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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

1923

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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Meint, gescheut werden darf. Inzwischen sind die «eratungen so weit gediehen, daß der Rahmen der Meuen deutschen Note feststeht. Die Regierung hat

Pinn auch mit den Parteiführern Verbindung ge- idjt, die jetzt oMiell über die Grundrisse des neuen

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Parts, 26. Mat. «nlätzttch des .Empire Dai)' haben der Präsident der Republik und König Georg von England in herzlichem Tone gebaltene Tele­gramme ausgelauscht. Millerand sagte, er spreche die aufrichtigsten Wünsche für das Gedeihen deS vereinig­ten Königreichs, der Dominions und Indiens aus. Der König von England dankte ihm und sagte, er er­neuere bei diesem Anlaß den Augenblick seiner Hoch­achtung und der herzlichen Wünsche für die Gesund­heit des Präsidenten und das Gedeihen deS französi­schen Volkes daS mit dem Imperium durch Bande der Freundschaft und gemeinsame Beziehungen ver­bunden sei.

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Die lmmmIWea Met Im Mrortitt

Bochum, 86. Mai. In den gestrigen Abendstunden rückten einige kommunistische Hnnbertschaf- ien vor das Gebäude der Feuerwehr und forderten die Nebervabe und Entwaffnung der Mannschaften, war ab-

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Paris, 26. Mai. Die belgische Regierung hat, wie Havas berichtet, der französischen Regierung eine lange Rote von etwa 50 Seiten zugehen lassen, in der sie ihre Auffassung von den Möglichkeiten zur Sicherung der Reparationszahlungen auseinander­setzt. Das Dokument erörtert nach Havas nicht die Frage der Ruhrbesetzung oder die früher für die Räumung des Ruhrgebietes festgesetzten Bedin­gungen, sie habe vielmehr technischen und finan­ziellen Charakter und weise in dieser Beziehung, wieder neue und interessante Punkte auf.

Paris, 27. Mai. Havas berichtet aus Brüssel, Minister Jasper sei heute mit Erfolg operiert lvordcu, so daß feine vollkommene Genesung in zwei oder drei Tagen erwartet werden könne. Die belgische Telegraphen- Agentur glaubt zu wissen, dasi Po'ncare mi^'io'bert,wor­den ist, die Konferenz, die anfänglich in Paris stattfinden sollte, in Brüssel zu ermöglichen. Falls Poincare firh nicht nach Brüssel begeben wolle, soll nach demTemps" die Beratung im Lause dieser Woche in Paris stattfinden, selbst wenn Ministerpräsident Theunis sich allein dorthin begeben sollte.

Paris, 26. Mai. Wie derPetit Parisien" mitteilt, ist Poincars gestern abend von Brüsiel ver­ständigt worden, daß die Reise der belgischen Mi­nister angesichts der Unpäßlichkeit Zaspars um einige Tage verschoben werden muffe. Die belgische Negierung habe aber inzwischen durch ihren Bot­schafter in Paris eine Anzahl Dokumente über­reichen lassen, in denen die Ergebiriffe der Studien niedergelegt sind, die die belgischen Delegierten bei der Reparationskommission Delacroix und Bemel- mans über das Reparationsproblcm verfaßt haben. Diese Studien sollen eine Anzahl Vorfragen regeln vor der allgemeinen Diskussion und beziehen sich be­sonders auf die wirklichen Einnahmequellen Deutsch­lands, auf die geforderten Garantien und auf die staatlichen Monopole, die errichtet werden könnten. Alan glaubt zu wissen, daß die belgischen Sach­verständigen die Ansicht vertreten, daß man aus einem Eisenbahnmonopol und aus einem Monopol für Alkohol, Zucker und Tabak Annuitäten im Be­trage von über 2 Milliarden Eoldmark ziehen könne.

