dorten offiziell nicht zugeben dürfen. Jnivlgü>essen sei Dorten allmählich auf das Niveau eines untergeord­neten Agenten im französischen Solde herabgesunken. Seine Feinde im antipreußischen, aber durch und durch deutschen Rheinland hätten es verstanden, diese Tat­sache als tödliche Waffe zur Deeinssussung der rheinischen Politik zu benutzen. Dr. Dorten habe versucM Beziehun­gen zwischen Frankreich und den Industriellen des Rhern- landes herzustellen. In Wiesbaden habe er dasgemachte Büro" und später ,hen rhein schon Verein" gegründet. .Obgleich diese Versuche äußerst energisch vom Ooer- kommissariat unterstützt wurden, blieben sie fruchtlos." Dorten babe versucht, feine Bewegung mit den übrigen übrigen separatistischen Mittelpunkten zu verbinden Er sei in Verhandlungen mit Dr. Heim, ,hem König der bayrischen Bauern", getreten. Torten fei jedoch ge­zwungen gewesen, seine Pläne auizug^ben. Dorten s-n dem Programm treu gebliebm. das er allmählich für die Schaffung eines autonomen Bund'sstaates innerhalb des Reiches ausgearbeitet hatte,aber", so fährt der fran­zösische Oberkommissar fort,dies verfolgte, wie er mir wiederholt sagte, den Zweck, das Unbehagen der Mehrheit seiner Anhänger zu beruhigen, die zwar antipieuß sch, aber deutsch eine verhüllte ffan- zösische Annexion befürchteten." Nach Dr. Dorieus An­sicht konnte ein solches Erzeugnis nicht Bestand haben Der Bericht befaßt sich hierauf mit Törtens Altions- Methode. Da große Ausschüsse ,^Indiskret onen begün­stigen", berufe er nur die Häupter der Bezirke,seinen vertraulichen Generalstab" ein, durch den die Bsch'üsic den unteren Sängen übermittelt würden DortenS Arbeit beschränke sich auf bie ländliche Bevölkerung und den Mittelstand.Propaganda unter den Arbeitern", so sagte Dorten,könnte zu sozialistischen Gegenoffensiven führen." Der französische Oberkommissar erflärt, int Verlaufe von Unterredungen, btt er mit gewissen Ver­trauensleuten Törtens, wie Grand' Ry und Dahlen von Aachen, Müller von Köln und Simon von Wiesbaden

passiven Widerstand einzustellen und selbst wenn die deutsche Regierung unter der grotzen Gefahr für den eigenen Bestand sich dazu bereit erklären würde. Rur Frankreich könne diesen Widerstand beendigen. Es könne keine ernste Erörterung der Reparations- frage stattfinden, bevor der Ruhrkonflikt aufhöre. Er könnte nur aufhören, wenn beide Seiten ihre Waffen niederlegten. Deutschland sei gebrochen. Frankreich habe es in seiner Macht, den Edelmut eines Siegers zu zeigen. In kurzer Zeit könnte die einzige Möglichkeit für eine wirtschaftliche Lösung des Reparationsproblems verschwinden.

London, 24. Juni. Die .TimeS" berichtet in ihrem Finanzietl, die Eich dränge darauf, datz die cngttfSe Regierung die Angaben des deutschen Vor­schläge- hinsichtlich der Einsetzung einer internatto­nalen Untersuchungskommifston möglichst schnell bei den Stotterten durchsetzen wolle, damit die Krästezer- setzung aufgehalten und der Kredit Deutschlands tote« derbergestellt werden könne.

Parts, 24. Juni. Das .Oeuvre" schreibt zum Stande des französtsch-engltschen Meinungsaustau­sches in der Ruhr- und Reparattonsfrage: In osft- z'.ellen Kreisen in Paris werde erklärt, datz die Ant­wort auf die englische Note ftüdtocife übermittelt werde. Dieses System ist nach Ansicht des .Oeuvre' nicht schlecht. Man habe genug scharfe Noten und verletzende Meinungsüutzerungen auSgetauscht; man könne sich freuen datz die demnächstigen Besprechun­gen, die zwischen Frankreich und England unaus­bleiblich seien, recht sorgfältig vorbereitet würden, denn nach französischem Standpunkt stehe es nut fest, datz die Polittk deS Tete ä-tete mit Deutschland zu keinen Zahlungen führe,-aber dafür recht teuer sei.

