Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezngsptei» morurtlich
^888 Mt mit ZusteÜungsgebiihc. Für ausfallende Summen infolge Streik» ooer
1/5 elementarer Ereignisie kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Sitzerath. — Drnck der f /»»• Unio^Duchdruckerei von Job. Ang. «och, Markt 21,23. — Fernsprecher Ls. Post»
1323
ILecklonto: St. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
| Ein AertrMNMtnvl für Winml
F ßu der französischen Kammer wurde Poincare gestern dern um eine französisch • belgisc Bit ül-erwältigender Mehrbeit ein Vertrauensvotum er- fuinhl#
belgische Besprechung
handle.
1
l\
T
#•
fi o n b o n, 30. Mai. Wie Blätter melden, wir; der britisch« Botschafter in Berlin Lord d'Abernon. heute in London erwartet.
wird wie eee der* em inneren a. vernickele
lägen 300 mehr oder weniger Schwerverletzte.
Die Schuld trifft die Franzosen.
Marburg
Sonnetslag, tei 31. ®ai
,j! ül-erwältigender Mehrheit ein Vertrauensvotum er- W. Aus der Debatte tragen wir zu unserem gestrigen.
Der Block de» Kriege«.
Paris, 30. Mai. Nach einer Blättermeldung aus Belgrad hat der kroatische Bauernführer Ra- ditsch bei der Jahrhundertfeier für Startschewitsch in einer Rede Kritik an der ftanzösischen Außenpolitik geübt. Nach Naditschs Ansicht stehen zwei Blocks einander gegenüber: der englisch-italienische Bloö! des Friedens und der von Frankreich geführte Block des Krieges. Frankreich sei auf dem Wege der Isolierung.
zur Kenntnis bringen.
England winkt ab.
L o n d o n, 30. Mai. Auf eine Anfrage des nationalliberalen Unterhausmitgliedes Spears wegen der Summe, die Deutschland für die Reparationen zahlen solle, erwiderte Mac Neill im llnterhause, die britische Regierung habe keinerlei Informationen, die sie zu der Annahme berechtigen könnte, daß iie irgendwelche zweckdienliche Schritte im Augenblick unternehmen könne.
L o n d o n, 30. Mai. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, sowohl in britischen als auch in deutschen amtlichen Kreisen würden nachdrücklich die Berichts in Abrede gestellt, nach denen Erörterungen zwischen den beiden Regierungen und ihren Botschaftern in London oder Berlin stattgefunden hätten. Die britische Regierung habe es von Anfang an klargelegt, daß sie alle derartigen Unterredungen ablehnen werde, sodaß denn auch keinerlei Schritte in diesem Sinne von Berlin auch nur versucht worden seien.
P a r i s, 30. Mai. Das „Journal des Döbats" • mit, daß der französisch-belgischen Konferenz, am ö. Juni in Brüssel stattfinde, avs- ^glich Ministerpräsident PoincarF und die belgi- 6 Minister beiwohnen werden. Mehrere Blätter krn allerdings gemeldet, daß vielleicht Musiolini den Besprechungen teilnehmen würde. Eine Be- >8ung aller dieser Nachrichten liege aber weder „Quai d'Orsay noch in offiziellen Kreisen vor. Polini könne übrigens nur dann an der franzö- ^elgischen Konferenz teilnehmen, wenn er von belgischen Regierung eilte Einladung erhalten ' was jedoch nicht wahrscheinlich sei, da es sich iswegs um eine interalliierte Konferenz, fon-
