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Zmeites Blatt

Nr. 121

Sonnabend, 26. Mai 1923

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ÜBktWtlifit MAüSbttSA.

Von unserem VoUStvirtschastlichen Mitarbeiter.

Die von der Reichsregierung so bestimmt verheißene Fortsetzung der Stützungsaktion für die Mark hat bisher tolle, die auf dieses Versprechen ihre Hoffnung gesetzt hatten, ziemlich enttäuscht. Tatsächlich hat der Dollar- fgtä längst wieder die Höchstgrenze von 50 000, die er '»ot dem Beginn der Stützungsaktion erreicht hatte, er­heblich überschritten. Auch die Verschärfung der Devifin- lvrdnung scheint sich als völlig unwirksam zu erweisen. '5)03 schnelle Nachsteigcn der JnLrndspreise hinter der ^Dollarsteigerung macht ein Zurückschraubcn der Jnfta- itionsbewegung von Tag zu Tag schwieriger. Wenn jetzt

Eisenbahn und Post ihre großen Tarisverdopp»elungen jdurchfübren, wenn die Reichsgetreidestelle ihre Abgabe« '-reise vervierfacht und her Brotpreis infolgedessen mehr !«ls verdoppelt werden must, wenn endlich auch di« Wob- nungsmieten sich aus den künstlichen Fesseln, in die sie nur verfehlte Zwangswirtschaft geschlagen hat, mehr und mehr befreien, daun we den die Lebenshaltungskosten in Dr'utschland in einer Weise verteuert werden, dast der "Gedanke einer Markstabilisierung auf der bisher in Aus­sicht genommenen Basis sich als ein ebenso unmögliche.: Experiment erweist» »ird, wie der ftülere Stabilisierungs- Versuch auf der viel zu nickrigen Basis eines Dollarstandes von 20 000 sich in der Praxis bereits als undurchführbar erwiesen hat.

Den Preissteigerungen der Lebenshaltung folgen natür- hch entsprechende Mehrsorderungeu der Arbeiter und Angestellten. Schon läßt derVorwärts" wieder den Nus nach Goldlöhnen ertönen, ein Verlangen, das solange un­sinnig und unerfüllbar ist. als das deutsche Volk auf den Warenexport angewiesen ist, um Devisen zu ertveroen and als wir nur genug exportieren können, wenn wir ;billigere Arbeit liefern als das Ausland. Das Schicksal 'Oesterreichs vor der Kronenstabilisierung die doch nur durch eine Auslandshilfe möglich wurde, was uns bisher wegen des Uebcrmaßes unserer Reparationslasten versagt worden ist zeigt uns, wohin ein Land gelangen muß, wenn es in einer Inflationsperiode Goldlöhne zu zah­len versucht. Der Schrei nach den Goftflöhnen ist eine Lelbsttäuschnng derer, die sich die ganze Hoffnungslosigkeit unserer miße»politischen Lage noch immer nicht emgestehen .wollen. Woher könnten wir auch schließlich die Zahlungs- 'mittel nehmen, wenn wir den Arbeitern und Angestellten Goldlöbne zahlen wollten? Wir könnt n diese Zahlungen doch ausschließlich durch ungeheure Steigerung der Papier« Notenfabrikation ermöglichen. Daß da? ein innerer Wider- ft>rnch ist, der zum Ruin der Wirtschaft, zum Massen­elend infolge Arbeitslosigkeit führen muß, darüber sind alle Sachverständ'gen sich heute einig.

