Einzelbild herunterladen
 

erhMche Zeitung

Kirchliche Nachrichten

in

irtijj,

ufe

339

Für 100 Mark mutbeit gezahlt:

0.05

OK1/.

ca

(Nachdruck verboten.)

;tne«

oi I Beiden und Florentin

. r Novelle von Ernst Zahn.

66

ieiß

auit*

»rau Barbara sand in diesem Augenblick, sie seien :8W « Aißer, als sie noch in der vorige» Woche gewesen, behielt aber die Klinkeider Tür tn der Hand und

und ließ sich da nieder. Der srete Augenblick, der unerwartete Schlummer des Kranken ihr scl-afe, hätte zu allerlei liegengebliebener Arbeit wendet werden sollen, allein sie kam von ihren

Im Preus;. Ministerium am 17. Mai Beratungen Hausbesttzerveretnigungen,

er e

gen zahlen zu lassen.

* Mtetfragen. Volkswohlfahrt haben den Vertretern der

zog diese ganz langsam wieder zu. Der Kranke schlief. Er hatte lange nicht geschlafen, dachte Frau Barbara. Sie wollte ihn seht auf keinen Fall stören. Jetzt er­innerte ste sich auch, daß sie wissentlich alle Knechte und Mägde hatte Weggehen lassen, weil es ste ver­langt hatte, ganz allein mit Florentin zu sein. Ern unbwutzres, starkes, eigentümliches Verlangen! Be­nommen von einer Unsicherheit über sich selbst, de- schwert überhaupt von hundert auf ste eindringenden Gedanken, schritt ste zur Fensterbank der Wohnstude

für mit der

teat rakt

:d

#e

I,

0.07

0.03

0.09

0.05

den ver- vcr- Ge-

Für oft Schrisilcilung verantwort!.: Dr. C. Hitzeroth. aut den örtlichen und vrovinz Teil: Wilhelm Wißn.-r.

1 Kr.

1 Kr.

1 Kr.

1 Kr.

1 Sch.

1 TN.

1 St.

Der Julitag war voll lastender Schwüle. Stumm, dicht in einem kleinsten Blatte bewegt, ragten die leide.; vor dem Bauernhause stehenden alten Pappeln ihm wolkenlosen und tn seiner Blaue brennenden .Himmel auf. Zwischen ihren dünnen Zweigen zitterte die heiße Luft, das; es aussah, als ginge der Baum tn «lammen auf. Dasselbe heiße Zittern flog um das «lächtige schwarze Schindeldach des Gutes ,@cerütt*.

Frau Barbara Amstein, die durch die niedere «ohnstube nach der Schlaskammer hinüber wollte, be­merkte, daß an einem Fenster der Laden noch offen Kaad und die Sonne dort glühend auf Bank unv Tisch quoll. Sie ging und zog das Holzbrett hoch. 86t Blick fiel hinunter auf die Wtesenhalde mit den Cbftbäumen und den großen See, der in der Tiefe feg und in dessen Spiegel unzählig« goldene Funken wrübten. Nirgends war Laut. Nirgends war Leven, bo heiß es im Haufe war, verglichen mit der Glut da dra usten war es kühl.

sionsproblems einen Teil der Haftungen für die deutschen Zahlungen unter bestimmten B.d'ugungen zu übernehmen, <jt jn grundsätzlicher Hinsicht von weittragender Beden- gma ^r kann der Anfang einer polnischen und wirt- schastachrn Gesundung Dcuischlands und der Welt werden. Man darf annehmen, daß, wenn es zu einer Einigung fischen der Reichsregierung und den deutschen Industrie fihrern kommt, Landlvirtschast, Handel, Banken und Ge- verbe sich diesem Versuch, die Reparationszahlungen wnerhalb tragbarer Grenzen in der deutschen Privatwirt­schaft »u verankern, ebenfalls anschließen werden, sodaß tzr eine sehr erhebliche Jahressumme Haftung vorhan-- tzen sei» wird. Lecher ist aber das Zustandekommen einer suchen Vernünftigen und geschäftlichen Regelung ange­sichts der bekannten Mentalität der Regierung Poincare lehr wenig wahrscheinlich. Infolgedessen hat der wich­

