-Amtliches VerLndigungsblatt des Kreises Marbmg
J. H. Schäfer
Anzeiger für (das früher kurhessischej Oberhessev
ßS» IQß elementare* Lteignisie kein Er,atz. — «erlag eon Dr. L-ttzerotb. — Druck der /H» w* Ualv^BuLdruckerei von Jod. Lag. «och. Markt 21/23. — fiernsprecher SS. «efi.
scheckkonto: Nr. 6015 Umt Frankfurt a. Main.
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Dte ^OderheMche Zeitung" erlchetnt ieäjsmal wöchentlich. — Be,ng,vrei, monatlich 6000 Mk. mit Zustellnngegebühr. Für auefaUentte Nummern infolge Streik» oder
Von bet Stadtverwaltung find zur Auftechtethaft tung von Ruhe und Ordnung blondere Matznah« men getroffen worden. Dte Geschäftsinhaber wur« den aufgefordert, in diesen Tagen keinerlei Preis« erhöhung vorzunehmen, autzerdem ist eine Ratio« nierung der Abgabe von Lebensmitteln erfolgt. Von Lebensmitteln darf nur je ein Pfund, Oet nur viertelliterweise abgegeben werden.
Hochheim a. M., 12. Juni. Unter Begrün« düng von Sabotage an der Eisenbahnstrecke Hoch« heim—Kastel in der Nahe des Bahnhofs Hochhei« ist in der Gemarkung Hochheim der Rachtverkehk von %9 Uhr abends bis 5 Uhr früh verboten mou den. Der Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahre rädern ist Tag und Nacht verboten. »
Recklinghausen, 12. Juni. Leber Reckltng«' Hausen haben die Franzosen gestern abend den Be« lagerungszustand verhängt, den sie durch den wüstesten Terror durchzusetzen versuchten. Trotz bee Versprechens an beit von bet Stadt beauftragten Rechtsanwalt, datz wegen der Kürze der Zett der Dekai ntgabs bet Sperre an bie Bevölkerung bfe Be« stimmungen für bte erste Nacht nicht so scharf ge« handhabt würden, setzte um 9 Uhr abends seitens der französischen Soldaten eine wilde und regellosd Schießerei gegen erleuchtete Fenster und Balkon« und auf den Srratzen befindliche Personen ein. Bet dieser Schießerei wurde ein 18jähriger junger Mann, namens Karl Müller, der von Dortmund' kam und von der Verkehrssperre nicht« wußte, so schwer verletzt, datz er kurz darauf starb. Leber weitere Opfer der Schießereien, mit denen zu rechne« ist, liegt bisher noch keine Nachricht vor. Tester« abend ist auch — angeblich wegen einer Beschießung französijcher Posten — über den Amtsbezirk Wann« eine Verkehrssperre verhängt worden. Etwa 12(1 Personen, die in Unkenntnis der Verkehrssperre nach 9 Uhr abends auf den Straßen angetroffen wurden, sind bis heute morgen auf dem Schulhof in Haft be« hatten worden. Auch über Herne ist der verschärft« Belagerungszustand verhängt worden. Nach 9 Uh« abends angetroffene Personen wurden schwer miß« handelt.
Ludwigshafen, 12. Juni. Ausgewiesen, unter Zurücklassung der Möbel, wurden gestern ei« lediger und 25 verheiratete Eisenbahnbeamte mit Frauen und Kindern. Verhaftet und ins Gefängnis nach Landau abgeführt wurden Eisenbahntnspektok Bachholt in Biebermühle, Eifenbahnbetriebsasfistent Schönfelder und Weichensteller Kronauer in Münchs weiter; bte Erünbe bei Verhaftung sind unbekannt. — Der Bürgermeister von Frankenstein versucht, bi« Eisenbahner zur Schrankenbedienung zu zwingen; die Leute weigern sich aber, dies zu tun.
W ü l f r a t h, 12. Juni. General Degoutte hat der Stadt Wülfrath, weil am 14. April auf einen französischen Posten angeblich Schüsse abgegeben worden sein sollen, eine Straft von 20 Millionen Mark aufcrlegt. Falls der Betrag nicht in 8 Tagen bezahlt ist, sollen Geiseln festgcnommen werden.
