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Amüiches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.
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J. H. Schäfer
Anzeiger für (das früher kurhesiischej OberheM
Kaserneostr. A
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St. 142
1921
Die »OderheWch« Zeitung« erjcheint sechsmal wöchentlich. — Lezugsvrri« monatlich 6000 Mk. mit Zustellungsgebühc. Für ausiallenv« Nummern infolge Streits oder elementarer Ereigniüe kein Eriatz. — Verlag von Dr. T.Hitzerotd. — Druck der Univ^Buchdruckerei von 3ob. 'Lug. Noch. Markt 21.21 — Fernsprecher 55. Post- schecktonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt Main.
Marburg
HM »en 20.3m!
Brachmond
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FkanzsB--be!8i!ihe Eimmg?
Wir der „Matin" «nd der „Steile Beige" überstimmend mitteiie«, ist zwischen beiden Regierun- eine Einigung in dem Sinne erzielt worden, daß te gemeinsam die Einstellung des passiven Wider- pndes im Ruhrgebiet verlangen werden, und zwar geßcn sie darunter die Aushebung aller Verordnun- gtn verstehen, die die Reichsregierung erlassen hat, ih Beamten, Angestellten und Bevölkerung jegliche Zvsammenarbeit mit französisch-belgischen Kontroll- leb Regiebehörden zu verbieten. Wenn da» erfolgt jjt, würden Frankreich und Belgien bereit sein, ihre -esetzung insofern „unsichtbar" zu machen, als sie uf den Stand des 11. Januar zurückgeführt wird, i stach einer Meldung der „Daily Mail" will Frankreich außerdem auf der Zahlung von 1300 Millionen Mund für Reparationszwecke und der Uebernahme Im französischen Anteils an den interalliierten stkiegsschulden bestehen. Ferner soll danach Deutsch- H’Ih» noch vollständiger als bisher entwaffnet und les Rheinland neutralisiert werden. Selbstverständ- jstch waren solche Forderungen selbst für die englische Regierung völlig unannehmbar.
Paris, 19. Juni. Tu» Meldungen aus Brnssti Assen erkennen, daß ungefähr noch eine Woche bis zum »lisgang der belgischen Ministerkrise verstreichen wird Mtsdesteweniger toirb Herr Theunis und Herr Jaspar Ke Besprechungen mit Paris und London fortsetzen. Ob v»b! «S den Gebräuchen widerspricht, erklär, oer Brüss le- i | storrespondent des „Oeuvre", werden die dcm'ffiouiert-i- sstinister, da sie nur auf Grund innerer Fragen ihre De Mission geben mußten, sich mit der auswärtigen Polili' »eiter beschäftigen. Es bestehe kein Grund, die Möglich fat der Verhandlungen mit Deutschland weiter hinaus ptschieben Poineare wird daher eine Antwort auf sein. Ritteilungen erhalten Vielleicht wird dieselbe mit chk> 1 j steife des belgischen Königs, der diesen Sonntag Poin- «re nach Verdun begleitet, zusammenfallen.
Deutschland auf der kommenden Reparationskonserenz?
Berlin, 19. Juni. In Berliner diplomatischen kreisen erwartet man auf Grund der auS London, Par s inb Rom vorliegenden Bericht:, daß die Besprechung«» Wischen England und Frankreich nun doch zu einer Repa- ivttionskonferenz der alliiert'n Mächte führen werden, die i»ahrscheinlich noch vor Ende dieses Monats zusammen- itteten wird. Man glaubt, daß England bei dieser | -Konferenz den Vorschlag machen wro, die Sicherungs- :frage Frankreichs nach dem bekannten Plan des cnglschii sieneralS Spears einer Lösung zuzuführen, die sowohl von Frankreich angenommen werden tann, und die anoerer- fetts doch die deutsche Souveränität fc aufrecht erhält daß auch das Kabinett Dr. Cuno sich mit ihr eiuverstau kn erklären kann. Wenn in dieser Frage gemeinsame stichtlinien festgelegt worden sind, so soll Deutschland tt den Verhandlungen hinzugezogen werden, um auf diese Leise zu Üner endgültigen Regelung zu kommen. M-n «chnet damit, daß diese Verhandlungen unter Zuziehung Deutschlands frühestens Mitte Juli beginnen werden.
Amerika greift ei«?
