Einzelbild herunterladen
 

Ji

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

emaUBeree » wnMA

0* J.H. Schäfer

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessei

Ur. 123

1923

Die Garantien der MM

i

jegt. Die bedauerliche Folge ist, daß nun erst recht [Sm HvauS ungünstige Schlüsse gezogen worden sind. Es wird

k den

[in,

uni

e M

Die ieutldjen Beratungen.

auit»*

er

rrauz, em fn*

London, 28. Mai. Die Nachricht, daß Belgien sich entschlMen habe, zweifellos nach Fühlungnahme mit England, m Paris nicht nur ein eigenes Repa«

evie« ietzlitf hnu eru

t D» 'sch«

Auf, es gilt das höchste Set Freiheit zu erringens

i)t. ter Die

Berlin, 28. Mai. Nach einer Blättermeldung sind die Beratungen zwischen der Reichsregierung und den Vertretern der Landwirtschaft und des mo­bilen Kapitals in Aussicht genommen. Morgen tagen der Hauptausschutz des Reichsverbandes der deutschen Industrie und der Hauptvorstand des Reichslandbundes.

Berlin, 28. Mai. Von parlamentarischer Seite wird uns mitgeteilt: Die Parteiführer des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Deut­schen Demokratischen Partei beschäftigten sich heute vormittag bei der Besprechung der politischen Lage mit dem Angebot des Rerchsoerbandes der deutschen Industrie an den Reichskanzler. In den von der Industrie angebotenen Leistungen sehen die Partei­führer ein erfreuliches Zeichen dafür, datz die deutsche Wirtschaft in Erkenntnis der Lage bereit ist, für die Freiheit des Vaterlandes auch die schwersten Opfer zu bringen. Die für die Wieder­herstellung der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gemachten Voraussetzungen werden bei der Verwirklichung der angebotenen Garantien da­durch notwendigerweise zum Gegenstand allgemeiner politischer Verhandlungen gemacht werden müsien, und zwar auf der Grundlage des bereits in der Note vom 14. November 1922 niedergelegten Re­gierungsprogramm.

Paris, 28. Mai. Ministerpräsident PoincarS begibt sich am Mittwoch nach Stratzburg. Dort ge­denkt er nach demMatin" einige Tage zu ver­bleiben. Er habe deshalb den belgischen Botschafter in Paris gebeten, dem Ministerpräsidenten Theunis mitzuteilen, datz zu seinem grötzten Bedauern die belgisch-französischen Verhandlungen nicht vor der nächsten Woche ftattfinden können. Da in diesem Augenblick die beiden belgischen Kammern sich mit dem Militärgesetz beschäftigen, einer Debatte, der sich Ministerpräsident Theunis vollkommen widmen mutz, glaubt derMalin", datz die französisch-belgi­schen Verhandlungen hierdurch bis Mitte Juni auf­geschoben werden müssen.

Marburg

Dienstag, ben 29. Mal

c- d s t,

Den Anstoß zu allerlei Kombinationen und Befürch- Hngen in der Oeffentlichkcit hat die Uebcrreichung eines Hchmbens von maßgebenden Vertretern der deutschen Jn- fgftrie an den Reichskanzler am letzten Sonnabend ge« yfcn. Leider hat der Reichskanzler der von den Herren tzisgcgangenen Anregung nicht entsprochen, es sofott der Kesstntüchleit zu übergeben und so allen müßigen Speku- Mivnen und Gerüchten den Boden zu entziehen, fort- jtrr. die vertrauliche Behandlung deS Schreibens ver-

$>:eOberhessssche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Dezugsvrei» monatlich 3606 Ml. mit Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. E. Hitzeroih. Druck der Unirn-Buchdruckerei von Job. Bug. Hoch, Markt 21,23. Kernjprecher 55, Post- tcheckkonto: Nr. 5015 Bmt Frankfurt a. Mai».

«b »üht wunder nehmen, daß aus französischen Wessen die Kombinationen verbreitet worden sind. Auf Mwd von Mitteilungen maßgebender Persönlichkeiten

Die koumunWAn Muhen im Ruhrgebiet.