DieOberhesisiche Zeitung" erlckeint ietbsmal wöchentlich. Bezugrvreis monatlich 3600 MI. mit Zusiellungsgrbiihk. Für auuiallende Nummern infolge Streits ooer elementarer Ereignin« kein Ermtz. Verlag von Dr. L. Hitzeroti>. Druck der ll«iv.-Buchdrncker«i von Job. Aug. Koch, Marit 21/23. Hernjprecher 55, Post» fcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Baris, 27. Mai. Das ,^Journal" schreibt, in einigen Tagen werde man das Programm des neuen britischen Kabinetts kennen. Das sei um so wichtiger, als dieses Ministerium nicht vollkommen den Hoffmingen dieser ernsten Stunde entspreche. Baldwin sei gezwungen gewesen, durch Hinzuziehung Mac Ken­ias und Loch Robert Cecils in seiner Regierung zwei Elemente einzuführen, die eine ausgesprochene Evo­lution im Sinne einer radikalen Tendenz bedeuteten. Auch dasEcho de Paris" spricht in abfälliger Weise über den Eintritt Loch Robert Eecils und Mar Kennas in das Kabinett Baldwin.

Berlin, 26. Mai. In Berüner diplomatischen Kreisen wich die Ernennung Mac Kennas zum Schotz- kanzler und Loch Robert Cecils zum Großsiegelbewahrer wenn auch nicht als eine Schwenkung des bisher rein kon­servativen Kabinetts zu den Liberalen, so doch immerhin als eine wenn auch schwache Jnsiltvation deS rein kon­servativen Gchankens durch liberale Ideen. dargestellt. Man weist dabei darauf hin, daß Mac Kenna in England als einer der besten Kenner der Reparationsfmge gilt, der es sich schon lange hat Angelegen sein lassen, die Repa- rationSsrage unter einem höheren Gesichtspunkt der wirt­schaftlichen Gesundung der Weltwirtschaft zu betrachten. In diesem Zusammenhang hat Mac Kenna bekanntlich vor mehr als Jahresfrist bei Eröffnung der großen San» kierkonftrenz in Amerika eine außerordentlich stark beach­tete Rede gehalten, die damals als Programmerklärung großer englischer Finanzgruppen bewertet wurde. Da; sich Baldwin entschlossen hat, in sein Kabinett neben Mac Krnna auch noch eine so international bekannte und politisch so bewegliche Figur wie Lord Robert Ceci' anfzünehmen, wird ebenfalls außerordentlich stark beachtet. Es ist bekannt, baß Cecil in seiner uneingeschränkten An­hängerschaft für den Völkerbund häufig in Gegensatz zu der französischen Auffaffuirg gekommen ist.

m J. H. Schäfer

H Kaiern«ngtf. 21

pr Erküvsung der deutschen Freiheit, zur Rettung Her deutschen Reichseinheit und zur Verteidigung deutschen Bodens und deutscher Volksgenossen, kein Mterielles Opfer, das nur irgendwie tragbar er*

Hinweis aus die letzt; französische Regierungskrise schreibt die .Times", soweit die Ruhr-Frage In Be­tracht komme, zeige die französische ösfentttche Mei- nng für den Augenblick keinerlei Zeichen von Schwäche. Augenblicklich sei es wesentlich, daß nicht gestattet werde, daß die Unordnung in Deutschland sich aus­breite. Es gäbe kein beunruhigenderes Symptom als die Ausbreitung der kommunistischen Unruhen im Ruhrgebiet. Die Besetzung' Gelsenkirchens durch die Kommunisten und die Ausschreitungen in Dortmund und Bochum feien ernste Ereignisie, die die Franzosen in dem Gebiet, das sich unter ihrer starken militäri­schen Kontrolle befinde, und das sie des Poltzcischutzes beraubt hätten, nicht hätten gestatten dürfen.