Dr weitere schrankenlose Vermehrung des Papier- geldumliNlss kann umso weniger als ein gangbarer Weg zur Linderung der Not der deutschen Volksgenossen ange­sehen werden, als die Golddecke, die als Unterlage für unser Papiergeld dienen muß, infolge der notwendigen Ooftr, die uns der Ruhrabwrhrkampf auferlegt hat. bereits wesentlich knapper geworden ist. Der Rcichs- bankausweis vom 15. Mai ergibt, daß zur D cknng der Belgien seinerzeit in Zahlung gegebenen RrichSschas- wechsel, die die Reichsbank garantiert hat, wiederum CO Mill onen Goldmark ausgegrbr.. werden mußten. Ferner bat sich auch der im Ausland l-esindliche Gsldbeflaich d r Reichsbank infolge Belastung mit Darlehrn um 12 Milke« nen Goldmark vermindert. D r Go'oschatz der Reichs­bank, der unsere letzte Hoffnung aus ein- Gesundung der Währung stützt, beträgt nur noch 841,9 Millionen Gols- mark, wovpn sich aber 212 Millionen bereits im Aus- laude befinden. Dabei ist die Inanspruchnahme der Reich:bank durch Handel und Industrie sowie durch dir Krtditl-edürfnisse des Reiches zur Zeit wieder ungc- wöhnlich stark Infolgedessen hat d:r B-nknotenumlans in der ziveiten Mai Woche wieder um rund 393 Mi'liaroen .Mark auf nunmehr 7,11 Bill'onen Mark verm hrt wer­de n müssen. Auch diese gleichzeitige Verminderung des Goldbestandes und rapide Vermehrung des Papiergeldes muß natürliih, neben der prl't'schm Lage, ständig auf i te RBnHUKSMSnsCSMHHHHnKSES

Das Licht.

Novellen von Ernst Zahn.

Der Besuch.

(Schluß.)

Tie Fahrt begann.

Schon nach zwei Minuten merkten wir, daß es in die Höllegtng. Kaum aus den Uferselsen heraus, faßte uns der Sturm. Von oben hatte man das m.ht so gesehen. Hier aber war der See schon wie von tausen­den von schwingenden Armen aufgewühlt. Es donnerte. Aber ich wußte nicht, ob es der Himmel oder das Wasser war, das lärmte. Wir sahen nicht mehr weit; denn auch das Ufer von Brunnen war Nun schon in den aus Nebel und Regen gemischten krauen Dunst gehüllt, den der Sturm vom Urnersee h rübertrug. Das schwere Boot stieg und sank, als spielte ein Meer mit ihm. Regen sauste auf uns nie- dcr und die Wellen spritzten über die Bootsrändcr herein.

»Herrgott", hörte ich Gottfried stöhnen und sah, wie er einen Blick ans User zurückwarf; er mochte wchl jetzt selbst wünschen, wir wären dort geblieben, auch auf die Gefahr hin, an diesem Abend nicht mehr nach Hause zu kommen.

Aber die beiden arbeiteten. Der Schweiß perlte ihnen aus derStirn. Ter Regen Neble ihnen die Haare an die Wangen.

ES donnerte stärker. Es blitzte. Der Wind psiss. Wo man herkam, sah man nicht. Wo man hinfuhr, wußte man nicht zu sagen.

In wenigen Minuten waren Kornelia und ich vis Ens die Haut durchnäßt. Ich sah, daß die Schwester bleicher und bleicher wurde. Sie Nagte leise und war krank.

Kandida bemerkte es. »Lege dich ins Doot Me­der", rief ste hinter uns. Sie mußte schreien, damit ste sich uns ielbst aus nächster Nähe verständlich Machen konnte.

Ich brachte Kornelia neben unserer Bank unter und edle sie so gut es ging mit einem Tuche.

Da schrie Gottfried: »Wir müssen Wasier schöpfen."