tige Schritt der Industrie bisher auf die deutsche Wirt- schastskonjunktur und insbesondere auf die Bewertung btt Mark sehr wenig Einfluß ausgeübt. Der Markkurs »ird vielmehr noch immer durch die ungünstige inter- eatimk Lage Deutschlands stark unter Druck gehalten. Und da hierzu auch Befürchtungen wegen einer Ausdeh- rung der Kvmmunistenkrawalle im Ruhrgebiet und in einigen Industriezentren des unbesetzten Deutschland sich zeltend machen, so verschlechtert sich der Stand der Mark von Tag zu Tag. Reichsbankvräfident Haven stein hat im Untersuchungsausschuß des Reichstage- ausdrück- hch festgestellt, was auch von uns immer wieder hervor- gefe>b<n worden ist, daß der einzige Schuldige an dem Warkstur; Poincare mit seiner Gewaltpolitik ist. Weiter- Vings arbeiten auch noch die deutschen Kommunisten in der ßlnchen Richtung am Ruin der Mark. Man darf schon heute der Vermutung Ausdruck geben, baß auch der Untersuchungsausschuß zu keiner archeren Auffassung der föulbfragt gelangen wird.

Dir Markpessimisten verweisen zur Sttitzung ihrer Reimmg vor allem auf die wachsende Teuerung der ge- smnten deutschen Lebenshaltung und auf die unablässige rapide Vermehrung der deutschen Papiernoten und der brutschen Schuchen. Der Lebenshaltungsindex ist bereits in der dritten Maiwoche gegenüber dem Monat April im 41,5 Prozent gestiegen. Obwohl die Teuerung zu­nächst die Einfuhrwaren, dann die Lebensmittel ergreift, hum sich auch di« inländische Industrie dem Einfluß der

ES konnte nicht ausbleiben, daß infolge dieser Ver­teuerung der Lebenshaltungskosten auf allen Gebieten dir Klage über den Wucher wieder neue Nahrung bekam. Um den Wucher zu bekämpfen, wird man auch jetzt :.<ieder alles Mögliche versuchen. Das denkbar unbrauch­barste Mittel sind die Teurungsunruhen, die unbedingt die Lebensmittelversorgung erschweren und deshalb zu neuen Teuerungskrisen ftihren. Aber auch die Wucherverord­nungen weiden nach den bisherigen Erfahrungen im allge- metnen in der Praxis keine «rllzu großen Wirkungen ausüben. Solange di« Lage von der polifischen Seite her keine Entspannung erfährt — und dazu sind die Aus­sichten nach wie vor schlecht — wird der Zerstörung^, Prozeß der Papiermark-W ähritng trotz aller wohlgemein­ten Bemühungen der Reichsrrgierung keinerlei Stillstand erfahren. Wir sehen, daß an den Effektenbörsen die Katastropbenhausse fast ohne Unterbrechung andauert und immer größeren Umfang annimmt. Di: Scheingewinne an den StrigeruiHgen der Effektenkurse sind ein be­rauschender Trank, mit dem sich noch immer ein Teil deutschen Volkes über ine Trostlosigkeit der wirt- chastlichen Gesamtlage und die uns bevorstehende «och trübere Zukunft Hinwegtäuschen läßt.