London, 26. Mai. DieWestminster Gazette" chreibt in einem Leitartikel, dah Belgien an­fangs zu zweifeln, ob es klug war, das Ruhrunternehmen zu unterstützen. Es habe nichts wesentliches für seine Mühe erhalten. Die belgischen Staatsmänner seien besorgt über die Lockerung der Bande, die die Alliierten zusammen­hielten, dies sei die Bedeutung der bevorstehenden Konferenz über die Reparationen zwischen Frank­reich und Belgien. Wie gefährlich die Lage sowohl für Frankreich als für Deutschland geworden sei, gehe aus der Ausbreitung des kommu­nistischen Aufstandes im Ruhrgebiet hervor. Wie es heiße, marschierten be­waffnete Banden gegen die Stadt Essen, und Gelsenkirchen sei vollstän­dig in den Händen der Kommunisten. Die deutschen Behörden seien, da ihre Polizei aus diesem Gebiet weggeschickt wurde, nicht in der Lage, solchen Unruhen entgegenzutreten. Sie hätten um die Erlaubnis ersucht, Polizeikräfte nach dem Unruhegebiet zu senden, aber die franzö­sische Antwort werde sicherlich ablehnend sein. Aber dann könnten die Franzosen nicht neutral bleiben, wie sie es jetzt täten. Entweder mühten sie die Ver­antwortung für die Ordnung in dem Gebiet, das ste besetzten', übernehmen, oder sie mutzten diese Ver­antwortung anderen übertragen. PoincarA könne nicht gleichzeitig zurücktreten wollen, weil die Kommunisten in Frankreich nichtmitStrengebe straft würden, und ihnen gestatten, im Ruhrgebiet zu tun, was ihnen gefalle. Es gäbe franzö­sische Publizisten, die jede Bewegung be­grüßten, die Deutschland zu ruinieren drohe, d.asiederAnsichtseien.dahdie deutscheRegierunginpanischerFurcht alle Vedi-ngungen annehmen werde. Dies sei nicht nur eine kurzsichtige, sondern eine wahnsinnige Politik.

Die französische Regierung wird nunmehr diese Do­kumente prüfen und die Beratungen mit Theunis und Jaspar, denen auch Varthou und Delacroix bei­wohnen sollen, würden dadurch wesentlich erleichtert werden. Das Blatt fügt hinzu, es verstehe sich von selbst, dah die Ruhrpolitik in keiner Weise in Frage gestellt sei.

DasPetit Journal" schreibt, es sei möglich, dah die französisch-belgischen Minister auch bestimm* ten, welche Minima die neuen deut* scheu Angebote enthalten mühten, da­mit die französische und belgische Regierung sie a l s ernst und der Prüfung würdig aner­kennten. Rur in dem Falle, dah die kommende deutsche Note diese Bedingungen erfülle, würden sich Frankreich und Belgien mit Eng­land und Italien zwecks Ausarbei­tung einer gemeinsamen Antwort in Verbindung setzen. Aber es verstehe sich von selbst, dah diese Frage nicht gestellt würde, wenn die deutsche Regierung die neuen Vorschläge übergebe, bevor Verhandlungen aller Alliierten über die end- ailtige Regelung eingeleitet worden seien.

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Da; neue englische Kabinett.

Paris, 26. Mai. Aus London wird gemeldet: Stanley Baldwin hat sein Kabinett endgültig gehi-öeU Da Sir Robert Hörne bei seiner Weigerung, in das Mini­sterium einzutreten, verharrte, wird Mac Kenna Reichs- schatzkanzler. Da derselbe indessen erst langsam aus dem Wege der Gesundung von einem schweren Typhusfieber be­griffen ist, wird Baldwin einstweilen den Posten des Reichsschatzkanzlers mitversehen. Es verlautet, daß Mac Kenna in drei Monaten den Premierminister ablösen werde. Keitna war Reichsschatzkanzler unter dem Mini­sterium Asquith und gab seine Demission, als Lloyd George Premierminister wurde.

London, 27. Mai. Der diplomatische Berichter­statter desObserver" schreibt, es verlaute, daß Baldwin entschlossen sei, sofort die Fragen der Repa­ration, des Ruhrgebiets und der fran­zösischen Sicherheit in Angriff zu nehmen.

Paris, 27. Mai. Nach einer Havasmeldung auS Brüssel scheint es jetzt, nachdem wegen der Unpäßlichkeit Jaspers die belgisch-französische Konferenz aufgcscheb n nntrbe, fraglich geworden zu sein, ob die ge­plante Zusammenkunft in Paris ober Brüssel stattfinden werde. (

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611 Will nrnrärts.