Köln, 28. Mai. Gestern morgen wurde nach derKöln. Ztg." in einer grotzen öffentlichen Berg­arbeiterversammlung auf derWiese" bei Gelsen­kirchen der Generalstreik ausgerufen. Es wurde festgelegt, datz diesem, von kommunisti­scher Seite angezettelten Generalstteik nach­drücklichst am Montag Geltung verschafft werden solle. Da in dieser Versammlung bekannt wurde, datz auf der ZecheRhein-Elbe" ein Teil der Berg­arbeiter mit Haldenarbeiten beschäftigt sei, rückten sofort etwa 2000 Versammlungsteilnehmer vor diese

i Taz» bmt iowat^

S

zog«

brutscheu Industrie läßt sich sagen, daß in dem !reiben einmal bk Antwort auf eine Frage erteilt wor- ist und daß zweitens die deutsche Industrie selbst keinen ifd an ihrer Bereitwilligkeit gelassen hat, ihren vollen ial an den Lasten zu tragen, die nnS nun einmal auf uck des verlorenen Krieges auferlegt worden sind. Es r an die Industrie v-im Reick>s^>"zle' di- Frag« g-richt't den, waS Deutschland insgesamt für Reparattons- e aufzubringen imstande sein werde und in kicher Form das geschehen könne. Die Ansicht der beut« n Jiümstric geht dahin, daß unter gewissen Boraus- ngen eine bestimmte Gesamtsumme genannt werden uite, die nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit und des auf Reich, Länder und Privatwittschaft, Handel, nftn, Gewerbe und schließlich auch auf den £»15= ijs, falls er einmal wieder nach Aufhebung der Zwangs­chaft Etträge bringen sollte, zu verteilen wäre. D> buflrit selbst würde nach diesem Schlüssel etwa 200 illionen Goldmark im Jahre auszubringen haben. Die Miftnag der Privatwittschaft wäre zu garantieren durch te gesetzlich einzutragende Sicherheitshnpothek auf btc seinen Wirtschaftszweige, bei der Industrie auf den nid« und Gebäudebesitz, Maschinen, Einrichtungen und - sonst als Sachbesitz zu erfassen ist.

Die Jndustrk ist in der Abschätzung ihrer Lcistungs- igleit von bestimmten Voraussetzungen ausgegangen, inintet sind keine Forderungen zu verstehen, toeber itstcher noch wirtschaftlicher Art. Aber die Männer irrer Industrie glauben sich für die Aufbringung der Sis ihnen genannten Summe nur dann einsetzen zu mn, wenn die staatlichen betriebe anders verwaltet -den als bisher, also nach pttvatwirtschastlichen Grund- ften, weil sie nur so ertragreich gestaltet werden können: ivelcher Form das geschieht, ist Sache des Reiches W der Länder. Ferner muß in allen Zweigen der Wirt-

>ft für Rahe, Ordnung und Stetigkeit gesorgt werden, trns wird die deutsche Jndusttte auf eine wesent- W Vereinfachung des Steuerapparates bringen, der 1 zu kostspielig sei und zu langsam arbeit«, damit ^Hinterziehungen und überflüssigen Ausgaben Tür snd Tor öffnet. Und schließlich muß sich das deutsche st nach Auffassung unserer industriellen Kreise darüber *r sein, daß intensiv gewirtschaftet werden muß, die beitsleistung also nicht hinter der aus der Zeit der tf vor dem Kriege zurückbleiben darf. So ungefähr «kt man in den maßgebenden Kreisen unserer Industrie.

Paris, 28. Mai. DerIntransigeant" mel­det» von autorisierter Seite werde erklärt, datz kei­nerlei allgemeine Konferenz der Alliierten stattfin­den werde, bevor die neue deutsche Note in bei Re­parationsfrage ausgegeben worden fei. Das gleiche Blatt will wisien, datz am Quai d'Orsay über einen Plan Musiolinis, nach Zaris zu kommen, keinerlei Mitteilung vorliege.

London, 28. Mai. DerDaily Expretz" schreibt zu dem neuen belgischen Reparationsplan, Belgien sei unbefriedigt und enttäuscht Über das Ergebnis der Aktion, die es gemeinsam mit Frank­reich unternommen habe.