Als sie diese sacht auftat, setzte das eigentümliche befühl von Angst oder Schmerz oder säst körperlicher schwere, das in ihr war, einen Augenblick aus. Ihr Allck fiel auf das Bett, wo der Bauer Florentin, lvr ®<Qnn, lag. -Man sah seinen Kopf, hochgcstirnt, von schwarzem, etwas krausem Haar umstanden, das Gr­acht bleich, der schwarze Bart lag auf der weiften Decke genau zwischen die Arme gebettet, die weit ans- Mreckt mit braunen Händkst und Gelenken ans den nermeln des Weißen Hemdes schauten. Nur an den beiden Schlafen trug dieser Kopf angegraute Stellen, «tau Barbara sand tn diesem Augenblick, sie seien

* Strafkammer. Gestern beschäftigte sich bei Landgericht mit einer ganzen Reihe Ämfsachen, die sich bis nach 8 Uhr ausdehnten. So wurde In. a. ein hiesnv Einwohner, der sich der Preistreiberei schuldig gemacht haben sollte, wie in der Borinstanz freigesprochen. — DaS gleiche Ergebnis hatte eine Anklage wegen Uebertretnns der für den Kartoffelhandel geltenden Bestimmungen. — Eine weitere Anklage wegen Jagdvergehen endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 20 000 Mark Geld­strafe und Einziehung deS Gewehrs. — Ein Einwohner aus einem Nachbarorte, der wegen Entweichung eines Stamms vom Schöffengericht zu 20000 Mark Geld­strafe verurteilt worden, erzielte Freisprechung. — Be­sonderes Interesse bot eine Anklage wegen Nahrungs­mittelfälschung gegen einen Molkereibesitzer, der beschuldigt wurde, Rahmkäse als feinsten Camembertkäse bezeichnet nnb in den Haichel gebracht zu haben. Gegen da- erste Urteil, welches auf 3000 Mark gelautet, hatte der Be­klagte Berufung eingelegt mit der Begrüichuug, daß es verschiedene Sorten feinster Käse gebe. Ob dieser halb­fett oder vollfett sei,,spiele dabei keine Rolle. Das Gericht *’am schließlich zu einem freisprechenden Erkenntnis. — Ein Händler aus Gießen hatte in Fronhausen Obst aufge- kaust, obne dazu berechfigt zu sein. Er machte gelterch, daß er nt Gießen einen Gewerbeschein besitze und im guten Glauben gewesen sei, daß er auch in Fronbausen Obst auf­kau sen könne. Auch in diesem Falle erkannte das Ge­richt auf Freisprechung. — Ein anderer Mann, der wegen Landstreicherei schon ost vorbestraft war, hatte auf dem Land Lebens mittel gehamstert und damit Handel ge­trieben. Er wurde wegen Gaverbevergehen in die dop­pelte Steuer genommen.

8tef. Stadt- u. Univers.-Kirche. Kinbergotte«, dienst: 11'/. Uhr, Vikar Sandwck.

Neuapostolische Gemeinde, Heusingerstrahe 5. Gottesdienste: Sonntag, dorm. V*10 Uhr, abends 8 Uhr. Mittwoch, abends 8V, Uhr.

in Zürich Amsterdam Kopenhagen Stockholm Wien Prag London NeirPork Paris

Handels- und Marktnachrichten.

Frankfurter Börse vom I.Jvni. Die Hal­tung des Devisenmarktes bleibt andauernd sehr fest; daff G^chäst ist infolge vermehrter Nachfrage lebhaft, doch gingen auch heute die Umsätze über daS übliche Maß nicht hinaus. Der Dollar, der gestern mit 69 750 schloß eröffnete im Frühverkehr bereit» wieder mit 71000, hob sich bei Börsenbeginn weiter auf 72 000, erreichte schließ lich den Stand von 74 500 und schloß zu 76 250 Mark Ein außerordentlich lebhaftes Bild bot auch der Nktfen» markt, wo die Höherbewertungen einen neuen hausseartigecz Charakter annahmen. Angeregt durch das Aufstreben der ausländischen Zahlungsmittel war das Kaufinterrssß erneut sehr rege. Neben den Kaufaufträgen, die die Provinz hierher legte und die großen Umfang annahmen, schritt auch die Spekulation zu neuen Engagements, wo nahezu alle. Gebiete profitierten. Da- Honplinteresfi konzentrierte sich auf die Jndnstriemärkte, di« eine nutzer^ ordentliche Festigkeit erreichten. Die Steigerungen setz­ten sich auch bei weiteren lebhaften Umsätzen im späteren Verlaufe fort, doch kam es zum Schlüsse zu teilweisen Ge­winnsicherungen, die aber die feste Stimmung nicht zu be» Einflüssen vermochten.