Die Verhandlungen, die die Vertreter der Reichs- Ußietung mit den Vertretern der deutschen Wirt- «haftskreise in den letzten Tagen geführt haben, Igien nun eine Entscheidung gebracht, die einen «ojjen Schritt nach vorwärts für. die Behandlung Itr Reparationsfrage bedeutet. Die Wirtschaf ts- lertretet haben der Reichsregierung gegenüber ihre Bereitwilligkeit zur Uebernahme der Garantien für tos deutsche Angebot ausgesprochen. Sie haben sich ^eichzeitig bereit erklärt, bezüglich dieser Garantien $ auch den gesetzlichen Mahnahmen zu unterwer­fen, die die Reichsregierung in Aussicht nehmen M und die auch in der neuen deutschen Rote den Alliierten angeboten werden sollen. Ueber die Melnmcißige Höhe dieser Industriegarantien läßt ßch zur Stunde noch nichts näheres sagen, doch kann |i viel ausgesprochen werden, dah diese Garantien $ auf die Sicherstellung des deutschen Zahlen- Jpgebots und der Durchführung der Zahlungen und Leistungen beziehen.

.London, 26. Mai. Bezugnehmend auf die tn *rova augenblicklich herrschende Not schreibt die Mmes", es bestehe fein Zweifel, daß die Lage Enro- schlimmer werde. Eine neue akute Krise sei in ?§t in der Entwicklung -er Bezahlungen zwischen rfft siegreichen Alliierten und Deutschland, eine Krise, die Beziehungen Großbritanniens zu Frankreich !*f berühre. Die französische Regierung fei entfchlof- siü, in ihrer Verfolgung der separaten Politik, die sie 8 BuhrgMiet anseitominett, zu verharren. Unter

Lud die Eingriffe, die nun überall gemacht werden Mffen, sind nach Lage der Dinge ganz auherordent- Bdj tief, weil sie die Substanz der deutschen Wirt- Heftskroft unmittelbar antasten. Aber die Reichs- kegierung ist von dem Gedanken ausgegangen, daß

l B e r l t n, 27. Mai. Den Blättern zufolge emp- ^p.g der Reichskanzler gestern zuerst die Führer der jezialdemokratischen Fraktion, dann die der Arbeits- Wncinschaft der Mitte, schließlich die der Deutsch- wtionalen, um sie gemeinsam mit dem Außen- winister v. Rosenberg über die Grundlinien der Rutschen Antwort auf die Roten der Alliierten zu Mterrichten. Die Besprechungen sollen in der kom- knben Woche fortgesetzt werden. Am Nachmittag topfing der Reichskanzler in Gegenwart des Autzen- »inisiers und des Reichswirtschaftsministers Der- treter des Reichsverbandes der deutschen Industrie, -kr der Reichsrcgierung mitgeteilt hatte, daß die 'Industrie bereit sei, die Zusatzgarantie für die Re- Httacionsanleihe zu übernehmen. Bei dem Emp- hng wurde besonders die Frage der praktischen Durchführung der Garantieleistung besprochen. Die Xeich-regierung dürfte, wenn es zu einer Verein- risrung kommt, den Weg der Gesetzgebung beschrel- ten Die Konferenz mit den Ministerpräsidenten

kr Länder, die nach Berlin eiitgeladen werden feilen, sobald die Besprechungen mit den Führern kt Reichstagsfraktion beendet sein werden, dürfte feäteftene in der Mitte der kommenden Woche statt- fütben. Ob die nächste Reichstagssttzung an dem 3 bor der Pfingstpause auf den 5. Juni angesetzten Termin stattfinden kann, steht noch nicht endgültig Mt; falls nicht unvorhergesehene Ereignisse ein« beten, soll an dem genannten Termin festgehalten erben. Ob eine allgemeine politische Aussprache hi Reichstagsplenum stattfinden wird, steht gleich- i feilt, noch nicht fest.