Die Ausfasiung in Italien.

Paris, 28. Mai. Nach demGaulois" wird in der Umgebung Musiolinis im Hinblick auf die gestrigen Meldungen von einer bevorstehenden interalliierten Konferenz in Paris nicht verhehlt, datz der italienische Premierminister sich mit der ftanzöstschen Regierung gerne sobald wie möglich besprechen würde. Der französische Botschafter in Rom, Varröre, habe gestern mit ihm eine längere Unterredung über die internationale Lage, die Re­parationsfrage, gehabt.

Rom, 28. Mai. DieZdea Nazionale" ver­öffentlicht zwei Artikel gegen die französische Po­litik. Im ersten Artikel warnt Cantalupo davor, den beruhigenden Zusicherungen Poincarös zu trauen und weist auf die Schrift VeisiyesDer Frie­den durch die Ruhr" hin, aus der Frankreichs Ländergier sowie seine Absicht, durch die Ruhr- besetzung das Rheinland loszureitzen, hervorgehe. In dem zweiten Artikel greift Coppola PoincarSs Behauptung an, Italien habe der Ruhrbesetzung zu- gestimmt. Vielmehr sei Italien nur für Wirt­schaftspfänder eingetreten, wogegen Frankreich unter Verletzung des Vertrags auch außerhalb des Rahmens von Versailles Garantien suche, welche das europäische Gleichgewicht und die Jnteresien der anderen Alliierten schädigten, was letztere, ins­besondere Italien, nicht zugeben könnten. Dieses, sei besonders auch über die französischen Pläne in Dalmatien stutzig, aus denen die Politik Italiens die notwendigen Folgerungen ziehen müsse.

vor» s L

Paris, 28. Mai. Zn einer Rede vor ehe­maligen Kriegsteilnehmern in Chülons für Marne erklärte Kriegsminister Maginot zur Ruhrfrage: Unser Druck, den wir durch die in dem neubesetzten Gebiet getroffenen Matznahmen wirtschaftlicher Art auf Deutschland ausüben, wird erst aufhören, wenn Deutschland seinen Widerstand eingestellt und uns vün den notwendigen Garantien begleitete annehm­bare Vorschläge gemacht hat. Aber aufhören, un­seren Druck auszuüben, bedeutet nicht, datz wir auf­hören, das Ruhrgebiet besetzt zu halten. Druck und Besetzung sind zwei sehr verschiedene Dinge. Das Ruhrgebiet werden wir, wie die französische und die belgische Regierung es in Brüsiel erklärten, nur gegen geleistete Zahlungen und nach Maßgabe selbst der ungeleisteten Zahlungen räumen.

London, 28. Mal. Zu den kommunistischen Utt ruhen Im Ruhrgebiet schreibt der .Observer", die Fran- zosen spielten mit dem Feuer. TaS Blatt fragt, mit welchem Gefühl wohl dos industrielle Belgien auf den mit französischer Erlaubnis im Hause seines Nachbar« entfachten kommunistischen Brand blicke? Die belgische Regierung würde st>cher froh lein, unter gewissen Be­dingungen die Ruhrbesetzung beendet zu sehen; ebne Großbritannien und Italien lei keine Lösung möglich. , Die »Daily News' schreibt: »Welcher Eindruck würde wohl nach Ansicht der französischen Regierung bei der öffentlichen Meinung der Welt hervotgerufen werden, wenn die Welt zu der Ueberzeugung tarne, datz Frankreich seine Ruhrbesetzung dazu benütz«, um die anarchistische Revolution im Gebiete leineS bis­herigen Feindes au ermutigen und zu schützen?'