Ich sah einen Schöpfer drüben liegen, warf den »lock ab und griff zu. Aber das war eine ungeübte vnd unzulängliche Hilfe. Ich ermattete bald, fühlte, daß ich nicht vermochte, das eingedrungene Wasser aus dem bisherigen Stand zu halten und sah mich wrch Kandida um. Ich vergeffe den Anblick nicht. Tas Tuch war ihr vom Haar geglitten unv flatterte yenfo wie einzelne Fetzen ihrer Flechten im Winde. Ta- Hemd klebte ihr am Lewe. Aber sie stand da,

Bewertung der Mark drücken. Man mag gegen die Spekulation noch so schwere Vorwürfe erheben, mag sie durch Notgesetze und Verordnungen noch so sehr knebeln, man wird sie schließlich nicht verhindern können, derartige jedermann bekannte Tatsachen ihren Dispositionen zu­grunde zu legen. Gewiß ist es beschämend für uns, we in, jetzt der Kurs der polnischen Mark den der deutschen bereits überschritten hat, wenn die veraKtete österreichisch Krone, die heute schon mit 80 Pfg. bewertet wird/ au'' dem besten Wege ist, der deutschen Mark gleichwertig ober vielmehr gleich unwertig zu werden. Bis jetzt hat die Reichsbank keinen Versuch gemacht, einen neuen Kamps gegen die Devisenspekulation zu eröffnen, vielleicht in der richtigen Erkenntnis, daß die Spekulation heute an dem Schwund der Mark garnicht m?hr schuld ist.

Man braucht die Hoffnung freilich nicht auszugeben, daß die Reichsban/ schließlich doch noch zu einem ihr ge eignet erscheinender- Zeitpunkt durch ihr kräftiges Erngrei- fett der Mark wrede zu Hilfe kommen wird. Die Furcht vor dieser neuer. Aktion spielt am D:vifenmarkt noch immer eine wesentliche Rolle und verhindert wenigstens ein allzu starkes Hinabgleiten der Mark ins Nichts. Wenn die Reichsbank jetzt zur Bezahlung der belgischen Schatzwechsel Gold verwendete, so beweist das, daß sie ihre Devisenbestände schoiren will, um für einen neuen Eingriff in die Devisenkursentwicklung, also für eine neue Markstützung gerüstet zu sein. V'elleichf wird auch der Weg einer Neuauftage der Dollarschatzanleihe be- schrftten werden. Denn die unerwartet hohe Kursöe- ivertung der Dollarschatzanweisungen beweist doch, daß nach Devisen eine starke Nachfrage vorhanden ist, daß also ein neuer Versuch gegenwärtig, da die GeDinge sich 'vesenilich erleichtert hat, wahrscheinlich der ReichÄiollar- schatzanleihe einen besseren Erfolg bringen würde. Mao wird also abtvarten müssen, wann die Reichsbank es; gut finden wich, der zerfallenden Mark zum zw itm Man Hilfe zu Bringen. Die Haltung der Effektenmärkte läßt ebenfalls darauf schließen, dalß man eine solche Aktion in nächster Ze t. rioa.t t

Marburg und Umgegend.

Marburg, 26. Mai.

*W odie Sonne nicht hinkommt" beginnt ein altes Sprichwort. So geht es auch mit gern Wetter, das sich seit den drei Eisheiligen noch nicht gebessert hat. Von dem vor Pfingsten hcrbeigesehnten Regen haben wir jetzt genug, dagegen fehlt die Sonnenwärme, die zum Wachstum und Gedeihen der Pflanzen nötig ist. Viele Garten flüchte sind schon nicht mehr zu retten, gar oft muß die teuere Saat erneuert werden. Gestern schien es so als ob sich eine Wandlung vollziehen wollte, aber heute haben wir wieder die alte Leier. Wenn die Wetterberichte stimmen, ist auch vorläufig keine große Hoffnung auf Besserung zu erwarten. In anderen Gegenden ist e<- niit dem Wetter wich nicht anders. So lesen wir folgende Meldung: Im Schwarzwald herrschte in den letzt-n Tagen ein Schneesturm, wie im tiefsten Winter. Der Schnee liegt bis aus 800 Meter herab. Im Feldberg und Vebchencr-bist ist bis zu drei Gr^ föäpe.