Berliner Börse vom l.Juni. Di« Berlin« Börse erlebte heute einen neuen katastrophalen Haussetat erster Ordnung, da sich aM Devisenmärkte anscheinend br. unaufhaltsame Verfall der Markwährung in einer wei­teren sprunghaften Steigerung der Notierungen fortschte In weiten Kreisen des Publikums wurde di: bereits vor- handene Markfluchtstimmnng weiter verstörst, und si« äußerte sich in einer allgemeinen Rarfen Kauflust aus nahezu allen Märkten der Effektenbörse.

allem keine ihre Gefühle verratende Frau. Undenkbar, daß fein Gefchtck sich je vom ihren löste! Er war nur drei Jahre älter als ste selbst; ste hatte stch unbewußt darauf eingerichtet, mit ihm zu leben und zu sterven.

Und jetzt war etwa? da, war — wie eine dunkle, furchtbare Wetterwolke stch ihr vor die Augen schob.

fürchte, er wird nicht durchkommen", hatte der Doktor gesagt.

Frau Barbara rückte <mf der Bank. ES zog ste zu Florentirc zurück. Aber dann scheute ste den Lärm, den die Tür machen ivürde. Sie wartete. Und ste grübelte Wetter. Das war Wohl schon die beginnende Krankheit gewesen, seine Zerstteutheit in den letzten Monaien! Auch die Ungletchbett seines Benehmens, bald gütiger denn je bald unwttsch gegen alle im Hause und leicht erregt. Die Krankheit! Mein Gott — und der Arzt sagt^: $r wird nicht — durchkommen!

Die beiden Töchter waren gestern dagewesen. Sie wohnten auswärts. Sie hatten den Vater nicht bet Besinnung gefunden der hohen Fieber wegen. Sie batten heute da sein müssen. Heute war er ganz klaren Sinnes gewesen. —

Fran Barbara hörte Plötzlich ein Geräuscb, alS ginge eine Tür. Es wehte doch kein Windl Es war doch niemand im Hause! Sie lauschte. Der Kranke regte sich noch immer nicht. Sie fürchtete sich nicht. Nur die lastende Stille machte ihr Herzklopfen. Sie stand auf, öffnete die Stubentür und fuhr mit einem kaum hörbaren Aechzen zurück. Dann lächelte ste trotz stures schweren Herzens. Es war nur des Nachbars kleine Rudla, die draußen stand, Florentins Palen­find, die jeden Tag nach ihm fragen kam.

Die kleine Rudla war freilich nicht mehr klein, sondern ein erwachsenes Mädchen, mit Haar wie gelb- glänzende Seide, hasrlrutenbiegsamem Körper und einem Gesicht, an dem der liebe Gott feine Freude haben konnte. Aber Frau Barbara hatte bisher nicht darauf geachtet, daß jene schon den Zwanzigen ;u- rsickte. Sie hatte so halb und halb zum Hause gehört, ivar in Tochterrechte nachgerückt und, ach Gott, Florentin hatte an ihr den Narren gefressen gehabt von klein aus und sie fast noch mehr verwöhnt als die eigenen Kinder. Auch Rudla hatte aus Florentin große Slücke gehauen, eigentlich mehr alS auf ste, Frau Barbara, selber. So wenigsten hatte ste es manchmal empfunden. Aber, das war ja nicht ver­wunderlich, da er der Pate war.