Französische Luftfahrt.

Paris, 24. Juni. Im Laufe der gestrigen Bndgetberatnng im Senat kam der Haushalt des Un- t-rstMtsfekretariats für Luftfahrt zur Sprache. Der Berichterstatter Senator General Hirschauer führte u a. aus: Deutschland mache in der Luftfahrt große Anstrengungen (!!). Frankreich müsse seinen territo­rialen Besitz und seine Gewässer durch Flugzeuge schützen; das fei Borbedingung feiner Sicherheit. Se­nator Lubersac richtete au den Unterstaatssekreiär

gehabt habe, habe er sehen können, baß Dorten als der Führer betrachtet werbe. Ende Februar 1923 habe das Obetkommisariat Dr. Dorten vorgeworsen, daß er nichts tue. Der Verfasser erklärt, viele Agenten DortenS hätten einige zweifellos interessante Ergebnisse ermittelt. Die Persönlichkeit jedoch, die sicher den größten Einfluß auf Dr. Dorten ausübte und mit ihm in sehr engen Beziehungen blieb, war General Mangin. Dorten habe Mangin als den Mann angesehen, der als einziger fähig sei,Frankreichs Geschick am Rhein zu erfüllen".Rach den ersten Unfällen der Ruhrbesetzung" habe et gehofft, daß die Stunde der Aktion gekommen sei. Der Bericht schließt: Die Gründung des Rhrinlandstaates werde natür­lich nicht ohne Widerstand stattfinden. Arbei- ter und die ehemaligen Kriegsteilnehmer, alle diese Ele­mente, übten eine Rückwirkung aus. Andererseits verfüge Dorten Über eine Organisation, die für uns nützlich fein weide. Schlimmstenfalls könnte Dortenden Franzosen wertvolle Informationen lie­fern, sowohl bezüglich der Leute als auch bezüglich ihrer B^handlnngsweise. Es würde fein Fehler sein, sich feiner Hilfe zu berauben, besonders da Dorten sich selbst den Rückzug abgeschnitten habe, denn in Paris habe er seine Politik als in vollständiger lieber- einstimmung mit Frankreich befindlich be­zeichnet.Keine Bastardlösungen mehr, die preu­ßischen Manövern helfen könnten" unbein unabhängi­ger Rheinlandstaat, der Anteil an den Reparattonen nimmt."

London, 24. Sunt. Der Chefredakteur deS .Observer", Garwin, befaßt sich eingehend mit den von feinem Blatte veröffentlichten Enthüllungen über die französischen Nheinlandpldne- Er schreibt, das xi.ttte Jahr nach dem Versailler Frieden babe mehr getan, um de,! Augen der Welt den grundlegenden Irrtum dieser Regelung zu zeigen, als die drei vor­hergehenden Sabre zusammengenommen. Garwin gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die heutigen Enthüllungen lvenigstens einigen Franzosen die Augen öffnen werden. Ter Plan der Losreitzung der Rheinlande von Deutschland könne nicht gelingen, weil er die Tat- sächlicheiten der menschlichen Natur und der deutschen Geschichte außer acht lasse. Die französischen Separatisten würden selbst an der Tatsache der deutschen Einheit brechen, wenn sie diese nicht anerkennen wollten. Unter den günstig­sten Bedingungen sei diese vor 100 Jahren Napoleon mißglückt, und Poincare wolle e5 heute erreichen. Solange der Geist des heut« veröffent­lichten Dokumeints die franzöfische Politik leite, könne nichts die Kata­strophe abwenden, die Frankreich und Europa bedrohe. Der Traum der Sicherheit Frankreichs durch eine Zerstückelung Deutschlands habe konkrete Formen erhalten.