* Beschränkung der Mtlchverw en- dun g. Rach einer neuen Ergänzungsverordnung des Retchserilährungsministers darf Vollmilch, Mager- milch und Salnie in gewerblichen Betrieben zur Be­reitung anderer Erzeugniffe als Butter und Käse, also auch zu Dauermilch nicht verarbeitet werden. Und zwar gilt diefi Bestimmung nicht nur für Kuhmilch sondern auch für Ziegenmilch und Schafmilch.

* Strafka mmer. Ein junger Mann aus Fran­kenberg stand unter der Beschuldigung, am 20. August ztoei Seminaristen in ungehöriger Weise belästigt zu haben. Gegen das schöffengerichtliche Urteil war Be­rufung eingelegt worden und gestern erkannte die Straf­kammer nach eingehender Verhandlung dahin, daß das Strafverfahren als unzulässig gelte, well Otc Sache am Tage der Anzeige, das war im Dezember, bereits verjähet gewesen fei. Der Vater des Angeklagten, der auch zu- g-egen war, will nun seinerseits Anklage wegen Kosten­ersatz stellen Der folgende Fall war recht inkressan-

als fahre sie zu ihrer Freude. Keinen Zug von Angst cder Erregung konnte ich in ihrem Gesichte entdecken. Sn ihren großen Angen allein war etn Ausdruck linier Entschlossenheit nnd zwischen ihren Brauen stand eilte tiefe Falle.

»Du mutzt ihm helfen", schrie sie den Bruder an.

Der stutzte zuerst, als habe er Furcht, das Ruder zu verlasien. Aber der Tiefgang des Bootes hatre stark zugenommen. Das Walser ging uns schon über die Knöchel, und Kornelia lag wie in einem Bade. Da zog er die Ruder ein und machte sich mit einem -weiten Schöpfer an die Arbeit.

Nun ruderte Kandida allein. Mir begann im Innern ein Feuer zu brennen, das das Wasier, das mich überschlug, nicht löschte. Ich hatte nie für einen Menschen eine so staunende Bewunderung gefühlt, tote für dieses Mädchen, das uns durch den wütenden Slurnst führte. Nicht einmal versagte der stete, ttotzige trckstag ihrer Ruder, nicht einmal nahm sie den Blick dem Felsvorsprung, hfnter befielt Schutz sie offenbar das Boot zu führen entschlosien war. Mir der auf­rechten Haltttng, den Kovf leicht und frei zurückgc- bogen, an den weißen Armen jede Muskel gespannt, bot sie etn Bild der Furchtlosigkeit, der Zuverlässig­keit und eines freien Stolzes. Eine jähe Liebe loderte himmelhoch in mir auf. Ich wurde ihrer bewußt trotz Sturm und Todesgedanken. Ich hätte es jetzt nicht als ein Unglück empfunden, wenn wir unterge- gangen wären. Mit der da drüben wäre ich obty Be­dauern im See versunken. Ich erinnerte mich, To 'sicherlich das war, im gleichen Augenblick alles deflen, was mir mißfallen batte, von den mir fremden Bauernpflichten an, die sie hatte, bis zu den mangeln­den Manieren, aber das hatte jetzt nicht Geltung. Sie war die erste, die mir das Herz packte. Es zog mich mit jäher Gewalt zu ihr hin. Aber von Wunsch und Gedanke zur Tai war noch ein Weg. Neven mir ar­beitete Gottfried; ich schämte mich, wie lahm ich gegen ihn war, und gab mir neue Mühe, es ihm gleichzutun.

Da lachte er mich an: »Siebst du, tote sie rudert?" fragte er mit einem Blick auf die Schwester. Er lachte toabrbaftig. Nun wußte Ich, daß es uns nicht ans Leben ging.

Bald darauf bogen wir um die Felsen und glitten in Wasser, das wohl immer noch tobte, aber in dem das schwere Boot unter Kandidas R Überschlägen rascher unb stetiger vorwärts kam.

»Das Weiter zieht über Laub", sagte sie auf« Gtiuenb.

In ber Tat trieb der Sturm das schwere Unheil über Brunnen landeinwärts.