Berlin, 30. Mat. In einer Unterredung mtt dem Berichterstatter eines Berliner BlatteS erNärte der Negierungspräsident von Düsseldorf, Grütz- ner, datz die volle Schuld an den Ruhr-Unruhen die Franzosen treffe, die durch die; Vertreibung der Schutzpolizei und die fvstematischr Aushungerung des Ruhrgebiets den Boden filr ed« Kommunistenterror geschaffen hätten. Infolge bet Niederlegung der Arbeit, die durch die Terrorakte der Kommunisten, Syndikalisten und Unionisten erzwungen worden sei, seien überdies Hunderttauserwe von Arbeiter mit ihren Familien fast aller Barmittel entblößt, da die Zechen, Hüttenwerke utto. vom Tage der Arbeitsniederlegung ab keinerlei Lohnzahlung mehr geleistet hätten. ES sei also von den Franzosen eine Atmosphäre geschaffen toorden^ die einen typischen Nährboden für die Bolschetot- s i e r u n g dieses Gebietes bilden müffe. ,
Ein überflüssiges Demcnrii :
Paris, 30. Mat. HavaS dementiert in einer Düsieldorfer Meldung die Nachricht, datz di« franzvfl- ‘ scheu Truppen In Bochum und Wanne zur Wiederherstellung der Ordnung eingegrifsen hätten, desgleichen' die Mitteilung der „Kölnischen Zeitung", die Truppe« hätten der Polizei in Bochum Waffen geliefert, und schließlich eine Mitteilung, wonach die Franzosen Me Kommunisten mit Waffen versehen hätte». ;
st-pcumeng« aufzubieten, die Tardieu verlange. r *rbt DdaS getan haben, hätte Man eine Jahresklasse stilisieren müssen, was 100 Millionen So- k» vernrsacht hätte. Die militärischen Mit« t, die man irt Ruhrgebiet anwende, seien genügend. K seiner Ueberzeugung, gehe der Widerstanb- ’f Deutschen Reiches jetzt seinem Ende g e n. Wenn Deutschland den Widerstand ssrt- wolle, dann wäre Frankreich bereit, auch fein« drrationen fortzusetzen. Deutschland müfte M, datz Frankreich solange warten könne, wie es nötig ? Nur die unter dem Druck getroffenen Maßnahmen
die Regelung der ganzen Angelegenheit erleid)« In Deutschland gebe es vielleicht eine Partei, die 'dtncht Deutschlands zu Reparationszahlung:» aner- diese Partei sei aber sehr schüchtern und wankend i unterliege ihren eigenen Bedenken. Er wünsche, 5 es viele Deutsche gebe, die Freunde t Gerechtigkeit und des Friedens wären, rr Frankreich werde sich selbst die Repa- lisnen verschaffen müssen.
3kn weiteren Verlaufe der Debatte über die Ruhrkredite k Poincare die Vertrauensstage. Die Sozialisten und Kommunisten verweigerten die Kredite, während die Skalen znstimmten. Die Kredite wurden mit 505 67 Stimmen angenommen.
3« £iit.
Die Lage ist eine derartige, daß über drei Puntte volle Klarheit herrscht: Erstens will keine Partei des Reichstages einen Rücktritt des Kanzlers oder eine Erschütterung der gegenwärtigen Reichsregierung. Mit starkem Nachdruck haben auch die Sozialdemokraten dieser Auffasiung Raum gegeben. Zum zweiten ist die Reichsregierung von den Parteien ersucht worden, in der neuen Note einen Eegenwarts- wert von 30 Milliarden in Erwägung zu ziehen, sodaß die Aufrechnung von 20 Milliarden mit je 5 in späteren Zeiträumen nachzuzahlenden Milliarden des ersten Angebots ausgeschaltet würde. Hebei die Frage der Auflösung der Annuitäten des Gegenwarts-Betrages von 30 Milliarden ist man sich noch nicht einig. Es verdient aber bemerkt zu werden, daß auch die Sozialdemokraten ausdrücklich erklärt haben, daß eine Heberschreitung der 30 Milliarden nicht tragbar wäre. Im übrigen waren sich auch die anderen bürgerlichen Parteien darüber einig, daß über das Angebot der Reichsregierung vom 2. Mai in seinen Grundlagen nicht hinausgegangen werden könnte. Man forderte indessen, daß das neue Angebot klar, bestimmt und nach jeder Richtung hin großzügig formuliert sei. Die Parteien haben die Reichsregierung weiter wissen lasten, daß sie über alle Maßnahmen hinsichtlich Formulierung und technischer und praktischer Behandlung der neuen Note vorher unterrichtet sein wollen.