Paris, 19. Juni. Die französische Antwort aus las englische Memorandum wirv für Mittwoch erwartet In demselben Tage tritt das englische Kabinett zu einer .Beratung zusammen. Es sei nichr auSgeschle sen, heißt es. klß demnächst über die englische Politik eine bindende trtl ärung abgegeben werden würde und wenn man oen Lvlimisten Glauben schenken soll, so würde weiterhin eit der Ankunft des amerikanischen Staatssekretärs Mel- kn die Lage erheblich beeinflußt werden Mellon hat sich •re Sonnabend nach England eingeschifst, in der Absicht, •tit Baldwin die Finanzlage Europa« zu besprechen, ooch kerbe er seinen Besuch nicht auf England beschränken, sondern wahrscheinlich in Den größeren Hauptstädten Europas Nachforschungen betreffend der Finanzlage hal- ; tat Gewisse Londoner Kreise bringen die Reise des 6trrtn Mellon mit der Absicht Amerikas in Zusammenhang, zur Regelung der interalliierten Schulden beizu- tagen.
E; Paris, 19. Juni Die „Chicago Tribüne" meld t •ti Washington, der amerikowsch- Bostchaster in London. Harvey, der im Juli nach England zurückkehren wolle kerbe jn „persönlicher inoffizieller Eigenschaft" bk eng- i lachen Bemühungen zur Regelung der Reparation-' f^ag« unterstütze«.
Die französisch«» Fi«-«-e«.
F Paris, 19. Juni. Der Senat beendete eine Gene- kDebatte über das Budget für 1923 Finanzminister k Lasteyrie erklärte in seiner 9?d>* die Lag: des fron» Gschen Staatsschatzes sei heute der einzige dunkle Punkt. ta{ dem französischen Staatsschatz laste die Nolwcndig- <ü, Anleihen aufzunehmen, um die Von Deutschland zu kftattenden Ausbaukosten zu bezahlen. Das Ausland, k< keine Verwüsteten Gebiete habe, lege sich von dicjer •wttoenbigteit nicht genügend Rechenschaft ab. Es erteraw ^cht den Skandal, daß Frankreich gezwungen sei, sich zu tann Aderlaß größten Stils herzugebcn, die ruinierten tabiete wieder herzustellen, während oas besiegte Deutsch- i sich weigere, auch nur irgendetwas zu bezahlen und seine Einnahmen zur Entwicklung seiner iudu- takllen Hilfsquellen Verwende, um von neuem einen §^rwirtschastskrieg anzusangen?' (Anm. der Redaktion: angesichts der gewaltigen Leistungen Dcutschla.Ms
aus dem Fricdensvertrage groteske Behauptung, die schon Dichend Male von deutscher amtlicher Seite zurückgewiesen worden ist und durch Wiederholung nicht richtiger wird.) Auf alle Fälle, so schloß der Finanzminister, sei Frankreich entschlossen, sämtliche Hilfsquellen, die es sich verschaffen könne, für den Wiederaufbau des Landes zu verwenden. Die ftanzösische Regierung habe den besten Willen, Deutschland zum Zahlen zu zwingen und werd« die Schwierigkeiten der Zukunft überwinden, tote es die der Vergangenheit überwunden habe.
Poincarä droht mit seinem Rücktritt.
Paris. 19. Juni Poincarö hat dem „Oeuvre" zufolge auf dir Demarche der vier der radikalen Partei angehörenden Staatssekretären, möglicherweise aus der Regierung auszutreten, geantwortet, daß. wenn sie demissionieren würden, er selbst genötigt wäre, mit dem ganzen Kabinett zurückzutreten. Die Staatssekretäre hätten wenigstens für den Augenblick ihre Absicht^nicht Verwirklicht.
Es ist möglich, daß die Debatte über die Innenpolitik bet Regierung heute von neuem eröffnet wird und zwar anläßlich des Vorschlags, die Rede Poineares öffentlich anschlagen zu lasse». Es sei auch wahrickeinlich, daß im Senat eine ähnliche Debatte übet die Innenpolitik eingeleitet werde.
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Dir AWniirM Des Rukrgebielr.
Paris 19. Juni. Gestern hatte bereits der „Temps" die Frage erörtert, ob durch die Militarisierung der Eisenbahn von Essen nach Dortmund die Ernährung der Bevölkerung des Ruhrgebiets gefährdet erschienen könne. Heute erörtert, offenbar inspiriert aus Dortmund, Havas die gleiche Frage. Es heißt daran, daß die Bevölkerung des Ruhr- aebieies befürchtet, die Besetzung der Linie Essen— Dortmund würde ernste Schmierigkeiten für die Lebensmittelversorgung nach sich ziehen, da die beut* ichen Eisenbahner bis jetzt ein Arbeiten unter der Regie adlehnten, mühten nun auch nach Dortmund die Lebensmittel in Lastautos geführt werden, ein Aushilfsmittcl, das wegen Materialmangel bald versagen werde.