Wir fuhren noch eine Weite im Schutze des Ufers und kreuzte» bann bet heller Sicht den See.

ter Natur, denn es handeüe sich darum, ob man wegen ein und derselben Sache zweimal bestraft werden kann. Drei junge Ehemänner aus Eckelshausen im Kreise Bie­denkopf hatten der an sie ergangenen Aufforderung, ihre Kinder impfen zu lassen, keine Folge geleistet und auch keinen gesetzlichen 'Grund angegeben, weshalb sie die- nicht taten. Die Folge waren Strafbefehle, die sie dann auch bezahlten. Als sie die erneuten Aufforderungen, die Kinder impfen zu lassen, wieder nicht beachteten, be­kamen sie nochmals Strafbefehle^ gegen die sie Einspruch erhoben. Das Schöffingericht ließ die Schutzbehaup- tung, daß sie bereits bestraft siien. gelten und erTannir auf Freisprechung. Das Landgericht war gegenteiliger Ansicht und erkannte wegen Uebertretung des 8 14 des Jmpfgesetzes aus je 200 Mark Geldstrafe. In ber Urteils­begründung wurde gesagt, daß die Impfung der Kinder eine gesetzliche Pflicht sei, wer bie öffentlichen Termine versäume, könne zu einem Privatarzt gehen. Di- zweite Lluffirderung sei zu Recht ergangen und deshalb sei auch die wiederholte Bestrafung zulässig. Der Einspruch eines GcwcrbetreibendeNj, der sich gegen die Preisschllder- Derorbnung vergangen hatte, wurde verworfin. Zum Schluß erschien ein junges Mädchen, das Holz entwendet haben sollte. Da es sich nur um einen Versuch handelte, mußte Freisprechung erfolgen.

*«* Drei Haufen, 24. Mat. Ein Pofaunensest muß im Freien abgehalten werden. Fast schien bas Trethäuser Fest vereitelt zu werben. Denn tn bet Frühe des Psingstblenstags goß bet Regen in Strö­men. Doch halb hatte sich bas Wetter soweit ausge- fiärt, baß bie bereits am Tag zuvor etngeiroffenen < rb vo - bim Dreihäitsertr, Heskemern unb Rotzbergern gastlich ausgenommenen Chöre ber freikirchlich luth. Posaunenchorgruppe tn Hessen unb Walbeck sich auf dem Kitchplay ber selbstänb. ev.-luth. Gemeinde zum Probeblasen versamtneln konnten. Im baran anschlie­ßenden Gottesdienst predigten Pfarrer Martin-Mar­burg über das Wort: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Durch die Pflege der edlen geistlichen Musik, tn der Gottes Wort und Musik sich durchdringen, helfen die Posaunenchöre dazu mit, daß bas göttliche Wort aufgenommen nud bewahrt wirb. Das reichhaltige Nachmittagsprogramm bot ben zahl­reich erschienenen Hörern in mannigfaltiger Abwechs­lung Vornäge ber Posaunenchore und des von Herrn Heinrich Grau-Heskem geleiteten Dreihäuser Kirchen­chores, mit denen Ansprachen verschiedener Pfarrer ber selbstünd'. ev.-luth. Kirche (Lueius-Usenborn, Greiner-Höchst a. M., Ziemer-Radevormwald. Eisen- berg-Drethausen) wechselten. Rach Erledigung Des offiziellen Programms sand ein Einzelblasen der Chöre statt, das mit einer die Chöre anspornenden Krittk des Dittgenlen, P. Ziemet, abschlotz. Der dan­kenswert reichliche Kolletteiretttag kommt in bet Haupt­sache der Fötberung ber Posaunenchöre zugute.

Ziegenhain, 25. Mai. Zwischen Merzhausen ttnb Gungelshausen wurde am 1. Pfingsttnotgen an ber Antreff die Leiche des 19jährigen Johannes Peter aus Merzhausen aufgefmtben. Wahrscheinlich liegt ein Unglücksfall vor.