M L n st c r, 12. Juni. In Gelsenkirchen-Schalke ist heute die Zeche „Consolidation" von bett Franzosen besetzt worden. Näheres ist nicht bekannt.
Köln, 12. Junt. Situ Konferenz bet Funktionäre der.Gewerkschaft deutscher Eisenbahner auS dem be- setzten Gebiet nahm zu den Gewaltmatznahmen der Besatzungsmächte Gegen die Eisenbahner ein« EM» schlirtzung an, in der eS heißt: Trotz der allerschwer- ften Opfer, die die Eisenbahner zu bringen haben, sind sie sich b-wnßt, datz zur Erreichung deS Zieles der Freiheit deS deutschen Volkes und der Rechte der Menschheit der Abwehrkampf weiilergefühtt werden muß. Die Folgen, die durch die Aufgabe deS Abweyr- kampfes entliehen würden, würden für daS deutsche Volk unerträglich kein. Von der Regierung erwarten wir eine gleiche Stellungnahme.
Heidelberg 12. Juni. In Heidewerg fanv gestern eine eingehende Auslvrache von Vertretern der Behörden sowie der Wirtschastskreise der Pfalz statt. Diese ergab übereinstimme.lde Beweise deS einhelligen Willens der Bevölkerung, an den staatsrechtlichen Verhältnissen und der uneingeschränkten Zugehörigkeit der Pkal; zum Reiche zu Bayern unter kc inen Umständen rütteln zu lasten. Von allen Kreisen. insbesondere der Arbeitnehmerschaft, wurde betont, datz ste den uns ausgezwungenen Kamps bis zu einem guten Ende weiter führen werde.
Der Einsan in daS Ruhegcbiet im Jahre 1920 beschlossen.
Berlin, 12. Juni. Das „®. T." veröffentlicht ein Dokument, das einen Fragebogen darstellt, der im Sommer 1920 einem Agenten deS französischen Nachrichtendienstes übergeben worden war. Der Agent namens Willi Kühl versuchte die verlangten Jnfor- n:ationen zu beschaffen, wurde aber dabei verhaftet und wegen Verrats militärischer Geheimnisse vom Reichsgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Dokument beweist, datz schon im Jabre 1920 die Absicht in Frankreich bestand, in daS Ruhrgebiet ein- ,-ufallen. In dem Fragebogen befinden sich folgende Aufträge: Dringen Sie uns die Bahnbofspläne deS R'lbtaebiets. Nennen Sie uns die Nummern der Bataillone, der Kompagnien und der Schwadron der Reichswehr, die in Düsteworf stattoMert find. Geben Ste uns an. auf wieviel Gruppen die Sicherheitspolizei in Düsteldsrf besteht. Es folgen dann Fragen fiter die Haltung der Arbeiterbevölkerung, der Reicks- Wehr, der Polini und der Einwohnerwehren. Auch wird gefragt, wie die Ingenieure und Direktoren bte eventuelle Besetzung be« Ruhrgebiets durch bte Entente dinnebmen würden. Ferner werden Jnfor- matwnen über das Bestehen von Lebensmittellagern sowie über dte Oel- und Etsenproduktion verlangt.
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Frankfurt a. M., 12. Juni. Von morgen mittag 12 Uhr ab ist nach einer amtlichen Mitteilung jeglicher Verkehr mit Kraftfahrzeugen sowie mit Krafträdern vom unbesetzten ins besetzte Gebiet von den Franzosen verboten worden. Von heute abend 9 Uhr bis 5 Uhr früh ist bis auf weiteres jeglicher Nachtverkehr verboten worden.
H ö ch st a. M., 12. Juni. Infolge Weigerung der Stadt Höchst, die offenen Bahnübergänge bewachen zu lassen und für das Herablassen der Schranken auf den militärischen Bahnstrecken Sorge zu tragen, ist vom hiesigen französischen Kreisdelcgierten über die gesamte Gemeinde Höchst der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden, und zwar ist auf Befehl der Besatzungsorgane von morgen, Mittwoch den 13. Juni, 12 Uhr mittags, bis auf weiteres in der ganzen Gemarkung der Gemeinde Höchst jeglicher Verkehr, auch zu Fuß, strengstens untersagt zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr früh. Verboten ist der Verkehr mit Lastkraftwagen, Autos- Motorrädern, Rädern mit Hilfsmotoren und gewöhnlichen Fahrrädern bei Tag und bei Nacht. Dem Bürgermeister ist angedroht worden, daß er vor ein Kriegsgericht gestellt werd«.