.Wie geht es heute?" fragte Rudla. Zurbriggen leise.

jäte erfchteu Frau Barbara ungewöhnlich bleich.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

(Biegen, 31. Mai. Fast täglich kommen hier Eisenbahner an, die von den Franzosen vertrieben wurden. Die Männer kommen aus dem Trierer Gebiet und werden von der Reichseisenbahndkrek- tion Trier, die hier ansässig ist, nach Eiehen geleitet. Im ganzen find in den letzten vier Monaten 629 Familien mit 2324 Personen hier angekommen. Die eintreffenden Eisenbahner zeigen immer wieder den alten ungebrochenen Mut bei Groh und Klein, den Bosheiten des Feindes zum Trotz der guten Sache treu zu bleiben, komme, was kommen mag.

Höch st a. M., 30. Mai. Am Sonntag früh brach auf dem Hufgut Oberliederbach ein Feuer aus, das das W-rtschaftsgebäude zerstörte. Der Schaden wird auf etwa 300 Millionen Mark geschätzt. Unter den Opfern des Brandes befanden sich auch zwei brütende Hennen, die auf dem in Flammen stehen­den Speicher allen Versuchen, ste von den Gelegen zu vertreiben, widerstanden und lieber in den Flam­men umkamen, als dah ste die Eier verliehen.

Frankfurt a. M., 31. Mai. Von vergang­enem Montag ab haben die Brauereien das Lager­bier auf 84 000 M für den Hektoliter und das Ex­portbier auf 110 000 Jl für den Hektoliter erhöht. Die Wirte nehmen für das dreizehntel Glas Lager­bier 500 -4l, für das dreizehntel Glas Erportbier 650 JL

Frankfurt a. M., 1. Juni. Mit Wirkung vom 7. Juni d. I. tritt eine neue Steuerverordnung betreffend die Besteuerung des Aufenthaltes in Gast­wirtschaften in Kraft. Danach haben Besucher von Likörstuben, Vars, Dielen und soestrgen Schank­stätten, die überwiegend zum Ausschank von Sekt, Branntwein und branntweinähnlichen Getränken bestimmt sind oder vorwiegend dem nächtlichen Ver­kehr dienen, eine Steuer zu zahlen. Sie beträgt für die Zeit bis 9 Uhr abends 200 M, für die Zeit von 9 Uhr bis zur ss: chliehnng 400 -4t. Die Steuermarken sind von den Gästen während ihres Aufenthaltes in den Lokalen aufzubewahren und auf Verlangen der Steuerstelle vorzuzeigen.

Nr. 127

Sonnabend, 2. Juni

1923

69

60

»«•

Mieterverbände und der Städte stattgefunden, die die Neuregelung der Mietfätz« und vor allem die Aendc- rung der Preußischen Aussübrungsbestimmungen zum Reichsmietengesetz zum Gegenstand hauen. Die Be- ratnngen dienten tn erster Linie dazu, die jetzigen Wünsche der beteiligten Kreise kennen zu lernen. Sie werden im Laufe der nächsten Woche fortgeflihrt werden.

rs'iA K. S litt* ■

S. in*

Die feinste« Damen-

blusen, Spitzen, Wollsachen, Florstrümpfe u|ro. werten durch Heitmann'» 9U'ormia auf die billigste und bequemste Weise bet vollkommenster Schonung nicht nur chemisch gereinigt, foit^ dern sie erholtem auch wieder ein prachtvolle» fiische» Au» sehen und neuen Triff.

Lhemisch-reinige tmr mit feeitmaun*» Reform ie,

HMPTIMMtinMngiit ii—m

Der Wert der Mark int Auslande.

Frankfurt, bett 1. Juul 1918.

Marburg und Umgegend.

Marburg, 2, Irin. (Brcuhmond).