H 0 m b e r 25. Mai. Die älteste Einwohnerin unserer Stadt,' vielleicht auch des ganzen Kreises, Frau Mathilde Hoffmann geb. von Baumbach, beging in grötztet Geistesfrische ihren 93. Geburtstag.

.......... Mil i nwitMa

Handels- und Marktnachrichten.

Berlin, 25. Mai. (Antti. Produktermotierung, 50 Kgt.) Weizen, märt. 9697 000, Roggen, märt., 8a86 000, Sommergerste 7376 000, Roggenmehl 100 Kgt. 220245 000, Weizenkleie 4644 500, Roggen­kleie 4544 000, Raps 155160 000, Leinsaat 160 bis 165 000, Viktoriaerbsen 110120 000, Heine Erbsen 8085 000, Futteterbsen 5065 000, Lupinen, blau, 8595 000, Lupinen, gelb, 115130000, Setadella, alt, 180200 000, Rackskuchen 7059 000, Trockenschnitzel 2627 000.

Frankfurt a. M., 25. Mai. (Börsensttmmungs- bllb.) Der Devisenmarkt, der gestern bereits vermin­derte Nachfrage zeigte, wat heute im Frühvetkedt sehr still bei weitet weichenden Preisen. Für Dollarnoten, dte gestern mit 55 000 schlossen, setzte sich morgens die

Als es zu nachten begann, landeten wir in Post­humen. Kornelia wat mehr tot als lebendig, auch ich zerschlagen und vor Natzkatte mit den Zähnen klap­pernd. Di« Geschwister hatten Helle Gesichter, als freuten sie sich einer Nichtigen Arbeit.

»Gottlob", sagte ich, als ich ausstieg.

»Es tut uns leid, daß wir euch so in Schrecken ge­bracht", entschuldigte sich Gottfried.

Kandida schwieg.

Die beiden Allen empfingen uns mit bedenklichen Mienen. Der Vater bollerte mit seinen Kindern, sie hätten bedenken sollen, daß man Stadtleuten der­gleichen nicht antun dürfe. Um sie selbst schienen sie keine Sorge gehabt zu haben.

Ich dachte, batz sie ein gesunbes Geschlecht seien.

Kandida erklärte, sie habe sich im Augenblick nur vor Augen gehalten, daß wir um jeden Preis heim müßten unb an atibere Möglichkeiten nicht gedacht.

Ich gab ihr jetzt bie Hanb. Ich gab sie auch Gottsrieb. »Danke", sagte ich kurz unb bumm.

Die Mutter brachte bie völlig erschöfte Kornelia zu Bett.

Wit anberen zogen uns um. Wir saßen bann beim einfachen Nachtmahl unb sprachen noch einiges von unserem Erlebnis. Gottfried gab zu, daß et ieibft nicht an die Rettung geglaubt habe.

Eine kleine Stille trat ein.

Dann sagte Kandida zu mit: »Morgen habt ihr alles hinter euch."

Da wußte ich, daß sie an den Aschied dachte. Ich hatte ohnehin, seit ich nun mit ihr am Tische saß, die anderen vergessen. Ich saß neben ihr und mehr als einmal zog es nllch, den Arm um ihre Hüfte zu legen. Aber ich tat es nicht. Ein eigentümlicher Zwiespalt bet Gefühle verwehrte es mit. Wie bntch einen Nebel sah ich, daß sie Brot nahm unb bamit bie Tunke auf ihrem Teller austtocknete. Et fah nachher aus wie gewaschen.

Kurz vor bem Schlafengehen fanben wir beide un5 allein in der Stube. Die Männer schauten noch nach dem Vieh. Die Mutter war in ber Küche. Es kam uns wohl betben überratoenb. Kandida trug ein lei­ses Rot im Gesicht, wie Ich es nie an ihr gesehen hatte, und ihre Livven zitterten ein wenig.

»Denk' bann manchmal noch an mich", sagte ich. Ich weiß nicht, tote mit das Wort kam.