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Berlin, 12. Juni. Wie die Blätter aus Dortmund melden, ist die Mordtat in der Sonntagnacht bisher noch nicht aufgeklärt. Wie verlautet, sollen von den Franzosen zwei Damen verhaftet worden sein, die in bie Angelegenheit verwickelt sein sollen. Die beiben erschossenen Feldwebel waren nicht in Dortmund stationiert, sondern brachten den Sonntagabend in Dortmunder Vergnügungs- lokalenzu. Der Schießerei sei ein Streit zwischen Zivilisten und den beiden Franzosen vorausgegan- gen, an dem auch die beiden verhafteten Damen beteiligt gewesen sein sollen. Der Belagerungszustand über Dortmund wird weiter in der schärfsten Form durchgefuhrt. Auch gestern Rächt wurde wieder von den Franzosen scharf geschossen. Hebet Wanne ist seit gestern abend gleichfalls der Belagerungszustand verhängt.
Dortmund, 12. Juni. Soweit bisher festgestellt werden konnte, handelt es sich bei den erschossenen Personen um Studienrat W u t s ch a n k, Dr. Schöne, den Elekttiker Heinrich Stroth-, mann und den 19jährigen Kaufmann Busch«- hofk, sämtlich aus Dortmund.
Paris, 12. Juni. Leber die Vorfälle in Dortmund in der Nacht zum Montag gibt Hava» folgende Darstellung: Eine französische Patrouille sei von deutschen Zivilisten, die sich trotz des Verkehrs« Verbotes auf der Straße aufhielten, bedroht worden. Die Soldaten hätten nach der üblichen Aufforderung gefeuert, weil sich die Einwohner geweigert batten,1 auseinanderzusehen. Es seien 5 Personen getötet!
kchuld sestsetzcn soll, sowie die interalliierten Schulden, tie Sicherung und das ganze Rcparalionsproblems unte»- ftchi. Wenn auf Grund dieser Untersuchung eine Ber- Kündigung zwischen den Verbündeten berbeigesührt würde, s» wäre die englische Regierung durchaus geneigt, bei Deutschland zwecks Einstellung des passck-n Widerstan- ks vorstellig zu werden.
Paris, 12. Juni. Der Londoner Korrespondent des ^Matin" glaubt zu wissen, daß die Absicht der enqliichen Legierung dahin gehe, die diplomatischen Unterhand-
Jingen fortzusetzen und daß der Versuch gemacht werben Ml, dir französische Regierung zu einer Zurücknahme ihres Beschlusses zu bestimmen, selbst unter den Alliierten nicht H»r der Aufgabe des passiven W'derstandes an der »uhr zu verhandeln. Die diplomatische Besprechung'!: fillen durch Vermittlung des französischen und des bet- fffchen Botschafters in London weitergesührt werden.
! Paris, 12. Juni. Zur Entscheidung des englischen tabinelti schreibt das „Petit Journal", man müsse wohl itenebmen, daß dieses beklagenswerte Ergeb- hnl des letzten Meinungsaustausches wischen Brüssel uw London nicht völlig unerwartet komme. Bor kr Konferenz von Brüssel hab: der Außenpolitiker des »Petit Journal" den sehr klaren Eindruck in London ge- Womten, daß man sich in Frankreich einem vollkommen Übertriebenen Optimismus hingebe. — Da-, »Echo de Paris" schreibt: Was unS im Augenblick als ks wichtigste erscheint, das sind nicht mehr oder weniger fcRfmmte Ziffern, das ist daS Garanisisystem, daS unseren Forderungen endlich einen reellen Werk gibt. Dieses Ga- «niiesystem bauen wir mühselig seit fünf Monaten in km besetzten Gebiet auf. Wir jvttoen unser Werk erst kendet und unsere Bemühungen erst vollendet haben, . denn alle Waffen gestreckt sind, über die das Deutsche Reich gegen «nS verfügt. Das V der Sinn der Resolution, die das Eommunique von Btüffel enthält. Die britischen Minister verlangen von titi heute, auf diese Berhandlungslinie Verzicht zu leisten; fr fordern uns zu internationalen Berhandlnngen auf, in k durch die Logik der Tatsachen die Deutschen bald «iugeführt würden. Wir müssen also notwendigerweise daraus schließen, daß die Stande, die französisch-belgische Politik und die britische Politik in einer gemeinsamen
| Bermel zu vereinigen, noch nicht geschlagen hat.