Münster, 19. Juni. Die Schwierigkeiten in der Lebensmittelbeschaffung in den abgeschnürten Städten bestehen nach wie vor. Lebensmittel können nur mit Fahrzeugen herangebracht werden.
Dortmund, 19 Juni. Zu der Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs durch die Besetzung sämtlicher Bahnhöfe und Eisenbahnwerkstütten und zu der französischen Drohung, in Zulunft alle Eisenbahner auszuweisen, wenn sie nicht gewillt sind, unter der französischen Regie zu arbeiten, haben die organisierten Arbeiter, Angcst,Ilten und Beamten Groß- dorlmunds eine Kundgebung erlassen, in der sie den Eisenbahnern ihre tatkräftige Hilfe und brüderliche llnierstützung sichern, ihre innigste Anteilnahme an dem beklagenswerten Schicksal der Eisenbahner zum Ausdruck bringen und zur Ruhe und Besonnenheit auffordern.
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Offenburg, 19. Juni. Seit gestern ist eine neue Verkehrseinschränkung in Kraft getreten. Auf Befehl des Brückenkopskommandanten von Kehl müsien sämtliche Personen, die sich von Ortenberg nach Gengenbach und umgekehrt begeben, den französischen Posten auf der Landstraße am Bahnhof Ortenberg passircn. Alle sonstigen Wege zwischen Ortenberg und Elpersweiher sind für den Verkehr verboten. Person-«, die sich dem Posten zu entziehen versuchen, sehen sich der Verfolgung aus. Ausgenommen sind nur Landwirte, welche sich auf ihre Aecker zur Arbeit begeben, die jenseits der oor- geschriebenen Grenze liegen.
Reue Dcgoutte-Berordnuuge».
Paris, 19. Juni. „Petit Paristen" glaubt zu wisien, daß die alliierten Behörden zwei neue Maßnahmen getroffen haben, um den Druck im Ruhrgebiet zu verstärken: 1. hätten sie beschlossen, künftig den Transport von Koks im Innern des Ruhrgebiets zu untersagen, 2. t>at ein Erlaß Degouttes vom 15. Juni alle Eisenbahnlinien im Innern des Ruhrgebietes unter Direkte Kontrolle der alliierten Behörden gestellt.
Ein« neue Proteftuolc.
Berlin, 19. Juni. Heute abend wird eins deutsche Rote gegen die letzten Ordonnanzen der iNieralliierten Rhrinkandkommissisn vrröfsentlicht werden.
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In Mb Sn StWM'e.
Berlin, 19. Juni. Jn einer heute in Essen veröffentlichten Verordnung des Generals Dcgontte könren »ach einer Meldung der „Voss. Zig." Berg- und Hüttenwerke, «en» sie die von de« Franzose«
geforderte« Gegenstände nicht liefern, in Besitz genommen und entweder von der französische« Besatzung weiterbetriebe« oder Konzessiv««» für de« Betrieb vergebe« werde« können. Auf Weigerung der Lieferung stehen Gefängnisstrafen bis zu 15 Jahre« und Geldstrafen bis zu 150 Millionen Mark. Personen, die gegen die von den Franzose« in Besitz genommenen Werke Sabotageakte verübe«, werde» vo« der Verordnung mit dem Tode bedroht. Die Direktoren, dir solche Sabotageakte nicht verhindern, solle« mit Gefängnis bis zu 15 Jahren und mit 150 Millionen Mark Geldbuße bestraft werde«.
In G e l f e n k t r ch e i> halten die Franzosen die Anlage,: und Niederlagen der Mannesmannwerke besetzt. Nachdem sie sämtliches greifbare Material abtransportiert hatten, wurden die Werke wieder geräumt. In Dortmund haben die Franzosen, nachdem sie bereits Diensträume des dortigen Postamts I beschlagnahmt hatten, noch weitere Diensträume für die interalliierte Kommission mit Beschlag belegt.
Ludwigshafen, 19. Juni? Die Zuck et» Fabriken in Frankenthal, Friedensau (Limburger Hof) und Offstein sind gestern von den Franzosen besetzt und die Vorräte beschlagnahmt worden. Man nimmt an, daß sich das Vorgehen ähnlich wie in der Badischen Anilinfabrik oder wie in den Höchster Farbwerken gestalten wird. Jn O f f st e i n haben die Arbeiter den Betrieb sofort st tilge l e q t; von den anderen besetzten Werken ist noch keine Nachricht eingetroffen.
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9er Kam! gegen die Wnbahner.