Die Reichsregierung wird aus den nunmehr ab- geschlostenen Verhandlungen mit den Vertretern bet.
M lmmMWti nnnfjtn ii MMt, Elberfeld, 30. Mat. Nach den btS heut« vor- mtttag 10 Uhr vorliegend«» Meldungen ist in de» meisten Städten des RuhrgebieteS die Arbeit tete- bet auf genommen. Heute nacht und Yente vormittag wurden eine große Anzahl kommu»isii- fcher Führer, tmmentlch russische Elemente,^ von der Polizei verhaftet. Alle kommunistische» Bersammlungen und desgleichen alle Versammlungen unter freiem Himmel wurde« verboten. Tie Poltzeiverwaltungen wurden angewiesen, die kommunistischen Hundertschaften auf* schärfste zu bekämpfen.
D o r t m u n d, 30. Mai. Im Ärrfe Dortmund ist ans 19 Zechen die Arbeit »um Teil wieder anfgenommen wor-i den. Aus neun Zechen wird »och gestreikt.
Buer, 30. Mat. Die kommunistische Bewegung^ hat seit Sonntag au st In Burr eingesetzt. Bis fetzt ist es zu größeren Unruhen nicht gekommen.
Esse», 30. Mai. Gegen 8 Uhr morgeltS rückt« eine kommunistische Hundertschaft auS Gelsenkirchen vor das Poltzeirevtergebäude tot Katernberg. Drei Mann davon fragte» auf der Wache nach Waffen, und als ihnen erklärt wurde, daß kein« Waffen vorhanden seien zog der Trupp wieder ab.
Elberfeld, 30. Mai. Nachdem gestern die Metallarbeiter in der Eisengießerei und Maschinenfabrik Döring u. Hartock in den Streik getreten waren, hat der Ausstand beute auch auf die Belegschaft der Jägerschen Werke übergegriffen.
Essen, 30. Mat. Dte Belegschaft der Zeche Helene“ ist zurzeit im Ausstand, die der Zech« »Karl" wird ebenfalls in den Streif treten. Aus der Zech« „Anna" ist die ganze Belegschaft angefahren, auf der Zeche „Zollverein" in Katernberg ist wiederum di« ganze Belegschaft in ben Ausstand getreten. Di« Belegschaft der Zeche „VIttotta" ttat am 29. Mai morgens in den Streik.
Köln, 30 Mai. Wie die .Könifche Zeitung" au* Bochum meldet, wurde der Bevölkerung durch Anschlag der Polizeiverwaltung befaimtgcgeben, daß bl« gesetzmäßige Polizei den Ordnungsdienst wieder übernommen habe und daß jede Gewalttat rücksichtslos unterdrückt werden würde. Die Feuerwehr und der ihr bcigegebcne Sicherheitsdienst fährt tot Lastautomobilen durch die Stadt und besetzte den Hauptsammelplatz der Ausrührer. Gegen mittag waren alle Straßen und Plätze wieder stet. Mit der Wieder- Herstellung der Ordnung ist der Stteik in sich zu- sammengebrochen und mt der Aufnahme der Arbeit tu allen Betrieben und Zeche» wird für Mittwoch gerechnet.