London, 12. Juni. Anläßlich der gestrigen Bettungen Lott» EurzonS m:t den Botschaftern Frankreichs, Belgien- und Italiens schreibt der diplomatische krichterstatter der „Daily Telegraph", daß die Aus- fichten auf das Zustandekommen einer interalliierten Verhandlung noch gering feien. Der durch den ftanzösifchen Botschafter gestern k London unterbreitete Standpunkt PvincareS habe •8t besteheichen Aussichten auf Versöhnung der britischen »ch französischen Ansichten verscheucht, und man sei über dar noch nie dagewesene Matz französischer Unnachgiebigkeit orstürzt gewesen. Ter klnzösische Botschafter habe nicht auf der Einstellung ks deutschen passiven Widerstandes als Bedingung für k Verhandlungen selbst unter den Alliierten bestanden, »ndern habe bei einer anderen Forderung förmlich gezeigt. L• o6 e» keinen Ausgleich geben könne. Die »unzSsische Regierung würde weiterhin außer der Zurück- khung der den passive» Wioersianü belrefjenden Ber- kgungen der deutschen Regierung auch die Zurückziehung k Verfügungen fordern, die Beamte und andere Per- foten mit Strafe bedrohen, die die Franzosen unterstützt kben, und ferner würde für derartige Personen eine volle Amnestie verlangt werden, sowie die Garantie für ttukünftigrSZusammenarbeitenderdeut- t scheu Behörden mit der Besatzungll
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Berlin, 12. Sunt. Die deutsche Regierung hat an bte Regierungskommisfion beS Saargebietes eine Rote gerichtet, in ber Ne gegen Einführung beS fran- zöstschen Franken als alleinigem gesetzlichen Zahlungsmittel im Saargebiet vrotesilert. Die Note nimmt Bezug auf ben deutschen Protest anläßlich bet Verordnung über Erhebung aller Gebühren im Eisenbahn-, Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr und die Regelung aller Gebälter und Löbne bet ber Post- unb Telegraphenverwaltung in Franken ttttb stellt fest, datz dte neue Verordnung eine noch wettere schwerere Verletzung des Versailler barstellt. Dte Regterungs- kommtsfion set nach bem System beS Versailler Vertrages von ber Grubenverwaltung bes französischen Staates scharf gesonbert unb könne baher aus einem dem sranzöstschen Staat eingcräumten Sonbrrreckte fick Rechte nickt herleiten. Matzgebenb bleibt vielmehr bet erste Absatz des § 32 bet Anlage zum Artikel 45—50, bet etnbeutig zum Ausdruck bttngt, datz bet Franken tm S Ostgebiet neben ber gesetzlichen Währung lediglich bte Stellung eines geduldeten UmlausgeldeS einnehmen solle. Eine Abschrift dieser Note ist dem «ölkerbunb zugcgangen.
Berlin, 12. Juni. Den Regierungen von PariS, London unb Brüssel würbe ein« weitete Protestnote über bte Ausweisung von 1663 Beamten mit ihren Familien aus bem besetzten rheinischen Gebiet übergeben.