Trier, 19. Juni. Das Städtchen Geroldstein, in dem die Franzosen von jeher scharf vorgegangen sind, war am vergangenen Freitag und Samstag der Schauplatz rücksichtslosester Gewalt. Sämtliche dortigen 180 Eisenbahner wurden unter starkem Aufgebot farbiger Truppen an den beiden Tagen in rücksichtsloser Weise aus den Wohnungen vertrieben und mit französischen Zügen abtransportiert. Jn Geroldstein, der Hochburg des Sonderbündlertums, ist jetzt kein Eisenbahner mehr.
Ludwigshafen, 19. Juni. Heute sind hier acht Eisenbahner nebst Frauen und 10 Kindern ausgewiesen worden.
Frankfurt a.M„ 19. Juni. Im Gebete von Ober-- und Niederlahnstein sind heute 21 Eisenbahnbedienstete. der größte Teil mit ihren Familien, ausgewiesen woödcn. Die Leute dursten nur Kleider und Leibwäsche mitnchmen. Jn Worms und lXigebung sind 68 Bediestnete und aus Bingerbrück 148 Eisenbahner auS- gewiesen worden. Morgen toeeben aus Bingerbrück wahrscheinlich noch weitere 150 erwartet. Bingerbrück soll dann von deutschen Eiseubahncrrn vollständig entblößt sein.
Gemäß einer Notiz in der „Voss Ztg." sind in der Zeit vom 10. Januar b's 2. Juni insgesamt 5764 Eisenbahner aus ihren Wohnungen vertrieben worden. Davon wurden 4558 aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Die Zahl der von der Verdrängung betroffenen Angehörigen beträgt. 17 837. Die Zahl der von der Ausweisung betroffenen Angehörigen beträgt 11151. Verhaftet wurden insgesamt 564 und vom Kriegsgericht veruricilt 105 Eisenbahner.
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Frankfurt a. M., 19. Juni. Von gut unterrichteter Seite wird uns mitgeteitt, daß in den Gemeinoen der Kreise Bittburg und Daun (Tirektionsbezirk Trier) daS Zusammenarbeiten der Gemeftwen mit der französllch- belgijchen Eisenbahnregie zunimmt. 'Stellenweise versehen Gemeinderatsmitglieder Streckenwärter- uno Schran- kend teufte. Auch aus dem Tirektionsbezirk Mainz wird gc- nteibet, daß die Bewachung der Bahnübergänge unter Beteiligung der deutschen Bürgermeisterämter erfolgt, und das trotz der Widerstände des Eisenbahnpersonals und der eMgegengesetzten Anordnung n der Regierungsstellen. Es braucht ja nicht weiter betont zu werden, daß ein solches Vorgehen dem deutschen Wiserstand den schärfsten Abbruch tut. Hauptsächlich auf der Strecke Bingir- brück—Koblenz sollen die Gemeinden zu diesem Zwecke fast durchweg Arbeitslose eingestellt haben.
Auf der Strecke Griuisiadl -Ockernheim und Freinsheim-Frankenthal haben die Franzosen den Eisenbahnbetrieb wieder ausgenommen.
Köln, 19. Juni. I- der Nacht zum 18. Juni entgleiste ein Güter? g der französisch-belgischen Regie bei dem Block Ohnvorf an der Strecke Elsdorf- Bedburg. Im Bahnhof Pfalzdorf entgleisten beim Rangieren sieben Personenwagen und ein beladener Güterwagen der französisch-belgischen Regie. An der im Bau befindlichen Strecke Liblar—Dernau werden zurzeit in der Nahe des Bahnhofs Rheinbach die dort lagernden Schwellen von den Franzosen aufgeladen und abbefördert.
Bad Ems, 19. Juni. Gegen den vor einigen Wochen zu den Franzosen übergegangenen ehemal. Eisenbahnasnsteuten Pritz haben die französischen Behörden ein Verfahren wegen Diebstahls und Unterschlagung eingeleitet. Pritz, der bekanntlich
durch seine Denunziationen gegen deutsche Beamte französischer Oberbahnhofsvorsteher in Ems geworden war, hat als solcher mehrere Wagenladungen mit Holz, die der alliierten Kommission gehörten, für eigene Rechnung verkauft und den Erlös mit seinem Schwager, dem bekannten früheren Stadtverordneten und Smeetsanhänger Koffine, redlich geteilt. Uebrigens hat auch die deutsche Regierung gegen Pritz das Verfahren gegen Hochverrats eingeleitet.