Sie stand mit dem Rücken gegen mich über einen Nähtisch gebeugt.

Jetzt drehte sie sich um. »Das hat keinen Zweck", sagte ste.

Ich wurde warm. Ich trat auf sie zu. .Warum?" fragte ich unb streckte ihr die Hand hin.

leichte Abfchwächung fort und zwar notierte der Dolla« 54 775, erreichte jedoch bet Börsenbegttm wieder seine* Stand von 55 000; Schlußnotierung 54 200. Deck Effektenmarkt ließ keine Neigung erkennen, auf de» angekündigten Rücktritt PoinearöS zu reagieren. DIE Haltung war im Allgemeinen unsicher, doch herrsch« ein fester Grundton vor. Es machte sich stärkere Zu- rfidbaltung geltend, die j. T. Wohl tn der Verknap­pung des Geldstandes begründet, in der Hauptfach» aber auf die anschwellende kommunistische Bewegung in Westfalen zurückzltfübren ist. Jnfolgedesien bliebe» die Umsätze in engen Grenzen, unb bas Geschäft nahm einen ruhigen Verlaust Stärkere Avancen erzieNU toteberum ber Monianmartt, wo Kurserhöhungen btl zu über 50 000 erfolgten.

Kirchliche Nachrichten.

1 Trinitatisfest, (Sonntag, den 27. Man

Ref. Stadt- u. U nivers.- Kirche. 81/» Uhn

Superintendent Go:bei. 10 Uhr: Pfarrer Sic. Planneth

Landerkirchfi Gemeinschaft Marburg-Süb, Schwanaftee 51. Sonntag, vorm. 8 Uhr: Morgen­andacht. 10Vt Uhr: Sonntagzschule. Nachm. 414 Uhr: Jungfrauenverein (Milhelmstraßc 8). AbeudS 8 Uhr: Cvanaefisation. Montag, abend? 81/. Uhr: Chorprobe. Dienstao, abends 81/. Uhr: Jugendbund- stunde für junge Mädchen. Mittwoch, abends 81/» Uhr: Junkllnänner-Bibelflunde Freitag, abends 8'/, Uhr: Bibelstunde .1

Christlicher Verein junger Männer, Roter«, graben 5. Sonntag, abends V39 Uhr: Vortrag. Diens­tag, 1/28 Uhr: Gesangs- unb Posaunen stunde. Dou-i nerstag, abenb? V29 Uhr: Monatshauvtversammlun^ Samstag, abends 1/a9 Uhr: Gebetstunde.

Berliner Produktenmarkt.

Serfta. bett 25. Mai 921.

Preise für 10" Vft>. ab Station.

Welzen 960^-97000

Roggen 85000 - 86000

Sommergerste 74000 - 76000

Wintergerste

fiafer 70'00 -7200O

Wat» 8600086000

Weizenmehl 140000-IsooOO

ooanenmebl 112500-122500

Roggentlele 45000

Raps 155000-160000

R üblen

Leinsaat

Reis

Brasilia«. Vollreis

Rattoffeln

6peileetbfen, Viktoria.

erbten 111000-12,1000

SpeiseerbfikleInereOOOOO-85000

Oiutteretbfen

Ackerbohnen

Linien

Wicken 80000 - 90006

Huptn blaue 85000 - 95000

gelbe 115000-130006 Serabella alte 180000-20006

neue Trockenschnitzel 26000-27006 Runkelrüben

Möhren, rote

.. gelbe - <

Mohn

Torfmelasse

Wiesenheu, lose 24500 25506 ftleebeu

Stroh brahtgepr. 2<500 - 27500

gebündelt 24000 - 26000

Der Wert der Mark im Auslande.

grmtlfttrt, bett 25. SRai 102«.

Für 100 Mark wurden gezahlt:

G« werden

in Zürich

0.01

vordem Krieg:

125.42 Fr.

gez IFr.

rhlt für: Mk 9800.-

Amsterdam

0.04

59.20 Euld.

1 Eld.

21500.