B e r l i n, 26. Mai. In parlamentarischen Krei- fat rechnet man damit, daß die Beantwortung der Estentenoten Ende kommender Woche erfolgen knn.

Rach Blättermeldungen haben die Berhand- fe«gen innerhalb des Reichsverbandes der deutschen Äldustrie zu einem bestimmten Ergebnis geführt.

Reichsverband war in der Lage, der Regierung fenkrete Vorschläge in der Earantiesrage zu machen. $ie Parteiführer erkannten durchaus die Opfer an, elche bie Industrie auf sich zu nehmen bereit ist.

gelehnt wurde. Darauf griffen die Kommunisten dis Feuerwehr mit Revolvern nick einem Steinhagel atu Gegen 9 Uhr abends gebrauchte die bedrohte Feuerwehr di« Waffe. Die Feuerwehr war indischen durch neue Be* amte verstärkt worden. Bei dem Feuergefecht gab es mehrere Verwundete und einen Toten. Um UVi U6t nachts griffen die Kommunisten, die ebenfalls Verstärkun­gen erhalten hatten, nochmal» an. Bei der Schießerei wurde eint Person getötet und eine große Anzahl verwundet. Wie heute morgen durch bte Feuerwehr sestge- teilt wurde, gab es gestern L Tote und 33 Verwundete. Unter den Verwundeten befinden sich ein Kommunalbe­amter und ein Feuerwehrmann. Die Angreifer bestan­den in überwiegendem Maße aus nnb'kannten Elementen.

Nach einer Meldung derMorgenpost' aus Bochum wurden tn der Nacht zum Sonntag der Nachtwächter Otto Krüger au« der Zeche .Hannibal' und der Oberftaatsfekretär Blum, bet dem Selbstschutz ange» hörte, erschossen.

Bochum, 27. Mat. Gestern Abend kam es wie­der zu größeren Unruhen. Die Demonstranten zogen zum Stadtpark und drangen tn die Villa eines Kauf­manns ein, den sie Mitnahmen. Die zu Hilfe gerufen« Feuerwehr befreite den Gefangenen und verttieb die Unruhestifter, wobei es Tote und Verwun« bete gab. Bei einer Razzia der Feuerwehr wurde« etwa hundert Gefangene eingebracht, die zumeist mtf Revolvern und Karabinern bewaffnet waren. Nachtk kam es zu einem Zusammenstoß tn der Sott* ftrafje, wobei einige Personen verwundet wurden. In der Frühe gegen fünf Uhr wurden Feuerwehr-Posten von der Eisenbahnbrücke aus mit Gewehren beschos­sen; ein Feuerwehrmann wurde durch Kopfschuß ge­tötet und zwei schwer verwundet, von denen einer im Sterben liegt. Am Stabtlnnern ist die Feuerwehr Herr der Lage. An den Stadteingängen stehen rott Wachen, die die Straßenbahnwagen und Autos an- halten und die Insassen nach Waffen untersuchen. Seit gestern früh sind in den Krankenhäusern wei­tere vier Tote und dreißig Verwund t ete eingeliefert worden; die Verwundeten schwebe« größtenteils ht Lebensgefahr.

Gerüchtweise verlautet, daß gestern auch tn Witten sich Unruhen ereignet, lvobei angeblich zwei Personen getötet und dreizehn verletzt worden seien.

Münster, 27. Mai. An Dortmund ist gestern nachmittag ein von Hörde kommendes mit Polizet- mannschaften besetzte Auto von Aufrührern überfallen, beschossen und mit Handgranaten beworfen worden« Dabei wurde ein PolizeioberwachttnMer getötet, einer durch Schüsse schwer verwundet. Zwei zur Hülfe herbeieilende Autos mit Polizetmannschaften wurde« ebenfalls in der angegebenen Weise überfallen. Dtk an dem Ueberfall beteiligten Kommunisten waren mit den modernsten Waffen, besonders mtt Handgranate« ausgerüstet.