eine Anfrage über den Krieg der Zukunft. Unter« ftaatssekretür Laurence Ehnac antwortet^ franzöfr- kcherseits verfolge man mit «roher Aufmerksamkeit alle Versuche aus dem Gebiet des Flugwesens. Gene­ral Kirschauer habe atrf die Notwendigkeit hinge- totefen, einen regelrechten Luftlinienverkehr iihnlich dem Seeschissabrtsverk-hr zu organisieren. Die Re­gierung habe diesen Weg zielbeivutzt betreten. Sie habe eine Verkehrslinie nach Prag, Warschau, Wien, Budapest, Belgrad und Bukarest, eine zweite über Spanien nach Marokko eingerichtet. Praktisch genom­men werde die Verbindung zwischen MaroNo und Frankreich durch Luftpost hergestellt. Zwei weitere Linicn, ein« nach Tunis, eine nach Algier, seien vor- Sefehen.

Paris, 24. Sunt. Ministerpräsident Potncar« empstng heute den französischen Delegierten bet der Rheinlandkommissttm, Tirard, sowie den Marschall Petain, der ihm Bericht erstattete über feine Inspek­tionsreise MS Ruhrgebiet.

StiiiizMche SwrtWt.

Berlin, 22. Sunt Der Reichsminister Dr. Luther hat einem B-rtteter deS WB. eine Unter­redung gewährt, in der er zu dem Versuch der Fran­zosen, durch Hunger die Bevölkerung des Ruhrge­biets zum Rmhgeben zu zwingen, Stellung nahm. Ter Minister führte aus: Rach den jetzt vorliegenden Nachrichten kann kein Zweifel mehr fein, daß die Franzosen den Versuch machen, über die gesamte Be­völkerung des Ruhrgebiets die Hungerblockade zu ver­hängen. Das haupttächlichste Mittel der Franzosen ist bk Lahmlegung des gesamten Eisenbahnverkehrs. Der Hinweis der Franzosen, datz gegen Zahlung der Gebühren die ankommenden Eisenbahnwagen auf den von chnen militarisierten Sttecken toettetbe'örbert würden, ist nur. geeignet, vor aller Well offenkundig zu machen, datz der wirkliche französische Plan rein polittschen Inhalts ist Selbst bei der für die Kinder lo lebensnotwendigen Milch werden immer wieder folche Störungen herbeigeführt, sodatz die Mil», wenn überhaupt, ist verdorbenem Zustande aulcmmt. Datz die Franzosen ou Aushungerungsversuchen schreiten würden, haben nicht nur die meisten Deut­schen, sondern auch die zahlreichen Ausländer, mit denen ich feit Monaten über die Möglichkeit gespro- cheu habe, für völlig ausgefchlvsse» erklärt, wett sie

annahmen, datz das französische Volk sich niemals vor der Mit- und Nachtoett mir dem fürchterlichen Ruf be­lasten würden, mitten tm Frieden unbewaffnete Men­schen aurzuhungern. Nun unternehmen die Fran­zose« diese« BernichttmgSversuch gerade jetzt, da bie Meinung fast der ganzen Welt aus eine endgültige wirtschaftliche Lösung bet ReparationSftage hin« drängt.

Mmse für Mses.

Barmen, 23. Sunt. Der Regierungspräsident von Düsseldorf, Dr. Grützner, hat an den englische« Bezttksdelegierten ht KSt« folgendes Schreiben ge­richtet, in dem eS «. a. Seitzt: Am gestrigen Tage bat das ftanzöstfche Kriegsgericht in Düsseldorf die Re­vision deS auf TodeSsttafe lautenden Urteils 1. In­stanz gegen den LandwirffchaftSlehrer GörgeS ver­worfen. Ich überlasse eS Ihnen, das Vorgehen de» französischen Militärfusti, auf Recht, Vernunft und Sittlichkeit bin tu prüfen. Mit diesen Zeilen Will ich vielmehr lediglich S6te' und Ihrer Regierung Auf­merksamkeit auf die unmittelbar drohende Sefadr d«r zielbewutzten Vernichtung eines weiteren deutsche« Menschenlebens lenken und Sie und Ihre Regierung zur Prüfung der Frage veranlassen, ob vernunstge- bot, Gesinnung und Barmherzigkeit Ihrer Ratto« nicht die Aufgabe zumtht, jeden Weg ,ur Erhaltung difes Menschenlebens ,n gehen. Die vollstreck»«« dieses Todesurteils mutz die verständigungsberett- schast, die das deuttche Volk am Rhein und an bet Ruhr gezeigt hat, einer brrartigen schwere« Belastung untertoerfen, datz daS von Frankreich erstrebte Ziel nicht erreicht Wird.