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Auf feinet Reise durch Süddeutschland setzt ber Reichskanzler Dr. Cuno die notwendige Ergänzung unserer Ergänzungsnote in sehr erfreulicher und dankenswerter Weise fort, wie er das Werk mit seiner Rede vor dem Reichsverband der deutschen Presse in Münster begonnen hatte. Dieft Ergänzung ist besonders notwendig für das Ausland, namentlich für Frankreich, aber auch für England, wo sich die Neigung bemerkbar machte, ans Ge- dankengänge eine Art von Waffenstillstand im Abwehrkamps einzugehen. In einet Unterredung mit dem Ver- rretcr bet International News Service in Münster hat bet Reichskanzler ganz besonders scharf betont, daß von all dem keine Rede ftin könne; wenn bie übrige Welt weiter zusähe, tote Deutschland in den Klauen bes fran- zSs-schen Militarismus sestgehalten n-erb» ft müsse sie sich mich damit abfnben. daß die Leistungsfähigkeit Teutsch- -ands bei ber Bezahlung von Reparationen entsprechens geringer werde.
Diesen fthr dentlichen Wink, dem der Reichskanzler in weiteren Ansprachen in Heidelberg unb Karlsruhe noch mehr Nachdruck verliehen hat, scheint man in London doch einigermaßen verstanden zu haben Der englische Kabinettsrat ist zu der Auffassung gekommen, daß es mcht möglich fei, den Französin zu folgen, die alS uner» läßliche Bedingung für den Beginn von Verhandlungen die Einstellung des passiven Widerstandes verlangen. Man scheint also in England doch zu der Einsicht gelangt zu fein, daß der passive Widerstand an Ruhr und Rhein eine dem Volksempfinden entsprungene und nicht künst- llch von der Regierung hervorgeruseuc Bewegung ist, die man einfach abkommandieren kann. Man scheint weiter zu der Einsicht gelangt zu fein, daß es richtiger ist, keine solchen Bedingungen zu stellen, sondern mit ben Ver- Handlungen über bte Reparationsfrage unter Teilnahme Deutschlands zu beginnen, unbeschadet des Fortgangs unserer Abwehr. Wenn es der englischen Regierung mit dieser Auffassung ernst ist, unb wenn sie nicht auch biesmal wieder wie früher nach einem kurzen Anlauf zur Selbständigkeit sich französischen Forderungen beugt, dann besteht einige Hoffmcng, daß wir etwas vorwärts kommen. Dann dürfte vielleicht auch Engiand auf dem Um« iveg über eine Untersuchung der deutschen Wirtschaftslage durch unparteiische Sachverständige zu der Uebetzeuguug kommen, daß nicht die Zahlen Bonar LowS, sondern die in unfern beiden Noten enthaltenen Ziffern die äußerste Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit barstellen. Wenn sich somit einige Hoffnungsstrahlen, wenigstens so weil England in Frage kommt, am politischen Horizont be- merkbar machen, so mutz doch vor übergroßem OptimZ-
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beschluß erinnere an die schlechten Tage Lloyd Georges. Deutschland werde nur ermutigt Der unheilvolle Einfluß der liberalen Finanz, die mit Robert Cecil und Mac Kcnna triumphiere, beginne sich fühlbar zu machen.
Aus Brüssel find) bekannt, daß zwischen Frankreich und Belgien eine Einigung darüber erzielt sei, in einer Note an Deutschland solle vor allen Verhandlungen bte' Aufgabe des passiven Widerstandes gefordert werden.
DaS stolze Belflktt
Brüssel, 13. Junt. In bet Kammer erNStte gestern bet Minister des Aenßern Jasper bei ber Beratung beS Haushalts seines MintstettumS: Wir flnb in bas Rubtgeblet einmarschiert, um Reparationen zu erhalten unb werden erst wieder hinauSgehen, wenn ro'.r ste bekommen haben. Die Annahme einet Anmaßung seitens Frankreichs unb Belgiens ist nicht statthaft. Wir wollen die Ausführung beS Versailler Vertrages, bet unsere Schutzweht ist. Wir haben bereits ein erstes Ergebnistrzielr, nämlich baß Deutsch- lanb beginnt, einen Meinungsaustausch anzufpiunen. Wir wollen mit ben Alliierten darüber sprechen, aber nicht mit Deutschland vor Einstellung des passiven Widerstandes.
Frankreich lehnt ab.