• Vorfchüsse an Kirchen gemeinden. Wie fiir 1922 hat die Reichsregierung, wle der Amt­liche Preußische Pressedt-nst -"»reibt, auch für 1923 dem Preußischen Staat ein tn sechs Monaten rückzahl­bares, zum Jeweiligen Diskontosatz der Retchsbank verzinsliches Darlehen bewilligt, um im Rahmen der r das steuerta'jr 192:3 zu erwartenden Stcuerctu- flönge den Kirchengemeinden usw. sowle den Shna- gogengemcinden Vorschüsse zu gewähren. Die Re- gierungspräsidenten sind angewiesen worden, auf be­gründete Anträge demgemäß Vorschüsse unter ent­sprechenden Rückzahlnngs- und Verztnsungsbedingun-

ieget*

Sie hielt wie jeden Tag ein paar Blumen tn der Hand. Die pflegte sie jeweilen Florentin aufs Belt zu legen, toeitn sie einen Augenblick zu ihm htneln durfte. Die Hand zitterte Henle. Frau Barbara wußte» aber nicht, daß der Doktor attch am Nachbarhaus vor- beigegangen und auf Befragen deS Bauern gesagt hatte, mehr als ein paar Tage könne er Florentw Amstein nicht mehr geben.

»Er- schläft", antwortete die Bäuertn Rudla/ Eigentlich meinte ste, eS habe keinen großen Zwecks daß das Mädchen hereinkomme, war mich bereit, ihr, die Blumen abzunehmen.

Allein Rudla trat in die Stube. Sie hatte ei», zartes Rot im feinen Gesicht. Sie war tm Herzeri nnendlich bedrängt. Sie spürte, waS die Frau vo» ihr dachte, fühlte es bis tn die Fingerspitzen, aber st« konnte nicht anders. Sie mußte wieder hinein JU ihm, zu — zu dem, der sterben würde.

.Wir dürfen ihn nicht stören", sagte Frau Barbar» tm Flüsterton und schob Rndla gewohnheitSgemätz einen Stuhl hin. >

Aber tn diesem Augenblick klang aus der Kranken­stube di« tiefe, etwas heisere Stimme deS Bauern^ .Rudla."

Beide Frauen fuhren auf, als ob jemand mit G« walt st« hochrtsse.

Aber Rudla zögerte fogleich; ste wußte, daß die andere das Erfttecht hatte jener Stimme zu folgen.

Frau Barbara ging der Name, den Florentin g«-, rufen, oder der Klang dieses NamenS ins Innere wie! ein Stich. Das war nie gewesen. War nun »er Ge-> danke von vorhin schuld daran, daß die Nachbars-, tochter mm erwachsen sei, oder der andere, daß sie f» seltsam Nettenhast tablieb, oder die plötzliche, blitz-, äbrrliche Erwägung, daß Florentin am Ende gar ntcM geschlafen habe, daß cr nur nicht — mit ihr habe reden mögen.

(Fortfetzun, folgt.)

Zweites BlarÄ.

==— 1 1 .'fr

• Sie Dwhierlerom.

Berlin, 1. Juni. Der Wirtschaftspolitische und der finanzpolitische Ausschuß des ReichswirffchastsratS be­schäftigten sich in gemeinschostlicher Sitzung mit dem Gesetzentwurf zur Sicherung der Brotversorgung und nahmen mit 38 Stimmen bei einigen Enthaltungen folgenden Antrag an: „Der wirtschaftspolitische und der finanzpolitische Ausschuß drücken die bestimmt Erwartung aus, daß die für die Brgtverbilligung zur Verfügung zu siellenden Beträge in feinem Fall über diejenigen Sum­men hinausgehen dürfen, die tatsächlich für diesen Zweck beschafft werden. Einer Fortsetzung der Brotzuschüsse mit den Mitteln der Notenpresse würden die beiden Aus­schüsse aufs entschiedenste widersprechen. Cs wurde ferner beschlossen, daß die Deckung der verbleibenden Brotzu- sch^se in volslem Umfang vom Besitz zu tragen sei. Daher seien bei der Erhebung der ZwangZanleihe di« zur Deckung der Brotzuschüsse wirllich «forderliche Ge­samtsumme sowie der Geldentwertungsmoment unb dingt in Betracht zu ziehen. Mit geringer Mehrheit wurde ein von den Arbeitgebern der Landwirtschaft gegellter Antrag angenommen. Bei der Aufstellung der etwa erforderlichen weitreen Mittel ist dafür > sorgen, daß neben der Be­lastung des Vermögens (Besitzes) auch eine entsprechende Heranziehung aller tragsähigm Schultern mit Aus­nahme der Lohn- und Gehaltsempfänger bewirkt werd«. Mit diesen Abänderungen wurde der Ge­setzentwurf im ganzen gebilligt.