In einer Meldung aus Gjf.n stellt die „Voss. Ztg." fest, daß bei den kommunistischen Unruhen im Ruhrgebief etwa 40 Tote zu beklagen sind. In den KranLnhäuscr«
London, 30. Mai. Die „Times" berichtet, daß der Vollzugsrat des Verbandes der britischen Handelskammern auf Grund der auf der letzten Jahresversammlung des Verbandes am 18. April angenommenen Resolutton, die die Einberufung einer Reparationskonferenz von Geschäfts- und Finanzleute unter Mitwirkung der internationalen Handelskammer und anderer Verbände vorschlug, mit den entsprechenden Körperschaften in den Vereinigten Staaten Frankreich, Belgien und Italien in Verbindung getreten sei. Man glaube, daß Aussicht auf eine Zusammenkunft in Loudon bestehe, au' der alle fünf Länder durch je drei Delegierte vertreten sein würden. Die Präsidenten des Verbandes der britischen Handelskammern, Arthur Balfour und Walter Leaf, sandten gestern ein Telegramm an den Präsidenten der Internationalen Handelskammer, Willis Booth von Newyork, worin es heißt, der Verband der britischen Handelskammern ernenne unter voller Mitwirkung und in Uebereinstimmung mit dem britischen nationalen Komitee Sir Felix Schuster und Kenneth Lee zu Vertretern Großbritanniens bei der Regelung der Reparations- und Alliiertenschulden-Fragen; man hoffe, daß Sir Josiah Stamp als dritter britischer Delegierter hinzutreten werde. Es sei zu hoffen, daß die Vertretung anderer Länder unverzüglich bestimmt werden könne, da der Augenblick als für eine Aktion sehr geeignet angesehen werde.
London, 31. Mai. „Evening Standard" zufolge werden die drei Delegierten des Verbandes der britischen Handelskammern auf dem geplanten internationalen Handelskammerkongreß in London dem Kongreß folgende Vorschläge unterbreiten: Ein Moratorium für Deutschland für eine verabredete Zahl von Jahren, die Festsetzung einer Reparations- ümme, die Deutschland innerhalb einer angemesse- nen Zahl von Jahren ohne Schaden für den Handel der alliierten Nationen zahlen könne, eine Form internationaler Anleihen für Deutschland und eine Sicherheit für die Zinsen und Amortisationen. Mit Bezug auf den letzteren Punkt werde vorgeschlagen werden, daß eine Abgabe in Gold auf die Ein- und Ausfuhr gelegt werden könne. Dazu müßten die Alliierten eine interalliierte Kontrolle der deutschen See- und sonstigen Zölle vereinbaren.
m J. H. Schäfer ü
Kagernanitr, kl
Hillel noch nach:
Al-s der Debatte tragen wir zu unserem gestrigen Ar- Kl noch nach:
DariS, 30. Mai. Tardieu teirft im wetteren Struuife seiner Ausführungen der Regierung bar, daß um nicht von Anbeginn der Ruhrbesetzung zur Ausbcu« M geg des Ruhrgebiets gefdjritten sei. Auf die Bemerkung, kb vielleicht die Saboteure nicht streng genug bestraft vrbrn, erwDerte Poincare: Das sagen Sie am Tage der Hinrichtung Schlageters. Schlieb- tt bespttcht Tardieu die Beschlagnahme der Kohlen- und ~ fcBtorräte, von der er behaupte, daß sie nicht genügend torbereitet wurde. Die Autorität des Ruhrgebiets habe ; Mm Grundlage. Tardieu bedauert, daß General De- Jf-piit! die Operation nicht von Anfang an geleitet habe gjj cb betont, daß vor allem ein Einverständnis zwischen Rheinlandkommission und Paris notwendig gewesen WhM. Gewisse Ordonanzen des Generals Degoutte seien Wochenlang in Pans verzögert worden. (Poincare wider- »Wicht.) Was Frankreich jetzt int Ruhrgebiet durchführe, ■ eine Besitzung zwecks Abtransport von Kohle. Wenn M-n aber vom Ruhrgebiet früher gesprochen habe, so habe Km es ein produktives Pfand genannt, tont man es habe Wtebeuten wollen. Die französische Regierung habe jetzt Mobl eine politisches Pfand, aber keine produftiven Psäit- Kr in der Hand. Gegenüber de» Alliierten Frankreichs Winde man sich also in der gleichen Lage wie vor der Wbebesetzung und mam inllsse also immer wieder zu MMungsplänen neue Zuflucht nehmen. Man dürfe jetzt Mchi von internationalen Anleihe» sprechen, sondern von Wer Realisierung der Pfänder. In Deutschland müsse das KMkue Regir.e für das Ruhrgebiet, nämlich daS Re« !»-Bte des Belagerungszustandes und des Wtaiidrechts notifiziert werden. Ministerprä-