Paris, 12. Juni. Havas macht folgeube offiziöse Mitteilungen über bte biplomatische Lage: Im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten habe heute Morgen keinerlei offizielle Nachricht übet bte Beratungen beS englischen Mtnistetrats Vorgelegen. Man bewahre in diplomatischen Kreisen in btefer Beziehung unbebingie Zurückhaltung. Die Minister, bie, wie jeden Dienstag, unter dem Vorsitz Poincatös einen Kabinettstai abgeyalten hatten, hätten nicht über bie burch Vie Haltung des Ministeriums Baldwin geschaffene Lage beraten. Erst wenn die Regierung eine Bestätigung bet heute Vormittag von Havas vetöffetittichlen Informationen erhalten habe, werbe sie ihre Eittscvcidnng treffen. E S erscheine für btefen Fall zweifelhaft, baß man ben englischen Vorschlag, bie deutschen Vorschläge als Grundlage interalliierter Verhandlungen zu betrachten, an nehmen könne, ohne daß Deutschland zunächst seinem passiven Widerstand eknstelkq. Unwahrscheinlich sei auch, daß der angebliche englische Vorschlag, eine Sachvetständigenkom- mission eiwzuietzen, günstig ausgenommen werde. Eine derartige Kouscreu; könnte nut auf die erneute Feststellung der Meinungsverschiedenheiten hinauslaufen, die zwischen den Anf- sassungen der englischen und der sranzöstschen Regierung hinsichtlich der deutschen Zahlungsfähigkeit und der Methoden bestehe, mittels deren die Ausführung der deutschen Vetpffickstungen zu erzwingen sei.
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In bet englischen Presse toitb außerdem bie Wosftnstitt- knbsfrage lebhaft erörtert. Man sieht ein, daß bie kitsche Regierung nicht ihre einzige Waffe, ben passiven Widerstand, auf geben kann, hält deshalb aber gerade einen ?vfftnstillstand für die geeignete Form, für bie auch in Deutschland nach Ansicht mancher Blätter Stimmung fei. ^Äus der ftanzösifchen Presse tönt die Verstimmung - ker die Londoner Beschlüsse dagegen laut heraus. „Ere jkinbiefle" sieht in bet englischen Antwort eine formelle
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f Paris, 12. Juni. Ein Havas-Telegramm cmS Son- len teilt gestern abend spät tnit, daß das englische Kabi- ijtft dem Ersuchen Frankreichs, der Forderung nach Ein- Mung des passiven WLerftandeS beizutrrten, abge- Unt hat.
i »Petit Parisien" schreibt dazu, datz England die
* Aufforderung an Deutschland, den passiven Widerstand ler Beginn irgend einer Verhandlung einzustelken, als Wtunlich beurteile. Keine deutsche Reaiernng. die die Verzonungen annulliere, werde lebensfähig bleiben. Man tntfi sogar befürchten, daß, wenn Dr. Tuno einer aus ftm Ausland kommenden Einschärfung Folge leiste, er bie Devolution und die kommunistische Erhebung bewirken Würde, von deren Ausdehnung und Rückwirkung man kchümmes erwarte. England werde aber einen Ent- Wurf auSarbeiten, der das deutsche Angebot als ungefüge nh bezeichne und bie Summe aus dein Bonar Law Programm fordere. Da Deutschland ohne Schwierig- jäten darauf eingehen wecke, sei dar deutsche Angebot US Anlaß zu Besprechungen zwischen den Verbündeten zv ^brauchen. Bestehe Frankreich aber auf der Einstellung kS passiven Widerstandes, so schlägt England eine Sach- tcrstänbigenkonsxrenz vor, die den Betrag der deutscher
Der Lnzetgenptei« beträgt fit den 9ge|p. Zetlen«illi»et«t ISO^RL (ÄL Mwetatn unb Family. Änzgeae» bat, 150 Dtt «nttlich« und ausw. «n$elgeu »SRI «et chwierlge« ro tza» so«,, »ufWefr Spät eintausend« oder den Rauoi übet *|, 6eHe etneebmenbe JO. Oilljlg« Anzeigeu werden nach d«t leitlpeltenbteite berechnet e!la«en bet Zillenmtlllmetet 500* Mk. Jeder Rabatt gilt al» Bartabatt. Beleg- werben berechnet. Bet Au»« |Q/a tunft durch bie TeichäftsM ««» Vermittlung der An»evote 100 M, bei Uebetienbuug Iwfat) durch un» 100.— Mk. ohne Porto. _____________
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