---*---

Geschäftlich« Mitteilung.

Allen jungen Gemüsen, wie Karotten, Znckererbsen, Bohnen, Spinat usw., welche ja bekanntlich immer etwas weüchlich schmecken, geben einige Tropfen der altbewährten Maggt's Würze, fiirz vor dem Anrich­ten betgefügt, Fleischgeschmack. Es muß aber auch wirklich Maggt's Würze sein.

Frau Barbara schauderte leise zusammen. Piel- leicht war es ein Fieberschauer, wie Ihn übergroße Hitze verursacht, vielleicht war die Erregung schulv daran, die in der Bäuerin Smurftem war und von «cr man doch in ihrem ruhigen, glatten, starken Gesichr «chts sah.

tT Dix übergroße Stille der Außenwelt hatte tm Hause ein atemloses Echo. Ich hätte einen der Leute Werbebalten sollen, dachte Frau Barbara. Man Weitz die, wann man jemand braucht. Sie ging der Tür «er Nebenstube zu.

vor dem Krieg:

125.42 Fr.

59.20 Duld.

117.80 Kron.

115.80 Kron.

88.80 Kron.

88.80 Kron.

97.80 Schill.

23R0 Doll.

' 125.40 Fr

danken, von diesem dumpfen Hang, über etwas in ihr Glutendes imd Blutendes flar zu werden, nicht los. Sie lehnte den starken Rücken gegen daS Fenster, legte die Hände auf die Knie und sah gerade vor stch hin. Die Stirn zog ste tn waarechte Falten, als schmerze sie sie. Dabet verschob sich der dünne Zopf, tn dem sie ihr gelichtetes Haar fest, allzu fest cm den Kopf ge­steckt hatte, und sie griff mit den Händen danach nm> brachte eine Nadel besser an. Wie schwarz und voll Florentins Haar tm Gegensatz zu ihrem ganz grauen geblieben war, dachte sie dabei.

Florentin Amstein war krank. Sehr krank, sagte der Arzt. Das Herz stand ihr still vor Schrecken, Joenn sie an die Gefahr dachte, die des Doktors Gesicht ihr Verraten hatte. Fünfundzwanzig Jahre waren sie nun verheiratet, zwei Töchter waren ihnen schon weg- gezogen tn eigenen Hausstand. Seit einem Jahr häuften sie und Florentin wieder allein, wie sie tm Anfang ihrer Ehe allein gewesen. Glückliche Jahre! Florentin war nicht bei Erste, Beste. Rein, äußerlich schon der Staatlichsten einer. Von einer überlegenen Rübe, mit der er die Dienstboten, wie die ganzen Leute im Weiten Umkreis tn Respekt hielt, von einer Klugheit, die ihn die Dinge des Alltags ebenso scharf und klar beurteilen und entscheiden ließ Wie dl« Fra­gen des öffentlichen Lebens, zu denen er in .mancher Amtswürde Stellung nehmen mußte. Ein liebevoller Vater! Allezeit gut gegen sie selbst! Nicht mehr io ltebebeflissen vielleicht in den letzten Jadrcn tote da­mals, da die Herzen noch brannten, abex immer rück­sichtsvoll, immer zartfühlend, immer ritterlich, säst tote ein vornehmer Herr. Sie wußte nicht, ob sie ihn mehr liebte oder mehr achtete! Er war ihr eine Art Herr­gott geworden, aber sie ließ ihn nicht merken, wieviel sie über ihn nachdachte und wie sie Ihn in ihrem still­sten Herzen anbetete, denn sie war leine Weiche, vor