Rach dem »Tag.» der bestimmte Zahlen nennt, soll ' Summe, die das Reich zur Verfügung stellt, 5600 tdmillionen betragen, aber nicht aus «euern, sondern aus produktiver Wirtschaft der .«ichSbcttiebe. Die Privatisierung der ReichSeisen- werde nicht gefordert. Weitere 500 Millionen iJS die Privatwirtschaft garantieren, von denen die Vsdustrie 200 Millionen, die Landwirt- Wvft 120 Millionen und den Rest das übrige Imschaftsleben hergibt. Im ganzen stände eine «Miarde Goldmark zur Verfügung, die in 2030 Wen zu zahlen wären. Gesordett wird dagegen sofortige Beseitigung der Reste der Zwangs- Ortschaft, aber nicht rie Aushebung des Achtstuuden- M- Es fei an ein elrbcttsgesetz gedacht, daS dte gi ich leit biete, eine längereArbeitszeit in fielet Ver- Jömritna zu genehmigen. Bei der Steuerreform habe »Un nach dem »Tag' gedacht an die Vcrhinde- ,a#9 der ©teuerejjeffc der Kommunen *af dem Gebiete der Gewerbesteuer, ^mit die Forderung der Industrie auch den wesent- Men Punkt treffen würde. Zu dem ganzen Vor- meint das Blatt:

»Di« Aussichten eines solchen Vorschlages, zu dem, gesagt, alle Vorbedingungen zur Stunde noch gegeben sind, lasten sich noch nicht übersehen, ein solcher Vorschlag zustande kommen, so J^be steh die Entente einem deutschen Angebot gegen- §rrsehen, das alle bisherigen in Paris und in Lon- rj formulierten Forderungen enthalten, auf der 2"»ern Seite aber auch das einmütige Angebot aller Mischen und wirtschaftlichen Faktoren Deutschlands Quellen würde.'

un.ngg e ob« eße & schrich^ xtgebn* [4 d« Alb» - ® tatst XlOtigg

Der anieigenptel» beträgt für de» Sges». Zellenmillimeter 100 ÄL(XL e«ieiee»»»> Familien-Anz. gegee bar, 80 Wt Amtliche an» aus». Anzeige» 116 HL Bei Meterige* ro Satz 50*/» Aufschlag. Spät eiwtaufenbe »der den Ra»m über Seite eiwnebmenk Jq, nUHll Anzeigen werden nach der Tertspaltenbreite berechneL Reklnnw« der Zeilenmilllmeter , _

300 ML Jeder Rabatt gilt al, BarrabatL Belege »erden berechnet. Bei ««* IQll

tunst durch die Eeschäftsfi. und Vermittlung der Anaed»te 100 «, bei Lobersendun, durch ans 100. ML ohne Port».

Schächte und vertrieben unter de« schwerster Terrorakten die Bergarbeiter von ihrer Ar> bett. Aeutzerlich sahen zurzett Gelsenkirchen und bat mittlere Industriegebiet wie im tiefsten Frieder au», aber es ist kein Zweifel, datz der heutige Mon­tag der Höhepuntt dafür sein wird, was kommu­nistischer Terror und kommunistische Willkür anzu- richten in der Lage sein werden.

Dortmund, 28. Mai. Die Lag« ist seit Sonn- abend abend unverändert. Aus der ZecheTremo- nia" sind 350 Mann von der etwa 2000 Mann be­tragenden Belegschaft angesahren.

Recklinghausen, 28. Mai. Hier streike« die ZechenEmscher-Lippe,",Recklinghausen 1 und 2,König Ludwig" undGeneral Blumenthal 1 und 2". Laut Befehl des Generals Degoutte wer­den am 25. Mai öffentliche Ansammlungen nicht mehr gestattet.

Hagen, 28. Mai. Die Arbeiter der Waggon­fabrik Kien u. Sohn sind wegen der Entlastung von echs Arbeitern in den Ausstand getreten.

Hörde, 29. Mai. Die gestrige Rachi ist ruhig verlaufen. Die Arbeiter der .Phönix' haben gestern morgen zum Teil die Arbett wieder aufgenomm«» ES waren Streikposten ausgestellt; zu Reiberei« i| es jedoch noch nicht gekommen.