Poincare erwidert, Tardieu habe verlangt, matt Wie im Ruhrgebiet im Mai den Belagerungszustand i Ml"nn«ren müssen. Tatsächlich bestehe dieser ßkiagerungsznstand seit Beginn der Be- ' :t n g. Die Regierung habe es für richtig gehalten, W Deutschland nicht anders zu notifizieren als durch K Realität der Tatsachen. Entgegen der Behauptung .MSrdieus müsse er feststellen, daß die Besetzung des IM-hrgeöiets fast Monate hindurch sorgfältig ipribereitet fei. Wenn man nicht von Anfang j!1 die Besetzung streng durchgeführt habe, so sei daS ge- "Wchen, um der deutschen Regierung die volle Verant- fliWinig für ihre Handlungen zu überlasse» und um nicht , JS Reparationskommission bei Feststellung der Versch- SJf’SW zu behindern. Poincare fuhr fort, der Vorwurf -Vidieus, man habe 5 Wochen gewartet, ohne das jwiirgebiet einzukreisen, sei falsch, denn am sei diese erfolgt. Die Ausbeutung der Kohlen-- näte sei sorgfältig borbereitet worden. Die rft wate mußten erst in kleinen Mengen abtransportiert .* iben, damit die deutschen Industriellen ihre Weg« u fo»g nicht hätten verhindern können. Da die Ent« t «iinung Deutschlands zum größten Teil »ichgeführt sei, habe man nicht nötig gehabt die
Essen, 30. Mai. Das Lohnabkommen im Bergbau verfehlte, trotzdem es sich bei den jüngsten Vorkommnisse» im Ruhrgebiet nicht um eine allgemeine Lohnbewegung? im Bergbau handelte, seine Wirkung im Ruhrgebiet nicht.! Auf ben meisten Zeche» ist die Arbeit wieder ausgenommen > auf den übrigen die Wiederaufnahme in kurzer Frist iX* erwatten. Die Zentralstreikleitung, in der sich nach ben Feststellungen der Gewerkschaften, kein Mitgück der gr»- hen Bergarbeiterverbände befand, fordert selbst, dem allge-; meinen Druck nachgebend, in einem Aufruf zum Abbruch des Streiks und zur Wiederaufnahme der Arbeit auf.! Gleichzeitig mit der Arbeit-Wiederaufnahme trat eine alt»} gemeine Beruhigung im Industriegebiet ein, wenn auch noch nicht überall die gesetzmäßigen Zustände in botfcnf Umfange wieder her gestellt werden konnten. Die Gefahr! eittes Wederaufslackerns der Aufruhrbewegung besteht indessen immer noch, ebenso die Gefahr, die durch diX widerrechtliche Vernichtung des polizeilichen SchuM tif den Großstädten hervorgerufen worden ist. In einer ReihF von Städten des Ruhrgebiets wird zurzeit über die iSd* düng eines Selbstschutzes verhandel, <?n dem alle Bevöl-' kerungskreise beteiligt sein sollen. Durch die Unruhen der! letzten Tage, bereit Ausdehnung in der Hauptsache an bet’* ablehnenden Haltung der Bevölkerung und insbesondevß^
einzelnen Wirtschaftskreise ihrersetts die Folgerungen ziehen. Sie wird die Anregungen ohne sich in eine Abhängigkeit zu den Vorschlägen zu begeben, in die Praxis umsetzen und ihre Vorschläge dergestalt einrichten, daß sie das Gesamtinteresse des deutschen Volkes im Auge behalten. Nur dieser Gesichts- puntt allein ist auch maßgebend für die Vorbereitung der gesetzlichen Maßnahmen, die auch in der neuen deutschen Note angeboten und dann zur Durchführung kommen sollen. Unter diesen Maßnahmen sind auch, wie sich nach Lage der Dinge von selbst versteht, auch ungewöhnliche steuerliche Eingriffe zu erwarten, die sich jedoch nicht nur auf die Verbrauchssteuern, sondern vorwiegend auch auf das Einkommen erstreckt. Es wird sich überhaupt eine grundsätzliche Reform unseres gesamten Steuerwesens nicht mehr länger vermeiden lasten.