Wanne, 27. Mai. Gestern mittag drangen kom­munistische Demonstranten auf den Platz der Zeche Fluw, Schacht Thies und erzwang dott die Nieder- legitng der Arbeit. Sie plünderten dann die Geräte- bude und bewaffneten sich den dort befindlichen Ge­räten. AlS sie auf dem Schacht Wilhelm der gleichen Zeche dasselbe versuchen wollten, schritt die Polizei nach vorheriger Warnung mtt blanker Waffe ettu Einige kleinere französische Patrouillen befanden sich auf de« Straßen. Um 11 Uhr abends war die Ruhe wieder hergestellt. Zahlreiche Personen, die mehr oder minder schwer verwitndet waren, darunter auch ein Polizeibeamter, mutzten im Krankenhaus ausge­nommen werden. 20 Ausrührer, die mtt Dolchen, Schlagringen und Revolvern bewaffnet waren, konn­ten verhaftet werden.

Witten, 26. Mai. Auch die ZecheStehen Plana- ten" ist nunmehr in den Streik getreten.

Dortmund, 26. Mai. In der Umgebung, vo, Dottmund kam es mehrfach zu blutigen Zwischenfällen, Auf der ZechePreußen" bei Lünen kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, wobei die Ruhestörer aus die Polizei mit Revolvern und Maschinenpistolen feuerten. Die Polizei erbeutete eine Maschinenpistole der Aufrührer^ die 5 Schwerverletzte hatten. Insgesamt hat die Polizei 40 Aufrührer festgenommen und abgeschoben. Auch aus der ZecheEchern 4" versuchten fcie Kommunisten, die Be­legschaft an der Einfahrt zu hindern. Sie wurden bo« der Pollzei zurückgetrieben und hatten einige Verwundete. Ebenso wird ans Castrop ein Zusammenstoß bet kommn» nitzischen Führer mtt bet Polizei gemeldet. Bisher wur­den dort 8 schwerverletzte Aufrührer in das KrankenhauI eingeliefert ,

Esse n, 26. Mai. Auf den LebtnSrnittelmärkteq wurde eS gegen Mittag wieder ruhig, ohne daß die Feuer­wehr oder ein anberer Ordnungsdienst einbegriffen hätte« Beim ersten Ansturm kam es zu einigen Ausschreitungen, wobei mehrere Schaufenster und Scheiben zertrümmert, wurden. Nach der Herabsetzung der Preise wurden di« Waren an die ruhig wartenden Käufer abgegeben. Zn weiteren Plünderungen kam eS nicht mehr.

Essen, 26. Mai. Auch hier fanden heute Lebens­mittelunruhen auf dem Weberplatz, dem Koppstadtplatz uns dem Gänsemarkt statt. DaS Pfund Fleisch mußte mit 3000 Mark verkauft werden.

Die Kommunistenherrschaft in Seksenkirche«.

Die neue gewerkschaftliche PolizeiexekUH live hat gestern ihre Tättgkett aufgenommen. Sie Hatz u.a. den Ausschank von Alkohol verboten, den Straßen­verkehr zwischeu. 10 Uhr abenbä und 4 Uhr morgens ge- fpertt unb den Lebensmittelverkauf kontingentiert. Gegen Plünderer soll mtt den denkbar schärfsten Mit­teln vorgegangen werden. |

Die ,gewerkschaftliche Psli^iexekuttve" ist ausschlicßllchs aus Arbeitern gebildet. Die Mitwirkung der Bürgerschaft, wurde abgelehnt. Die LebenSmittekpreise wechenf gewaltsam herabgesetzt. Der Betrieb in sämt- 1 lichen Bergwerken deS Bezirks ruht. Die K»Mn mu nisten sind völlig Herren der Lage.

ober «rbek et riebe, des Verkehrs usw. treten müssen.

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Somit ist die Grundlage für die neue deutsche Itartt Me geschaffen. Reben den Industriegarantien Pird auch die Garantie der übrigen Wirtschafts-

Der Anzeiaenprei, betragt fit be« 9ge(p. ZetlemulMmeter 100 2? «A*edf ne* w « ftamttien-Änz. gegen bar, 80 KN. Amtliche «nb an,». Anzeige« 1» Mk. «et Ichioierlge« CO %I|M

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