Düsseldorfs 29. Mai. In der Rach« iwaf 28. Mai gegen 12.50 Uvr ist ein Trommlerkorps vost vier, etwa 15 bis 20 Mann stark, singend und johlen» über den Wilhelmsplatz gezogen. Der dott postier« Poltzeibeamte hatte Ruhe geboten. Die Teilnehmer sind über den Beamten hergesallen und haben ihn tii rohester Weise mißhandelt und durch Messerstich« aut Kopf und Unterleib schwer verletzt, sodatz seine Uebe» süyrung in die städtische Krankenanstalt erfolge« mutzte. Der Zustand des Beamten ist fehl bedenklich^ Als Täter wurden die Rtefernfti. 13 wohnhaften Arc beiter Joseph Viertem und Theodor Rings festg« nommen. -

Düsseldorf, 29. Mai. Die Erwerbslosen mcks Kommunisten hielten gestern vormittag eine Bew sammlung auf dem Hindenburgivall ab, die von de« Franzosen erlaubt war. Dabei kam es gegen Mittag in Oberbilk zwischen Streikenden bezw. Erwerbslosen und der Polizei zu Zusammenstößen. Die Stretten- dcn versuchten, die Arbeiter aus der Maschinenfabrik berausznholen. Die Polizei schützte die Arbeits­willigen und ging mit der Masse Fegen die Demon­stranten vor. Dabei wurde einer von diesen durch Kopfschutz getötet. Der Polizei gelang es, büf Menge za zerstreuen und die Rübe und Ordnung wie­derherzustellen. Ter Nachmittag verlief ohne Störung«

Essen, 29. Mai. Zwecks Schaffung eines Siche« heitSdienstes für die Stadt fanden gestern Besprechun­gen zwischen der Stadtverwaltung, dem Polizeipräsi­dium und dem Vorstand der Stadtverordnetenver­sammlung sowie dm Vertretern der drei Spitzenge­werkschaften statt. Die Gewerkschaften gaben die Er­klärung ab, datz sie sich am Schutzdienst beteiligen wer­den, wenn der Sckmtz nicht von den politischen Par­teien getragen werde, sondern von den auf wittfehaft- licher Gntndlage basierenden Gewerkschaften. Es müsse ausgeschlossen sein, datz sich Bestrebungen geltend ma-. ckan, die sich gegen die bestehende Staatsform richten. Ferner muss« den am Schutzdienst Teilnebmenden der bisherige tarifmäßige Lohn fortgezahlt werden. ES müsse ihnen Sicherheit gegeben Werden gegen die Fol­gen von Unfällen, die sie int Dienst erleiden. Die Mitglieder müßten sich prozentual nach der Stärke der Gewerkschaften richten. Da von den Regierungsver- tretern bindende Erklärungen noch nicht abgegeben werden konnten, wurden für heute neue Besprechungen anberaumt, die das endgiltige Ergebnis bringen, sollen.

Essen, 29. Mai. Die Kontrollausschüsie, die in den letzten Tagen allettkhalben in den Geschäften die Preise herabsetzten und dabei Verkaufspreise anord- ucten, die 30001000 M unter den Einkaufspreisen der Grossisten lagen, haben eingesehcn, datz dies höchst irrig war. Von allen Setten tarnen Aufkäuser, die zu den billigen Preisen kaufen, während der notleiden­den Bevölkerung die Waren nicht zugute kommen. Infolgedessen beginnen die Kontrollausschüsse fetzt. wieder damit, die Preise bedeutend zu erhöhen.

Berstärkung für die Ruhrkommunisteu.

Br a u u s ch w e i g, 28. Mai. Eine Anzahl von Erwerbslosen, die unter kommunistischer Führung stehen, hat dieser Tage die Reise nach dem Ruhr­gebiet angetreten, wo ihnen angeblichArbeit" zu- gesichert ist. Man hat auffälliger Weise nicht» da­von gehört, datz die Franzosen den Kommunisten die Einreise untersagt hatten.