Beilin, 30. Mai. Der Auswärtige Ausschuß des Reichsrats hat sich heute nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers in mehrstündiger vertraulicher Beratung mit der außenpolitischen Lage beschäftigt.
Berli n, 31. Mai. Heber die gestrige Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichsrates melden die Blätter, daß neben den Reichsministern saft sämtliche Ministerpräsidenten der Länder persönlich erschienen waren. Der Reichskanzler habe über die Grundlinien des beabsichtigten deutschen Schrittes in der Reparationsfrage berichtet.
B e r l i n, 30. Mai. Laut „Berl. Lokalanz." hat der Reichsverkehrsminister dem Hauptbeamtenrat feines Ministeriums nahegelegt, zu dem Angebot der deutschen Industrie Stellung zu nehmen.
Berlin, 30. Mai. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft deutscher Reichsbahnbeamten erklärt zu den Plänen des Auslands über die Verwaltung der deutschen Etfenbahnen in einer Entschließung mit Nachdruck, daß unter allen Ilmstüuden die Reichsbahnen im Besitz und Betrieb des Reiches bleiben müßten. Die deutsche an dem Berufsbeamtentum unerschütterlich fesihaltende Beamtenschaft würde es nicht ertragen, irgendwie gearteten ausländischen Instanzen, seien es internationale Syndikate oder sonstige mit der Souveränität des Reiches unvereinbaren Instanzen unterstellt zu fein.
Die Ansicht des Sozialismus.
Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion befaßte sich laut „Vorwärts" gestern mit der politischen Lage. Er billigte die Schritte der sozialdemokratischen Unterhändler, die Reichsregierung zu veranlassen, ein konkretes und substantielles Angebot zu machen, das Deutschland den Weg zu internationalen Verhandlungen öffnen solle. Der Vorstand ersuchte seine Vertreter, in den entscheidenden nächsten Tagen nachdrücklich in demselben Sinne zu wirken. Weiter befaßte sich der Fraktionsvorstand mit dem Angebot der deutschen Industrie und lehnte es aufs entschiedenste'ab, daß die selbstverständliche Erfüllung von Staatsbürgerpflichten von irgendwelchen Voraussetzungen oder Bedingungen abhängig gemacht werde. Hebet b i e Inanspruchnahme der Wirtschaft habe dieEesetzgebung zu entscheiden. Der Fraktionsvorstand wendet sich insbesondere gegen den Vorstoß der Industrie zum Zweck des Abbaus der Errungenschaften der Arbeiterklasse. Er wisse sich in diesem Punkte mit den Gewerkschaften vollkommen einer Meinung.
Berlin, 30. Mai. Die Spitzenverbände der tteien Gewerkschaften beschäftigen sich laut „Vorwärts" heute vormittag mit dem Earantieangeboi der deutschen Industrie. Sie werden morgen offiziell dem Reichskabinett ihre Auffassung schriftlich
Ter Anzeigenpreis tetriigt für de« 9gefp. Zeiirmnillimeter 120 ÄL (XL Anzeige» un>
Familien-Anz gegen bat, 180 Wt Amtliche und ans». Anzeigen 166 Mt Bet |dpe«rtge* wo
Satz 58*/, Aufschlag. Spät etnlanfende »der de» Steern Über */, Seite etxxehmeitbe M ARgfg. Anzeigen werden nach der Teztlpaltenbreit» berechnet Rettame» der Zeilrnmillimrt« "
360 Mt Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Belege werden berechnet. Btt Au»- 1QS9 tunft durch die Geschäfts», und Lermittlnna der Angebote 100 SR, bet Übersendung lv£v durch mm 100.— Mt ohne Porto. - ■■