K ö l n, 19. Juni. Die Besatzungsbehörden haben in Bonn weitere Wohnungen räumen lassen. Jn den letzten Tagen wurden besonders Post- und Finanzbeamte betroffen. Jn der Nacht zum 18. Juni entgleiste ein Eüterzug der französisch-belgischen Regie bei Block Ohndorf auf der Strecke Elsdorf— Beosord. Im Bahnhof Pfalzdorf entgleisten beim Rangieren 7 Personen wagen und ein beladener Güterwagen der französisch-belgischen Regie. Jn Köln trafen gestern 150 Familienangehörige aus» gewiesener Eisenbahner aus Neuß ein, darunter 35 ^Kinder. Nach Verpflegung wurden sie weiterbefördert.
E s s e n, 19. Juni. Schwarze französische Kolo« nialtruppen stehen jetzt südlich der Ruhr in Nierenhorst, Kupferdreh und Hattingen.
Essen, 19. Juni. Jn Langendreer mißhan- beiten französische Soldaten einen Offizier, der ihnen das Betreten eines von den Kommunisten viel besuchten Restaurants verbieten wollte.
Petain verunglückt.
M a i n z, 19 Juni. Wir berichteten vor einiger Zeit über einen Unfall des Pariser v-Zuges im besetzten Rheinland. Wie erst jetzt bekannt wird, be- sand sich in dem Zuge General Petain, der auf einer Inspektionsreise durch bas Ruhrgebiet unb Rheinland mar. Durch die Exvlosion wurden die ersten drei oder vier Wagen des v-Zuges stark beschädigt. General Petain wurde leicht verletzt. Zwei seiner Begleitoffiziere sind tot. Die Parade, die Petain am nächsten Tage in Mainz abhalten wollte, unter« blieb.
Reue Strafen in Dortmund.
In Dortmund sind, wie laut „Voss. Ztg." jetzt festgestellt wurde, am Sonntag abend 10 Schüsse auf einen französischen Posten abgegeben worden, die indessen nicht trafen. Da in der Stadt das Gerücht kursierte, daß der Posten erschossen worden sei, und man deshalb die Verhängung einer neuen Verkehrssperre über Dortmund befürchtete, verließ alles fluchtartig die Straßen. Die Vorstellung im Stadttheater wurde vorzeitig abgebrochen. Der Stadt sind wegen des versuchten Atten>"^s neue Strafmaß» nahmen angedroht worden.
Wieder ein Mord.
Trier, 19. Juni. Eine frevelhafte Mordtat wird aus Beurig a» der Saar gemeldet: Am 8. Juni ging der Zugabwerttger Ntt. Weber auf dem Fußwege am Sabnbamm nach Hause. Bon dem marokkanischen Posten wurde er gezwungen, an der gegenüberttesen- dcn Böschung Hinauszusteige», worauf der Posten 5 Schüsse auf ihn abgab, von denen Weber drei trafen. Erst nach einigen Stunden Hetz ihn ein frauzöst- sck>er Unteroffizier nach Hause bringen. Weber erlangte nochmal vorübergehend das Bewutztsctn, wöbet er die Angaben machen koimtr und starb drei Tage später. Ter Poste« behauptet, datz er von Weber angegriffen worden sei, was aber nicht glaubwürdig ist, da weder der Posten eine Verletzung aufweist, noch bei dem Erschollenen irgend eine Waffe gefunden wurde.
Zum Fall Görgcs.
F r a n k f u r t a. M., 19. Juni. Gegenüber de« widerfprechenden Meldungen der Presse über die Umstünde, unter denen das französische Kriegsgericht in Mainz das Todesurteil über den Ingenieur Gör» ges gefällt hat, wird der „Frankf. Ztg." mitgeteitt, daß der Vater und Bruder des Verurteilten in Be» gleituug des Pfarrers Förster aus Hundesberg bei Magdeburg ihn am Samstag im Gefängnis besuchen und sich ungehindert zwei Stunden mit ihm unter» halten konnten. Sie vernahmen von dem Ver» urteilten selbst, daß er aus freiem Antrieb das Geständnis abgelegt habe, das Attentat begangen zu haben. Görges ist ruhigund gefaßt. Sein Bruder bleibt in seiner Nähe in Mainz. Durch Vermittelung des französischen Bezirksdelegierten in Ludwigshafen wurde von dem Vater und Bruder des Ver» urteilten ein Gnadengesuch bei der französischen Regierung eingereicht.
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Paris, 19. Juni. Nach einer Havas-Meldung ans Essen ist der päpstliche Legat Mjgr. Testa gestern dort angekommen.
Nun schweige mir jeder von seinem Leid und noch so tiefer Not!
Sind wir nicht alle zum Opfer bereit
«nd zu dem Tod? _ Willi Vesper.