eit i "tch tu Stars \ C

Frankfurt a. M., 31. Mai. Ab 2. Juni kostet in Frankfurt ein Kommunalbrot (1500 gri 1900 «*, ein Markenbrötchen (schwarz, 75 gr) 75 JL Markenfreies «rot: Frankfurter Weißbrot (900 grj 2500 M, Schlüchternbrot (900 gr) 2700 Jt, Roggen» brot (1200 ffr) 2800 M, Krankenbrot (500 gr) 2000 •*. weiße Brötchen (35 gr) 160 *. Milchbrötchen (35 gr) 180 JH, Masserweck 240 JL :

Es roeioen •

gezahlt für • 3

Verteuerung ihrer Herstellungskosten n'rfjt entziehen, da insbesondere die Löhne und Gehälter sowie die Unkosten des Betriebes heut« sehr schnell der Gesoenlwertung felgen. Die große TenerungSali on, die von den gcwerk- ftbastlicheu Großorganisattonen mitgeleitet worden ist, um ftr die Arbeitnehmer aller Kategorien einen angemesse- ' tun Ans gleich für die Erhöhung aller Lebenshaliungs- : festen, insbesondere aber ber gewaltigen Brotverteu«- i riing, zu schaffen, hat bisher noch zu feiner endgültigen - ’ knigung geführt. Aber sicher ist. daß ein« starke Er-

-öbung der Nominallöhne auf allen Gebieten nicht zu ; i Vermeiden sein wird. Wie dies« Dinge sich aber in der praktischen Wirtschaft auswirken, zeigt die Entwicklung im Kouleuleigbau wo di« an sich gewiß nokvendige Er- döhuns der Bergarbeiterlöhne soeben zu dem Beschluß i geführt hat, vo-m 1. Juni ab die Kohleupr ise abermals ■ = : Mt 5fi Prozent zu erhöhen. Auch die Vertreter der Ver- 4 dcaucherkreise mußten angesichts der Sage der Dinge 4 fül; mit diesem Beschluß einverstanden erklären. Die ■j wgeheure Erhöhung, die die Kohfenpreift in der letzten Beit erfahren haben, machen es auch erflärlich, daß trotz der Rnhrbesetzilng eine e gentlich: Kohlennot in Deutsch- ; fend nicht vorhanden ist. Die Industrie hat eben Be- triebseinschränkungen vorgenommen, die begreiflicher- -i feeife kohlenersparend wirken. Vom volksniirtschastlichen

Gesichtspunkte freilich müssen solche Koblenerspamilfe I M ein gefährlicher Krebsgang der Wittschaft angesehen herben Neben den Kohlen hat auch das Kali eine er« ■eitle beträchtliche Pr< 'kerhöhung erfahren, deren Wio- feng hauptsächlich di« Landwirte, durch diese aber die ver- tranchenden Massen in Gestalt verteuerter Lebensmittel , P> fühlen bekommen

\i

;e 77,

Mk 1.3450.» „29350.- ' „14040.- 1 „20100.- „ 0108V, H 2265-y „17300.— „76250 - " „ 4860.—

Geschlechtsleiden

Jft/F Sluianterf. Ohne Perufssiör. Kein Ouecksilb.^^^

SjT Suftl. Brosch. Nr. 25 geg. Einjendung von 1500 Mk.

8 Spez. Arzt DLßoHaender’s ”ÄTg

Rrawtiurt e. 8R„ Bethmannstraße 56. (8886

* -11—1; 4I!>—7; Sonntags 10—12. AD

WWWt MStniibeMI.

* Bon unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

i< Der Beschluß des Reichsverbandes der deutschen Jn<

'hustrie, im Falle riner^ endgültigen Regelung des R«para>