..Berlin, 28. Mai. Wie den Blättern von 8U= A^iger Seite mitgeteilt wird, wurden die Bespre- mit den Parlamentariern heute fortgesetzt. . Reichskanzler empfing heute vormittag den et Deutschnattonalen. Es ist anzunchw.en, heute oder morgen auch Besprechungen mit den

\\t* ^.'ttretern anderer Gruppen des Erwerbslebens >»i | atmen iwrbsis »Bf-1*!

rationsprogramm vorzulegen, sondern auch auf die baldige Einberufung des Obersten Rates zu drän­gen, der bereit» im Juni zusammentteten soll, um über die Reparattonsfrage und den Ruhrkonflikt zu beraten, hat hier bei den verschiedenen Parteien einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Die Vor­gänge im Ruhrgebiet haben eine gewisie Erregung in der öffentlichen Meinung Englands gegen Frank­reich hervorgerufen, weil man hier betont, datz die französische Besatzungsbehörde durch die Entwaff­nung der deutschen Polizei und Zerstörung der deut­schen Zivilverwaltung alles getan habe, um den Kommunismus zu fördern. Meinungsverschieden­heiten bestehen hier in politischen Kreisen eigentlich nur darüber, ob der in Berlin weilende Radek als französischer Spitzel anwe­send sei oder zur Unter st ützung der kommunistischen Aktion mit Geld und Waffen arbeiten solle.

London, 28. Mai. Dem diplomatischen Be­richterstatter desDaily Telegraph" zufolge hat die französische Regierung bei der englischen die Frage der Anweisung an Genera! Rollet und die alliierten Militärkontrollkommissionen, ihre Tätigkeit in ganz Deutschland wieder aufzunehmen, aufgeworfen. Die englische Ansicht scheine weiterhin die zu sein, datz unter den augenblicklichen Umständen eine derartige Maßnahme gefährliche Zwischenfälle zur Folge haben könnte, die besser vermieden würden .

-------

Psinmä als PWWUlMM kr.

Der französisch« Ministerpräsident hat am Sonntag wieder einmal eine Rede gehalten. In Deutschland scheinen manche geneigt zu fein, darüber die Achseln zu zucken und die Zeitung nach der Lektüre der Rede mit der Bemerkung <ur Seite zu legen: Immer wie­der t>ie alten Kamellen. Diese Bemerkung trifft viel­leicht das Richtige. Aber wir haben nicht den ge­ringsten Grund, diese fortgesetzten Wiederholungen derselben lügenhaften Behauptung etwa leicht zu nehmen. Herr Poincate tft ein außerordentlich rühri­ger Propagandaredncr und er weiß ganz genau, datz fc-.fttmmte Behauptungen sich nur dann einprägen, wenn man sie immer wieder mit einer möglichst wen hörbaren Stimme in die Welt hinausschreit. Deshalb hat er auch am Sonntag wieder den verlogenen Ver­gleich zwischen einem verarmten und verwüsteten Frankreich und einem vroperierenden Deutschland auf­gestellt. Er bat nur auch diesmal wieder vergessen, der Welt zu sagen, datz Deutschland bis auf das Mark feiner Knochen wirtschaftlich ausgefogen worden ist und datz Frankreich längst wieder ein Bild ungestörten Friedensglückes bieten könnte, wenn nicht die deut­schen Milliarden für den französischen Militarismus draufgegangen wären. Er hat auch ganz und gar ver­gessen, datz Deutfchland die tiefen Miegswunden, dte ihm in Ostpreußen geschlagen worden sind, längst ge­heilt hat und datz es keineswegs von der Kttegssu.le verschont geblieben tft. Der französische Minister­präsident gibt also wieder einmal eine lügenhafte Verzerrung der Wirklichkeit. Und nun eine ganz dringende Frage: Was geschieht von fetten der beut« feben Regierung, um Herrn.Poincarö Lügen zu stra­fen? Was geschieht, um den Wirkungen der stanzösi- fchen Lügenpropaganda entgegenzutteten? Ist bei uns die Propaganda eingeschlafen und denkt niemand mehr daran, wie notwendig es ist, auch hier auf dem Posten zu fein? Herr Potncar« spielt in der niedw- ttächtigsten Weise die blutigen Rnhrereigniffe, die Frankreich verschuldet hat, gegen die deutsche Re­gierung aus. Sollte nicht das wenigstens Veran­lassung fein, ihm einen Schlag auf das Lügen-Mnnd- werk zu versetzen?