Kopenhagen

0.01

117.80 Kron.

1 Kr.

10050.

Stockholm

0.07

115.80 Kron.

1 Kr.

.14400.-

Wien

88.80 Kron.

1 Kr.

» -.76

Prag

88.80 Kron.

1 Kr.

1626

London

0X7

97.80 Schill.

1 Sch. IDll.

12625.

NewPork

0.01

23.80 Doll.

54200

Pari»

0.03

125.40 Fr

1 Fr.

360.1.

Für dfi Schriftleitung verantwort!.: Dr. C. Hitze rot h. Für den örtlichen und promnz. Teil: Wilhelm Wihn er, Sprechzeit der Stfirifffeituna 6'5 '/,!! Ubr vormittags.

-7; Sonntags U.12

«sestylerytsleiden

Slntunterf. Ohne BeenfostSr. Kein Quecksitb. Sy Aufkl. Drosch. Nr. 25 geg. Einiendung von 1500 All. F 5pez. flrzi DLßoIIaenders

Frankfurt a. Bethmannstratze 56. (8886

Wer weiß, was geworden wäre, wenn ste jetzt nein beigegeben hätte. Sie legte ihre Hand einen Augen­blick in die meine. »Ich weiß nicht", antwortete sie.

Ich fühlte meine Finger gepreßt wie jüngst. Abq bann ging ste plötzlich hinaus.

Ich bekam ste nicht mehr zu Gesicht. Am AbenW nicht. Auch am Morgen nicht, als Gottfried Kornelia und mich zum Damvfboot ruderte. Die Mutier sagte, sie habe ftüh mit Gemüse hinüber nach Weggls ge­mußt. Was sie dachte oder wußte, konnte ich im Ge­sicht der stillen Frau nicht entdecken.

Der Professor hielt inne. Es war ein wenig still zwischen Lauschern und Erzählern. Ein paar Weiß, köpfe fahcn einander an und lächelten tote zu Hein» lüstern Verständnis. Tann fügte Findeifen noch hi» zu: »Wir sind nie mehr nach Posthumen gekommen. Tie Eltern waren einmal dort. Auch hörten wir, daß die Kandida einen verwitweten Nachbarn geheiratet hae. Der Mann hatte fünf unmündige Kiiwer. Ich habe tn der Zeit viele Mädchen gefehen. Sie hatten zarten Väcklein unb Hänbe unb sie wuschen sich mit seiner buftenber Seife. .Sie wußten sich auch seht wohl zu benehmen. Unb es waren ein paar inne« wie außen ansehnliche Menschenkinber barunter. Nur bie wuchtvolle freie Art ber einen hatte keine. Ich habe mir ben Kopf zerbrochen. Vielleicht hätte bie itanbtba man schliff ja auch bem Stein bie Schlacken ab. Aber bann wußte ich, batz sie nicht ge« schliffen werben wollte. Unb bann schienen mir bie anberen boch wleber nur wie Puppen ober tote fanfte Schäfchen. Nun unb Kornelia blähte btt feinen Nüstern auf. Kornelia ist sehr steif nnv auf* recht unb ihre schöne Nase ist jetzt ein toentg spitz. Sic ist bei mir geblieben, tote Ihr toi6t, wett ich keine HauSftau habe. Sie bat immer eine iffiaife Zunge gehabt unb alles getadelt, was ihr nicht m bett Kram patzte unb barum hat sich keiner an sie ger tragt. £eute überraschte sie mich mit bem Ausspruch das einzige vernünftige Mannsbllv, bas ihr im Lebe« begegnet, fei ber ©ottfrieb Amretn getocfen, aber tote gesagt, sie blähte bie Nüstern, als belelblgte ettoaz ivre Nase unb sie ivebte ihr Tajchentüchleln, batz ber Feinleulrbuft un5 ganz umhüllte ganz umhüllte."

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