Berlin, 23. Juni. Aus sicherer Quelle bet» lautet, datz die deutschen Bischöfe in einem gemein­samen Schreiben den Papst gebeten haben, sich bet bet französischen Regierung für die Richivollstreckung bef gegen GörgeS gefällten Todesurteils einzusetzen.

Essen, 22. Sunt. Nach Meldungen des hollän­dischen Blattes .Het Volk' haben die Deutschen Ge­werkschaften das dringende telegraphische Ersuchen OK die Gewerkichaftsorganisatisnen der alliierten Länder gerichtet, darauf hinzutoirken, daß die Vollstreckung tc3 Todesurteils gegen Görges unterbleibe, um nicht eine neue Verschärfung der Lage herbeizuführen.

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Mit find die Boche» .... und Poincars vertritt die Zivilisation!"

Cassel, 23. Jnni. Reichstagsabgeordnet« Scheidemann schreibt intCasseler Volksblatt":

Ein englischer Soldat, Familienvater, im Zivil- betuf Straßenbahnfahrer in London, war in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten, hatte mit einem deut­schen Unteroffizier Streit bekommen und diesen ver- prügelt. Natürlich Kriegsgericht! Resultat: Todes­urteil! Das Urteil wurde mir mit der Bitte um Hilfs telegraphisch von Kameraden des Verurteilten gegeben. Ich eilte in die Wilhelmstratze zum Reichs- fandet, um zu intervenieren. Der Kanzler tele- graphierle in» Hauptquartier, und der Engländer Tonnte später nach Hause zuruckkchren. Die Begna­digung erfolgte im Kriege!

Ein belgischer Bürger, der später Senator wurde, wurde wegen eines mit nicht mehr erinnerlichen Vergehens, das er in deutscher Kriegsgefangenschaft begangen Haden sollte, von einem deutschen Kriegs­gericht zum Tode verurteilt. Sein verzweifelte» Werb telegraphierte mir unter Berufung auf ihre Kinder. Es gelang mir, der unglücklichen Familie der Gatten und Vater zu retten. Da» war im Kriege.

Schlageter wurde von einem franzöfifchen Kriegs- gsricht zum Tode verurteilt und erschossen, iw Frieden?

Görges wurde von einem ftanzösische» Kriegs­gericht zum Tode verurteilt und soll erschossen wer­den, im Fri eden!

Ja, ja, wir sind die Boches und Herr Poincarck vertritt die Zivilisation."

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' Zum Mord an Feldhoff.

Uebei die Erschießung des Sohnes des Konditor« Feldhoff in Recklinghausen durch einen französische» Posten ist dem »Berl. Lok.-Anz." zufolge folgende« sestgestellt worden: Zwischen zwei Straßenbahn« fahrgästen war ein Streit entstanden, t» dessen Ver­lauf einer der beiden in französischer Sprache um Hilfe rief. Ein durch einen französischen Offizier zum Eingreifen aufgeforderter französischer Poste» schoß sofort auf die bei der Haltestelle sich auf­haltende Menge und traf dabei Feldhoff, der inner­halb weniger Minuten starb. Feldhoff war an dem Streit nicht im geringsten beteiligt. Er hatte i» einem Kaffee mit einigen Bekannten seinen Ge­burtstag gefeiert. Als sie aus dem Kaffee heraus, kamen, bemerken sie, wie zwei Zivilpersonen mit­einander Streit hatten. Auf den Lärm hin erschien ein gegenüber wohnender französischer Offizier am Fenster und alarmierte die Wache im Erdgeschoß de« Kaffees. Zwei Posten feuerten zunächst zwei blinde Schüsse ab, auf bie der tödliche Schutz folgte. Dieser kam von hinten in die rechte Rückenseite und ging vorn als Bauchschuß wieder heraus. Der herbei» gerufene Arzt konnte nur noch den Tod des FeldhoA feststellen. '